Spanien: Nettoauslandsschulden auf Rekordniveau

von am 27. Dezember 2013 in Allgemein

Wie die spanische Zentralbank Banco de Espana heute mitteilte, stiegen die Nettoauslandschulden aller Sektoren der Volkswirtschaft (NIIP) in Spanien in Q3 2013 auf -999,652 Mrd. Euro, nach -973,102 Mrd. Euro im Vorquartal und nach -922,099 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Dies entspricht einem neuen Rekord-Nettoauslandsschuldenstand. Im Verhältnis zum nominalen BIP dokumentieren sich -97,8% Nettoauslandsschulden. Das ist dann doch unerwartet mies, denn immerhin konnte Spanien in den ersten 9 Monaten 2013 erstmals wieder einen Leistungsbilanzüberschuss erzielen, aber dieser ist eben viel zu klein (+2,468 Mrd. Euro) um Fortschritte bei den Nettoauslandsschulden zu erzielen. Die Verluste im Bestand seit Jahresanfang waren viel höher als das Plus in der Leistungsbilanz. Mit -97,8% Nettoauslandschulden gemessen am nominalen BIP dokumentiert sich weiter eine de facto insolvente Volkswirtschaft. Es gibt eigentlich kein realistisches Szenario wie Spanien mittels realwirtschaftlicher Leistungskraft diese enormen Nettoauslandsschulden abbauen könnte. Im Gegenteil die deflationären Tendenzen in Spanien lassen die Schuldentragfähigkeit zusätzlich schwinden, denn die nominale Nettoauslandsschuld bleibt bestehen und wächst bis dato sogar.

 

1aDie Entwicklung des Vermögensstatus (Net International Investment Position (NIIP)) von Spanien seit Q4 1992 bis Q3 2013 auf Quartalsbasis in Mrd. Euro im Chart. In Q3 2013 stieg die Nettoauslandsverschuldung auf -999,652 Mrd. Euro und damit auf -97,8% des nominalen BIPs. Damit verschlechtert sich gemessen am BIP die Nettoauslandsverschuldung weiter und damit auch die Schuldentragfähigkeit aller Sektoren der Volkswirtschaft. Immerhin -263,700 Mrd. Euro der gesamten Nettoauslandsschulden sind Target2-Verbindlichkeiten der spanischen Zentralbank.

Trotz aller vermeintlichen “Reformen”, Sparanstrengungen, interner Abwertung usw., …noch nie war die Schuldentragfähigkeit so mies wie jetzt!

Das NIIP setzt sich zusammen aus dem Vermögensstatus aller Sektoren der Volkswirtschaft, so der öffentlichen Haushalte, von Privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen, den Monetary Financial Institutions (MFIs – Bankensystem) und der spanischen Zentralbank. Das NIIP reflektiert den Saldo der Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten und damit die Vermögenssituation aller Sektoren einer Volkswirtschaft eines Landes und weist ein Nettoauslandvermögen oder eben auch Nettoauslandsschulden aus. Die Veränderungen des Saldos resultieren aus der Leistungsbilanz, respektive der Kapitalbilanz (Stromgröße), aber auch aus der Entwicklung der finanziellen Vermögenswerte und der finanziellen Verbindlichkeiten (Bestand).

Um die hohe Nettoauslandsverschuldung Spaniens nachhaltig zu drehen müsste Spanien mehr als ein Jahrzehnt, je Jahr mehr als 50 Mrd. Euro Leistungsbilanzüberschüsse erzielen, vor allem mittels der Produktion von handelbaren Waren und Güter, ein nahezu  unmögliches Unterfangen und selbst unter idealen Voraussetzungen ein kaum realistisches Szenario in diesem Zeitfenster!

Zwar schrumpfte bereits 2012 das Leistungsbilanzdefizit auf nur noch -11,519 Mrd. Euro, nach -39,787 Mrd. Euro im Vorjahr, aber dies reflektierte vor allem die kräftige Rezession und damit eben auch Importschrumpfung. Da die Rezession aber letztlich auch für hohe Arbeitslosigkeit, soziale Verwerfungen, Unternehmensinsolvenzen und Kreditausfälle stand, kann daraus realistisch kein nachhaltiger Abbau der Nettoauslandsverschuldung resultieren. Dies bestätigt letztlich auch die Datenlage für 2013, denn in den ersten 9 Monaten 2013 standen sogar kumulierte +2,465 Mrd. Euro an Leistungsbilanzüberschuss, trotzdem stiegen die Nettoauslandsschulden im selben Zeitraum um 58,758 Mrd. Euro, auf -999,652 Mrd. Euro und damit auf ein Rekordniveau.

1aDie Entwicklung der spanischen kumulierten monatlichen Leistungsbilanz seit Januar 1990 bis Oktober 2013 im Chart. Zuletzt im Oktober 2013 wurde ein Leistungsbilanzüberschuss von +1,714 Mrd. Euro erzielt. In den ersten 10 Monaten 2013 waren es +4,182 Mrd. Euro, aber immer noch kumuliert sich seit Januar 1990 ein Leistungsbilanzdefizit von -729,117 Mrd. Euro.

Den Kern des Problems, seit Jahren hier bei Querschuesse angesprochen, dokumentiert der Blick auf die Teilbilanzen der Leistungsbilanz:

2aDie kumulierten Teilbilanzen der Leistungsbilanz in Mrd. Euro im Chart. Blau die Handelsbilanz mit kumulierten -870,178 Mrd. Euro seit Januar 1990, grün die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen mit akkumulierten -313,411 Mrd. Euro, lila die Bilanz der laufenden Übertragungen mit -35,122 Mrd. Euro und rot die Dienstleistungsbilanz mit kumulierten +489,594 Mrd. Euro. Ganz klar, das Hauptproblem waren und sind die handelbaren Waren, siehe Handelsbilanz blau im Chart.

Den akkumulierten Leistungsbilanzdefiziten stehen entsprechende Kapitalimporte (Kapitalzuflüsse) entgegen, welche die Nettoauslandsverschuldung bilden. Weiter scheint sich in Spanien der Bestand an Nettoauslandsschulden noch mieser zu entwickeln, als die verbesserte Leistungsbilanz nahelegt. Dies ist ein zusätzlicher Malus, da Verluste im Bestand, die mühsam errungenen Fortschritte in der Leistungsbilanz zunichte machen!

In der Summe sieht der Drops in Spanien weiter gelutscht aus, das Korsett der gemeinsamen Währung dürfte Exporterfolge limitieren, fehlende Investitionen, interne Abwertung, das Desaster am Immobilienmarkt und im Bankensektor, die Explosion der faulen Kredite, die hohe Arbeitslosigkeit, die vielen in die Pleite getriebenen Selbstständigen und Unternehmen überwiegen in der Gewichtung zu einer verbesserten Leistungsbilanz, welche bisher nicht mal dazu führte die Nettoauslandsverschuldung abzubauen.

5aDie Entwicklung des Nettoauslandsvermögensstatus (NIIP) in Mrd. Euro von 1995 bis 2012 und von Q2 2013 für Deutschland (blau/ +1201,7 Mrd. Euro) den Niederlanden (rosa/ +304,8 Mrd. Euro in Q3), für Irland (lila/ -180,1 Mrd. Euro Q2), für Portugal (grün/ -193,7 Mrd. Euro Q3), für Griechenland (gelb/ -207,9 Mrd. Euro Q2), für Italien (türkis/ -433,7 Mrd. Euro Q2), für Frankreich (rot/ -450,0 Mrd. Euro Q2) und für Spanien (hellblau/ -999,7 Mrd. Euro Q3) im Chart.

Quelle Daten: Bde.es/spanische Zentralbank/Portal

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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1 KommentarKommentieren

  • Klaus - 27. Dezember 2013

    Lieber Steffen,

    ich versuche mal diese Zahlen für (m)einen Jahresrückblick zu verarbeiten.
    Viele Nationalstaaten haben in den letzten Jahren ihre Souveränität an anonyme Institutionen abgegeben, also ihre Handlungsfreit aufgegeben. Eingesetzte “Sachwalter” wie Troika oder die EZB versorgen diese Länder nur noch mit lebenserhaltenden Mitteln.
    Für die Masse der Bevölkerung, manchmal auch mir ist unklar, wer sich hinter diesen o.a. Konstrukten verbirgt.

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass hinter diesen ganzen Aktionen nicht der politische Druck, sondern die Macht wirtschaftlicher Geflechte steht. Vielleicht ist es ja nicht nur ein Eindruck… :-)

    Oder anders gesagt: Chuang Tze, ein chinesischer Philosoph, träumte einmal, er wäre ein Schmetterling. Als er aufwachte, sagte er sich: “Bin ich nun ein Mensch, der träumt, er wäre ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der denkt: ‘Ich bin Chuang’?