Rettung droht

von am 11. Mai 2010 in Allgemein

„Dieses Paket dient der Stärkung und dem Schutz unserer gemeinsamen Währung“…. „Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel

Unvorstellbare 750 Mrd. sollen für das Euro-Rettungspaket zur Verfügung gestellt werden! 60 Mrd. Euro kommen von der EU-Kommisson, als Zahlungsbilanzhilfen, weitere 440 Mrd. Euro stellt die Eurozone in Form von Kreditbürgschaften und Darlehen bereit! Die EU lässt eine Zweckgesellschaft gründen, um das so genannte Haftungsverbot im EU-Vertrag zu umgehen, welches verbietet, dass ein Euro-Staat für die Schulden eines anderen Staates einsteht. Zusätzlich zu den 500 Milliarden Euro der Europäer kommen nochmals 250 Milliarden Euro vom IWF.

Deutschland wird gemäß seines EZB-Anteils knapp 28% bzw. 123 Mrd. Euro der Nothilfe-Kosten tragen! Weiterhin ist noch ein 20%-iger Aufschlag bei der deutschen Hilfe möglich und damit 150 Mrd. Euro, falls andere Staaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können! In den Medien unerwähnt bleibt, das Deutschland natürlich auch mit als Geldgeber im IWF-Boot sitzt und auch dort einen 6%-igen Anteil (15 Mrd. Euro) tragen muss.

Die Maßnahmen zur Euro-Rettung in einer bisher unbekannten Dimension, werden zusätzlich durch die Europäische Zentralbank (EZB) unterstützt. Erstmals wird die EZB “Interventionen an den Märkten für öffentliche und private Schuldverschreibungen im Euro-Währungsgebiet (Programm für die Wertpapiermärkte) durchführen, um die Markttiefe und -liquidität in den gestörten Marktsegmenten sicherzustellen.” Im Klartext, die EZB wird Staatsanleihen und private Anleihen aufkaufen wenn es ihr geboten scheint. Die europäische Version von Quantitative Easing ist damit aus der Taufe gehoben.

Wegen der beispiellosen Maßnahmen ein Blick auf die ersten Reaktionen an den Finanzmärkten:

Die Entwicklung der Renditen der 2-jährigen griechischen Staatsanleihen.

Die Entwicklung der Renditen 10-jähriger griechischer Staatsanleihen.

Auf den ersten unscharfen Blick scheint das Rettungspaket zu wirken. Beim Hauptauslöser der Krise, Griechenland sinken die Renditen für Staatsanleihen am Kapitalmarkt kräftig! Um dies noch besser zu illustrieren, die Renditen der 2-jährigen Staatsanleihen Deutschlands und der PI(I)GS-Staaten von letzten Freitag vor dem Rettungspaket und von heute, dem 2. Handelstag danach:


Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen vom letzten Freitag vor dem Rettungspaket und von heute, dem 2. Handelstag danach!

Nur mindestens einen deutlichen Wermutstropfen gibt es, denn derjenige der vermeintlich gerettet werden soll, der Euro strauchelt weiter, so das von einer Stärkung und dem Schutz unserer gemeinsamen Währung durch das 750 Mrd. Euro Rettungsprogramm vorerst nicht die Rede sein kann!

Nach einem kurzen Aufbäumen des Euros am Montag, auf intraday 1,3074, ging es ohne “Hurra” kraftvoll abwärts, auf 1,2683 Dollar heute abend 22:00 Uhr.

Auch mit dem Schützen der nur durch Schulden gedeckten Fiat-Money – Währungen scheint es nicht nur beim Euro nicht zu klappen:

Die Feinunze Gold in Euro. Gegen 22:00 Uhr wurden 973 Euro fällig, ein neues fast tägliches Allzeithoch! Wenn das Vertrauen in die Politik und die Notenbanker weiter so schnell erodiert, kann die Flucht aus dem Euro in Sachwerte und Edelmetalle zum systemischen Risiko avancieren!
Auch das Gold des kleinen Mannes, das Silber, startet durch. Für die Feinunze wurden heute 22:00 Uhr 15,25 Euro fällig, ebenfalls ein Allzeithoch!

Auch gegen die Subprime Währung Dollar steigt die Feinunze Gold, auf 1233 Dollar heute gegen 22:00 Uhr!

Nun stellt sich die berechtigte Frage wen retten “wir” hier eigentlich? Ein Blick auf die Forderungen der europäischen Banken aus Staatsanleihen bringt ein Stück Klarheit. Gegenüber Griechenland haben die europäischen Banken ein Kreditexposure von 193,1 Mrd. Dollar, gegenüber Portugal von 240,5 Mrd. Euro und gegenüber Spaniens in Höhe von 832,3 Mrd. Dollar! Quelle Daten:
Bloomberg.com

Jahrelang wurde den Ungleichgewichten im Welthandel, ohne gegenzusteuern zugesehen, ebenso den Kreditexzessen an den Finanzmärkten. Bis heute bleibt eine dringend notwendige Finanzmarktreform eine leere Worthülse! Den spekulativen Exzesse an den Finanzmärkten ist nicht mal die Spitze gebrochen worden! Nun ist die letzte Schlacht mit dem Überschulden der Staaten, in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise geschlagen und die “Laien” der Ökonomie in Verantwortung führen hilflose virtuelle Abwehrschlachten!

Die jährlichen Leistungsbilanzdefizite -überschüsse einiger ausgewählter Länder der Eurozone seit 1998! Sie dokumentieren die unhaltbaren Ungleichgewichte unter dem Dach einer Währung! Quelle Daten: Eurostat/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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