Schuldenstreit mit Griechenland: Varoufakis´sche Spieltheorie im Brüsseler Praxistest?

von am 17. Februar 2015 in Allgemein

Bisher endeten alle Verhandlungen der neuen Regierung in Athen mit den Finanzministern der Euro-Gruppe ergebnislos und mit 18 eher ratlosen Gesichtern sowie einem verschmitzt lächelnden griechischen Finanzminister.

Es ist gar nicht so schwer zu verstehen, warum das so ist. Jedenfalls dann nicht, wenn man sich vergegenwärtigt was Yanis Varoufakis gemacht hat bevor er Finanzminister wurde.

Griechenlands Finanzminister: Spieltheoretiker und erklärter Gegner des ökonomischen Mainstreams

Er war bisher Wirtschaftsprofessor und die Spieltheorie ist seine Domäne. Das mag vielen vielleicht nichts sagen. Kurz gesagt geht es in der Spieltheorie darum, Entscheidungssituationen mit mehreren Beteiligten zu modellieren. Es geht darum, mit mathematisch-statistischen Methoden das Verhalten und den Ausgang von bestimmten Verhandlungssituationen zu prognostizieren. Oder eben umgekehrt die Frage zu beantworten, wie ein bestimmtes Verhandlungsergebnis erreicht werden kann. In diesem Fall wird also ein entsprechendes Spiel entworfen, das zu dem gewünschten Ergebnis führt.

Noch etwas ist wichtig zu wissen: Professor Varoufakis ist ein erklärter Gegner der Lehren des liberal-neoklassischen ökonomischen Mainstreams. (1) Warum ist das wichtig. Ganz einfach: Weil es ihm in der Spieltheorie wie in der Wirtschaftstheorie insgesamt um realistischere Ansätze geht, das heißt, um Ansätze, die im Unterschied zu denen des liberal-neoklassischen Mainstreams auch erfolgreicher in der Praxis angewendet werden können.

Was scheint uns all das über das zu sagen, was Griechenland bei den Verhandlungen mit der Euro-Gruppe wirklich tut?

Verhandlungen mit der Euro-Gruppe: Ein Spiel nach Plan?

Yanis Varoufakis scheint in Brüssel ein „Spiel“ aufzuziehen, das zu dem von ihm gewünschten Ergebnis führen soll, wobei die Euro-Gruppe – und auch allen anderen Beobachter – erklärtermaßen noch immer nicht weiß, was Griechenland eigentlich wirklich genau will und wie das „Spiel“ ausgehen soll. Aber gerade das dürfte ein wesentlicher Bestandteil des Varoufakis´schen Spiels sein.

Athen kommt mit immer neuen Vorschlägen, wurde dabei bisher aber nie wirklich konkret. Das als Zeichen von Unprofessionalität zu interpretieren, wäre ein schwerer Fehler. Varoufakis wendet sein Wissen an und wer glaubt, dass alle Theorie grau ist, hat sich zu sehr an schlechte ökonomische Theorien gewöhnt, die an der Wirklichkeit scheitern, so wie eben die liberal-neoklassische Wirtschaftstheorie, auf der u.a. auch das Sanierungskonzept der Troika für die europäischen Schuldenstaaten aufgebaut ist.

Herr Varoufakis aber ist als Ökonom angetreten, weil er es besser als der ökonomische Mainstream machen wollte. Genau deswegen kommt er auch zu dem Schluss, dass das bisherige austeritätspolitische Krisenmanagement der Euro-Gruppe gescheitert ist. Für ihn ist die von der Euro-Gruppe vorgeschlagene Verlängerung des noch laufenden Sanierungsprogramms keine Option, weil es, wie er erst gestern wieder sagte (2), die Ursache und nicht die Lösung der Probleme Griechenlands ist. Dass wiederum die Euro-Gruppe ihren Vorschlag für vernünftig hält, ist ein Zeichen für deren wirtschaftsideologisch verstellten Blick auf die Probleme der Euro-Zone. Die von ihrem Konzept geschaffenen Fakten in den Krisenländern blenden sie offensichtlich weitgehend aus.

Europas Probleme fordern mehr fachliche, weniger politische Kompetenz

In der neuen griechischen Regierung sitzen mehr Professoren als in jeder anderen in der EU. Sie werden von Premier Alexis Tsipras nicht geholt worden sein, weil sie so schöne, aber für die Praxis untaugliche Lehren und Theorien verfechten. Sie sind sicher keine Politikprofis. Das nicht. Aber das muss kein Nachteil sein. Denn die zu lösenden Probleme in den Krisenländern der Euro-Zone setzen nicht in erster Linie politische, sondern fachliche Kompetenzen voraus.

Was Europa eindeutig fehlt, sind neue, bessere Ideen der Krisenbewältigung. Anders ausgedrückt umhüllen sich Griechenlands Gläubiger –einschließlich des Internationalen Währungsfonds – zwar mit der Aura überlegener fachlicher Kompetenz. Doch die bisherigen Ergebnisse ihrer Krisenpolitik haben berechtigte Zweifel daran aufkommen lassen. Dass Yanis Varoufakis ihnen das so unverblümt sagt, schmeckt ihnen natürlich nicht.

Letzte Zuflucht „leere Drohungen“?

Doch was wollen sie schon dagegen tun? Das bis Freitag gesetzte Ultimatum ist de facto eine Drohung an die europäischen Steuerzahler. Denn die müssen die Milliardenverluste schultern, wenn die Verhandlungen platzen, Griechenland in die Pleite geschickt wird und die gewährten Kredite abgeschrieben werden müssen. Um zu dem Schluss zu gelangen, dass das niemand in der Euro-Gruppe wollen kann, schon gar kein Regierungspolitiker, braucht man kein Spieltheoretiker zu sein. Und was eine griechische Pleite letztlich für die Währungsunion und für die Finanzmärkte bedeutet, wer will das austesten und im Zweifel dann auch politisch verantworten – in der Euro-Gruppe?

Kein Wunder also, dass Yanis Varoufakis Lächeln bisher nicht verschwunden ist. Ob sein „Spiel“ allerdings für Griechenland auch wirklich aufgeht, ist noch keineswegs sicher. So ist das eben mit Theorien, die den Praxistest noch vor sich haben. Andererseits sollte Europa generell schon endlich mehr Mut aufbringen, neue Wege zu gehen und neue Theorien der Krisenbewältigung zu testen. Ansonsten zerstört es sich sukzessive selbst. Vielleicht ist es sogar genau das, worauf das Spiel des Yanis Varoufakis am Verhandlungstisch in Brüssel zielt. Es würde mich nicht überraschen. So betrachtet streitet in Brüssel gegenwärtig vielleicht bereits das „neue“ gegen das „alte“ politische Europa.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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72 KommentareKommentieren

  • klaus - 17. Februar 2015

    Hallo an Alle.

    Erstmal Danke für die doch sehr treffende Klarstellung der Positionen.
    Tja.
    Gerade hat Prof. Sinn den ELA-Stopp für die Griechen gefordert, um
    ein 2tes Zypern zu verhindern.
    Implementieren von Kapitalkontrollen für griechische Banken sind
    im Gespräch.
    Doch was nutzt es?
    Geld wird für Waffen für die Ukraine gebraucht. 22,5 Mrd von Europa.
    Wir haben als finanziell einen 2-Fronten Krieg.
    Sollte es zu einem Grexit kommen, ist das Geld für den Krieg
    nicht mehr vorhanden.
    Ganz einfach, weil Frankreich mehr Geld den Griechen gegeben hat.
    Die Franzosen würden die fehlende Nachsicht um Ihr Geld auch heftig
    in den Sparvorgaben der EU mitinterpretieren.
    Damit wären die 2 größten EU-Teilnehmer zerstritten.
    Der Euro wäre gleich 1 Dollar und der DAX auf 9000.
    Die Banken würden den Bonus streichen und ein paar tausend Banker
    würden die hohen Ansprüche zurückschreiben nach der Kündigung.
    Zudem entsteht mit Griechenland eine chinesische Handelsplattform
    oder eine russische Präsenz.
    Und für weitere Sündenfälle neben Griechenland wäre in Europa
    kein Geld da.
    Die ganzen in den Medien vor den Bailouts hoch gelobten Supersparländer
    und die weiter europäische Osterweiterung sind dann passe.
    Zudem können wir dann sicherlich die LV-Papierchen wegwerfen.
    Naja, für alle Billiglöhner ist jeglich Vermögensbildung mit staatl. Förderung
    eh obsolet.
    Mal gespannt, ob man wirklich den Grexit will oder zähneknirschend
    das Geld drucken zulässt.
    Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung.
    So einfach ist das.
    Sobald die Verluste durch einen Grexit in den Büchern realisiert sind,
    schwindet die Möglichkeit, die Finanzlücken auf den Steuerzahler
    abzuwickeln.
    Also, warum Angst haben?
    Fuhrwerken ist alternativlos.
    ;)

    Grüß klaus

    • SLE - 17. Februar 2015

      Hallo klaus,

      tja, Angst haben? – warum eigentlich!?

      Ich denke, vor der Statuierung eines neuen, zweiten Exempels nach der Entscheidung, Lehman Brothers pleite gehen zu lassen.

      Bei den Verhandlungen für die Rettung von Zypern lagen in der Euro-Gruppe schon einmal die Nerven derart blank, dass man es beinahe zu weit trieb.

      Kurzschlusshandlungen, eine Überspannung des Bogens oder schlicht fatale Fehler sind auch bei den erhitzten Verhandlungen mit Griechenland nicht auszuschließen.

      Grüße
      SLE

  • Ert - 17. Februar 2015

    Soweit ich weiß will Varoufakis erst einmal 4 Monate? Zeit haben – um überhaupt einen Kassensturz in GR machen zu können. Wie soll eine Regierung die gerade gewählt wurde auch irgendwelche Zusagen machen, wenn Sie gar nicht einmal übersehen kann, was die Vorgänger überlassen haben – also insb. welche (ggf. bisher geheimen) Verträge, Verpflichtungen und Abmachungen eingegangen sind?

    Auf EU-Ebene, wo politische Karriere wohl mehr gilt als Fachliche, übersehe ich gar nichts mehr. Wer da im Interesse von wo wo eingesetzt wird, agiert, bestimmt… aua. Im Blick auf die Ukraine-Politik schwant mir da überhaupt nichts gutes.

    Die Euro-Poltikt ist auch absurd, weil eine Stabilisierung müsste grundlegend auch voraussetzten das alle sind an das Inflationsziel halten und die (nationalen) Löhne entsprechend der Arbeitsproduktivität anpassen. Das DE nun aber bei Lohnstückkostenzuwachs ganz unten bleibt und dann noch druck auf die Löhne ausübt (Staatlich gewollt -> Agenda 2010!) – so kann nichts besser werden. Auch hier sehe ich sich nichts bewegen… in DE bleibts bei Nettokaufkraftzuwachs null.

    ich denke mal die EU-”Kaliber” haben für die aktuelle Situation gar keinen Plan mehr….

  • MFK - 17. Februar 2015

    Ich weiß es natürlich auch nicht, aber die Rhetorik der Griechen spricht gegen “Spiele”. Wer so großmäulig auftritt, lässt der anderen Seite keinen Raum nachzugeben, will er nicht als völliger Trottel dastehen.

    Für neue Wege bin ich auch. Raus mit Griechenland aus dem EURO. Das ist für beide Seiten der beste Weg.

    • Vogel - 17. Februar 2015

      @MFK
      “Für neue Wege bin ich auch. Raus mit Griechenland aus dem EURO. Das ist für beide Seiten der beste Weg.” Richtig! Der €uro ist nur ‘was für starke, wettbewerbsfähige Nationen, Nationen die sich den €uro leisten können, gelle! Und dann, wenn nur noch die €urostarken Länder übrig sind, und der dann auch stark ist – z. B. 1 $ = 2 € – ja dann geht’s voran, auf “neuen Wege(n)”.

      Hab’ ich das so richtig verstanden? (besser für die anderen wäre das sicherlich) ;-)

      PS.: Der durch die “schwachen” Länder geschwächte €urokurs ist ja nur ein kleines Stück der “neuen Wege(n)” – z. Z. noch ein Vorteil für D – dann muss man wirklich neue Wege finden, Wege jenseits von Waxxtum, Kapitalismus & Co.

      • MFK - 18. Februar 2015

        Nein, da haben Sie mich nicht richtig verstanden. Ich halte nichts von großen bürokratischen Monstern wie dem EURO. Solche Kunstgebilde sind viel zu fragil. Abgesehen davon hat GR keine Chance im EURO zu überleben. Dazu müssten sie ihre mangelnde Konkurrenzfähigkeit mit Kostensenkungen und hier insb. Lohnsenkungen erkaufen und das ist wohl nicht durchzuhalten. Die andere Lösung wäre natürlich ein Finanzausgleich zwischen den starken und den schwachen Volkswirtschaften (vulgo Transferzahlungen) Das macht aber die Masse der Wähler nicht mit. Wenn jedoch jeder der eine Rettung GRs mit dem Geld anderer Leute propagiert selber einen EURO an GR überweist, hätten die längst keine Probleme mehr.

        • Sound-Money - 19. Februar 2015

          “Wenn jedoch jeder der eine Rettung GRs mit dem Geld anderer Leute propagiert selber einen EURO an GR überweist,”

          Genau. Sollen doch alle die GR retten wollen ihre komplette Altersvorsorge dort investieren!

          • Querschuss - 20. Februar 2015

            Schön das ihr dies so konkret adressieren möchtest, ist aber gar nicht nötig, denn der Status Quo ist schon lange der, niemand muss gefragt werden, an wen seine Einlagen als Kredite vergeben werden, wo Lebensversicherungsbeiträge u.a. Gelder aus den Kapitalsammelstellen landen, wo das Geld aus der Geldschöpfung der Banken landet, sicher ist nur, dass der Steuerzahler am Ende des Tages für die potentiellen Fehlinvestitionen/anlagen haftet. Das ganze ist schon lange realer Bestandteil der Umverteilung von unten nach oben. Risiko und Haftung sind längst in Teilen ausgeknipst, die Urtugend mit Füßen getreten.

            Nur die wenigsten wissen oder können nachvollziehen, was mit ihren Einlagen, Ersparnissen in Lebensversicherungen, Fonds usw. wirklich passiert, dass lässt die Komplexität und die mangelnde Transparenz gar nicht zu.

            Im Kern ändert sich auch nichts daran, wenn das Geld nicht mehr nach Griechenland fließen sollte, es fließt dann eben an andere chronische Defizitsünder und finanziert dort “unsere” Nettoexportüberschüsse wie jetzt zum Beispiel in den USA und UK und auch diese Forderungen und Anlagen können am Ende ein ähnliches Schicksal erleiden, wie in und gegenüber Griechenlands, alles nur eine Frage der Zeit und der Dimension – des Kapital schaufelns.

            • Sound-Money - 20. Februar 2015

              Richtig es muss niemand gefragt werden. Aber der Staat fördert diese Praxis auch noch indem er Finanzprodukte besser stellt die in government bonds investieren als solche di in Aktien investieren.

              Wenn die Lemminge die government bonds in ihrer Altersvorsorge halten Verluste erleiden muss ich sie als Steuerzahler retten. Wenn meine Aktien oder Immobilieninvestments sich in Luft auflösen werde ich von niemanden gerettet!

  • Duke van Hudde - 17. Februar 2015

    Danke für diesen Artikel der in vielen Punkten genau das beschreibt wie ich auch die Position Griechenlands verstehe.

    Er spielt für mich das chickengame und das aus meiner Sicht perfekt gegen diesen Gegner.
    Den seine Gegner sind sehr homogen und alle im Prinzip sehr Konservativ was ihre Angst um den Machtverlust angeht. Den alle haben Angst was passiert wenn die Mrd nur so durch die Finger rinnen. Für Deutschland bleibt meine These das die gesamten Leistungsbilanzüberschüsse seit der Euroeinführung am Ende weg sein werden. Das sind ca 1,6 Billionen von denen zwar ein Teil abgeschrieben wurde aber der größte Teil steht noch an.

    Das wird daher das Geld sein das man wohl über vor allen der Targetsalden bei der Auflösung des Euros verlieren wird.

    Genau gegen diesen Gegner muss ich halt verrückt wirken ich darf kein normaler Politiker sein die müssen mich nicht einschätzen können und alles das spielt der Herr wirklich perfekt.
    Das einzig blöde ist das sie natürlich wissen das er genau solche Spielmodell mathematisch perfekt kann.

    Am ende gilt also wer hat die besseren Nerven oder wer überschaut das Spiel was gespielt wird am besten. Dazu kommt aber auch noch wer wie viel bei dem Spiel zu verlieren hat und hier ist Griechenland für mich klar in der besseren Position. Klar kann man noch etwas Geld aus den Euroraum rausschlagen aber eigentlich ist doch jeden klar das Land muss abwerten und braucht der 80 -100 % Schuldenschnitt.

    Von daher würde ich klar auf Griechenland tippen außer die werden doch noch alle gekauft und stellen sich damit als normale Politiker heraus.

    Wobei und das gebe ich zu bei mir auf viel Hoffnung dabei ist den wenn der Euro weg ist kann wieder Verstand regieren und dann haben wir wieder viele verschiedene Währungen und wenn ein Land dann eine schlechte Politik macht wird es abwerten und bei einer guten Politik aufwerten.

    So muss man wieder für die Konsequenzen seines Handelns gerade stehen obwohl wenn wir schon dabei sind könnte man gleich das staatliche Geldmonopol kippen und jeder darf frei ein Geldsystem anbieten wenn er für dieses den Kunden findet. Ok das ist dann schon zu viel der Hoffnung aber man wird doch mal Träumen dürfen.

  • Beate - 17. Februar 2015

    Warum nicht die deutschen Löhne für die nächsten 5 Jahre um 6% nominell erhöhen?

    Hetzen diue deutschen Medien deshalb gegen Griechenland?

    Der rechtliche Rahmen der Masstrichtverträge muß geändert werden!

    Das Ziel der gemeinam vereinbarten Inflationsrate muß rechtlich verbindlich werden.

    Neben dem Ziel des aussenwirtschaftlichen Gleichgewichts.

    Überschüsse oder Defizte max 10% in 5 Jahren.

    Das würde bedeuten:

    Die Arbeitnehmer in Deutschland werden nie mehr mit Reallohnkürzungen abgespeist werden können.

    Das wäre so wichtig wie der Zusatz im GG das Eigentum sozial verpflichtet.

    • Ert - 17. Februar 2015

      @Beate

      Das ist das was Flassbeck schon seit Jahren sagt…

      Du kannst Dir vorstellen was unsere Industrievertreter dann sagen werden: Wir werden alle sterben!

      • Vogel - 17. Februar 2015

        @Ert
        Und Du kannst Dir vorstellen, was Keynes dazu sagen würde ;-) : “In the long run we are all dead!”

  • Roland - 17. Februar 2015

    Die EU-Finanzminister haben kein Druckmittel auf die griechische Regierung, da sie einen Primärüberschuss im Staatshaushalt hat. Bei einer “Pleite” ginge das Leben gut weiter.
    Die EZB allerdings könnte der griechischen Zentralbank die ELA-Notkredithilfen an das griechische Bankensystem untersagen. Das wäre dann der casus belli.
    In einem solchen Falle müsste die sofortige Selbständigeit der griechischen Notenbank und der Umstieg auf die Drachme erklärt werden.
    Hoffentlich wird im griechischen Finanzministerium schon insgeheim und konkret an einem solchen Plan B gearbeitet.

  • Traumschau - 17. Februar 2015

    Ein schöner Artikel!
    Ich sehe das als Laie ähnlich:
    Was wird passieren? Tsipras und Varoufakis sind mit Sicherheit keine Idioten. Die haben das “Spiel” genau verstanden.
    Also, entweder machen Brüssel und Deutschland (ist eh´dasselbe) Konzessionen, die es GR ermöglicht, erhobenen Hauptes im Euro zu verbleiben oder es kommt zu einem Grexit mit unabsehbaren Folgen.
    Angenommen, GR steigt wirklich aus dem Euro aus, dann würde es erst mal hart werden. Allerdings könnte dann eine dem Finanzministerium unterstellte Zentralbank sofort elektronisch Guthaben auf die Konten der Menschen überweisen (zinslos), damit der nicht zerstörte Teil der Wirtschaft weiterlaufen kann. Dann könnte diese ZB-Politik dem Beispiel Japans nach dem WKII nacheifern, und durch Kreditlenkung die Wirtschaft anschieben, d.h. gezielt Sektoren mit Krediten versorgen.

    Diese DOKU nach dem gleichnamigen Buch von Prof. Richard Werner “Princes of the Yen” zeigt, wie das damals gelaufen ist. Und sie zeigt auch was passiert, wenn die ZB für “bestimmte” Zwecke mißbraucht wird. Die Analogie bezüglich Asien und auch Europa sind schon “erstaunlich”.
    Und ich gehe schwer davon aus, dass Tsipras und Varoufakis um diese Dinge wissen …

    https://www.youtube.com/watch?v=p5Ac7ap_MAY

    Für die Eurozone sind die Auswirkungen eines Grexit m.E. der entscheidende Sargnagel.
    Haben wir eigentlich schon über die Handelsungleichgewichte gesprochen …?
    Sind die eigentlich Thema in dem ganzen Drama gewesen?

    LG

    • Traumschau - 17. Februar 2015

      Nachtrag:
      Nach einem Schuldenschnitt und anschließender Währungsreform samt Abwertung könnte,
      wie Prof. Werner es für Japan beschrieben hat, die ZB die Schulden der gr. Banken zum Nominalwert aufkaufen. Somit wären diese wieder funktionsfähig.
      So oder so ähnlich …
      LG

  • Basisdemokrat - 17. Februar 2015

    Die Spieltheorie in allen Ehren. Wie das mathematische Modell die aktuelle Situation abbilden könnte, erschließt sich mir – bei dieser Menge von Variablen/ Unwägbarkeiten – nicht. Zumal es sich statistisch gesehen um einen singulären Fall handelt. Hinzu kommt, das selbst das perfekteste Model soziale Ereignisse nicht erfassen kann.
    Die griechische Stärke ruht auf der Empirie. Langsam wächst die Einsicht.
    http://www.ft.com/intl/cms/s/0/175f6634-b2d3-11e4-a058-00144feab7de.html#axzz3S0ntqPYS
    Gruß BD

    https://www.facebook.com/FamilyGuy/photos/a.10150329755772674.413671.24609282673/10152524569607674/?type=1

    • Basisdemokrat - 17. Februar 2015

      Athens must stand firm against the eurozone’s failed policies
      Wolfgang Munchau
      FT

      • Sound-Money - 20. Februar 2015

        Wenn es nach Münchau ginge würde die EU sofort alle deutschen Vermögen konfiszieren dürfen um dessen EU-supranationalistischen Ziele verwirklichen zu dürfen!

  • Eurelios - 17. Februar 2015

    Danke für den Artikel SLE sehr gut geschrieben und inhaltlich auf auf den Punkt gebracht.

    Sie schreiben zum Schluss:

    So betrachtet streitet in Brüssel gegenwärtig vielleicht bereits das „neue“ gegen das „alte“ politische Europa.

    Ich sags mal so:

    So betrachtet streiten in Brüssel gegenwärtig bereits „neue“ noch nicht vom
    Großkapital gekaufte Politiker gegen „alte“ verfilzte, vom Großkapital, abhängige
    Politiker um das zukünftige politische Europa.

    Mit der Hoffnung das die “neuen“ nicht käuflich sind.

    @Duke van Hudde Sie schreiben:

    So muss man wieder für die Konsequenzen seines Handelns gerade stehen obwohl wenn wir schon dabei sind könnte man gleich das staatliche Geldmonopol kippen und jeder darf frei ein Geldsystem anbieten wenn er für dieses den Kunden findet. Ok das ist dann schon zu viel der Hoffnung aber man wird doch mal Träumen dürfen.

    Ja da träume ich mit Ihnen. Es kommt zwar sehr selten vor aber auch Träume können
    mal Wirklichkeit werden. :-)

  • Holly01 - 17. Februar 2015

    Hallo,
    lesenswerter Artikel und sehr lesenswerte Kommentare.
    Da es ja alles Spekulation ist und die realen Informationen der Medien zu einem guten Teil wieder einmal einseitig und gelogen sind, spekuliere ich einmal mit.

    Was haben wir?
    Wir haben eine politische Elite, die alle unter dem Euro-Regime geknebelt sind, tatsächlich mag niemand was sich in der Realität ergeben hat.
    Der Euro ist aber machtpolitisch ein zentrales Element. Ohne Euro erginge es den meisten Staaten in der EU wie Argentinien oder der Schweiz.
    Also das eine tun (Euro behalten) und etwas anderes nicht lassen (eine zweite Schiene).
    Nun muss man aber 3 Dinge sehr genau beachten:
    - bestehende Verträge müssen eingehalten werden
    - neue verträge müssen mit dem Gedanken der EU vereinbar sein
    - Alle müssen mehr oder weniger ihr Gesicht behalten können

    Dazu kommt ja auch noch, daß der hegemon ein sehr ähnliches Problem mit dem Dollarregime hat. Die Machtsäule Dollar zerstört zusehens dem Wirtschaftsraum USA.
    Man braucht also ein übertragbares Konzept.

    Was ich erwarte:
    Ich erwarte ein Scheitern der Verhandlungen, denn das wird von allen benötigt. Die harten EU Hunde dürfen nicht nachgeben und die “neue” griechische regierung braucht das für die Bevölkerung, um sich noch stärker zu verankern und um tiefer in den Sattel zu kommen.
    Freitag wird es also ein Scheitern geben und man wird den Griechen sagen, die sollen dann man schauen, wie sie alleine mit dem Mist fertig werden.

    Am Montag wird der griechische Staat eine Bank gründen, die wird alle auslaufenden Anleihen bedienen und kaufen, bzw. die wird den griechischen Staat mit Geld versorgen.
    Das werden selbstverständlich Euro sein und natürlich wird diese Bank einen positiven Bericht vorlegen, also verlustfrei arbeiten.
    Alternativ könnte die griechische Regierung die (sind es noch 4?) überregionalen Altbanken verstaatlichen und es darüber abwickeln.
    Der Vorteil liegt auf der Hand. Die Märkte verlieren einen erheblichen Teil ihrer Möglichkeiten.
    Griechenland ist stabil finanziert und das EU-Recht wird nicht gebrochen.
    Phase 2:
    In Phase 2 benötigt Griechenland ein Geld, welches regionale Besonderheiten berücksichtig, welches verfügbar ist und das garantiert wird.
    Ich rechne mit der Einführung von 10-15 Regionalwährungen. Start wird sein das ein “Athener” einem Euro entspricht.
    Wahrscheinlich wird es sich um Schrumpfgeld handeln.
    Damit bekommen wir eine Situation, die es schon oft im Geldwesen gab, die sich bewährt hat und die schon so manchen Übergang erleichtert hat.
    Das ist übrigens mit der EZB vereinbar und mit dem EU-Recht abgleichbar.
    Es gibt ein nettes vid auf der tube zu regionalem Geld in Deutschland.
    Die Feldversuche laufen.

    Das alles wird mit einem medialen Theaterdonner begleitet. Krieg der Medien und Krieg der Meinungen (verbal).
    Aber tatsächlich öffnet sich die politische Elite nicht die Tür zum GREXIT, sondern zum regimechange.
    ALLE benötigen einen Plan B.
    Ich denke tatsächlich nicht eine Sekunde, daß Griechenland ein Quertreiber ist, ich denke die gehen in dem Spiel nur vorne weg.
    Das “Spiel” läuft nämlich zwischen der Politik und der Bevölkerung. Man muss die Inhalte verkaufen.

  • Freiberufler - 17. Februar 2015

    Spieltheorie – ja. Aber worum spielen die überhaupt?
    Alle glauben, dass um ein Rettungspaket gespielt wird. Wenn aber nun der Bluff das eigentliche Spiel ist und es um den Grexit geht?
    Wenn beide Seiten versuchen, den Grexit so zu drehen, dass die anderen schuld sind?

  • Paernu - 17. Februar 2015

    Ist doch klar das die EU und Deutschland und alle anderen sagen, der Grexit ist kein Problem.
    Was würde denn los sein, wenn alle sgen es wäre ein Problem. Dann wäre die Griechen ja in einer Traumposition.

    Es ist ein Pokerspiel, bei dem Griechenland nur gewinnen kann. Pleite sind sie sowieso, zahlen können sie auch nicht und die Eliten die Geld haben, haben es schon lange woanders.

    Auf die paar kleinen Leute, die sich dann die Reise zu ihrer Tochter nach Deutschland nicht mehr leisten können, nimmt keiner Rücksicht.

    Ich denke die griechische Regierung will erstmal Zeit gewinnen, deswegen pokern bis zur letzten Sekunde. Am Ende arbeitet die Zeit für die Griechen, jede Wahl in Europa wird den antieuropäischen Protest stärken. Selbst wenn es zum Grexit kommt, wird die EU die nicht alleine lassen.

  • Delta120 - 17. Februar 2015

    Die jetzige Regierung vertritt die kleinen Leute die Nichts oder fast Nichts haben. Wer Nichts hat und dem das Nichts gegeben werden soll hat gar nichts zu verlieren. Vielmehr soll noch monopolartiges Volkseigentum verkauft werden.

    Da braucht man keine Theorie sondern die Position steht auf Euro-Exit und Staatsinsolvenz.

    Die Griechen spielen noch ein bisschen mit um den anderen die Möglichkeit zu geben sich zu bewegen und ggf. noch ihr Angebot zu verbessern. Aber als Linke Regierung mit fast nur Neoliberalen gegenüber – was soll man da als Angebot oder gar Hilfe erwarten?

    Vielmehr ist ein Ceterum censeo Athena esse delendam esse von Schäuble und seinen Kollegen jetzt und in Zukunft zu erwarten um den linken “Spuk” in Europa hoffentlich schnellstens ein Ende zu bereiten. Aber damit kann Griechenland direkt in die Arme Russlands getrieben werden. Das wird vielen “Scheiss egal ” aber schlussendlich ist dieses auch ihre Einstellung zum Europa Projekt. Ohne Solidarität wird Europa dieser Welt Good Bye sagen and the Nothing Hello.

    • Uwe - 17. Februar 2015

      Delta120 hat´s im Blick: Es geht darum, als Gesellschaft wieder wirtschaften zu können.
      Dazu müssen faule Schulden gestrichen werden.
      Das aktuell angebotene Modell sagt, man solle nur seinen Schuldsaldo erhöhen um seine
      Verpflichtungen tilgen zu können. Damit entgehe man der Pleite. Das ist Betrug.
      Man erwartet, daß immer mehr Kaufkraft (Arbeit) aufgewendet wird, um die steigenden Schulden und deren Dienst zu begleichen. Dazu werden Programme gestrickt, die den Mittelstand und die Armen ausbeuten, die Reichen (Gläubiger) verschonen.
      Logisch, daß die Erfinder dieses Systems, hier durch die EU repräsentiert, das nicht wollen.

      Endgame, endlich!

      • Georg Trappe - 18. Februar 2015

        “Dazu müssen faule Schulden gestrichen werden.”
        Das ist absolut richtig. Die Frage ist nur, wer traegt die Verluste aus den Abschreibungen?
        Und da eignet sich doch der am besten, der nicht der Bilanzierungspflicht unterliegt. Oder?

  • Holly01 - 17. Februar 2015

    Hier wird behauptet der GREXIT würde bei einem anschliessenden Zerfall des Euro einen Schaden von 17 Billionen verursachen.
    Hätte ich 400 Mrd. Schulden und einen 17 Billionen Pfand als Joker in der Tasche würde ich das auch eher entspannt betrachen.

    https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=VXjGJd-aCMg

    • Sound-Money - 19. Februar 2015

      Na und? Der Schaden ist doch schon da. Er wurde nur noch nicht in der Buchhaltung berücksichtigt

  • Sound-Money - 17. Februar 2015

    Und was bringt ein Schuldenschnitt? Nichts. Dann kommen die Griechen in 10 Jahren wieder und wollen wieder 300 Mrd Schulden erlassen haben…

    >>>Griechenland in die Pleite geschickt wird und die gewährten Kredite abgeschrieben werden
    >>>müssen
    Das Geld ist doch schon weg. Warum also die Aufregung?

    • thewisemansfear - 18. Februar 2015

      Es wäre Aufgabe der (Wirtschafts-)Politik, länderübergreifende Ungleichgewichte in dieser Form erst gar nicht so weit ausufern zu lassen. Das gilt vor allem in einer Währungsunion und erfordert ein Mindestmaß an Abstimmung. Ist eigentlich nicht zuviel verlangt.
      Der Euro wird bei der jetzigen Krise nur vorgeschoben, um einige “heilige Kühe” nicht schlachten zu müssen – so z.B. eine fällige Koordinierung der Lohnstückkosten. Wer weiter daran glaubt, Inflation über Geldmengensteuerung zu beeinflussen, kann oder will das natürlich nicht sehen. Bzw. wird es ja bereits umgesetzt, denn die “interne Abwertung” funktioniert eben über Reduktion der Lohnstückkosten (über Senkung der Löhne, etc.). Das drückt man mittels “Troika” seit Jahren durch, mit bekannten Nebenwirkungen… Aber was in GR “nach unten” zum Wiedererlangen der Wettbewerbsfähigkeit praktiziert wird, ist hierzulande “nach oben” überhaupt kein Thema. Warum nicht?

      • Sound-Money - 18. Februar 2015

        Bei freien Wechselkursen braucht man so gut wie keine Abstimmung. Da findet die Abwertung automatisch statt und die Entwicklungen bei den Lohnstückkosten drücken sich in den Wechselkursen aus.

        • thewisemansfear - 18. Februar 2015

          Das ist Unsinn. Blick in die Schweiz genügt, wie “automatisch” das abgeht… Die Ungleichgewichte versucht man mit Abwertung im Nachgang zu beseitigen, was jeweils zu mittelschweren Verwerfungen führt. http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Welche-Firmen-jetzt-durchgreifen/story/22982609

        • thewisemansfear - 18. Februar 2015

          Achso, wenn man den “freien Markt” nur walten ließe, dann ergäbe sich immer der optimal passende Wechselkurs.
          Das scheitert nur regelmäßig an der Realität bzw. setzt auf objektive PreisbeWERTungen auf, die so nicht existieren.

        • Sound-Money - 19. Februar 2015

          Verstehe. Der Zentralplaner kennt alle Präferenzen aller Marktteilnehmer. Nur wo nimmt man nur diese Art von Zentralplaner her. Auf diesem Planeten gibt es sie nicht!

          Sozialismus klingt gut und verspricht mehr Gerechtigkeit, ist aber noch immer auf dem ganzen Globus gescheitert. „Allgemein wird unter Kapitalismus eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verstanden, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht.“ So lautet eine Definition auf Wikipedia. Und diese Ordnung ist ziemlich unkaputtbar. Denn schon in frühester Zeit hatten die Menschen ein bisschen Privateigentum, und wenn es nur ein Fellmantel oder ein paar Faustkeile waren. Schon bald tauschte man davon etwas, eine erste Form von Markt. Sicher wollten auch die ältesten Vorfahren Vorräte anlegen, beim Tausch einen Vorteil herausschlagen, strebten demnach nach Gewinn. Daran hat sich nichts geändert. Und glauben Sie, es wird sich je ändern?

          • SLE - 19. Februar 2015

            Lieber Sound-Money,

            ich möchte Ihne jetzt dann doch endlich mal verdeutlichen, wie unvollkommen ihre (wiederkehrende) Argumentation ist und zwar aus einem entscheidenden Grund:

            Kapitalismus und freie Marktwirtschaft funktionieren NUR dann, wenn es freien, fairen Wettbewerb gibt! Das vergessen Sie immer zu erwähnen.

            Es ist schlicht Unsinn so zu tun, als hänge das NUR davon ab, ob der Staat ins Marktgeschehen interveniert oder nicht. Sozialismus versus Kapitalismus als die beiden einzigen möglichen Formen der Wirtschaftsordnung einander gegenüberzustellen, hat mit der Realität nichts zu tun.

            Interventionen sind nicht per se negativ für das Marktgeschehen und deswegen auch keineswegs generell ein Zeichen für ein sozialistisches System der Wirtschaft. Denn Märkte entwickeln sich, sie reifen und die Konzentration nimmt zu und GENAU DESWEGEN VERÄNDERT sich der Wettbewerb und zwar weg von der freien, fairen Variante, die den “Kapitalismus” als etwas Wünschenswertes, Erfolgreiches erscheinen lässt.

            Diese Veränderungen sind systemimmanent und wenn der Wettbewerb marktstrukturell bedingt nicht mehr von sich aus für eine Korrektur sorgt, dann muss es der Staat tun. Ansonsten wird der “Kapitalismus” zu einem System, dass nicht mehr mit einer freien Wettbewerbswirtschaft gemein hat, sonder zu sich ständig vergrößernden Ungleichgewichten, Wachstumsschwäche und systemischer Instabilität führt.

            Es ist eben nicht so, dass vom Staat unbeeinflusste Märkte sich zu jeder Zeit selbst regulieren, so dass immer freier, fairer Wettbewerb herrscht. Genau das ist heute das Problem und das bedeutet unter anderem, dass an den Märkten auch die Preisbildungprozesse entsprechend stark verzerrt sind – Wechselkurse eingeschlossen. Das blenden Sie immer aus und deswegen ist Ihre Argumentation auch nicht schlüssig.

            Viele Grüße
            SLE

            • Sound-Money - 19. Februar 2015

              “Denn Märkte entwickeln sich, sie reifen und die Konzentration nimmt zu ”

              Eben dann ist kein Kapitalismus mehr, sondern Korporatismus. Dies geschieht umso schneller je weniger föderal die Machtstrukturen eines Landes sind. In der EU ist es viel einfacher Lobbyismus zu betreiben als in einem Föderalem Land. Man muss nur genügend Lobbyisten in Brüssel haben und schon klappt das mit der gewünschten Verordnung (Gesetzgebung) in allen 28 Ländern.

              Staatliche Interventionen sind immer schlecht. Denn sie haben als Folge weitere staatliche Interventionen. Beamte schaffen keine Wirtschaftsleistung.

              • SLE - 19. Februar 2015

                Hallo Sound-Money,

                ich glaube, Sie vermischen da etwas. Kapitalismus ist eher ein systemischer Oberbegriff so wie auch Sozialismus. Korporatismus ist (i.d.R.) die Bezeichnung für eine bestimmte Ausprägung einer marktwirtschaftlichen Ordnung, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln beruht, in der aber kein freier Wettbewerb herrscht. Die Ordnungsalterative ist die Planwirtschaft bzw. Zentralverwaltungswirtschaft.

                Staatliche Interventionen wären nur dann immer schlecht, wenn Wettbewerb bzw. Märkte prinzipiell selbstregulierend wären. Das sind sie aber nicht.

                Viele Grüße
                SLE

                • Sound-Money - 19. Februar 2015

                  “In the short run, the market is a voting machine but in the long run, it is a weighing machine.”

                  ― Benjamin Graham

                  • SLE - 20. Februar 2015

                    Der Markt ist keine Maschine und auch kein Mechanismus. Dies würde implizieren, dass man sowohl die Resultate vorhersagen kann als auch wie sie genau zustande kommen. Was sind Sie denn jetzt eigentlich, Wirtschaftsliberaler oder Anhänger der Neoklassik?

                    Grüße
                    SLe

                    • Sound-Money - 20. Februar 2015

                      Graham sprach bildlich und bringt zum Ausdruck das der Markt kurzfristig oft über-untertreib, aber langfristig die Realität widerspiegelt.

                      “Der Markt” sind wir alle. Somit ist er das Sozialste was es gibt. Aber Sozialist bin ich nicht :-)

  • Hinterfrager - 17. Februar 2015

    Der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis selbst sprach gestern bei der Brüsseler Pressekonferenz klar und unmissverständlich aus, woran es nicht nur Brüsseler EUrokraten ganz fundamental mangelt: an jeglichem Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge – und er lieferte dazu auch gleich ein überaus anschauliches Zahlenbeispiel:

    https://www.youtube.com/watch?v=9_8gKX5w8ko#t=930

    Der Mann argumentierte auch hier in erster Linie als Wissenschaftler und nicht als Politiker !

    • thewisemansfear - 18. Februar 2015

      Ein sehr anschauliches Beispiel, danke für den Hinweis. Mit Inhalten kann man wunderbar die althergebrachten Weltbilder und vorgefestigten Meinungen ins Wanken bringen. Man kann nur hoffen, dass die Journalisten langsam wach werden und am Drücker bleiben. Meinungsmache braucht man aus dieser Ecke nicht auch noch. Wer “Alternativlosigkeit” akzeptiert, hat schon im Ansatz verloren.

  • Stepe - 18. Februar 2015

    Hallo,
    es kann ja sein das die Spieltheorie was bewirkt, allerdings nur andere an der Nase herumführen. Wenn zum Beispiel etwas (wie gemeldet) zuende verhandelt ist und nur noch unterschrieben werden muss, dann wird die Unterschrift verweigert wird, ist das etwas was den anderen nicht geläufig ist und sie auf dem Schlauch stehen. Nur, es ändert nichts an dem System aus dem die Krisen entstanden sind.
    Praktisch gibt es da Handlungen die nicht einmal eine Theorie haben, viele Abmachungen 60% 3% sind von allen über den Haufen geworfen, auch andere zu “retten”. Geht jetzt soweit das extra dafür Schirme gespannt werden und Geld gedruckt.
    Was allen Gemeinsam ist, das sie von Wachstum reden,Wachstum der bestehenden Wirtschaftsordnung. War nicht genau das was die “Verwerfungen” haben enstehen lassen? Da wird es auch nicht besser wenn Hochschullehrer Staatsgeschäfte lenken. Übrigen sind die, die FED, EZB leiten und Wirtschaftstheorien aufstellen alle Hochschullehrer, teils mit Nobelpreise für Ihre Arbeit. Auch bei der AfD sind es überwiegend Hochschullehrer die “Ansagen”

    Ich denke das die Griechische Bevölkerung am meisten leidet und weiter leiden wird, der deutsche Steuerzahler ist da am wenigsten betroffen.
    Ich denke egal, wie oder was sie spielen es wird nichts werden. Es ist hier doch fast jeden Tag nachzulesen wie sich andere in die Startlöcher begeben um den Weg Griechenland zu folgen, Startlöcher ist falsch, sie sind schon unterwegs.

    Gruß

    • SLE - 18. Februar 2015

      Hallo Stepe,

      wie im Aufsatz geschrieben ist Varoufakis ein Gegner des ökonomischen Mainstreams, die Professoren in Notenbanken aber sind Mainstream-Ökonomen.

      Es ist nicht hilfreich, alle ökonomischen Theorien und Lehren bzw. alle Ökonomen in einen Topf zu werfen. Problematisch sind die, die die herrschende Lehre gegen alle berechtigte Kritik nicht nur verteidigen, sondern weiter anwenden, mit teils katastrophalen Konsequenzen. Die Finanzmarktkrise geht auf deren Konto und das,was infolge der Austeritätspolitik in Griechenland & Co geschieht ebenso.

      Das sind die Probleme, die andere Ökonomen, wie etwa Varoufakis, nun zu lösen haben und zwar mit Hilfe anderer Lösungsansätze – wenn man sie denn lässt. Es gibt inzwischen eine große Gruppe von anders denkenden Ökonomen mit potenziell hilfreichem Wissen, das bedingt durch die Blockadehaltung der Mainstream-Ökonomen und vor allem auch der Mainstrem-Politiker brach liegt.

      Das ist wohl der Grund, warum immer mehr Professoren aus dieser Gruppe in die Politik gehen – so wie in Griechenland – oder eigene Parteien gründen – so wie Prof. Iglesias (Podemos) in Spanien. SIe wollen nicht länger tatenlos zusehen müssen.

      Was ist daran schlecht?

      Viele Grüße
      SLE

      • Stepe - 18. Februar 2015

        Hallo SLE,
        danke für die Antwort.
        Ich finde daran nichts schlecht, sollen sie machen. Nur, ich muss es nicht richtig finden.
        Wie ich geschrieben habe, das auch mit Darstellungen bei Querschüsse belegen kann, ist es nicht lösbar, weil es im System bleibt.
        Die Ökonomen nur weil sie Prof. ist für mich nicht ausreichend.
        Ich habe hier geschrieben welche “denke” ich vertrete, deshalb sehe ich den tendenziellen Fall der Profitrate nicht widerlegt.
        Ich weis, es bedarf der Wirklichkeit um Theorien Substanz zu verleihen. Da meinte ich das es immer neue Theorien geben wird, die Substanziell nichte verändern werden. Ich weis nicht in wie weit ihnen die Postökonomen geläufig sind, die Jubeln sicher über Griechenland, da ist “Die Befreiung vom Überfluss” erreicht.
        Bei aller Betrachtung der Ökonomie sollte nicht vergessen werden in wie weit sich die Staatlichkeit verändert.
        Sein sie versichert das ich niemanden was böses will.

        https://www.youtube.com/watch?v=K8jPfY1xfkc&list=PL5Ji4kyMVASHlcxx4EvE9sLoZlN7ObXqt

        Gruß

      • Holly01 - 19. Februar 2015

        Durch die “Blödbrille” betrachtet muss das so aussehen, das braucht Sie nicht zu irritieren. Sie machen alles richtig und Ihre Konditionierung hat geklappt.
        Es fehlten die Stichworte “Putinverstehen”, “antisemtische und unvollständige Kapitalismuskritik”, “Rechts” und “Pegida-Blogger” und dann ist die “Argumentation” schön rund.

  • H.Ewerth - 18. Februar 2015

    Ich frage mich, wie ist es möglich, ohne ein gesamt Konzept, der auch für solche Fälle Rückstellungen vorsieht, wenn es zu Krisen kommt, eine gemeinsame Währung einzuführen?

    Wieso haben die Beteiligten nicht erst einmal alle Schritte vorab festgelegt und vertraglich festgelegt, wenn es zu Krisen in einzelnen Länder kommt, bevor man eine gemeinsame Währung einführt? Jeder Unternehmenslenker bildet Rückstellungen, was zwar bei Aktionären nicht gern gesehen, Schön ist es nicht, aber so ist die Wirtschaft, und die Aktionäre verstehen das – weil es zeigt, dass die Firma Probleme erkennt und angeht.

    Ich kann mir deshalb auch nicht erklären, dass momentan keine emsigen Beamten in Berlin durch das Finanzministerium eilen und Modelle für die Griechenlandkrise entwerfen, und deren Kosten dann veröffentlichen.

    Gleichwohl wäre es möglich und angeraten – es wäre eine komplexe Formel mit sehr vielen wackligen Variablen, angefangen bei den Kosten eines griechischen Bankenzusammenbruchs, über die Staatspleite bis hin zur Außenwirkung des Spektakels, das wir im Moment sehen. Jede Firma würde für die sich abzeichnende Pleite eines Geschäftsbereich Rückstellungen machen und jede Firma wäre gut beraten, Reserven zu haben, wenn sich das Management wie die Kesselflicker streitet, und zwar in aller Öffentlichkeit unter Beobachtung der Weltpresse – und dann auch noch über das Kernprodukt. Den Euro.

    Wie peinlich für Europa, gegenüber den Rest der Welt, denn damit wird öffentlich, wie dilettantisch Brüssel Europäische Verträge verfasst hat. Beschämend, sich nicht den externen Sachverstand vorher zu holen, bevor man Verträge schließt, um für alle möglichen Krisen in Europa vorbereitet zu sein. Dann wären den Südländer dieses Elend nämlich erspart geblieben.

    Das hat man deshalb wohl nicht gemacht, um zu verhindern das öffentlich wird, dass eine gemeinsame Währung ohne eine gemeinsame Fiskal, Sozial Union etc. nicht funktionieren kann, und sog. Bonds nötig gewesen wären, damit nicht die einen sich auf Kosten des Südens Exportüberschüsse und Milliarden Zinsersparnisse privatisieren, während die anderen mit Elend, Arbeitslosigkeit am Ende die Zeche alleine zahlen müssen.

    • SLE - 18. Februar 2015

      Hallo H. Ewerth,

      als jemand, der sich in der wiss. Forschung seit den späten 80er Jahren intensiv mit dem Thema Europa befasst hat, kann ich Ihnen sagen, dass es eine sehr einfachen Grund dafür gab, die Währungsunion VOR der politischen (und vor allem wirtschaftspolitischen) Union zu realisieren.

      Die Währungsunion war vor allem von der Wirtschaft, genauer gesagt von den europäischen Großunternehmen, gewollt , denn sie bietet ihnen erhebliche Vorteile, insbesondere auch Kostenvorteile, nachdem das Binnenmarktprojekt bereits beschlossen war. Die politische Union war ihnen egal.

      In den Nationalstaaten gab es in der Politik wiederum keinerlei Interesse daran, politische Kernkompetenzen nach Brüssel abzugeben. Einer politischen Union hätten die Regierung damals nicht zugestimmt und sie tun es auch heute – unter dem Eindruck der Krise – nicht oder nur in sehr begrenztem Umfang. Jeder sollte wissen, dass alle wichtigen Entscheidungen in Brüssel auch heute noch vn den Regierungen der Nationalstaaten getroffen werden.

      Die Währungsunion zu realisieren, war für die Europäische Union ein Kraftakt. Es war ihr klar, dass zuvor die politische Union hätte realisiert und die Wirtschaftspolitik in den Nationalstaaten hätte koordiniert werden müssen. Aber das war nicht durchsetzbar.

      Es trotzdem zu tun, begründete sich aus der einfachen Überlegung, dass die Währungsunion die wirtschaftlichen Probleme verschärfen und die Regierungen so früher oder später gezwungen sein würden, der politischen Union zuzustimmen.

      Wir wissen, dass dieses Kalkül nicht aufgegangen ist und uns die durch die Währungsunion forcierten Probleme inzwischen über den Kopf gewachsen sind.

      Was meines Erachtens jetzt, im Zuge der Verhandlungen mit Griechenland, begonnen zu haben scheint, ist die Suche nach einer neuen wirtschaftspolitischen Konzeption für die EU, aber NICHT auf europäischer Ebene (Top-Down), sondern auf Länderebene (Bottom-Up). Das wäre dann also ein dezentraler Ansatz, was im Grundsatz auch besser als ein zentralistischer Ansatz wäre.

      Der Haken bei der Sache ist, dass dies nur eine Notlösung ist, weil sich die Euro-Gruppe (Brüssel) schlicht zu akzeptieren weigert, dass überhaupt ein Bedarf für ein neues wirtschaftspolitisches Konzept für die Euro-Zone erforderlich ist. Denken Sie nur an das Verhalten von Herrn Schäuble im Streit mit Griechenland. Tatsache ist jedoch, dass das bisherige Wachstumskonzept der EU nicht mehr funktioniert.

      Es wäre in jedem Fall sinnvoller, sich ZUERST auf europäischer Ebene auf einen Rahmen für eine neue europäische Wirtschaftspolitik zu verständigen, innerhalb dessen DANN anschließend die Nationalstaaten selbstständig ihr jeweils eigenes wirtschaftspolitisches Konzept festlegen.

      Viele Grüße
      SLE

      • Thorsten Eckau - 18. Februar 2015

        Vielen Dank für diese Einschätzung und Einordnung.

      • Basisdemokrat - 20. Februar 2015

        “Es wäre in jedem Fall sinnvoller, sich ZUERST auf europäischer Ebene auf einen Rahmen für eine neue europäische Wirtschaftspolitik zu verständigen, innerhalb dessen DANN anschließend die Nationalstaaten selbstständig ihr jeweils eigenes wirtschaftspolitisches Konzept festlegen.”
        Heiner Flassbeck insistiert seit vielen Jahren, dass das einzige, auf das es ankommt, die Ziel-Inflationszielrate von 1,9% sei, was vertraglich auch vereinbart worden wäre. Ansonsten könnte jedes Land seine Produktivität nach belieben selbst “verfrühstücken” usw. . Auch die besten Vereinbarungen nützen nichts, wenn man sich nicht daran hält.
        Ab Minute 4:50 https://www.youtube.com/watch?v=R-3vQzAvRfk
        Insofern hoffe ich, das die Demokratieinitiative die z.Zt. von GR ausgeht Erfolg hat.
        http://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/150218_Rede_Tsipras_NDS.mp3
        Gruß BD

    • thewisemansfear - 18. Februar 2015

      Das mit den Rückstellungen ist auf der Ebene der Zentralbanken unsinnig. Die EZB kann praktisch nach Belieben die Liquiditätsversorgung der Länder-ZBn zu oder aufdrehen. Ihre Aufgabe aus technischer Sicht IST die Sicherstellung, dass das System weiter liquide läuft. Zentralbankgeld gelangt auch nicht in den Publikumsverkehr, da der Interbankenkreislauf getrennt davon ist. Wer jetzt Bargeld als Gegenargument anführen möchte: Was benötigt man, bevor man welches abheben kann? Ein entsprechendes Guthaben auf dem Konto (Geschäftsbanken-Giralgeld).

      Geldhahn zudrehen auf Länderebene ist eine politische Entscheidung und steht ihr (allein) eigentlich nicht zu. Dann wäre die “Unabhängigkeit” der ZB nur mehr ein welkes Feigenblatt einer politischen Institution.

      Es sind Ungleichgewichte in der Eurozone zutage getreten, die politisch gemanaged werden müssen. Stattdessen freut man sich hierzulande über weiter steigende Überschüsse und sieht anscheinend nicht einmal, dass diese die Problematik nur noch weiter verschärfen.
      http://www.flassbeck-economics.de/deutsche-nettoexporte-ja-kredite-fuer-griechenland-nein-wie-passt-das-zusammen/
      beschreibt die Problematik meines Erachtens sehr treffend.

  • JL - 18. Februar 2015

    Wenn es nicht so absurd wäre, könnte man sich ja noch über das Theater der europäischen Wirtschafts- und Fiskalpolitik amüsieren.

    Faktisch droht die Europäisch Union den Griechen mit Pleite, wenn diese nicht um neue Kredite bitten würden um etwas mehr Pleite zu sein.

    Wenn anschließend die Griechen die anderen europäischen Finanzstrategen dahingehend aufklären, daß bereits der Pleitegeier über die Hellenen schwebt und bei einem Zusammenbruch die ganze Union betroffen wäre, bekommt man nicht etwa diskussionsfähige Lösungsvorschläge präsentiert, sondern die fast schon kindlich- bockige Antwort, daß dies auch kein Problem sei.

    Seit 2008 geht das jetzt schon so. All die Jahre hat man sich richtungs- und konzeptlos von einer Krisenerscheinung zur nächsten politisch durchgewurstelt. Die „Lösungen“ überließ man lieber der EZB, den IWF, oder beiden zusammen. Offenbar ist man also unfähig, eine zukünftige und grundsätzliche Ausrichtung der EU zu vereinbaren. Wirklich verwundert dies aber nicht. Wenn man sich so ansieht was bereits in der Amateurliga der Politik- Stadt- und Gemeinderäten- ab und zu an Abstrusitäten hochkocht, sollte einem nichts mehr überraschen.
    In der „Spitzenliga“ angekommen, bekommt man es zusätzlich mit gegenläufigen Parlaments- Kommissions- Staats- und Zentralbankinteressen zu tun. Jeder auch nur halbwegs vernünftige Vorschlag muß in diesem Brüsseler Interessenbrei untergehen.

    Das „Spiel“ Athens zwingt also die EU zur Offenbarung. Entweder kann man in Brüssel Lösungen finden, oder man kann es eben nicht. Egal welches Ergebnis man dort abliefert, es ist weitreichend.

    Entweder ist man also fähig europäische Interessen vor die eigenen zu stellen, oder aber man Outet sich als Kopie Weimarer Verhältnisse.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 18. Februar 2015

      Hallo JL,

      schade eigentlich, dass das, was Herr Schäuble in diesem Video ab Minute 1:20 sagt, keine Selbsterkenntnis ist, sondern Spott.

      http://media.tagesschau.de/video/2015/0217/TV-20150217-2235-4301.webl.webm

      Es wäre ein echter Schritt nach vorn, wenn es Selbsterkenntnis wäre. Aber die wird man von ihm wohl vergeblich erwarten.

      Grüße
      SLE

      • thewisemansfear - 18. Februar 2015

        Köstlich. Danke für den Hinweis :D
        Schäuble übt sich in Sarkasmus und trifft dabei die Realität auf den Punkt.

      • Thorsten Eckau - 19. Februar 2015

        Erschreckend (und komisch, unfreiwillig). Vielen Dank dafür!

  • Lenny - 18. Februar 2015

    Hier und anderswo wird immer so getan, als handelt es sich bei der ganzen Politik um Griechenland und die EU um ein Fehlverhalten der Politiker wegen idiologisch verblendeter Sichtweisen.

    Die Ergebnisse dieser Politik lassen jedoch nur einen ganz anderen Schluß zu, nämlich das diese Politik in Ihren Konsequenzenen genau so gewollt ist. Die Reichen werden reicher alle anderen verlieren. Ich bezweifele ganz stark, dass der große Teil der verantwortlichen Politiker so dämlich oder so verblendet ist, dieses nicht zu sehen.

    Daher wird Griechenland auch keinen Erfolg mit einer neuen, auf die breite Masse abgestimmte, Politik haben. Die Verantwortlichen werden das einfach nicht zulassen. Für diese ist es sogar gut, dass nun eine Linke Partei die Regierung stellt. In einem Jahr, wenn man Griechenland am ausgestreckten Arm verhungert hat lassen, stellt man sich hin und sagt: Seht ihr….unsere Politik ist doch alternativlos.

    • Querschuss - 18. Februar 2015

      wo ist der Widerspruch? Ideologisch verblendet kann auch derjenige sein, der nur die Pfründe weniger im Auge hat und dabei aus dem Auge verliert, dass der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geschadet wird und sich Ungleichgewichte aufbauen, welche sich irgendwann nicht mehr kontrolliert entladen lassen.

      Gruß Steffen

  • Lenny - 18. Februar 2015

    Der Unterschied (nicht Widerspruch ;)) ist, dass der eine die Entwicklung bewußt in Kauf nimmt, der andere aber so verblendet ist, dass er diese nicht sieht oder sehen will.

    • Querschuss - 18. Februar 2015

      ist schon klar, und/oder eben, auch eine Mischung daraus, aus diversen Gründen, aus Grundüberzeugung, Eigennutz, Lobbyismus/Interessenvertretung, “Fraktionszwang” – Anpassung, Karrierebewußtsein, fehlendem volkswirtschaftlichen Grundverständnis und alles mögliche andere.

      “der eine die Entwicklung bewußt in Kauf nimmt, der andere aber so verblendet ist, dass er diese nicht sieht oder sehen will.” …Wird sich letztlich an einzelne Personen festgemacht kaum seriös aufdrösseln lassen, ist letztlich auch nicht primär wichtig, wichtig ist das Ergebnis.

      Gruß Steffen

  • Lenny - 18. Februar 2015

    Das mag für viele Politiker auf der unteren und mittleren Ebene gelten. Ich glaube aber nicht, dass dieses für eine Merkel, einen Schäubel, einen Gabriel, einen Hollande, einen Renzi oder einen Draghi und dergleichen gilt, aber vlt irre ich mich auch ;).

  • klaus - 18. Februar 2015

    Hallo an Alle.

    Und wie erwartet,

    http://www.welt.de/wirtschaft/article137604330/EZB-soll-Nothilfen-fuer-Hellas-Banken-genehmigt-haben.html
    Elas von 65 auf 68,3 Milliarden genehmight.
    Sozusagen Hatz4.

    Tja, auch Tsipras weiß, das, wenn es einem dreckig geht,
    kein normaler Weg die Lösung bringen kann.
    Und vor allem keine Weg, der von allen empfohlen wird.

    Tja, der Weg raus aus der Falle geht auch mal beim Fuchs über
    das abbeisen des eigenen Beins.
    Offensichtlich ist Tsipras bereit, Griechenland weh zu tun,
    damit die verhasste Troika mit in das Leiden geht.

    Nur ist das kein Spiel und keine Spieletheorie.
    Dieses Spiel spielt auch Varoufakis mit scharfer Munition.
    Deswegen hat wohl auch Dieselboom die böse Miene.

    Tja, ein Verabschieden von Griechenland wird nicht ohne
    Börsenwumm ablaufen.
    Dann besinnt man sich wieder mehr auf Existenzielles.

    Und Aktien werden heute nicht mehr von Kleinanlegern gekauft.
    Die sind doch nicht blöd und warten auf den Squeeze-Out,
    bzw, im Falle von Insolvenz auf die Verzichtsschreiben.
    Auch die kennen das unternehmentechnische Insolvenzrecht.

    Sowas spricht sich rund.
    Und sei es nur der Prokon-Versuch.
    Der Aktien-Markt ist unter sich. Sonst nix.

    Und nach dem Grexit einen Bankrun in der Peripherie?
    Das will keiner.
    Nein, auch die kleinen Steuerzahler passen mittlerweile
    auf die Politik auf.
    Aber woher sollen dann die Investitionsgelder kommen?
    Auch Integration und Ukraine werden nicht billig.

    Jetzt ist wohl dank ELAs mal 3 Monate Pause.

    Es geht gemütlich weiter. ;)

    Grüße klaus

  • Sound-Money - 19. Februar 2015

    Zwischenstaatliche Währungsunionen sind instabil, weil souveräne Staaten sich den nötigen Regeln nicht beugen wollen oder können. “Alle Monetären Unionen, die keine vollständigen Politischen Unionen waren, blieben temporäre Arrangements. Sie lösten sich auf”, warnte die Ökonomin Theresia Theurl in einer Studie schon zu der Zeit, als der Maastricht-Vertrag noch nicht ratifiziert war

    Auch im neunzehnten Jahrhundert bestand schon einmal eine Währungsunion – die Lateinische Münzunion -, die durch die Aufnahme Griechenlands, aber auch innere Konstruktionsfehler in Schwierigkeiten geriet. Warum man die Griechen nur in diese Währungsunion hereingelassen hatte, fragten damals viele. Der amerikanische Ökonom Henry Parker Willis urteilte 1901: “Es ist schwierig, zu verstehen, warum der Beitritt Griechenlands zur Münzunion gewünscht oder erlaubt wurde.” Das Land sei in einem bemitleidenswerten Zustand, wirtschaftlich marode, von politischem Streit gelähmt und finanziell verrottet. Immer offensichtlicher verstieß Griechenland gegen die Fairness-Regeln der Lateinischen Münzunion. Es druckte Papier-Drachmen und tauschte sie gegen die Gold- und Silbermünzen anderer Mitglieder der Währungsunion. Diese waren über die Athener Tricks zur Kaschierung des Bankrotts zunehmend verärgert. Im Jahr 1908 schlossen sie Griechenland schließlich vorübergehend aus der Münzunion aus.

    http://blogs.faz.net/fazit/2015/02/18/bedauerlicherweise-bankrott-5373/

    • Holly01 - 19. Februar 2015

      Es gibt grundsätzlich hzwei Sichtweisen.
      Die eine besagt, wer Schulden macht hat ein Problem.
      Die andere besagt, wer Geld verleiht hat ein Problem.
      Die Griechen scheinen insgesamt der zweiten Variante zuzuneigen. Wenn das so sein sollte, dann wäre das schon sehr lange so.
      Vor dem Euro hat sich das in Zinsen ausgedrückt.
      Nach dem Euro nicht mehr.
      Sind die Griechen nun andere Menschen weil sie in Euro abrechnen? Ich denke nicht.
      Wer den Griechen so viel leiht, wei nachgefragt wird und das zu einem extrem niedrigen Zins, der hat einen Kunden, der zahlt zurück was möglich ist. Wenn das nicht reicht, dann ist der Mensch wichtig, nicht die Schuld hat Vorrang.
      Ansonsten müssen Geldgeber und Schuldner eine Lösung finden, die für alle tragbar ist.
      So ist das in anderen Kulturen, das nennt man Rechtsempfinden.
      Mit einem deutschen “Vertrag ist Vertrag” oder “jede Schuld muss beglichen werden” stossen Sie da an relativ weiche Grenzen, aber eben Grenzen, die zu überschreiten als Unrecht empfunden wird.
      DAS ist übrigens gute europäische Tradition, das man das Recht immer mit einbezieht.

      Sie werden sich an dieses Thema vielleicht noch einmal erinnern, wen man mit TTIP ein Gesetzwerk ohne jegliches Rechtsempfinden über ganz Europa gestülpt haben wird.
      Dann werden dei Griechen innerhalb dieses neuen Rahmen früher oder später mal nach 1953 fragen, das war das Jahr des Schuldenabkommens mit Deutschland.
      Also lehnen Sie sich bitte nixcht zu weit aus dem Fenster, bei der Kritik an anderen, wir haben alle unsere Geschichte und die Griechen haben keine 2 Weltkriege zu verantworten ….

      • Sound-Money - 20. Februar 2015

        “Die eine besagt, wer Schulden macht hat ein Problem. Die andere besagt, wer Geld verleiht hat ein Problem.”

        Eben. Es gibt 2 Optionen (A) entweder der Politik/EZB untersagen den Griechen Geld zu leihen. Privat würde es ja ausser zu 30% Zins auch niemand machen oder (B) das Geldsystem reformieren. Solange Guthaben immer Schulden bedingen wiederholen sich die Probleme nur.

    • Georg Trappe - 20. Februar 2015

      Vielen Dank fuer den Hinweis auf die Lateinische Muenzunion. Wenn man diesem Begriff etwas weiter nachgeht, landet man tief in der (europaeischen) Wirtschaftsgeschichte und stellt fest, dass alle Diskussionen und Probleme, die so brennend aktuell erscheinen, nichts anderes sind als staendige Wiederholungen. Aus Klassik wird so Neoklassik. Aber wo bleibt der Fortschritt?
      Gibt es den in den sog. Wirtschaftswissenschaften ueberhaupt? Kann es den geben, wenn man immer wieder Wirtschaft auf der Basis der gleichen Grundprinzipien betreibt und damit natuerlich immer wieder die gleichen Probleme generiert?
      http://de.wikipedia.org/wiki/Goldautomatismus
      “Der Merkantilismus sah in Silber und Gold die Hauptstützen des nationalen Wohlstandes und die wesentliche Voraussetzung für einen lebhaften Handel. Daher bereitete jeder Abfluss der Edelmetalle den Merkantilisten große Sorge. Ihr wesentliches politisches Ziel bestand darin, einen ständigen Überschuss der Zahlungsbilanz zu gewährleisten.
      Hume wies nach, dass ein ständiger Überschuss unmöglich ist. Da der Zufluss der Edelmetalle die Inlandpreise erhöht und die Zahlungsbilanz ausgleicht, verschwindet der Überschuss mit der Zeit. Gleichermaßen senkt ein Mangel an Zahlungsmitteln die Inlandpreise und produziert einen Überschuss im Zahlungsverkehr mit dem Ausland. Dieser bringt Geld in der benötigten Menge in das Land. Nach Hume würde jeder Eingriff des Staates in den internationalen Handel der Volkswirtschaft schaden, ohne den Zuwachs an „Wohlstand und Reichtum“ zu erzeugen, der den Merkantilisten vorschwebte. Hume machte darauf aufmerksam, dass die Merkantilisten einen einzigen und verhältnismäßig untergeordneten Bestandteil des nationalen Wohlstandes, nämlich die Edelmetalle, überbewerteten, unterdessen sie seine wichtigste Quelle, die produktive Kapazität, übersahen.”

  • Arete - 19. Februar 2015

    Besser recherchieren, bitte.

    “His [Varoufakis] speciality, when he arrived in Sydney, was debunking a branch of economics known as game theory—which is still a popular pastime for economists today.”

    http://www.forbes.com/sites/stevekeen/2015/01/31/my-friend-yanis-the-greek-minister-of-finance/2/

    • SLE - 19. Februar 2015

      Hallo Arete,

      den Text (von Steve Keen) habe ich im Aufsatz selbst zitiert und ja, natürlich ist die Spieltheorie eine Domäne von Varoufakis. Dass er die Fehler neoklassischer Vertreter dieser Theorie aufdeckt, heißt doch nicht, dass er sich nicht auch konstruktiv damit auseinandergesetzt hat. Sie scheinen mit dem wissenschaftlichen Arbeiten nicht so sehr vertraut zu sein. Denn bevor man Verbesserungen oder neue Ansätze präsentiert, setzt man sich als Ökonom selbstverständlich erst mit den bestehenden Ansätzen sowie deren Stärken und Schwächen auseinander.

      Viele Grüße
      SLE

  • Bubblegum - 20. Februar 2015

    @Sound-Money und G.Trappe,
    zur wahren Ursache des Niedergangs der lat. Münzunion gibt es einen sehr interessanten Vortrag des ung. Mathematikers Fekete (Rede an der Universität von Padua anlässlich des Kongresses: “Coin Finds and Historical-Economic Processes in the Ancient World: Ten Years of Research 2002-2012” im November 2012), dessen Kurzfassung auf Goldseiten.de erschienen ist. (http://www.goldseiten.de/artikel/157808–Die-Silber-Saga-Teil-1~2.html?seite=1
    Zu Hume:
    „Hume wies nach, dass ein ständiger Überschuss unmöglich ist. Da der Zufluss der Edelmetalle die Inlandpreise erhöht und die Zahlungsbilanz ausgleicht, verschwindet der Überschuss mit der Zeit. Gleichermaßen senkt ein Mangel an Zahlungsmitteln die Inlandpreise und produziert einen Überschuss im Zahlungsverkehr mit dem Ausland. Dieser bringt Geld in der benötigten Menge in das Land. Nach Hume würde jeder Eingriff des Staates in den internationalen Handel der Volkswirtschaft schaden, ohne den Zuwachs an „Wohlstand und Reichtum“ zu erzeugen, der den Merkantilisten vorschwebte. Hume machte darauf aufmerksam, dass die Merkantilisten einen einzigen und verhältnismäßig untergeordneten Bestandteil des nationalen Wohlstandes, nämlich die Edelmetalle, überbewerteten, unterdessen sie seine wichtigste Quelle, die produktive Kapazität, übersahen.”
    Das Zitat zeigt wieder einmal das mechanistische Weltbild, das schon die Urväter der VWL hatten, an dem sich bis heute nicht wirklich etwas geändert hat.
    Und, was nicht in die Argumentation passt, wird passend gemacht. Denn schon zu Zeiten Hume’s gab es Goldwechsel (mit Laufzeiten zwischen 30 und 720 Tagen). Diese Art der kurzlaufenden Fiat – Geld-schöpfung und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen wurde meines Wissens damals fast gar nicht untersucht und diskutiert.
    Viele Grüße Bubblegum

    • Georg Trappe - 21. Februar 2015

      @Bubblegum
      Um Missverstaendnissen vorzubeugen. Ich wollte nicht auf Gold, Silber Papier, Bitcons etc. hinaus. Die physische Repraesentation von dem was Geld darstellen soll ist meiner Meinung nach von untergeordneter Bedeutung. Ich wollte darauf hinweisen, was sie in einem Satz zusammen fassen:
      “Das Zitat zeigt wieder einmal das mechanistische Weltbild, das schon die Urväter der VWL hatten, an dem sich bis heute nicht wirklich etwas geändert hat.”
      Ich wuerde den Satz umformulieren wollen.
      Die zugrundeliegende Mechanik funktioniert nicht dauerhaft. Unabhaengig davon, durch welches physische Medium Geld dargestellt wird. Und das ist in der VWL seit Ewigkeiten bekannt.
      -
      D.h. die ganzen Diskussionen hier und auch an vielen anderen Stellen gehen im Grunde um den unfassbaren Vorgang, dass unsere Eliten, die das auch wissen, ihre Voelker seit hunderten von Jahren in etwas hinein treiben, was bekanntermassen nicht dauerhaft funktioniert und aufgrund der primitiven zur Anwendung gebrachten Mechanik auch nicht funktionieren kann. Die Loesung des Knotens, der sich verursacht durch diese primitive Mechanik, im Laufe der Zeit immer enger zu zieht, ist immer Gewalt. Immer stehen am Ende dieser Entwicklungen Kriege oder Revolutionen. Auch das ist seit langem bekannt. Und trotzdem treiben unsere Eliten ihre Voelker mit der theoretischen Unterstuetzung durch sog. Wirtschaftswissenschaften in diesen durch die primitive Mechanik erzwungenen Verlauf.
      -
      Das ist es, was so monstroes ist, dass es kaum zu begreifen ist.

  • Stepe - 20. Februar 2015

    Hallo,
    eine Zusammenfassung aus Griechischer Sicht
    http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/kinozeit/dokumentarfilm/videoagorvonderdemokratiezummarkt100.html

    Gruß Stepe

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