Portugiesische reale Einzelhandelsumsätze mit -9,2%

von am 1. Januar 2012 in Allgemein

Wie das portugiesische Statistikamt Instituto Nacional de Estatística am Freitag mitteilte sanken die realen Einzelhandelsumsätze in Portugal im November 2011 um kräftige -9,2% zum Vorjahresmonat. Zum Vormonat ging es um -2,6% abwärts. Damit beschleunigt sich die Kontraktion des privaten Konsums in Folge sinkender Masseneinkommen weiter und koppelt negativ auf die Steuereinnahmen (Mehrwertsteuer, Lohnsteuer) des Staates zurück und konterkariert damit die Austeritätsmaßnahmen, die immer deutlicher zum Garanten einer nicht endenden Abwärtsspirale mutieren.

Im Chart der Index der realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze ohne Kfz-Handel seit Januar 2000. Der November 2011 generiert mit 87,0 Indexpunkten ein neues Tief seit Beginn der Datenreihe. Zum Hoch im Februar 2008 sind die realen Einzelhandelsumsätze um -17,2% eingebrochen.

Auch die Neuzulassungen bei PKWs in Portugal sprechen Bände:

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen von Januar 1990 bis November 2011. Im November 2011 sanken die zugelassenen neuen PKWs um satte -48,8% zum Vorjahresmonat auf 9’519 Fahrzeuge.

Die portugiesische Zentralbank veröffentlicht einen monatlichen Private Consumption Coincident Indicator, der sehr breit gefasst den privaten Konsum misst, so die realen Einzelhandelsumsätze, die PKW-Verkäufe, den Umsatz bei Dienstleistungen, die Tourismus Übernachtungen von Inländern und den Umsatz von industriellen Konsumgütern. Aber auch die Einkommens- und Vermögensentwicklung als wichtige Einflüsse des privaten Konsums und das Verbrauchervertrauen fließen in den Private Consumption Coincident mit ein. Ein Blick auf die Daten dieses Indikators für November 2011 zeigt wenig Erbauliches:

Die Entwicklung des Private Consumption Coincident Indicators seit Januar 1978 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 ging es auf -4,5 Indexpunkten abwärts, auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Januar 1978.

Die Entwicklung des portugiesischen Verbrauchervertrauens seit Juli 1986 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 sank das Verbrauchervertrauen auf -58 Indexpunkte und liegt damit nur um einen Punkt über dem Tiefststand aus September 2011, seit Beginn der Datenreihe im Juli 1986!


Der saisonbereinigte Output der breit gefassten portugiesischen Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) von Januar 2000 bis November 2011 im Chart. Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex fiel im November 2011 um weitere -1,6% zum Vormonat auf 88,3 Indexpunkte. Seit dem letzten Hoch, welches bezeichnender Weise bereits im April 2002 markiert wurde, brach der Industrieproduktionsindex um -21,8% ein.

Aber nicht nur die Einkommen, der private und staatliche Konsum und die industrielle Wertschöpfung schrumpfen, sondern auch die Investitionen. Allerdings dokumentieren gerade die Rückgänge der Investitionen, mit zweistelligen Raten, in diese unterentwickelte Volkswirtschaft Portugals, eine zum Scheitern verurteilte Strategie zur Behebung der Schuldenkrise:

Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen seit Q1 1996 bis Q3 2011. In Q3 2011 sanken die Bruttoanlageinvestitionen um weitere -13,7% zum Vorjahresquartal. Seit nun 12 Quartalen in Folge, im Vergleich zum Vorjahresquartal, sinken die Bruttoanlageinvestitionen auch in Portugal! Seit dem Hoch im 4. Quartal 2007 sind die Bruttoanlageinvestitionen um kräftige -29,8% gesunken!

Die Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb von dauerhaften und reproduzierbaren Produktionsmitteln sowie selbst erstellten Anlagen, ebenso von größeren Reparaturen, die zu einer wesentlichen Steigerung des Wertes einer Anlage führen. Die Bruttoanlageinvestitionen untergliedern sich in Ausrüstungen (Produktionsanlagen, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge), Bauten (Wohnbauten, Nichtwohnbauten) und sonstige Anlagen (u.a. Nutzvieh und Nutzpflanzungen, Computersoftware).

An diesen allesamt offiziellen Wirtschaftsdaten lässt sich unschwer erkennen, das auch Portugal dem verhängnisvollen Weg Griechenlands folgt, zumal in Portugal, wie in den anderen Südperipherieländern der private Konsum die wichtigste Stütze des BIPs darstellt und dessen Schrumpfung nichts an den strukturellen Verwerfungen, wie der nicht leistungsfähigen Industrie ändert, sondern deren Niedergang auf Grund der sinkenden Inlandsnachfrage beschleunigt. Der größte Irrweg in der Eurozone und seiner unfähigen Akteure besteht darin zu glauben, die Fehlentwicklungen vieler Jahre in der Südperipherie, ob die Kreditexzesse und damit die hohe Verschuldung, den niedrigen Wertschöpfungsgrad der Industrie und generell die nicht vorhandene Leistungsfähigkeit der Wirtschaften mit Sparen aller Bereiche der Volkswirtschaft (Private, Unternehmen und Staat) zu lösen. Wenn alle Bereiche einer schwachen Volkswirtschaft Sparen sinkt das BIP und aus einer weiter sinkenden Wirtschaftskraft, lassen sich die Türme an aufgebauten Krediten nicht abtragen. Die Strategie der Eurozone zur Behebung der Schuldenkrise ist und bleibt eine offensichtliche Versagerstrategie, für welche Millionen Menschen in der Südperipherie und folgend in den noch stabil dastehenden Volkswirtschaften der Eurozone, mit sinkenden Lebensstandard bezahlen müssen und in deren Endkonsequenz die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs der Eurozone unverantwortlich weiter maximiert wird.

Quelle Daten: Ine.pt/Portal Einzelhandelsumsätze, Bportugal.pt/datenbank der portugiesichen Zentralbank, Bportugal.pt/Data Coincident Indicators

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40 KommentareKommentieren

  • Canpichurri - 1. Januar 2012

    Spanien wird in Kürze in die gleiche Abwärtsspiralkurve einlenken und bald auch sehr schlechte Daten veröffentlichen. Die neue Regierung hat “ein sehr hartes 2012″ angekündigt und zum Jahresende wurden eine ganze Reihe von Steuererhöhungen angeküdigt. Für den durchschnittlichen spanischen Haushalt bedeuten diese Einschnitte auf der Einkommensseite und Erhöhungen auf der Kostenseite eine Reduzierung zwischen 3.000 und 5.000 Euro pro Familie. Dieses wird drastische Konsumeinschnitte nach sich ziehen, wodurch Spanien zur echten Zeitbombe für den Euro mutieren wird. Die ganze Südschiene schmiert ab – damit auch wichtige Absatzmärkte für die deutsche Exportindustrie, welche 2012 Einbussen erfahren wird, sollte nicht schnell ein neuer Markt (vielleicht durch einen weichen Euro) aufgetan wird.
    Für Spanien bedeutet dies, dass man sich in die Problemfälle Griechenland, Italien und Portugal einreiht. Für Frankreich dürfte das besonders kritsch werden, da französische Banken besonders viel Schulden in der Südschiene gekauft haben.
    Es bleibt spannend, aber eins ist sicher: 2012 wird turbulent !

  • Markus - 1. Januar 2012

    es ist wirklich nicht abzusehen, wie Südeuropa und die Euro-Kernländer den kommenden Abschwung überstehen sollen. Ganz Europa begibt sich auf Brüningschem Pfade und reisst sich gegenseitig in den Abgrund.

    Die ganze Südschiene macht es vor: Statt Defizite zu verkürzen, werden diese durch Sparmaßnahmen nur ausgebaut. Vom Kürzen soll dann im Planspiel die Wirtschaft auch noch wachsen können. Das ist so verquer. Die Politiker machen die Augen zu und durch. Und das kann nicht gutgehen. Prosit 2012!

  • Holly01 - 2. Januar 2012

    Zitat : “Der größte Irrweg in der Eurozone und seiner unfähigen Akteure besteht darin zu glauben, die Fehlentwicklungen vieler Jahre in der Südperipherie, ob die Kreditexzesse und damit die hohe Verschuldung, den niedrigen Wertschöpfungsgrad der Industrie und generell die nicht vorhandene Leistungsfähigkeit der Wirtschaften mit Sparen aller Bereiche der Volkswirtschaft (Private, Unternehmen und Staat) zu lösen.”
    .
    Falsch!
    Zur Situation : es gibt keine Käufer für westliche Staatsanleihen. Hauptgrund hierfür : eine Schuldenstrategie in Wirtschaft, Privatbereich und Staatshaushalten.
    Diese Strategie ist definitiv zum Scheitern verurteilt.
    Da dieses Schuldenregime schon seit ca. 40 Jahren betrieben wird ist es bis tief in alle Gesellschaftsteile vorgedrungen.
    Resultat : Es gibt Scheinwachstum, tönnernen Konsum, nicht nachhaltige Steuereinahmen und enorme ausstehende Zinsforderungen gegen die westlichen Gesellschaften.
    Wir verbrennen unseren Kapitalstock, mit dieser Scheinwelt aus Scheingröße und Überkonsum in allen Bereichen.
    .
    Lösung : Man muss das Fett ablassen. Der Konsum fällt auf das Maß der erwirtschaftbaren Größe. Das heisst nur der Konsum, welcher aus Arbeit und Kapitaleinnahmen ermöglicht wird bleibt.
    Alles andere muss angepasst werden.
    Egal ob Industrieproduktion, Staatshaushalt oder Sozialsysteme, es gibt keine andere Möglichkeit eine Wirtschaftsentwicklung von 40 jahren scheinbarem Wachstum zu korrigieren.
    In der Summe werden Schulden bleiben, welche aus den (laufenden) Einnahmen nicht gedeckt werden können.
    Diese Schulden müssen als Schuldenschnitt entweder dem Kaiptalstock entnommen werden (Abgabe) oder der Überhang an Schulden wird den Gläubigern abgetrotzt (Schuldenschnitt, default was auch immer).
    Nur ein Stückkosten-Preis der von den Schuldzinsen befreit ist und ein Arbeitsendgeld, das nicht von Schuldzinsen auf allen Ebenen geschmälert wird, wird Europa zum Rest der Welt konkurrenzfähig machen.
    Die Wirtschaft muss den gesamten Zyklus umstellen. Statt vorzufinanzieren und dann mit dem Produkt Zinsen zu zahlen, muss man erst Einahmen haben und kann dann investieren.
    Auch der Staat muss sich massiv umstellen. Denn man kann nicht nach Gieskannenmanier Gerechtigkeit schaffen indem überall Infrastrukturen geschaffen werden.
    Man kann nur bezahlen was gebraucht wird, weil jede ungenutzte Infrastruktur Kapitaldienst nach sich zieht.
    Natürlich brechen Konsum und Investition bei einer solchen Neuorientierung zusammen. Natürlich brechen alle Dämme. Die Zahlen werden weit unter das notwendige und reale Niveau sinken, bevor sich ein Boden bildet der trägt.
    Wer mag kann die Sparguthaben im Auge behalten. Erst wenn da längere Zeit eine nennenswerte positive zahl steht, dann wird der private Konsum zurück kommen.
    Erst wenn der private Konsum zurück kommt, werden die Investitionszyklen wieder zurück kommen. Wer jetzt investiert, schmeisst das Geld zum Fenster hinaus.
    Der Staat, wird sehr lange nicht als Konsument am Markt sein, vielleicht nie mehr ……

    • Holly01 - 2. Januar 2012

      Sie haben Recht. Es muss aber zumindest die Idee, also das Produkt vorhanden sein. Es muss so viel Substanz vorhanden sein, dass man mit einem Konzept an “Geldgeber” herantreten kann.
      Heute wird ein Produkt schon von der “Idee”, “wir brauchen ein Nachfolgeprodukt” an mit Fremdmitteln zur Produktionsreife entwickelt. Eigenkapital ist nirgends mehr im Spiel.
      Diese Entwicklung nutzt den Banken, aber es schadet der Wirtschaft. Diese Entwicklung muss wieder umgekehrt werden.
      Rücklagen für den nächsten Investitionszyklus werden in der Wirtschaft kaum noch gebildet. Man geht bei veraltetem Maschinenbetrieb an den Kapitalmarkt und fremsfinanziert als “eingesessener, zuverlässiger Betrieb mit hoher Nachfrage, sucht Modernisierungskapital”.
      Das ist Schwachsinn. Wer Abschreibt, sollte auf der Gegenseite Kapital für die Neueinrichtung ansammeln.
      Die Fremdkapitalbasis sollte, wo auch immer dies möglich ist, auf eine Eigenkapitalbasis um gestellt werden.
      Zinsen erhalten ist alle mal besser als Zinsen zahlen.
      Damit sind wir auch bei dem Punkt, dass die Zinsen für Einlagen steigen müssen. Die Subventionierung von Schuldenregiemen durch niedrige Zinsen muss beendet werden.

  • Catweazle - 2. Januar 2012

    Ach was, die haben ihr Geld einfach für Weihnachten und Silvester aufgehoben. Mal so richtig krachen lassen!

    Übrigens, Herr Weidmann will das Deutschland sich auch kaputt spart.
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Weidmann-fordert-striktes-Sparen-article5111346.html

  • flo - 2. Januar 2012

    Muss leider Paul Krugmann in der Euro Krise recht geben. Ohne nominales Wachstum (=Inflation) werden die benötigten Anpassungen völlig unmöglich sein. Niemals kann der Schuldenberg der Peripherie in einem deflationären Umfeld abgetragen werden. Mit 5% Inflation wäre es vielleicht schaffbar, dass Spanien und co. stagnieren, während Deutschland und co. real wachsen würden. Es hätten lediglich die Budgets in den PIIGS auf 2007er Stand eingeforen werden müssen, während die Zentralbank für einige Jahre die privaten Kapitalströme ersetzt.

    Die Haltung der Deutschen ist zunehmend wahnhaft.

  • M.E. - 2. Januar 2012

    Die Länder der Euro-Zone entwickeln sich ständig weiter auseinander.
    Besonders der letzte Chart der Brutto-Anlageinvestitionen (und das nicht nur in Portugal), zeigt, dass an einen wirtschaftlicher Wiederaufstieg der Euro-Problemländer in der absehbaren Zukunft überhaupt nicht zu denken ist. Der Abstieg der realwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird ungebremst weitergehen.
    Das muss den Euro-Raum spalten. Damit rechne ich noch dieses Jahr.
    Aber selbst Frankreich wird höchst wahrscheinlich in die Rezession rutschen und sich mit großen Schritten der 100%-Grenze der Staatsverschuldung in Relation zum BIP nähern. Was um so brisanter ist, als das französische Außenhandlesdefizit sich weit im Alarmbereich befindet.
    Selbst “Kern-EU-Europa” ist also von zunehmender Differenzierung betroffen.

    Übrigens: allen Querschüsslern wünsche ich viel Gesundheit und persönliches Glück im neuen Jahr.

    • Canpichurri - 2. Januar 2012

      Sehr interessanter Aspekt, den Du hier aufwirfst. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht und auch nirgens bisher gelesen. Aber es ist ein sehr wichtiger! Man stelle sich vor, eine Währung wird “rückgewickelt” und keiner KANN mitmachen. Das endet doch im Desaster und in einer “verlinkten”, globalisierten Welt würde dieses Schockwellen bis an das andere Ende der Erdkugel aussenden.
      Vielleicht kann man in Querschüsse mal die Auswirkungen auf die Computersysteme bei Währungsumstellung beleuchten. Viele wissen ja keine Details, da wir meistens nur ahnungslose Anwender sind.
      FROHES NEUES JAHR!

  • SLGramann - 2. Januar 2012

    @flo, das Um und Auf der Politik von Merkel und Schäuble besteht doch eben darin, das Ziehen echter Konsequenzen für die Kapitaleigner zu vermeiden. Mehr Inflation wäre ja eine Konsequenz – übrigens nach Lage der Dinge die noch am ehesten erträgliche Konsequenz. Wobei eines klar sein muss: Mit mehr Inflation wäre eine Anpassung der Südschiene leichter, aber sie ist bei weitem keine automatische Folge von mehr Inflation – auch das Gegenteil könnte passieren und in der Realität halte ich es auch für wahrscheinlicher, dass die Ungleichgewichte unter einem Inflationsregime weiter zunehmen werden.

    Wie auch immer: Die Schulden der Südschiene sind faktisch untragbar. Die Leistungs- Zahlungsbilanzlöcher müssen zugeschüttet werden, wenn man den Euro ums Verrecken erhalten will, wie er jetzt ist.
    Entweder man organisiert direkte Transfers, oder indirekte über Eurobonds oder finanziert direkt über die Notenpresse (Transfer durch Inflation).
    Oder alles zusammen.
    Das alles träfe aber auch die deutsche Mittelschicht und sogar zum Teil das oberste Prozent.

    Die große Lüge von Merkel/Schäuble ist, dass diese Transfers – egal in welcher Form – nicht nötig werden, wenn man nur die normale Bevölkerung in den Südländern über die “Brüningsche Klinge” springen lässt.
    Die CDU-Wähler lieben ihr “Mädchen” für diese Lebenslüge.
    In Wahrheit gibt es keine(!) Lösung mehr, die unsere Welt heil lassen würde. Der Euro ist eine Fehlkonstruktion, der Schaden ist angerichtet und er wird eines Tages bezahlt werden. Nur, von wem vor allem?

    Die letzte Konsequenz der Merkelschen Lüge wäre indes der deflationäre Zusammenbruch. Schwer vorstellbar, dass es die Franzosen dazu kommen lassen. Der deutsche Wahn wird die Welt nicht noch mal in Brand setzen, hoffe ich.

  • henne - 2. Januar 2012

    Ergänzend zu Portugal:

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36168/1.html

  • Holly01 - 2. Januar 2012

    Sie sprechen hier immer so nett vom “zahlen” und vom “über die Klinge springen lassen”.
    Sie sollten sich dazu einmal verdeutlichen, wie die Lage wirklich aussieht :
    Das Großkapital hat seine Mittel im Derivatemarkt, wo das Geld de fakto nicht herausgeholt werden kann (oder zumindest in sehr beschränktem Umfang). Das gilt im überwiegenden Maß für Privat- wie Geschäftsvermögen.
    Die realen Schulden und die verdeckten Schulden sind imo nur die Spitze des Eisberges. Ich schätze (reiner Bauchwert) die versteckten Schulden auf noch einmal 3-8% vom Volumens des Derivatemarktes. Dort liegt für mich der “Nebel des Grauens”.
    Buchwerte haben wir einige. Aber wer Revision macht, wird sich wundern.
    Das Schuldenregime vernichtet reales Vermögen und erzeugt nicht realisierbare also fiktive Gewinne.
    Bei diesem Wirtschaftskrieg zählt aber nicht was in den Büchern steht, es zählt was auf dem Tisch liegt. Wenig genug ……
    Die Reissleine zu ziehen ist für Kapitalinhaber die einzige Art, zumindest einen Teil des Mittel zurück zu bekommen. Die Märkte sind in diesem Fall nicht irrational.
    Irrational ist das Gerede von Inflation zur Problembewältigung. Inflation würde nur die Bücher hübschen, aber nicht die Spirale aus Zinslast und Vermögensvernichtung durchbrechen.

  • Systemfrager - 2. Januar 2012

    @ Holly01
    >>> Das Schuldenregime vernichtet reales Vermögen und erzeugt nicht realisierbare also fiktive Gewinne.

    Genau das ist das Problem der “freien” Marktwirtschaft“, im konkreten Fall der “freien” Finanzwirtschaft. Die Ersparnisse – der schwäbischen Hausfrau – sind weg! Es sind nur Zahlen auf dem Papier. Und nichts davon, was geschehen ist, ist mystisch. Alles ist ganz einfach zu erklären. Weil die Finanzwirtschaft nicht die wahre Ursache der periodischen Krisen des Kapitalismus ist, thematisiere ich die monetären Phänomen ungern, aber manchmal musste ich Ausnahme machen:

    3. Phase des ökonomischen Zyklus: Die Hochkonjunktur (Boom)
    Das spekulative Sparen als staatlich legalisierte Plünderung der Bürger
    weiter >>>

    • Catweazle - 2. Januar 2012

      Das bedeutet also, das sich die Bürger selber dafür entscheiden geplündert zu werden. Sobald man anfängt zu sparen, zahlt man letztendlich drauf. Mit sparen meine ich in diesem Fall nicht den Sparstrumpf sondern schon alles was mit kapitalbildender Alters- bzw. Vermögensbildung zu tun hat.
      Und kommt mir nicht damit, das man vielleicht Aktien kauft um damit in eine Firma zu investieren. Diese Investition ist einmalig die IPO wo die Firma wirklich was von hat. Alle Schacherei danach ist nur noch rein spekulativ und ändert nichts an der Produktivität der Firma selber.

  • Systemfrager - 2. Januar 2012

    Wer volkswirtschaftlich ganzheitlich und logisch denken kann, wird voller Sorge wegen der absehbaren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Katastrophe sein. Deutschland wird wohl spätestens ab Mitte des Jahres eines der Hauptkrisenländer werden. Dies, weil wir DER Investitionsgüterhersteller der Welt sind und die Investitionsausgaben in der kommenden globalen Depression am stärksten einbrechen.

    GLOBAL-CHANGE >>>

  • flo - 2. Januar 2012

    @SLGramann: Stimme dir in allen Punkten zu, wir denken anscheinend recht ähnlich über die Eurokrise. Ich denke auch nicht, dass Inflation das Wundermittel wäre. Der derzeitige Weg führt aber garantiert ins völlige Desaster.

    Deutschland muss sich damit abfinden, dass gigantische Summen im “Subprime”-Staatsanleihenmarkt und in privaten Krediten im peripheren Europa versenkt wurden. Sozusagen das Euro-Pendant zum US-Häusermarkt. Das Geld ist weg und jemand wird die Kapitalvernichtung bezahlen müssen.

    Das ganze mit einer Mischung aus Monetisierung, finanzieller Repression, Inflation und einigen Transfers zu versuchen, erscheint mir noch am wenigsten schmerzhaft.Die Deutschen werden es auf jeden Fall spüren. Oder man fährt einen kompromisslosen Liquidierungsansatz, was auch klappen könnte. Kurz aber sehr sehr schmerzhaft. Hat in den 1930ern allerdings nicht geklappt.

    • SLGramann - 2. Januar 2012

      Ja, nur noch eine Ergänzung: Du und ich haben geschrieben: “der Schaden ist(!) angerichtet, das Geld ist(!) weg…”

      Im Unterschied zur bereits geplatzten Blase am US-Immobilienmarkt muss man hier aber konstatieren, dass aufgrund des völlig ungelösten Grundproblems der Eurozone (disparate Wirtschaftsräume, Leistungs- und Zahlungsbilanzungleichgewichte) der Schaden immer größer wird.

      Der Target2-Saldo ist nur ein Maß – wenn auch ein besonders wichtiges – das über die Höhe des Schadens eine Ahnung zulässt.

      Nehmen wir bspw. mal an, ein Land wie Spanien stürzt in die deflationäre Hölle à la Griechenland… Die griechischen Sozialsysteme kann man mit quantitativ noch überschaubaren Tranfers von vielleicht 20 bis 30 Milliarden im Jahr aufrechterhalten.

      Ohne diese Transfers wären die Arbeitslosen nicht einfach nur arbeitslos, sondern schlicht und ergreifend am Verhungern. Die Rentner auch. So wie es in Deutschland nach 1929 war.

      Aber was würde das dann in Spanien kosten? Viel “Spaß” den Eurokraten und uns allen.

      Mein ceterum censeo: Das spanische Problem ist noch viel substanzieller und schlimmer, als das italienische. Die Märkte liegen hier derzeit m.E. völlig falsch.

  • M.E. - 2. Januar 2012

    Das ist richtig, SLGramann,
    Spanien ist gegenüber Italien in einer noch schlechteren Situation.
    Aber bei Italien ist es eben die schiere Größe des Bondmarktes (drittgrößter weltweit), der die Situation so brenzlich macht.
    Und letzten Endes ist es nicht nur die Auswegslosigkeit der Situation (zusammengesetzt aus Verschuldung und fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit plus Rezession), sondern dazu kommt noch, dass Kredit von “credere”, also glauben, abgeleitet ist.
    Selbst wenn also Italien durchaus die Möglichkeit hätte, seine Situation zu verbessern, weil die gesamtgesellschaftliche Verschuldung (Staat, Bürger, Banken, Firmen) im Verhältnis zu anderen Ländern wie Japan, UK, Spanien usw. relativ moderat ist, so ist das Spiel trotzdem aus, wenn (berechtigt oder unberechtigt) die Gläubiger den Glauben an den Schuldner Italien verlieren.
    Und diese Gefahr scheint mir sehr real zu sein.

  • Querschuss - 2. Januar 2012

    Hallo Holly01,
    “Falsch!” sehe ich ganz anders, schaue dir doch einfach nochmal die Charts zu den relevanten Wirtschaftsdaten ob für Portugal, Griechenland oder Spanien an. Ein absolutes Desaster. Die bisher gefahrene Strategie ist völlig verfehlt, wie die Daten, also das Ergebnis zeigt.

    Es ist von mir kein Plädoyer für ein fortgeführtes Schuldenregime, sondern dafür, dass die strukturellen Probleme der Südperipherie niemals gelöst werden können, wenn überall in allen Bereichen der Volkswirtschaft zurückgefahren wird. Bei Investitionen, Arbeitnehmerentgelten, privaten und staatlichen Konsum, industrieller Wertschöpfung und damit auch beim Output und in Folge sinkende Steuereinnahmen. Die Schere innerhalb der Eurozone bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit öffnet sich immer noch weiter, dabei ist genau dies das zugrunde liegende Problem.

    “Lösung: Man muss das Fett ablassen. Der Konsum fällt auf das Maß der erwirtschaftbaren Größe.” Damit bist du ganz auf Linie der Versagerstrategie der Troika, mir ein Rätsel wie man ignorieren kann das diese nicht funktioniert, wie hier dutzende Charts zur wirtschaftlichen Entwicklung seit über 1 Jahr in der Südperipherie belegen.

    Es fällt nicht nur der Konsum auf das Maß, sondern auch das Maß der erwirtschafteten Größe das BIP selbst, obwohl dieses hedonisch aufgeblasen und dadurch sogar noch überzeichnet ist.

    Niemals kann man Griechenland oder ein anderes Südperipherie-Land sanieren bzw. wettbewerbsfähig machen mit zweistellig sinkenden Bruttoanlageinvestitionen und dies bei unterentwickelten Volkswirtschaften.

    Die aufgebauten Schuldenpyramiden und damit die Schuldenkrise lassen sich nicht aus einer sinkenden Leistungsfähigkeit auflösen.

    Der Gedanke die Verwerfungen des Finanzkapitalismus aus der Entwicklung der letzten Jahrzehnte mit Sparen zu lösen ist absurd, Kapitalismus ist Kredit, ohne Kredit läuft nichts. Das Problem ist vordergründig aber nicht der Kredit an sich, sondern seine Verwendung, die Fehlallokationen des Kapitals und seine spekulativen Auswüchse. Die Rettungspakete und die Maßnahmen der Notenbanken für die Südperipherie versanden im Bankensystem und schützen nur die Ansprüche der Gläubiger z.B. aus Deutschland und ermöglichen die Kapitalflucht der Vermögenden aus der Südperipherie, währenddessen geht es in der Realwirtschaft dieser Länder ungebrochen weiter abwärts. Das kann nicht funktionieren, sondern wird den bereits entstandenen Schaden weiter maximieren.

    Gruß Steffen

    • SLGramann - 2. Januar 2012

      “Die Schere innerhalb der Eurozone bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit öffnet sich immer noch weiter, dabei ist genau dies das zugrunde liegende Problem.”

      Ganz genau. Und gerade deshalb sind die von so vielen ahnungslosen und inkompetenten Journalisten eifrig beklatschten exorbitanten deutschen Exportüberschüsse ein sehr wesentlicher Teil des Problems und keineswegs “der Nutzen, den wir vom Euro haben”. Unsere Exportüberschüsse sind faktisch nichts anderes als ein Wirtschaftskrieg gegen die anderen Staaten der Eurozone, in dem wir uns zu Tode gesiegt haben.

      Die Bosse der deutschen Exportindustrie freut das natürlich trotzdem, sind es doch ihre(!) Profite!

      Die Arbeitnehmer haben nichts davon – wie hier oft genug festgestellt wurde, sind ja eben die fallenden deutschen Reallöhne und die auf dem Niveau eines Entwicklungslandes angekommenen Lohnstückkosten der Treibstoff für den deutschen Wirtschaftskrieg gegen den Rest Europas.

      Freilich, mal ganz ohne Polemik: Den Südländern wäre ein höheres Produktivitätsniveau sehr zu empfehlen. Auch sollte sich ihr Konsum in etwa am wirklichen Produktionspotential ihrer Volkswirtschaften orientieren – da gab es Übertreibungen.
      Andersherum wird man das Problem aber nie lösen, wenn man den deutschen Arbeitnehmern nicht endlich was vom Kuchen abgibt und die deutsche Überlegenheit bei den Kosten nicht reduziert.

      Diese Anpassung der deutschen Löhne nach oben wäre schon 2009 eine wirklich sinnvolle Maßnahme gewesen, um hier Stück für Stück die Situation zu entspannen und die deutsche Wirtschaft über die Jahre etwas mehr ins Gleichgewicht zu bringen zwischen Binnenwirtschaft und Exportwirtschaft.

      Aber da hätte man ja mal Politik für Arbeitnehmerinteressen und gegen Konzerne machen müssen und da hacken sich CDU/FDP/SPD/Grüne eher das Knie ab…

    • Systemfrager - 2. Januar 2012

      @ Holly01
      >>> Die Lösung wäre, den Konsum zurückzufahren bei gleichzeitiger Produktionsausweitung. Nur dieses ist schwer herzustellen.

      Weiß du überhaupt was du da erzählst? Die ökonomische Krise der Marktwirtschaft bedeutet, dass die Ausnütuzung der Produktionskapazitäten drastisch und flächendeckend zurückgeht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, alle Firmen haben heute Kapazitätet 20, 30, 50 … oder mehr Prozent mehr herzustellen. Nur die Ideologen und Schamanen (Hayek, Mises, Röpke, …) leugnen so was, obwohl es jedem klar ist.

      Das ist der innere Widerspruch des Kapitalismus – hat Marx gesagt. Genauer gesagt, ist es “nur” ein Kaufkraftmangel – haben schon Sismondi, Malthus und ein Jh später Keynes herausgefunden.

      • Holly01 - 2. Januar 2012

        Ich … spreche von einem beispiellosen Absturz auf das Niveau von 1970-1980. Nur die Schulden bleiben, bzw. es wird eine Situation der Aufrechnung und des Verzichts kommen.
        Ich spreche von Absturz auf “Bedeutungslosigkeit” auf dem Weltmarkt.
        Nennen Sie es Armenhaus Europa. Aber fakt ist, wir haben schicke Kleidung, nur die Taschen sind schon lange leer.
        Das ist keine Systemkrise, es ist eine jahrzehntelange Fehlentwicklung auf praktisch allen Ebenen. Kapitalismus ,macht nicht dumm, aber unser Verhalten war extrem dumm.

    • Holly01 - 2. Januar 2012

      Hallo Steffen,
      natürlich haben Sie Recht.
      Die Umstellung von Schuldensystem, auf Guthabensystem reisst eine Lücke, die sich aus Rückzahlung und gleichzeitiger Kapitalbildung ergibt. Diese Gleichzeitigkeit trifft auf den Zusammenbruch des BIP, der Arbeitseinkommen und des wirtschaftlichen Gesamtdurchsatzes.
      Das ganze ist nicht eine Krise, es ist DIE Krise, der man sich vor 40 Jahren nicht stellen wollte, welche man verschleppt hat und durch Tricks und Kniffe immer wieder hinausgezögert hat.
      Das Volumen ist aber jetzt so groß, das man das große Gesamtwirtschaftliche gefährdet.
      Das heisst “ende mit lustig”.
      .
      Bildlich haben wir mit einem Einkommen von 50k€ ein Haus für 10M€ und dieses Haus ist so im Sanierungsstau und so abgewirtschaftet, dass wir mit den 50k€ den Unterhalt nicht mehr leisten können. Jede Rechnung wird in der Situation existenziell.
      Die Sicherheit (das Haus) ist abgewirtschaftet.
      Helfen kann nur der cut. Alles andere verzögert nur. Ein cut dieser Dimension kann man anstossen. Aber man kann ihn nicht beherrschen. An einem bestimmten Punkt, “geht das Ganze einfach ab”.
      Griechenland : ein Test. Ausgang eine Warnung, weil unpraktikabel. Spanien, Portugal ein weiterer Test, Ausgang ungewiss, aber extrem schwierig.
      irland wäre ein Test, aber die Anglikaner werden Europa nicht retten, Irland schon.
      Heilmittel ? keines!
      Es gilt : “watt mutt, datt mutt”.
      Zudem gilt es immer ein Auge auf die Briten zu halten, die werden uns in die Hacken treten, wenn wir am verwundbarsten sind ….

  • MagnaBavaria - 2. Januar 2012

    Davon kannst du ausgehen, ich war über die Feiertage im europ. Ausland und konnte mir einen kleinen Überblick in anderen Ländern verschaffen.

    Allen gleich ist, dass die Regierungschefs dieser Länder in ihren Ansprachen am 01.01. davon gesprochen haben, dass 2012 “schwieriger” wie 2011 wird. Aber Land “X” wird gestärkt aus der Krise hervorgehen.

    Kennen wir das nicht irgendwo her? ;)

  • Bernd Klehn - 2. Januar 2012

    @ Holly01, Steffen

    Nicht die Zinslast hat zu der derzeitigen Situation geführt, sondern die Fehlallokation des Kapitals bei / durch Niedrigzinsen, negative Realzinsen. Hier werden wir uns sicherlich einig. Das Geld ist in den Konsum und nicht in den Kapitalstock und die Produktivität geflossen. Dieses muss umgekehrt werden nur wie? Keiner hat etwas davon, wenn gleichzeitig Konsum und Produktivität zurückgehen. Die Lösung wäre, den Konsum zurückzufahren bei gleichzeitiger Produktionsausweitung. Nur dieses ist schwer herzustellen. Produktionssicherheit und -ausweitung bei einem schrumpfenden Binnenmarkt? Wer hierfür ein sicheres Konzept hat, hat mehr als den Wirtschaftsnobelpreis verdient. Die Wirtschaft zu schrumpfen und durch ein Reset zu Gleichgewichten zu führen, ist zwar wahrscheinlich aber keine Strategie und dieses auch noch langsam zu tun verlängert nur das Leiden. Wichtig ist eine realistische Perspektive. Nur wie kann diese aufgebaut werden?

    • Systemfrager - 2. Januar 2012

      Entschuldigung, oben war es falsch

      @ Holly01
      >>> Die Lösung wäre, den Konsum zurückzufahren bei gleichzeitiger Produktionsausweitung. Nur dieses ist schwer herzustellen.

      Weiß du überhaupt was du da erzählst? Die ökonomische Krise der Marktwirtschaft bedeutet, dass die Ausnütuzung der Produktionskapazitäten drastisch und flächendeckend zurückgeht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, alle Firmen haben heute Kapazitätet 20, 30, 50 … oder mehr Prozent mehr herzustellen. Nur die Ideologen und Schamanen (Hayek, Mises, Röpke, …) leugnen so was, obwohl es jedem klar ist.

      Das ist der innere Widerspruch des Kapitalismus – hat Marx gesagt. Genauer gesagt, ist es “nur” ein Kaufkraftmangel – haben schon Sismondi, Malthus und ein Jh später Keynes herausgefunden.

      • Bernd Klehn - 2. Januar 2012

        @Systemfrager

        Versteht sich nur für Länder mit einem strukturellen Leistungsbilanzdefizit. Ich dachte ich hätte dieses zum Ausdruck gebracht. Länder wie Deutschland, sollten dagegen die Binnennachfrage besonders der unteren und mittleren Einkommen stärken.

      • Holly01 - 2. Januar 2012

        Herr/frau Systemfrager : es ist kein systemisches Problem. Es ist ein Verteilungsproblem, welches auf eine Konkurrenzsituation trifft.
        Reaganism meets global run, also staatliches Sparen bei gleichzeitigem verlagern der Produktion an den jeweils billigsten Standort.
        Die “entwickelten” Industrienationen höhlen ihren breiten Konsum aus und verlagern alles auf eine immer dünnere Schicht. Konsum sinkt logischer Weise.
        Gleichzeitig werden Güter nicht nach Wert gehandelt, sondern nach durchsetzbarem Preis. Man könnte dies böse als Preistreiberei, Betrug oder schlicht Kapitalentzug zu gunsten einer immer kleineren Schicht bezeichnen.
        Aber jeder ist frei, auch -nicht- zu kaufen, also sich zu verweigern.
        Die Rohstoffpreise sind massiv gestiegen, aber nicht weil die Produzenten profitieren, sondern die Zwischenhändler. Kapitalentzug zu gunsten einer immer kleineren Schicht.
        Diese Minderheit hat das System mit Krediten an die Staaten, welche das Geld in Form von Gieskannenpolitik verwendet haben, am laufen gehalten.,
        Jeder Tag an dem das System läuft, bringt Gewinn.
        .
        Das ist keine Systemkrise, sondern Betrug in einem Ausmass den ich nicht einmal annähernd überblicken und abschätzen kann.
        Kaufkraftmangel?
        Nein. Demokratiemangel!
        Systemkrise?
        Nein Betrug!

        • Systemfrager - 3. Januar 2012

          @ Holly01

          >>> Nein. Demokratiemangel!
          Was willst du sagen? Wenn nicht 60% sondern 99% wählen würden, dann würde unsere Demokratie ganz anders funktionieren. Nein. Das ist ein dummes Geschwätz. Es gibt keine Demokratiedefizite. So wie unsere Demokratie funktioniert, so muss sie funktionieren, weil sie so konstruiert ist.

          >>> Systemkrise? Nein Betrug!
          Es gibt keinen Betrug. Alles was in dem Kapitalismus geschieht, ist legal – abgesehen von Ausnahamen, die nicht ins Gewicht fallen. Es gibt keine Systemkrise. So funktioniert das System eben.

          • Holly01 - 3. Januar 2012

            Demokratiemangel, weil es den demokratischen Institutionen an Durchsetzungsvermögen mangelt und weil diese Institutionen wirtschaftlich am Ende genau so abhängig sind, wie alle abhängig Beschäftigten.
            .
            Betrug weil dieser Zustand der Demokratie kein Selbstläufer und Systemteil ist, sondern bewusst herbeigeführt wurde und permanent verstärkt wird.
            .
            Nein, so funktioniert das System nicht. So war das System nie geplant. So wird dieses Subsystem scheitern.

  • M.E. - 2. Januar 2012

    Hallo Bernd,
    konstatieren wir es doch mal ganz schlicht: es gibt keine realistische Perspekive (im Sinne von positiver Perspektive – irgendeine Perspektive gibt es immer, nur manchmal eben keine wünschenswerte).
    Diese Erkenntnis speist sich aus mehreren Tatsachen:

    1. der jetzige Verschuldungsgrad weist die kommenden Lasten der alternden westlichen Gesellschaften noch nicht aus. Die implizite Verschuldung, also inklusive der heute gültigen Zahlungsversprechen für die Zukunft, ist um den Faktor 3 bis 3,5 höher als die ausgewiesene explizite Verschuldung. Es wurde keine Zukunftsvorsorge getroffen.
    2. in etlichen OECD-Ländern gibt es einen erheblichen Investitionsrückstau bei den Investitionen in die Infrastruktur, der ständig größer wird.
    Da eine funktionsfähige Infrastruktur die Basis für die realwirtschaftliche Wertschöpfung bildet, stellt die allmähliche Erosion der Infrastruktur eine wachsende Gefahr für die wirtschaftliche Zukunft dieser Länder dar.
    3. der Wohlstandstransfer aus den OECD-Staaten in die Schwellenländer und rohstoff- bzw insbesondere die öl- und gasexportierenden Länder geht weiter.
    4. die Erosion der physischen Wertschöpfungsbasis kündigt sich schon heute mit der Verteuerung verschiedener Rohstoffe – insbesondere der Energierohstoffe – an. Dieser Aspekt wird in den nächsten 15 bis 20 Jahren dramatisch an Bedeutung zunehmen.
    5. die systemimmanente immer stärkere Spaltung zwischen armen und begüterten Bevölkerungsschichten schreitet immer weiter voran.

    Alles zusammen reicht aus, um eine völlige Aussichtslosigkeit der Situation für die Zukunft zu konstatieren. Für einige Länder mehr, wie die immer aufgezählten Problemstaaten, aber auch für die, die jetzt noch relativ gut dastehen.

    Natürlich soll das kein Plädoyer für lähmenden Fatalismus sein. Je größer die Probleme, desto beherzter sollte eigentlich reagiert werden. Nur leider werden nur oberflächlich die Symptome behandelt, und das auch noch mit schwindendem Erfolg.

  • Bubblegum - 2. Januar 2012

    @ Steffen

    “Lösung: Man muss das Fett ablassen. Der Konsum fällt auf das Maß der erwirtschaftbaren Größe.” Damit bist du ganz auf Linie der Versagerstrategie der Troika, mir ein Rätsel wie man ignorieren kann das diese nicht funktioniert, wie hier dutzende Charts zur wirtschaftlichen Entwicklung seit über 1 Jahr in der Südperipherie belegen.”

    Zu dieser unsinnigen marktradikalen Sprechblase – von allen möglichen Leuten einschließlich deutscher Professoren wie Hüther – immer wieder gerne und oft nachgeplappert – wollte ich mich auch schon ausführlich äußern, das kann ich jetzt aber dank
    Ihrer Bemerkungen etwas kürzer gefaßt tun!
    Das geplappere dieser sog. Experten ist deswegen so hanebüchen. weil immer nur die Ausgabenseite, niemals die Einnahmenseite betrachtet wird! Als Stichwort sei hier das Steuerdumping in der Eurozone genannt, was dazu geführt hat, dass durch Herabsetzung der
    Körperschaftssteuersätze, Manipulation der Abschreibungsvorschriften etc. die Einnahmeseite der meisten Staaten ruiniert wurde! Irland mit einem KSt-Satz von 13,5% ist einfach ein Skandal!
    In diesem Zusammenhang fällt mir ein Beitrag aus einem w.:o Forum ein, der, soweit ich mich erinnere, bereits 2004 publiziert wurde und den ich mir damals wegen seiner Originalität und Einfachheit archiviert habe, aber auf die Schnelle nicht finde. Ich versuch die Wiedergabe jetzt also aus dem Gedächtnis:
    Jeder von uns, der auf dem Flohmarkt, seine alten Bücher, seine MickyMausheftchen etc. zu verhökern sucht, muss eine sog. Standgebühr zahlen und tut das in der Regel auch klaglos!
    Firmen, die in Asien, Afrika und sonstwo im Rahmen von Lohn-Sozial-und Steuerdumping
    produzieren lassen, gleichen Inhabern von Flohmarktständen, die zwar hier in Deutschland verkaufen und auch die staatliche Infrastruktur nutzen aber keine Standgebühr zahlen wollen!
    Also einfach einen Betrag von x% auf die zu zahlende USt aufschlagen! Für alle Waren und Dienstleistungen! Damit wird die Ware/Dienstleistung um diesen Faktor teurer. Alle Firmen, die hier in Deutschland produzieren, Arbeit und damit Einkommen, Steuern und SV-Beiträge entrichten, dürfen die hier in Deutschland gezahlten Beiträge zur SV- Versicherung wieder von ihrer USt-Verbindlichkeit absetzen. Alle anderen nicht! Organisatorisch ein simpler Excel- Mausklick! O.K ich höre schon die Einwendungen:
    Mit der freiheit des Kapitalverkehrs im EU Raim nicht vereinbar, Sonderzoll, der den freihen Warenverkehr beeinträchtigt etc.
    Aber: Die Wirtschaft und alle damit verbundenen Regeln haben den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt. Alles andere ist nämlich Wiedereinführung der Sklaverei durch die Hintertür!
    Menschen unterhalb des Existenzminimums können eine Demokratie nicht leben!
    Viele Grüße
    Bubblegum

    • Holly01 - 3. Januar 2012

      Das zerstören der staatlichen Einnahmeseite ist ein ganz wichtiger Aspekt.
      Da der global run endlich zuende geht (es ist eine kleine Welt und wir sind schon mehr als einmal herum), ist das eine Frage die sich stellt:
      Wie erreichen die Staaten, die eine Infrastruktur zur Verfügung stellen, Einnahmen, die sie Unterhaltung und Erneuerung dieser Infrastruktur ermöglichen?
      So lange alle dumping betreiben, ist keine Lösung möglich. Die Staaten ruinieren sich und die Sozialsysteme systematisch selbst.
      Damit kommen wir folgerichtig zur zweiten Frage : ist es möglich Soziylsysteme über alle Grenzen hinweg international zu verankern?
      Denn nur so werden die Staaten vergleichbare Leistungen anbieten.

  • Bubblegum - 2. Januar 2012

    “Alles andere ist nämlich Wiedereinführung der Sklaverei durch die Hintertür!
    Menschen unterhalb des Existenzminimums können eine Demokratie nicht leben!”

    In Ergänzung dazu ein Link über die Zusammenfassung eines Buches, das sich mit der Geschichte der Schulden und der Schuldknechtschaft befaßt:

    http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=18313

  • Tourist - 2. Januar 2012

    @ Bubblegum

    Schulden sind doch die Folgen von etwas! Und wa ist das bitte schön??

    Ausserdem finde ich den merkwürdigen Zusammenhang zwischen Leibeigenschaft und Schulden schon ne merkwürdige Beschreibung!

    Wenn du als Arbeiter deinen Körper verkaufen musst, weil du nix hast, noch nicht mal Schulden, ist das dann keine neue Form der Leibeigenschaft? So eine verstandene Leibeigenschaft unterliegt dem Diktat der Gewinnmaximerung! Und die gilt, auch wenn Schulden erlassen wurden! Ist die letztgenannte und grundsätlichere Leibeigendschaft der Marktwirtschaft nicht ebenso verwerflich wie die aus Schuldverhältnissen heraus?

  • Tourist - 2. Januar 2012

    “Man kann gar nicht mehr (!!!!) soooviel Lohnabreiten um den produzierten Rotz abzukaufen! ”

    Der Satz über den Produktivitätsverlauf der Marktwirtschaft verliert nicht seine Ggütligkeit, selbst wenn die Schulden von heute auf morgen alle auf null gestellt werden! Danng geht es eben nach den gleichen Mechanismen weiter und kein einziges Problem wäre gelöst!

    Übrigens schulden sind Kredite und Kredite dienen grundsätzlich (!) der auf Lohanrbeit beruhenden Wertschöpfung!!!! Sie werden vergeben, da man letztlich hofft, dass die Gewinnmaiximerung bzw. ein Beitrag zu ihr, in absehbarer Zukunft gelingt!

    • Holly01 - 2. Januar 2012

      Hätte man sich daran gehalten : “Übrigens schulden sind Kredite und Kredite dienen grundsätzlich (!) der auf Lohanrbeit beruhenden Wertschöpfung!!!!”, hätten wir keine Existenzkrise.
      So haben wir eine Schere aus 50% Bevölkerung ohne Perspektive und Minimalkonsum, 45% den es noch so halbwegs geht und 5% die garnicht wissen was Geld ist, weil es denen aus den Ohren herauswächst.
      In einem demokratischen Gefüge, müsste die Politik vor 30 Jahren reagiert haben, aber die 5% zahlen auch die Parteienfinanzen und fangen alle Expolitiker auf.
      Also ist das demokratische System schach matt.
      Nun kommt die ökonomische Maulschelle. Die Ungleichgewichte gefährden die Wirtschaft ansich. Der Krebs der Umverteilung frisst sich ins Zentrum.

      • Tourist - 2. Januar 2012

        Holy01

        “Hätte man sich daran gehalten : “Übrigens schulden sind Kredite und Kredite dienen grundsätzlich (!) der auf Lohanrbeit beruhenden Wertschöpfung!!!!”, hätten wir keine Existenzkrise.”

        das ist doch der Punkt,

        Man kann sich nicht dran halten, weil die Produktivität so dermaßen nach oben geschraubt wurde! Das ist ein strukturelles Problem! Wer ist denn dein “man” ??? Dass sind millionen, Mrd. von herumhechtenden Marktmenschen, rund um den Globus!!!!

        Stell dir dochmal vor, dass die ganze Liqudität der Finanzamärkte TATSÄCHLICH noch, von mir aus unter Zwang, in die reale Wirtschaft fließen würde und als Konkurerrenzmittel zur Verfüfung steht! Was glaubst, wie schnell die Produktivität und die weltweite Produktionssturkur aussehen würde und welchen Stellenwert hätte dann noch die Lohnarbeit?

        Was machst du mit der fortlaufenden Entwicklung, dass die LOHNARBEIT den produzierten Rotz nicht abkaufen kann?

        Die Überproduktionskrise der gegenwärtigen Wetlwirtschaft würde trotz des relativen Entzugs von Kredit, wie er heute zu beobachten ist, technisch gesehen mit einer ÜBER- Überproduktionskrise beantwortet!

        Genauso wie der Kredit in Derivative abwandert! Dass sind die Folgen der strukturellen Fehlleistungen der Marktwirtschaft und wie diese Strukturen der LOHNArbeit ihren Platz zuweisen!

        20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden weggeschmissen trotz der Verschuldung! UNd jetzt soll man noch mehr investieren in die Lebensmittelbranche, noch mehr neuere Lebensmittelmärkte erschließen, indem man Geld aus den Finanzmärkten umleitet??? Wie absurd ist das denn? Nur um mal ein Beispiel zu nennen!

        Tourist

        • Holly01 - 3. Januar 2012

          “Man” ist die Industrie, die unsinnig teure Produktivitätssteigerungsmassnahmen ergriffen hat, um Arbeitsplätze einzusparen.
          Das obwohl die Produktivitätssteigerungen oft teurer waren als die Arbeitskraft gewesen wäre.
          Der Grund lag in der Finanzierung, Banken bezahlen Maschinen gerne und hassen Arbeitskosten und drücken dort permanent. An Arbeitern verdienen Banken nicht, am Maschinenzyklus schon mehr.
          Eine klamme Firma bekommt immer Geld, wenn sie vorgibt Arbeitsplätze zu streichen und Produktivität zu steigern. Das ist das Alleinstellungsmerkmal für Firmenanleihen.

          • Tourist - 4. Januar 2012

            “Häh?
            Du schreibst:
            “Banken bezahlen Maschinen gerne und hassen Arbeitskosten und drücken dort permanent. An Arbeitern verdienen Banken nicht, am Maschinenzyklus schon mehr.”

            Da steht drin:
            “Banken … hassen Arbeitskosten und drücken dort…. ”
            Und schreibst zugleich:
            An Arbeitern verdienen Banken nicht, (Widerspruch), am Maschinenzyklus schon (heisst:Konträr) mehr.”

            Ich teile alles, bis auf den zweiten Hauptsatz!

            Natürlich “verdienen” Banken an Arbeitern!

  • Tourist - 4. Januar 2012

    “Geld ist kein Tauschmittel. Geld ist ein Schuldentilgungsmittel und war noch nie etwas anderes.”

    Häh? Also wenn ich shoppen gehe und Waren haben will, bekomme ich dir nur ausgehändigt, wenn ich Geld dafür hinblätter! Der Transfer von Eigentum funktioniert nur über Geld!

    Selbst wenn wir tauschen: Du dein Benz gegen mein Porsche sonst was, nicht das ich son Geschlechtsteil fahren würde^^, aber nehmen wir das mal an! Würde der Tausch funktionieren, ohne das Geld ins Spiel kommt! Er könnte, wenn wir wissen das beide Objekte den gleichen Geldwert hätten!
    Würde man eine Flasche Rotwein gegen einen neuen Benz tauschen? Nein! Ja warum denn nicht? Weil sie unterschiedliche Geldwerte haben! Was hat das mit Schuld zu tun? Nix!

    Qie erklärst du dir eingeltich Zigarettenwähung als allgemeingültiges Tauschmittel? Die Imitation von geld quasi? Das ist nix mit Schuld?

    Die Tatsache, dass das Geld Eigentum einer Zentralbank ist und ihr gegenüber Verpflichtungen auftauchen erklärt nicht die Tatsache, dass der Warentausch mit Quantitiäten funktioniert! UNd diese Funktion hat nix mit der Verpflichtung gegenüber der Zentralbank zu tun! Währungen haben nur diese quantitative Funktion mit angenommen und zu eigen gemacht! Sie ist aber nicht der Ursprung!

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