Spanien: Kapital bleibt flüchtig

von am 31. Juli 2012 in Allgemein

Laut den heutigen Daten der Banco de España (spanische Zentralbank) zur monatlichen Zahlungsbilanz Spaniens (Leistungsbilanz+Kapitalbilanz) kam es auch im Mai 2012 im Financial Account (Kapitalverkehrsbilanz) zu einem privaten Kapitalabfluss, diesmal von -41,294 Mrd. Euro. Kumuliert wurden in den ersten fünf Monaten 2012 von internationalen Investoren und von Spaniern satte -164,972 Mrd. Euro ins “sichere” Ausland verbracht. Bemerkenswert, in den ersten fünf Monaten 21012 war der Kapitalabfluss mit -164,972 Mrd. Euro bereits mehr als doppelt so hoch, wie im bisher miesesten Gesamtjahr 2011 mit einem privaten Kapitalabfluss von -75,307 Mrd. Euro. Damit erlebt Spanien eine Kapitalflucht von historischem Ausmaß.

Die private Kapitalflucht  verdeutlicht die Zahlungsbilanzkrise, ausgehend von einem Leistungsbilanzdefizit gekoppelt mit privaten Kapitalabflüssen und nur noch notdürftig mit Zentralbankgeld von der spanischen Zentralbank gekittet:

Die Entwicklung der monatlichen privaten Nettokapitalzuflüsse und -abflüsse seit Januar 1990 bis Mai 2012 im Chart. Im Mai 2012 kam es zu einem erneuten privaten Kapitalabfluss von -41,294 Mrd. Euro. Von Januar bis Mai 2012 waren es bereits -164,972 Mrd. Euro, nach noch +145,985 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Einen weiteren Hinweis auch auf Kapitalflucht liefert der anhaltende Schwund der privaten Kundeneinlagen bei den spanischen Banken. Laut den aktuellen Daten der EZB zur aggregierten Bilanz der spanischen Monetary Financial Institutions (MFIs), ohne die Banco de España (Zentralbank), schrumpften auch im Juni 2012 die Einlagen im spanischen Bankensystem des Privatsektors (Unternehmen und private Haushalte). Der Einlagenschwund der heimischen Unternehmen und der privaten Haushalte lag allerdings bei moderateren -9,600 Mrd. Euro:

Die Entwicklung der Einlagen des heimischen Privatsektors (Unternehmen und private Haushalte) im spanischen Bankensystem, ohne Banco de España, seit Januar 1999 bis Juni 2012 jeweils in Mrd. Euro zum Vormonat. Im Juni sanken die privaten Bankeinlagen um -9,600 Mrd. Euro, nach -31,700 Mrd. Euro im Mai, auf 1,5833 Billionen Euro. Seit dem Hoch, übrigens der Vorjahresmonat Juni 2011 sind die Bankeinlagen des Privatsektors um -158,1 Mrd. Euro bzw. um -9,08% geschrumpft.

Das Chartbild der Einlagen des Privatsektors bei den spanischen Banken in Prozent zum Vorjahresmonat ist höchst interessant:

Die Entwicklung der Einlagen des heimischen Privatsektors (Unternehmen und private Haushalte) im spanischen Bankensystem, ohne Banco de España, seit Januar 1999 bis Juni 2012 jeweils in Prozent zum Vorjahresmonat. Im Juni 2012 sanken die privaten Bankeinlagen um die Rekordrate von -9,1% zum Vorjahresmonat.

Dieser Chart weist auf einen simplen Zusammenhang hin. Die Kredite der Einen sind die wachsenden Vermögen der Anderen und damit auch deren Guthaben (Einlagen). Kreditwachstum führt immer zum Wachstum auch der Bankeinlagen, so wie auch Kreditkontraktion zur Schrumpfung von Bankeinlagen führt. Nicht von ungefähr ähnelt der Chart mit den Einlagen des Privatsektors in Prozent zum Vorjahresmonat, dem des ausstehenden Kreditvolumens des Privatsektors in Prozent zum Vorjahresmonat:

Die Entwicklung des ausstehenden Kreditvolumens des spanischen Bankensektors an den Privatsektor (Unternehmen und private Haushalte) in Prozent zum Vorjahresmonat. Im Mai 2012 sank das ausstehende Kreditvolumen des Privatsektors um eine Rekordrate von -3,8% zum Vorjahresmonat. Der Trend der Kreditexpansion/kontraktion ähnelt dem bei den Bankeinlagen, die Differenz ist Kapitalflucht (private Kapitalabflüsse/zuflüsse).

Es dürfte also schon aus trivialen arithmetischen Gründen einer Quadratur des Kreises gleichen die spanische Volkswirtschaft zu gesunden, denn die Ausgaben des einen Wirtschaftssektors sind die Einnahmen der anderen Sektoren. Spart also der Staat, nehmen private Haushalte und Unternehmen weniger ein. Sparen auch noch die privaten Haushalte und die nichtfinanziellen Unternehmen ist die Abwärtsspirale gesichert, zumal wenn gleichzeitig auch noch die finanziellen Unternehmen (Bankensektor) versuchen ihre Bilanzen zu bereinigen und über allem BIP- und Kreditkontraktion steht. In so einem Strudel kann nur die wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen kommen, die Arbeitslosigkeit explodieren, die Kreditausfälle sich maximieren und die Vermögenden schaffen die freibeweglichen Vermögenswerte ins Ausland. Ein perfekter Sturm, dessen negativ wirkende Rückkopplungsschleife ungebrochen wirkt!

Quelle Daten: Bde.es/Datenbank Zahlungsbilanz, Ecb.eu/Aggregated balance sheet of euro area monetary financial institutions, excluding the Eurosystem: Spain

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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