Spanien: Doubtful Loans bei 140,027 Mrd. Euro

von am 20. März 2012 in Allgemein

Heute berichtete die spanische Zentralbank (Banco de España) die monatlichen Daten der spanischen Kreditinstitute zu den “Data on Doubtful Loans” für Januar 2012. Die Zahl der säumigen Kredite und Darlehen mit mehr als 90 Tagen im Zahlungsrückstand stieg weiter auf 7,91% aller vergebenen Kredite der spanischen Banken, nach 7,62% im Vormonat und nach 6,06% im Vorjahresmonat. Die aktuellen 7,91% aller Kredite im Zahlungsrückstand waren die höchste Rate seit 1994. Diese Rate entsprach einem neuen Rekordkreditvolumen im Zahlungsrückstand von 140,027 Mrd. Euro, bei einem Gesamtvolumen von 1,769675 Billionen Euro an vergebenen Krediten und Darlehen.

Die Entwicklung der säumigen Kredite und Darlehen mit mehr als 90 Tagen Zahlungsrückstand seit Januar 1999 im Chart. Im Januar 2012 stieg das Kreditvolumen im Zahlungsrückstand auf 140,027 Mrd. Euro, nach 135,838 Mrd. Euro im Vormonat und nach 110,774 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Der Anstieg der notleidenden Kredite wird natürlich hauptsächlich aus den vergebenen Hypothekenvolumen gespeist und die letzten Daten vom Statistikamt INE verdeutlichen, dass der Abschwung am spanischen Immobilienmarkt im Zuge der Schuldenkrise und der hohen Arbeitslosigkeit weiter an Dynamik gewinnt. Selbst der offizielle Häuserpreisindex des staatlichen Statistikamtes stürzte in Q4 2011 um -11,2% zum Vorjahresquartal ab!

Die Entwicklung des offiziellen Housing Price Index vom Instituto Nacional de Estadística (INE) 2007=100 von Q1 2007 bis Q4 2011. Zum Hoch in Q3 2007 sank der landesweite Immobilienpreisindex für neue und gebrauchte Wohnimmobilien bis Q4 2011 um -21,71%, womit die Zahl der Hypotheken, die “unter Wasser” stehen, explodiert sein müsste. Bei “unter Wasser” Hypotheken übersteigt der noch ausstehende Immobilienkredit den Marktwert der Immobilie.

Zusammengenommen mit den in den letzten Wochen hier umfangreich dokumentierten anderen Wirtschaftsdaten, sieht das wenig erbaulich aus. Spanien bleibt unter den relevanten Volkswirtschaften der Eurozone, der Kandidat Nr.1, für ein Abdriften in griechische Verhältnisse!

Reloaded: Spanien: extrem kritische Lage des Bankensektors, Spanien: reale Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit Mai 1999, Sehr schwache spanische PKW-Neuzulassungen, Target2 Saldo Spaniens bei -183,786 Mrd. Euro Ende Januar, Desaster-Arbeitsmarktdaten für Februar aus Spanien, Detaillierte spanische BIP-Daten

Quelle Daten: Bde.es/Datos de créditos dudosos (enero de 2012), Ine.es/Press Release: Housing Price Index (HPI). Base 2007 Fourth quarter of 2011

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42 KommentareKommentieren

  • M.E. - 20. März 2012

    Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Immobilienpreise in Spanien nicht schon viel kräftiger eingebrochen sind.
    Denn die spanische Immobilienblase war gemessen am Bedarf größer als die in den USA.
    Also ist anzunehmen, dass der größte Teil des Preisverfalls noch bevorsteht. Und damit die Banken- und Staatsfinanzkrise erst am Anfang steht.

    Spanien ist klarer Kandidat für einen Default innerhalb der nächsten 2 Jahre. Um mal sicherheitshalber einen reichlichen Zeitraum anzugeben.

  • M.Erkwürdig - 20. März 2012

    Unser Zinseszins-System muss ja alle 70-80 Jahre zusammenbrechen anders geht es nicht und deshalb mal eine Frage hier in den Raum werfen :

    Was denkt ihr kommt nach dem Crash ?
    ‘Neustart’ und wieder dasselbe von vorne ?
    .. ?

  • der Mahner - 20. März 2012

    Wer mal sehenden Auges in einigen Gegenden Spaniens war, wird sicherlich noch mit dem Erwerb einer Wohnung abwarten. Dies gilt für In und Ausländer. Der wahre Wert ist in keinster Weise bereits in den Preisen ersichtlich. Diese werden absichtlich hochgehalten damit die Abschreibungen noch nicht voll auf die Bilanzen durchschlagen. Mancherort wäre manchen mehr als froh wenn er für seine Immobilie noch 30-35% seines ursprünglichen Kaufpreises erhalten würde.
    Vereinzelt sind an den Golfplätzen mehr Wohnungen leerstehend als bewohnt. Und dies liegt sicherlich nicht an der saisonalen Nutzung. Hinzu kommt noch das viele nicht wissen ob Ihr Haus nicht doch auf illegalem Baugrund erstellt wurde und damit mittelfristig die Abrissbirne droht. Küstennahe Erwerber können ein Lied davon singen. Massenarbeitslosigkeit bei unter 25 jährigen führt zusätzlich dazu dass die jungen Erwachsenen wieder Heim zur Familie ziehen.

    Aber Mutti wirds schon richten. Europa koste es was es wolle. Meine Schätzung: 2,5-3 Bill. ESM bis Mitte 2013

  • M.E. - 20. März 2012

    ” ‘Neustart’ und wieder dasselbe von vorne ? ”

    Keinesfalls, M.Erkwürdig.
    Die Welt verändert sich gerade fundamental und wird sich noch fundamentaler ändern.
    Grund: Wohlstandstransfer in andere Regionen und Peak anything (Öl, etwas später Erdgas, seltene Metalle, Phosphor usw.)

    Nie wird es wieder so, wie in den letzten Jahrzehnten.

    • Weltenbrand - 20. März 2012

      @ M.E.

      Das mit dem “Peak Oil” wird sich wohl als die größte Ente aller Zeiten erweisen. Hab’ soeben in den Posts zu dem HB-Artikel “Saudi-Arabien will Tanken billiger machen” einen genialen Link gefunden. Hat das Zeug, ähnlich wie Kopernikus zu wirken:

      http://wahrheitssuche.org/erdoel.html

      Gruß

      Olaf

    • M.Erkwürdig - 20. März 2012

      Wohlstandstransfer in welche Länder ?

      Aber dass der Wohnstand hier weiter sinkt sieht man jeden Tag auf den Straßen, da geb ich dir Recht.
      Allerdings merken die Menschen es nicht weil es über einem längeren Zeitraum geschieht, in den 90ern hats angefangen.

    • Hardy - 20. März 2012

      …speziell Phosphor wird massiv (!) unterschätzt.

  • Arvid - 20. März 2012

    Danke für den Fleiß, das Zusammentragen und Bewerten dieser Daten. Ich könnte das nicht über diesen Zeitraum; Gratulation!

    Um dem Ganzen etwas Sinnvolles entgegenzusetzen beschäftige ich mit dem Bandbreitenmodell und werde es auch promoten (im Rahmen meiner Mittel). Mal sehen, ob wir eine Systemänderungen -die so oder so kommt- entsprechend nutzen können.

    Arvid

    PS.: Fehler im Beitrag: Dort ist von “1994 Jahren” die Sprachen, gemeint ist jedoch entweder seit 1994 oder 18 Jahren.

  • georg - 20. März 2012

    an weltenbrand
    und morgen kommt der weihnachtsmann und alles wird gut….
    hier näheres zum Thema
    http://globaleconomicanalysis.blogspot.de/2012/03/saudi-arabia-aims-to-deliver-wall-of.html
    georg

    • Weltenbrand - 21. März 2012

      @ Georg

      Für Sie gilt das gleiche, wie schon für obenstehenden ‘Hardy’: nichts zur Sache sagen, also auf die wissenschaftlichen Quellen und Aussagen eingehen, sondern nur ein wenig dünkelhaft “rumstänkern”. Dabei triftt auf Sie sogar im doppelten Sinne zu: “Thema verfehlt – Setzen, Sechs!” Denn im Gegensatz zu ‘Hardy’ (und M.E.), der durch “Formalkritik” (vermeintliche “Widersprüche”) versucht, die angeführten Kritikpunkte an der “gängigen Lehrmeinung” zu desavouieren (bei M.E. als “abiotische Belletristik” firmierend) gehen Sie überhaupt erst gar nicht auf besagten Artikel ein , sondern posten einen völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Link. Dabei berührt besagter Artikel die ökonomischen Aspekte gerade mal am Rande, konzentriert sich also vielmehr auf die ewig postulierte “Knappheitsideologie” in bezug auf steigende Ölpreise.

      Dass hingegen die steigenden Ölpreise vielmehr den Zig-Billionen “Jetons” der führenden Notenpressen zu verdanken sind, die via “Asset Inflation” nun auch auf der so genannten “Marktoberfläche” wirksam werden – um das zu wissen, brauche ich keine – auch in dieser Hinsicht aussagelosen – Mainstreamlinks.

      http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php

      http://www.krisis.org/2012/die-krise-kurz-erklaert#more-4763

      http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/WiderspruchStoffFormPreprint.pdf

  • M.E. - 20. März 2012

    Na, Weltenbrand,
    die größte Ente aller Zeiten wird Dir noch in den nächsten Jahrzehnten die Sorgenfalten auf die Stirn zaubern.
    Öl ist übrigens nicht aus Tieren oder irgendwelchen Landpflanzen entstanden, sondern aus Plankton, sprich: Algen. Und zwar aus der Algenmasse von Millionen von Jahren insbesondere des Jura.
    Geologische Fachliteratur zu lesen ist aber mühseliger, als die abiotische Belletristik. Das gebe ich gerne zu.

    Hallo M.Erkwürdig,
    in welche Länder der Wohlstandstransfer geht? Oje, dass sind so viele.
    Kurz gesagt: alle Länder, die die im OECD-Raum wegfallenden relawirtschaftlichen, vor allem industriellen Kapazitäten in ihre Länder holen. Von China über Vietnam bis Brasilien. Und, wenngleich auf niedrigerem Level natürlich Indien nicht zu vergessen. Genauer gesagt in allen diesen Ländern ist es die Mittel- und Oberschicht, die vom Wohlstandstransfer profitiert. Das viele auch nicht profitieren ist ja kein Gegenbeweis zur Transfer-These.
    Und natürlich alle Länder, die Öl und andere wertvolle Rohstoffe an uns verkaufen und einen immer höheren Tribut dafür verlangen.
    Zwar sind diese Länder in aller Regel (außer Golfstaaten) noch nicht auf unserem Wohlstandniveau angekommen (geht schon rein rohstofftechnisch nicht), aber der Transfer ist ja ein fortlaufender Prozess, bei dem hier etwas abfließt und dort etwas zufließt.

    • Weltenbrand - 21. März 2012

      @ M.E:

      Sie scheinen ja besser zu wissen, was ich lese, als ich selbst. Alle Achtung!

      Es soll keineswegs in Abrede gestellt werden, dass besagter Artikel “Schwächen” aufweist – aber nicht auf die angeführten wissenschaftlichen Quellen und Aussagen einzugehen zeugt auch nicht gerade von “Seriosität”.

  • Ed - 20. März 2012

    Man sollte vielleicht noch anmerken, dass die Summe viel höher wäre, wenn die Banken bzw. die Schuldner nicht seit mehr als einem Jahr massiv umschulden – nämlich von Festverzinsung auf variable Verzinsungen die entsprechend niedrig(er) ist. Im Prinzip erleben wir von der Maßnahmenseite aus gesehen eine Kopie der US-Immobilienkrise.
    Derartig viele faule Finanzierungen sind immer auch ein Machtfaktor mit dem die Banken spielen – bekanntermaßen haben sie nichts zu verschenken. Im Prinzip hat sich die Politik ihrer Handlungsfähigkeit beraubt – bei diesem Raub hat sie leider Fort Knox geöffnet obwohl es der Wandtresor getan hätte.

  • M.U. - 21. März 2012

    Was denkt ihr kommt nach dem Crash ?
    Die notwendigste Korrektur. Und das war’s dann auch schon.

    Das Spiel ist längst abgepfiffen. Lehnt euch zurück und genießt die Show!
    Ruanda wir kommen!

  • MeisterEder - 21. März 2012

    Spanien bekommt auch noch seinen Monti.
    Vielleicht Senior Monto. Hauptsache er war einmal bei GS.
    Dann wird alles Gut :-)

  • Holly01 - 21. März 2012

    Bei Licht betrachtet ist das Ausweisen von schlechten Bilanzen die mit Abstand beste Einnahmequelle für Banken geworden.
    Zwei schlechte Quartale und die Politik kann garnicht schnell genug das Geld zur Tür reinschaufeln.
    Man kann auch nichts verlieren bei dem Spiel, denn die Reaktion geht von “schlechtes Umfeld” bis “die Banken lernen nicht”, also berechenbar.
    Nach ein oder zwei Fuhren Geld kann man ja dann wieder eine gute Bilanz rausgeben. Die Konditionierung Geldsegen -> Lagebesserung klappt doch glänzend.
    Die Banken mussten sich in den letzten 5 Jahren jedenfalls keine Sorgen machen. Alle Probleme sind transferiert.
    Scheitert eine Bank ist die Politik schuld. Scheitert ein System ist sowieso die Politik schuld.
    Die Verantwortung des Großkapitals hat man ganz locker an die x-Stelle nach hinten gerückt. Eine Inhaberhaftung oder persönliche Haftung der Vorstände ist ja kaum geplant. Da entledigt man sich gelegendlich medienwirksam der Überflüssigen.
    Die einzigen relevanten Maßnahmen waren Banken zusammenfassen (Größe statt Qualität) und Risikoverlagerung zu den Staaten, um die Finanzwelt zu schonen.
    Natürlich kann eine Bank heute dank der Bilanzregeln alles und jedes bewerten, wie es ihr gerade in den Kram paßt, diese “Verbesserung” hat man auch überraschend schnell und leise durchgedrückt.
    .
    Wie ist der Ablauf in Spanien, wird nach 90 Tagen gepfändet und zwangsversteigert?

    • Holly01 - 21. März 2012

      Ich möchte annehmen das ist Allen klar, aber ich schreibe es zur Vollständigkeit trotzdem :
      Eine abgesoffene Hypothek ist das beste was einer Bank passieren kann.
      Finanzierung einer Immobilie : done
      Bau einer Immobilie : done
      Scheitern des Bauherren : done
      Sicherheiten ziehen : done
      Bauherren als Zinssklaven halten : done
      Finanzierung für die Gebrauchtimmobilie abschliessen : done
      Neubesitzer als Zinssklaven halten : done
      Risiko minimieren und Sicherheiten mehrfach ausnutzen : done
      Die Abschreibungen sind gegenüber den Zinseszinsen vertretbar : done
      Öffendliche Meinung umlenken (Krisensituation) : done

  • Holly01 - 21. März 2012

    Eine andere Sicht zu den Dingen die uns beschäftigen :
    http://german.china.org.cn/business/txt/2012-03/20/content_24940331.htm

  • M.E. - 21. März 2012

    “Neubesitzer als Zinssklaven halten : done”

    Das genau ist der wunde Punkt, Holly.
    Wenn es zu vile Immobilien gibt, wie in Spanien, ist es eben problematisch, einen neuen Zinssklaven zu finden.
    Es wird also auch viele Immobilien geben, die sich im Beistz der Banken befinden, aber keine Erträge abwerfen, sondern eher Kosten. Denn natürlich müssen ja auch leerstehende Immobilien in einem vermarktungsfähigen Zustand gehalten werden.

    Ich vermute, dass es auf dem spanischen Bankenmarkt zu einer Masseninsolvenz innerhalb der nächsten 2 bis 3 Jahre kommt. Oder zu einem Massenbailout. Aber durch wen?

    • Holly01 - 21. März 2012

      Wenn Ihre Leistung bei der Finanzierung darin bestehen würde eine möglichst hohe Summe an Geld zu schöpfen, um eine möglich hohe Sicherheit (reale Sicherheit, nicht geschöpft) in die Bücher zu bekommen würden Sie das viel entspannter sehen.
      Ausfälle trägt der Kunde und den Rest bringt der Zinseszins. Die Sicherheit ist der einzige relevante Faktor.
      Der bailout ist an dem Tag überflüssig, an dem die Politik aufhört jeden Banker mit Geld zu pudern und trocken zu legen.
      An dem Tag wird das Grosskapital die relevanten Banken am laufen halten. Der Müll geht vom Markt.
      Überfällig. …

  • M.E. - 21. März 2012

    O.T.
    Eine vermutlich sehr bedeutsame Entwicklung:

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=15725

    Die Notenbanken haben ihr Pulver weitgehend verschossen. Bei den Niedrigzinsbonds halte auch ich eine Wende hin zu deutlich höheren Zinsniveaus für wahrscheinlich.
    Almost-free-lunch dürfte bald vorbei sein.

    • Weltenbrand - 21. März 2012

      @ M.E.

      “Die Notenbanken haben ihr Pulver weitgehend verschossen. Bei den Niedrigzinsbonds halte auch ich eine Wende hin zu deutlich höheren Zinsniveaus für wahrscheinlich.
      Almost-free-lunch dürfte bald vorbei sein.” – Einem “höheren Zinsniveau” steht jedoch entgegen:
      “Die Größe des Mehrwerts ist die Schranke der Größensumme der Teile, in der er zerfallen kann.”
      Und da besagter “Zins” auch nur einer dieser Teile ist, kann der bei ohnehin nur noch simulierten Mehrwert alias “Profit” nun mal nicht “einfach so” “steigen”. Falls dies doch mit Brachialgewalt versucht werden sollte, so wäre dies der Todesstoß der schon lange nur noch auf tönernen Füßen stehenden Verwertungssimulation.

  • Fragezeichen - 21. März 2012

    Ich habe Probleme folgende Artikel unter einen Hut zu bekommen.

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=15708
    Saudi-Arabien pumpt soviel Rohöl wie seit 30 Jahren nicht mehr

    http://www.peak-oil.com/2011/12/forderruckgang-in-grosbritannien-und-saudi-arabien-ruckgang-des-ol-exports/
    Förderrückgang in Großbritannien und Saudi-Arabien, Rückgang des Öl-Exports

    Ich weiß, das die Saudis die einzigen sind, die schnell an der Fördermenge schrauben können und um die Schwierigkeiten bzgl. Ghawar.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Peak_Oil

    Im April 2006 gab das saudische Ölunternehmen Aramco bekannt, dass sämtliche ihrer älteren Ölfelder ihre Stagnationsphase erreicht hätten und die Förderrate um 8 % pro Jahr fallen werde. Dies stimmt mit den Ergebnissen des texanischen Investmentbankers und Ölexperten Matthew Simmons überein.[19]

    Kann mir jemand, der mehr in der Materie drin steckt, weiter helfen?
    LG Fragezeichen

    • kurzdump - 21. März 2012

      10 Mio. Barrel pro Tag? Das ist ein würfelförmiger Tank mit einer Seitenlänge von 100m vollgefüllt mit Öl – jeden einzelnen Tagt. In weniger als zwei Jahren könnte man so einen Tank mit einer Seitenlänge von 1km füllen. Schon irre wenn man sich das vor Augen hält.

  • Hannes Konstanz - 21. März 2012

    Ich denke der wirklich monetär arme Jugendliche und junge Erwachsene überblickt längst nicht mehr die Lage oder sieht eine Lösung. In dem entstehenden Wutpotenzial sehe ich endlich den Handlungsdruck Europaweit ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Dann kann man “die da oben” ruhig machen lassen, solange man wenigstens Essen,Trinken,Schlafen monetär abgesichert hat.

    Zum Bedingungslosen Grundeinkommen gibt es hier eine Reihe von kurzen Clips in denen alle Argumente gegen das Grundeinkommen im Dialogverfahren sauber angesprochen und widerlegt werden.

    http://www.youtube.com/watch?v=rwqcwDlWty0&feature=related

    • Holly01 - 21. März 2012

      Es sind nicht gerade die Zeiten, in denen bedingungslos etwas gezahlt wird. Sozialtransfer wird abgekoppelt. Die Armen müssen sich entweder gegenseitig helfen oder auf Hilfe verzichten.
      Von Oben nach Unten wird definitiv nicht umverteilt. Die DAX Konzerne feiern gerade die 100 Mrd. Gewinngrenze überwunden zhu haben.
      Ich habe da nicht gelesen, das man Lohndumping zurücknehmen oder soziale Erungenschaften reaktivieren will.
      Ich fürchte der ganze Trend geht zum gläsernen und von der Kita an angepaßten Kunden. Maximal verschuldet für Gimmicks und immer hübsch an die Bedürfnisse der Wirtschaft angepaßt.
      .
      Die Politik ist sich da in Europa sehr ähnlich. Die Spanier bekommen es (genau wie die Griechen) über eine mediale Krise aufgebürdet, wir hatten Argenda 2010 die schon 6 Jahre vorher verabschiedet wurde. So hat man uns lange genug vorbereitet und das Gift gesellschaftlich immer höher dosiert.
      Heute hat man alle so erfolgreich seperiert, das nur noch Schadenfreude herrscht, wenn eine Gruppe wieder mal dran ist. Die Medien gehen das alles ganz locker und absolut kritikfrei mit.
      Wir werden noch erleben, wie man Arbeit für 1€ Ehrensold aufpreßt. Natürlich mit rentenneutralem Aufstocken auf H4.
      Die Lösung wäre dabei so einfach. Ein Streichen der Schulden bei Privatgläubigern, die überschuldet sind. Die “Privatinsolvenz” für Hypotheken wäre eine Verbesserung des Marktes insgesamt, denn das Überangebot würde sich relativieren.
      Verloren gingen Zinserwartungen auf geschöpftes Geld. Was fehlt ist jeglicher politischer Willen.

  • M.E. - 21. März 2012

    Hallo Fragezeichen,
    nicht mal der hartgesottendste Peak Oiler bezweifelt, dass Saudi-Arabien noch eine gewisse spare capacity hat.
    Lediglich über die Höhe dieser Kapazität gibt es unterschiedliche Auffassungen.
    Während die Saudis, die alle Fragen der Reserveabschätzungen als Staatsgeheimnis behandeln und nie unabhängige Untersuchungen zugelassen haben, vor einiger Zeit behaupteten, sie könnte für längere Zeit auch 15 mb/d fördern, so wird von Fachleuten eine solche Reservekapazität erheblich angezweifelt.
    Die Saudis hatten ja in den 1980er Jahren die Förderung massiv zurückgefahren auf teilweise unter 5 mb/d, weil die Ölpreise nach den Schocks der 70er Jahre eingebrochen waren.
    In den 90er Jahren förderten sie trotz niedriger Weltmarktpreise dann stabil 9 bis 9,5 mb/d.
    Im letzten Jahzehnt lag die Fördermenge aber oft bei 9,5…10 mb/d. So neu ist das jetzige Niveau also nicht. Dafür musste allerdings 1998 auch das fördertechnisch besonders komplizierte letzte saudische Großfeld Shaybah in die Produktion gehen, das allerdings nur etwa 12% der Größe von Ghawar hat (ca. 13 Gb). Ansonsten wäre die heutige Fördermenge wahrscheinlich nur noch sehr schwer zu erreichen.
    Nun hat ja Saudi Aramco angekündigt, bereits stillgelegte Felder zu reaktivieren, um die Fördermenge noch einmal zu erhöhen. Das dürfte sich dann um die aufwändige tertiäre Förderphase handeln (thermische Behandlung durch Dampfeinleitung, um das Restöl dünnflüssiger zu machen). Nur bringt die tertiäre Förderung alter Felder natürlich nicht annährend die Mengen pro Tag, die in der primären und frühen sekundären Phase erreicht wurden.
    Dass also die Saudis mittlerweile gezwungen sind, alte Felder tertiär auszubeuten, weist darauf hin, dass die spare capacity durch die sekundäre Förderung (primäre gibt es dort schon lange nicht mehr) nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.
    Die Zeiten, wo es reichte, in Ghawar die Ventile weiter zu öffnen um die Fördermenge hochzufahren, sind also längst vorbei.
    So ist meine Vermutung, dass bei Aktivierung aller Felder auf einen maximalen Output die heutige Reservekapazität maximal 2 mb/d beträgt, eher weniger. Auch Shaybah hat ja nicht das gehalten, was man sich von dem Feld versprach. Vor Förderbeginn war von 1 mb/d aus diesem Feld die Rede, danach wurde die Schätzung auf 0,75 mb/d reduziert, tatsächlich wurden aber gerade 0,5 mb/d erreicht.
    Die Saudis haben schon immer den Mund etwas voll genommen.
    Besonders voll genommen haben sie den Mund bezüglich ihrer förderbaren Reserven. Die Reserveerhöhung in den 80er Jahren auf etwa die doppelte Menge mag ja durch den technischen Fortschritt noch in Teilen gerechtfertigt gewesen sein. Nennenswerte Neufunde gibt ja in S.A. schon seit 43 Jahren nicht mehr, so intensiv (man kann auch sagen verzweifelt) man auch suchte.
    Aber dass die Reserven seit der Verdoppelung der Reserveschätzung nie um die aktiuelle Fördermenge reduziert wurde, ist schon ein Witz.
    Allah hat also den Saudis in seiner unendlichen Güte genau die Ölmenge stetig neu geschenkt, die gefördert wurde. Und der Quatsch ist Bestandteil aller scheinbar seriös daherkommenden weltweiten Reserveabschätzungen. Unsere Annahmen über die Reserven sind im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut, zumal ja die anderen Golf-Staaten diesen Rerveschätzungs-Überbietungswetttbewerb ebenfalls mitgemacht haben.

    Da gibt es noch ein böses Erwachen. Vermutlich noch in diesem Jahrzehnt.

  • M.E. - 21. März 2012

    Richtig, kurzdump.
    Jedes Jahr wird fast exakt eine Kubikmeile Öl gefördert, also ein Quader mit 1,6 Kilometer Kantenlänge.
    Oder anders gesagt: der Rauminhalt von 5 Cheops-Pyramiden pro Tag.

    Wahnsinn!

  • Martin - 21. März 2012

    –> Was denkt ihr kommt nach dem Crash ?
    Für mich lautet die Frage: Wie läuft der Crash ab !!

    Hier die Ansicht von Sean Eagan.

    http://www.krisennews.com/2012/01/22/investoren-werden-staaten-keine-kredite-mehr-geben-sean-egan-%E2%80%9Eeuropa-und-usa-sind-nicht-mehr-kreditwurdig/

    Also Inflation ist das Ziel, doch wie schnell?

    • Weltenbrand - 21. März 2012

      @ Martin

      “Europa, die USA und Japan haben durch hemmungsloses Schuldenmachen ihre Bonität verloren.” – Welch eine “Analyse” – dummerweise lässt uns Herr Jones aber nicht wissen, warum die Verschuldung, egal ob “privat” oder “staatlich” weltweit immer mehr aus dem Ruder läuft.

      im Übrigen sind es ja nicht nur die vermeintlichen “Industriestaaten”, sondern auch die allseits “gehypten” “BRIC & Co.” versinken im Schuldensumpf.

      Falls Sie wirklich an echter Erkenntnis interessiert sein sollten:

      http://www.krisis.org/2012/die-krise-kurz-erklaert
      http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php
      http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/MathScharlatanPS.pdf

      • Weltenbrand - 21. März 2012

        @ Martin

        Der letzte Link sollte sein:

        http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/WiderspruchStoffFormPreprint.pdf

        • Holly01 - 22. März 2012

          @ Weltenbrand :
          Wenn Sie in diesem Gedankensystem gefangen sind, das ihre Verlinkung vermuten läßt, dann ist es kein Wunder das sie recht genervt (agressiv) und verständnisslos auf die anderen Beiträge reagieren.
          Defizitkonjunktur ist kein Zwang.
          Kredit treibt nicht die Wirtschaft, sondern Inovation befeuert die Wirtschaftsentwicklung.
          Arbeitslohn ist kein notwendiges Übel, sondern der Preis für einen funtionierenden Konsum und eine zufriedene und leistungsbereite Belegschaft.
          Gerade die soziale Absicherung ist die Absicherung des Konsums, vor der Einschränkung der existenziellen Angst.
          Bismarks Reformen als Ausdruck der deutschen Aufklärung waren keine Allmosen, sondern der Ausdruck von gesamtheitlichem Denken.
          Diese Krise ist Ausdruck von Kleingeistigkeit und Konzentration auf bedrucktes Papier, welches wir Geld nennen.
          Füe die meisten ist Geld existenziell, weil es vor Hunger und Obdachtlosigkeit schützt. Die Kredit betriebe Geldschöpfung ist absurd und nutzt -niemandem-. Die Zinserwartungen erdrücken jedes wirtschaften und enteignet am Ende die Reichen, weil Geld zur Last wird und eine Vernichtung von Geld zwingend notwendig wird.
          Manche mögen es als Gerechtigkeit durch die Hintertür betrachten, aber Reichtum beinhaltet auch die Möglichkeit zur Inovation und Schaffung von Arbeitsplätzen.
          Eine Gesellschaft ohne Reiche hat es ungleich schwerer aus einer Krise herauszukommen.
          Ihre Links stehen für die fundamentale Ansicht “Wachstum sei ein Zwang oder ein Ziel”. Die Welt ist endlich, wir sind endlich und unsere Resourcen sind endlich. Wachstum zu erzielen ist in der Natur nicht vorgesehen.
          Wachstum verzehrt sich am Ende immer selbst. Bei Populationsexplosionen endet Wachstum im Exodus.
          Bei räumlicher Ausdehnung oder Mehrverbrauch an kurzfristigen Recourcen endet das Wachstum immer mit dem Aufzehren der Recource, verbunden mit Verdrängung.
          Hier wird “peak” anything zitiert, aber es gibt immer Inovationen, die Ersatz schaffen oder Verzicht auf gewohntes.
          Erdöl und Kohle als Energieträger sind eine Ursache. Bevölkerungsexplosion ist eine weitere. Hätte man 1972 dem club of Rome besser zugehört, dann hätte man reagieren können. Jetzt muss man sich auf das Verwalten beschränken.
          .
          Just my 5 Cent und natürlich OT, aber es ist der Blog und querschuesse, da wird man entscheiden, ob man es stehen läßt, lesen kann man es an jeder Häuserwand.

  • M.E. - 21. März 2012

    Hallo Martin,
    Inflation (so sie denn überhaupt herbeizuführen ist – die Japaner versuchen es schon seit 20 jahren vergebens) ist letztlich auch keine Lösung.
    Denn um eine wirkliche inflationsgetriebene sukzessive Entschuldung herbeizuführen, brauchte man schon Inflationsraten in der Gesamten Breite (also nicht nur bei einzelnen Assetklassen, wie derzeit) von mehr als 5%. Denn wenn die Neuverschuldungsrate höher ist, als die Inflationsrate, gibt es auch keine allmähliche Entschuldung.
    Eine Iflationsrate größer als 5% würde jedoch sofort die Zinsen in die Höhe treiben, was sich sofort wieder rückkoppelnd erhöhend auf die Neuverschuldungsrate auswirken würde.
    Und da die Schuldzinsen bei den Privat- und Firmenkrediten sich tendenziell nach den Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen richtet (natürlich höherliegend als diese), würde sich sehr schnell eine ernste Krise bei diesen Krediten ergeben.

    Dass man durch Inflation ganz elegant die Staatsverschuldungsproblematik und die Verschuldungsproblematik von Bürgern und Firmen in den Griff kriegen könnte, ist also ein immer wieder (auch durch “Experten”) kolportiertes Gerücht.
    In Deutschland war das 1922/23 anders. Damals konnte sich Deutschland auf Grund der plötzlich eskalierenden Hyperinflation tatsächlich entschulden. Aber dieses ebenfalls extrem verhängnisvolle Szenario ist derzeit in diesem Tempo völlig unrealistisch, zumal die Dimension ja global und nicht nationalstaatlich ist.
    Eine allmählich anziehende Inflation bringt die Zinsbombe zur Zündung, bevor überhaupt ein nennenswerter Entschuldungseffekt erreicht werden konnte.
    Besonders brisant ist dieser Aspekt durch die immer kürzeren durchschnittlichen Laufzeiten von Staats- und Bankanleihen und durch die in manchen Ländern meist flexiblen Kreditzinsen. Die sorgen dafür, dass sich die Zinserhöhungen sehr schnell in große Teile des Anleihen- und Kreditbestandes “durchfressen”.

  • ö.ä. - 21. März 2012

    Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich k….n möchte, wenn ich mir folgende Passagen auf der Zunge zergehen lasse:

    “Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hatte vor wenigen Wochen mitgeteilt, dass er den europäischen Markt für Pflanzenbiotechnologie weitgehend aufgebe. Der Sitz des Tochterunternehmens für grüne Gentechnik werde von Limburgerhof bei Ludwigshafen in die USA verlegt. Zur Begründung hieß es, in weiten Teilen Europas fehle noch immer die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker für die Pflanzenbiotechnologie.

    CDU-Wirtschaftspolitiker Fuchs sagte dazu. es könne nicht sein, dass der Standort Deutschlands durch „Freaks“ zurückgeworfen werde. „Deutschland muss technologiefreundlich bleiben“, betonte er. Daher sei einer der vordringlichsten Aufgaben, ein technologiefreundliches Klima zu erzeugen. Dass müsse schon in der Schule beginnen, sagte Fuchs.”
    [...]
    “Fuchs plädierte überdies mit Blick die Streiks am Frankfurter Flughafen für eine Änderung des Streikrechts. Zwar solle sie die Koalitionsfreiheit gewahrt bleiben. „Aber es kann nicht sein, dass eine radikale Minigewerkschaft einen ganzen Flughafen lahmlegt und dabei Kollateralschäden in anderen Industriezweigen anrichtet“, sagte der CDU-Politiker. „Das hat mit Streikrecht nichts mehr zu tun.“ Die Lufthansa könne auch keine Mitarbeiter aussperren. Daher sei keine Waffengleichheit mehr gegeben. „Das muss geändert werden.“”

    Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/standorte-deutschland-abwanderung-der-gentechnik-alarmiert-union/6356248.html

    Ich habe das Gefühl, dass das Klima hier immer menschenfeindlicher wird. Geht das nur mir so?

    Meinetwegen soll jeder von genetisch veränderten Lebensmitteln halten, was er will, aber jeder sollte sich doch ein eigenes Urteil darüber bilden können und nicht schon in der Schule zum willenlosen Konsumenten erzogen werden.

    Aber auch seine Aussage zu der Gewerkschaft ist bezeichnend, alles was der Wirtschaft entgegen steht oder Kritik äußert, wird als radikal stigmatisiert.

    Zusammen mit den tiefgreifenden Änderungen im Bildungssystem – oder genauer: die Umstellung der Studienabschlüsse an den Hochschulen und Fachhochschulen und die Privilegierung einer kleinen wohlhabenden Schicht durch die Studiengebühren- gewinne ich den Eindruck, dass hier gezielt unbequeme Leute aussortiert werden sollen.

    Geht das nur mir so?

    • dank - 21. März 2012

      OT, aber allerdings heftig:
      Natürlich sollte in Schule, Funk und Fernsehen bereits unsere Kleinsten auf all das eingeschossen werden, dann merkens die gar nicht mehr und reflektieren auch nicht mehr darüber, was sie da zu Essen bekommen. Selbst falls dann mal sie dann durch die lecker Nahrung entweder im Mutterleib oder bereits geschlüpft zu Freaks werden, na dann lieber Herr Fuchs ists ja Ihrer Ansicht auch nicht schlimmer, als jetzt…

      “Aber es kann nicht sein, dass eine radikale Minigewerkschaft einen ganzen Flughafen lahmlegt und dabei Kollateralschäden in anderen Industriezweigen anrichtet“ wie
      Aber es kann nicht sein, dass eine radikale Minigewerkschaft einen ganzen Bahnhof lahmlegt und dabei Kollateralschäden in anderen Industriezweigen anrichtet wie
      Aber es kann nicht sein, dass eine radikale Minigewerkschaft einen ganze Stadt lahmlegt und dabei Kollateralschäden in anderen Industriezweigen anrichtet wie
      Aber es kann nicht sein, dass eine radikale Minigewerkschaft eine ganze Behörde lahmlegt und dabei Kollateralschäden in anderen Industriezweigen anrichtet wie
      Aber es kann nicht sein, dass eine radikale Minigewerkschaft eine ganze Zulieferfirma lahmlegt und dabei Kollateralschäden in anderen Industriezweigen anrichtet

      Wenn X gegen Finanz und Wirtschaft wird es ein solange traktiert bis es ein Y oder ein U oder oder oder wird.
      Das Menschenmaterial hat fügsam zu sein!
      Lohn- und Kreditskalven haben zu arbeiten und nicht zu denken und nebenbei immer wieder aufs Neue ihre Herren zu retten.

      *Sarkasmus aus*
      **
      Wenn “Kunde” A den Kredit nicht mehr zahlen kann, versteigert die Bank B das Haus und gibt “Kunde” C zum Haus gleich noch einen Kredit zur Finanzierung dazu.
      Also zahlen im Optimalfall A noch für ein Haus, das er gar nicht mehr besitzt, und C für eines das er eben gekauft hat… Ist doch schön für die Bank und wenn es ganz gut läuft kann C auch bald nicht mehr und D steigt ins Karussell ein, wenn er ohne entsprechend Eigenkapital das Haus erwirbt.

      Doppelkreditaufnahme (ausgeschöpft) auf ein Haus ist doch verboten? Es kannn doch nicht ein Objekt bei der gleichen Bank doppelt beliehen werden…
      Ah stimmt – nur wenn es um die gleiche Person geht – nicht um die gleiche Bank. ;-)

  • M.F. - 22. März 2012

    Hallo M.E.,

    in UK und USA beträgt die Inflationsrate ca. 3%. Welche wäre denn noch tragbar? Und wie lange geht es, bis der Nominalzins explodiert?

    Kannst du historische Beispiele für diesen steigenden Nominalzins und dessen Dynamik in einer hochverschuldeten Gesellschaft/Welt nennen?

    Gruß,
    Matthias

  • M.E. - 22. März 2012

    Hallo M.F.,
    nein, ich kann weder Tragbarkeitsgrenzen nennen (sind sowieso gleitende Übergänge von tragbar zu nicht tragbar), noch konkrete historische Beispiele, wobei natürlich in den historischen Charts der Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Zinsniveau schon eindeutig nachzuvollziehen ist. Natürlich gibt es keine völlig starre Koppelung.

    Bei einer Inflationsrate z..B. von 8% (welche ja auf den ersten Blick geeignet wäre, eine allmähliche Entschuldungswirkung zu erzeugen), könnten natürlich die Bondzinsen nicht um 2% liegen. Negative Realzinsen von 6% würde kein Investor akzeptieren.
    Also müsste dann das durchschnittliche Zinsniveau schon bei 6 bis 7% liegen, was ja real immer noch negativ wäre, was ein positives Sentiment gegenüber Bonds vorraussetzt.

    Bei einer Verschuldung von 100% des BIP würden als 6 bis 7% ves BIP nur für die Zinsen der Staatsverschuldung aufzuwenden sein.
    Gehen wior von einer Steuer- und Abgabenquote von 33% aus, wären also 18 bis 21% der Staatseinnahmen nur für die Zinsen zu verwenden. Bei 120…140% Verschuldungsgrad, den etliche Länder in ca 3 Jahren erreicht haben werden, wären dann schon fast 30% der Steuereinnahmen nur für die Zinsen zu verwenden.
    Völlig illusorisch.

    Genau so bei den Hypotheken. Eine Inflationsrate von 8% bedeutet etwa einen durchschnittlichen Hypothekenzins von 11…12%.
    Heute liegen ja die Hypothekenzinsen in manchen Ländern nur bei 4…4,5%. Eine annähenrde Verdreifachung der Zinslast würden die meisten Hypothekenschuldner nicht mehr stemmen können, selbst wenn inflationsbedingt die Einkommen um 6…8% steigen würden. Nur würde dieses Mehr an Verdinst ja durch die allgemeine Preissteigerung aufgefressen. Es würde zu Massenprivatinsolvenzen kommen.

  • M.F. - 22. März 2012

    Was du sagst, ist ja alles theoretisch schlüssig, aber es passiert ja (noch!) nicht.

    1.
    Das Superverschuldete Island hat zur Zeit eine Inflationsrate von 6,3%.
    Ungarn 5,5 %.

    In keinem der beiden Ländern kam es (ausgelöst durch die anziehende Inflationsrate) bisher zu stark steigenden Privatinsolvenzen oder riesigem Staatsdefizit.

    Darf ich daraus schließen, dass man eine Inflation von ca. 5% tatsächlich stämmen könnte (wenn das selbst Island noch kann?!) – oder dauert es nur länger, bis die negativen Konsequenzen dieser 5% in Erscheinung treten?

    2.
    Könnte man nicht folgendes machen:

    moderate Inflation 5%-10% p.a., 0% Neuverschuldung (z.B. durch Zwangsabgaben auf das Vermögen), Konten einfrieren; [+staatliche Unterstützung für private Schuldner zur Vorbeugung von Masseninsolvenzen, ebenfalls finanziert durch Zwangsabgaben]; das Ganze in allen Industriestaaten der Welt

    Könnte das nicht noch funktionieren?

  • M.E. - 22. März 2012

    Zwangsabgaben auf Vermögen (entsprechend dem New Deal von Roosevelt mit einem Spitzensteuersatz von über 90% für wirklich Reiche) könnte tatsächlich das Problem der Staatsverschuldung nachhaltig lösen.
    Nur werden dummerweise z.B. in UK und anderen Ländern die Spitzensteuersätze weiter verringert. Und die Republikaner fordern das ja auch für die USA, obwohl die Steuerquote dort eine der Geringsten OECD-weit ist.
    Der Trend geht also genau in die falsche, verhängnisvolle Richtung.

    Die Zinssituation in Island ist mir nicht bekannt. 5% Inflation ist wahrscheinlich für Staaten mit weniger als 100% Staatsverschuldungsgrad noch gut verkraftbar.

    Aber UK und Japan mit jeweils 500% gesamtgesellschaftlichen Verschuldungsgrad wären mit Zinsen im Durchschnitt von 5% (historisch noch eher niedrig) wohl schon hoffnungslos überfordert. Selbst Frankreich mit knapp 400% Verschuldungsgrad würde kaum noch 5% Durschnittszinssatz für Anleihen und Kredite aushalten.

  • johaupt - 26. März 2012

    @Weltenbrand

    Angenommen das mit dem abiotischen Öl würde stimmen, dann wäre das eine Katastrophe! Warum? Nun wenn Öl aus Biomasse entsteht, können wir mit dem ausgestossenen CO2 die Athmosphäre maximal wieder auf den Stand bringen, auf dem sie zur Algenblüte war. Mit anderen Worten: noch nicht komplett lebensfeindlich.

    Käme der Kohlenstoff woanders her, können wir das mit dem Treibhaus (so man zumindest diese These aktzeptiert) bis zum unwiederbringlichen Ende treiben.

    Andererseits hört man recht selten, dass Ölfelder sich plötzlich wieder gefüllt hätten, während aber der Verbrauch dank aufsteigenden Schwellenländern eher nach oben geht. Also: Peak Oil auf jeden Fall, so oder so.

    Aber vielleicht kommt die revolutionäre Änderung aus einer anderen Richtung:
    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36635/1.html
    Die Zeichen verdichten sich zunehmend, dass die Sache doch kein Humbug ist, siehe NASA-Link.