Portugal verfehlt klar die Sparziele

von am 1. Oktober 2011 in Allgemein

Wie Portugals Instituto Nacional de Estatistica (INE) gestern berichtete betrug im 1. Halbjahr 2011 das Staatsdefizit nach Maastrichtdefinition und damit die Neuverschuldung des Staates satte -8,3% des nominalen BIPs. Der Fehlbetrag betrug im 1. Halbjahr 2011 bereits rund -7 Milliarden Euro, in der Projektion bis Ende 2011 soll das Defizit “nur” auf -10,7 Mrd. Euro steigen. Weiterhin hält die Regierung an diesem doch langsam unrealistischen Ziel, von einem Haushaltsdefizit von -5,9% des BIPs bzw. von -10,7 Mrd. Euro für 2011 fest, welches in der Projektion einem Bruttoschuldenstand von 172,629 Mrd. Euro bzw. von 100,8% des nominalen BIPs zum Jahresende 2011 entsprechen würde.

Nachdem im 1. Halbjahr die Projektion massiv verfehlt wurde, müsste Portugal um die Targets einzuhalten und damit seinen Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erfüllen, bis Jahresende sparen bis es quietscht. Portugal hatte bisher aus dem Rettungsschirm, der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), insgesamt 78 Mrd. Euro an Hilfen erhalten.

Die Entwicklung des jährlichen Staatshaushaltsdefizits seit 1977 im Chart. Für 2011* steht das Defizit von -8,3% des nominalen BIPs aus dem 1. Halbjahr 2011. Deutlich wird anhand des Charts aber auch, dass die Staatsdefizite chronischer Natur sind!

Auch das Staatshaushaltsdefizit für 2010 wurde nach oben korrigiert, auf -9,8% des BIPs, bisher nicht beachtete Schulden der autonomen Insel Madeira schlugen zu Buche. Von Madeira’s Regional Government musste ein Defizit in Höhe von -975 Millionen Euro nachträglich für 2010 verbucht werden. Aus Madeira wurden kumulierte Schulden aus 2008, 2009 und 2010 in Höhe von 1,2 Mrd. Euro vom Statistikamt INE in den Bruttoschuldenstand aufgenommen.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes in Mrd. Euro seit 1995 bis 2011* im Chart. Die 172,629 Mrd. Euro an Bruttoschuldenstand für 2011* reflektieren den erwarteten Bruttoschuldenstand unter der unrealistischen Erwartung von nur -5,9% des BIPs an Neuverschuldung für 2011.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstands des Staates in Prozent des nominalen BIPs von 1995 bis 2011*. Für 2011* wird ein Schuldenstand von 100,8% des nominalen BIPs erwartet. Dies dürfte zu niedrig angesetzt sein, da die Neuverschuldung für 2011 laut Plan bei 5,9% des nom. BIPs 2011 liegen soll, aber im 1. Halbjahr 2011 mit +8,3% bereits deutlich darüber lag.

Das nominale BIP 2011 in Portugal soll voraussichtlich 171,321 Mrd. Euro betragen, aber wie gravierend sich ein wirkliches Sparen im Staatshaushalt auch auf das BIP auswirken könnte, zeigen die hohen Staatsausgaben von 78,469 Mrd. Euro im Jahr 2010, die einem Staatsanteil am BIP von 45,6% entsprachen! Nicht nur Portugal hat gewaltige strukturelle Defizite und Fehlentwicklungen, die in eine unterentwickelte Leistungsfähigkeit der Wirtschaft mündeten, die wiederum eine Bewältigung der Staats- und Leistungsbilanzdefizite kaum hergibt. Auch die anderen Länder der Südperipherie der Eurozone inklusive Frankreich kämpfen mit ähnlichen Problemen, zusätzlich zum Staatshaushaltdefizit weisen diese Länder alle auch ein Leistungsbilanzdefizit aus und sind so sehr in der Bredouille, dass letztlich auch eine Transferunion nicht mehr hilft, da diese die wenigen Zahler komplett überlasten würde.

Die Staatshaushaltsdefizite 2010 im Chart in Mrd. Euro von Portugal (-9,8% des nom. BIPs), von Irland (-32,4%), von Italien (-4,6%), von Griechenland (-10,5%), von Spanien (-9,2%) und von Frankreich (-7,0%). Kumuliert betrugen nur die Staatshaushaltsdefizite dieser Länder 2010 enorme -396,922 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanzdefizite 2010 der PI(I)GS und von Frankreich in Mrd. Euro. Kumuliert betrugen nur die Leistungsbilanzdefizite dieser Länder 2010 enorme -175,277 Mrd. Euro.

Jeder Monat in dem das Fehlkonstrukt der Währungsunion in der Eurozone künstlich mit Rettungsschirmen am Leben gehalten wird, justiert die Fallhöhe durch die aufgebauten Defizite in der Südperipherie und Frankreich um 30-40 Mrd. Euro pro Monat höher und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, das Deutschland mit in den Abgrund gezogen wird stetig. 

Quelle Daten: Ine.pt/Presseinformation Staatshaushaltsdefizit, Bportugal.pt/Datenbank Zentralbank Portugals, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank, Bloomberg.com/Portugal’s 2010 Deficit Was 9.8% of GDP, More Than Reported

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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