Schwache chinesische Exportdaten

von am 10. März 2012 in Allgemein

Für Februar 2012 berichteten heute Morgen die chinesischen Zollbehörden beachtenswerte Außenhandelsdaten. Zwar stieg die Wachstumsrate beim Export zum Vorjahresmonat um +18,4%, allerdings verzerrte das chinesische Neujahrsfest mit den landesweiten Feiertagen die Daten und den Vergleich zum Vorjahresmonat, denn im letzten Jahr war das Neujahrsfest im Februar, dieses Jahr dagegen bereits im Januar. Im Februar 2012 wurden jedenfalls Waren und Güter in einem Volumen von nur 114,47 Mrd. Dollar exportiert, nach 149,94 Mrd. Dollar im Vormonat und nach 96,70 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Im Chart das monatliche unbereinigte Exportvolumen von Waren und Gütern in Mrd. Dollar seit Januar 1990 (damals mit 2,84 Mrd. Dollar an Exportvolumen), über 16,8 Mrd. Dollar im Januar 2000, auf 109,48 Mrd. Dollar im Januar 2010 und auf 149,94 Mrd. Dollar im Januar 2012. Im Februar 2012 lag das Exportvolumen bei Waren und Gütern bei 114,47 Mrd. Dollar. Das bisherige Allzeithoch beim Export von Waren und Gütern wurde im Juli 2011 mit 175,13 Mrd. Dollar markiert.

Der Einbruch beim Export ist signifikant und ein Warnzeichen, allerdings könnte es auch noch etwas verfrüht sein, aus dieser Entwicklung ein Ende des chinesischen Exportbooms abzuleiten. Denn zuvorderst ist die Entwicklung saisonal bedingt und kumuliert man den Januar und Februar, dann lagen 2012 die Exporte immer noch um +6,9% über dem Niveau von Januar und Februar 2011.

Auch das hohe Importvolumen im Februar und die enormen Rohstoffimporte implizieren ebenfalls noch nicht das Ende der dynamischen Entwicklung beim Außenhandel:

Das unbereinigte monatlichen Export (rot)- und Importvolumen (blau) seit Januar 1990 bis Februar 2012 im Chart.

Waren und Gütern im Wert von 145,96 Mrd. Dollar wurden im Februar 2012 importiert, nach 122,66 Mrd. Dollar im Vormonat und nach 104,00 Mrd. Dollar im Vorjahresmonat. Das Importhoch wurde im November 2011 mit 159,94 Mrd. Dollar markiert!

Im Handel mit der gesamten Welt generierte China im Februar 2012, auf Grund des starken Imports und des schwachen Exports, ein Rekord-Handelsbilanzdefizit mit kräftigen -31,49 Mrd. Dollar, nach +27,28 Mrd. Dollar im Vormonat und nach -7,31 Mrd. Dollar im Vorjahresmonat:

Die Entwicklung der Handelsbilanz bei Waren und Gütern seit Januar 1990 im Chart. Ein Handelsbilanzdefizit in die Größenordnung ist eine echte Rarität in der langen Datenreihe!

Sollte sich in den nächsten Monaten die Exportschwäche manifestieren gäbe es ein Problem für China und damit auch für die Weltwirtschaft, denn im Umkehrschluss würde sicher auch das Importvolumen sinken und damit die Einnahmen der Exporteure, wie aus Deutschland und vor allem die enormen Einnahmen für Rohstoffexporteure. Im Februar 2012 haussierten die chinesischen Rohstoffimporte noch unverdrossen:

Die chinesischen Rohölimporte stiegen im Februar 2012 auf ein neues Allzeithoch mit 23,68 Millionen Tonnen, dies entsprach einem neuen Rekordvolumen 5,95 Millionen Barrel pro Tag, nach 23,41 Millionen Tonnen im Vormonat und nach 19,95 Millionen Tonnen im Vorjahresmonat.

Im abgelaufenen Gesamtjahr 2011 importierte China ein Rohölvolumen von 197 Mrd. Dollar, dies entsprach 253,7 Millionen Tonnen (5,074 Millionen Barrel pro Tag), ein Anstieg von +6,0% zu 2010. Im Jahr 2011 erreichte das Ölimportvolumen ein neues Hoch am chinesischen Gesamtrohölverbrauch mit 56,5%.

Robust waren im Februar 2012 auch die Nettoimporte von Kraftstoffen, der Nettoimport betrug 1,78 Millionen Tonnen. Erst seit Februar 2010 ist China Nettoimporteur von Ölprodukten, denn in Chinas Raffinerien wurden seit dem nicht genug Kraftstoffe erzeugt um die Binnennachfrage zu stillen. Im abgelaufenen Gesamtjahr 2011 betrugen die Nettoimporte von Kraftstoffen 16,01 Millionen Tonnen, nach 9,96 Millionen Tonnen 2010.

Die Entwicklung der Eisenerzimporte seit August 2005 bis Februar 2012 im Chart. Im Februar 2012 stiegen die Eisenerzimporte auf 64,98 Millionen Tonnen, nach 59,32 Millionen Tonnen im Vormonat und nach 46,62 Millionen Tonnen im Vorjahresmonat.

Im abgelaufenen Gesamtjahr 2011 stiegen die Eisenerzimporte um +11,05% zum Vorjahr auf 686,5 Millionen Tonnen.

Beim größten Kupfer-Verbraucher der Welt stieg das Importvolumen von Kupfer und Kupferlegierungen in Rohform im Februar 2012, auf 484’569 Tonnen, nach 413’964 Tonnen im Vormonat und nach 235’469 Tonnen im Vorjahresmonat.

Quelle Daten: Customs.gov.cn/Pressemitteilung Außenhandel Februar 2012, Customs.gov.cn/Portal mit den detaillierten Daten

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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12 KommentareKommentieren

  • Comino - 10. März 2012

    ein wenig OT (aber irgendwie hängt ja doch alles zusammen)…meiner bescheidenen Meinung nach spielt sich in Europa gerade wieder einmal eine Version der Neo-Libs a la ‘Schockstrategie’ von Naomi Klein ab. In der Krise wird wieder aus- und der Sozialstaat abverkauft…massiv. Europa ist halt noch viiiiiel zu sozialistisch für die Elite, das muß alles vernichtet werden. Und es klappt ja auch ganz wunderbar.

    Wenn man sich die Summen anschaut, die da aufgebaut werden, ist es schwer, nicht an einen kompletten Crash zu glauben. Aber es wird so weitergehen bis auch in Europa die Menschen endlich aufstehen und dann die ganze Härte des Systems spüren werden.

    Noch geht es allen viiiiel zu gut, da ist noch so viel Potential und so viel Tafelsilber welchges man sich unter den Nagel reissen kann. Erst wenn alles abverkauft ist und wir vor den kompletten Trümmern stehen wird Hyperinflationiert und dann (wenn die Elite sämtliche Prozesse unter Kontrolle hat) erleben wir einen Reset.

    Der Mensch ist halt des Menschen Wolf…

    • Frank Bell - 10. März 2012

      Ich kann ja noch verstehen, dass die “Volksmassen” diese Entwicklung verschlafen.
      Aber wie kommt es, dass die Parteimitglieder – und zwar die niederen Chargen – dem ganzen Spuk kein Ende setzen? Die können sich doch nicht ALLE Hoffnungen auf den Einzug in ein Parlament machen (inklusive einer Rundumversorgung)?

      • Comino - 10. März 2012

        …eben genau das ist doch der Clou! Die verdienen alle nicht schlecht und sind Nutzniesser des Systems. Mittlerweile ist es ja auch vollkommen egal welcher Partei man angehört (TINA)…nicht umsonst hat Gauck gesagt, die LINKE müsse vom Verfassungsschutz überwacht werden.

        Die, die sich Verfassungsfeindlich benehmen (Regierungsparteien, bewiesen durch genug Gesetze und Paragraphen die sich einfach über geltendes Recht hinwegsetzen) werden vom System geschützt.

        Nichts geht über den Profit. Und am meisten Profit ist da zu holen, wo noch einiges über den Staat läuft.

    • micdinger - 10. März 2012

      Der Resetknopf wird gaaanz langsam gedrückt da keiner weiß ob das System wieder hochfährt.

      Ferrostaal galt als Perle der deutschen Industrie. Jetzt macht der Konzern durch Entlassungen auf sich aufmerksam.

      http://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/stellenabbau-welche-firmen-mitarbeiter-entlassen/6138662.html#image

      • Comino - 10. März 2012

        …seltsam dass die Beteiligungen der einzelnen Firmen (früher gab es da ein wer-gehört-zu-wem der Commerzbank) nicht mehr offengelgt werden, oder?

        Entlassungen sind doch nur ein Weg um genug Druck zu erzeugen. Passt schon alles ganz gut ins Bild…hier im Konsumtempel aktuell Schuhe aus China für unschlagbare 13 €…mich interessiert das alles nicht mehr, der Break-Even ist lange schon überschritten.

        Ausbeutung/Sklaverei seit 3000 Jahren. Glaubt irgendwer daran, dass sich das JEMALS ändern wird?

  • M.E. - 10. März 2012

    Wahnsinn, fast 6 Millionen Barrel Ölimporte pro Tag. Das sind schon 80% des gesamten saudischen Exportvolumens alleine für China.
    Bis vor 17 jahren war China noch Ölexporteur.

    Ansonsten: Bremsspuren überall.

  • Roter Franz - 10. März 2012

    Na und,??? der Export ist schwächer.
    Die Chinesen machen aus meiner Sicht, alles, aber auch alles richtig. Durch die Hinwendung zu mehr Binnenkonsum, koppeln Sie sich von der Weltwirtschaft ein wenig ab.
    Zudem ist die Inflation in China auf ein 20 Monats Tief gesunken. das schafft Freiräume für mehr Binnenkonsum.

    http://www.aktiencheck.de/news/Artikel-Chinesische_Inflationsrate_Februar_auf_20_Monatstief_gesunken-4253253

  • dank - 11. März 2012

    Ein Wunder: ?!

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/China-spuert-Flaute-article5728876.html

    Kein Wuunder!

  • steffomio - 11. März 2012

    Kann es sein, dass China massiv Vorsorge für mögliche militärische Auseinandersetzungen betreibt?
    Denn wirklich bemerkenswert ist nur die Handelsbilanz für Waren und Güter. Alles andere sieht eher sehr positiv aus.

  • Thatwasthepension - 11. März 2012

    Immerhin kann China durch die verstärkten Importe seine Dollar-Reserven auf relativ elegante Art abbauen ohne sich mit den Spinnern von den “Finanzmärkten” einzulassen.

  • Frank - 13. März 2012

    Dieses Handelsbilanzdefizit würde ich nicht auf eine generelle Exportschwäche zurückführen.
    Vielmehr scheint mir ersichtlich das die Chinesen Maschinen importieren, welches den Überschuss im Moment drückt. Mag auch sein das die chin. Exporteure auf hohem Niveau stagnieren.

    Aber man kann davon ausgehen das der chin. Export in den nächsten Jahren es nicht leicht haben wird weitere Steigerungsraten zu erzielen. Einen kompletten Einbruch halte ich jedoch -solange es den Euro gibt- für unwahrscheinlich. Schwere Turbolenzen sind in der Baubranche ab 2015 zu erwarten, natürlich im Zusammenhang eines zusätzlichen Exporteinbruchs stünde dann China (und sicher auch die Welt) vor einem riesen Problem.