Spanien: Land unter bei den PKW-Neuzulassungen

von am 3. Mai 2012 in Allgemein

Wie der spanische Automobilherstellerverband ANFAC mitteilte, sanken in Spanien die PKW-Neuzulassungen im April um weitere relevante -21,7% zum bereits sehr schwachen Vorjahresmonat, auf 56’250 PKWs. Der April 2012 war der schwächste April seit 1986! Kumuliert man die ersten 4 Monate 2012 wurden 260’369 PKWs neu zugelassen, das mieseste Ergebnis seit 1993!

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen in Spanien jeweils im April seit 1985 im Chart. Zum Aprilhoch 2005 mit 133’398 neu zugelassenen PKWs betrug der Einbruch bis April 2012 mit 56’250 PKWs kräftige -57,83%.

Selbst im Langfristchart mit allen monatlichen Neuzulassungen seit Januar 1970 wird das miese Niveau deutlich, obwohl der April durchaus ein saisonal starker Monat ist:

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen in Spanien seit Januar 1970 bis April 2012 im Chart. Im April 2012 ging es um -21,7% zum Vorjahresmonat abwärts (-4,5% im März), auf 56’250 PKWs. Der langfristige Durchschnitt von Januar 1990 bis Dezember 2007 betrug 102’745 PKWs. Im April 2012 lagen die PKW-Neuzulassungen um -45,25% unter dem langfristigen Durchschnitt.

Die spanischen PKW-Neuzulassungen im April 2012 verbergen noch eine desaströse Entwicklung, denn die privaten Neuzulassungen sanken nun bereits den 22. Monat in Folge im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im April 2012 ging es um weitere -16,6% zum Vorjahresmonat auf 24’338 neu zugelassene PKWs abwärts. Die gewerblichen Neuzulassungen ohne Autovermietungen sanken um -1,7% zum Vorjahresmonat auf 20’736 PKWs. Die Neuzulassungen bei den Autovermietungen erlebten einen ersten herben Einbruch, um -48,1% zum Vorjahresmonat ging es abwärts, nach noch +15,9% im März, auf 11’176 neu zugelassene PKWs.

Die Daten zu den PKW-Neuzulassungen sind Zeichen einer gnadenlosen Depression.

Auch die deutschen Autohersteller mussten im April 2012, wie bereits in Italien, so auch in Spanien kräftig Federn lassen, so sanken die Neuzulassungen von Audi um -0,7%, von BMW um -34,1% , von Mercedes um -33,5%, von VW um -35,9% und von Porsche um -15,6%! Besonders für die Spanier belastend, der herbe Einbruch bei den Neuzulassungen von Seat mit -33,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Nach Angaben des spanischen Automobilherstellerverbandes sanken die spanischen PKW-Exporte im 1. Quartal 2012 bereits um -20% zum Vorjahresquartal und angesichts des auch sehr schwachen Binnenmarktes für Seat, sieht es für die heimische Produktion düster aus!

Diese extrem schwachen PKW-Neuzulassungen in Spanien treffen auf eine völlig überalterte PKW-Flotte. Bei anhaltenden schwachen Neuzulassungen sind in weniger als zwei Jahren 50% aller zugelassenen PKWs in Spanien über 10 Jahre alt. Dies ist auch in Hinblick auf Umwelt und Kraftstoffverbrauch eine miese Bilanz, denn noch 40% aller PKWs in Spanien erfüllen nicht mal die Euro 3 Norm.

Das abgelaufene Jahr 2011 markierte mit insgesamt 808’059 neu zugelassenen PKWs das schwächste Jahr seit 1993! Das Rekordjahr war 2006 mit 1,634608 Millionen PKW-Neuzulassungen! Kumuliert man die ersten 4 Monate 2012 liegen die Neuzulassungen von PKWs nochmals um -7,0% unter dem sehr schwachen Niveau des Vorjahres 2011!

Quelle Daten: Anfac.com/Presseportal

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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20 KommentareKommentieren

  • peterb - 3. Mai 2012

    Überall das gleiche Bild.
    Und das ist tiefschwarz und grottenschlecht.
    Und Deutschland?
    In Deutschland sind die meisten Verkäufe Tageszulassungen der Händler – oder täusche ich mich? Was die gehobene Mittelklasse und Oberklasse anbelangt, sollen 60% Firmenwagen sein. Autos, letztlich die Mitarbeiter des Unternehmens bezahlen.Ach ja, Opel und Ford geht es nicht gut….

    Die Zukunft der Automobilindustrie? Warum Milliardeninvestitionen in neue Antriebsmodelle? Warum sattelt man nicht um? Pferde und Esel vermehren sich von alleine und das Gras auf der Weide wächst umsonst. Und man ist dazu völlig ölunabhängig!

    Sarkasmus off.

    • HaPennyBacon - 3. Mai 2012

      Pferde und Esel sind extrem servicelastig um es mal salopp zu sagen. Die Zersiedelung des Landes dürfte mittlerweile solch langsame Fortbewegungsformen auch nicht gerade fördern.
      Das mit den Tageszulassungen ist soweit richtig. Hier der Link für das 1. Quartal in Deutschland:
      http://www.kfzgewerbe.de/presse/aktuelle-meldungen/pressemeldungen/kfz-gewerbe-ueberhitzter-neuwagen-wettbewerb.html
      Keine Ahnung ob sich da groß was geändert hat. Bei meiner letzten Vorbeifahrt an so einem Platz mit den TZ-Karren waren es aber weniger und es schien mir das die Oberklasse dort nicht mehr so stark vertreten war. Es handelte sich dabei um BMW und Mini, also nicht die Billigheimer aus Rüsselsheim oder Köln. Aber es sagt schon einiges aus wenn Opel und Ford Kurzarbeit haben bzw. planen sowie die Zulieferer wie z.B. Reifenfabriken auch in Kurzarbeit sind. Die Krise von 2008 fing ja auch schon ein Jahr früher an wenn man sich die Statistiken anschaut. Somit hat der Konjunkturflieger in Deutschland wohl auch zum Sturzflug angesetzt.

      • peterb - 3. Mai 2012

        “Pferde und Esel sind extrem servicelastig um es mal salopp zu sagen”

        Das schafft jede Menge Arbeitsplätze ….

        • leslie - 3. Mai 2012

          ”Pferde”

          Und schmecken tun sie auch noch.

          Mfg

          • Querschuss - 3. Mai 2012

            Hallo Leslie,
            ich empfinde solche Kommentare wie u.a. diesen eher als Ärgernis. Geht es ein wenig näher am Thema?

            Gruß Steffen

  • Eric B. - 3. Mai 2012

    Spanien ist wegen der Bankenkrise und der explodierenden Arbeitslosigkeit zum größten Sorgenkind der Eurozone geworden – genau deshalb dürfte die EZB bei ihrer Sitzung in Barcelona heute jede Entscheidung vertagt haben.

    Schließlich legen Draghi & Co. ja größten Wert auf ihre Unabhängigkeit, was in der Praxis bedeutet, genau da und dann nichts zu tun, wo es am dringendsten benötigt wird. Hätten sie den Leitzins jetzt gesenkt oder neue Notmaßnahmen beschlossen, wäre dies als politische Unterstützung für die konservative Regierung Rajoy gewertet worden, vielleicht sogar als Zeichen für eine aktivere Rolle der EZB in der Krise.

    http://lostineurope.posterous.com/die-ezb-wird-zum-problem

  • M.E. - 3. Mai 2012

    Alles Andere hätte mich auch stark gewundert…

  • Canpichurri - 3. Mai 2012

    Noch ein paar mehr Daten zu der Mobilität in Spanien:
    Nach den letzten internen Schätzungen des span. Automobilverbandes liegen etwa 4 Mio Autos in Spanien “brach”. Entweder kann sich der Besitzer kein Benzin mehr leisten, die Reperatur nicht bezahlen, nicht mehr durch den TÜV kommt oder simpel und einfach keine neuen Reifen (da die alten kaputt oder abgefahren sind) draufziehen kann.
    Einzig und allein die Tourismusindustrie – wie hier schon mehrfach richtig angemerkt wurde – zieht noch Investionen an. Alles andere wird auf 100%-Austerität gefahren. Wie sollen dann die Bürger noch Geld für ein neues Auto haben, wenn ihnen schon die Butter morgens auf dem Brot fehlt.
    Gestern abend lief im spanischen Fernsehen ein “aktueller Bericht” über Kosten, die die Bürger zu stemmen haben. Da Zuzahlungen zu gesundheitlichen Behandlungen jetzt enorm gestiegen sind, werden Operationen, Zahnregulierungen und ähnliches hinausgezögert oder gleich ganz gestrichen. Mit dem Effekt, dass es später nur noch teurer kommt.
    In Spanien ist es bald zappenduster und wir haben Glück, dass dieses Jahr EM und Olympia ist, denn dann bekommt das so keiner richtig mit … Ab August wird´s richtig heiss in Spanien und ich meine damit nicht das Wetter.

    • Andres Müller - 3. Mai 2012

      “liegen etwa 4 Mio Autos in Spanien “brach”.” Sofern es sich um PKW handelt bei diesen Zahlen, so würde jedes 5te Auto in Spanien nun stehen bleiben. Wie ich unten aber bereits angetönt habe, liegt Spanien mit seiner PKW-Dichte pro Einwohner noch vor den USA. Auch den Spaniern ist zu empfehlen vermehrt den öffentlichen Verkehr einzusetzen, denn in Anbetracht des Rohstoffverbrauchs sind die Spanier hinter den völlig verrückten Italienern im tiefroten Bereich.

  • Martin - 3. Mai 2012

    Also mal ehrlich. Im Süden halten Autos doch ewig. Kein Salz, kaum Schnee, in Wahrheit hält dort ein modernes Auto bei 10.000 km pro Jahr locker 20 Jahre.

    Keine Mensch braucht ständig neue Autos, das ist purer Luxus, auf den man eben verzichtet, wenn man kein Geld mehr übrig hat.

    Blöd natürlich für die Automobilindustrie. Die lebt zum größten Teil von Menschen, die glauben, es verstoße gegen die Menschenwürde, wenn man sein Auto länger als zwei Jahre fahren muss. Die glauben, 200 PS seien ein Menschenrecht und Gott habe angeordnet, dass Autos mit jedem Modellwechsel 5 cm länger, 3 cm breiter und 50 kg schwerer werden.

    • Michael S. - 3. Mai 2012

      “…Gott habe angeordnet, dass Autos mit jedem Modellwechsel 5 cm länger, 3 cm breiter und 50 kg schwerer werden.”

      Wie heißt das in den USA so schön: „Just doing God’s work”

      Gruß Michael S.

    • Canpichurri - 3. Mai 2012

      ZITAT: Im Süden halten Autos doch ewig. Kein Salz, kaum Schnee …
      Falsch! Erstens gibt es schon Salz (an der Meeresküste nämlich und auch im Winter wird in Spanien “gestreut”) und in einigen Gebieten fällt schon Schnee (vielleicht nicht an der Costa del Sol). In D denkt man beim Wort Spanien immer an Sonne, Wärme, Sangria, Fiesta und Siesta … aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Ganzen. Wer sich mal die Mühe macht und im Winter nach Spanien kommt, wird überrascht sein wie kalt und weiss es dort werden kann. Übrigens: Am 2. Mai diesen Jahres schneite es in verschiedenen nördlichen Gebieten von Spanien ab einer Höhe von 900 m ü N.N. – wenn man bedenkt, dass Madrid z.B. auf einer Höhe von 670 m ü N.N. liegt, ein Bereich wo verschiedene Städte im Zentrum und im Norden liegen.

      Die Fahrzeuge sind ja nicht nur durchgerostet, sondern ob ihres Alters einfach “verbraucht”, daher neigen sie zu altersbedingten Ausfällen. Ein Umstand, der im autobegeisterten D wohl kaum vorkommen sollte.

  • Michael S. - 3. Mai 2012

    Für die interessierten Leser, wie es dem nun spanischen Hochtief so geht:

    http://mobil.wiwo.de/;mtpg=1/aufmacher/6527770

    Monopoly, Immoblasen, Bakschisch…

    Gruß Michael S.

  • snozin - 3. Mai 2012

    Verdammt. Fahr Europa, fahr! Fahr wenigstens bis zur nächsten Ecke.

    Mein Vorschlag: Bezahl zwei, nimm drei. Bei den Hemden aus Erdöl geht´s doch auch.

    Wie sieht´s aus bei neu zugelassenen Eseln?

    • Michael S. - 3. Mai 2012

      Das hängt immer davon ab, ob die FDP die 5-Prozent-Hürde schafft

  • Andres Müller - 3. Mai 2012

    Schlimme Sache, diese Entwicklung. Bei aller Panik darf man aber nicht vergessen dass die Spanier noch immer 5 mal mehr PKW und ebenso viel mehr an Nutzfahrzeugen in Betrieb gesetzt halten als China (Stand 2010).
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftszahlen_zum_Automobil#Nach_L.C3.A4ndern_2

    Fragt sich nun ob der Nachholbedarf der Chinesen nicht gerechtfertigter ist als bei den Spaniern.
    Die Wikipedia Tabelle mit den Ländern mit dem grössten Länder -Automobilbestand ist noch aus einem ganz anderen Grund bemerkenswert, es zeigt nämlich auf dass die Spanier an der Weltspitze (Platz 11) mithalten und dass ein Einbruch in diesem Land, sowie Italien (Platz5 !) und Griechenland für die Fahrzeugindustrie sehr schmerzlich sein wird. Ebenso wird aus der Tabelle sichtbar wie ungleich der PKW “Reichtum” auf der Welt verteilt ist. Siehe unten die Tabelle PKW-Dichte. Hier stellt es sich heraus dass in Spanien mehr Personen ein Fahrzeug haben als in den USA und das Italien hier durchaus etwas abspecken sollte (zugunsten des öffentlichen Verkehrs).

  • schnauzevoll - 3. Mai 2012

    Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Irland, Enland …das war’s. Eine Rettung wäre JETZT noch möglich, aber politisch UNMÖGLICH durchzusetzen. Zu sehr sind die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft verfilzt. Da kann man nur noch herausschneiden und das wird keiner tun. Lafontaine wollte schon in den 90er Jahren eine strenge Regulierung der Finanzmärkte. Wurde daher als gefährlichster Mann Europas gehandelt.

    Aber so oder so. Der Deutsche wird zu 60% an den kommenden Sonntagen wieder die Architekten der Krise wählen und eine große Pest…äh…Koalition ermöglichen. Vielleicht sogar eine Ampel, denn die Grünen *schüttel* haben bei der Wahl Ihrer Partner ja jegliche Hemmnisse verloren. Auf der anderen Seite, wer will schon Löhrmann…widerlich.

  • Bernd Rickert - 3. Mai 2012

    Die Stahlproduktion in Deutschland ist schon seit letztem Herbst rückläufig, hatte ich irgendwo aufgeschnappt.

    • Querschuss - 3. Mai 2012

      Hallo Bernd Rickert,
      ist nicht ganz richtig, sie hat sich seit Januar erholt und markierte im März immerhin 3,900 Millionen Tonnen. In China wurde im März 2012 mit 61,581 Millionen Tonnen sogar ein neues Allzeithoch markiert.

      Gruß Steffen

  • Joaquin - 4. Mai 2012

    Dieses Bild wird sicherlich ein Indiz dafür, wie sich das Kaufverhalten auf allen Gütern auswirken wird. Aber PKW’s sind aufgrund ihres hohen Anschaffungspreises natürlich eines der ersten Dinge, auf die vorsorglich verzichtet wird, wenn das Geld knapp wird.