Schwacher Industrieauftragseingang in Italien
Heute berichtete das italienische Statistikamt (ISTAT) für September 2011 von einem schwachen Auftragseingang der Industrie. Um saisonbereinigte -8,3% zum Vormonat und damit um die höchste Rate seit August 2009 brach der Auftragseingang in Italien ein. Wie bereits die Daten zur Industrieproduktion für September 2011 mit -4,8% zum Vormonat andeuteten, in Italien geht es mit der industriellen Wertschöpfung bereits abwärts, bevor die neue Technokraten-Regierung überhaupt mit dem organisieren eines Abschwunges per Austerität begonnen hat. Wahrhaftig bedrückende Aussichten!
Die Entwicklung beim saisonbereinigten Auftragseingang der italienischen Industrie seit Januar 1995 im Chart. Im Oktober 2011 ging es um -8,3% zum Vormonat abwärts auf 105,04 Indexpunkte. Seit 1995 mit dem monatlichen Durchschnitt beim Auftragseingang ging es bis Oktober 2011 nur um +20,1% aufwärts. Zum Hoch im Juni 2007 mit 130,79 Indexpunkten ging es um -19,69% abwärts.
Noch dramatischer stellt sich die Situation bei den Inlandsaufträgen der Industrie dar, die im Oktober 2011, nach einem Absturz von -10,1% zum Vormonat, nur noch um +0,2% über dem durchschnittlichen Niveau des Jahre 1995 lagen. Bei wirklichen Sparmaßnahmen durch die Regierung Monti dürften die italienischen Inlandsaufträge in den absoluten Griechenlandstyle übergehen:
Die Entwicklung der saisonbereinigten Inlandsaufträge der italienischen Industrie seit Januar 1995 im Chart. Im Oktober 2011 ging es um -10,1% zum Vormonat abwärts auf 96,50 Indexpunkte. Seit 1995 mit dem monatlichen Durchschnitt beim Auftragseingang ging es bis Oktober 2011 nur um kaum messbare +0,2% aufwärts. Zum Hoch im Februar 2008 mit 128,48 Indexpunkten ging es um -24,89% abwärts.
Die Strategie der Troika und damit der EU bleibt eine Katastrophe und der Garant für den Niedergang der Eurozone. Niemals können die aufgebauten Kreditpyramiden durch alleiniges Sparen abgebaut werden und niemals können zurückgehende Investitionen und schrumpfende industrielle Wertschöpfung nicht leistungsfähige Volkswirtschaften wieder flott machen. Das Ergebnis dieser niederschmetternden Versagerstrategie ist auch für Italien, wie vor bereits vor 19 Monaten für Griechenland vorhersehbar, Reloaded: Griechenland – irreparabel (30.04.2010), Griechenland-Hilfen verpuffen (06.05.2010), Griechenlands unlösbares Dilemma (09.05.2010)
Quelle Daten: Istat.it/Industrial Turnover and New Orders September 2011
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de
1 Trackback
- Schlagzeilen vom 18.11.2011 | Krise-News - [...] Querschüsse: Schwacher Industrieauftragseingang in Italien (Um saisonbereinigte -8,3% zum Vormonat brach der Auftragseingang in Italien ein. Und dabei hat ...

philipp johannes - 18. November 2011
1. klasse volkswirtschaft.
einseitiges sparen reduziert einnahmen seitens des staates und wird immer der falsche weg sein staatshaushalte zu sanieren.
das sollte jedem einleuchten.
auch den hochgelobten experten in rom, athen, etc.
abschöpfen der spekulationsgewinne wäre ein weg zur sanierung.
meinetwegen auch eine direkte zwangsabgabe für vermögende.
jedoch, an eine solche vermögenssteuer traut sich da keiner ran.
also bitte eine richtige vermögenssteuer, nicht die auf das kleine einfamilienhaus per einzug via stromrechnung wie in athen.
das ist verdummung und trifft – wie stets – die falschen.
dicke Bertha - 18. November 2011
Italien ist seit 2009 in der Krise.
Betrieb auf Betrieb im Norden Italiens schließt.
Die USA haben sehr viele Arbeitnehmer entlassen, aber das Niveau der Vorkrisenzeit wieder erreicht.
Wenn asiatische Investoren lieber amerikanische Staatsanleihen statt deutsche Staatsanleihen kaufen, ist das nur die rationale Reaktion auf die forteilenden Produktivitätszuwächse der amerikanischen Unternehmen im Vergleich zu deutschen Krücken.
Die neue DM wird schwächer im Verhältnis zum US-Dollar sein als der Euro.
Martin Kb. - 18. November 2011
Wo haben die USA wieder das Vorkrisenniveau erreicht? Bei der Beschäftigung sicher nicht, siehe http://www.querschuesse.de/us-arbeitsmarkt-ohne-neue-stellen/ und dort die zweite Graphik (Nonfarm employment). Die Beschäftigung liegt etwa 5,5 Millionen unter dem Hoch von 2007, obwohl die Bevölkerung seitdem um 10 Millionen angestiegen ist!
Richtig ist, dass die US-Industrie momentan stärker an der Produktivität arbeitet (etwa mit dem Einsatz von Robotern, siehe: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/0,2828,797629,00.html ), was in Deutschland noch nicht in dem Maße passiert. Nur haben das die USA auch bitter nötig, weil ihr BIP ist im Vergleich zu den Kapazitäten der Industrie total aufgeblasen.
Martin Kb. - 18. November 2011
Eine Sache würde mich in Bezug der Industrieaufträge und Industrieproduktion in Italien wundern: Die Aufträge haben sich seit 2005 ja bei weitem nicht so schlecht entwickelt wie die Produktion. Indexstand Aufträge: 105,0, Indexstand Produktion: 87,2. Wenn ich das mit Deutschland vergleiche (Index Aufträge: 115,2 Index Produktion: 111,8), ist in Italien eine große Lücke zwischen den Aufträgen und der Produktion, in Deutschland nicht. Das gilt natürlich auch, wenn man das längerfristig und nicht nur einen Monat betrachtet.
Gewiss, in Industrieproduktion ist auch das Baugewerbe drin und die Energie, während bei Aufträgen nur das verarbeitende Gewerbe mit drin ist (lustigerweise sind das aber die beiden Bereiche, die in Italien in den letzten 10 Jahren am besten liefen auf der Produktionsseite).
Da frage ich mich: Sind da irgendwelche Zahlen frisiert? Oder, Frage an die Statistiker, enthalten Aufträge auch Vorleistungen, sodass die Zahlen verdeutlichen, dass die italiensche Industrie an Fertigungstiefe verliert verglichen mit der deutschen?
Querschuss - 18. November 2011
Hallo Martin kb.,
die Daten zur Industrieproduktion sind immer das Volumen, also die Menge der produzierten Waren und Güter von Bergbau, Energieversorger und Verarbeitenden Gewerbe. Das Baugewerbe ist nicht dabei. Bei den Auftragseingängen sind mit Sicherheit auch Vorleistungen abgebildet, ansonsten habe ich auch keine detaillierteren Antworten auf die aufgeworfenen Fragen.
@all,
noch ein anderes Thema, zum wundersamen Schwund von 55 Mrd. Euro Bilanzsumme der Bad Bank der HRE. Wie von mir erwartet, war es kein Rechenfehler, sondern es wurde einfach anders bilanziert, nach HGB und dabei nur die Nettingposition der Derivate berücksichtigt. Bilanzkosmetik, denn damit hat sich an den Risiken der Assets in der Bad Bank nichts geändert.
Die Zeit dröselt es etwas umständlich auf, aber letztlich ist der Kern wie im Querschuss am 29.10.2011 bereits dargestellt, einfach nur die veränderte Rechnungslegung, auch kein Novationsnetting, da war ich mit der Vermutung zu “optimistisch”! Einzige Divergenz zum Zeit-Artikel, nach meinen Recherchen kann man sehr wohl nach HGB unter gewissen Voraussetzungen, die aber keine große Hürde darstellen, Derivate verrechnen bzw. muss diese nicht mal ausweisen (Zinsswaps). Warum die Experten in der Zeit behaupten nach HGB müsste man Derivate Brutto ausweisen ist mir schleierhaft, zumal Brutto eh falsch wäre, wenn dann zum aktuellen Markwert/Wiederbeschaffungswert der Derivate, statt wie geschehen zum Netting.
Link zum Artikel der Zeit:
http://www.zeit.de/2011/47/HRE-Bilanzfehler
und zum Querschuss der der Zeit weit voraus war:
http://www.querschuesse.de/bad-bank-die-getarnte-wunderwaffe/
Nirgendwo im Mainstream, erst heute, wurde überhaupt in Erwägung gezogen, dass der Schwund der Bilanzsumme auf eine andere Bilanzierung zurückzuführen sein könnte und nicht auf den kolportierten Rechenfehler!
Deshalb:
Querschuesse-Leser wissen mehr und sitzen in der ersten Reihe.
Gruß Steffen
dank - 18. November 2011
“Querschuesse-Leser wissen mehr und sitzen in der ersten Reihe.”
Richtig. Wissen wir und schätzen wir!
Hab an dem Punkt eine Frage/Bitte:
Da die Medien dazu übergegangen sind uns nun ständig mit “die anderen Länder üben immensen Druck auf Merkel aus; im Euroraum als auch aus Übersee, dass die EZB nun die Lizenz, die Lizenz zum Geld drucken erhalten soll” praktisch auf dieses ALTERNATIVLOS vorbereitet werden, versuche ich raus zufinden, was alles die Folgen davon sein werden. Sicher – es wurde hier immer wieder in Kommentaren angeschnitten: Geld drucken heißt Geld entwerten. Damit aber alle Staatsschulden der EuroSchuldenstaaten (sind das dann ja alle) abgewertet werden muss die Summe doch riesig sein, oder? Läßt sich die Entwertung in % ausdrücken?
Dennoch behaupten einige BrainwaschMainstreamMedien und -Blogs, dass das gar nicht so schlimm ist und es damit klappt, wieder alles auf Vordermann zu bringen.
Wobei so etwas gab es bei uns ja schon zweimal und die Menschen scheuen das, wie der Teufel das Weihwasser. Wie muss ich dass denn nun sehen? Gibts dann einen Bankenrun? Versucht nicht jeder sein Geld noch schnell auszugeben?
Wie sich die Menschen verhalten kann jeder nur vermuten, aber wie sich die Geldmenge und Inflation verhalten ist berechenbar, oder?
bauagent - 19. November 2011
@dank
Wie sich die Menschen verhalten kann jeder nur vermuten, aber wie sich die Geldmenge und Inflation verhalten ist berechenbar, oder?
Wenn diese Einschätzung so einfach wäre, dann wäre diese Eurokrise, die eigentlich eine weltweite Geld-Systemkrise ist, leicht zu lösen.
Bleiben wir im Status Quo einmal in Europa sehen wir unterschiedliche Interessenlagen, die man zunächst analysieren müsste.
Die wichtigsten Länder sind hier Deutschland, England und Frankreich.
Den ganzen Müll aus den Mainstream-Medien hinsichtlich vergangener Inflationszeiten vergessen wir mal schnell und erkennen, dass sich auf deutschem Boden die größten und systemrelevantesten Banken aber auch internationale Industriekonglomerate befinden.
Dabei sind Siemens, BMW oder Daimler selbstverständlich keine DEUTSCHEN Unternehmen, sondern international agierende Oligarchien mit einem Teilsitz oder Ursprung in Deutschland.
Diese Großplayer sind die wahren Entscheider, weil sie die Poltik in ihr Zielkorsett zwingen können.
Es ist keine Verschwörungstheorie, wenn ich die Behauptung in den Raum stelle, dass die Poltiker aufgrund des Systems schon früh in diese Entscheidungsprozesse von den Oligarchien eingebunden werden.
Auf England und Frankreich lassen sich diese Abhängigkeiten, die hier zu weit führen würden, 1:1 übertragen.
Wenn man also Entscheidungen, die man vordergründig an geldtheoretischen Überlegungen fest macht, ohne dieses Wissen beurteilt, dann kommt man zwangsläufig zu dem Glauben:
Die sind verrückt, eine Wirtschaft die im Niedergang ist, mit Austerizitätsmaßnahmen wider aufbauen zu wollen.
Sind sie wirklich verrückt, oder verfolgen sie ein ganz anderes Ziel?
Um es nicht ausufern zu lassen soviel, dass es sicher nachdenklich machen muss, dass man in Griechenland und Italien einen ex Goldman Sachs Mitarbeiter und einen Goldman Sachs Mitarbeiter, der sogar heute noch Sektionschef Europa ist, als Landeschef zulässt.
Welches Ziel verfolgt Angela Merkel, wenn sie sich beharrlich weigert, einerseits den Euro zu verlassen, andererseits die einzig verbliebene Option des Anleihekaufs durch die EZB zu verweigern?
Wohin führt das?
Ganz klar ist, dass die Bondhalter jeden schwachen Staat angreifbar machen und die starken Staaten in die Rolle bringen, die sie sich möglicherweise wünschen. Nämlich neue Verträge unter Umgehung des BVerfG so zu gestalten, dass man freie Hand hat, um ein Europa unter Führung der internationalen Hochfinanz und Konzerne zu errichten.
Wenn man in die 2.Reihe unserer Leader geht und läßt A.Merkel,……, einmal außen vor, dann stößt man auf den unseligen Jörg Assmussen, Mitarbeiter im Finanzministerium unter Schröder und Merkel, verantwortlich für die IKB Schweinerei, für die
True Sales, für die HRE-Sauerei u.s.w. u.s.w.. Man stößt auf Jens Weidmann, mittlerweile BUBA – Präsident, seinerzeit beim IWF und ” Kind ” von Axel Weber, bei dem er promovierte. Vor allem aber hörig zu A. Merkel.
Hier hat sich eine Rriege von Handlangern der Industrieoligarchie und Hochfinanz aufgebaut, die Europa im ” friedlichen Krieg ” kapern will.
Dann kommt die Finanzpolitik als Mittel zum Zweck und der zweite Teil Deiner Frage.
Kann der Ankauf von Anleihen zu einer Inflation führen?
Im ersten Schritt natürlich nicht, da zur Natur der Inflation ein Ungleichgewicht zwischen Geld- / und Gütermenge stattfinden muss. Im vorliegenden Fall findet die Liquidität aber, ähnlich wie in den USA und England die ja drucken bis der Azt kommt, ( noch ) nicht den Weg in den realen Markt.
Die Angst vor einer Inflation, sogar Hyperinflation ist dennoch berechtigt, weil die Zentralbanken die Liquditiät wieder zurück holen müssen, was je nach Rahmenbedingung sehr schwer werden kann. Wenn also zuviel Geld auf zuwenig Ware trifft, wird die Ware teurer.
Dieses Druckmittel nutzt m.E. unsere Troika ( Merkel, Schäuble und Asmussen ), um im Sinne
ihrer ” Auftraggeber ” am BVerFG vorbei ein ” vereintes ” Europa zu errichten.
Das gleich 3 Goldman Sachs Mitarbeiter ( Monti, Papademos und Asmussen ) an exponierter Stelle hintereinander tätig werden, ist auch und vor allem für jeden Statistiker unerklärlich.
Kleinsparer - 19. November 2011
@bauagent:
dazu auch der folgende Artikel aus dem Independent:
http://www.independent.co.uk/news/business/analysis-and-features/what-price-the-new-democracy-goldman-sachs-conquers-europe-6264091.html
philipp johannes - 19. November 2011
der gordische knoten aus politik und finanzindustrie ist hier dokumentiert:
http://www.lobbypedia.de/index.php/Portal_Finanzlobby
dank an dank für seine treffliche analyse.
ich fürchte er hat recht und wir sind auf einem weg zu einem “Europa unter Führung der internationalen Hochfinanz und Konzerne”.
irgendwie ist demokratie wohl doch nicht so wirklich willkommen in den oberen etagen.
philipp johannes - 19. November 2011
der dank gebührt bauagent.
entschuldigung.