Portugal: Staatsschulden wachsen ungebrochen

von am 3. April 2014 in Allgemein

Das portugiesische Statistikamt (Instituto Nacional de Estatistica) berichtete im Rahmen des europäischen Haushaltsüberwachungsverfahrens die Daten zum Defizit und zur Verschuldung des Staates an die Europäische Kommission. Für 2013 wurde ein Bruttoschuldenstand für den portugiesischen Gesamtstaat von 213,631 Mrd. Euro ausgewiesen, dies entsprach 129,0% des nominalen BIPs. Aber damit nicht genug, die volle Fahrt der “Fortschritte” hält an, nach den aktuellen Daten der portugiesische Zentralbank (Banco de Portugal) schossen die Bruttoschulden des Staates, der Zentralregierung, der regionalen und lokalen Regierungen und Sozialversicherungen im Februar 2014 auf ein neues Allzeithoch, mit 220,591 Mrd. Euro. Dies entsprach dann bereits ca. 133,2% des nominalen BIPs. Die Fortschritte der Strategie der Troika, der Eurokraten und deren portugiesischen Vertreter in Punkto Staatsschulden sind wirklich atemberaubend :)

1aDie Entwicklung der Bruttostaatsschulden Portugals in Mrd. Euro seit Q1 2000 bis Q4 2013 (213,631 Mrd. Euro) und für Februar 2014 im Chart. Zuletzt im Februar 2014 lagen die Bruttostaatsschulden bereits bei 220,591 Mrd. Euro bzw. 133,2% des nominalen BIPs.

Chapeau!, es geht weiter voran:

1aDie Entwicklung der Bruttostaatsschulden Portugals in Prozent des nominalen BIPs seit 1955 bis 2013 und für Februar 2014 im Chart. Im Jahr 2013 stieg der Bruttostaatsschuldenstand auf 129,0% des nominalen BIPs, im Februar 2014 sind es bereits 133,2%!

Das nominale BIP stieg zuletzt 2013 um +0,3% zum Vorjahr, auf nur 165,666 Mrd. Euro, nach 165,107 Mrd. Euro 2012, nach 171,126 Mrd. Euro 2011 und nach 172,860 Mrd. Euro im Jahr 2010.

Zu solchen Daten finden sich Null-Reaktionen im medialen Blätterwald, zuletzt am 31.03.2014 fabulierte das Wall Street Journal Deutschland: “Portugal: Vom Pleitekandidat zum europäischen Musterschüler” …Ja, dann ist ja alles gut…!

1aDie Entwicklung der Bruttostaatsschulden in Prozent des nominalen BIP, in Griechenland (blau), Portugal (rot), Spanien (grün) und Italien (lila) von 1955 bis 2013, laut den Daten des IWF, Eurostat bzw. Statistikämtern. Während für Portugal (129,0%), Italien (132,6%) und Spanien (93,9%) bereits offiziell Daten für 2013 vorliegen, sind es für Griechenland vorläufig geschätzte 177%, AMECO als Datenbank der Europäischen Kommission weist in der Schätzung 177,3% aus.

Quelle: Ine.pt/Press Release: Excessive Deficit Procedure (1st notification 2014) – 2014, Bportugal.pt/Zentralbank-Datenbank des Statistical Bulletin

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25 KommentareKommentieren

  • Marcito - 3. April 2014

    Bankrott!

  • Xeus - 3. April 2014

    Ich verstehe nicht warum Staatsschulden immer ins Verhältnis zum BIP gesetzt werden? Wäre es nicht sinnvoller die Staatsschulden ins Verhältnis zum Staatseinkommen, also zum Steueraufkommen, zu setzen?

    Für eine Privatperson gibt es ja die einfache Faustformel beim Hauskauf: Nicht mehr als das 4-5 fache Brutto Jahreseinkommen an Kredit aufnehmen.

    Zumindest ich fände es mal spannend eine Statistik zu sehen die das Verhältnis zwischen Steueraufkommen und Staatsschulden aufzeigt. Für mich wäre das viel Aussagekräftiger als ein Bezug zum BIP.

    • Nicolas - 3. April 2014

      Ich würde vermuten das hat 2 Gründe :

      - BIP “verursacht” direkt oder indirekt in späterer Folge Steuereinnahmen

      - BIP ist eine grössere Zahl daher klingt es nach weniger

      • Friedrich Dominicus - 3. April 2014

        “BIP ist eine grössere Zahl daher klingt es nach weniger”

        In der Tat, ca 2 000 000 000 000 vs ca 350 000 000 000. Ergo brauchen wir “nur” ca 7 Jahre jeden Cent in die Schuldentilgung stecken und wird sind “schuldenfrei”…..

    • Rob - 4. April 2014

      Im Verhältnis zum BIP macht schon Sinn. Das Steueraufkommen läßt sich schnell ändern , das BIP nur langsam (außerdem kann das Staatseinkommen das BIP nicht übersteigen). Mußt halt nur diejenigen zusätzlich besteuern, die auf zusätzliche Steuern nicht mit weniger Konsum reagieren, sonst bricht Dir das BIP ein.

      Die Vereinigten Staten haben ihre Verschuldung zwischen 1945 und 1980 von über 100% des BIP’s auf weniger als 40% reduziert. Der Grenzsteuersatz auf sehr hohe Einkommen lag jedoch in dieser Zeit niemals unter 70% und das Wirtschaftswachstum war im Vergleich zu heute hoch.

  • Nicolas - 3. April 2014

    Mich beschäftigt in letzter Zeit folgender Gedanke : kann Staatsverschuldung mit permanenten Defiziten überhaupt stabil werden?

    Ich hatte bis jetzt verstanden dass “gute” Verschuldung (zB Infrastruktur) das BIP wachsen lässt und somit können Schulden/BIP runtergehen.
    Aber BIP kann in einer endlichen Welt nicht bis in alle Ewigkeit wachsen dh das muss ja irgendwann zu Ende sein und Schulden/BIP steigt wieder.

    Selbst wenn man, wie heute, Finanzmärkte hat die anscheinend ohne Probleme alle Schulden aufsaugen müssen doch irgendwann Budget-Überschüsse her um das zu stabilisieren oder nicht?
    Nicht 3% Defizit, sondern Überschüsse.
    Auch ohne den Faktor Zinsenerhöhung entwertet sich doch irgendwann die betroffene Währung oder verstehe ich da was falsch?

    • Chotschen - 3. April 2014

      Irgendwann müssen die Ersparnisse, die jeder Schuld gegenüber stehen, einmal für nicht mehr tilgbare Schulden gerade stehen. Entweder, weil sie verfallen, oder weil diese Ersparnisse ausgegeben wurden und die Steuereinnahmen erhöht haben. Man kann natürlich auch dafür sorgen, dass Banken Privatpersonen ganz viele Schulden verleihen, mit denen die Wirtschaft angekurbelt wird, aber das funktioniert auch nur so lange, bis die Investoren ihr Schuldendilemma realisieren und dann muss wahrscheinlich der Staat die mit faulen Krediten belasteten Banken wieder fit machen. Ohne Ersparnisabbau von besonders vermögenden Personen oder Unternehmen wird es keinen Schuldenabbau geben.

    • thewisemansfear - 3. April 2014

      Von stabil kann keine Rede sein. Man versucht sich ja durch mehr Wachstum aus der Schuldenfalle zu winden. Nur so lange die Zunahme des BIP größer gleich den Neuschulden + akt. Zinslast ist, erhält sich der Laden weiter am Leben. Wie das auf Dauer funktionieren kann, kann jeder selbst überlegen. Es werden sich sicher ein paar Ökonomen finden, die das genauer erläutern können…
      Investitionen in Infrastruktur sind zudem nur Einmal-Effekte, daraus generiert sich kein fortlaufendes Mehr-Wachstum, d.h. es zählen eigentlich nur Produktiv-Investitionen. Wird interessant, wenn der Maschinenpark irgendwann vollautomatisiert läuft.
      Schon jetzt machen sich wer weiß wie viele Leute nur noch Gedanken darum, wie sie ihren Mitmenschen das Geld aus der Tasche ziehen können. Es ist wie im Hamsterrad, ohne Ziel…

  • Schmidt - 3. April 2014

    Hallo Xeus,
    die Zahlen für Portugal kenne ich nicht, aber ein anderer “Musterschüler” in der Eurozone hat 2012 168 Milliarden € Steuern eingenommen.
    Es handelt sich dabei um Spanien. Für 2013 gibt es noch keine aggregierten Daten.
    Aber am Ende der monatlichen Werte für Dezember, ist im folgenden Dokument auf Seite 12,
    als Jahressumme der Wert von 168,847 Milliarden € zu finden.

    http://www.agenciatributaria.es/static_files/AEAT/Estudios/Estadisticas/Informes_Estadisticos/Informes_mensuales_recaudacion_tributaria/2013/IMR_13_12.pdf

    Es handelt sich dabei um die Einnahmen des Zentralstaates. Die Einnahmen der Comunidades autonomas (Länder) und Gemeinden, z.B. die Grundsteuer erheben, sind hier nicht enthalten.

    Zum Vergleich die spanischen Staatschulden Ende 2013 betrugen 961,555 Milliarden €.
    Die Schulden sind gegenüber 2012 um ca. 75 Milliarden gewachsen.
    Davon entfallen ca. 800 Milliarden auf den Zentralstaat.

    http://economia.elpais.com/economia/2014/02/17/actualidad/1392627220_817904.html

    2012 TAX
    REVENUE
    ANNUAL
    REPORT
    2012
    I-1
    Total tax revenue managed by Spanish Tax Agency amount
    ed to €168.57 billion in 2012 and grew by 4.2% in a
    year-to-year comparison

    • Xeus - 3. April 2014

      168 Milliarden / 800 Milliarden = 4,76

      Damit steht Spanien jetzt nicht so schlecht da dass man von Pleite reden kann oder?

      Wenn ich ein Netto Einkommen von 24,000€ habe (2,000€/Monat) und das 4,76 fache an Kredit aufnehme (114,240€), dann müsste ich bei einem Zins von 3,6% ca. 4112€ pro Jahr oder ca. 342€ pro Monat an Zinsen zahlen.

      Da kann doch niemand von Pleite reden?

      • MartinR - 3. April 2014

        Je nach dem, was Sie sonst noch fuer Ausgaben und Fixkosten haben. Und die suedeuropaeischen Laender haben da jede Menge, u.a. Die Sozialkassen bei den hohen Arbeitslosenzahlen.

  • JL - 3. April 2014

    Die europäische Geld- und Wirtschaftspolitik- einschließlich den Vorgaben aus Brüssel gegenüber den (noch) südlichen Krisenstaaten ist schon toll. Da werden dauerhaft ganze Wirtschaftsregionen eingestampft, die Leute aus fiskalischer Sicht als Zitronen betrachtet, „unnötiger“ Ballast an Sozialleistungen einfach gestrichen und die Verschuldung steigt trotzdem. Nun könnte man ja noch etwas staatliches Tafelsilber veräußern, nur leider hatte man diese Idee schon vor Jahren praktisch umgesetzt- da gibt es also nichts mehr.
    Dafür gibt es aber sicher bald wieder staatliches „Taschengeld“ für die Banken. In Summe so 45 Milliarden Euro sollten es aber schon sein, soviel steht noch als Rückzahlung an die EZB aus (Stand Oktober 2013).

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/13/europas-banken-koennen-sich-nicht-aus-eigener-kraft-retten/

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Schmidt - 3. April 2014

    Hallo Xeus,
    im Fall von Spanien kommen je Jahr 60 – 70 Milliarden neue Schulden hinzu.
    60 / 168 = 0,35. Das würde, übertragen auf Ihr Beispiel bedeuten, sie geben 2000 * 0.35 = 700 pro Monat mehr aus, als Sie einnehmen.
    Das geht eine Zeit lang gut, fragt sich eben immer wie lange. Da die EZB heute angekündigt hat, auch Anleihen zu kaufen, wenn es denn nötig werden sollte, kann das Spiel noch eine ganze Weile weiter gehen.

    • Xeus - 4. April 2014

      Die Zukunft ist per se unsicher, aber in der Gegenwart kann Spanien problemlos seine Schulden bedienen, wenn die Zahlen richtig sind.

      Mag ja sein dass sie derzeit zu viel neue Schulden aufnehmen, aber dennoch sollte man dann davon reden das Spanien in Zukunft evtl. Probleme bekommt, aber man kann doch nicht sagen das Spanien heute Probleme hat?

      Deswegen würde es mich ja interessant mal zu sehen wie das bei anderen Staaten der Welt so aussieht mit dem Schulden/Einkommen Verhältnis (aktuell).

  • Klaus - 3. April 2014

    Telepolis hat vor ein paar Tagen einen Bericht über die Vergreisung Portugals geschrieben.
    Sinkende und vergreisende Bevölkerung bei exorbitanten Staatsschulden. Vielleicht sollte man auch darüber nachdenkien, dass neben der Verschuldung das riesige zukünftige Rentenproblem hinzukommt. Aber das ist nicht nur allein ein Problem dieses Landes.
    Viel Spaß beim Retten!

  • Querschuss - 4. April 2014

    @Xeus, @all,
    die Darstellung der Bruttostaatsschulden zum nominalen BIP sind das gängigste Mittel, letztlich lassen sich hier auch lange Datenreihen auftreiben, so wie in den Charts im Artikel seit 1955. Das BIP zeigt die gesamte Bruttowertschöpfung value added und somit das wirtschaftlich erzielte Potential, welches Auswirkungen auch auf die Steuereinnahmen hat und auf deren Potenzial.

    Steuereinnahmen können auch zu niedrig sein, gemessen an einem ausgeglichenen Haushalt, weil die Steuersätze zu niedrig sind bzw. wichtige Gruppen nicht adäquat besteuert werden. Natürlich können mit diversen Hintergrund auch die Ausgaben zu hoch sein oder eben eine Mischung aus zu niedrigen Einnahmen und zu hohen Ausgaben.

    Das Steueraufkommen sieht bereits ganz anders aus, wenn man auch die Sozialversicherungen berücksichtigt, wobei die Einnahmen dort ja meistens Durchgangsposten sind, mit staatlichen Zuschüssen. Gezahlte Beiträge, ob für Krankenkasse oder Rentenkasse stehen dem Zentralstaat aber im Prinzip nicht zum Schuldendienst oder Tilgung zur Verfügung.

    Beim Zentralstaat liegen vom Volumen her immer die meisten Schulden, aber nicht die Masse des Gesamtsteueraufkommens. In Spanien betrugen die gesamten Steuereinnahmen von Zentralregierung, regionalen Regierungen, kommunalen Verwaltungen und Sozialversicherungen 2013 386,250 Mrd. Euro. Das gesamtstaatliche Defizit nach Maastricht betrug 2013 -72,416 Mrd. Euro.

    Quelle: http://www.igae.pap.minhap.gob.es/sitios/igae/es-ES/ContabilidadNacional/infadmPublicas/Documents/AAPP_Trimestral/AAPP.xls

    Die gesamtstaatlichen Bruttoschulden betrugen Ende 2013 960,676 Mrd. Euro

    Quelle: http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/a1105e.pdf

    Die Bruttoschulden nur des Zentralstaates betrugen 804,959 Mrd. Euro, Ende Februar 2014

    Quelle: http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/e0603e.pdf

    Das Steueraufkommen 2013 nur des Zentralstaates betrug 128,388 Mrd. Euro, das Defizit nur der Zentralregierung 2013 -45,446 Mrd. Euro, allerdings ohne die Summen für die Bankenrettungen, dass heißt der Bruttoschuldenstand der Zentralregierung wächst viel schneller als es das ausgewiesene Defizit impliziert.

    Quelle: http://www.igae.pap.minhap.gob.es/sitios/igae/es-ES/ContabilidadNacional/infadmPublicas/infadmCentral/Documents/Estado-M/Estado_mensual_02_14.xls

    2013 zahlte der Zentralstaat auf seine Bruttoschulden 28,777 Mrd. Euro Zinsen, bei Steuereinnahmen von 128,388 Mrd. Euro. Immerhin 22,4% der Steuereinnahmen, das mag noch funktionieren, aber ist bereits ordentlich und dies bei niedrigen Zinssätzen.

    Letztlich dürften die Bruttostaatsschulden zu den Steuereinnahmen nur andere Unschärfen in der Betrachtung enthalten, wie die Bruttostaatsschulden zum nominalen BIP.

    Wenn ich von faktisch insolvent rede, dann nur im Zusammenhang mit den knapp über 1000 Mrd. Euro Nettoauslandsschulden Spaniens, denn sobald ausländische Geldgeber diese Schulden nicht mehr refinanzieren würden und auf ein fällig werden bestehen würden, wäre Spanien gegenüber dem Ausland zahlungsunfähig. Volkswirtschaften mit Nettoauslandsschulden von 100% des nominalen BIPs und gar darüber sind faktisch Pleite und sind auf Grund ihrer Wirtschaftskraft niemals in der Lage so eine Nettoauslandsverschuldung aller Sektoren der Volkswirtschaft abzubauen.

    Quelle Nettoauslandsverschuldung:
    http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/a1721e.pdf

    Der Staat könnte seine Situation jeder Zeit verbessern mittels Steuererhöhungen für hohe Einkommen und Vermögende, welche eh nicht adäquat zur Finanzierung des Staates herangezogen wurden und werden oder via Einmal/Sonderabgaben. Die Position als Nettoauslandsschuldner dagegen lässt sich nur mittels wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verbessern, vor allem mittels der Herstellung von handelbaren Waren und Gütern, dass ist ein steiniger Weg für Spanien, faktisch bei 1000 Mrd. Auslandsschulden, fast unmöglich.

    Gruß Steffen

    • Xeus - 4. April 2014

      http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/a1721e.pdf

      Sehr interessant. Das sind doch keine Staatsschulden oder verstehe ich das Dokument nicht richtig? Da werden Investitionen dargelegt, d.h. wie viel Vermögen Spanier im Ausland halten und wie viel Ausländer in Spanien halten.

      Es scheint mir völlig logisch das Spanien sehr hohe Investitionen aus dem Ausland erhält aus verschiedenen Gründen. Zum einen haben extrem viele Ausländer Ferienimmobilien in Spanien und zum Anderen befinden sich doch im Süden Spaniens die größten Gewächshäuser Europas die vermutlich nicht Spaniern, sondern ausländischen Unternehmen gehören.

      Wenn ich richtig liege dann brauchen aber die Spanier für diese Investitionen weder Zinsen zu zahlen, noch diese Investitionen jemals zurück zu zahlen. Es ist vielmehr so das diese ausländischen Investitionen doch auch von Ausländern bezahlt werden (Touristen und ausländischer Einkauf von Erdbeeren usw.).

      Oder liege ich da jetzt total daneben?

      • Querschuss - 4. April 2014

        Hallo Xeus,
        unten links in der PDF ist der NIIP-Ausweis bzw. die aktuellen Nettoauslandsschulden Spaniens, also der Saldo aus den Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten und damit die Vermögenssituation aller Sektoren einer Volkswirtschaft eines Landes gegenüber dem Ausland.

        Siehe hier:
        http://www.querschuesse.de/spanien-1004464-mrd-euro-nettoauslandsschulden/

        Gruß Steffen

        • Xeus - 4. April 2014

          Also wenn ich das richtig sehe, dann ist der größte Posten in dem PDF:
          Portfolio investment:
          Foreign Investment in Spain: 903.0

          Und auf der Webseite unten wird erklärt, dass das FPI die Immobilien enthält die Ausländer in Spanien besitzen, ebenso wie Unternehmensbeteiligungen:

          http://www.globalization101.org/differences-between-portfolio-and-direct-investment/

          Das passierte als logische Folge des Euro-Raums, auch das kann man aus Ihrer Grafik gut erkennen.

          Genau deswegen müssen die Spanier diese 903 Millionen Euro weder bedienen noch jemals zurück zahlen (die Häuser können ja Spanien gar nicht verlassen). Es sind also keine Direkt-Schulden in Form von Rechtsansprüchen auf Zahlung in Euro, sondern einfach unbewegliche Assets. Die Erträge dieser Assets kommen zudem noch aus dem Ausland in Form von Touristen und dem Groß-/Einzelhandel der in Spanien Erdbeeren und andere Waren einkauft.

          So verstehe ich das jedenfalls bis jetzt.

          • Querschuss - 4. April 2014

            Hallo Xeus,
            für die Ermittlung des Auslandsvermögensstatus werden nur finanzielle Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland saldiert. Der Status soll die Gläubiger bzw. Schuldnerposition herausarbeiten. Wenn du in Spanien bar Cash eine Immobilie erworben hast, bist du weder Gläubiger noch Schuldner und fällst mit deinem Kauf im NIIP nicht ins Gewicht.

            Zu besseren Verständnis, hier von der Buba: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Standardartikel/Statistiken/auslandsvermoegensstatus.html

            Portfolioinvestitionen sind im NIIP, nur Wertpapieranlagen (Aktien, Zertifikate, Anleihen, darunter auch Staatsanleihen, Derivate usw.), aber auch da musst du saldieren und darfst nicht nur die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland nehmen, wie oben in deinem Kommentar.

            Hättest du bei einer spanischen Bank deine Immobilie in Spanien per Kredit finanziert, dann hätte die spanische Bank eine Forderung, die natürlich im NIIP einfließen würde und selbstverständlich musst du Zinsen zahlen und tilgen an die spanische Bank. Ein typischer Gläubiger-Schuldner Fall mit einer Auslandsposition.

            Unternehmensbeteiligungen Deutscher in Spanien lösen sehr wohl einen Zahlungsfluss aus, nämlich durch Gewinnausschüttungen und Dividenden an die Eigner – von Spanien nach Deutschland.

            Du kannst also davon ausgehen, dass auf die knapp über 1000 Mrd. Euro Nettoauslandsschulden Spaniens, Zinsen, Dividende, Gewinnausschüttungen usw. zu leisten sind und dies als Nettoposition.

            Gruß Steffen

          • Xeus - 4. April 2014

            Danke für den Link zur BuBa.

            Allerdings kann ich Ihrer Argumentation so nicht folgen. Zwei Beispiele:

            Ein deutscher Unternehmer beschließt in Spanien Erdbeeren anzubauen. Dann wird er ein Subunternehmen in Spanien gründen oder sich an einem beteiligen und daran Anteile halten. Die Erdbeeren werden dann nach Deutschland exportiert und hier verkauft, der Verkaufserlös fließt nach Spanien, wird dort versteuert und der Gewinn wieder zurück nach Deutschland. Warum sollte in dem Fall Spanien Zinsen oder Gewinne zahlen? Es sind doch nur Deutsche Unternehmen die Ihre Tätigkeit nach Spanien verlagert haben, weil es in Deutschland eben nicht möglich ist im Winter Erdbeeren anzubauen.

            Zweites Beispiel: Apple
            Applet lässt in China von FoxConn produzieren. Das Geld für den Bau von Fabriken bekommt FoxConn aus dem Ausland (siehe http://www.foxconn.com/Investors_En/Investors.html). Die produzierten Produkte werden in den USA verkauft und der Gewinn fließt nach China und wird dort von FoxConn wieder in die USA gezahlt. Damit hat doch in dem Fall nicht China eine Schuld gegenüber den USA? Allerdings taucht dies als Verbindlichkeit Chinas gegen die USA auf und führt zu einem Handelsbilanzdefizit. In Wirklichkeit wurden aber nur Tätigkeiten nach China verschoben zum Vorteil Chinas. Das ist also für China positiv, nicht negativ.

            Macht das Sinn?

            • Querschuss - 4. April 2014

              Hallo Xeus,
              der Verkaufserlös der Erdbeeren spiegelt sich in der Leistungsbilanz wider, genaugenommen in der Unterbilanz Handelsbilanz. Die Beteiligung des deutschen Unternehmers in Spanien am Erdbeerunternehmen löste einen Kapitalexport aus, gleich Direktinvestition (Kapitalbilanz), seine erworbene Anteile sind ein Vermögenswert, der ins NIIP einfließt. Dieser Vermögenswert (Unternehmensbeteiligung) in Spanien liefert über seine Anteile Gewinnbeteiligung in Form von z.B. Gewinnausschüttungen oder auch Dividende an den deutschen Unternehmer.

              Nur es bringt nichts, was du dort im Einzelfall konstruierst, denn nicht nur die Erdbeeren werden ausschließlich in Deutschland verkauft und nicht nur Deutsche halten in Spanien finanzielle Vermögenswerte, zu denen auch Unternehmensbeteiligungen zählen.

              Dies ist kein Kreislaufmodell, sondern Spanien hat per Saldo 1000 Mrd. Euro mehr an Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland, als an finanziellen Forderungen, was eben die Nettoauslandschulden verdeutlichen und aus den bestehenden Verbindlichkeiten und Forderungen fließen Zinsen, Dividenden und Gewinnausschüttungen usw. in beide Richtungen, aber aus der Nettoposition (1000 Mrd. Euro Nettoauslandsschulden) fließt für Spanien per Saldo Kapital an das Ausland ab.

              Im Rahmen von einer komplexen Zahlungsbilanz und dem NIIP mit isolierten Einzelbeispielen zu arbeiten führt zu nichts.

              Dasselbe gilt für dein zweites Beispiel, isoliert betrachtet entstehen aus den Direktinvestments in FoxConn soweit sie aus den USA kommen, Auslandsvermögen für die Investoren, nur in viel höheren Maße investieren Chinesen und auch der chinesische Staat selbst in die chinesische Wirtschaft und Chinesen investieren auch in den USA. Per Saldo hat China Nettoauslandsvermögen, ….ja die wirtschaftlichen Aktivitäten die nach China verschoben wurden sind für China positiv, weil diese und die welche sie selbst aufgebaut haben, viel mehr einspielen und auch zu höheren Auslandsforderungen führten, als wie zu Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.

              “Allerdings kann ich Ihrer Argumentation so nicht folgen”… Du musst ja meiner Argumentation nicht folgen, vielleicht sind meine Beschreibungen nicht zielgenau oder verwirrend, es reicht wenn du dem Link der Buba folgst, da ist letztlich beschrieben was das NIIP ausmacht und damit Nettoauslandsvermögen oder eben Nettoauslandsschulden.

              Gruß Steffen

  • Rolmag d. ÄJ. - 4. April 2014

    Mir kommt das ein wenig vor wie zu Beginn des 19. Jhd..

    Damals machte die Meldung die Runde, dass bald ein Meteroit die Erde zerstören werde, woraufhin tausende Deutsche ihr ganzes Geld verfressen, versoffen und sonstwie verjubelt haben.

    Dann kam doch kein Himmelskörper geflogen und tausende habens ich wegen ihrer Privatpleite das Leben genommen.

    Exakt so kommt mir die Zone auch vor, momentan noch in der Feierphase.

    Deutschland ist auch bloß noch ein Scheinriese, der von der Hand in den Mund lebt und sich zum nächsten Brot mit aller Macht strecken muss.

    • Rolmag - 4. April 2014

      “Mir kommt das ein wenig vor wie zu Beginn des 19. Jhd..” Korrektur: zu Beginn des 20. Jhd.

  • Canpichurri - 4. April 2014

    Das ist auch eine Bankrotterklärung der deutschen Presse! Man kann die getrost bei Seite legen und sich in Foren wie Querschüsse informieren.