Spanien: miese Einzelhandelsumsätze

von am 30. August 2011 in Allgemein

Gestern veröffentlichte das spanische Statistikamt INE die Daten zu den spanischen Einzelhandelsumsätzen im Juli 2011. Nominal sanken sie um -3,9% zum Vorjahresmonat und real (preisbereinigt) um kräftige -6,0%. Diese Daten sind weiter Beleg für ein Desaster, sinkende reale Arbeitnehmerentgelte, zuletzt in Q2 2011 mit -3,9% zum Vorjahresquartal führen auch zu einer anhaltenden Kontraktion der Umsätze im Einzelhandel und damit letztlich zu weiteren Steuerausfällen des Staates aus sinkenden Lohnsteuer- und Umsatzsteuereinnahmen. Nach den heute von Eurostat aktualisierten Daten, zu den realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätzen für Spanien, wurde im Juli 2011 der zweitmieseste Umsatz seit Januar 2000 generiert, nur der Vormonat Juni 2011 war noch etwas schlechter.


Die Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 1995 bis Juli 2011. Im Juli 2011 stiegen die realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze um +0,02% zum Vormonat, auf 85,73 Indexpunkte, nach 85,71 Indexpunkten im Juni 2011. Mehr als ein Jahrzehnt reales Umsatzwachstum beim Einzelhandel wurde seit der Wirtschafts- und Finanzkrise und im Zuge der spanischen Austeritätsmaßnahmen ausgelöscht! Seit dem Hoch im März 2007 mit 107,32 Indexpunkten ging es um reale -20,12% abwärts!

Die realen Umsätze im spanischen Einzelhandel und seiner Subsektoren im Juli 2011 im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Betrachtet man die lange Datenreihe der realen Einzelhandelsumsätze wird deutlich, Spanien wandelt Schritt für Schritt im Griechenland-Style! Nicht mal eine temporäre Gegenbewegung im Abwärtstrend wurde bisher ausgebildet.

Am Freitag berichtete INE in der zweiten Schätzung zum BIP auch detailliertere Daten. Das reale BIP wuchs im 2. Quartal 2011 um +0,2% zum Vorquartal und um +0,7% zum Vorjahresquartal. Die Summe der realen Arbeitnehmerentgelte sank allerdings weiter, diesmal um -3,9% zum Vorjahresquartal:

Die Entwicklung der Summe der realen (preisbereinigt um den offiziellen spanischen CPI) Arbeitnehmerentgelte in Prozent zum Vorjahresquartal. Seit zehn Quartalen sinkt die Gesamtsumme aller realer Arbeitnehmerentgelte und damit die breiten Masseneinkommen, in Q2 2011 um -3,9% zum Vorjahresquartal. Sogar nominal sinken die Arbeitnehmerentgelte, ebenfalls seit 10 Quartalen, in Q2 2011 um -0,54% zum Vorjahresquartal auf 131,443 Mrd. Euro. Die Summe aller Arbeitnehmerentgelte entspricht nur mageren 47,2% des nominalen BIPs in Q2 2011.

Auch strukturell hat sich in Spanien nicht wirklich etwas zum Positiven gewendet, wie die Enstehungsrechnung des BIPs dokumentiert, denn die Bruttowertschöpfung der Industrie (Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe) betrug in Q2 saisonbereinigte 32,293 Mrd. Euro und damit nur schlaffe 11,87% des saisonbereinigten nominalen BIPs:

Die Entwicklung der Bruttowertschöpfung (Produktionswert-Vorleistungen) der spanischen Industrie im Verhältnis zum nominalen BIP seit Q1 1995 im Chart.

Jegliche Lösung einer Schuldenkrise ohne Ankurbelung der industriellen Wertschöpfung (schlüssig bei einem Handelsbilanzdefizit und einer unterentwickelten Industrie in den PIGS-Staaten) und vor allem ohne steigende Einkommen ist zum Scheitern verurteilt. Austerität und damit Sparmaßnahmen die zu Lasten des Wirtschaftswachstums gehen, gepaart mit Einbußen bei den Masseneinkommen und einer lockeren Geldpolitik, die einseitig den Hebel auf den Erhalt eines abgewirtschafteten Banken- und Finanzsystems setzt, erzielen bestenfalls noch einen weiteren Zeitgewinn, generieren aber weder Nachhaltigkeit noch den Ansatz einer Lösung.

Reloaded: Spanien weiter enorm unter Druck

Quelle Daten: Ine.es/PDF Einzelhandelsumsätze Juli 2011, Ine.es/Datenbank Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de 

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