Prof. Sinn kritisiert die Deutsche Bundesbank

von am 19. Februar 2011 in Allgemein

In einem Online-Artikel auf Wiwo.de, wies die Wirtschaftswoche bezugnehmend auf  ifo-Chef Prof. Sinn darauf hin, dass “die Deutsche Bundesbank zuletzt stillschweigend in einem Volumen Finanzhilfen gewährt, die alle europäischen Rettungsmaßnahmen in den Schatten stellen”. Die Bundesbank hielt im Dezember 2010 Forderungen gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB in Höhe von 337,869 Mrd. Euro. Davon gingen Forderungen in Höhe von 325,553 Mrd. Euro auf das Konto der nationalen Notenbanken.

Diese immensen Verbindlichkeiten (Schulden) der nationalen Notenbanken in der Eurozone und im vernachlässigbaren Maße der EZB gegenüber der Deutschen Bundesbank findet man in den monatlichen Monatsberichten der Bundesbank unter: 9. Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion in der Spalte: Forderungen innerhalb des Eurosystems (netto), siehe z.B. Bundesbank.de/Bundesbank Monatsbericht Januar 2011 (PDF Seite 73).

Prof. Sinn wies darauf hin, dass im Jahr 2006, vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise die Forderungen der Deutschen Bundesbank nur bei 18 Mrd. Euro lagen.

Querschuesse.de präsentiert an Hand der Daten aus den Monatsberichten der Bundesbank seit 2000 die Forderungen im Chart:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Sie sind Bestandteil der Bilanz der deutschen Bundesbank, siehe Bundesbank.de/Jahresbericht Deutsche Bundesbank 2009, Seite 144 unter Aktiva, 9.4. Sonstige Forderungen. Zum Vergrößern bitte 2x auf die Grafik klicken.

Prof. Sinn scheint hier einem der vielen Bestandteile der umfassenden Ponzi-Finanzierung in der Eurozone zur Stützung der PI(I)GS-Staaten und der gemeinsamen Währung des Euro auf die Schliche gekommen zu sein. Sinn schlussfolgert: „Wenn Länder, deren Banken die Kredite gegeben wurden, zahlungsunfähig werden, haftet Deutschland.“ und das diese Haftung nicht demokratisch legitimiert ist. Der Chart spricht für Prof. Sinn, erst zu Beginn der Finanzkrise schießen die Forderungen steil nach oben, während sich von 1999 bis 2007 mehr oder weniger die Forderungen auf einem Niveau bewegten und sogar vereinzelt zu Verbindlichkeiten mutierten.

Letztlich bildet die Position der Bundesbank: “Forderungen innerhalb des Eurosystems”, die Verrechnungssalden des Target 2 Systems (Individualzahlungsverkehrssystem) der mittlerweile 17 nationalen Notenbanken im Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) ab.

Dass die nationalen Notenbanken der Eurozone inkl. der EZB, der Deutschen Bundesbank im Dezember 2010 eine Rekordsumme von 338 Mrd. Euro schuldeten, spricht für den maroden Zustand im Bankensystem und den nicht nur daraus in starke Mitleidenschaft gezogenen Staatsfinanzen. Diese Position der deutschen Bundesbank ist nur ein Baustein bei den umfassenden Stützungsmaßnahmen im Euro-Raum. Die EZB berichtete zuletzt in ihrem Weekly Financial Statement vom 11.02.2011 von Forderungen gegenüber von Kreditinstituten im Euro-Raum in Höhe von 447,663 Mrd. Euro. Zusätzlich hatte die EZB sich mit Wertpapieren aus den Euro-Währungsgebiet in Höhe von 467,416 Mrd. Euro vollgesaugt, darunter Wertpapiere für 137,167 Mrd. Euro die geldpolitischen Zwecken dienten. Die gesamte EZB-Bilanz war zum 11.02. auf 1,956143 Billionen Euro aufgeblasen. Und natürlich nicht zu vergessen, der gigantische Euro-Rettungsschirm von EU und IWF in Höhe von 750 Mrd. Euro und die Griechenlandhilfe von 120 Mrd. Euro. All diese Stützungsmaßnahmen muss man an den mauen realwirtschaftlichen Daten der Peripherieländer der Eurozone messen und dies stellt dann ein verheerendes Zeugnis aus.

Quellen: Wiwo.de/finanzen/Kritik an Krisenhilfe der Deutschen BundesbankBundesbank.de/Archiv Monatsberichte BundesbankEcb.int/Weekly Financial Statement zum 11.02.20011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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