Spanien: desaströse Arbeitsmarktdaten für Januar

von am 2. Februar 2012 in Allgemein

Das spanische Arbeitsministerium berichtete heute Morgen für den Monat Januar 2012 von einem weiteren rasanten Anstieg der offiziell registrierten Arbeitslosenzahlen in den öffentlichen Arbeitsverwaltungen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg zum Vormonat um +177’470 bzw. um +4,07%, auf 4,599829 Millionen Spanier ohne Job. In allen Wirtschaftsbereichen stieg die Arbeitslosigkeit, in der Landwirtschaft um +6’282 neue Arbeitslose zum Vormonat, im Dienstleistungsbereich, um kräftige +132’531, in der spanischen Industrie um +15’105 und beim Bau um +16’347. Zum Vorjahresmonat stiegen insgesamt die registrierten Arbeitslosen um relevante +368’826 bzw. um +8,72%.

Die Entwicklung der offiziell registrierten Arbeitslosen in Spanien seit Januar 2002 im Chart. Im Januar 2012 stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen auf 4,599829 Millionen, ein neues Allzeithoch.

Auch die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen unter 25 Jahre stieg im Januar 2012 weiter an, um +16’396 auf 476’957 registrierte Jugendliche ohne Job.

Saisonbereinigt nach den letzten Daten von Eurostat für Dezember 2011 betrug die Arbeitslosenquote in Spanien desaströse 22,9, die Jugendarbeitslosigkeit verharrte auf ein Rekordniveau von 48,7%:

Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Spanien von Januar 2000 bis Dezember 2011 im Chart.

Angesichts dieser Daten wird weiterhin deutlich, dass alle Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise scheitern werden, wenn über die Realwirtschaft keine höhere Wertschöpfung, Jobs und Einkommen generiert werden. Passend zu diesen Daten vom Arbeitsmarkt lieferte das European Anti Poverty Network (EAPN) am 31.01.2012 in einer jährlichen Studie seit 2004 die Zahl der Spanier die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Im Jahr 2010 stieg die Zahl der von Armut bedrohten auf 11,666827 Millionen, nach 10,665615 Millionen 2009, ein Anstieg von +1,001212 Millionen und zugleich Rekordstand seit 2004. Für das Jahr 2011 dürften die Zahlen noch düsterer aussehen. Erschreckende 25,5% der spanischen Bevölkerung waren 2010 von Armut bedroht, 4% litten an schweren materiellen Entbehrungen und zeitweisen Hunger! Die Daten werden für Eurostat erhoben und beinhalten alle Spanier mit weniger als 60% des medianen pro Kopf Haushalts-Äquivalenzeinkommens.

Reloaded: Spanien mit zweitschwächsten Januar seit 1995 bei den PKW-Neuzulassungen, Spanien: reale Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit August 1999, 134,143 Mrd. Euro bei spanischen Kreditinstituten im Zahlungsverzug, Spaniens Target2 Saldo explodiert auf -137,178 Mrd. Euro

Quellen Daten: Tt.mtin.es/Pressemitteilung Arbeitsmarkt Januar 2012, Eapn.es/IMPACTOS DE LA CRISIS Seguimiento del indicador de riesgo de pobreza y exclusión social en España 2009-2010

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21 KommentareKommentieren

  • M.E. - 2. Februar 2012

    Erstaunlich ruhig die Lage in Spanien.
    Der Chart der Anzahl der Barrikaden verläuft an der Nulllinie.
    Ob das so bleibt?

    • Weltenbrand - 2. Februar 2012

      @ M.E.

      Der IWF wird sicherlich schon bald zündeln…

  • Weltenbrand - 2. Februar 2012

    @ Redaktion

    “Angesichts dieser Daten wird weiterhin deutlich, dass alle Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise scheitern werden, wenn über die Realwirtschaft keine höhere Wertschöpfung, Jobs und Einkommen generiert werden.” – Die “Realwirtschaft” alias “Verwertungsveranstaltung” hat nun mal nur ein Ziel: “Profitmaximierung” – jedoch garantiert nicht das “Generieren von Jobs”. Wie stellt Marx schon in “Lohnarbeit und Kapital” treffend fest: „…; dieser Krieg hat das eigentümliche, daß die Schlachten in ihm gewonnen werden weniger durch Anwerben als durch Abdanken der Arbeiterarmee. Die Feldherren, die Kapitalisten, wetteifern untereinander, wer am meisten Industrie-Soldaten entlassen kann.”

  • Matthias H. - 2. Februar 2012

    Relativierend ist hinzuzufügen, dass die Arbeistlosigkeit in Spanien “traditionell” meist sehr hoch war und zwischen 10 und 20 % pendelte.
    Lediglich während 3 Jahren des Baubooms -also des Aufpumpens der Immobilienblase – notierte sie unter 10 %.

    Beängstigend ist aber das ungebrochene Tempo des weiteren Anstiegs, das sich wohl nocht fortsetzen wird, da gegenläüfige saisonale Trends in Spanien bislang meist erst ab April zu beobachten waren.

  • C.A.Wittke - 2. Februar 2012

    … man frage sich, wieviele der 48.7% Jugendlichen unter 25 haben eine grundlegende Ausbildung und wieviele der anderen 51.3% mehr als nur einen Job haben? Oder auch wer von beiden wieviel Zukunft haben wird.

    Hätten wir uns soche Zahlen vor 20 Jahren auch nur ansatzweise vorgestellt, wäre Unruhe erste Bürgerpflicht gewesen.

    caw

  • M.E. - 2. Februar 2012

    Immerhin: bei der Emission von Staatsanleihen gibt es im Euro-Raum (außer Griechenland, Portugal, Irland) derzeit eine bemerkenswerte Entspannung.

    http://www.onvista.de/news/politik-volkswirtschaft/artikel/02.02.2012-12:30:49-roundup-frankreich-und-spanien-refinanzieren-sich-zu-niedrigeren-zinsen?newshash=31ad9dc786bdca300b262e710fb34e6b

    Auch italienische 2-Jahres-Anleihen haben sich seit Dezember am Sekundärmarkt in der Rendite annähernd halbiert, auf jetzt etwas über 3%.

    Man kann Zweifel haben, ob das so bleibt. Jedenfalls können sich Italien und Spanien derzeit problemlos finanzieren.

    • C.A.Wittke - 2. Februar 2012

      … diese Entspannung ist nur auf die Liquiditätsspritze der EZB zurückzuführen, weshalb die nächste Spritze mindestens 1 Billion groß sein wird, spätestens Ende Februar wird wieder geponziet!

      Da diskutiert man mit vorgeblichem Greuel QE3 der USA und hier passiert nichts anderes. Man darf den Vorgang im Grunde auch nicht als Finanzierung bezeichnen; es ist dies vielmehr das Deflationieren hinein in etwas was die große Depression des letzten Jahrhunderts vergleichsweise harmlos aussehen lassen wird.

      Sorry, bessere Aussichten habe ich nicht!

      caw

      • alt-shift-x - 2. Februar 2012

        +1

      • Weltenbrand - 2. Februar 2012

        @ C.A.Wittke

        Die FTD zitierte schon im Jahr 2003 einen FED-Mitarbeiter: “Gegen das, was derzeit auf die Menschheit zurollt, wird die Weltwirtschaftskrise aussehen wie ein Kaffeekränzchen.“ Und Ernest Mandel fasste es in seinem Vorwort zur englischsprachigen Ausgabe des dritten Bandes des “Kapitals” so: “But it is evident that such a trend towards upgrading labour in productive sectors with the highest technological development must, of necessity, be accompanied by its very negation: a rise in mass unemployment, in the extent of marginalized sectors of the population, in the number of those who ’drop out’ and of all those whom the ’final’ development of capitalist technology expels from the process of production. This means only that the growing challenges to capitalist relations of production inside the factory are accompanied by growing challenges to all basic bourgeois relations and values in society as a whole, and these too constitute an important and periodically explosive element of the tendency of capitalism to final collapse.“As I said earlier, not necessarily of collapse in favour of a higher form of social organization or civilisation. Precisely as a function of capitalism’s very degeneration, phenomena of cultural decay, of retrogression in the fields of ideology and respect for human rights, multiply alongside the uninterrupted succession of multiform crises with which that degeneration will face us (has already faced us). Barbarism, as one possible result of the collapse of the system, is a much more concrete and precise perspective today than it was in the twenties and thirties. Even the horrors of Auschwitz and Hiroshima will appear mild compared to the horrors with which a continuous decay of the system will confront mankind.”

        Tja, so wird die “akkumulatinsunfähige”, ach so “ewige” “Marktwirtschaft” enden: Even the horrors of Auschwitz and Hiroshima will appear mild compared to the horrors with which a continuous decay of the system will confront mankind.”

        • Weltenbrand - 2. Februar 2012

          Dieses Statement Ernest Mandels datiert schon aus dem Jahre 1991.

  • hunsrückbauer - 2. Februar 2012

    da tut sich ein Fass auf, ähnlich wie GR, das könnte zur Büxe der Pandora werden und F + D mittendrin. Ich fühle mich ohnmächtig zu helfen und ich entwickle langsam richtigen Zorn. Noch betrifft der Überlebenskampf in D “nur” ca. 15% der Bevölkerung, aber auch hier wird es schlechter werden. Was dann? Wann werden wir das System, das wir machen, das uns kaputt macht, kaputt machen? Im liegt offensichtlich nicht die Lösung. Für mich ist inzwischen auch klar, dass alleine aufgrund der systemimanenten Ziele Markt, Marktwirtschaft und Staat, Volk, zivilisatorisches Zusammenleben, nicht zusammen paßt. Der Markt trachtet als Ziel nach der Oligopolisierung, Staat und Volk können sich dieses Ziel nie zu eigen machen, es sei denn, sie sehen ihr Ziel im Zerfall desselben.

  • M.E. - 2. Februar 2012

    Ergänzung: die Entspannung am Bond-Markt änert natürlich nichts an den zugrunde liegenden Problemen, am Abgleiten etlicher Länder in die Rezession oder an der Problematik der extremen Arbeitslosigkeit z.B. in Spanien.

    Aber sie verhindert zumindest einen unmittelbaren Kollaps.

  • Roland - 2. Februar 2012

    Unruhe als solche bringt ja auch nicht weiter.
    Der portugiesische Staats-Chef wurde doch vor ein paar Tagen belauscht, indem er sagte:
    Das neueste Sparprogramm wird mich einen Streik kosten.

    (so what – möchte man hinzu fügen)

    Die Herrschenden lachen doch – und ohne Aufklärung der weitgehend orientierungslosen noch lange.
    Solange man in einer Buchhandlung einen roten Kopf bekommt, wenn man die Analyse Lenins : “Der Finanzkapitalismus als höchstes Stadium des Kapitalismus” verlangt, ist doch noch immer Hopfen und Malz verloren.

    • C.A.Wittke - 2. Februar 2012

      Na ja, Unruhe sollte allgemeines Aufbegehren beschreiben, was allerdings, da stimme ich zu, angesichts der orientierungs- und ahnungslos gehaltenen Masse ein unwahrscheinliches Geschehen bleiben wird; aber, das macht das, was da kommt, allerdings nicht weniger bedrohlich.

      caw

    • Martin - 2. Februar 2012

      es war der spanische Minister, Mariano Rajoy, und nicht der portugiesische ( http://www.youtube.com/watch?v=8yJJ48dBkqQ ). Viele Gruesse aus Madrid

  • dank - 2. Februar 2012

    Wundert mich ebenso immer mehr. Aber Desinformation und ständiges Angstschüren
    tut sein übriges dazu, die Menschen ruhig zu halten. Es dürfen nur keine
    schlimmen Einzeltaten (“des Staates” gegen) einzelne(r) Bürger medial
    breitgetreten werden, sonst gehts doch mal schneller, wie wir aus der
    Geschichte wissen. (Selbstverbrennungen, Demonstantenerschiessungen in den
    westl. Staaten usw.)

    Alternativ wird allgemeines Aufbegehren dann möglich, wenn sich die
    Kräfte fokussieren.
    Wenn die “Gehirnen und Köpfen der vielen” hochstilisiert werden zu Heilsbringern.
    Bislang ist am weiten Horizont noch keine Stimme laut genug zu hören. In D eh
    nicht, wie es in den augenblicklich betroffenen EuroLändern ist, kann ich
    nicht sagen – vielleicht hat da der ein oder andere mehr Infos?

    Parteien und Gewerkschaften sind dazu nicht mehr zu gebrauchen.
    Wenn sich nichts verändert wird es für viele schlimm bis vernichtend
    - ohne offensichtliche Gewalt.
    –> Wenn sich nichts ändert, dann wird ganz ohne “Angst machen” und “Gewalt”
    nichts zu bewegen sein – besonders wenn die Betonköpfe, die oben sind,
    nicht erpressbar waren, dann geht es eben nicht wie bei Gandhi.

    OCC WS hat in Oakland noch eine Art Brückkopf stehen, ansonsten scheint
    hier das Warten auf den Frühling…

    In Russland und China sind viele dieser einflussreichen “Aufbegehr”-Köpfe
    Blogger und Ihre dahinterliegenden Netzwerke, die sich größtenteils
    online abbilden.
    Wie sich das in Europa verhält, kann ich nicht sagen –
    sollte aber doch ähnlich sein?!

    Die Strukturen haben jeweils (EU, R, C, US, …) noch nicht die Größe
    (und Fähigkeit) die Lawine richtig loszutreten, sonst wärs schon geschehen
    und dazu ist noch nicht alles schlimm genug.
    Kleinere Rutschungen bekommen wir schon länger immer wieder mit.

  • Duke van Hudde - 3. Februar 2012

    Die Rendieten der anleihen von Spanien und Italien kann man doch shcon lange nicht mehr als wirkliche Marktrenditen ansehen.
    Zum einen kauft die EZB wohl weiter munter auf zum anderen können die Banken diese anleihen einfach so weiter reichen an die EZB. Ich bezweifel das viele Private Investoren zur Zeit Papiere aus dne Ländern bei den Rendieten kaufen. Gerade bei Spanien siet es doch schon total düster aus.Die werden doch die Sozialausgaben überhaupt nicht so senken können wie sie es müsten bei den Anstieg der Arbetslosenzahlen.

    Den jeder euro den sie auf der ausgabenseite senken führt halt auch zu geringeren Einnahmen.Zwar sollte das bei der Staatsquote in Spanien noch eine Bilanzverbesseurng bedeuten aber halt lange nicht so wie vorgesehen.Ich vermute das wir hier schnell bei 60-70 % sind die Spanien so gleich wieder auf der Einnahmenseite verliert.

    Spanien muss wie Griechenland erstmal aus den Euro raus und dann gleichzeitig die Glatze machen.Aber unsere elite will natürlich nicht ihr Geld verlieren und daher muss das Volk in Spanien und auch in Deutschland bluten.In SPanien mit schrecklichen zuständen am Arbeitsmarkt und bei uns mit einer Lohnentwicklung die Reallohnverluste bedeutet und nichts mehr mit tielhabe am Produktivitätsvortschritt.

  • Illoinen - 3. Februar 2012

    Die EU war nie dafür gedacht, dass alle profitieren sollen, sondern einige wenige sehr viel mehr, und andere eben sehr viel weniger. Solidarität war auch nie Sinn und Zweck der Währungsunion, sondern der freie Handel. Es war und ist auch heute doch völlig klar, des einen Überschüsse, sind des anderen Defizite.

  • BerndF - 3. Februar 2012

    “Das spanische Arbeitsministerium berichtete heute Morgen für den Monat Januar 2011″

    2012 war gemeint oder?

  • Hayek2 - 6. Februar 2012

    @ Roland…”Solange man in einer Buchhandlung einen roten Kopf bekommt, wenn man die Analyse Lenins : “Der Finanzkapitalismus als höchstes Stadium des Kapitalismus” verlangt, ist doch noch immer Hopfen und Malz verloren.”
    ____

    Sollte wohl heissen….Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus ist eine Schrift, die W. I. Lenin 1916 in Zürich verfasst hat und die 1917 nach dem Sturz des Zarentums in Russland veröffentlicht wurde. Deren Hauptaufgabe war es, „am Vorabend des ersten imperialistischen Weltkriegs, das Gesamtbild der kapitalistischen Weltwirtschaft in ihren internationalen Wechselbeziehungen“ darzustellen.[1] Das Werk gilt als bedeutender und wirkmächtiger Beitrag zu den marxistischen Imperialismustheorien.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Imperialismus_als_h%C3%B6chstes_Stadium_des_Kapitalismus

  • Hayek2 - 6. Februar 2012

    @ Roland…Leseempfehlung

    Das Finanzkapital von Rudolf Hilferding. – Hilferdings Theorie rückt die auffälligen, spektakulären Geschehnisse der Börse und die Macht der Banken in den Vordergrund, sie greift damit den populären Hass gegen Spekulanten sowie gegen Formen des Zinsgeschäfts auf, sie formuliert das gemeinsame Interesse des „realen Wirtschaftssektors“ kritisch gegen das Finanzkapital.

    Interessant das Jahr der Publikation.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Hilferding

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