Rekord-Jugendarbeitslosigkeit in der Südperipherie

von am 6. Januar 2012 in Allgemein

Heute veröffentlichte Eurostat die saisonbereinigten Arbeitslosenquoten für die EU17 und die EU27. In der Eurozone und in der EU27 lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im November 2011 unverändert zum Vormonat bei 10,3% bzw. bei 9,8%. Weiter gravierend stellen sich die hohen Arbeitslosenquoten in den Südperipherie-Staaten dar. So stieg die offizielle saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Portugal im November auf 13,2% (+0,2 Prozentpunkte), in Italien auf 8,6% (+0,1 Prozentpunkte) und in Griechenland, die mit ihrer monatlichen Datenerhebung immer hinterherhinken, stieg die Quote für September auf 18,8% (+0,4 Prozentpunkte, jeweils im Vergleich zum Vormonat)! Die höchste Quote in der gesamten EU erzielte Spanien mit 22,9% im November 2011, ein nochmaliger Anstieg von 0,2 Prozentpunkten zum Vormonat.

Die Arbeitslosenquoten in den PIGS-Staaten sind eine Schande und bleiben weiter ein klares Zeichen der beschleunigten Abwärtsbewegung der wirtschaftlichen Aktivität. Noch schlimmer stellen sich die Daten zur Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) dar. Die durch die Jugendarbeitslosigkeit generierte Perspektivlosigkeit für die Jugend der Südperipherie delegitimiert das ganze Wirtschaftssystem und den gemeinsamen Währungsraum. Die Einigung Europas darf sich nicht in einer Perspektivlosigkeit der Jugend dokumentieren, sondern müsste in neuen Chancen münden. Das Korsett des Euro stranguliert aber die schwachen Volkswirtschaften und die Austeritätsmaßnahmen führen zu einer sich selbstverstärkenden Abwärtsspirale.

Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Portugal von Januar 2000 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 lag die Jugendarbeitslosigkeit bei 30,7%. Dies markiert ein neues Allzeithoch!

Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Italien von Januar 2000 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 lag die Jugendarbeitslosigkeit bei 30,1%. Dies markiert den höchsten Stand seit Dezember 1998.

Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland von Januar 2000 bis September 2011 im Chart. Im September 2011 lag die Jugendarbeitslosigkeit bei 46,6%. Dies markiert ein Allzeithoch.

Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Spanien von Januar 2000 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 lag die Jugendarbeitslosigkeit bei 49,6%. Eine völlig inakzeptable und desaströse Quote, die ebenfalls ein Allzeithoch markiert.

Eine Jugendarbeitslosigkeit von über 30% wie in Portugal und Italien und von weit über 45% wie in Griechenland und von nahe 50% in Spanien sind Beleg für das Versagen der Strategie der Troika. Einer Strategie die in immer weniger wirtschaftlicher Aktivität, Wertschöpfung, Jobs und Einkommen mündet und den Weg in den sozialen Abstieg bereitet und der Jugend keinerlei Perspektiven gibt. Diese Versagerstrategie ist selbstzerstörerisch und wird ohne jeden Zweifel die gesamte Eurozone abwärts reißen.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/PDF: saisonbereinigte Arbeitslosenquoten November 2011 für die EU17 und die EU27

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

16 KommentareKommentieren

  • Kalle - 6. Januar 2012

    Am besten alle nach Deutschland einwandern lassen. Dann können die hier den demografischen Volkstod verwalten und alte Leute abzocken.
    So stellen es sich doch unsere Volksvertreter vor, oder?

    • ö.ä. - 8. Januar 2012

      Das war jetzt nicht ernst gemeint, oder?

  • Patrick - 6. Januar 2012

    Sehr erschreckende Zahlen … Bleibt abzuwarten, wie und wann sich dieser soziale Sprengstoff entladen wird … Wenn nahezu die Hälfte der unter 25-jährigen nur rumlungert, weil es keine Alternative gibt, kann das nicht gut gehen … Zumal die Jugendlichen derartig unter “Konsumdruck” stehen … Ohne Ipad, Iphone und den ganzen Mist ist man ja heute nichts mehr …

    • Thorsten Eckau - 6. Januar 2012

      Ich fürchte, die Aussage ist für “uns alle” gültig (mit dem Konsumdruck), wenn gleich natürlich leicht anders gemeint: In der Tat stimmt natürlich, dass die Jugendkultur insbesondere unter einem Markenfetisch leidet etc pp.. Aber wenn man sich mal verschiedene Blogs und Artikel ansieht (http://economicedge.blogspot.com/2010/03/most-important-chart-of-century.html oder http://www.zeit.de/2011/46/Kapitalismus (hier besonders die ersten beiden Abschnitte Seite 2)), dann erkennt man sehr schnell, dass wir alle unter “Konsumdruck” stehen. Das System selbst erzeugt diesen… Es muss ja auch.

  • Eurelios - 6. Januar 2012

    Einfach nur noch trostlos das Ganze und für die Zukunft wird dies nicht nur für
    die Eurozone den Bruch bringen sondern auch einen Bruch zwischen alt und jung.

  • M.E. - 6. Januar 2012

    Wenn viele Jugendliche längerfristig nicht die Möglichkeit haben, Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen sowie soziale Kompetenzen im Arbeitsprozess zu erwerben, dann verhindert dies zuverlässig einen realwirtschaftlichen Wiederaufstieg dieser Länder in der Zukunft. Je länger dieses Drama anhält, desto aussichtsloser die Hoffnung auf Besserung.
    Noch leben die Jugendlichen oft im “Hotel Mama” und werden anderweitig von den Eltern unterstützt.
    Aber die Möglichkeit der Unterstützung durch die Älteren wird immer geringer werden und dann wird es erst richtig zu einer Verelendung von immer mehr Menschen kommen.
    Mit allen Konsequenzen der Zerstörung der Zivilgesellschaft.

    Der schleichende Niedergang des Westens ist in einigen Ländern in einen Strurzflug übergegangen. Das muss entweder in revolutionären Revolten oder/und z.B in einem Militärputsch oder Ähnlichem enden.

  • derf Bauer aus dem Hunsück - 6. Januar 2012

    die Jugend wird sich irgendwann holen, was wir Alte ihnen verwehren und es wird vermutlich nicht gut ausgehen für uns Alte. Wenn ich betrachte, was wir der Jugend währned ihrer Erziehung haben angedeihen lassen und anerzogen bzw. vorgelebt haben, kann ich es der Jugend nicht verübeln, wenn sie sich primär durch HABEN statt SEIN definiert. Es wird zu massiven Unruhen kommen, nicht zwischen denen die haben und denen die nichts haben, sondern geschürt uund gelenkt von denen die haben, zwischen Alt und Jung..
    Der krieg hat schon begonnen. Ich erinnere nur an den Vorsitzenden der JU, der lieber Hüftgelenke sammelt, als damit 80 Jährigen ein Weiterleben in Würde auf Kosten der Gemeinschaft zu schenken.

  • langlode44 - 6. Januar 2012

    Arbeitslos, bitte zeigt mir einen Arbeitslosen – sagt einkommenslos, dann passts!
    Autos baun die niemand braucht nur um nicht “arbeitslos” zu sein, was ist das denn. Mumpitz, einfach Mumpitz.

    Wir sollten den sich abzeichnenden Niedergang des industrieellen Zeitalters nutzen Gedanken und Modelle zu entwickeln um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Die herkömmliche
    kapitalistische Murkswirtschaft ist dazu nicht fähig. Hier schlag ich mich auf des Touristen Seite, und anderer auch. Markt funktioniert nicht, Geld ebenfalls.

    • Querschuss - 6. Januar 2012

      Hallo langlode44,
      “Autos baun die niemand braucht nur um nicht “arbeitslos” zu sein, was ist das denn. Mumpitz, einfach Mumpitz”…… Halte ich für ein Gerücht das niemand Autos braucht, ich kenne ganz, ganz wenige, die darauf freiwillig verzichten, selbst viele “Einkommenslose” halten sich wie auch immer Autos, im Zweifel ältere Modelle. In Spanien liegt das aktuelle Durchschnittsalter der zugelassenen Fahrzeuge bei knapp 10 Jahre, der älteste Fuhrpark in der Eurozone. Ich glaube nicht, dass die Spanier nicht gerne neu produzierte Autos fahren würden. Das Problem ist nicht, dass sie niemand braucht oder gar nicht will, die neuen Autos, sondern das man sie sich nicht leisten kann. Hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Einkommen und drastisch verschlechterte Finanzierungsmöglichkeiten kennzeichnen das Bild in Spanien und den anderen Ländern der Südperipherie.

      Auch unter einem anderen Wirtschaftssystem, welches das auch immer sei, müssen für Probleme wie Ungleichgewichte im Außenhandel, unterschiedliche Leistungsfähigkeiten der Volkswirtschaften, Vorfinanzierungen und den Umgang damit, stabile Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel und viele Dinge mehr Lösungen gefunden werden. Problemloses Wirtschaften gibt es nicht und gab es nie, auch nicht außerhalb einer Marktwirtschaft.

      Gruß Steffen

      • Canpichurri - 6. Januar 2012

        Man sollte nicht vergessen, dass in Spanien ca. 30% der Wirtschaft “schwarz” verläuft, d.h. ohne staatliche Kontrolle und damit erscheinen diese Daten auch nicht in den Statistiken.
        Bei dieser hohen Arbeitslosigkeit und ausweglosem Dasein wären in “normalen” Ländern bereits Revolten ausgebrochen. Das dieses (noch?) NICHT in Spanien geschehen ist, zeigt, dass es “schwarze Beschäftigung” gibt. Allerdings hat die neue rechts-konservative Regierung gerade vor 2 Tagen diesem “Umstand” den Kampf angesagt. Sollte sie damit Erfolg haben, holt sie wahrscheinlich wirklich den Revoltengeist aus der Flasche, da dann auch “schwarze Jobs” (in Bars, Kneipen, Restaurants, Werkstätten etc.) nicht mehr angeboten werden können.

        Wie ich bereits vor eingen Wochen in einem anderen Thread geschrieben hatte: 2012 wird sehr (!) ruppig – auch in D.

        Sarkazy sieht sogar einen grossen Krieg in Europa aufziehen:

        http://www.zerohedge.com/news/sarkozy-threatens-war-if-euro-fails

        Wenn das man nicht die Omen sind, die wir hier schon lange besprechen … ich muss mich mal nach´m Haus im Hunsrück umschauen …

  • leslie - 6. Januar 2012

    Die Alten werden schon bald eine Lösung für die ganzen arbeitslosen Jugendlichen finden.

    Soilent Green. ;-)

    Mfg

  • leslie - 6. Januar 2012

    ´´bald eine Lösung´´

    Haha…

    Gelöst in Soilent Green.

    Mfg

  • Claasen - 6. Januar 2012

    Die vielen hochqualifizierten Menschen südlich Deutschlands sind ein Opfer der neoliberalen Politik und dessen, was wir durch die Modernisierung der Gesellschaft erreicht haben. Brauchte man z. B. früher noch viele Admins, sind es heute sehr wenige und doch wird in dieser Branche händeringend Nachwuchs gesucht. Ein Irrsinn.

    Wer ohne Arbeit ist, der hat es nicht nur in den südlichen Ländern schwer. Auch das Image des Joblosen wird gerne für faul und dumm missbraucht, was nur ein Resultat der Propagandamaschinerie der Wahrheitsministerien ist. Da braucht man nicht mehr alte Bücher zu lesen, wo wir uns heute befinden. Das ist alles real, aber genug Menschen verschliessen ihre Augen.

  • titoslavija - 6. Januar 2012

    ich bin mal gespannt wie hoch so eine jugendarbeitslosigkeit steigen kann. Ist es möglich, dass ein land 60% jugendarbeitslosigkeit hat, und es wäre wohl das erste mal bei so einer quote, dass es keine revolution gibt. der absolute wahnsinn!

  • M.E. - 6. Januar 2012

    Hallo titoslavija,
    eines ist sicher: bei 100% ist Schluss auf der nach oben nicht offenen Arbeitslosenskala.

  • Thomas - 7. Januar 2012

    Unglaublich dass der Karren immer noch nicht gegen die Wand gefahren ist.
    Die Menschliche Ignoranz ist unbeschreiblich.

2 Trackbacks