Spanien: negativer Target2 Saldo zieht im Februar um 20,956 Mrd. Euro an

von am 14. März 2012 in Allgemein

Ebenfalls heute berichtete die spanische Zentralbank Banco de Espana mit den Daten Financing in the Eurosystem (February 2012) auch die Target2 Position der spanischen Zentralbank gegenüber dem Eurosystem, als Average of Daily Data für Februar 2012 und mit einer langen Datenreihe. Auch der negative Target2 Saldo der spanischen Zentralbank weitete sich im Februar 2012 deutlich aus, auf -196,896 Mrd. Euro, nach -175,940 Mrd. Euro im Vormonat.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der spanischen nationalen Zentralbank seit Januar 1999 bis Februar 2012 als monatlicher Tagesdurchschnitt im Chart. Im Januar 2012 stieg der Target2 Saldo um 20,956 Mrd. Euro auf -196,896 Mrd. Euro.

Die anhaltende Dynamik, auch beim spanischen negativen Target2 Saldo, steht für die sich Monat für Monat hochschaukelnden Verwerfungen in der Eurozone und die ungebrochene Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGSBF finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten ausgleichen muss. Damit maximiert sich der Risikotransfer von Privaten (vor allem Banken) hin zu den Zentralbanken und damit in die öffentlichen Hände. Sehr wahrscheinlich wird die Liquiditätsflutung des Bankensystems per LTRO2-Injektion, die Kapitalflucht innerhalb der Eurozone weiter anfeuern und damit statt zu einer Stabilisierung direkt in einer Destabilisierung der Eurozone münden.

Ein negativer Target2 Saldo ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit, das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss, dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die Salden entstehen aus dem Target2 Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem mit welchem der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr, an dem alle nationalen Zentralbanken des Eurosystems und alle relevanten Kreditinstitute angeschlossen sind, abgewickelt wird. Die Zahlungen werden ausschließlich in Zentralbankgeld abgewickelt, somit zeigen Target2-Salden die Verteilung von Zentralbankgeld innerhalb des Eurosystems an, nach den grenzüberschreitenden Transaktionen im Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem. Fließt Banken eines Landes durch grenzüberschreitende Transaktionen mehr Zentralbankgeld ab als zu, entsteht bei diesen Banken ein Bedarf an Zentralbankgeld, der durch geldpolitische Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems gestillt wird.

Mit dem Target2 Zahlungssystem insgesamt wurden laut EZB 2010 täglich grenzüberschreitende Zahlungen in einem durchschnittlichen Volumen von 2,299 Billionen Euro getätigt, ausgelöst durch täglich durchschnittliche 343’380 Zahlungsaufträge. 65% aller Zahlungen über Target2 hatten einen Wert von weniger als 50’000 Euro und 11% von mehr als 1 Million.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bde.es/PDF BALANCE SHEET OF THE BANCO DE ESPAÑA/ zweite Tabelle 8.1b

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

38 KommentareKommentieren

  • Roland - 15. März 2012

    Die nachdenkseiten verweisen am 14.3. unter Ziff.6 auf einen hervorragenden Artikel von Phillip Johann König im Handelsblatt vom 12.3. zu target 2.
    Absolut Lesenswert !

    Zur Ergänzung:
    Dass die Risiken von den Geschäftsbanken jetzt via Zentralbanken auf die Steuerzahler verlagert werden, ist kurz gegriffen.
    Wir sehen doch die ganze Zeit, dass Geschäftsbanken, die in Schwierigkeiten geraten, immer von den Steuerzahlern “gerettet” werden”. Also nichts neues durch target 2.

    • Querschuss - 15. März 2012

      Hallo Roland,
      “auf einen hervorragenden Artikel von Phillip Johann König im Handelsblatt”…Sehe ich anders, nichts Hervorragendes! Letztlich in der Sache kein Widerspruch zu dem was hier geschrieben wurde, nur jede Menge kleine akademische Schlenker um Target2 zu relativieren. Übel stoßen gleich mal die Eingangssätze auf “Die öffentliche Diskussion über die Ungleichgewichte im Target2-Zahlungssystem ist von vielen Missverständnissen, Halbwahrheiten und Irrtümern geprägt. Zeit für etwas mehr Klarheit in der Debatte.” ……Halbwahrheiten und Irrtümer sind in einer “Debatte” natürlich immer bei den anderen zu verorten, man selber leistet einen Beitrag zur Klarheit!

      “Ferner steht Sinns Lieblingsvorschlag, das T2-System zu beschränken, in Widerspruch zu seinen Warnungen vor möglichen hohen Kosten für den deutschen Steuerzahler. Würde sein Vorschlag umgesetzt, wäre dies das Aus für die Währungsunion. Und gerade in so einem Fall würden sich etwaige Risiken in den Bilanzen der Notenbanken materialisieren.” ….Beschränkungen bei Taget2 Salden würden nicht etwaige Risiken in den Bilanzen der Notenbanken materialisieren, sondern sie begrenzen. Materialisieren tun sich die Risiken bei einem Zusammenbruch der Eurozone bzw. dem Austritt einzelner Länder und genau da steuert man drauf zu.

      “Es gibt keine „TARGET-Kredite“ wie Sinn das nennt.” …Letztlich irrelevante Wortspielereien, wie man es nennt, es zeigt eben die Verteilung von Zentralbankgeld innerhalb der Eurozone an, sind eine genaue Meßgröße, die die geldpolitischen Geschäfte der Zentralbanken widerspiegelt, also zeigt welches nationale Bankensystem wieviel Zentralbankgeld ziehen musste, aus dem Fakt heraus seine Zahlungsaufträge im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr erfüllen zu können.

      Auf unscharfen Formulierungen bzw. so verstandenen rumzureiten ändert nichts am Grundsätzlichen.

      “Sinn nennt das „Geld drucken“. Sinns Terminologie ist unpassend und die negative Konnotation erschwert das Verständnis des tatsächlichen Vorgangs”. ……..Wie man es nennt ist sekundär, letztlich schreibt auch König: “Die Kreditvergabe des gesamten Eurosystems verlagert sich hin zu Banken in Krisenländern.” …….genau darum geht es und dies erhöht die Risiken für die EZB. Nur er macht dann einen schweren Fehler: “Nach wie vor wird Geld nicht einfach „gedruckt“, sondern es wird Buchgeld gegen Sicherheiten verliehen.” ……….Die Anforderungen für Sicherheiten wurden stetig verwässert. Für die Dimension von LTRO1 und LTRO2 kann es gar keine adäquate Sicherheiten geben, gäbe es sie bräuchten Banken kein Zentralbank, sondern könnten sich über den Interbankenmarkt refinanzieren. Das der Interbankenmarkt tot ist, liegt ja gerade am mangelnden Vertrauen der Banken untereinander und dieses bezieht sich eben auch auf die Qualität der Assets in den Bankbilanzen, die als Sicherheiten im traditionellen Sinne nicht mehr taugen!

      “Ist es schlimm, wenn sich Banken in Deutschland weniger Geld von der Zentralbank leihen? Nein! Durch die Zuflüsse aus den Krisenländern sind sie in einer komfortablen Position und weniger von der Zentralbank abhängig.” ………..Kindergarten, das wurde hier seit bereits vor vielen Monaten Ewigkeiten der stilisierten Zentralbankbilanzen geklärt. Die positiven Target2 Salden der DNLF Zentralbanken sind zwar formal eine Forderung gegenüber der EZB, aber eben auch eine Forderung der EZB gegenüber den nationalen Zentranken der PIIGSBF, die allesamt negative Target2 Salden als Passiva (Verbindlichkeiten) in der Bilanz halten und die auf der anderen Seite ihrer Bilanz als Aktiva, den vergebenen Krediten der nationalen Zentralbanken an die dortigen heimischen Banken entsprechen. Da über das Target2 Zahlungssystem den DNLF Banken Nettokapital zufließt und deren Einlagen steigen, sinkt der Refinanzierungsbedarf bei der DNLF Zentralbanken. Da die DNLF Banken letztlich nicht entsprechend des Kapitalzuflusses die Kreditvergabe erhöhen, legen sie das zufließende Kapital bei den DNLF Zentralbanken an, als Guthaben, Einlagen auf Girokonten, Mindestreserve, Einlagefazilität.

      “Es ist falsch, zu behaupten, die EZB finanziere auf diese Weise die Leistungsbilanzdefizite der betroffenen Länder. Sämtliches Kapital, inklusive heimische Bankeinlagen, kann im Zuge einer Kapitalflucht irgendwann das Land verlassen. ” ….Gähn, ebenfalls alter Hut, Target2 bildet die Zahlungsbilanz ab und die besteht nun mal aus Leistungsbilanz und Kapitalbilanz. Nur dies heißt nicht das keine Leistungsbilanzdefizite per EZB finanziert werden.

      “T2-Positionen stellen nur dann ein Problem dar, wenn die Eurozone auseinander bricht. Sinns Hinweis auf diesen (bisher glücklicherweise sehr unwahrscheinlichen) Fall ist berechtigt. Aber Sinn unterstellt, dass dann alle T2-Forderungen als Verlust abgeschrieben werden müssten. Das ist mitnichten der Fall. Wie sich ein Auseinanderbrechen der Eurozone abspielen würde, wie mit ausstehenden Zentralbankkrediten und verfügbaren Sicherheiten umgegangen würde, ist überhaupt nicht geregelt.” …..Banal und letzteres “nicht geregelt” spricht nicht gerade für die Konstruktion, die ihre Legitimation anscheinend daraus schöpft das sie nicht scheitern kann (TINA).

      “Es ist wahrscheinlich, dass in so einem Fall langwierige politische Verhandlungen zwischen den beteiligten Ländern stattfinden würden, an deren Ende eine europäische Einigung über die gesamten Verluste eines solchen Zusammenbruchs stehen würde.” …Naiv! Wohl wahrscheinlicher das es bei einem Austritt in Kettenreaktionen zu weiterem Schwund der Eurozonen-Mitglieder kommt und Einigungen ausser Sichtweite geraten.

      “Zur Erinnerung, gegenwärtig haben die deutsche, niederländische, luxemburgische und finnische Zentralbank zusammen T2-Forderungen von ca. 660 Mrd. Euro gegenüber den restlichen nationalen Zentralbanken; in den eineinhalb Jahren vor der Krise betrugen die durchschnittlichen T2-Forderungen im gesamten Eurosystem ca. 85 Mrd. Euro und verteilten sich auf durchschnittlich 11 verschiedene nationale Zentralbanken.” ….. Zur Erinnerung, im Januar 2011 waren es bereits 824,326 Mrd. Euro, im Februar, wo noch nicht alle Daten vorliegen dürfte es weiter aufwärts gegangen sein, soviel Schärfe muss sein, wenn man anderen Unschärfe vorwirft.

      Kurz um für mich war dies ein schwacher Artikel, der nicht hält was die Überschrift verspricht: “Target2 – und was wirklich dahinter steckt”, deshalb meine etwas scharfen Formulierungen.
      Wer ihn lesen möchte:
      http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/geldpolitik-target2-und-was-wirklich-dahinter-steckt/6318300.html

      Gruß Steffen

      • Roland - 15. März 2012

        Der Kommentator “hummel” beschreibt am 14.3. unter dem o.e. erwähnten Artikel im Handelsblatt sehr schön, wie die target2 – Forderungen ausgeglichen werden:
        Indem die Forderungen der Zentralbank (z.B. Griechenlands) an die örtliche Geschäftsbank an die Bundesbank abgetreten werden. Die Bundesbank hat dann auch Zugriff auf das Pfand der(griechischen) Geschäftsbank, der wiederum ein Pfand deren Kunden zugrunde liegt.

        Wie schon häufiger besprochen, hängt das Risiko letztlich am Pfand, das die jeweilige Geschäftsbank vom Kunden in die Bücher genommen hat.
        Solange man diese nicht wirklich beurteilen kann, ist weder Zeit für Panikmache einerseits noch für Entwarnung andererseits.

        • Querschuss - 15. März 2012

          Hallo Roland,
          über die Werthaltigkeit des Pfandes der (griechischen) Geschäftsbank braucht man nicht diskutieren. Das griechische Bankensystem in bankrott und wird nur künstlich mit Zentralbankgeld am Leben gehalten. Die Einlagen von Privaten und Unternehmen verflüchtigen sich seit Monaten ins Ausland bzw. müssen mangelndes Einkommen kompensieren und die Zahl der Nonperforming Loans dürfte im Zuge der hohen Arbeitslosigkeit und der schwindenden wirtschaftlichen Aktivität Rekordhöhen erreichen. Ich würde auf diese Pfands keinen Pfifferling geben und die Hinterlegung dieser angeblicher Sicherheiten stellt keinen Ausgleich der Target2 Forderungen dar.

          Gruß Steffen

          • Roland - 15. März 2012

            Hallo Steffen,

            wie überall werden die Sicherheiten, die auch z.B. die griechischen Geschäftsbanken von ihren Kunden in die Bücher nehmen, zu einem großen Teil Immobilien-besichert sein. Und auch da ist ein Pfuffer für Werteverfall drin.

            Deine Aussage, “keinen Pfifferling” wert, scheint mir zu radikal.

          • Querschuss - 15. März 2012

            Hallo Roland,
            ok. radikal, nur wie stellst du dir das vor, Griechenland scheidet aus der Eurozone aus, die mit Immobilien besicherten Pfänder müssen an die EZB abgetreten werden, die Wohnungen und Häuser werden zwangsgeräumt und zwangsversteigert und dies wird mit frisch ausgehobenen EZB-Soldaten militärisch durchgedrückt und gesichert? Nee, niemals wird ein aus dem Euro scheidendes Land seine Verbindlichkeiten nachkommen, erst recht nicht wenn es so wie Griechenland getreten wurde. Übrigens gelten auch griechische Staatsanleihen als Sicherheit, welchen Pfand haben die im Falle eines Austritts Griechenlands (?), der ja sofort die Zahlungsunfähigkeit des Staates und des Bankensystems zur Folge hätte. ….Keine!!!

            Gruß Steffen

          • Roland - 15. März 2012

            Hallo Steffen,

            das mit den massenhaften Zwangsräumungen und EZB-Soldaten ist zu apokalyptisch.
            Du gehst davon aus, dass die Griechen ihre Häuser und Grundstücke den Banken überwiegend für waghalsige Kredite verpfändet haben.
            Das scheint mir unrealistisch.

          • Querschuss - 15. März 2012

            Hallo Roland,
            das war natürlich eine Überspitzung, eine Frage an dich wie das Einholen der Sicherheiten aussehen soll und der Hinweis darauf, das wenn z.B. Griechenland aus dem Euroraum austritt, dies einhergeht mit einer Staats- und Bankensystempleite, man nicht erwarten kann, dass in so einem Fall relevante Forderungen eingetrieben werden können. Ich hätte gedacht dies ist unstrittig. Bei explodierenden Arbeitslosenzahlen und sinkenden Einkommen dürfte die Kreditqualität deutlich gesunken sein. Wobei die private Verschuldung in Griechenland nicht die dominierende ist, sondern die Staatsverschuldung. Womit sind die griechischen Staatsschulden besichert im Falle einer Staatspleite und eines Euro-Austritts?

            Gruß Steffen

      • popper - 15. März 2012

        Das ist ja alles schön und gut, aber deine Formulierungen speisen sich aus Spekulationen, und beschäftigen sich mit dem: was wäre, wenn. Tatsache ist aber, dass es solange keine Forderungen sind (Notenbanken sind ja keine Sparkasse), solange wir keine andere Situation haben, als die, die wir haben. Es kann legitim sein, Überlegungen in verschiedener Hinsicht anzustellen, aber dann muss man darauf hinweisen, dass dies Modellberechnungen sind, die mit der Wirklichkeit zunächst nicht übereinstimmen, da es zu viele Unbekannte gibt. Einfach zu behaupten, da braut sich etwas zusammen, würde ja bedeuten, man kenne den finalen Punkt schon, wo die Reise endet. Insofern, sind diese ganzen Denkspielchen von Sinn zwar amüsant, aber gleichzeitig ein Popanz, mit dem er Schindluder treibt und in nicht sachgerechter Weise Panik verbreitet. Ich denke deshalb, man muss es aushalten in einer Art von Ungewissheit zu leben und die Probleme dann behandeln/lösen, wenn sie auf dem Tisch liegen. Und das ist momentan nicht der Fall, ergo kann sich eine Analyse nur auf den Staus quo beziehen und tut König. Gutschriften und Lastschriften zugunsten respektive zulasten der nationalen Zentralbanken im Zusammenhang mit reinen Zahlungsvorgängen innerhalb der Währungsunion sind nicht als Kreditgewährung respektive Kreditaufnahme definiert. Und dabei bleibt es bis auf weiteres. Das Worst case-Szenario zu beschreiben ist etwas völlig anderes als es permanent herbei zu reden. Leider tut Sinn Ersteres zusammen mit Weidmann (obwohl dieser zeitweise ganz schön herumeiert) in penetranter Weise, vermutlich(?!), um die Notenbanken/EZB unter Druck zu setzen.

        • Querschuss - 15. März 2012

          Hallo Popper,
          bevorzugtes Objekt der Kritiker an der Kritik ist die gewählte Formulierung der Kritik und nicht der Fakt an sich.

          Target2 Salden als Symptom der Zahlungsbilanzkrise und die dabei explodierende Divergenz zwischen den DNLF-Zentralbanken und den PIIGSBF-Zentralbanken zeigt genau an, dass sich was zusammenbraut, was denn sonst, bei der Behebung der zu Grunde liegenden Ursachen würden die Target2 Divergenzen schmelzen und nicht steigen.

          Relativierung und Nivellierung kann man genauso mit Popanz und Schindluder bezeichnen, so wie du dies auch bei der gesichteten Panikmache tust. Alles eine Frage der Sichtweise.

          Gruß Steffen

    • Johannes - 15. März 2012

      Ist das das selbe Handelsblatt, das zum Kauf von griechischen Anleihen aufgerufen und dafür zahlreiche Prominente vorgespannt hat?

  • MikeH - 15. März 2012

    Hallo Steffen,

    der letzte Absatz ist interessant aber gleichzeitig erklärungsbedürftig:

    “65% aller Zahlungen über Target2 hatten einen Wert von weniger als 50’000 Euro und 11% von mehr als 1 Million.”

    65%+11%=76%, was ist mit den restlichen 24%? Welche Größenordnung spiegeln diese wieder?

    Die Angaben für 2010 und diese Aufschlüsselung gelten diese für Target2 Eurozone oder nur für die Spanier? Aber vom Betrag ausgehend wird es der Eurozonenbetrag sein.

    Danke vorab für die Klärung.

    Mike

    • Querschuss - 15. März 2012

      Hallo Mike H,
      bezieht sich natürlich auf das Target2 Zahlungssystem als Ganzes, an dem auch nicht Euroländer teilnehmen. Nicht Eurozonenmitglieder müssen aber um am Zahlungssystem teilzunehmen immer ein Zentralbankgeldguthaben halten, sprich ein negativer Target2 Saldo ist nicht möglich.

      Ich gehe mal davon aus das sich die 24% zwischen 50’000 und 1 Million Euro abspielen.

      Gruß Steffen

    • Hardy - 15. März 2012

      “65% aller Zahlungen über Target2 hatten einen Wert von weniger als 50’000 Euro und 11% von mehr als 1 Million.”

      65%+11%=76%, was ist mit den restlichen 24%? Welche Größenordnung spiegeln diese wieder?

      größer gleich 50.000 und kleiner gleich 1 Million?

  • Canpichurri - 15. März 2012

    Dazu passt diese Meldung von Zerohedge:

    http://www.zerohedge.com/news/dear-germans-bring-out-ze-checkbooks

    Gruss

  • Wolf Larsen - 15. März 2012

    Sorry, Ihr bringt leider fast nur abstrakte Themen — Marketingaktionen wie den ZEW Index oder diese neue Studie des IW vonh heute etc finden keine Berücksichtung.

  • Kalmar - 15. März 2012

    wieso kann doch als Pfand gewertet werden wenn griechenland austritt, nur wenn die schulden auch umgestellt werden in Griechenland und die new Drache abwertet haste zwar nen Pfand in Griechenland der ist aber durch die Abwertung nix mehr wert. dann kannst du die Kredite auch abschreiben. darum haben doch die ganzen Bank auch mit gemacht beim Schuldenschnitt weil (wenn ich das richtig im kopf habe) der schnitt von 50% wesentlich “sanfter” ist als eine mögliche Abwertung um bis zu 70% …

  • Gator - 15. März 2012

    Ich empfehle Leuten wie Roland & Co weiterhin das Handelsblatt zu lesen. Warum lest ihr überhaupt hier wenn ihr nicht verstehen könnt oder wollt was Steffen hier schreibt.
    Hier ist nicht der Mainstream Quark sondern fundierte und mit vernünftigem Verstand analysierte Berichterstattung.
    Danke Steffen für die Artikel und laß dich nicht zu sehr auf solche Kommentare ein.

  • Michael S. - 15. März 2012

    @Roland@Popper

    Find das schon auffällig, dass Sie beide des öfteren hier bei Querschüsse auf Herrn Sinn “rumhacken” und dann auf Herrn König verweisen… OBWOHL Herr Sinn in keinster Weise erwähnt wurde…

    Nur weil Herr Sinn ein geltungsüchtiger, unsympatischer und ökonomischer Schnellschießer ist muss er ja nicht grundsätzlich Unrecht haben. Ich habe soviel Blödsinn von ihm gelesen da könnte man eine ganze Doktorarbeit darüber schreiben (das irische Landwirt Beispiel grausam), dass die Target2 Forderungen der BUBA ein gigantisches Problem für Deutschland und seine Bürger darstellt, damit hat Herr Sinn aber absolut Recht!

    Und nun zu Herrn König und Anderen die im Handelsblatt nichts besseren zu tun haben als akademisch um den heißen Brei herumzureden (Target2 ist kein Kredit blabla per Definition blabla).

    1. Der Euro wurde falsch konstruiert (aus sehr vielen Gründen z.B. gibt es für Leistungsbilanz ungleichgewichte keine Sanktionen bzw. Dämpfungsregelungen…)
    2. Die EZB betreibt eine Politik zu Lasten einem großteil der deutschen Bevölkerung
    3. Die Politik hat es zu verantworten, dass die Südländer nun am Abrund stehen
    4. TINA nützt nur den Banken und der “Elite” und am Ende würds umso teurer
    5. Banken und Banken nahe Schreiberlinge (Herr König) werden immer versuchen dieses Spiel zu vertuschen, zu relativieren, als Alternativlos zu verklären

    Gruß Michael S.

  • Frank Bell - 15. März 2012

    Off-topic, aber interessant, da die Vorurteile gegen Goldman Sachs keine waren:

    Why I Am Leaving Goldman Sachs

    http://www.nytimes.com/2012/03/14/opinion/why-i-am-leaving-goldman-sachs.html

  • Argonaut - 15. März 2012

    Über 10 Milliarden Euro Verlust in einem Quartal und
    die Aktie legt 4% zu !

    Ist zwar off-topic aber für mich der Artikel des Tages
    zumal der Bankenirrsinn immer aberwitziger wird:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/italienische-bank-intesa-macht-zehn-milliarden-euro-verlust/6333614.html

    • Frank Bell - 16. März 2012

      Hallo Argonaut, das geht jetzt quer durch die Bank.

      Die Meldung: Tsakos Energy Navigation mit Verlustausweitung

      http://www.boerse-go.de/nachricht/,a2783910,b203.html

      führt zu einem deutlichen Plus der Aktie. (Schon seit Wochen steigt diese Aktie.) Verrückt.

  • Mantus - 15. März 2012

    Um ein wenig Infos beizutragen, habe ich folgenden Link ( Berlins europäische Rezession ) für die LeserInnen: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58292?PHPSESSID=35n73scelgs0e0htp00rt7fmu5

    Ich glaube schon lange nicht mehr ( wie einige Trolle im Netz ) an Handelsblatt und Co., schon garnicht an die FR mit ihrer Vollbeschäftigungs-Plauderei. Ein Blendwerk des Teufels, ein Schmarn, ein Abgleiten in die alte Zeit von Brüning und seinem Gürtel des Sparens.

    Wie J. Jahnke und andere Kritiker auch, frage ich mich, warum geht kein Aufschrei durch Europa? Schäuble und Co. gehören hinter eiserne Gardinen. Diese Leute fahren Europa an die Wand.

    • Frank Bell - 16. März 2012

      Zu Schäuble und Konsorten (EU-Kommisare-Mafia): DIE werden am Ende die Sieger sein.

  • Christian Kurzer - 16. März 2012

    @Argonaut:
    Dir ist schon klar was der Aktienkurs theoretisch reflektieren soll, oder? Wenn vor der Konferenz noch alle dachten, dass das es 20 Mrd. Verlust sind, dann ist es völlig richtig, dass der Aktienkurs steigt…und nicht im geringsten komisch oder “Bankenirrsinn”

    • Argonaut - 16. März 2012

      Schau Dir mal die Kursentwicklung der letzten Monate der Bank an – dass sieht beim
      besten Willen nicht so aus als hätte man mit 20 Millarden Verlust gerechnet !

      Außerdem ging es mir darum – wie es in dem Artikel steht – dass die Bank keine detaillierten
      Angaben zum Verlust macht.

      Ergo: Aberwitziger Bankenirrsinn !
      ;-)

  • Holly01 - 16. März 2012

    Ein Land, welches im völligen wirtschaftlichen Caos versinkt, kann keine relevanten Sicherheiten vorweisen.
    Griechenland so weit runterzusparen, bis die Staatsausgaben die Einnahmen nicht mehr übersteigen und das Aussenhandelsdefizit sich weitgehend auflöste, war im Prinzip richtig.
    Target 2 und viele ander Dinge zeigen : die Art und Weise ist falsch.
    Target 2 steht (für mich) für ein Versagen der Politik.
    Ich würde ja ablehnen, dass ein Eurostaat den Verbund verläßt, aber für mich war auch der “freiwillige” cut in dieser Form nicht vorstellbar.
    Ich denke target 2 ist ein Problem der Geldschöpfung, also das Geld wird einfach Bilanziell weggedrückt.
    Die Risiken und die Erosion der Vermögenswerte und Vertragsverhältnisse sind real, in so fern hat Querschuesse ( und auch Sinn) schon recht da auf reaktionen zu drängen.

  • Hansi - 16. März 2012

    http://www.zerohedge.com/news/fools-game-unravelling-europes-epic-ponzi-pyramid-lies

    Der Mann rechnet die spanische Staatsverschuldung ganz nüchtern anhand offizieller Zahlen zusammen und kommt auf 113% debt-to-GDP. Er zählt dabei an die 103 Milliarden Bankgarantien mit, würde ich persönlich der Fairness halber nicht machen (kann man drüber streiten), dann sind die Spanier aber immer noch bei über 100% debt-to-GDP.

    Fazit – die sind total am Ende.

  • M.E. - 16. März 2012

    Ja, Hansi,
    die ausgewiesene Staatsverschuldung ist eben nur ein Drittel der Wahrheit. Dazu kommen natürlich zahlreiche eingegangenen Bürgschaften und anstehende Mittel zur absehbaren Rettung von Banken und Gebietskörperschaften (im Falle Spanien kommt da einiges auf den Staat zu) und nicht zu vergessen die astronomische implizite Verschuldung, resultierend aus den Zahlungsversprechen der Staaten für die Zukunft.
    Und auch wenn letztere noch nicht zahlungs- und zinswirksam ist, so ist es doch ihre Eigenart, von Jahr zu Jahr stückweise in die implizite, zahlungswirksame Verschuldung überzugehen.
    Viele Staaten wie Deutschland und die USA hatten ja nach dem zweiten Weltkrieg 2 Jahrzehnte lang einen gewaltigen Babyboom (ich bin selbst Teil desselben).
    Und der bricht kostenmäßig jetzt Jahr für Jahr wie ein Kostentsunami über die Staaten herein mit einem 20 Jahre lang ständig steigenden Kostenniveau.
    So viel kann garnicht gespart werden, wie dort diese zunehmenden Zahlungsverpflichtungen wirksam werden.

    Nebenbei: die gesamtstaatliche Verschuldung der USA hat von gestern auf heute mal wieder einen Satz von 50 Milliarden gemacht. Diese Sprünge häufen sich zur Zeit.
    Und die Zinsen für die 10-jährigen US-Bonds sind innerhalb von 3 Wochen von 1,85% auf 2,3% gestiegen.
    Mal sehen, ob das eine wirkliche Trendwende ist. Wenn ja, wird es bald ungemütlich.
    Kann natürlich sein, die machen zeitnah noch einmal ein QE3 und drücken die Zinsen noch einmal. Obwohl die ja historisch immer noch unglaublich niedrig sind. Wer in deutsche, britische, japanische oder US-Bonds investiert, verliert ja gegenwärtig real Geld. So groß ist der “Anlagenotstand” für die Liquiditätsmassen.

  • M.E. - 16. März 2012

    Korrektur:
    “Und auch wenn letztere noch nicht zahlungs- und zinswirksam ist, so ist es doch ihre Eigenart, von Jahr zu Jahr stückweise in die implizite, zahlungswirksame Verschuldung überzugehen.”

    Gemeint ist natürlich, dass sie Stück für Stück in die explizite Verschuldung übergeht.
    Man wird noch ganz wuschig vor lauter Schulden.

    • Thorsten Eckau - 16. März 2012

      “So viel kann garnicht gespart werden, wie dort diese zunehmenden Zahlungsverpflichtungen wirksam werden.”

      Tja, das ist halt das Problem: Es geht ja gar nicht um Sparen für die Rente. Genau das denken ja leider nur allzu viele Mitmenschen tatsächlich (Du, M.E., bist mir da unverdächtig) und äußern sich dann ja auch “ich hab mein ganzes Leben eingezahlt für meine Rente”…

      Umlagefinanzierung ist eigentlich ja eine tolle Sache, um es mal mit Pispers zu sagen: “Jedes Jahr wird etwas erwirtschaftet, mal mehr, mal weniger. Aber das nichts erwirtschaftet wird, ist unwahrscheinlich. Und dann nehmen wir einen festen Anteil und legen den jedes Jahr um auf die, die nichts oder nicht mehr an dem Erwirtschaften teilhaben…”. (Man verzeihe mir, dass es wie ein Zitat gefasst ist, ist aber aus dem Kopf, aber sehr sehr nah am Original).

      Dies haben wir aber nicht: Die Renteformel wurde immer angewendet, wenn es was zu verteilen gab (Wachstum) und angepasst (damit es was zu verteilen gibt), wenn nichts da gewesen wäre (Rezession). Die Politik hatte und hat Angst vor der Menge der Renter und hier liegt doch das eigentliche Problem, wenn man über diese Zahlen der zukünftigen Zahlungsversprechen redet, jedoch auch eine Lösung (wenn gleich keine populäre seitens der Renter und keine, die diese Politiker lange in Amt und Würden halten würde): Man müsste sich schlicht des Wortes nach an die Umlagefinanzierung des “Generationenvertrags” halten, dann wäre dieses Baustelle finanzmathematisch erledigt…

      Aber was scheib’ ich. Wie Du, M.E., ja schon schriebst: Da sind so derartige Mengen von Problemen im Rennen, da sollte man sich nicht an einem so abarbeiten und sich deswegen (alleine) sorgen ;)

  • Hansi - 17. März 2012

    Die EZB füttert über LTRO etc über die Banken die grossen Staaten ad infinitum durch, davon bin ich überzeugt. Niemals wird Mario Printi, ähh Draghi, Spanien oder Italien fallen lassen, komme was wolle. Es wird nur eines Tages eine Währungskrise mit rapide fallendem Aussenwert geben. Wann, kann keiner sagen. Dass es passieren wird, ist absolut garantiert. Sicher wie das Amen in der Kirche.

    Zum Thema Babyboomer, unsere Gesellschaft ist leider zu kaputt, verhält sich biologisch “unnatürlich” – Frauen bekommen ja kaum noch Kinder heutzutage. Von den fünf Kindern meiner Grosseltern (Babyboomer-Kinder) hat nur eines Kinder bekommen, meine Mutter. Die anderen haben alle ihre Karrieren verfolgt. Hier scheitert die Umlagenfinanzierung, bei den Babyboomern selbst, weil sie lächerlich wenige Kinder bekommen haben. Haben sich nichtmal selbst reproduziert. Ich kann als 80er Baujahr mit meinem Bruder zusammen nicht fünf Rentner versorgen, geht nicht. Ich frage mich, wie das praktisch aussehen wird in 20 Jahren, Spitzensteuersatz von 150%? Man muss noch draufzahlen?

    Hier in Berlin gibt’s schon Gegenden in Neukölln mit >50% Arbeitslosigkeit. Bis zu 70% der Menschen leben vom Staat. Da muss ich sehr an das alte Rom denken, wo der Plebs mit Getreideschiffen aus Sizilien bei Laune gehalten wurde. Irgendwann ging dem Senat das Silbergeld aus und die Schiffe kamen nicht mehr. Da herrschte eine grosse Unruhe in der Stadt. Wird hier auch so kommen.

  • ö.ä. - 17. März 2012

    “Zum Thema Babyboomer, unsere Gesellschaft ist leider zu kaputt, verhält sich biologisch “unnatürlich” – Frauen bekommen ja kaum noch Kinder heutzutage.”

    Und warum ist das so? Keiner fragt, wie unnatürlich die Rahmenbedingungen sind, unter denen sich das Kinderkriegen kaum noch “rentiert”.

    • ö.ä. - 17. März 2012

      Edit: Und generell: ist so eine Verwertungslogik an sich nicht pervers? Warum bekommt der
      Mensch Kinder? Dieser Logik zur Folge nicht, um “Familienglück” zu erleben, sondern als
      Alterssicherung.

  • Hansi - 17. März 2012

    Ich wil hier keinen auf Sarrazin machen und das hier ist auch ein Ökonomie-Blog, aber:
    es liegt in der Natur aller Tiere, sich fortzupflanzen. Aber seit dem Pillenknick haben wir Menschen uns selbst überholt. Bei Huxley hieß die Apparatur noch Maltus-Gürtel.

    • ö.ä. - 17. März 2012

      Gegenwärtig besteht wohl eher das Problem, dass wir unsere Art gefährden, wenn wir noch mehr werden.
      Es ist doch komisch, dass in den Industrienationen eine geringe Geburtenrate und in den “Entwicklungsländern” eine hohe Geburtenrate als Problem angesehen wird. Ist nicht jeder Mensch gleichwertig? Aus diesem Grund wäre ich vorsichtig, mit der Verbindung biologischer und ökonomischer Theorien, denn das führt m. E. zwangsweise zu Rassismus.