Spanien: reale Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit August 1999

von am 27. Januar 2012 in Allgemein

Das spanische Statistikamt INE berichtete heute die realen Einzelhandelsumsätze für den Monat Dezember 2011. Auch im Dezember ging es weiter abwärts, um unbereinigte reale -6,2% zum Vorjahresmonat und um saisonbereinigte -0,8% zum Vormonat. Die realen Einzelhandelsumsätze notieren in der saisonbereinigten Reihe auf dem Niveau von August 1999. Der private Konsum, gemessen an den Einzelhandelsumsätzen kontrahiert ungebrochen weiter.

Der Einbruch der unbereinigten spanischen realen Einzelhandelsumsätze von -6,2% zum Vorjahresmonat und von -5,8% für das Gesamtjahr 2011 nach den Daten des spanischen Statistikamtes INE.

Die Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 1995 bis Dezember 2011. Im Dezember 2011 sanken die realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze um -0,8% zum Vormonat. Die realen Einzelhandelsumsätze notieren im Dezember 2011 auf dem tiefsten Stand seit August 1999. Mehr als ein Jahrzehnt reales Umsatzwachstum beim Einzelhandel wurde seit der Wirtschafts- und Finanzkrise und im Zuge der spanischen Austeritätsmaßnahmen komplett ausgelöscht! Seit dem Hoch im März 2007 mit 106,78 Indexpunkten ging es um reale -22,53% abwärts!

Aus diesem dramatischen Rückgang bei den realen Umsätzen im Einzelhandel, von -22,53% zum monatlichen Hoch und den brachialen Rückgängen bei PKW-Verkäufen in 2011 von -50,56% zum Jahreshoch 2006, resultiert in der Sache der Staatsschulden, beim aktuellen Staatshaushaltsdefizit und bei der Wiedererlangung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit kein wirklicher Fortschritt. Im Gegenteil, der private Konsum als das wichtigste Standbein beim BIP und seine kräftigen Rückgänge koppeln direkt auf die Steuereinahmen zurück. Der schrumpfende heimische Konsum stranguliert die spanische Wirtschaft, denn diese ist wenig Export – aber dafür Binnenmarkt orientiert. Die Auswirkungen auch auf den Arbeitsmarkt sind desaströs, laut dem spanischen Statistikamt stieg die offizielle Arbeitslosenquote im 4. Quartal 2011 auf 22,85%, dies entsprach einem neuen Allzeithoch von 5,274 Millionen Arbeitslosen!

Die Entwicklung der Zahl der Arbeitslosen je Quartal seit Q1 2000 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 stieg die Arbeitslosenzahl auf 5,274 Millionen an.

Der spanische Arbeitsmarktbericht (Economically Active Population Survey (EAPS)) von heute, für Q4 2011, des Statistikamtes INE ist nicht mit den monatlichen Arbeitslosenzahlen des spanischen Arbeitsministeriums zu vergleichen, die nur die offiziell registrierten Arbeitslosenzahlen veröffentlichen. Die Daten des EAPS sind breiter gefasst und entsprechen in etwa der Haushaltsbefragung (Household Data) beim US-Arbeitsmarktbericht. Es werden 65’000 Spanier mit ständigem Wohnsitz ab 16 Jahre in einer Umfrage zu ihrem Arbeitsmarkt-Status befragt. Alle Arbeitnehmer über 16 Jahre gelten als beschäftigt, wenn sie in der Berichtswoche mindestens 1 Stunde gegen Entgelt gearbeitet haben, auch die in der Landwirtschaft, bezahlte mithelfende Familienangehörige, Arbeitnehmer in privaten Haushalten, Unterbeschäftigte, ebenso Arbeitnehmer bei Abwesenheit durch Krankheit, Unfälle, Urlaub oder Mutterschutz . Selbst bei Abwesenheit eines Arbeitnehmers durch ein Sabbatical, zur Pflege eines neugeborenen Kindes, bei Saisonarbeit, Arbeitsausfällen bei schlechten Wetter (Bau), Teilabschaltung aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen in den Betrieben, Streik oder Arbeitskampf, bei Aus- und Weiterbildung außerhalb des Betriebes, bei Abwesenheit aus persönlichen Gründen oder familiären Verpflichtungen, gelten Arbeitnehmer als beschäftigt, wenn der Arbeitgeber ihnen mindestens 50% ihres Gehalts zahlt oder innerhalb von 3 Monaten wieder die Arbeit aufgenommen wird.

So weichgespült diese Erhebung auch ist und damit bei einem sehr hohen Rekordarbeitslosenstand auch noch ordentliches Beschönigungspotential beinhaltet, die erfasste Arbeitslosenzahl greift trotzdem höher, als die der rein Registrierten bei den spanischen Arbeitsämtern. Das Employment Population Ratio der EAPS-Erhebung sank auf 46,24%, diese Prozentzahl spiegelt den Anteil der Beschäftigten an der arbeitsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahre wider und dieses Verhältnis stürzt vom Hoch in Q3 2007 von 54,35% herab!

Ob die heute veröffentlichten spanischen realen Einzelhandelsumsätze oder die Daten der spanischen Arbeitsmarkterhebung (EAPS), beide Datensätze  zeigen, die erweiterte Desaster(Euro)- Zone bleibt intakt und Spanien gehört unzweifelhaft dazu. Angetrieben von den falschen Konzepten werden die Eurokraten die Südperipherie der Eurozone auch 2012 in eine weitere Runde der Abwärtsspirale treiben und den Schaden damit weiter maximieren! Da alle Wirtschaftsdaten der Länder der Südperipherie im Zuge der Austeritätsmaßnahmen in dieselbe Richtung weisen und mittlerweile unbestreitbar dokumentieren, dass alle bisher ergriffenen Maßnahmen wirtschaftlich kontraproduktiv wirkten, kann man mittlerweile auch nicht mehr von Unvermögen der Verantwortlichen ausgehen, sondern von Vorsatz, der in einem selbstzerstörerischen Kurs mündet.

Ebenfalls heute hat die Ratingagentur Fitch einen Rundumschlag in Richtung Eurozone getätigt, u.a. wurde die Kreditwürdigkeit Spaniens herabgestuft, um weitere zwei Stufen von bisher “AA-” auf “A” und gleichzeitig die Bonität mit einem negativen Ausblick versehen, ebenfalls um zwei Stufen wurde die Bonität Italiens und Sloweniens herabgesetzt, die von Belgien und Zypern sank um eine Stufe und das Rating von Irland blieb unverändert, aber alle Ratings wurden mit einem negativen Ausblick versehen. Ganz erhellend die Begründung für den negativen Ausblick: “Eine tiefere und längere Rezession als angenommen wurde untergräbt die politische Unterstützung und die öffentliche Akzeptanz von Sparmaßnahmen und Strukturreformen.” Fitch meint weiter: “Die Krise der Eurozone wird nur aufgelöst werden, wenn es eine breite Erholung der Wirtschaft gibt.” ….Man mag zu den Herabstufungen durch Fitch wie auch immer stehen, Fakt ist, eine akute Staatsschulden- und Bankenkrise lässt sich mit Sicherheit nicht mit Kontraktion von Einkommen, Konsum, Investitionen und Wertschöpfung lösen, wie es die verfehlte Strategie der Troika fabriziert!

Quelle Daten: Ine.es/reale Einzelhandelsumsätze in Spanien Dezember 2011, Ine.es/Economically Active Population Survey (EAPS) Fourth quarter of 2011, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank Eurostat

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Wenn ihr die zeitnahe, kritische Aufbereitung von Wirtschaftsdaten und die aufwendige visuelle Darstellung der Daten bei Querschuesse per PayPal mit einem beliebigen Betrag unterstützen möchtet bitte den Button anklicken:

Print article

24 KommentareKommentieren

  • Nepumuk - 27. Januar 2012 Antworten

    In langen Schritten rennen die Iberer ( Spanier und Protugiesen ) den Griechen
    in den Abgrund hinterher.

    Unfassbar welche Dilettanten da am Werke sind….

  • georg - 27. Januar 2012 Antworten

    dilettanten ? wo? wohl eher in deutschland.
    gruss georg

  • Ron - 27. Januar 2012 Antworten

    Wie immer eine sehr gute Analyse. Nur dieser abschließende Satz verlangt eine weitere Interpretation: “…kann man mittlerweile auch nicht mehr von Unvermögen der Verantwortlichen ausgehen, sondern von Vorsatz der in einem selbstzerstörerischen Kurs mündet.”
    Wollen best. politiker oder Länder den Euro bewusst vor die Wand fahren?

    • Querschuss - 27. Januar 2012 Antworten

      Hallo Ron,
      ich kann in die Köpfe der Verantwortlichen nicht hineinsehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, das sie selber und das Beraterumfeld nicht sehen, zu mindestens zu diesem Zeitpunkt, was angerichtet wird, sprich wirtschaftliche Kontraktion. Im Falle von Griechenland kann ich mir sogar vorstellen, dass man mit immer weiteren Forderungen, die letztlich das Desaster potenzieren, bewusst forciert, damit die Griechen freiwillig das Weite vom Euro suchen (rausschmeissen kann man sie ja nicht), da intern als unrettbar eingestuft.

      Gruß Steffen

      • Roland - 27. Januar 2012 Antworten

        Es gibt ja immer mehr Stimmen, wie z.B. Juncker (Luxemburg), die ein Anschieben der Konjunktur verlangen.
        Ende Januar soll ein solches Programm auf EU-Ebene präsentiert werde.

        Schaun mer mal, ob es nicht “too little – too late” sein wird.

        • Roland - 27. Januar 2012 Antworten

          Nach Angaben der http://www.ftd.de soll es sich um ca. 70 Mrd. EUR handeln, die für Infrastruktur-Projekte budgetiert seien, aber wozu bislang keine Projekte existieren.
          Kurzfristig würde das auf keinen Fall helfen.

          Am Montag sind wir schlauer.

          • SLE - 28. Januar 2012

            Das Problem ist nur, dass weder die Höhe Summe an Fördermitteln noch (beispielsweise) Infrastrukturprojekte an sich entscheidend dafür sind, ob Griechenland wirtschaftlich die Kurve kriegt.

            Es kommt vielmehr darauf an, wohin die Mittel wirklich fließen. Das heißt, es sollten nicht wieder (insbesondere ausländische) Konzerne profitieren, weil das weder für die Wirtschaft noch für den Arbeitsmarkt Griechenlands zu einer nachhaltigen positiven Entwicklung führt. Das ist schließlich bisher das Konzept in der EU für die Förderung des wirtschaftlichen Aufholprozesses strukturschwacher Regionen in Europa gewesen. Es hat nicht funktioniert. Die Krise hat das deutlich werden lassen.

            Vor allem die (ohnehin stark) mittelständisch geprägte Wirtschaft dort muss also gefördert werden und nicht irgendwelche Großprojekte, sondern unternehmerische Initiative und Innovation. Weil das aber nicht nur eine Frage der Subventionierung ist, sondern auch eine der Marktchancen, wird man sich überlegen müssen, wie man einerseits die international nicht wettbewerbsfähige griechische Wirtschaft (temporär) vor internationaler Konkurrenz schützt (Stichwort “Infant Industry) und andererseits die Nachfrage wirksam stärkt. Letzteres könnte unter anderem auch dadurch geschehen, dass der öffentliche Sektor als Nachfrager heimischer Produkte und Leistungen fungiert. Empirisch ist belegt, dass die Nachfrage des öffentlichen Sektors wesentlich zur regionalen Entwicklung und Erneuerung beiträgt.

            Das alles ist aber überwiegend nicht konform mit den bisherigen Binnenmarktregeln (die z.B. europaweite, offene Ausschreibungen fordern) und auch nicht mit dem auch in der EU verfolgten Freihandelskonzept. Darüber muss man sich also in Brüssel dringend einmal Gedanken machen.

            Zuvor wird man natürlich auch sicherstellen müssen, dass Korruption und Subventionsbetrug nicht wiederTür und Tor geöffnet sind, wenn Fördermittel fließen und dass es effektive öffentliche Verwaltungsstrukturen gibt.

            Grüße
            SLE

          • Querschuss - 28. Januar 2012

            Hallo SLE,
            dem stimme ich im Prinzip zu, nur befürchte ich dieser Anspruch, vor allem die heimische (griechische) Wirtschaft zu stärken wird nicht erfüllt werden.

            Gruß Steffen

  • Appaloosa - 27. Januar 2012 Antworten

    @Ron: Den Euro wird keiner der Politiker bewusst gegen die Wand fahren.
    Meine Meinung ist, dass die (EU-)Politiker keine bessere (und vor allen Dingen schnelle) Lösung wissen und auch nicht eingestehen wollen, dass der Euro eine Fehlgeburt ist.
    Darüber hinaus hält man an die ach so guten neoliberalen Dogmen fest.
    Auch sind die Politiker Marionetten des Großkapitals.
    Politiker die wirklich etwas großes leisten wollen und nicht nur an ihrem Stuhl kleben sind heutzutage wahrscheinlich ausgestorben

    • Querschuss - 27. Januar 2012 Antworten

      Hallo Appaloosa,
      hmmm, neoliberale Dogmen sind Vorsatz, Marionetten des Großkapitals zu sein beinhaltet nichts anderes.

      Gruß Steffen

    • SLE - 28. Januar 2012 Antworten

      Das stimmt wohl.

      Man muss aber einerseits auch bedenken, welche grundsätzlich alternativen Ansätze von Seiten der Ökonomen bereitgestellt werden – außer Neoliberalismus (Selbstregulierung, Freiheit und Nicht-Intervention) und Keynesianismus (Stimulierung und Intervention). Gibt es hier, im bereits vierten Jahr nach der Lehman-Pleite, irgendetwas Neues? Nein, es gibt nichts. Stattdessen werden dieselben Ökonomen, die die Finanzmarktkrise ratlos machte, auch heute wieder konsultiert und die sagen genau das, was sie immer gesagt haben. Und jeder müsste wissen, dass das Unfug ist, weil ihr theoretisches Fundament nicht trägt.

      Und was die Sache ja noch schlimmer macht, ist, dass sich in allen Industriestaaten die beiden großen, miteinander konkurrierenden Parteien ideologisch und traditionell entweder dem einen oder dem anderen ökonomischen Denkansatz verpflichtet haben. Seit Dekaden haben sich die meisten Politiker nicht mehr um eine Auffrischung ihres fachlichen bzw. ökonomischen Fundaments gekümmert. Die können zwar ein Land “verwalten”, wenn alles von allein läuft und im grünen Bereich ist. Wie wenig Ahnung sie wirklich haben, können wir jedoch seit Ausbruch der Krise Tag für Tag an ihren Äußerungen gegenüber der Presse und den Medien miterleben. Ich weiß auch nicht alles, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich das, was ich da so alles zu hören oder zu lesen bekomme, teilweise nur mit einem schweren Aufseufzer ertragen kann. Mich wundert nur, dass den entsprechenden Politikern es überhaupt nicht peinlich ist, ihren Mangel an Kompetenz so zur Schau zu tragen.

      Und schließlich muss man sich fragen, was aus diesen großen Parteien vor dem Hintergrund des eklatanten Mangels an entsprechendem Fachwissen würde, wenn sie sich von ihrer Ideologie (Neoliberalismus bzw. Keynsianismus) lossagen würden, weil sie als Lösungsansatz nicht taigen? Das würde ihnen den letzten Halt rauben und eine Identitätskrise auslösen. Das genau das geschieht, kann man derzeit bei der FDP sehr schön erkennen. Die FDP bezieht ihre Identität aus dem Neoliberalismus.

      Grüße
      SLE

  • Andreas Demuth - 27. Januar 2012 Antworten

    Wenn man 1+1 zusammenzählt, dann bleibst bei 2!!! Was wissen manche Leute mehr, als wir hier im Forum????

  • Appaloosa - 27. Januar 2012 Antworten

    BtW: Ich war selber auf den Montagsdemos 1989…

  • MagnaBavaria - 28. Januar 2012 Antworten

    Noch ein kleiner Bericht von Ralf Streck zur Arbeitslosigkeit in Spanien:
    http://www.heise.de/tp/blogs/8/151312

  • Holly01 - 28. Januar 2012 Antworten

    Da ein paar Leute ja nicht einsehen wollen, dass man auch als Staat langfristig nicht mehr ausgeben kann als man einnimmt, hier der Gegenvorschlag :
    Jedem Deutschen 1 Mio. bar auf die Hand. Das sind dann 1 ^6 mal 82 ^6 also runde 82 Bill. Alle sind gerettet.
    Konsum satt, Steuern erstklassig, Investitionen schiessen hoch und die Leute sind zufrieden. Der Clou ist, wir sagen das keinem. Alle freuen sich nur über den deutschen Binnenmarkt und wie der expandiert.
    Die Bundesbank erschafft das Geld und erzählt es keinem. Die schreibt das einfach nicht in die Bücher, quasi ein nationales Geheimniss, über das wir nicht sprechen.
    Da es keine Buchungen gibt (ausser Guthaben) gibt es auch keine Sicherheiten die benötigt werden. Da es keine Buchungen gibt, erfährt auch keiner etwas über die Geldmenge.
    Nur Lösungen auf allen Wirtschaftsfeldern.
    Ja warum macht das denn dann keiner?
    Das ist easy going for everybody.

  • der-oekonomiker - 28. Januar 2012 Antworten

    Am 23.09.2011 erklärt der österreichische Ökonom Erich Streissler in den “Salzburger Nachrichten”: “Wir haben nur mehr ökonomische Laien in der Politik”. Nur leider fischen auch die sogenannten Top-Ökonomen in sehr “trübem Wasser”, wie die Sinn’schen “16 Wege aus der Krise” (faz.net, 06.12.2011) zeigen. Dort wird ultra-national-ökonomische Theorie zum Königweg erhoben. Sichert ihm aber breite Zustimmung in den deutschen Medien. Trotzdem haben wir den Versuch unternommen, seine Thesen zu widerlegen…

    • SLE - 28. Januar 2012 Antworten

      Streissler hat vollkommen Recht. Und ja, die Top-Ökonomen sollten mal einem Ratingprozess unterzogen werden.

      Gruß
      SLE

  • Holly01 - 28. Januar 2012 Antworten

    Bei Herrn Sinn suche ich immer wieder selbigen.

  • topperhopper - 28. Januar 2012 Antworten

    Ich höre hier immer wieder, dass die einseitige Sparpolitik die Eurozone nicht aus ihrer Klemme befreit. So weit so gut…und auch sicherlich in Teilen iO.

    Aber was ist denn die Alternative zurzeit??? Marshallpläne kosten Geld und sind in ihrer Auswirkung auch nicht vorhersehbar.

    Wir stecken in einer sich immer weiter schließenden Falle. Unsere Politiker haben doch aktuell nur die Wahl zwischen DSDS und The Voice…beides schlecht!

    Wir werden unser sehr starkes schuldenbasiertes Wachstum in den letzten Jahrzehnten durch eine Kontraktion der Wirtschaft bezahlen müssen – aus meiner Sicht gibt es hier keinen Königsweg, wie hier im Blog von manchen Sonntagsrednern immer wieder gern suggeriert…

    • Querschuss - 28. Januar 2012 Antworten

      Hallo Topperhopper,
      den Königsweg gibt es sicher nicht, das ist richtig, aber brachiale wirtschaftliche Kontraktion wie in Griechenland ist eine völlig verfehlte Strategie um eine Schuldenkrise zu lösen. Teil der unbequemen Wahrheit wird auch sein, dass innerhalb des Euro-Korsetts überhaupt wenig Chancen bestehen, für eine Lösung der Probleme der Südperipherie, denn eine alleinige Absenkung der Löhne ist nicht ausreichend um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und auf die Absenkung der Löhne reduziert es sich ja vor allem bei der Abwertung nach innen, andere Kosten wie bei einer Aussenabwertung sind mit dem Euro kaum senkbar. Die Kontraktion der Löhne kassiert aber sofort eine Kontraktion des Konsums und in Folge der Investitionen und der Wertschöpfung, ob dann später die gesunkenen Löhne wirklich Investitionen anlocken ist zunächst nur neoliberales Dogma, sehr wahrscheinlich reichen Lohnsenkungen nicht allein, da sich alle anderen Parameter radikal verschlechtern und von Investitionen abhalten. Im Zweifel schieben hochproduktive Werke in Deutschland oder anderswo ein paar Überstunden und die Nachfrage von wo auch immer wird erfüllt, ganz ohne Griechenland und Co.

      Gruß Steffen

    • Nepumuk - 28. Januar 2012 Antworten

      Also es gäbe schon zumindest einen gangbaren Weg.
      Den will aber das dicke Geld nicht. Und deswegen ist der so pfui…
      das alleine an diesen zu denken schon wie Verrat an der Europäischen Idee geahndet wird.

      Die Rückabwicklung zu den nationalen Währungen.

      Denn anders wird es keine Lösung des Dilemmas geben.
      Die Versuche nun einen Fiskalpakt zu basteln sind ja gut und schön.

      Allerdings nur ein winziger Schritt auf einer schier endlosen Strecke die noch zurückgelegt werden muss.

      Ausserdem erzeugt ein Reifenwechsel bei voller Fahrt an einem Abgrund entlang nicht grade ein mehr an Sicherheit.

      Eine Renationalisierung der Währungen muss ja nicht ( im Gegensatz zur politisch vertretenen Meinung ) zu einer Auflösung der EU führen.

      Nur weil man dazu keine Regeln hat, heist es ja noch lange nicht das man auch sowas nicht an einem Wochnendgipfel beschließen kann.

      Allerdings gibt ein solcher Schritt den EU Staaten ihre Handlungsfreiheit wieder die sie so nötig brauchen um auch die Krise reagieren zukönnen. Erst wenn dadurch die Euro Krise vom Tisch ist, können sie sich um ihre Schuldenkrise kümmern.
      Hier werden die Staaten icht um Schuldenschnitte umhinkommen und damit im Zusammenhang zu verstaatlichung der Banken gezwungen sein.

      Erst nachdem dieser Scherbenhaufen sich lichtet, kann Europa daran gehen und das Haus neu aufbauen.
      Gesetze , Rentenalter, demokratisch legitimierte Institutionen ( Europa Finanzamt, Euroarbeitsamt usw ) angleichen und somit die Grundlagen schaffen für eine gemeinsame Währung.

      Erst am ende dieses wirklich langen Prozesses kann es die vereinigten Staaten von Europa geben ( wenn man sie wirklich will ) mit einer einheitlichen Währung.

      Was wir jetzt sehen ist das Ergebniß eines schnellen zusammenkleistern ( vor dem hintergrund der deutschen Einheit ) ohne wirkliches tragfähiges Fundament.

  • Andreas Demuth - 28. Januar 2012 Antworten

    Ich glaube hier wirds auf den Punkt gebracht http://forum.spiegel.de/f22/kapitalismuskritiker-joseph-stiglitz-der-doppelagent-53126.html#post9531587
    Danke dem Forum ich hoffe der link geht

  • Tourist - 29. Januar 2012 Antworten

    “Empirisch ist belegt, dass die Nachfrage des öffentlichen Sektors wesentlich zur regionalen Entwicklung und Erneuerung beiträgt.”

    Und was macht der Staat dann mit dem Zeug?

    Vor allem: Was verursacht er?
    Wenn der Staat nachfragewirksam wird, setzt er im besten Fall ein Stimulus in Gang, den die beglückten Branchen nutzen und in produktivere und wettbewerbsfähigere Ersatzinvestitionen fließen lassen.

    Damit setzt der Staat die Messlatte der Produktivität nach oben und befeuert nur den Prozess der sowieso weltweit im Gange ist! Sinkendes Arbeitsvolumen pro Ware! Die verherrenden Folgen aus dem Prozess werden somit vom Staat unterstützt.

    Technologie zu Konkurrenzzwecken ist nunmal transferierbar und das nicht nur über Ländergrenzen hinweg, sondern auch in andere Branchen! Der große Irrtum der MArktwirtschaftler ist, dass sie annehmen jeder neue MArktzyklus würde bei einem gestiegenden Arbeitsolvumen pro Ware ansetzen! UNd das ist falsch!
    z.B.: Selbst nachdem die Autobranche 2008 /09 am Boden war, wurde nach den Rettungsversuchen das Produktivitätsniveu aufgegriffen, welches zum Zeitpunkt des Abschwungs galt. Jeder marktwirtschaftliche Zyklus verringert (!!) das Arbeitsolumen pro Ware! Und steigert es nicht!
    Steigende Kaufkraft setzt aber eine Steigerung des Arbeitsolumen insgesamt voraus! Und wer dauerhaft das Arbeitsolumen pro Ware steigert fliegt früher oder später vom Markt!

  • Andreas Demuth - 29. Januar 2012 Antworten

    Ergänzung zu meinem Link ob: Der Link verweist auf das gesamte Forum. Ich meine den Beitrag “Rufer in der Wüste ” – Stiglizt!!

2 Trackbacks

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen