Spanien: Central Government Schulden auf Rekordhoch

von am 1. November 2014 in Allgemein

Wie die spanische Zentralbank (Banco de España) gestern mitteilte, sind die Bruttoschulden nur der spanischen Zentralregierung in Madrid im September 2014 um weitere +8,281 Mrd. Euro zum Vormonat und um +77,909 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat gestiegen, auf 865,662 Mrd. Euro.

B83Die Entwicklung der Bruttoschulden der spanischen Zentralregierung in Madrid von Januar 1995 bis September 2014 im Chart. Im September 2014 stieg die Verschuldung der Zentralregierung auf 865,662 Mrd. Euro, ein Anstieg von +77,909 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat und damit auf ein neues Allzeithoch.

Die Datenreihe wurde am äußeren Rand überarbeitet, seit Juli 2014 zählen zu den Bruttoschulden der Zentralregierung auch die Schulden des Staatsfonds, Fund for the Financing of Payments to Suppliers, der für unbezahlte Rechnungen von Kommunen und Regionalregierungen an Lieferanten einspringt. Der Fond wurde gespeist aus einem Konsortialkredit von 26 Banken und erhöht die Staatschuld der Zentralregierung um ca. 26 Mrd. Euro.

Diese Daten zeigten nur die Bruttoschulden der Zentralregierung, die Schulden der Regionen, Kommunen und Sozialversicherungen kommen noch oben drauf. Zuletzt in Q2 2014 betrug die Gesamtverschuldung 1012,606 Mrd. Euro bzw. 96,3% des nominalen BIP, nach neuer aufgeblasener BIP-Berechnung, mit den geschätzten illegalen Wirtschaftsaktivitäten und den BIP steigernden F&E Ausgaben als Investitionen.

Allerdings selbst diese Schulden inkludieren nicht alle Verbindlichkeiten des Staates, so fehlen darin Teile von unbezahlten Rechnungen, Schulden öffentlicher Unternehmen und spanische Staatsanleihen in den Händen des Reservefonds der sozialen Sicherheit, die nicht in der konsolidierten Bruttostaatsverschuldung nach excessive deficit procedure (EDP) ausgewiesen sind. Mit diesen unkonsolidierten Schulden betrugen die Gesamtverbindlichkeiten des spanischen Staates für Q2 2014 bereits satte 1493,413 Mrd. Euro!

Die Datenreihe der unkonsolidierten Staatsschulden ist nun wieder bei der spanischen Zentralbank verfügbar (?). Zusammen mit den konsolidierten Staatsschulden zeichnen sich Verbindlichkeiten des Gesamtstaates von 142,0% des nominalen BIPs:

B85Die Tabelle der Banco de Espana (spanische Zentralbank) mit den ausgewiesenen konsolidierten Bruttostaatsschulden nach EDP und den unkonsolidierten Bruttostaatsschulden. Siehe PDF: http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/a1104e.pdf

Noch scheint der Ausweis der konsolidierten Bruttostaatsschulden nicht nach ESVG 2010 (Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen) umgestellt zu sein, dann droht ein weiterer Anstieg der konsolidierten Staatsschulden, da nach der neuen Methodik auch Teile von Schulden von Staatsunternehmen in der konsolidierten Bruttostaatsschuld ausgewiesen werden müssen.

Hier die bisherige Entwicklung der konsolidierten Bruttostaatsschulden des Gesamtstaates in Prozent zum nominalen BIP:

B87Die Entwicklung der konsolidierten Bruttostaatsschulden im Verhältnis zum nominalen BIP von 1955 bis 2013 und für Q2 2014 im Chart.

Alles in Allem zeichnet sich ein absolutes Desaster, die Bankenrettungen, Hilfen für andere staatliche Einheiten, die Kosten für den Staat in Folge hoher Arbeitslosigkeit und Mindereinnahmen bei Sozialversicherungen, belasten bisher ohne Ende, so dass sich eine aberwitzige Dynamik zeigt. Angesichts solcher Entwicklungen ist es eine bezeichnende Farce, das Spanien scheinbar als Erfolgsbeispiel für die Eurozone verkauft werden kann und dies ist vor allem einem Publikum geschuldet, welches keine ausreichende Informationsbasis hat.

B88Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen von Januar 1993 bis zum 31.10.2014 im Dailychart. Ein Witz, weit jenseits adäquater Risikoeinpreisung.

Trotz steil steigender Staatsschulden sind die Nettoanlageinvestitionen (Bruttoanlageinvestitionen minus Abschreibungen) des Staates sogar negativ:

A598Die Entwicklung der Nettoanlageinvestitionen des spanischen Staates in Mrd. Euro seit 1970 bis 2014 im Chart, für 2014 mit einer vorläufigen Schätzung von AMECO. Steigende Staatsschulden gehen eben nicht mit steigendem Anlagevermögen einher, Investitionen des Staates werden sträflichst vernachlässigt und der Kapitalstock (akkumulierte Nettoinvestitionen) des Staates schrumpft, während auf der anderen Seite die Schulden dynamisch steigen.

Quelle Daten: Bde.es/PDF: STATE. LIABILITIES OUTSTANDING ACCORDING TO THE METHODOLOGY OF EXCESSIVE DEFICIT PROCEDURE. SPAIN

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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27 KommentareKommentieren

  • Roland - 1. November 2014

    Dass Staats-Schulden egal sein können, zeigen doch FED und Bank of Japan.
    Irgendwann wird die EZB auch in dieser Art eingesetzt werden.

    Und die Schulden ?
    Irgendwann nehmen die Zentralbanken einen kleinen Radiergummi, schwupps – und weg sind sie.

    • Michael S. - 1. November 2014

      Dann ist ja gut. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht

  • M.E. - 1. November 2014

    Hallo Roland,
    dieser kleine Radiergummi würde dazu führen, dass kein Investor mehr Staatsanleihen kauft.
    Das wäre das Ende der Staatsfinanzierung.
    Es gibt kein fisklaisches Perpetuum mobile, genau so wenig. wie es ein physikalisches Perpetuum Mobile gibt.

    Und wenn die Zinsen für spanische Bonds erst einmal wieder auf über 5% klettern, und das werden sie irgandwann, dann ist sowieso Hektik angesagt.

    • Roland - 2. November 2014

      Die Sache hat zwei Seiten:
      Die Spekulanten (“Investoren”) kaufen sehr gerne völlig risikolose Staatsanleihen, da im Fall der Fälle die Zentralbank ihre Papiere aufkauft.
      Gehen die Zinsen für die Papiere auf NULL, so haben wir ein anderes System, nämlich die Staatsfinanzierung durch die Notenbanken.
      Die armen Couponschneider sollten uns in einem solchen Falle aber nicht leid tun.

  • Canpichurri - 1. November 2014

    Hallo M.E.,

    dazu brauchen die Zinsen noch nicht einmal auf 5% klettern … bei 142% des revidiertem BIP an Schulden geht auch schon bei 4% das Licht aus. Wie bei allen anderen …
    Was wir sehen ist das Aufblasen der grössten Spekulationsblase -diesmal von den Zentralbanken- der Geschichte. Wie wir alle wissen, enden Blasen immer gleich … sie platzen. Wenn das hier hoch geht, dann bleibt nix mehr stehen. Es wird noch “Flüsse” an Tränen geben. Und auch an vergossenem Blut.

  • mitwisser - 1. November 2014

    Unser dröger Freund Rajoy wird dieses Jahr mal wieder locker ein BIP.Defizit von > 6% durchreichen und wir werden sehen, es juckt keinen so richtig in Brüssel.
    Weiterhin markant, der noch dynamischere Anstieg der nicht konsolidierten Schulden. Hier wir verschoben was irgendwie geht, nur damit die Katastrophe nicht schon früher sichtbar wird.

  • JL - 1. November 2014

    Satire

    Interview mit einem fiktiven spanischen Politiker.

    Frage: Kennen Sie die neuesten Verschuldungsdaten unseres Landes?

    Antwort: Moment mal bitte, 1493,413 Mrd. Euro Schulden, oder 142% vom BIP? Das kommt einen aber schon etwas spanisch vor, schließlich konnte das ja keiner Ahnen! Konkret kenne ich die Verschuldungsdaten aber nicht.

    Frage: Was wollen Sie gegen die zunehmende Verschuldung unternehmen?

    Wir werden eine eindeutige politische Antwort formulieren. Also wird morgen verkündet, daß übermorgen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Zur Not muß man das dann ein Jahr, oder auch länger, wiederholen, da muß man da jetzt wirklich durch und Flagge zeigen- sozusagen. Schließlich erwartet die Wählerin, der Wähler und das Wählerin klare Aussagen.

    Frage: Was konkret wollen Sie formulieren?

    Antwort: Konkret? Ja also …äh, spontan fällt mir dazu gerade nichts … äh anderes als enormes Wachstum ein.

    Frage: Wo sehen Sie denn durchschlagende zukünftige Wachstumsaussichten?

    Antwort: Auf dem Papier … nein nein das war jetzt nur ein kleiner Scherz. Wir werden konkret den Drogenkonsum, Prostitution und Schmuggel neu bewerten und einschätzen müssen. Bei diesen neu vermuteten Datenreihen wird sich sicher in Zukunft eine Halbierung unserer Verschuldung zum BIP herauskristallisieren und dies damit einen wchtigen Beitrag zur Konsolidierung der Staatsfinanzen darstellen.

    Frage: Meinen Sie das wirklich ernst?

    Antwort: Mein Vorname ist nicht Ernst, aber da haben Sie mein Wort drauf! Schließlich haben wir sachkundige Experten die das realitätsnah und unabhäng von Pollitik und Parteienlandschaft feststellen können müssen.

    :-)

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Christoph - 2. November 2014

    Der Kausalzusammenhang erscheint mir ein wenig schief formuliert (passiert): Nicht trotz steigender Staatsschulden sind die Nettoinvestitionen negativ, sondern umgekehrt – negative Nettoinvestitionen von Staat & Unternehmen, die Arbeitslosigkeit kosten den Fiskus ausfallende Steuereinnahmen sowie steigende Sozialausgaben – siehe auch Hans Gestrich (1936): Neue Kreditpolitik, S. 90: „Daß die rigorose Defizitdeckung durch Steuererhöhung und Ausgabenkürzung die Depression vertieft und – falls nicht irgendeine von anderer Seite kommende Anregung der Konjunktur auf die Beine hilft – das Haushaltsdefizit immer von neuem erzeugt, haben eine Reihe europäischer Staaten in der Periode von 1930-1935 nacheinander erfahren müssen […].“
    LG
    Christoph

    • Querschuss - 2. November 2014

      Hallo Christoph,
      eigentlich soll die Formulierung darauf hinweisen, dass es ein anderer Snack wäre, wenn die höheren Staatsschulden mit hohen Nettoinvestitionen einhergehen, ist aber eben nicht so, sträflichst sinkt der Kapitalstock und Investitionen schieben eben nicht die Wirtschaft an. Das Problem ist selten der Kredit an sich, sondern schlicht seine Verwendung.

      Gruß Steffen

  • Christoph - 2. November 2014

    Hallo Steffen, einverstanden. Der Klarheit wegen – vielleicht schiebst du noch ein Extra-Bild oder die Kurve der Nettoinvestitionen der Unternehmen hinzu (bzw. + 2 weitere Sektoren) – dann ist das gleich offensichtlich. Hinsichtlich der klaffenden Einnahmen-Ausgaben-Spreizung (vielleicht bei einem zukünftigen Artikel) evtl. so etwas: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/200546/umfrage/staatseinnahmen-und-staatsausgaben-in-spanien/
    Danke für deine Arbeit, Gruß Christoph

  • Erino - 2. November 2014

    Also wenn ich das richtig sehe, bedeutet ein Anstieg von 78 Mrd Euro bei einem BSP von circa 1Bill Euro ein Anstieg der Staatsverschuldung von 7,8%. Und dies enthält nur die Defizite der Zentralregierung. Ich weiss nicht wie man bei solchen Zahlen von Austerität sprechen kann. Man kann darüber sprechen, dass das Geld falsch (dh. für die Gläubiger) ausgegeben wurde, ok, aber ein solches Defizit kann keinen Sparhaushalt bezeichnen.

    • mitwisser - 2. November 2014

      Von echter Austerität kann hier auch nicht gesprochen werden. Seit Rajoy regiert, wird im Schnitt 30% mehr ausgegeben als eingenommen…und das sind nur die geschönten Zahlen. Und das zuviel ausgegebene scheint offenbar auch zu erheblichen Teilen falsch ausgegeben zu werden. Nachhaltige Investitionen habe ich noch nicht wirklich ausgemacht in Spanien.

  • Christoph - 2. November 2014

    Ich bin kein Spanien-Experte, Steffen weiß da sicher mehr. Nur so viel: Ein geplant reduziertes Defizit (ex ante) bedeutet während Stagnation/Abschwung nicht unbedingt ein zu realisierendes (ex post). Wir fokussieren nur auf die Ergebnisse (ex post) und können aus dieser Position nicht unbedingt versuchte (ex ante) Sparmaßnahmen (Steuererhöhungen/Ausgabenkürzungen) erkennen. Das müsste man sich noch genauer anschauen und gegenüberstellen, um korrekt evaluieren zu können.

    • mitwisser - 2. November 2014

      Rajoys Vorgänger Zapatero hat ja verzweifelt versucht mit exzessivem Deficit Spending (in der Spitze doppelt so viel ausgegeben wie eingenommen) die Wirtschaft wieder anzuschieben. Das eine wie das andere hat nichts gebracht bisher. Aus dass der eine mehr und der andere noch viel mehr aufschuldete. Spanien hat ausser dem in vieler Hinsicht teuren Boom der Kfz-branche kaum was auf den Weg gebracht.

    • Querschuss - 2. November 2014

      Hallo Christoph, hallo Erino
      “Ein geplant reduziertes Defizit (ex ante) bedeutet während Stagnation/Abschwung nicht unbedingt ein zu realisierendes (ex post).” ….exakt Christoph, es ist ein weit verbreiteter Fehlschluss, dass man wegen steigenden Staatsschulden KEINE Austerität sieht. Die schwache Wirtschaftslage, die hohe Arbeitslosigkeit, aber vor allem die Bankenrettungen sind die Ursache für die steigenden Staatsschulden. Die Austerität befeuerte die ersten beiden Faktoren sogar.

      Seit Q2 2011 bis Q3 2014 wurden im spanischen öffentlichen Dienst 368200 Stellen abgebaut (keine Austerität?), die Summe aller nominalen Arbeitnehmerentgelte im öffentlichen Dienst ist von Q2 2010 bis Q2 2014 um -11,6% gesunken (keine Austerität?),die Bruttoanlageinvestitionen des Staates sind seit Q2 2009 bis Q2 2014 um -59,9% gesunken (keine Austerität?), die staatlichen Konsumausgaben sind seit Q2 2010 bis Q2 2014 um -8,5% gesunken (keine Austerität?).

      Folge u.a. der hohen Arbeitslosigkeit, die Sozialausgaben und Sozialtransfers sind seit Q2 2009 bis Q2 2014 um +26,2% gestiegen, trotz diverser Leistungskürzungen für den Einzelnen. Dies ist auf die pure Steigerung geblickt sicher keine Austerität, aber was wäre die Alternative, völlige Verelendung von Millionen und soziale Unruhen?

      Die Explosion der Capital transfers, payable, darunter die Bankenrettungen lassen sich nicht so einfach prozentual darstellen, da sie primär 2012 zu Lasten des Staates mit 45,792 Mrd. Euro anfielen, 2013 10,163 Mrd. Euro und in den ersten beiden Quartalen 2014 1,648 Mrd. Euro.

      Letztlich ist es fast zwingend, wenn man die Finanzierungssalden der volkswirtschaftlichen Sektoren ansieht, dass der Staat sich verschuldet, wenn alleine nur in Q2 2014 die privaten Haushalte einen Finanzierungsüberschuss von +18,251 Mrd. Euro erzielten, die nichtfinanziellen Unternehmen der Realwirtschaft +6,320 Mrd. Euro, die finanziellen Unternehmen +7,328 Mrd. Euro. Der Staat hatte ein Finanzierungsdefizit von -30,537 Mrd. Euro. Angenommen Private und Unternehmen würden genau diesen Überschuss behalten und der Staat eine schwarze Null zaubern, dann müsste man dem Ausland ein Finanzierungsdefizit (Verschuldung) von -31,899 Mrd. Euro nur für Q2 2014 überhelfen, nicht von dieser Welt, denn deutsche Verhältnisse, niemals auf die ganze Eurozone übertragbar und unmöglich auf die Welt :) Wer also will, dass der Staat keine Schulden macht, muss erst mal seriöser Weise beantworten, welcher Sektor(en) stattdessen Finanzierungsdefizite machen sollen. Es kann unmöglich immer nur und ausschließlich das Ausland sein!
      “Dank” dem spanischen Staat betrug das Finanzierungsdefizit des Auslands nur -1,362 Mrd. Euro in Q2 2014, ein Finanzierungsdefizit welchen dem spanischen Leistungsbilanzüberschuss entsprach.

      So, in solchen Kategorien wird der den Themen geneigte Leser nicht nur in Deutschland nicht informiert, ist auch Absicht, denn dies würde ja das plumpe Staatsbashing, der bööhse Staat als allen Übels, als pure Ideologie entlarven oder netter ausgedrückt, dies ist der weit verbreiteten Unkenntnis wirklicher und zwingender volkswirtschaftlicher Zusammenhänge geschuldet, übrigens bis in hohe Staatsämter hinein :)

      Quellen:
      http://www.bde.es/webbde/en/estadis/infoest/bolest24.html
      http://www.ine.es/en/daco/daco42/ctnfsi/b10/dacoinst_10_en.htm

      Gruß Steffen

      • mitwisser - 3. November 2014

        Hallo Steffen,

        ab 2007/08 ,wie die Baublase platzte, hatte der damalige Regierungschef Zapatero versucht mit massiven Ausgabenerhöhungen die Wirtschaft wieder zu stabilisieren. Trotzdem ging die Arbeitslosigkeit kontinuierlich und massiv nach oben und die Wirtschaft stürzte in die Rezession. Vielleicht hätte er länger durchhalten sollen? Das Problem war nicht gelöst worden und dafür die Schulden massiv erhöht worden. Wobei die Probleme Spaniens recht speziell sind, denn keiner sonst hat derart auf den Bau gesetzt. Eine tragfähiges Nachfolgegeschäftsmodell scheint mir nicht in Sicht. Spanien hilft weder echte, noch scheinbare Austerität, noch Konjunkturprogramme mehr. Ich sehe hier ausser der Peseta und massivem Schuldenschnitt keine wirklichen Optionen mehr.

        • Querschuss - 3. November 2014

          Hallo Mitwisser,
          muss mal sehen, ob sich die Zusammenhänge sinnvoll grafisch darstellen lassen. Der Blick auf die Gesamtausgaben trügt, wenn eben die Investitionen des Staates um -59% geschrumpft sind, die Konsumausgaben des Staates um -8,5% und die Summe aller Arbeitnehmerentgelte im öffentlichen Dienst um -11,6% jeweils zum Hoch in einem vergleichbaren Q2.

          Unter Zapatero war das Finanzierungsdefizit gar nicht so viel höher, Rajoy Q1 2012 bis Q2 2014 -216,666 Mrd. Euro unter Zapatero Q2 2009 bis Q4 2011 -260,251 Mrd. Euro (vergleichbare 10 Quartale).

          Der Punkt ist nicht, ob es mit mehr Schulden besser wäre, sondern die Verwendung des Kredits und dass die Schulden des Staates zwangsläufig sind, wenn private Haushalte, nichtfinanzielle Unternehmen der Realwirtschaft und finanzielle Unternehmen Finanzierungsüberschüsse erzielen und die übrige Welt nur ein geringes Finanzierungsdefizit. Würde bei Beibehaltung dieser Fakten der Staat sein Finanzierungsdefizit abbauen, wäre Rezession vom Feinsten, die anderen Sektoren der inländischen Volkswirtschaft könnten in Folge keine adäquaten Überschüsse mehr machen, das Ausland könnte es nicht ausgleichen, da adäquat Spanien gar nicht so viele Waren und Güter an die Welt liefern kann, um dem Ausland ein entsprechendes Finanzierungsdefizit überzuhelfen. Es bleibt dabei, wenn der Staat kein Finanzierungsdefizit schieben soll, wer dann? Es können nicht alle gleichzeitig Finanzierungsüberschüsse erzielen, sondern den Finanzierungsdefiziten stehen immer entsprechende Finanzierungsüberschüsse gegenüber, welche volkswirtschaftliche Sektoren generieren.

          Das Spanien im Euro eigentlich nicht rein gehört habe ich schon 2007 gemeint, das Spanien bei knapp 1000 Mrd. Euro Nettoauslandsschulden nicht auf lange Sicht um einen Schuldenschnitt herumkommt ist klar, außer eine Explosion der Wertschöpfung und des Nettoexportüberschusses droht :) ist aber unrealistisch.

          Der Kern des Problems der Staatsschulden bleibt, immer mehr Kredit kommt zu einer Verwendung, die vielleicht hilft den Status Quo zu wahren, aber eben weder den Kapitalstock noch das Wachstum anschiebt. Und da sind die PP-Neolibs in Spanien kann vorne dabei/daneben.

          Gruß Steffen

  • Stefan Vogel - 3. November 2014

    Hallo Steffen,

    wie sieht die Bilanz des Reservefonds der sozialen Sicherheit aus.

    Nehmen wir mal an, die haben in der gleichen Höhe Reserven bzw. Anlagen. Dann wäre das von meiner Seite aus in Ordnung. In Deutschland zahl der Bund immerhin 1/3 der Rente. Wenn man das Kapitalisieren würde, sollte sich das auch nicht auf die Staatsverschuldung auswirken. Sollte der spanische Reservefonds diese als Sicherheiten für einen Kredit verwendet haben, dann sind es Staatsschulden (alles schon verfrühstückt.).

    Danke für alle Deine Arbeit!

    Gruß aus Mainz

    Stefan

    • Querschuss - 3. November 2014

      Hallo Stefan Vogel,
      der Reservefonds der sozialen Sicherheit betrug Ende 2013 53,744 Mrd. Euro, davon waren 52,030 Mrd. Euro in spanische Staatsanleihen angelegt. Der Reservefond darf laut Satzung nur in heimische Staatsanleihen und Staatsanleihen aus der Eurozone anlegen. Damit lässt sich nebenbei ein wenig die konsolidierte Staatsschuld kaschieren.

      Die Staatsanleihen gehalten vom Reservefond werden nicht zur konsolidierten Staatsschuld gerechnet, nur als unkonsolidierte Verbindlichkeit des Staates an den Reservefond ausgewiesen.

      Die Sozialausgaben und Sozialtransfers betrugen 2013 170,600 Mrd. Euro. Die laufenden Zahlungen kommen nicht aus dem Reservefond, sie sind Reserve.

      http://www.seg-social.es/prdi00/groups/public/documents/binario/189085.pdf

      Gruß Steffen

  • Erino - 3. November 2014

    Ganz offensichtlich ist Spanien als Ganzes überschuldet. Jeder zusätzliche Kredit wird damit realistisch gesehen für die Gläubiger ein Abschreibungsfall, sofern nicht andere dafür bürgen. In diesem Fall muss zwangsläufig jede Neuverschuldung Spaniens vom Ausland getragen werden. Von den Bürgen, die dies noch tragen können sind aber nicht mehr viele übrig geblieben. Sollen wir bei uns die MWSt. um 10% erhöhen, um damit Spanien eine noch höhere Neuverschuldung finanzieren? Die Finanzierung über Gelddrucken ist im Endeffekt für die Arbeitnehmer sogar noch nachteiliger. Gelddrucken, so wie in den USA oder Japan, ist nur Umverteilung von Realeinkommen hin zu den Assetbeseitzern. Bei der MWSt. zahlen wenigstens alle. (womit ich nicht sagen will, dass dies wirklich das beste wäre).
    Etwas anderes wäre es, wenn man das neue Geld gleichmäßig auf alle Bürger verteilen würde, und nicht nur an die Assetbesitzer.

    • Querschuss - 3. November 2014

      Hallo Erino,
      ja Spanien ist als Ganzes überschuldet, aber auch in Spanien erzielt der Sektor private Haushalte Finanzierungsüberschüsse, als Stromgröße in das Geldvermögen der privaten Haushalte, zusammen mit den Wertzuwächsen, stieg das Nettogeldvermögen in Q2 2014 um +64,1 Mrd. Euro zum Vorquartal, auf +1111,1 Mrd. Euro.
      Quelle: http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/a0309e.pdf

      Über 1000 Mrd. Nettogeldvermögen …..Da sicher auch in Spanien das Geldvermögen in der Hand der obersten 10% der privaten Haushalte liegt, primär sogar der obersten 5% könnte der Staat sich auch anders finanzieren bzw. locker seine Einnahmen erhöhen :)

      Zugegeben, wenn man nicht in diesen Kategorien denkt/sieht, wie ich in den letzten Kommentaren und sich dazu die Daten anschaut, ist es schwer diese gesamtwirtschaftliche Sicht zu teilen.

      “Gelddrucken, so wie in den USA oder Japan, ist nur Umverteilung von Realeinkommen hin zu den Assetbeseitzern.” Dies teile ich, da im Kern sicher richtig, aber nicht ausschließlich, die USA hat schon eine wesentlich bessere wirtschaftliche Entwicklung als die Eurozone.

      Gruß Steffen

      • Erino - 3. November 2014

        Gelddrucken an sich finde ich nicht schlimm, nur die Verteilung des neuen Geldes. wenn das neue Geld gleichmäßig unter die Bürger verteilt werden würde, dann würde sich die Inflation ja auch nicht nur auf die Assets beschränken. Auf die Realwirtschaft würde sich das wesentlich besser auswirken, da die Arbeitnehmer eher reale Produkte dafür kaufen würden als die Assetbesitzer.. Natürlich müsste dann der eine oder andere Gläubiger verzichten. Aber dies hätte auch eine entsprechende Reinigungswirkung. Die Finanzwirtschaft ist eh schon zu dominant. Bei einer gleichverteilung des neuen Geldes würde vermutlich eine geringere Summe ausrechen. So wie das bisherige QE wirkt, kommt mir das eher so vor wie die Tröpfchentheorie: Man gibt den Reichen, und hofft, dass damit auch etwas auf die Armen abfällt.

        Die meisten Griechen etwa werden nie etwas von dem vielen Geld der Steuerzahler gesehen haben. Es sind immerhin etwa 20000 Euro für jeden Griechen, die dorthin geflossen sind. Geholfen wurde damit offensichtlich nur wenigen Reichen.

        • Rolmag - 4. November 2014

          “Gelddrucken an sich finde ich nicht schlimm, nur die Verteilung des neuen Geldes.”

          Nur dass damit die Arbeit all der Nettosteuerzahler, die nicht von der Arbeit der anderen mitessen vollends in den Dreck gezogen wird. Und dass man genau wie in der DDR fast schon ein Idiot sein muss, wenn man unter solchen Umständen auf Arbeit alles gibt um eine gute Leistung zu erbringen.

          “Die meisten Griechen etwa werden nie etwas von dem vielen Geld der Steuerzahler gesehen haben. Es sind immerhin etwa 20000 Euro für jeden Griechen, die dorthin geflossen sind. Geholfen wurde damit offensichtlich nur wenigen Reichen.”

          Falsch! Wer zahlt bitteschön die überhöhten Gehälter für deren gigantisch große Beamtenschaft? Griechenland ist pleite! Knapp 50% der Rettungsgelder wurden für den Schuldendienst verwendet und ~150 der 240 Mrd. bislang gingen in den griechischen Staat.

          Ja was denken die Leute hier bloß? Dass die Beamten Griechenlands und deren Rentner jetzt das Geld aus dem ESM direkt erhalten? Das geht alles an den griechischen Staat und der verteilt es dann. Was sonst? Die Griechen haben es geschafft und sind nun auf Dauer unser 17. Sozialbundesland. Und zwar so lange, bis Deutschland unter fremden Lasten zusammenbricht.

          • Querschuss - 4. November 2014

            Hallo Rolmag,
            der EFSF/ESM refinanzierte primär alte Staatsanleihen, so das Private, primär Banken aus allen möglichen Ländern gebailoutet wurden.

            Man mag die Staatshaushaltsdaten der Griechen kritisch sehen, offiziell in den ersten 9 Monaten 2014 ein Primärüberschuss von +2,757 Mrd. Euro, nach Zinsen -2,213 Mrd. Euro und von mir aus mit den unbezahlten Rechnungen von -3 Mrd. Euro. ABER das ist weit abseits früherer Jahre und sollten via EFSF/ESM wirklich 2 Mrd. zur Finanzierung auch von griechischen Löhnen im öffentlichen Dienst verwendet werden. So what, da gibt es ganz andere Baustellen in der Eurozone. Vergleichsweise ist der laufende griechische Haushalt mittlerweile ein kleines Problem. Die akkumulierte Staatsschuld und die Nettoauslandschulden stehen natürlich weiter für eine faktische Insolvenz, nur durch Gnaden der Geldgeber vor sich hergeschoben. Aber dies ist eben eine etwas andere Geschichte, als die vom unbändigen laufenden Haushalt auf Kredit.

            Momentan finanziert die deutsche Volkswirtschaft via Kapitalexport die Exzesse ganz andere Länder. “Wir” werden immer irgendwo Exzesse finanzieren, solange “wir” das Geschäftsmodell als brutalst möglicher Nettoexportüberschussmeister präferieren :)

            Gruß Steffen

  • Rolmag - 4. November 2014

    “Vergleichsweise ist der laufende griechische Haushalt mittlerweile ein kleines Problem.”

    Sicher, die Griechen bringen und nicht um aber dort ist ein für uns überaus wichtiger Schutzwall gebrochen.

    Die Bundesregierung hat gemerkt, dass entgegen ihren Vermutungen die Deutschen doch nicht den Hauch eines Protestes zeigen und seitdem wird uns das Fell über die Ohren gezogen und zwar während wir arbeiten.

    Die Deutschen sind insgesamt nicht demokratiefähig wie ich letzten Freitag bemerken musste, wo sich ein Paar am Nachbartisch beim Chinesen furchtbar echauffierte, weil ein Bekannter gern über Politik redet (ging evtl. in meine Richtung). Ich wollte erst sagen, dass die Demokratie etwas zum Mitmachen ist und dass jeder sich damit beschäftigen muss, sonst wird ihr oder ihm demokratisch das Fell über die Ohren gezogen aber dafür ist es zu spät, die Leute wollen aggressiv schlafen.

    Wenn so einem passiven und unterwürfigen Volk eine Regierung wie unsere aktuelle vorsteht, dann kann das nur ins Desaster führen, sogar in guten Zeiten, siehe dazu die Bildung, beispielsweise das Turboabi.

    Gruß Roland :)

  • Frank - 6. November 2014

    Ich bin gespannt auf die Trendwende bei den Zinsen auf die Spanien-Bonds. Das gibt ein Feuerwerk :-)