Schulden- und Bankenkrise: Spielstand „Lokomotive Euro-Spanien“ gegen „Spielgemeinschaft Wall-Street-USA“: 0:4

von am 14. Juni 2012 in Allgemein

Die Wall Street ist schockiert von den Plänen der Fed, die neuen Eigenkapitalregeln gemäß Basel III in den USA umzusetzen. Denn die US-Banken müssten dann – ab 2019 – gut dreimal so viel Eigenkapital vorhalten wie heute (sieben statt zwei Prozent). (1) Ob der Fed das wohl tatsächlich gelingt? Die US-Finanzlobby ist, wie wir wissen, stark und einflussreich. Sie hat das immer wieder unter Beweis gestellt.

Das Thema ist in den USA hoch aktuell – gerade auch deswegen, weil der prominenteste Gegner einer strengeren Regulierung der Banken in den USA auch als aktuellstes Beispiel für die ineffektive Regulierung im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht: Jamie Dimon.

Wie hoch der anfangs auf zwei Milliarden Dollar veranschlagte (2) Verlust aus schief gegangenen Spekulationsgeschäften mit Credit Default Swaps (CDS) von JP Morgan wirklich ist, das hat der Chef der US-Großbank, Jamie Dimon, auch gestern bei der wegen dieses Vorfalls anberaumten Anhörung im US-Senat nicht verraten. (3) Aus seiner Sicht ist der Verlust allein auf das Versagen der verantwortlichen Mitarbeiter zurückzuführen. Dass sich Ähnliches in der Zukunft wiederholt, hält er aufgrund ergriffener Gegenmaßnahmen für ausgeschlossen. Er betonte vor den Senatoren deswegen auch, der Fehler liege auf gar keinen Fall im System. Schließlich müssten Banken Risiken eingehen, um ihren Dienst an der Gesellschaft auch richtig ausüben zu können (4) – was auffällig an die Aussage von Lloyd Blankfein, dem Chef von Goldman Sachs, erinnert, die im November 2009, unter dem Eindruck der Ursachen und Folgen der Lehman-Pleite, weltweite Empörung auslöste.

Blankfein hatte damals gesagt: „Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wohlstand schaffen.“ Banken, so seine Schlussfolgerung, haben einen gesellschaftlichen Zweck und verrichten „Gottes Werk“. (5)

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) und Sprecher des Vorstands von HSBC Trinkaus & Burkhardt distanzierte sich damals praktisch als einziger seiner Zunft in einer bemerkenswerten Rede mit harten Worten von Blankfein. Kollegen würden der Verblendung erliegen, konstatierte er, wenn sie behaupteten, Banken vollführten in allem, was sie tun, doch nur „Gottes Werk“. „Unsäglich“ seien diese Äußerungen angesichts der Tatsache, dass man das Vertrauen der Menschen wiedergewinnen müsse. Nur ungern spreche er in diesem Fall von Kollegen, sprach von einem „Teufels Beitrag“ und dass Banken dieses Kalibers unter Realitätsverlust litten. Göttlich sei allein die Tatsache, dass aus dem Nichts Gewinne geschöpft werden. (6)

Und einmal mehr fühlt man sich an die „Ungehaltene Rede“ des Bankiers Ludwig Poullains zum Sittenverfall im Bankwesen erinnert, die diese Zustände antizipierte, die ihn seine Kollegen seinerzeit – im Sommer 2004 –  nicht halten lassen wollten. (7)

Es ist darum nicht einfach nur erschreckend, sondern zutiefst erschütternd, wie nun die nahezu identische Position Jamie Dimons, die er im Zusammenhang mit denselben hoch riskanten und intransparenten Geschäften, die in den Jahren 2007 und 2008 die weltweite, immer noch nicht überwundene Finanzkrise auslösten, vertritt, von den US-Senatoren ohne Murren und Wimpernzucken geschluckt worden ist.

Wie tief können Politiker sinken? Das ist eine Frage, die man sich angesichts dessen beinahe reflexhaft stellen muss.

Und all das geschieht in dem Land, das diese Finanzkrise auslöste und nach wie vor ungebremst seine Staatsverschuldung in die Höhe treibt. Im Internet zeigt der rasende Zähler der „US Debt Clock“ mittlerweile an, dass allein die Schulden der US-Bundesregierung in Washington auf über 15 700 Milliarden US-Dollar angewachsen sind. (8) Vor einem Jahr hatten sie die damalige Schuldengrenze von 14 300 Milliarden Dollar erreicht. Nur zum Vergleich: Die Staatsschulden von Spanien, lagen Ende 2011 bei 735 Milliarden Euro, die von Griechenland zum selben Zeitpunkt bei 350 Milliarden Euro.

Niemand fragt, wie die USA dieses Schuldenproblem jemals lösen wollen, wo Washington doch – und das ist nur ein Problem – widerstandslos zulässt, dass die US-Finanzindustrie weiterhin Schwindel erregende Risiken eingeht. Denn das heißt nichts anderes, als dass die US-Regierung de facto bereit ist, für die daraus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit früher oder später erneut erwachsenden großen finanziellen Schäden gerade zu stehen.

Das ist unglaublich, bizarr und surreal.

Und gleichzeitig senkt nun, nachdem zuvor die Ratingagentur Fitch dasselbe getan hat, auch die US-Ratingagentur Moody´s die Bonitätsnote Spaniens um gleich drei Stufen, von „A3“ auf „Baa3“. (9) Und das ungeachtet der Tatsache, dass Spanien sich inzwischen der finanziellen Absicherung der Sanierung seiner maroden Banken durch die Euro-Gruppe sicher sein kann und die Staatsverschuldung mit für das Jahr 2012 erwarteten 79 Prozent des Bruttoinlandsproduktes noch immer eine der niedrigsten in der Euro-Zone ist. (10)

Zwar gibt es in Spanien ebenso wie in den USA eine enorme Belastungen verursachende Immobilienkrise. Das ist unbestreitbar. Aber die Hochburg des etwa 650 000 Milliarden Dollar schweren internationalen OTC-Derivate-Karussells, das sich, wie der Fall JP Morgan zeigt, nach wie vor schnell dreht und die wirklich großen finanziellen Risiken birgt, liegt nicht in Spanien. Es liegt in den USA, an der Wall Street. Nur fünf US-Großbanken stehen (auf Holdingebene) für nominal 290 000 Milliarden Dollar des Derivatemarktes. Unangefochten an der Spitze steht dabei die Bank JP Morgan, die Derivate im Wert von nominal 71 000 Milliarden Dollar in ihren Büchern stehen hat. (11)

Die Ratingagenturen stufen europäische Schuldenstaaten herab, an den Märkten treibt das die Risikoprämien und Zinsen für deren Staatsanleihen in die Höhe. Weil dies fortgesetzt geschieht, sind diese Staaten früher oder später dazu gezwungen unter den europäischen Rettungsschirm zu schlüpfen, der deswegen schrittweise immer weiter vergrößert werden „muss“. Im Gegenzug verpflichtet die Euro-Gruppe die Schuldenstaaten zu einem drastischen Sparkurs – der diese Staaten wirtschaftlich und finanziell immer weiter in die Knie zwingt.

Den Ratingagenturen ist das gleich und den Finanzmarktakteuren ist es recht. Es wird weiter herabgestuft, Risikoprämien und Zinsen für Bonds steigen weiter, die Euro-Gruppe und die EZB spülen immer mehr Geld ins System und es bestehen beste Aussichten, dass weitere Euro-Staaten in diesen Sog geraten. Europäische Banken mögen nach und nach in Schieflage geraten. Auch das ist den Finanzmärkten egal, so lange diese nur gerettet werden respektive der finanzielle Schaden von den jeweiligen Staaten oder der Euro-Gruppe übernommen wird. Denn das Derivate- bzw. Wett-Karussell dreht sich in berauschendem Tempo weiter und so lange es das tut, gibt es zumindest für einige sehr, sehr viel Geld zu verdienen.

Die ganze Euro-Zone liegt auf dem Spieltisch und gefällt sich in der Opferrolle, augenscheinlich ohne sich dessen bewusst zu sein: Die Europäer unternehmen nichts. Sie streiten nur darüber, welches Mitgliedsland wie viel an die Spielbank zu zahlen hat, wenn diese das Spiel gewinnt.

Man meint beinahe, Leute in Büros an der Wall Street lauthals lachen hören zu können.

Das ist unglaublich, bizarr und surreal.

… Ob sie auch lachen, wenn in Griechenland am kommenden Sonntag das Linksbündnis Syriza die Parlamentswahl gewinnt? Wir werden sehen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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34 KommentareKommentieren

  • Heimwerker-Ass - 14. Juni 2012

    Hallo querschuss und andere,

    was haltet Ihr von folgendem.Ich wette mit Euch,dass Ihr von dieser Marshallplan-Verpfaendungsklausel der Bundesrepublik noch nie etwas gehoert habt (auch bei wikipedia steht nichts davon) :

    “Der europaeische Rahmen war Hauptbestandteil der amerikanischen Politik,England,Frankreich,Italien usw. zu unterstuetzen und zugleich das Deutschland-Problem zu loesen.Um Westdeutschland in diesen europaeischen Rahmen zu integrieren,waren verschiedene Arten politischer Organisation moeglich,solange sie nur mit diesem generellen Ziel der europaeischen Einigung vereinbar waren.Diese Ueberlegung wurde wiederum am klarsten von John Foster Dulles formuliert,in dem er an Senator Vandenberg am 5.Dezember 1949 (nachdem die Bundesrepublik Deutschland gegruendet war) schrieb:”dass nur durch (europaeische) Einheit Staerke entstehen kann,und nur Staerke in Westeuropa schafft den Rahmen,innerhalb dessen es moeglich ist,Deutschland zu gestalten,wieder stark zu werden,ohne Westeuropa zu beherrschen oder eine gefaehrliche Verhandlungsposition zwischen Ost und West einzunehmen”

    V.Die Absicherung der Westbindung

    Dass in dem bilateralen deutsch-amerikanischen ERP-Abkommen vom 15.Dezember 1949 Vorsorge getroffen wurde,um die letztgenannte Alternative praktisch auszuschliessen,ist in der Literatur bisher uebersehen worden.Artikel I,3 dieses Abkommens enthaelt naemlich die Klausel,dass die Exporterloese aus der gesamten kuenftigen Produktion und aus Lagerbestaenden der Bundesrepublik[...] fuer die Bezahlung von Hilfsleistungen,die gemaess dem Abkommen bereit gestellt worden sind,verfuegbar sein wuerden.Eine derartige Verpfaendungsklausel gab es in keinem anderen ERP-Abkommen.Mit seiner Hilfe sollten auch in Zukunft Reparationslieferungen an die Sowjetunion aus der deutschen Produktion verhindert und feste Bindungen an die amerikanische Politik vertraglich fixiert werden”

    Nachzulesen auf Seite 86 in folgendem Buch:

    http://books.google.de/books?id=Rt3LrLniS64C&pg=PA69&hl=de&vq=%22In+Wahrheit+liegt+die+Sache+so,+da%C3%9F+Europas+Bedarf+an+ausl%C3%A4ndischen+Nahrungsmitteln+und+anderen+wichtigen+G%C3%BCtern+%E2%80%94+haupts%C3%A4chlich+aus+Amerika%22&source=gbs_quotes_r&cad=5#v=onepage&q=%22In%20Wahrheit%20liegt%20die%20Sache%20so%2C%20da%C3%9F%20Europas%20Bedarf%20an%20ausl%C3%A4ndischen%20Nahrungsmitteln%20und%20anderen%20wichtigen%20G%C3%BCtern%20%E2%80%94%20haupts%C3%A4chlich%20aus%20Amerika%22&f=false

    Das ganze Abkommen laesst sich im Bundesgesetzblatt nachlesen.Ist allerdings nichts fuer Sehschwache-erinnert irgendwie an den Kreditvertrag in “Otto-der Film”…

    31.01.1950
    Gesetz betreffend das Abkommen über Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland vom 15. Dezember 1949
    aus Nr. 5 vom 31.01.1950, Seite 9

    15.12.1949
    Abkommen über Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika
    aus Nr. 5 vom 31.01.1950, Seite 10

    http://www.bgbl.de/Xaver/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl

    Na,da habe ich so eine Ahnung,wie es um die deutschen (?) Goldreserven steht,die ja,wie man liest, vor allem in den USA lagern und durch deutsche Exportueberschuesse in den 50er und 60er Jahren entstanden sind…

    Mal ganz ehrlich:Wer hier ist der Meinung,dass Deutschland ueber diese deutschen (?) Goldreserven in den USA,Frankreich und Grossbritannien frei verfuegen kann?

  • HaPennyBacon - 14. Juni 2012

    Noch surrealer und bizarrer wird das ja, wenn man nicht einfach das BIP der angeblich größten Volkswirtschaft in Relation zu den Schulden setzt, sondern die realen Steuereinnahmen nimmt.

  • Roland - 14. Juni 2012

    @ SLE

    Bis jetzt steht es im Spiel der Banken gegen die Staaten 10:0 für die Banken.

    Wenn in Griechenland Syriza ans Ruder kommt und mit der Verstaatlichung der Banken ernst macht (steht im Wahlproramm), steht es zumindest mal 10:1.

    • Georg Trappe - 14. Juni 2012

      Die Finanzoligarchie inkl. Banken sind “nur” Handlanger/Wekzeuge im neoliberalen Programm mit dem Namen Restauration. Eine interessante Einfuehrung in die Ergebnisse des Power Structure Resaerch findet sich hier: http://www.heise.de/tp/artikel/31/31762/1.html

      Viele Gruesse

      Georg Trappe

  • silverman - 14. Juni 2012

    Die SZ, die für mich keine unabhängige Berichterstattung mehr betreibt,
    spricht nun vom “Schock” (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wege-aus-der-schuldenkrise-europa-braucht-einen-schock-1.1382313) oder auch einer politischen Revolte. Das erinnert mich fatal an das Buch von Naomi Klein.
    Im Artikel finden sich auch prompt die zu erwartenden Aussagen, z.B. “Zu oft opfert die Politik – getrieben von der Masse ihrer Bürger – die langfristige Einsicht kurzfristigen Stimmgewinnen”.
    Man konstatiere: Die Deregulierung der Finanzmärkte war demnach von der Masse der Bürger getrieben. Das ist bizarr oder surreal.
    Merkmal ist Folgendes: Die Regulierung der Finanzmärkte darf als Thema nicht aufkommen. Dafür stehen Rettungsschirme, Sparpläne, Haushaltsdisziplin versus kranke Staaten und jahrelandes Siechtum.
    In diesem beispielhaften Artikel der SZ wird natürlich kein Wort über die Gewinne verloren, die bisher erzielt worden sind. Über eine mögliche Besteuerung dieser Gewinne sachlogisch natürlich auch nicht. Europa, wenn nicht die Welt, besteht nur aus Schulden (keine Gewinne, keine Boni, keine Vermögen). Und wer denn nun genau gerettet wird, bleibt ungenannt.
    Es ist so durchsichtig, dass es auffallen müsste.

    • SLE - 14. Juni 2012

      Hallo silverman,

      sehr schön analysiert. Ich habe mal einen schönen Spruch gelesen, der dazu passt:

      “Im Krieg ist die Wahrheit so wichtig, dass sie stets von Lügen als Bodyguard begleitet werden muss.”

      Viele Grüße
      SLE

  • Brtz - 14. Juni 2012

    Also wie es mit Amerika weitergehen wird, find ich ziemlich offensichtlich. Sie werden Pleite machen, ob vor oder nachdem ein Euro land Pleite gemacht hat, macht den Kohl nicht wirklich fett. Ich tippe aber ein Euroland wird zuerst Pleite gehen…..

  • Bernd Rickert - 14. Juni 2012

    Einige preiswerte Sprengsätze in den Knotenpunkten der transatlantischen Netzwerkverbindungen schafften eventuell Abhilfe.

  • Frankenfurter - 14. Juni 2012

    “Die ganze Euro-Zone liegt auf dem Spieltisch und gefällt sich in der Opferrolle, augenscheinlich ohne sich dessen bewusst zu sein: Die Europäer unternehmen nichts. Sie streiten nur darüber, welches Mitgliedsland wie viel an die Spielbank zu zahlen hat, wenn diese das Spiel gewinnt.”

    Ist jemanden ajufgefallen, dass neben den Steinis von der SPD niemand sonst stand, als sie gestern im Élysée-Palast vor den Kameras über ihr Gespräch mit Hollande berichteten? Der Präsident wollte sich mit seinen “deutschen Freunden” nicht zeigen. Ich kann’s verstehen.

  • Paladin - 14. Juni 2012

    Alles haben panische Angst vor dem, was danach kommt. Der Status Quo sicher ihr (der Politiker und Völkerplünderer und -verarscher) Einkommen und ihre Macht. Es ist zwar bekannt, dass sie eine neue Weltordnung aus dem Chaos schaffen wollen, doch scheinen sie jetzt selber Angst davor zu haben. Stellt Euch vor, die Völker verlangen ihre Selbstbestimmung wieder. Vielleicht gibt es sogar einige, die dank der unabhängigen Medien (auch Querschüsse!) auf den Trichter gekommen sind, dass das Schuldgeldsystem weg muss…. Damit wäre die Macht der Dunkelmächte gebrochen. Versetzt man sich in die Lage der Dunkelmächte, dann würde ich an ihrer Stelle versuchen, mit “Drucken” den Laden noch eine Weile zu erhalten. In dieser Zeit bringen ich die letzten Vermögenswerte (die transportabel sind, auf den Rest, z.B. Industrieanlagen, haben sie keinen Zugriff, die werden notfalls zerschossen…) in Sicherheit und stifte unglaubliches Chaos, das von den wahren Schuldigen ablenkt. Dazu passen auch die Sauereien in Syrien. Und wenn die Bürger in den verschiedensten Ländern meine Lügen nicht mehr fressen wollen, dann muss ich andere Seiten aufziehen und mal wieder eine äußere Bedrohung loslassen, die die anderen Diskussionen überdeckt…

    Well, wer noch nicht angeschnallt ist, der sollte das jetzt tun. Der Ritt wird hässlich…..

    Paladin

  • alt-shift-x - 14. Juni 2012

    also damit hast du mich erst recht neugierig gemacht, wars denn sooo schlimm? ;)

    • Lothar - 14. Juni 2012

      Ich denke mal etwas was das Gewaltmonopol des Staates “vergesellschaften” wollte. Konnte sich vorher schon mal nicht zurueckhalten. Den Bauernaufstand muss man machen, nicht herbeischreiben.

  • Alsterpirat - 14. Juni 2012

    Ein ganz Großer unter den deutschen Kabarettisten hat schon vor über zwei Jahren vorausschauend und genial den Krieg “Geld gegen Staaten” beschrieben und würzig-sauer-bitter auf den Punkt gebracht wie kaum ein anderer…

    http://www.youtube.com/watch?v=4W5CN_dbj68

    Tja, was hat sich seitdem entscheidend verändert ? V.a. gehen uns nun Zeit und Geld endgültig aus…

  • Frankenfurter - 14. Juni 2012

    “V.a. gehen uns nun Zeit und Geld endgültig aus…” Ach was, wir haben doch noch die Finanzmarkttransaktionsteuer.

    • Bernd Rickert - 14. Juni 2012

      Eine zahnlose Finanzmarkttransaktionssteuer schafft Merkel nicht in dieser Legislaturperiode. Die Fiskalunion hat sie dagegen zwischendurch bei MacDonalds entworfen.
      http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/765425/Finanzsteuer-koennte-2012-vereinbart-werden

    • Alsterpirat - 14. Juni 2012

      Tja, die kognitive Dissonanz schlägt mal wieder gnadenlos zu: erstens haben wir diese Steuer noch nicht (lt. Schäuble wohl sogar vor 2014 nicht) und zweitens und zweitens erleben wir in vielen Bilanzen und Entwicklungen – gerade auf diesem großartigen blog – eindrucksvoll einseh- und erschließbar exponentielle Verläufe, d.h. dem “alten System” bleiben eher Wochen bzw. wenige Monate denn Jahre…

  • hunsrückbauer - 14. Juni 2012

    die Alternative zum € lautet?

    für mich: Sklaverei unter dem $. Will das jemand?

    Ich denke nicht, also gilt es zunächst die Bastion € wieder instand zu setzen um feindliche Attacken aus dem $ und GBP abzuwehren und den Gegner in einem langen Krieg zu zermürben. Die Schachstelle von $ und GBP sind ihre hohe Verschuldung, die es signifinkant mit jedem Gegenschlag zu erhöhen gilt.

    Dafür müssen wir Europäer uns einig sein. Die Schwachstellen innerhalb der Bastion sind erkannt und können im wiederkehrenden Frieden beseitigt werden, jetzt gild es zunächst die Feinde abzuwehren und matt zu setzen.

    • Roland - 14. Juni 2012

      hunsrückbauer macht heute offenbar auf möchtegern-Clausewitz.

      Es reicht aber nur zum Clause-Witz.

      • SLE - 14. Juni 2012

        Hallo Roland,

        na ja, da möchte ich hunsrückbauer dann doch mal ein wenig verteidigen. Über “Währungskrieg” haben wir vor ein paar Monaten schon einmal recht viel lesen können. Das Thema ist definitiv nicht erledigt. Man schaue nur auf das, was sich zwischen den USA und China abspielt.

        Grüße
        SLE

  • Frankenfurter - 14. Juni 2012

    “Die Fiskalunion hat sie dagegen zwischendurch bei MacDonalds entworfen.”
    Ähm ja, der Fiskalpakt, die Schuldenbremse wird das “Vertrauen der Märkte” in Europa bestimmt zurückgewinnen. Kann nicht mehr lange dauern.

  • Frank Bell - 14. Juni 2012

    Schließlich müssten Banken Risiken eingehen, um ihren Dienst an der Gesellschaft auch richtig ausüben zu können

    Was sabbelt der denn für einen Scheiss???

    • SLE - 14. Juni 2012

      Ja, nicht wahr!? Man kann es kaum glauben.

      Grüße
      SLE

  • dank - 14. Juni 2012

    Die Lösung aller Probleme mit dem Fiskalpakt:

    http://www.issberlin.info/wp-content/uploads/2012/04/fiskalvertrag_1709046.pdf

    Und hier ist TINA schwarz auf weiß:

    S. 2 oben:

    C. Alternativen
    Keine.

    Unglaublich, ich würde es nicht glauben wollen, wenn es da nicht stände…
    Aber die haben das echt so geschrieben!?
    Aus Unwohlsein wird Übelkeit.

    • SLE - 14. Juni 2012

      Hallo dank,

      das ist schon ein Knaller. Aber nachdem Norbert Röttgen im NRW-Wahlkampf vor laufenden TV-Kameras gesagt hat, wer Ministerpräsident würde, das könne die CDU ja leider nicht allein entscheiden, wundere ich mich auch darüber nicht mehr wirklich. So was gehört in die Zeitungen, damit es jeder sehen kann.

      Viele Grüße
      SLE.

  • Martin - 14. Juni 2012

    Die Satiere von Georg Schramm ist so real, dass einem das Lachen vergehen kann. Mit etlicher Wahrscheinlichkeit hat er genau in das Schwarze getroffen.

    Jedoch meine ich, dass man nicht übersehen sollte, dass die Eurokrise zu politischen Zwecken gebraucht wird. Die Krise zwingt die Länder Europas in eine Politische Union, die keiner der Staaten in guten Zeiten je angestrebt hätte. Die Krise schmiedet hier einen Eurostaat.
    Das dürfte einer der Gründe sein, warum so wenig Gegenwehr erfolgt. Solange eben diese Transformation eines Bündnisses aus Nationalstaaten zu einem Superstaat nicht erfolgt ist, das Ziel noch nicht erreicht, wird der Gegenschlag ausbleiben. All die Maßnahmen dienen, die Zeit für diese Transformation zu halten.

    Dann, wenn dieser Superstaat geschaffen ist, wird man mittels Schuldenschnitte, drakonischen Maßnahmen, Umverteilung, Streichen von Ansprüchen usw. innerhalb der EU wirklich Maßnahmen treffen. Dann wird auch der Gegenschlag gegen die USA erfolgen, die mehr als nur labil da steht.

    Jedoch, rein aus logischen Gründen müsste Schramm recht haben. Wenn andere Ziele da sind, dann wird der Euro die nächsten Krisen auch überstehen und das spräche dann für die Zwangshypothese hin zu einem Superstaat (dem der Eurozusammenbruch vorzuziehen wäre.

  • Frankenfurter - 14. Juni 2012

    Stefan Schulmeister zum Fiskalpakt und Schuldenbremse:
    “Dieser „common (non)sense“ entspricht der ökonomischen Weltanschauung der frühen 1930er Jahre. Auch damals dominierte jene Theorie, wonach freie Märkte zu einem allgemeinen Gleichgewicht streben, der Staat sich aus der Wirtschaft heraushalten sowie ein Nulldefizit aufweisen müsse, und Arbeitslosigkeit durch Lohnsenkungen zu bekämpfen sei. Die Politik orientierte sich an diesen Empfehlungen der Ökonomen und fuührte die Wirtschaft in die Depression. Deren Aufarbeitung – insbesondere durch Keynes – erbrachte die Einsicht: Die Finanzierungssalden aller Sektoren verhalten sich wie kommunizierende Gefäße. Daher kann ein Sektor (Staat) sein Defizit nur dann ohne Schaden für die Gesamtwirtschaft senken, wenn er (davor) Sorge trägt, dass der Unternehmenssektor sein Defizit ausweitet und/oder die Haushalte ihre Überschuüsse senken (bzw. wenn immer höhere Überschüsse in der Leistungsbilanz erzielt werden, dann hat das Ausland das Defizit zu tragen – der deutsche Weg der letzten 12 Jahre). Werden diese systemischen Restriktionen ignoriert, so vertieft die Symptomkur des Sparens die Krise.

    von: http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120613_stephan_schulmeister_fiskalpakt-strangulierung_von_wirtschaft_und_sozialstaat.pdf

    Der Artikel ist deswegen interessant, weil er die Expertendenke analysiert, die die vorgeblich wissenschaftliche Begründung für das Sardiktat bildet. Interessant auch die Computersimulation am Ende des Aufsatzes, bei der die volkswirkschaftlichen Auswirkungen von Fiskalpakt vs Eurobonds durchgespielt werden.

  • micdinger - 14. Juni 2012

    Alles spannend, einfach nur spannend und für mich packender als jede Fußball EM oder WM. In jungen Jahren, als ich mich entscheiden musste, ob ich den mir von Eltern und Schule suggerierten Weg gehen soll, entschied ich mich letztendlich für meinen eigenen Weg, ein Weg ohne Rentenerwartung.

    Denn als ich mir die Geschichte der letzten 2000 Jahre, und insbesondere die letzten 300 Jahre, ansah, lernt man ja in der Schule, war mir klar dass ich wohl auch noch in den Genuss einer gesellschaftlichen oder politischen Umwälzung kommen würde. Ich weiß gar nicht mehr, ob und wo es in den letzten 300 Jahren einen über 80 Jahre stabilen Zustand gegeben hat. Und ich bin froh, einer Bevölkerung und einer Generation anzugehören, die Krieg nicht aus eigenem erleben kennt. Das alles macht mich froh und lässt mich relativ gelassen der Dinge harren, die da kommen mögen.

    Noch einen Link zu den Rentenerwartungen:
    http://www.heise.de/tp/artikel/15/15872/1.html

  • Klaus Gettkant - 14. Juni 2012

    http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-merkel-schwenkt-auf-bankenunion-um/70050389.html

    Merkel schwenkt auf Bankenunion um,
    Die Kanzlerin vollzieht einen Kurswechsel: Angela Merkel zeigt sich offen gegenüber einer europäischen Bankenunion und einer Aufsicht durch die EZB. Ein möglicher Grund für Merkels Einlenken: Sie glaubt, Spanien könnte beim letzten Stresstest gemogelt haben. von

    :-)

  • JL - 14. Juni 2012

    Sehr geehrter Hr. Stefan L. Eichner,

    Sie sollten nicht so streng sein.

    Ob nun einer meint das er “Gottes Werk” verrichtet, oder aber im Fußball mit Hilfe der “Hand Gottes” ein Siegtor erzielt wird ist doch nun wirklich egal. Es ist doch nur ein Spiel- also nichts besonderes, oder?
    Die Meisterschaft in der “Finanzindustrie” (der Name sagt alles) wird doch nach fast gleichen Regeln wie im Fußball ausgeführt.

    Die abweichende Regel ist nur: Wer Siegt- ist als letzter Pleite.

    Mit freundliche Grüßen
    JL

    • SLE - 14. Juni 2012

      Hallo JL,

      das haben Sie – wieder einmal – sehr schön gesagt. Ich fürchte nur, dass anschließend das “Stadion” nicht mehr zu gebrauchen sein wird oder es sich in Wahrheit um ein Colosseum handelt, in dem wir – bewusst oder unbewusst – in der Arena stehen und “mitspielen”. Lehman ist überall.

      Viele Grüße
      SLE

  • Frankenfurter - 14. Juni 2012

    @alsterpirat
    von wegen “kognitive Dissonanz ” -erfurchtgebietender Soziologenslang übrigens- damit sind wohl die Oppositionspolitiker der SPD gemeint, die “gestrig” dem französischen Präsidenten den Fiskalpakt schmackhaft wollten, indem sie ihm eine Transaktionssteuer für den Finanzmarkt vorschlugen.

    Wollen wir doch mal sehen, was der Fiskalpakt aus Europa macht, wenn die globale Rezession wirklich kommt. Ich habe da so eine Ahnung.

  • dank - 14. Juni 2012

    Nach dem Installieren des ESM (Jul 2012); nachdem es zu wenig harte Widerworte und Widerstand gab und dazu noch Karlsruhe versagt, kommt der nächste Streich:
    Europa einig Schuldenland.
    Wenn ich so etwas lese und die vier Herren einfach mal für alle entscheiden dürfen und das dann durchgedrückt wird, dann höre ich die Panzer in den europäischen Straßen des Himmlischen Friedens schon fast fahren:

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106594359/Das-neue-Europa-kommt-quasi-als-Notverordnung.html

    Egal ob Notverordnung oder Ermächtigungsgesetz. Das kann einfach nicht gut gehen.
    Diese Art der Doktrinverordnung führt später nur zu Streit und radikalen Auswüchsen und schon schlägt sich Europa wieder die Schädel ein.
    Danke Euroland – Danke Euro. :-(

  • jl - 16. Juni 2012

    Sehr geehrter Hr. Stefan L. Eichner,

    Ihr Vergleich zum Colosseum ist wunderbar. Mometan kämpfen dort wohl die Glatiatoren von Hellenas und Neu- Karthago. Nun, die Itakaka und tapferen Gallier werden dieses tödliche “Finanzspiel” sicher bereichern, und alle Zuschauer auf den Rängen werden jubeln- Unwissend, daß sie als nächstes Mitspieler sind.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL