Schwächere deutsche Außenhandelsdaten im Dezember

von am 9. Februar 2011 in Allgemein

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) heute mitteilte, stiegen die Exporte Deutschlands im Dezember 2010 um +21% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im Vergleich zum Vormonat ging es bei den unbereinigten Daten um kräftigere -6,3%, auf ein Volumen von 81,7 Mrd. Euro abwärts.

Die prozentuale Entwicklung des deutschen Exportvolumens bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat (original unbereinigte Werte) seit Januar 2004.

Im Dezember 2010 wurden Waren und Güter in einem unbereinigten Volumen von 81,7 Mrd. Euro ausgeführt, nach 87,2 Mrd. Euro im November, nach 85,9 Mrd. Euro im Oktober, nach 86,1 Mrd. Euro im September und nach 67,5 Mrd. Euro im Vorjahrsmonat. Zum bisherigen Monatshoch aus April 2008, mit 88,75 Mrd. Euro Exportvolumen, brachen die Ausfuhren im Dezember 2010 um -7,9% ein!

Kalender- und saisonbereinigt (gemäß X-12 ARIMA Verfahren) stiegen die Exporte im Dezember 2010 um +0,5% zum Vormonat an.

Das Statistische Bundesamt nahm Revisionen der Daten für die Monate Januar bis November 2010 vor, um nicht  irrelevante -7,75 Mrd. Euro wurde das Exportvolumen für die ersten 11 Monate abwärtsrevidiert.

Im Gesamtjahr 2010 betrug das deutsche Exportvolumen 951,9 Mrd. Euro, ein Anstieg zu 2009 von +18,5%.

Der Schwerpunkt beim deutschen Exportvolumen (unbereinigt) lag auch im Dezember 2010 weiter in Europa, denn 49,0 Mrd. Euro bzw. 59,98% aller Exporte gingen in die Länder der EU27. In die Eurozone (EU16, mit dem Euro als gemeinsamer Währung) wurde ein Volumen von 33,4 Mrd. Euro an Waren und Gütern bzw. von 40,88% aller deutschen Exporte geliefert. In Drittländer (alle Länder außerhalb der EU 27) wurden Waren und Güter in Höhe von 32,7 Mrd. Euro bzw. von 40,0% der deutschen Exporte geliefert.

Auch die deutschen Importe schwächelten im Dezember 2010, es ging um unbereinigte -5,8% zum Vormonat auf 69,8 Mrd. Euro abwärts, nach abwärtsrevidierten 74,1 Mrd. Euro im Vormonat. Im Vergleich zum Dezember 2009 mit einem Volumen von 55,0 Mrd. Euro stiegen die Importe um +26,9%. Kalender- und saisonbereinigt (X-12 ARIMA Verfahren) sanken die Importe im Dezember 2010 um -2,3% zum Vormonat!

Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten bei den Exporten und Importen von Waren und Gütern seit Januar 2000. Der Chart dokumentiert die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft.

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Handelsbilanzüberschüsse bei Waren und Gütern seit Januar 1999. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss ist Beleg für die fundamentalen Ungleichgewichte im Handel und lag im Dezember 2010 bei 11,9 Mrd. Euro. Im Gesamtjahr 2010 wurde ein Handelsüberschuss von 154,3 Mrd. Euro erzielt, ein Anstieg von +11,2% zu 2009 mit 138,7 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanz, die Summe aus Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Übertragungsbilanz und Ergänzungsbilanz lag im Dezember 2010 bei kräftigen +17,6 Mrd. Euro:

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Leistungsbilanz seit Januar 2000. Die Leistungsbilanzüberschüsse stiegen im Gesamtjahr 2010 um +8,34%, im Vergleich zu 2009, auf  kumulierte 129,9 Mrd. Euro an.

Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, erzielt mit den Mitgliedern der Eurozone, im Chart seit Q1 1971 bis Q3 2010.

Nur seit  Einführung des Euro als Bargeld, hat sich von Q1 2002 bis Q3 2010 ein deutscher Leistungsbilanzüberschuss von 698,6 Mrd. Euro gegenüber den Mitgliedern der Eurozone angehäuft! Für diesen gigantischen Überschuss, in einem relativ überschaubaren Zeitraum, wird es nie eine realwirtschaftliche Gegenleistung geben! In den ersten 3 Quartalen 2010 machte, nach den letzten verfügbaren Daten der Bundesbank, der deutsche Leistungsbilanzüberschuss nur gegenüber den Mitgliedern der Eurozone unglaubliche 64,6% des gesamten Leistungsbilanzüberschusses Deutschlands mit der Welt aus.

Diese Daten werfen einen klar sichtbaren Schatten auf die Qualität der aktuellen Wirtschaftsentwicklung, denn sie zeigen ganz deutlich, man kann zwar Rettungsschirme spannen und damit die weitere Kreditfinanzierung der Euro-Partner erst mal sichern – nur dies löst keine realwirtschaftlichen Ungleichgewichte, sondern gewährleistet nur einen weiteren Block auf die Pyramide des Ponzi-Scheme, die nur in einem Papiergeldsystem möglich ist. Unter einem Goldstandard wären die Handelspartner schon lange zahlungsunfähig!

Mechanismen zum Abbau der Ungleichgewichte, welche die Auf- und Abwertung von nationalen Währungen ersetzen, sind nicht in Sicht, um solche “Details” hat sich bei Einführung des Euro niemand Gedanken gemacht. Die Gefahr die von dauerhaften Ungleichgewichten im Welthandel ausgeht sind enorm, denn sie waren die zu Grunde liegende Ursache der Finanzkrise, die Finanzmärkte waren der Transformationsriemen um die Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten und auch von Staatshaushaltsdefiziten sicherzustellen. Man muss es im Zeitalter der Voodoo-Ökonomie immer wieder wiederholen, Ungleichgewichte bei den Leistungsbilanzen und deren Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite erhöhen gleichzeitig auch die Gläubiger bzw. Schuldnerposition des jeweiligen Landes gegenüber dem Ausland.

Angesichts dessen, dass der deutsche Exporterfolg mit unhaltbaren Ungleichgewichten erkauft wird und mit einer Nichtteilhabe der deutschen Arbeitnehmer am Produktivitätsfortschritt und alle bisher ergriffenen stattlichen Maßnahmen nur dazu dienten den langfristig unhaltbaren Status Quo zu sichern, sollte man für die Bewertung ob dies eine gute und vor allem nachhaltige Wirtschaftspolitik sein kann, doch mal Ludwig Erhard zitieren: „Maßstab und Richter über Gut und Böse der Wirtschaftspolitik sind nicht Dogmen oder Gruppenstandpunkte, sondern ist ausschließlich der Mensch, der Verbraucher, das Volk. Eine Wirtschaftspolitik ist nur dann und nur so lange für gut zu erachten, als sie den Menschen schlechthin zum Nutzen und Segen gereicht.“ Ludwig Erhard, aus „Wohlstand für Alle“

Quellen Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Außenhandel 2010/ Dezember 2010,  Genesis.destatis.de/Datenbank, Bundesbank.de/Statistik

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