Spanien: Target2 auf -252,097 Mrd. Euro als Monatsdurchschnitt

von am 13. April 2012 in Allgemein

Heute berichtete die spanische Zentralbank Banco de Espana, mit den Daten zum Financing in the Eurosystem (Marzo 2012), auch die Target2 Position der spanischen Zentralbank gegenüber dem Eurosystem, als Average of Daily Data für März 2012. Auch der negative Target2 Saldo der spanischen Zentralbank weitete sich im März 2012 deutlich aus, auf -252,097 Mrd. Euro, nach -196,896 Mrd. Euro im Vormonat. Bei den sonst üblichen, vergleichbaren Target2 Salden Daten zum Monatsende, welchen die Banco de Espana erst Anfang Mai für den Monat März veröffentlicht, kamen in den letzten Monaten jeweils 10-20 Mrd. Euro auf den Average of Daily Data Status oben drauf! Die Average of Daily Data bieten jedoch den Vorteil, dass die spanische Zentralbank diesen Datensatz als Langfristreihe seit Januar 1999 zur Verfügung stellt.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der spanischen nationalen Zentralbank seit Januar 1999 bis März 2012 als monatlicher Tagesdurchschnitt im Chart. Im Januar 2012 stieg der Target2 Saldo um 55,201 Mrd. Euro auf -252,097 Mrd. Euro.

Die anhaltende Dynamik, nicht nur beim spanischen negativen Target2 Saldo, steht für die sich Monat für Monat hochschaukelnden Verwerfungen in der Eurozone und für die sich weiter beschleunigte Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGSBF finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten ausgleichen muss. Damit maximiert sich der Risikotransfer von Privaten (vor allem Banken) hin zu den Zentralbanken und damit in die öffentlichen Hände. Die Liquiditätsflutung des Bankensystems durch die Zentralbanken des Eurosystems per LTRO-Injektionen hat primär die Kapitalflucht innerhalb der Eurozone angefeuert und damit statt zu einer Stabilisierung direkt zu einer weiteren Destabilisierung der Eurozone beigetragen.

Ein negativer Target2 Saldo ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit, das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss, dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die Target2 Salden bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems entstehen aus dem Target2 Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem womit der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr, ausschließlich mittels Zentralbankgeld abgewickelt wird. An dem Target2 Zahlungssystem sind alle nationalen Zentralbanken des Eurosystems und alle relevanten Kreditinstitute angeschlossen. Fließt Banken eines Landes durch grenzüberschreitende Transaktionen mehr Zentralbankgeld ab als zu, entsteht bei diesen Banken ein Bedarf an Zentralbankgeld, der durch geldpolitische Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems gestillt wird.

Die Target2 Salden entstehen bei den nationalen Zentralbanken im Eurosystem, da eine Transaktion via Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem nur von der heimischen Bank an die dortige Zentralbank mit Zentralbankgeld ausgeführt wird. Der adressierten Bank im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bekommt jedoch die Buchung von ihrer heimischen Zentralbank, ohne das zwischen den beiden beteiligten Zentralbanken Geld floss. Die Zentralbank, die an die adressierte Bank die Gutschrift tätigte, erhält im Gegenzug eine Target2 Forderung gegenüber das Eurosystem und die Zentralbank dessen heimische Bank die Überweisung auslöste eine Target2 Verbindlichkeit gegenüber das Eurosystem (EZB).

Mit dem Target2 Zahlungssystem wurden zuletzt im Jahr 2010, täglich grenzüberschreitende Zahlungen in einem durchschnittlichen Volumen von 2,299 Billionen Euro getätigt, ausgelöst durch täglich durchschnittliche 343’380 Zahlungsaufträge.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bde.es/PDF BALANCE SHEET OF THE BANCO DE ESPAÑA/ zweite Tabelle 8.1b

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10 KommentareKommentieren

  • bauagent - 13. April 2012

    Wenn man bedenkt, dass ein Professor für Wirtschaftrecht an der Uni Nürnberg-Erlangen bereits am 21.03.2007, weit vor der Lehman Pleite, den Sachzusammenhang in einem Essay erklärte, mutet es wie Harakiri an, dass man nichts gegen das bevorstehende Erdbeben getan hat.

    Oder es vielleicht will?

    Hier ein Auszug aus dem Essay aus der “Welt” von 2007.

    “Die wettbewerbsverzerrende Währungsunion nimmt zudem den Euroländern die Hoheit über die Auf- oder Abwertung ihres Geldes, durch welche sie sich leistungsgerecht am Binnen- und am Weltmarkt behaupten könnten. Im Übrigen leistet Deutschland erheblichen finanziellen Transfer in die Euroinflationsländer, denen wiederum durch die notwendig undifferenzierte Währungspolitik der Europäischen Zentralbank die Wettbewerbsfähigkeit verloren geht.”

    Hier der komplette Artikel, der Online und in der Print-Ausgabe erschien.

    http://www.welt.de/welt_print/article779393/Ein-Staat-ohne-Legitimation.html

    Jetzt kommt wohl der finale Akt: Die meisten Akteure ziehen sich von den Staatsanleihen als Investment zurück, die EZB wird sie ersetzen bis zum großen Knall. Wohl noch 2012.

    • Querschuss - 13. April 2012

      Hallo Bauagent,
      wer hört schon auf Mahner, wird ausgeblendet, systemkompatibel sind Beschöniger und Relativierer und die haben nun mal die Deutungshoheit. Leider!

      Gruß Steffen

  • Canpichurri - 13. April 2012

    Noch heute soll in Madrid beschlossen werden, dass alle Bürger Spaniens ab sofort ihre Auslandsbankverbindungen und -guthaben an die Zentralbank (!) berichten sollen, angeblich um Steuerhinterziehungen zu ermitteln. Dabei wird im europäischen Raum bereits seit 2006 fleissig Information über Guthaben, Geld und Immobesitz im Ausland unter den EU-Staaten ausgetauscht. Die Begründung greift zu kurz und ist für die breite Masse und deren Zustimmung gedacht. Die eigentlichen gründen sind wohl oben in der grafik zu suchen. Das neue Gesetz stellt “unbedarfte Bürger in die Ecke von Kriminellen” und soll wahrscheinlich eine weitere Verschlimmerung der Zahlungsbilanzkrise verhindern, wird aber leider dazu führen, dass jetzt erst recht Geld aus dem Land gescheffelt wird.
    >> Oh Ihr Politiker, wäret Ihr doch mit mehr Hirn ausgestattet worden! Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. <<
    2012 – das Ende des europäischen (Alp-)Traumes. Wer wettet mit?

  • Hansi - 13. April 2012

    Ich frage mich, wie lange das Target2-Spiel noch weitergehen kann, bevor der Aussenwert des Euro am Rande des Kollaps steht (Benzin 2,80 EUR? – das wäre dann der endgültige Sargnagel für das .de-BIP).
    Sechs Monate, acht Monate? Sicherlich aber keine zwei Jahre mehr würde ich mal ins Blaue raten.

  • Backtime8 - 13. April 2012

    Hier ein Mahner der ersten Stunde

    Prof. Dr. Wilhelm Hankel
    http://www.youtube.com/watch?v=QERfizizp28

    http://www.youtube.com/watch?v=SkMDqS9801A

  • hagen aus dresden - 13. April 2012

    @bauagent: der professor für wirtschaftsrecht, der da 2007 schrieb war prof. schachtschneider!

  • Bernd Klehn - 13. April 2012

    Die Wirkung der Dicken Bertha ist halt nicht so wie erwünscht, sondern ein gefährlicher Schuss in den Ofen. Von den heimischen Banken werden eben mit dem zusätzlichen Zentralbankgeld auch in den Krisenländern kaum heimische Staatsanleihen gekauft. Sondern es besteht ein Run auf deutsche Staatsanleihen aus dem Ausland, wie die Bundesbank schon zur Zahlungsbilanz für Februar berichtet hat.

    http://www.bundesbank.de/download/presse/pressenotizen/2012/20120412.zahlungsbilanz.php