Spanien: realwirtschaftliches Desaster!

von am 5. Februar 2013 in Allgemein

Anlässlich der 24. Deutsch-Spanischen Regierungskonsultationen in Berlin äußerte sich gestern die Bundeskanzlerin in einer Presskonferenz mit “großer Hochachtung” und “Bewunderung” für die “Reformen die in Spanien auf den Weg gebracht wurden” und äußerte ihre Überzeugung, “dass die Reformen ihre Wirkung zeigen werden”. Manche Steilvorlagen muss man einfach so nehmen, wie sie kommen, ein Faktencheck:

Die sogenannten “Reformen” manifestierten sich in zwei Mehrwertsteuererhöhungen, die erste Erhöhung zum 1. Juli 2010 von 16% auf 18% und die zweite Mehrwertsteuererhöhung zum 1. September 2012 von 18% auf 21%, in diversen Erhöhungen administrativer Preise und in einer Austeritätspolitik die sich auf Ausgabenkürzungen im öffentlichen Sektor, Kürzungen von Sozialleistungen u.a. bei Arbeitslosengeld und bei Langzeitarbeitslosen, bei Bildung und Gesundheit, auf die Abwertung nach innen, primär über Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung im öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft konzentrierten. Zu den realwirtschaftlichen Wirkungen der “Reformen” mittels Langfristcharts ein Überblick:

1aDie Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 1995 bis Dezember 2012, laut den Daten von Eurostat. Im Dezember 2012 sanken die realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze um -2,2% zum Vormonat auf 73,03 Indexpunkte. Zum Hoch im März 2007 ging es um deftige -31,58% abwärts (Depression)! Saisonbereinigt befindet sich der reale Einzelhandelsumsatz auf dem tiefsten Stand seit Juli 1996. Bei den unbereinigten Originaldaten ging es im Dezember 2012 um reale -10,2% zum Vorjahresmonat abwärts!

1aDie Entwicklung der PKW-Neuzulassungen in Spanien seit Januar 1970 bis Januar 2013 im Chart. Im Januar 2013 ging es um -9,6% zum bereits sehr schwachen Vorjahresmonat abwärts, auf 49’671 PKWs. Der langfristige Durchschnitt von Januar 1990 bis Dezember 2007 betrug 102’745 PKWs. Das Allzeithoch wurde im März 2006 mit 174’117 PKW-Neuzulassungen registriert. Selbst in den 70er Jahren lagen in einer Vielzahl der Monate die PKW-Neuzulassungen über dem aktuellen Niveau!

1aDie Entwicklung der Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen in Spanien seit Januar 1970 bis Dezember 2012 im Chart. Im Dezember 2012 brachen die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen um -34,2% zum Vorjahresmonat ein, auf 6’606 Transporter, LKWs und Busse. Zum Allzeithoch im Juni 2005 wurden 40’589 neue Nutzfahrzeuge zugelassen. (-83,7% zum Hoch). Selbst in den 70ern waren viele Monate über dem aktuellen Niveau!

1aDie Entwicklung der gesamten Baugenehmigungen von Neubauten, Erweiterungen/Renovierungen durch das Colegio de Arquitectos Técnicos seit Januar 1995 bis November 2012 im Chart. Zuletzt im November 2012 sanken die gesamten Baugenehmigungen um -28,4% zum Vorjahresmonat, auf 5’101 Baugenehmigungen.

Die Baugenehmigungen nur von Neubauten sanken zuletzt im November 2012 um -32,4% zum Vorjahresmonat auf schlappe 3’106 (126’753 im September 2006)!

1aDie Entwicklung des saisonbereinigten Outputs im spanischen Baugewerbe (Hoch- und Tiefbau) im Langfristchart seit Januar 1990 bis November 2012 laut Eurostat. Der Output des Baugewerbes schrumpfte um -55,5% zum Hoch im Juli 2006 und liegt auch deutlich unter dem Niveau von 1990!

1aDie Entwicklung des saisonbereinigten Outputs der breit gefassten spanischen Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe), ohne Baugewerbe, im Langfristchart seit Januar 1980 laut Eurostat. Im November 2012 sank der saisonbereinigte Output um -2,5% auf 76,04 Indexpunkte und lag damit auf einem Niveau von Anfang 1994! Zum Allzeithoch im Mai 2007 mit 109,59 Indexpunkten betrug der Einbruch bis November 2012 bereits -30,6%! Bei den unbereinigten Originaldaten ging es um -7,3% zum Vorjahresmonat abwärts.

1aDie Entwicklung der Zementproduktion in Spanien seit Januar 1955 bis Dezember 2012 im Chart. Seit dem Hoch im März 2007 ging es um satte -82,0% abwärts, von 5,123 Millionen Tonnen auf 919’580 Tonnen im Dezember 2012, vom Vorjahresmonat um -29,9%! Der Output der spanischen Zementproduktion notiert auf dem tiefsten Stand seit Januar 1967! So ein Einbruch steht klar für eine beispiellose Depression!

Der Binnenabsatz von Zement schrumpfte ebenfalls dramatisch, der Zementkonsum/verbrauch in Spanien schrumpfte im Dezember 2012 um -36,8% zum Vorjahresmonat auf 762’671 Tonnen, im März 2007 zum Hoch waren es noch 5,262 Millionen Tonnen. Ein Einbruch von satten -85,5%! Im Gesamtjahr 2012 ging es beim inländischen Verbrauch um -34,0% zum Vorjahr abwärts, auf 13,500987 Millionen Tonnen. Der prozentuale Einbruch im Jahr 2012 war der stärkste seit 1936!

1aDie Entwicklung der spanischen Rohstahlproduktion in tausend Tonnen seit Januar 1970 bis Dezember 2012 im Chart. Im Dezember 2012 sank der spanische Output zwar nur noch um -1,5% zum Vorjahresmonat auf 0,806 Millionen Tonnen, aber der Chart spricht Bände! Zum Hoch im Mai 2008 wurden in Spanien 1,980 Millionen Tonnen Rohstahl produziert.

1aDie Entwicklung des monatlichen Outputs im Fahrzeugbau (PKWs und Nutzfahrzeuge) in Einheiten (unbereinigte Originaldaten), in den spanischen Montagewerken der Automobilindustrie seit Januar 1980 bis Dezember 2012 im Chart. Zuletzt im Dezember 2012 stieg der Output zwar um +13,8%, allerdings zum bereits sehr schwachen Vorjahresmonat, auf 118’569 Fahrzeugeinheiten (Gesamtjahr -16,6%). Das aktuelle Niveau ist erbärmlich wie der Langfristchart anzeigt. Zum Hoch im Juni 2004 wurden 314’316 Fahrzeuge produziert. Die starken Einbrüche im Chart reflektieren immer den Monat August, wo durch umfangreiche Werksferien der Output der Produktion jeweils gedrosselt ist.

Das Gesamtjahr 2012 markierte die niedrigsten Produktionszahlen beim Fahrzeugbau (PKWs und Nutzfahrzeuge) seit 1993. Im Jahr 2012 wurden nur 1,979 Millionen Fahrzeuge in Spanien produziert, ein Einbruch von -16,6% zum Vorjahr. Das Hoch beim Fahrzeugbau wurde im Jahr 2000 mit 3,033 Millionen Einheiten markiert! 1aDie Entwicklung der Exporte von PKWs und Nutzfahrzeuge (Originaldaten) aus den spanischen Montagewerken der Automobilindustrie seit Januar 1980 bis Dezember 2012 im Chart. Zuletzt im Dezember 2012 stiegen die Fahrzeugexporte zwar um +10,3% zum Vorjahresmonat, auf 105’912 Fahrzeugeinheiten, allerdings auch hier ist das Niveau erbärmlich wie der Langfristchart anzeigt. Zum Hoch im Juni 2004 wurden 260’446 Fahrzeuge exportiert.

Im Gesamtjahr 2012 wurden nur noch 1,729 Millionen PKWs und Nutzfahrzeuge (-18,5% zum Vorjahr) exportiert, die niedrigsten Exportzahlen seit 1994!

Zum oberflächlich betrachtet Positivem:

1aDas spanische Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern seit Januar 1962 bis November 2012 im Chart. Das Handelsbilanzdefizit verbessert sich deutlich auf noch -1,407 Mrd. Euro im November 2012. Einziger Haken, die Verbesserung ist primär Rezession und Importschrumpfung geschuldet.

Detailliert zum spanischen Außenhandel mit den Export- und Importdaten: Das spanische Paradoxon – was keines ist!

Kumuliert von Januar bis November 2012 betrug das Handelsbilanzdefizit aber immer noch -29,463 Mrd. Euro, nach -41,789 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum (-29,5%). Wie auch im abgelaufenen Gesamtjahr 2011 mit -46,338 Mrd. Euro an Handelsbilanzdefizit, bleibt Spanien noch ein relevantes Stück von einer ausgeglichenen Handelsbilanz entfernt und selbst diese würde nicht genügen, um substanziell die Nettoauslandsverschuldung abzutragen, sondern nur substanzielle Handelsbilanzüberschüsse.

Noch etwas positiver, aber Ausdruck derselben Genese:

1aDie Entwicklung der spanischen Leistungsbilanz seit Januar 1990 bis November 2012 im Chart. Im November 2012 wurde ein Überschuss von +1,777 Mrd. Euro erzielt, als Ergebnis der wirtschaftlichen Schocktherapie. Nur isoliert auf die Leistungsbilanz gesehen kann so etwas wie “Hochachtung” fast aufkommen, aber Volkswirtschaft ist eben kein isolierter Blick auf die Leistungsbilanz, sondern immer auch ein Blick auf die Genese der Leistungsbilanz.

Kumuliert von Januar 2012 bis November 2012 betrug das Leistungsbilanzdefizit noch -13,133 Mrd. Euro (-60,9%), nach -33,586 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Zuletzt im Gesamtjahr 2011 waren es -37,766 Mrd. Euro, nach -47,427 Mrd. Euro 2010. Seit Januar 1990 bis November 2012 kumulierten sich aber immer noch unglaubliche -733,088 Mrd. Euro an Leistungsbilanzdefizit, davon die überragende Masse von -660,886 Mrd. Euro seit dem Januar 2000!

Die Leistungsbilanz ist neben der Kapitalbilanz Bestandteil der Zahlungsbilanz. Die Leistungsbilanz spiegelt die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz, die Erwerbs- und Vermögenseinkommen und die laufende Übertragungen mit dem Ausland wider.

Die klaren Verbesserungen beim Außenbeitrag (Exporte – Importe) reichen aber nicht ansatzweise aus, um die negativen Effekte aus schrumpfenden privaten und staatlichen Konsum, sowie den schrumpfenden Bruttoinvestitionen in der Verwendungsrechnung des BIPs aufzufangen. Die gerade seit dem Jahr 2000 aufgebauten realwirtschaftlichen Ungleichgewichte, sichtbar in der Leistungsbilanz, mündeten zwangsläufig in einer völligen Überschuldung aller Sektoren der Volkswirtschaft, die laut letztem Stand aus Q3 2012, weiter nicht mittels handelbarer Waren und Güter abgebaut wird, sondern nur auf hohem Niveau verharrt:

1a

Die Entwicklung der Nettoauslandsverschuldung (Net International Investment Position / NIIP) in Mrd. Euro auf Quartalsbasis seit Q4 1992 bis Q3 2012. In Q3 2012 betrug die Nettoauslandsverschuldung aller Bereiche der Volkswirtschaft satte -955,667 Mrd. Euro und damit 90,2% des nominalen BIPs.

Das NIIP ist der Vermögensstatus aller Sektoren einer Volkswirtschaft, der Saldo aus allen Auslandsvermögen und Auslandsverbindlichkeiten.

1aDie Entwicklung des konsolidierten Bruttoschuldenstandes des spanischen Staates (General Government) von Q4 1990 bis Q3 2012. In Q3 2012 stieg der Bruttoschuldenstand um +108,587 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat, auf 817,164 Mrd. Euro, nach 804,615 Mrd. Euro im Vorquartal und nach 708,577 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Dies entsprach einem Bruttoschuldenstand von 77,4% des nominalen BIPs, nach 76,0% im Vorquartal und nach 66,7% im Vorjahresquartal. Umfangreiche Bankenrettungen, Bailouts auch der Regionen und Belastungen aus hoher Arbeitslosigkeit führen trotz Ausgabenkürzungen des Staates zu einem kräftig explodierenden Bruttostaatschuldenstand.

1aDie Entwicklung der zweifelhaften Kredite und Darlehen des Privatsektors bei den spanischen Banken seit Januar 1975 im Chart. Im November 2012 stieg das säumige Kreditvolumen auf ein Rekordvolumen von 191,630 Mrd. Euro. Im November 2012 stieg das Kreditvolumen im Zahlungsrückstand auf 11,4% aller Kredite und Darlehen an den Privatsektor und damit auf ein neues Allzeithoch. Der Bankensektor schiebt nach wie vor ein stetig wachsendes Portfolio an faulen Krediten vor sich her.

Der Bau, die Industrieproduktion, selbst das Kernsegment der Industrie, der Automobilbau liegen am Boden, der private Konsum, gemessen an den Einzelhandelsumsätzen ist kollabiert und die Neuzulassungen von PKWs und Nutzfahrzeugen waren selbst in vielen Monaten der 70er stellenweise höher. Die Kreditausfälle erreichen immer neue Hochs und ebenso die Arbeitslosigkeit. Dies alles spricht nicht für mehr Leistungsfähigkeit und Erfolge von “Reformen” und der Blick auf die Leistungsbilanz ist primär der Blick auf die Rezession, angetrieben vom Kollaps der Binnennachfrage und damit von Importschrumpfung!

1aDie Entwicklung der offiziell registrierten Arbeitslosen in Spanien seit Januar 1965 bis Januar 2013 im Chart. Im Januar 2013 stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen um +132’055 zum Vormonat, auf 4,980778 Millionen Spanier und damit auf ein neues Allzeithoch!

1aDie Entwicklung der Zahl der Arbeitslosen je Quartal seit Q3 1976 bis Q4 2012 im Chart, gemäß des Economically Active Population Survey (EAPS) des Statistikamtes INE. In Q4 2012 stieg die Arbeitslosenzahl auf 5,9654 Millionen an, nach 5,7781 Millionen im Vorquartal und nach 5,2736 Millionen im Vorjahresquartal. Zum Vorjahresquartal betrug der Anstieg +691’800! Die Daten des EAPS sind breiter gefasst und entsprechen in etwa der Haushaltsbefragung (Household Data) beim US-Arbeitsmarktbericht.

1aDie Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten gesamten Arbeitslosenquote in Spanien von Januar 1978 bis Dezember 2012 im Chart, laut den Daten von Eurostat. Im Dezember 2012 lag die Quote bei 26,1%, nach 26,2% im November dem bisherigen Allzeithoch! Im Januar 2013 müsste die Quote weiter leicht anziehen.

1aDie Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Spanien von Januar 1987 bis Dezember 2012 im Chart. Im Dezember 2012 stieg die Jugendarbeitslosigkeit auf 55,6% und markierte damit ein neues Allzeithoch.

Die hohe Arbeitslosigkeit kombiniert mit der Einfrierung von Gehältern oder Lohnkürzungen führten zu einem kräftigen Einbruch der Summe aller Arbeitnehmerentgelte (Masseneinkommen) und damit in der Rückkopplung zum Einbruch von Nachfrage/Konsum.

1aDie Entwicklung der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte seit Q1 1985 bis Q3 2012 in Prozent zum Vorjahresquartal im Chart. In Q3 2012 sanken die realen Arbeitnehmerentgelte um -7,99% zum Vorjahresquartal, das 15. Quartal in Folge und mit einer Rekordrate. Selbst die nominalen Arbeitnehmerentgelte sanken um -5,45% zum Vorjahresquartal auf 114,609 Mrd. Euro.

Die Arbeitnehmerentgelte sind die Gesamtbruttosumme aller Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer, Angestellten, Beamten, inkl. aller in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehenden, inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeber. Detaillierte Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und damit zu den Arbeitnehmerentgelten sind für Q4 2012 noch nicht veröffentlicht.

1aDie Entwicklung der realen Bruttoanlageinvestitionen in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1985 bis Q3 2012. In Q3 2012 sanken die realen Bruttoanlageinvestitionen um -10,42% zum Vorjahresquartal. Die Bruttoanlageinvestitionen sanken bereits das 19. Quartal in Folge, im Vergleich zum Vorjahresquartal! Zum Hoch, aus Q4 2007, betrug der Einbruch bei den Bruttoanlageinvestitionen -43,63%!

Die Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb von dauerhaften und reproduzierbaren Produktionsmitteln sowie selbst erstellte Anlagen und größere wertsteigernde Reparaturen. Die Bruttoanlageinvestitionen setzen sich aus dem Erwerb neuer Anlagen und dem Saldo aus Käufen und Verkäufen von gebrauchten Anlagen zusammen. Die Bruttoanlageinvestitionen untergliedern sich in Ausrüstungen (Produktionsanlagen, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge), Bauten (Wohnbauten, Nichtwohnbauten) und sonstige Anlagen (u.a. Nutzvieh und Nutzpflanzungen, Computersoftware).

Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Bruttoanlageinvestitionen auch die Bauinvestitionen beinhalten und diese das Bild zusätzlich negativ verzerren, wird es auch nicht wirklich besser, wenn man nur auf die Ausrüstungsinvestitionen der Industrie schaut. In Q3 2012 sanken die realen Investitionen in Ausrüstungen der Industrie um -7,15% zum Vorjahresquartal. Zum Hoch aus Q2 2008 ging es um -46,77% abwärts. Es ist unmöglich Volkswirtschaften mit brachial sinkenden Investitionen leistungsfähig und fit für den Wettbewerb zu machen.

Die Erfolge der “Reformen” erschöpfen sich im prozyklischen Befeuern der Rezession, in einem schrumpfenden Konsum, schrumpfenden Investitionen und schrumpfender Produktion und generieren dabei auch kräftig schrumpfende Einkommen. Einzig der Außenbeitrag (Exporte-Importe) hat sich verbessert, dieser kann aber die anderen negativen Effekte in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht ansatzweise kompensieren. Dies zeigt klar die Verwendungsrechnung des BIP = privater + staatlicher Konsum + Bruttoinvestitionen + Außenbeitrag (Exporte – Importe).

Dies war eine Kurzzusammenfassung vieler dutzender Querschuesse zum Thema wirtschaftliche Lage in Spanien, mit den jeweils aktuellsten Daten. Letztlich zeigen die Daten eines, Spanien ist wirtschaftlich komplett fertig, die bisherige Wirtschafts- und Finanzpolitik zementiert nur den Niedergang und abseits der Realität der harten Daten dokumentieren sich bei den Handelnden Propaganda und Worthülsen! Die “Hochachtung und Bewunderung” für die Reformen in Spanien durch die Bundeskanzlerin reihen sich ein, in die praktizierte Verbrämung der Realität, wie zuletzt in Davos beim Jahrestreffen 2013: “Im Augenblick wird unser deutsches Wachstum vor allem von der Binnennachfrage getrieben. Wir haben alles getan, um den Binnenkonsum zu erhöhen.” Reloaded: Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze mit -4,7% zum Vorjahresmonat

Quelle Daten: Ine.es/VGR-Datenbank, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank, Bde.es/Datenbank spanische Zentralbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Querschusse.de: Fakten, Daten und Analysen

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53 KommentareKommentieren

  • Roland - 5. Februar 2013

    Unsere tapferen Stuttgarter Schwaben bringen den Schwachsinn von S 21 zum kippen und liessen sich auch von einer Volksabstimmung, die wegen einer belogenen und verschaukelten Mehrheit schlecht ausging, nicht von ihrem zähen Kampf abhalten.
    Und die Spanier schaffen es nicht, ein noch potenziert größeres Desaster zu beenden.

    “Stolze” Spanier, das war mal.
    Sind das alles nur noch Weicheier ?

  • MickFfm - 5. Februar 2013

    Lassen wir uns von Berlin nicht auch alles gefallen? Die Spanier waren wenigstens teilweise auf der Strasse, wo sie dann auch richtig auf die Schnauze bekamen.

    Die jungen Spanier ziehen andere Konsequenzen und versuchen einfach abzuhauen. Unser Unternehmen hat seit Jahresbeginn knapp 40 Blindbewerbungen aus den Südländern bekommen (wir sind nicht gerade ein Gigant). Auf eine Anzeige in der FAZ kamen noch mal 30.

    Und die reale Möglichkeit besteht, dass deutsche Arbeitgeber diese jungen Menschen auch anstellen, weil sie billiger sind. Dann haben wir wieder die A…karte gezogen. Ansonsten besteht ja immer noch die Möglichkeit sich hier einen Gewerbeschein zu besorgen und als Aufstocker H4 zu beziehen. Möchte nicht wissen, was hier los ist, wenn das mal die Runde macht.

  • Frank Bell - 5. Februar 2013

    @ Roland: Dass die Stuttgart 21-Gegner eine Volksabstimmung nicht akzeptieren, zeigt wie ANTI-demokratisch diese Kräfte wirklich sind! Das weckt in mir Assoziationen an ganz andere Zeiten…

    Zu Konsum und Wachstum eine Frage:

    Wir beklagen hier ja immer, wie dies alles einbricht. Aber ist so etwas nicht auch einmal zu erwarten?

    Die Generation vor mir hat von 1960 bis 2000 unglaublich viel Geld verdient und immer mehr staatliche Wohltaten bekommen. Deshalb war man ja auch bereit – weil man bereits so viel aufs eigene Sparbuch geschafft hatte – den Hartz IV- und Agenda 2010-Mist, der sich klar gegen die jüngere Generation wendet, zu akzeptieren.

    Ich denke, es ist eine Sättigung eingetreten. 2 Personen mit 3 Autos – kenne mehere so Fälle, das dritte Auto ist ein Cabrio oder Geländewagen – mehr geht doch nicht. Und mehr als einen Kühlschrank und einen Herd braucht man nicht. Etc.

    • Emeier - 5. Februar 2013

      @Frank Bell

      Da hast du schon irgendwo recht, ich kann diesem “immer mehr, immer höher, immer schneller”, worauf “Wachstum” zumeist rausläuft, auch wenig abgewinnen – ich würde lieber von “Entwicklung” als volkswirtschaftliches Erfolgsrezept sprechen, als bloß von “Wachstum”. Aber das Problem der Südländer wäre ja nicht, dass sie nicht mehr wachsten, sondern dass immer weiter alles zusammenbricht. Die haben nicht mehr mehr, die haben immer weniger.

    • Roland - 5. Februar 2013

      @ Frank Bell

      Das schlägt jetzt doch wirklich dem Fass den Boden aus:
      Ein Volksentscheid, der aufgrund von lügenhafter Manipulation der Bevölkerung zustande gekommen ist, muss “akzeptiert” werden ?
      Dann hätte der Widerstand gegen Hitler ja auch den Kampf einstellen müssen, denn dieser Psychopath kam ja 1933 auch durch eine Wahl an die Macht.

      Freuen wir uns: Weiterkämpfen gegen Lüge und Bosheit lohnt sich doch noch.
      S 21 ist tot.

      • Frank Bell - 5. Februar 2013

        Dass S21 tot ist, ist gut. Man hat ja nie gesagt, dass 1. das ganze nur den Miethaien dienen soll, die oberirdisch das dann ehemalige Bahngelände mit Büros vollpflastern werden und 2. die Bahnverbindungen früher schneller waren als jetzt, ohne dass es S21 gab.

        ABER: Unter diesem Aspekt (lügenhafte Manipulation der Bevölkerung) können wir uns JEDE WAHL sparen. Denn das GEZ-Medienkartell belügt uns täglich. Deren Beiträge sind wertlose Propagande, auf die ein bestimmter Herr ganz stolz wäre.

        Und was Stuttgart angeht: Da ist die Bevölkerung beim besten Willen nicht mehr uninformiert!

        Übrigens wurde Hitler 33 ernannt, nicht gewählt. Erst nach seiner Ernennung gab es unfreie Wahlen.

        • Roland - 5. Februar 2013

          Hitler kam durch eine Koalition, die aufgrund von Wahlen die Mehrheit hatte, an die Macht.
          Dieser Typ wurde doch nicht ernannt.
          Helmut Kohl, der 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum an die Macht kam, wurde doch auch nicht ernannt.

          Ihr Demokratie-”Verständnis” ist das des deutschen Spießbügers.
          (Wenn emol abgschtimmt isch, ka mer nix me mache)

          • Frank Bell - 5. Februar 2013

            Wenn einem die Argumente ausgehen, kommen die Beleidigungen.

      • n8igall123 - 5. Februar 2013

        Die Pläne, den Stuttgarter Hauptbahnhof umzumodeln gab es schon lange:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_von_Stuttgart_21

        Was maszen Sie sich an? Nur weil die Mehrheit nicht Ihrer Meinung ist? D wird immer mehr zu Rentnerrepublik, ja nur nix anfassen. Ueber die “bluehenden” Landschaften im Osten Deutschlands, wo teilweise massenhaft Geld reingesteckt wurde, _obwohl_ es dort keine Jobmoeglichkeiten gab und die Leute folglich wegzogen, regt sicht niemand auf, aber wenn Geld in einen Bahnhof gesteckt werden soll, der wirklich alt ist und obendrein in einem der Hauptwirtschaftsstandorte Deutschlands liegt, dann wird der Aufstand geprobt…

        A propos, zur Rentner-Republik : http://www.ofce.sciences-po.fr/blog/?p=2586

  • mitwisser - 5. Februar 2013

    In Spanien regiert eine Truppe volkswirtschaftlicher und ökonomischer Laien, deren einziges Ziel es war endlich wieder an die Macht zu kommen, nach (pseudo)sozialistischen 7 Jahren. Ausgangspunkt der heutigen Probleme ist die von der aktuellen regierenden PP unter dem damaligen Ministerpräsidenten Aznar angeschobene Immobilienblase neben exzessiver Infrastrukturbauten, die oft überdimensioniert oder gar überflüssig waren. Diese Branchen war das ideale Biotop für Korruption, Vetternwirtschaft, Betrug etc. welches die politische Klasse Spaniens mittlerweile völlig durchsetzt hat. Schlimmerweise kann ich zwischen den beiden grossen und dominanten Parteien PP und PSOE und ihren Akteuren keinen wirklich grossen Unterschied erkennen.
    Aber zurück zum Thema: seit die Blase Ende 2007 hochging, hat es die ideenlose spanische Politik nicht ansatzweise geschafft neue Perspektiven für Bevölkerung und Wirtschaft zu entwickeln. Viele Verantwortliche scheinen auf irgendein Wunder zu warten.

    • Traumschau - 5. Februar 2013

      Danke Steffen!!
      Oder hier bei YT:
      http://www.youtube.com/watch?v=Ibem1pX78Dw

      • Roland - 5. Februar 2013

        Dieses Video zeigt doch genau das spanische Dilemma.
        Diese lieben naiven Leute haben überhaupt keine Ahnung, was sie verändern müssen.

        Und so endet ihre “Revolutioin” doch nur wieder als eine dieser vielen ausgelassenen spanischen Partys.

        • Traumschau - 5. Februar 2013

          Naja, man könnte ja mal damit anfangen, andere Parteien zu wählen!!
          Das stünde uns in Deutschland auch mal gut zu Gesicht, oder?

          • Willie - 5. Februar 2013

            Die könnten endlich mal anfangen etwas Gewalt auszuüben. Anders scheint es doch gar nicht mehr zu gehen.

  • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 5. Februar 2013

    Ich bin weit davon entfernt die Rettungspolitik gutzuheissen.

    Allerdings war der Immobilienboom, die damit zusammenhängende hohe Zementproduktion und Beschäftigung ein Teil des Problems! Ein Rückgang dieser Werte ist somit positiv.

    Was bringt Produktion durch Fehlallokation des Kapitals. Es venichtet doch nur Werte.

    • Querschuss - 5. Februar 2013

      Zwischen einem Niveau zum Höhepunkt der Blase und einem aktuellem Niveau auf dem Level Ende der 60er Jahre liegen wohl Welten und zwar die Gesunden. Wenn sich die Kontraktion nur auf die Zementproduktion und den Bau beschränken würden und im Gegenzug andere Sektoren wachsen würden, hätte dein Argument sicher Gewicht, so weist es nur daraufhin, dass die “Reformen” keine wirtschaftlichen Perspektiven eröffneten, sondern nur den nahezu allumfassenden Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität.

      • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 7. Februar 2013

        Was ist denn Euro Lösung? Noch mehr Geld zwingen nach Spanien zu fliessen um dort Wachstum zu schaffen??? Sprich deutsches Geld vernichten.

        • Querschuss - 7. Februar 2013

          Hallo Euro? Nein danke! – Aufkleber,
          die Lösung, gar eine schnelle gibt es nicht. Eine funktionsfähige Volkswirtschaft ist das A und O um seinen Verbindlichkeiten nachzukommen, wie eben auch Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft und die Demokratie. Daraus erschließt sich bereits, dass es wenig Sinn macht die spanische Volkswirtschaft immer weiter in die Rezession trudeln zu lassen und dies auch noch mit prozyklischen Handeln zu befeuern. Es wird nicht besser, auch nicht für die Gläubiger, wenn man die Arbeitslosenquote auch noch auf über 30% treibt und damit die Kreditausfälle im Bankensystem und noch weitere 5 Quartale die Bruttoanlageinvestitionen schrumpfen lässt, 19 Quartale mit Schrumpfung in Folge waren es schon. Niemals kann man eine Volkswirtschaft mit schrumpfenden Investitionen fit machen, das ist so simple, das es auch einem Euro? Nein danke! – Aufkleber einleuchten könnte. Unter der derzeitigen Strategie gekoppelt am Korsett des Euro wird es wohl noch schlimmer statt besser, da die gemeinsame Währung eine dringend nötige Abwertung nach aussen verhindert. Da wirst du mir doch sicher zustimmen? :)

          Gruß Steffen

          • EURO NEIN DANKE AUFKLEBER - 7. Februar 2013

            “Niemals kann man eine Volkswirtschaft mit schrumpfenden Investitionen fit machen”

            Das stimmt. Allerdings hat ja neimand entscheiden dass diese schrumpfen. Die Investoren haben nur realisiert, dass der ClubMed Risiken birgt. Man könnte nun das Geld zwingen dort hinzugehen, was die EU/EIB/EZB ja auch teilweise macht. Nur ist das eben keine effiziente Kapitalallokation und verlängert die Rezsession.

            Ohne eine Abwertung der spanischen Währung gibt es keine Lösung. Und diese Abwertung muss auch relative zu DE, FI, NL etc. sein. Ein dämlicher Vorschlag, wie der aus Frankreich, den Euro relativ zu USD, Yen etc. abzuwerten hilft da wenig.

            • Querschuss - 7. Februar 2013

              der Sinn von Wirtschafts- und Finanzpolitik ist ja, Rahmenbedingungen so zu setzen das private Investitionen angelockt werden und eben nicht vergräzt werden. Steuererhöhungen, Konsum- und Einkommensschrumpfungen sind allesamt geeignet das Investoren auf Grund mieser Geschäftsaussichten eben nicht investieren. Wird aber in der Rezession Konsum, Investition und Produktion zurückgefahren und der Staat kürzt ebenfalls Ausgaben ist das Ergebnis nun mal weiter Rezession/Depression. Geradezu beispielhaft auch in Spanien zu beobachten und genauso wie ich es seit 2010 vorausgesehen habe, war ja auch nicht schwer, normaler Verstand und Grundkenntnisse zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung reichen dazu. Simple Arithmetik eben.

              “Die Investoren haben nur realisiert, dass der ClubMed Risiken birgt.”…Die Weitsicht von Investoren darft du nicht überschätzen, selbst am Höhepunkt der Blase haben die noch Milliarden reingepumpt in den spanischen Immobilienmarkt. Blasen oder Nachhaltigkeit von Entwicklungen sind denen meist egal, die gehen dahin wo die höchste Rendite winkt, im Zweifel auch zu Blasen im fortgeschrittenen Stadium.

              Gruß Steffen

          • EURO NEIN DANKE AUFKLEBER - 7. Februar 2013

            Die Spanier können von mir aus so viel die Wirtaschaft ankurbeln wie sie wollen. Nur eben mit ihrem eigenen Geld oder dem Geld von Investoren die dort freiwillig hingehen.

            • Querschuss - 7. Februar 2013

              wovon faselst du eigentlich, in Spanien wird genauso wenig wie in Griechenland mit deutschem Steuerzahlergeld die Wirtschaft angekurbelt. Es werden Banken gebailoutet, Gläubiger und bestehende Schulden der Staaten zum Wohle der privaten Gläubiger mit öffentlichen Mitteln refinanziert. Das alles hat mit Realwirtschaft und deren Ankurbelung nichts zu tun. Zeigen ja wohl auch die Charts im Artikel eindeutig.

              Vielleicht sollte du mal ein paar Fakten zur Kenntnis nehmen, die Auslandsforderungen (Kreditportfolio) deutscher Banken gegenüber Spanien betrugen im August 2008 192,711 Mrd. Euro, im Dezember 2012 nur noch 84,090 Mrd. Euro. Wie wurde wohl dieser Abbau an Kreditengagement deutscher Banken in Spanien ermöglicht…, richtig durch die Refinanzierung dieser Engagements mit öffentlichen Mitteln (Steuerzahler). Wer wird hier also gerettet, die spanische Wirtschaft, gar die Menschen oder primär auch deutsche Banken (Gläubiger).

          • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 7. Februar 2013

            “In Spanien wird genauso wenig wie in Griechenland mit deutschem Steuerzahlergeld die Wirtschaft angekurbelt”

            Ich habe nicht geschrieben dass dies passiert. Du hast geschrieben dies sei wünschenswert

            “aber in der Rezession Konsum, Investition und Produktion zurückgefahren und der Staat kürzt ebenfalls Ausgaben ist das Ergebnis nun mal weiter Rezession/Depression. Geradezu beispielhaft auch in Spanien zu beobachten ”

            Ausserdem floss/fliesst durchaus EZB Geld nach Spanien. Desweiteren bürgt der Steuerzahler für ESM Bailouts.

            Mir ist schon klar, dass dies heute dem spanischen Bürger wenig nützt, sondern im Wesentlichen den Gläubigern. Die Spanier hatten den Nutzen bereits als sie die Kredite von den Banken erhaltne haben. Die Gläubiger werden jetzt schadlos gehalten. Das ist falsch und führt zu falschen Anreizen.

            Am Ende des Tages floss deutsches Investoren-Geld nach Spanien, dass nun nicht die Spanier zurück zahlen, sondern die deutschen & Finnischen Steuerzahler. Wer hier gewinnt und verliert ist klar. Die Friedenswährung macht es möglich!

            • Querschuss - 7. Februar 2013

              “aber in der Rezession Konsum, Investition und Produktion zurückgefahren und der Staat kürzt ebenfalls Ausgaben ist das Ergebnis nun mal weiter Rezession/Depression. Geradezu beispielhaft auch in Spanien zu beobachten ”

              Aus diesem Satz, der die Mechanik der ungebremsten Abwärtsbewegung der wirtschaftlichen Aktivität in Spanien beschreibt, liest du heraus das es meiner Meinung nach wünschenswert wäre, mit deutschen Steuergeld die spanische Wirtschaft anzukurbeln. ….Gähn, reine Fehlinterpretation deinerseits, ohne jegliche Grundlage.

              Aber vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, die Mehrwertsteuer in Spanien nicht so stark anzuheben, wie auch andere administrative Preise, gekoppelt mit Lohnkürzungen, Kürzungen von Sozialleistungen, Arbeitszeitverlängerungen mitten in der Rezession usw.

              Stimmt du hast nicht geschrieben, dass dies passiert, sondern nur die Frage gestellt :) “Was ist denn Euro Lösung? Noch mehr Geld zwingen nach Spanien zu fliessen um dort Wachstum zu schaffen??? Sprich deutsches Geld vernichten.”
              Die Frage ist ja jetzt beantwortet und du pflichtest ja bei, dass deutsches Steuerzahlergeld nicht die spanische Wirtschaft ankurbelt und im Wesentlichen nur den Gläubigern nutzt.

        • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 7. Februar 2013

          “Aber vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, die Mehrwertsteuer in Spanien nicht so stark anzuheben, wie auch andere administrative Preise, gekoppelt mit Lohnkürzungen, Kürzungen von Sozialleistungen, Arbeitszeitverlängerungen mitten in der Rezession usw.”

          Aus meiner Sicht sollten das die Spanier handhaben wie sie es für richtig halten, wie sonst alles Andere auch. Ich will niemand vorschteiben wie er zu leben hat, will aber auch nicht für dessen Verhalten haften. Das gleiche gilt für andere Investoren. Very simple – plain vanilla.

          Für meine Fehler (~EUR 50k Verluste mit AIB) hat auch niemand ausser mir gehaftet und das ist gut so.

          • Querschuss - 7. Februar 2013

            “…will aber auch nicht für dessen Verhalten haften.” … Wie real ist das, in einer komplexen Volkswirtschaft und zusammen mit Anderen in einer Währungsunion? Gewollt oder ungewollt werden beim Übersteigen einer gewissen Dimension an Fehentwicklungen immer Steuerzahler und Sparer mit in Haftung genommen oder eben auch Arbeitnehmer, da sie ihre Jobs verlieren werden, wenn immer mehr Länder und damit potentielle Importeure in Rezession versinken. Dasselbe gilt für Unternehmer und Selbstständige. Forderungen, Ansprüche können voll umfänglich immer nur aus prosperienden Volkswirtschaften heraus erfüllt werden, nie aus schrumpfenden.

  • mitwisser - 5. Februar 2013

    Weil in Spanien die Strompreise reguliert sind, die Erzeuger aber gerne die gewohnten Gewinne einfahren wollen, kam man auf die Idee eines Nebenhaushalts:

    http://www.rottmeyer.de/spanien-billiger-strom-auf-pump/

    Das erscheint natürlich in keinem offiziellen BIP-Defizit, bringt aber locker 2 Prozentpunkte auf die Staatschulden zum BIP oben drauf. Von der rausgerechneten Bankenrettung ganz zu schweigen. Korrekt gerechnet ist die 100% Schwelle Schulden zu BIP schon in greifbarer Nähe und wird im Laufe des Jahres zügig und ungebremst übersprungen.

  • Daniel2012 - 5. Februar 2013

    halb so wild – die spanier sind willkommen und alles wird gut:

    “IHK Südthüringen startet Fachkräfteprojekt mit Spanien”

    http://suhl.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/wirtschaft/detail/-/specific/IHK-Suedthueringen-startet-Fachkraefteprojekt-mit-Spanien-1215668449

    “Gefördert wird das Netzwerk aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF).”

    http://www.tlz.de/web/zgt/wirtschaft/detail/-/specific/Stiftung-will-spanische-Fachkraefte-nach-Thueringen-locken-1388792314

    ___________________________________________

    danke steffen fuer die abermalige klarstellung der realitaet.

    das geschwaetz der kanzlerin laesst sich auch nicht durch diplomatische sprachgewohnheiten rechtfertigen – es ist vielmehr ein seltener beweis ihrer unverfrorenheit.

  • Bubblegum - 5. Februar 2013

    “mitwisser – 5. Februar 2013 Antworten

    In Spanien regiert eine Truppe volkswirtschaftlicher und ökonomischer Laien, deren einziges
    @ mitwisser

    Ziel es war endlich wieder an die Macht zu kommen, nach (pseudo)sozialistischen 7 Jahren. Ausgangspunkt der heutigen Probleme ist die von der aktuellen regierenden PP unter dem damaligen Ministerpräsidenten Aznar angeschobene Immobilienblase neben exzessiver Infrastrukturbauten, die oft überdimensioniert oder gar überflüssig waren. Diese Branchen war das ideale Biotop für Korruption, Vetternwirtschaft, Betrug etc. welches die politische Klasse Spaniens mittlerweile völlig durchsetzt hat. Schlimmerweise kann ich zwischen den beiden grossen und dominanten Parteien PP und PSOE und ihren Akteuren keinen wirklich grossen Unterschied erkennen.”

    Ähnliches hat Frank Bell letztens schon behauptet. Bitte nehmen Sie beide doch den folgenden
    Sachverhalt zur Kenntnis:

    Steffen hat vor noch nichz allzu langer Zeit eine Graphik präsentiert aus der ging hervor, dass der letzte Handelsbilanzüberschuss Spaniens aus dem Jahr 1962!! stammte. Zu dieser Zeit
    regierte noch der Diktator General Franco!
    Die PP bzw. die PSOE waren zu diesem Zeitpunkt unwichtig bzw. noch gar nicht existent!

    Das ganze ist also nicht das Versagen der Volksparteien sondern, der seit 800 Jahren herrschenden Eliten(Kirche, Adel, Militär, Finanzoligarchie). Die Parteien sind nur ihre Marionetten innerhalb eines pseudodemokratischen Systems!
    Viele Grüße Bubblegum

    • Frank Bell - 5. Februar 2013

      @Bubblegum

      “Die Kirche ist schuld.” Das ist doch nur ganz billige Polemik! So einfach darf man es sich nicht machen.

    • Frank Bell - 5. Februar 2013

      @ Bubblegum

      Ich präzisiere, warum ich das “Die Kirche ist schuld.” für ein billiges, polemisches Argument halte.

      Nach dieser Logik müssten z.B. Frankreich und Italien wirtschaftlich die absolut führenden Staaten sein, denn dort wurde nach dem Sieg der Freimaurerideale (französische Revolution, Risorgimento) die Kirche sämtlicher Rechte beraubt.

      Ein Problem Spaniens war – das ist aber längst gelöst – das Verhältnis der Grossgrundbesitzer, insbeondere im Süden, zu den Tagelöhnern. Eine Landreform hatten damals aber nicht nur die Kommunisten und Anarcho-Syndikalisten, sondern auch die Falangisten im Programm.

      Franco hat zwar die Falangisten in die Partei integriert, deren sozial-revolutionäres Programm jedoch nie durchgeführt.

      Wir haben ähnliche Probleme, die jedoch niemand ernsthaft angeht:

      Das krasse Missverhältnis zwischen leistungslosem Einkommen und den Hartz IV-Empfängern, denen man mit allen krummen Tricks die wenigen Euros noch nehmen will, wo Millionäre sich auf der anderen Seite steuerlich arm rechnen können. So weist auch Buffett darauf hin, dass seine Sekretärin mehr Steuern zahlt als er.

      (Hier passt S21 ganz gut: Gegen einen Bahnhof geht man auf die Strasse, wegen der Steuergerechtigkeit nicht! Das waren noch Zeiten, als die WASG Menschen mobilisieren konnte. Schade, dass die damalige PDS das nicht aufgegriffen hat…)

  • Frankenfurter - 5. Februar 2013

    Steffen, warum kein Wort über die Kapitalflucht seit Krisenausbruch, welche aktuellen Zahlen hast du dazu?

    • Querschuss - 5. Februar 2013

      Hallo Frankenfurter,
      im Artikel geht es primär um die Realwirtschaft. Die private Kapitalflucht aus Spanien stellt momentan kein Problem dar, bzw. seit 3 Monaten hat Spanien wieder privaten Kapitalzufluss. Außerdem stellt sich die private Kapitalflucht im Nachhinein etwas anders dar, so wie jetzt auch der Zufluss. Ich hatte zwar frühzeitig vermutet das die Banken selbst, so auch Spanische, Teile der gezogenen Zentralbankgeldliquidität aus LTRO 1 und 2 via Target2 Zahlungsystem verbracht haben, aber das das Geschehen so von den Banken und den LTROs dominiert wurde erstaunt dann doch. Die aktuellen Kapitalzuflüße sind wohl ebenfalls nur zurückgeholte Zentralbankliquidität von den Banken der DNLF-Ländern, die jetzt von den spanischen Banken frühzeitig an das Eurosystem zurückgeführt wurden. (Vorher wurde sie von spanischen Banken dorthin verbracht, Teile der LTRO-Liquidität, welche spanische Banken gezogen haben.) Deshalb schrumpft die Bilanzsumme im Eurosystem jetzt deutlich.

      Es wurde mehr Liquidität gezogen als gebraucht, kostete ja auch fast nichts, via Target2 verbracht und nun zurückgeholt und an das Eurosystem zurückgeführt. Die LTROs selbst waren es, die die Kapitalflucht antrieben, verbrachtes Zentralbankgeld, wohl als Wette der Banken der Südperipherie auf den Eurozonenzusammenbruch und einer kräftigen Aufwertung der DNLF-Länder. Diese Angst ist raus, also wird die überschüssige Liquidität an das Eurosystem zurückgeführt. Mit Realwirtschaft hat dies alles nichts zu tun.

      Das war mir zwar im Prinzip klar, aber nicht so deutlich, so schrieb ich am 08.Juni 2012: “Die Kapitalflucht dürfte weiter primär auf Institutionelle, insbesondere Banken und Vermögende zurückzuführen sein, die ihre Kreditengagements in den PIIGSBF-Banken reduzieren bzw. Vermögenswerte und gar die zusätzliche Zentralbankgeldliquidität der Banken selbst, in den vermeintlich sicheren Hafen des deutschen Bankensystems transferieren.”

      http://www.querschuesse.de/stoppt-endlich-den-wahnsinn-target2-der-buba-bei-698567-mrd-euro/

      Gruß Steffen

      • Frankenfurter - 6. Februar 2013

        Mir ist aufgefallen, dass seit dem Spätsommer letzten Jahres keine Meldungen mehr über Kapitalflucht aus Spanien erscheinen. Die spanische Zentralbank schlüsselte aber, lt. Uhupardo, noch im März detailliert den Kapitalabfluss auf.

        Davon abgesehen, wenn 235 Mrd. Euros aus Spanien verschwinden – das war eine Summe vom August – dann muss das natürlich Auswirkungen auf die sog. Realwirtschaft haben. Denn das Geld könnte man ja auch im Lande investieren, statt es in angeblich sichere Häfen ins Ausland zu verschieben.

        • Querschuss - 6. Februar 2013

          Hallo Frankenfurter,
          wenn auch spanische Banken die Gunst der Stunde nutzten und mehr Liquidität per LTROs saugten als sie brauchten und diesen Überschuss dann per Target2 z.B. in das deutsche Bankensystem verbrachten, jetzt eben wieder zurück und die Möglichkeit der frühzeitigen Rückzahlung an das Eurosystem nutzend, hat das Null realwirtschaftliche Auswirkungen und ist im Prinzip nicht mal klassischer Kapitalexport (Kapitalflucht) gewesen, sondern künstlich angefeuert durch die LTROs. Ohne LTROs wäre diese Dimension nicht entstanden.

          Das nicht investiert wird, dokumentieren ja immer die Bruttoanlageinvestitionen, welche auch in Spanien seit 19 Quartalen in Folge zum Vorjahresquartal schrumpfen.

          Im August sind keine 235 Mrd. Euro verschwunden, sondern 11,9 Mrd. Euro. Kumuliert von Januar bis August waren es 251 Mrd. Euro Kapitalabfluss. Die spanische Zentralbank weist die Kapitalbilanz jeden Monat aus.

          Gruß Steffen

  • Erklärbär - 5. Februar 2013

    “ansonsten besteht ja immer noch die Möglichkeit sich hier einen Gewerbeschein zu besorgen und als Aufstocker H4 zu beziehen. Möchte nicht wissen, was hier los ist, wenn das mal die Runde macht.”

    Auf die Idee, dass viele Gewerbetreibende keine Wahl haben, kommt so einer natürlich nicht.

  • Bubblegum - 5. Februar 2013

    @ Frank Bell

    “Nach dieser Logik müssten z.B. Frankreich und Italien wirtschaftlich die absolut führenden Staaten sein, denn dort wurde nach dem Sieg der Freimaurerideale (französische Revolution, Risorgimento) die Kirche sämtlicher Rechte beraubt.”

    Na, ja zu den G8 gehören Spanien, Frankreich und Italien zur Zeit immer noch!
    So und in Frankreich und Italien wurde ebenso wie in Spanien die Kirche aller Rechte beraubt!
    Habe ich da was nicht mitbekommen?
    Der Vatikanstaat existiert immer noch! Die kirchliche Trauung wird meines Wissens in Spanien
    automatisch als staatliche Eheschließung anerkannt und in allen diesen Ländern ist meines
    Wissens der Grundbesesitz der Kirche noch immer sehr groß. Eine Landreform hat es eben in Spanien nie gegeben, mit der Folge, dass ein vergleichsweise großer Teil der Bevölkerung
    noch immer in der Landwirtschaft tätig ist. Und eine zivilrechtliche Ehescheidung ist meines Wissens ohne Zustimmung der Kirche in Spanien immer noch nicht möglich!
    Mal abgesehen davon, dass die Erwähnung der Kirche nur als ein! Bestandteil der Eliten erfolgte, ist doch signifikant auffällig, dass überall dort, wo die katholische Kirche großen Einfluss hat, die Länder der wirtschaftlichen Entwicklung hinterherhinken. Egal ob wir Europa
    oder Lateinamerika betrachten!
    Viele Grüße Bubblegum

    • Frank Bell - 6. Februar 2013

      “Der Vatikanstaat existiert immer noch!” Stört sie das?

      “Die kirchliche Trauung (…) als staatliche Eheschließung anerkannt.” Beim Islam diskutiert man dies auch in Deutschland, dass die Eheschliessung eines Imams automatisch anerkannt wird. Stört sie das?

      “hinterherhinken” Es ist mir schon klar, dass der Manchester-Kapitalismus wirtschaftlich gesehen das beste ist, was es bislang gab. Wollen wir Manchester-Kapitalismus?

  • Samso - 6. Februar 2013

    Die Spanier haben ihre Henker selbst gewählt, so wie wir übrigens auch (ich nicht) und wie wir (ich nicht) es auch im September wieder tun werden, nach dem Motto “Mutti wird’s schon richten, ist eh alles alternativlos”!

  • HalloWach - 6. Februar 2013

    Mitwisser,

    ich glaube nicht daran, daß Laien in Spanien oder sonstwo regieren. Sicherlich gibt es hier und da Politiker, die etwas nicht verstehen und mit Sachverhalten überfordert sind – vor allem auf kommunaler Ebene. Aber das was sich in D, EU und sonstwo abspielt, ist nie und nimmer politischen Laiendarstellern geschuldet. Wenn einfachste ökonomische Zusammenhänge, die sogar ich verstehe, von den Entscheidungsträgern als nicht vorhersehbar bezeichnet werden, dann kann man nicht von der Dummheit der Akteure schreiben. Dahinter steckt höheres.

    mfG

  • Huthmann - 6. Februar 2013

    Hallo Querschuß und Mitkommentatoren,

    es wäre schön, sich einmal Gedanken zu machen -evl. in einem separaten Beitrag – wie Wirtschaft funktioniert.

    Anscheinend gibt es da 100 verschiedene Meinungen.

    Laßt uns doch einmal die Realität ansehen und dort sehen, wie welche Akteure wie handeln und was dann passiert.

    Das kann doch kein Mysterium sein da ansehbar, vor Ort, bei uns.

    MfG

  • Huthmann - 6. Februar 2013

    Z.B. die Frage:

    Was passiert, wenn die Nachfrage in einem Markt zurückgeht? Kurzfristig, mittelfristig und langfristig. Ändern sich da Preise, ändern sich da Löhne und Gehälter, ändern sich da Produktionsstrukturen?

    Erfolgen da Anpassungen ja oder nein? Müssen diese Anpassungen erfolgen oder sollte man diese Anpassungen vermeiden? Was passiert, wenn die Anpassungen laufen? Was passiert, wenn man die Anpassungen vermeiden will?

    MfG

  • Sandra - 7. Februar 2013

    An Huthmann:
    Vielleicht hilft dir ein sehr guter Artikel weiter, der vor Kurzem auf den NachDenkSeiten erschienen ist. Er untersucht die Krise Spaniens und die Eurokrise auf Basis eines alternativen ökonomischen Ansatzes Da lernt man eine Menge allgemein über Ökonomie. Wirklich ganz toll! Nur Neoklassikfans werden vermutlich nicht bedient. Hier der Link:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=15854

    • Huthmann - 8. Februar 2013

      Vielen Dank für den interessanten Artikel, der auf Basis von Saldenmechanik klarstellt, daß Einnahmen einer VWL den Ausgaben entsprechen.

      Das ist alles recht und gut, bringt uns aber meines Erachtens nicht weiter. Desweiteren irritiert mich bei dieser recht guten Übersicht, daß die Geldschöpfung und Geldvernichtung durch das Geschäftsbankensystem nicht in der Gleichung der Finanzierungssalden der Sektoren Privathaushalte, Staat und Außenland enthalten ist:

      (S – I) + (T- G) + (M – X) = 0 enthalten ist.

      Umso mehr als der, die Autoren weiter hinten auf dieses Thema eingehen.

      Die grundlegende Frage ist aber eine ganz andere. Wie verhalten sich diese Größen in der Zeit und wie hängen sie voneinander ab?

      Ist es so, daß wenn z.B. der Staat spart und die privaten Haushalte sparen, das BIP immer kleiner wird? Von Periode zu Periode?

      Oder anders ausgedrückt: Wenn der Staat mehr ausgibt als er einnimmt, der Privaten mehr ausgeben als sie einnehmen, steigt dann das BIP immer weiter? Von Periode zu Periode?

      Diese simplen Beispiele, die gegeben werden, also z.B. von 1000 Euro verfügbarem Einkommen spare ich 10%, also 100 Euro. Somit werden nur 900 Euro nachfragewirksam ceteribus paribus. Und von den 900 Euro verfügbaren Einkommen spare ich wieder 10%, also 90 Euro, verbleiben somit 890 Euro nachfragewirksam. Etc.

      Oder anders rum: von 1000 Euro verfügbarem Einkommen konsumiere ich 1100 Euro durch eine Kreditfinanzierung von 100 Euro. Gibt dann 1100 Euro, die nachfragewirksam werden ceteribus paribus. Von den 1100 Euro verfügbaren Einkommens konsumiere ich 1210 durch eine weitere Kreditfinanzierung von 110 Euro. Dieses wird nachfragewirksam, etc.

      Funktioniert so Wirtschaft?

      MfG

      • Querschuss - 8. Februar 2013

        Hallo Herr Huthmann,
        verläßt man die betriebswirtschaftliche Ebene und betrachtet die gesamtvolkswirtschaftliche Ebene sinkt selbstverständlich das BIP, wenn private Haushalte und der Staat ihre Ausgaben senken. Außer die Investitionen oder der Außenbeitrag steigen adäquat. Zeichen der Krise der Südperipherie ist ja, dass auch noch die Investitionen sinken und der Außenbeitrag sich zwar verbessert, aber die Löcher aus diesen drei Großbaustellen mit Auslandsnachfrage nicht kompensiert. Vereinfacht sind Ausgaben = Produktion = Einahmen. Der einzige Faktor der da mit reinspielt ist die Auslandsnachfrage (Außenbeitrag). Sinken also die Ausgaben sinken immer Produktion und Einnahmen, ausser die Auslandsnachfrage ersetzt die schrumpfenden Ausgaben von heimischen Privaten und Staat.

        So einfach ist das, wenn jedoch diese Basics der Makroökonomie vom Denken und Handeln der schwäbischen Hausfrau konterkariert werden, welches da meint, man könne Volkswirtschaften gesunden, indem alle Sektoren der Volkswirtschaft gleichzeiztig sparen (Ausgaben senken), kommt es zu diesen katastrophalen wirtschaftlichen Ergebnissen, wie sie hier im Blog ausführlich seit 2010 dokumentiert werden.

        Gruß Steffen

        • Huthmann - 9. Februar 2013

          Hallo Steffen,

          sparen, konsumieren, produzieren, investieren sind nicht eine Funktion der Saldenmechanik sondern Entscheidungen, die Wirtschaftssubjekte treffen und umsetzen.

          Wenn ich nach dem Platzen einer Assetpreisblase Schulden an der Backe habe und ein Haus, das nichts mehr wert ist, dann hilft mir keine Saldenmechanik, dann habe ich mich verzockt, habe Depressionen und versuche trotzdem meiner Schuldentilgung einigermaßen nachzukommen. In Spanien ist das das Schicksal von Vielen.

          Jetzt was tun? Sollte man nun wie in den letzten Jahrzehnten üblich, eine Bereinigung der Überinvestitonsphase nicht aushalten, sondern durch Mehrausgaben von anderen Sektoren gegensteuern.

          Das kann doch nicht die Lösung sein, daß ist doch genau das, was wir seit Keynes getan haben. Das Resultat ist bekannt:

          - stabile Renditen über Jahrzehnten durch ständige Makrointerventionen wie Staat, Notenbanken. Durch stabile Renditen Konzentration der Vermögen in den Händen weniger. Warum, da jede Investition gelingen wird. Niemand scheitert mehr

          - Aufblasen der Verschuldung durch die ständige Interventionen bis an die Grenze des Zusammenbruchs. Ständiges Nettokreditwachstum, um ja keinem wehe zu tun

          - dadurch Reduzierung an Wettbewerb auf allen Ebenen. Machtkonzentrationen.

          In der Summe ist doch das ganze Wirtschaftssystem durch die ständigen Interventionen völlig desorientiert und aus dem Ruder und wird durch weitere Interventionen nicht besser.

          Gruß

          • Querschuss - 9. Februar 2013

            Hallo Huthmann,
            “sparen, konsumieren, produzieren, investieren sind nicht eine Funktion der Saldenmechanik sondern Entscheidungen, die Wirtschaftssubjekte treffen und umsetzen.”…Na klar, aber in der Summe aller Entscheidungen ist es eben doch wieder Saldenmechanik, enscheidet nun mal der Staat Ausgaben zu senken, liegt nahe, das eben auch private Haushalte wegen entgangenen Einnahmen, ebenfalls ihre Ausgaben senken und Unternehmen eben auch in einem solchen Umfeld sich entscheiden ihre Investitionen zurückzufahren. Bleibt nur noch der Aussenbeitrag der dies alles kompensieren muss, damit es keine Rezession gibt, tut er aber nicht.

            “Das kann doch nicht die Lösung sein…” Meinst du das, was wir jetzt in der Südperipherie sehen ist eine Lösung? Diese aufgezwungene Schocktherapie ist übrigens nichts anderes als eine Intervention und eine gefährliche dazu. Sie riskiert den Zusammenhalt der Gesellschaften und letztlich im schlimmsten Szenario die Demokratie.

            Verschuldung, Kredit per se ist nicht schlecht, es kommt immer drauf an wofür. Kredite in künftige Wertschöpfung sind überhaupt kein Problem und sichern im Gegensatz zu Krediten für Konsum künftigen Wohlstand. Mit den Investitionen steigt die Produktion, im besten Fall auch deutlich Wettbewerbsfähigkeit und Produktivtät und in der Rückkopplung enstehen Jobs und Einkommen.

            Gruß Steffen

  • dank - 7. Februar 2013

    Zur leidigen “Schuldfrage” – hier schön drüber geschrieben:
    http://www.heise.de/tp/artikel/37/37150/1.html
    Und slow down – oder gehörst Du schon zu den Jungs hier:
    http://www.blu-news.org/2013/02/05/den-troll-nicht-futtern/

  • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 7. Februar 2013

    “Wo bekommst du das so sonst dargestellt?”

    Nirgendwo!

  • Huthmann - 10. Februar 2013

    Sehr geehrte querschüsse,

    wie groß ist der Staatausgabenmultiplikator (siehe parallele Diskussion auf FAZ-Fazit). D.h. gebe ich 1 Euro mehr aus, was passiert dann mit den privaten Haushalten. Nehmen die den Ball auf und investieren oder konsumieren mehr, oder verläuft die Investition “sinnlos” im Sand, weil niemand davon ausgeht, daß andere mehr investieren oder konsumieren. Denn darum geht es, mit diesen Mehrausgaben müssen Sie für die Mehrheit der Wirtschaftssubjekte den Wendepunkt erzielt haben, das Steuer rumgerissen haben. Das ist die kristische Frage.

    Und daraus ergibt sich auch, wann es funktioniert und wann nicht und warum es in der Vergangenheit ein paar Jahrzehnte funktioniert hat. Es funktioniert dann, wenn es GLAUBWÜRDIG ist. Was heißt das? Das heißt, das die Mehrheit der Wirtschaftssubjekte daran glaubt, entweder weil es das Mittel nicht kennt und Vertrauen in die Führung hat oder weil es das Mittel kennt und nach genauer Analyse der Meinung ist, daß das jetzt getan werden muß. Auf keinen Fall funktioniert es, wenn die Wirtschaftssubjekte der Meinung sind, daß dieses Mehrausgabenprogramm nur die Verschuldung in die Höhe treibt, die Handlungsfähigkeit zukünftig des Staates unterminiert und in irgendeiner Art und Weise zukünftig wieder aus der Tasche der Bürger herausgezogen werden muß. Das sind also die sogenannten Erwartungen der Bürger, die Wirtschaftspolitik im Auge haben muß

    Wenn Sie den Wendepunkt nicht erreichen, verstehen Sie, so war das ein Strohfeuer. Was heißt Wendepunkt? Es ist der Moment, wo eben das Schrumpfen des BIPs durch Sparen, durch weniger Investieren langsamer wird und dann sogar aufhört. Die Frage ist nun, kann das überhaupt sein, daß eine Abwärtsspirale einfach aufhört?

    Diesen Zeitpunkt müssen sie, wenn überhaupt für ein schuldenfinanziertes Anschieben verwenden und sie müssen, was die Erwartungen der Bürger angeht das richtige Mittel sein.

    MfG

    • Querschuss - 10. Februar 2013

      Hallo Huthmann,
      warum sollte ich so detailliert anfangen zu spekulieren. Ich reduziere es auf den Kern und der ist: führt eine Wirtschafts- und Finanzpolitik dazu, dass Millionen einzelner Wirtschaftssubjekte über alle Sektoren der Volkswirtschaft hinweg ihre Ausgaben zu kürzen, ist das Ergebnis Rezession. Massenarbeitslosigkeit, Kreditausfälle und die im Zuge schrumpfende Wertschöpfung sind kontraproduktiv die Auslandsverschuldung der gesamten Volkswirtschaft zu senken und genau das sollte aber das Ziel sein.

      So eine Wirtschaftspolitik ist also im Endeffekt, eine miese Wirtschaftspolitik, welche die Probleme nur verschlimmert.

      In einer Schuldenkrise sind die Stabilisierung der Einkommen das A und O, nur aus ihnen lassen sich Verbindlichkeiten aller Art der Wirtschaftssubjekte tragen, wenn aber massive Lohnsenkungen, auch noch einhergehen mit einer 5,0 Prozentpunkte Mehrwertsteuererhöhung, brauch man wohl nicht darüber philosophieren, warum sich Wirtschaftssubjekte so entscheiden, wie sie es in Spanien nun mal tun und ihre Ausgaben senken bzw. ihnen gar nichts anderes übrig bleibt als sie zu senken.

      Gruß Steffen