Spanien: Target2 Saldo schiesst auf -174,979 Mrd. Euro im Dezember

von am 3. Februar 2012 in Allgemein

Die spanische Zentralbank (Banco de Espana) berichtete gestern die Daten zur Zentralbankbilanz für den Monat Dezember 2011. Im Dezember schossen die Target2 Verbindlichkeiten der spanischen Zentralbank auf -174,979 Mrd. Euro, nach -137,178 im November und nach -108,487 Mrd. Euro im Oktober. Diese Daten dokumentieren ganz klar auch in Spanien einen brachialen Stress im Bankensystem und stehen für eine dynamische Kapitalflucht.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der spanischen nationalen Notenbank seit November 2007 bis Dezember 2011 im Chart. Im Dezember 2011 stieg der Target2 Saldo um 37,801 Mrd. Euro auf -174,979 Mrd. Euro.

Die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss nun Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGS inkl. Belgiens und Frankreichs finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.

Ein negativer Target2 Saldo ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse.

Neben den italienischen Dezember-Daten zum Negativen Target2 Saldo zeigen auch die spanischen Daten die ungeheure Dynamik der Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone an! Bisher schaukeln sich Monat für Monat die Verwerfungen in der Eurozone hoch in Richtung eines potentiellen Zusammenbruchs!

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Reloaded: Spanien: desaströser Arbeitsmarktdaten für Januar, Spanien mit zweitschwächsten Januar seit 1995 bei den PKW-Neuzulassungen, Spanien: reale Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit August 1999, 134,143 Mrd. Euro bei spanischen Kreditinstituten im Zahlungsverzug

Quelle Daten: Bde.es/Balance sheet according to the euro area returns

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Wenn ihr die zeitnahe, kritische Aufbereitung von Wirtschaftsdaten und die aufwendige visuelle Darstellung der Daten bei Querschuesse per PayPal mit einem beliebigen Betrag unterstützen möchtet bitte den Button anklicken:

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88 KommentareKommentieren

  • Eiche - 3. Februar 2012

    Vielen Dank für den Beitrag.

  • Nepumuk - 3. Februar 2012

    Dazu ganz passend…

    http://www.welt.de/wirtschaft/article13847816/In-Spanien-drohen-griechische-Verhaeltnisse.html

    Vielen dank für ihre Arbeit.

  • MagnaBavaria - 3. Februar 2012

    Wenn das hier stimtt, na dann gute Nacht:
    http://spanienleben.blogspot.com/2012/02/geldautomaten-geben-nicht-mehr-viel-her.html

    • Mark - 3. Februar 2012

      Der verlinkte Artikel erwähnt eine Höchstgrenze für Abhebungen von 300 Euro in Spanien. Dies scheint auf den ersten Blick befremdlich, scheint aber generell Standard zu sein (und auch nicht erst in jüngster Zeit), siehe z.B. die Informationen bei Alltours (Stichwort: Reisekasse):

      http://www.alltours.de/spanien/fuerteventura-reise-abc

      Es scheint sich also nicht um die Reaktion auf einen Bankrun zu handeln.

  • janz - 3. Februar 2012

    Leute wir machen uns doch selbst was vor.Natürlich lassen sich die menschen hier zu Lande ,durch die zensierten öffentlichen Medien und den unfähigen deutschen Politikern belügen und betrügen.Oder seht Ihr in der Tageschau negative Nachrichten über die Verhältnisse in Spanien oder Portugal?,Nein es wird uns immer nur vorgegaukelt der Wirtschaft geht es gut, die Arbeitslosenzahlen stimmen.Alles Lüge!Aber das unwissende Volk lässt sich anscheinend gern belügen.Merkel und Schaüble werden es schon richten.Ich sage Euch,sie werden uns genauso in den Ruin führen ,wie Sie es schon mit den Griechen und anderen Ländern getan haben!

    • Mark - 3. Februar 2012

      Ja, das Staatsfernsehen (ARD, ZDF) ist besonders schlimm, aber auch SPIEGEL Online ist schon lange ein Hort der Euro-Romantiker geworden, die auf Biegen und Brechen das etablierte System stützen. Man sehe sich nur die Zensur in den Kommentarbereichen an (die auf wundersame Weise immer wieder von den einschlägig bekannten Lobbyisten/Claqueueren ungehindert umgangen wird).

      Dagegen heben sich Seiten wir Querschuesse, die Kritik üben und auch kritische Meinungen zulassen, wohltuend ab.

  • POPPER - 3. Februar 2012

    Die immer wieder auf Thesen von Prof. Sinn beruhende Behauptung, es käme zu einer Kapitalflucht in den Ländern, wenn sich die Taget2 Salden einseitig erhöhten, ist grob irreführend und bilanztechnisch falsch. Der Nettokapitalexport bewirkt genau das Gegenteil dessen, was Sinn u. a. behaupten. Nettokapitalexporte, die wegen des Prinzips der doppelten Buchführung gleich den Leistungsbilanzüberschüssen sind, zeigen keine Geldabflüsse an, sondern in Wahrheit eine erhöhte Ersparnis. Nettokapitalexporte erhöhen aber das Geldvermögen einer Volkswirtschaft, sie führen also zu mehr und nicht zu weniger Mitteln. Und diese Mittel können selbstverständlich für alle möglichen Ausgaben verwendet werden. Das einzige Risiko, das besteht ist, wie bei jedem Kredit, der Zahlungsausfall.

    • Vandermonde - 3. Februar 2012

      So simpel ist das nicht – siehe auch die ausgiebige Diskussion unter
      http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/06/23/finanziert-die-ezb-uber-target2-die-leistungsbilanz-defizite-der-gips-staaten/

    • Querschuss - 3. Februar 2012

      Hallo Popper,
      wenn sich im Target2 Saldo der die Zahlungsbilanz widerspiegelt, ein negativer Saldo manifestiert und dieser die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) anzeigt, wie kann dann bei höchstens -4 Mrd. Leistungbilanzdefizit im Dezember 2011 in Spanien der negative Target2 Saldo um 37,8 Mrd. anwachsen auf -174,9 Mrd. Euro. Also ganz klar nur weil aus spanischen Banken Einlagen abgezogen und in gesunde Länder der Eurozone transferiert wurden und diese flüchtigen Einlagen wurden in Spanien durch Zentralbankgeld ausgeglichen (erhöhte Kreditvergabe der span. Zentralbank an die span. Kreditinstitute Aktia-Seite der Bilanz wird aufgebläht und die Passiva-Seite der Bilanz wächst mit dem negativen Target2 Saldo). Der Abzug von Bankeinlagen (private Kapitalflucht) steht aber gewiß nicht für mehr Sparen und erhöht auch nicht das Geldvermögen der Spanier.

      Wenn dann erhöht sich dadurch das Vermögen der BUBA in Gestalt einer Forderung (pos. Target2 Saldo) an die PIIGSFB. Nur diese ist weitgehend virtuell, da nicht einbringbar und genau darum geht es bei bei den auseinanderdivergierenden Target2 Salden, sie zeigen einerseits die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone an und andererseits für Deutschland eine Auftürmung von uneinbringbaren Forderungen in Zentralbankgeld.

      Du meinst hier sicher, dass der deutsche Nettokapitalexport in Gestalt von Zentralbankgeld ein Geldvermögen unserer Volkswirtschaft darstellt und deshalb eine tolle Sache ist, na dann viel Spaß beim Eintreiben der Forderungen. Ich meine das die divergierenden Target2 Salden zu allererst für enorme Ungleichgewichte stehen und anzeigen wieviel privates Kapital zur Finanzierung der PIIGSFB durch Zentralbankgeld ersetzt werden muss und die Dimension steht für alles andere als für eine gesunde Eurozone.

      Gruß Steffen

    • Vandermonde - 3. Februar 2012

      Übrigens vielleicht auch interessant dazu:
      http://volxwirtschaft.blog.de/2011/08/16/passiert-staatsbankrott-gipsi-laender-11678059/

      “Schätzungen der Financial Times zufolge sind es derzeit insgesamt etwa 280 Mrd. Euro, die von den GIPS-Ländern (also ohne Italien) gehalten werden (Dieses Geld ist des Pudels Kern der berühmten TARGET2-Debatte). Das wären also rund 34 Prozent des derzeitigen Euro-Bargeldumlaufes bzw. 24 Prozent der Euro-Basisgeldmenge. Diese Kredite sind primär mit den Staatsanleihen der GIPS-Länder abgesichert und würden deshalb Forderungsausfälle bei der EZB bei einem Bankrott der Banken der GIPS-Länder verursachen. [...] Die verbleibenden Mitgliedstaaten der Eurozone, müssten also Eigenkapital in dieser Höhe nach den festgelegten Anteilsschlüsseln nachschießen.”

    • Mark - 3. Februar 2012

      Bevor Sie hier die Erkenntnisse von Prof. Sinn abtun, sollten Sie sich seine durchaus logischen Gedanken und seine Interpretation des Geschehens anschauen.

      Sinn hat dies in bemerkenswerter Weise in dem Vortrag “Ist der Euro noch zu retten?” (München, 19.12.2011) getan, der auf der Mediathek des Ifo-Institutes derzeit noch in ganzer Länge zu sehen ist. Darin geht er (ab etwa 1:05:50) dediziert auf die Entwicklungen der Zeitreihen in den einzelnen Krisenstaaten ein.

      Ich glaube, dass Prof. Sinn zu Recht den Lehrstuhl an der LMU in München hält, und ich habe keinen Zweifel daran, dass seine Aussagen der Politik sehr sehr unbequem sind. Deshalb ist seine Arbeit umso bedeutsamer für uns Bürger. Aussagen von dieser Qualität und Offenheit würde ich mir von der Politik wünschen, die sich aber mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dem Steuerzahler und Bürger die Wahrheit zu sagen.

      Zu Ihrem Kommentar, dass “das einzige Risiko”, das bestehe, “wie bei jedem Kredit, der Zahlungsausfall” sei, möchte ich nur soviel sagen: Dieses Risiko scheint mir sehr wohl gegeben, denn wie sollen die Länder, die sich hier so großzügig selbst geholfen haben (mit der Druckerpresse) ihre Schulden gegenüber der EZB (und damit gegenüber der Bundesbank) je zurückzahlen? Wie?

      Und die Finanzmärkte? Die haben den Zahlungsausfall schon eingepreist und fordern höhere Zinsen; die Targetkredite werden aber nur mit dem EZB-Zinssatz (1 Prozent) verzinst. Dieser bildet das Risiko wohl nicht korrekt ab.

      • POPPER - 4. Februar 2012

        Prof. Sinns “Erkenntnisse”, wie Sie das nennen, sind Irrläufer eines Überzeugungstäters, der immer wieder abstruse Theorien aufstellt, bei denen Fachkollegen nur den Kopf schütteln. Früher waren es die hohen Löhne, die das Kapital aus Deutschland ins Ausland trieben, treten seither die Vorspiegelung zu hoher Renditen in den GIPS Ländern sowie in jüngster Zeit die staatlichen Garantien für deren Kredite in den Vordergrund. Nun gehört Prof. Sinn zu den Leuten, die aus ihren Fehlern nichts lernen und ständig den Sachgegenstand relativieren oder verschieben, um irgendwie dann doch noch recht zu haben. Das ist unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar, sodass man bei Sinn den Eindruck gewinnt, es geht im nicht um Wahrheitsfindung, sondern die Tradierungen sind ideologisch gewollt, weil er sonst ja zugeben müsste, dass er manchmal einfach Unsinn redet.

  • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

    Lieber Steffen,

    danke danke für die Daten. Die private Kapitalflucht von Griechenland bis Spanien ist ungebrochen. Der Markt scheint in keinster Weise so zu reagieren, wie es sich EZB und Politik durch die Geldschwemme, Staatsanleihenaufkäufe und Rettungsschirme erhofft hatten, sondern dieses Zusatzgeld wird zur privaten Kapitalflucht benutzt. Es erfolgt eben keine Beruhigung.

    • POPPER - 3. Februar 2012

      Lieber Bernd,

      die private Kapitalflucht hat mit dem Taget2-Mechanismus nicht das Geringste zu tun. Das ist eine völlig andere Baustelle.

      • Querschuss - 3. Februar 2012

        Hallo Popper,
        bitte Popper, Target2 ist ein Zahlungssytem, an dem alle nationalen Zentralbanken und alle relevanten Kreditinstitute angeschlossen sind, wenn ein Spanier oder ein Unternehmen sein Guthaben bei einer spanischen Bank, nach Deutschland, Niederlande, Finnland oder Luxembourg transferiert auf ein anderes oder neu eröffnetes Konto, oder zwecks Kauf von Vermögenswerten, aber kein Kauf einer Ware oder Dienstleistung dahinter steht und in der Summe dies mehr Spanier tun, als Geld nach Spanien transferiert wird, ist dies Nettokapitalflucht bzw. privater Nettokapitalabfluss und bildet sich in Target2 ab. Der privater Nettokapitalabfluss wird zusammen mit dem Leistungsbilanzdefizit durch Nettokapitalimport von Zentralbankgeld (negativer Target2 Saldo) ausgeglichen.

        Im Umkehrschluß gibt es keinen deutschen privaten Kapitalabfluss aus z.B. Deutschland nach Spanien, sondern privaten Kapitalzufluss aus PIIGSFB, dass ist ja Ausdruck der Zahlungsbilanzkrise, wohl aber Nettokapitalexport aus Deutschland in Form Zentralbankgeld, der Target2 Forderung, mit der unsere Leistungsbilanzüberschüsse finanziert werden und der Kapitalzufluss kompensiert wird, genau das bildet Target2 ab.

        Gruß Steffen

        • POPPER - 3. Februar 2012

          Ok, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Ich meinte Steuerhinterziehung etc.. Aber auch in Deinem Einwand bleibt die Bilanz ausgeglichen, denn der Spanier hat doch eine Forderung gegen die deutsche Bank bei der er sein Geld anlegt, sodass der Kapitalexport dann gleich dem Kapitalimport ist (rein buchungstechnisch), so dass die Kapitalbilanz im Saldo null ist. Gleiches gilt für die Leistungsbilanz beim einfachen Tausch von Leistungen. Würde der Spanier etwa seine Tageszeitung gegen ein paar Brötchen tauschen, wären die Leistungsbilanzen des Deutschen und des Spaniers ausgeglichen, im Saldo also null. Wenn Griechen oder Spanier etc. ihr Geld nach Deutschland bringen, dann meistens, wenns kein Schwarzgeld ist kaufen sie davon, Güter, Aktien oder Anleihen.

          • Michael S. - 3. Februar 2012

            “bleibt die Bilanz ausgeglichen” Das kann man bei dem Faktor Kapitalflucht so sehen, aber wie ist das mit dem Risiko bei Forderungsausfall?! Die Buba hat via EZB die Forderung gegenüber der spanischen Zentralbank. Der spanische Kunde hat eine Forderung gegenüber einer deutschen Bank.

            Als Beispiel:
            Popper leiht Michael eine Million. Michael verleiht die Million an Bernd. Bernd verleiht die Million wieder an Popper. Da ist die Bilanz auch ausgeglichen. Nur wenn Michael seine Forderung gegenüber Bernd verschenkt und in die Insolvenz geht. Dann siehts schlecht aus für Popper weil dann schuldet er Bernd die Million…

            • Querschuss - 3. Februar 2012

              Hallo Michael S.,
              “bleibt die Bilanz ausgeglichen” , dass ist der springende Punkt, ob eine Zahlungsbilanz per privaten Kapitalzufluss/abfluss oder eben durch Zentralbankgeld ausgeglichen wird. Bei dem einen tragen private Investoren das Risiko, beim anderen werden per Haftung des Steuerzahlers alle weiteren Verwerfungen mit Zentralbankgeld vermeintlich glattgebügelt und wenn die Forderungen ausfallen steht der Steuerzahler/Staat im Regen.

              Gruß Steffen

          • Querschuss - 3. Februar 2012

            Sorry Popper,
            Steuerhinterziehung muss nichts mit Taget2 zu tun haben, oder worin besteht der Zwang einer grenzüberschreitenden Überweisung von hinterzogenem Geld? Der Spanier hat eine Forderung gegen die Deutsche Bank ok., nur die spanische Bank hat ein Loch durch den Abzug der Einlage, welche durch eine Kreditgewährung der spanischen Zentralbank gestopft wird. Diese Kreditgewährung ist auf der Aktiva-Seite der spanischen Zentralbank, auf der Passiva-Seite entspricht dies aber dem negativen Target2 Saldo. Oder anders ausgedrückt. Das Geld was die spanische Notenbank der spanischen Bank leiht ist z.B. deutsches Zentralbankgeld und damit also gleichzeitig eine Forderung der BUBA gegenüber der spanischen Zentralbank, aber in der Realität gleichzeitig ein Kredit an die spanische Geschäftsbank. Fällt die spanische Geschäftsbank aus, ist letztlich die BUBA-Forderung nackig. Dies verhindert man zur Zeit damit, dass die Target2 Pyramide mittels Ponzi immer weiter aufgetürmt wird, steckt die spanische Bank in der Bredouillie, gibt es einen weiteren Zentralbankkredit, welcher schließlich eine neue Forderung der BUBA ist.

            Grundsätzlich muss man sauber trennen zwischen privaten Kapitalzufluss/abfluss, der die Leistungsbilanzen ausgleicht und wenn dies geschieht gibt es keine Zahlungsbilanzkrise oder ob Zentralbankgeld den privaten Kapitalzufluss/abfluss ersetzen muss, dann ist die Zahlungsbilanz zwar auch ausgeglichen, trotzdem ist dies ein Zeichen einer Zahlungsbilanzkrise. Dauerhaft kann kein Zentralbankgeld private Kapitalzufluss/abfluss ersetzen.

            Gruß Steffen

  • Christian Kurzer - 3. Februar 2012

    @Bernd Klehn:

    Naja, die Veränderungen hätten durch die 500 Mrd. wesentlich größer ausfallen können. Teilweise wird es schon etwas gebracht haben, die Frage ist m.E. nur ob man es schafft Erholung herbeizuführen bevor der Bundesbank oder der Luxemburger Zentralbank die Luft ausgeht

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/geldpolitik-bundesbank-in-der-klemme-11630038.html

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9055142/Bundesbank-sinks-deeper-into-debt-saving-Europe.html

    Grüße,
    Christian

  • SLGramann - 3. Februar 2012

    Ich frag mich gerade, wo die Gegenbuchung erfolgt ist. Der Target-Saldo der BuBa war im Dezember doch überraschend gesunken, oder?

    • MagnaBavaria - 3. Februar 2012

      Der Saldo der Niederlande hat glaub ich angezogen, ein Artikel dazu müsste hier in den Querschüssen zu finden sein.

    • POPPER - 3. Februar 2012

      Entschuldigen Sie bitte, aber offensichtlich verstehen Sie gar nicht den Sachzusammenhang. Zur Information: Wenn die verschiedenen Geschäftsbanken sich nicht gegenseitig Zentralbankgeld durch den Interbankenmarkt leihen, was sie bis zur Krise 2007 getan haben und mittlerweile wieder tun, gleicht die EZB die verschiedenen Forderungen aus. Das führt zu sog. Target-Salden. Diese Salden spiegeln höhere Forderungen der EZB gegenüber nationalen Notenbanken wider, die wiederum ihre nationalen Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld versorgt haben. Die höheren Target-Salden sind ein Ausdruck der höheren Liquiditätspräferenz einiger Banken, die ihre Überschussliquidität lieber horten als sie über den Interbankenmarkt an andere Banken zu verleihen. Es geht also immer um Nettokapialex- bzw. -importe im Rahmen einer “Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung” (VGR) und nicht um private Kapitalflucht.

      • Roland - 3. Februar 2012

        Ich habe auch den Eindruck, dass die target2 – Debatte von Prof. Sinn skandalisiert wurde, während er regelmäßig die Entwicklung der Realwirtschaft schön redet.

        Vermutlich ist es gerade umgekehrt.
        Target handelbar – Realwirtschaft kritisch, sehr kritisch.

        • Querschuss - 3. Februar 2012

          Hallo Roland,
          das ist richtig, der Target2 Saldo spiegelt nur das Elend der Realwirtschaft ab bzw. die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, seitdem sie nicht mehr durch privates Kapital finanziert werden. Trotzdem oder gerade deshalb sind die Target2 Salden ein hervorragender Indikator der Krise.

          Gruß Steffen

          • Roland - 3. Februar 2012

            Hallo Steffen,

            was mich bei der These an einer Verbindung von Kapitalflucht und Target2 stutzig macht, ist doch die Tatsache, dass die Kapitalflüchtigen ihre Kohle gar nicht flüssig haben. Diese steckt in Papieren (Anleihen, Aktien, Immobilienfonds)
            Und eine Verschiebung dieser Papiere -wenn sie denn verschoben werden- findet über normale Deptübertragungen statt. Niemals aber über das Cash-System von target.

            • Querschuss - 3. Februar 2012

              Hallo Roland,
              ja Target2 spiegelt den grenzüberschreitende Zahlungsverkehr ab, bei einem täglichen Volumen von aktuell ca. 2,7 Billionen Euro macht es wenig Sinn darüber nachzudenken, ob man die ca. 380’000 Transaktionen täglich nachvollziehen bzw. einordnen kann und wie diese zu den Target2 Salden führen. Die Zahlungsüberweisung kann ja den späteren Zweck eines Erwerbs eines Vermögenswert beinhalten. Die pure Übertragung eines Depot dürfte sich nicht im Target2 System abbilden, da hast du Recht, hat aber auch niemand behauptet oder?

              Gruß Steffen

          • Roland - 3. Februar 2012

            Hallo Steffen,

            eine Behauptung, dass die Übertragung von Depots über Target liefe, unterstelle ich niemanden.

            Die Frage, wie Kapitalflucht in größerem Ausmaße sonst aber laufen sollte, bleibt unbeantwortet. Über fiktive Rechnungen ginge sicher was – aber das in der Höhe der Targets ? Völlig ausgeschlossen.

            Target bildet Zahlungsströme ab.
            Ich sehe es auch so wie der Forist popper, dass die Ungleichgewichte im target-System u.a. AUCH eine Folge des Mißtrauens der Geschäftsbanken untereinander sind, da diese sich untereinander keine kurzfristiges Liquidität mehr zur Verfügung stellen.

            • Querschuss - 3. Februar 2012

              Hallo Roland,
              Kapitalflucht läuft, Deposit einer PIIGSBF Bank, also Kundeneinlagen von Firmen, Privaten oder auch von Banken bei anderen Banken werden per grenzüberschreitender Target2 Zahlung nach Deutschland, Niederlande, Luxemburg oder Finnland transferiert. Siehe vor einiger Zeit Siemens mit 500 Mio. aus Frankreich: http://www.welt.de/wirtschaft/article13615569/Siemens-zieht-Geldreserve-von-franzoesischer-Bank-ab.html

              Und selbstverständlich können auch PIIGSFB Banken Gelder nach DNLF schaufeln.

              Das Mißtrauen der Banken eine Rolle spielt ist logisch, denn nur weil Banken aus DNLF (privater Kapitalabfluss) den PIIGSFB Banken (privaten Kapitalzufluss – aus Zahlungsbilanzsicht) aus verständlichen Gründen verwehren springt ja Zentralbankgeld ein und ersetzt genau dieses Volumen das nötig ist um fehlende private Kapitalexporte aus DNLF auszugleichen. Dieses Zentralbankgeld der DNLF was privaten Kapitalexport zur Deckung des Leistungsbilanzdefizits und der Kapitalflucht (privater Kapitalabfluss) der PIIGSFB ersetzt zeigt der positive Target2 Saldo der DNLF an. Ist also kein Argument pro Popper sondern eines genau dafür was Target2 anzeigt.

              Gruß Steffen

    • Querschuss - 3. Februar 2012

      Hallo SLGramann,
      der Target2 Saldo von Niederlande, Luxemburg und Finnland war im Dezember um kumuliert +52 Mrd. Eur angestiegen, Griechenland und Frankreich stehen noch aus, die Gegenbuchung würde sich ein wenig besser erklären wenn nun Frankreich ein kräftig sinkenden negativen Target2 Saldo berichten würde, was ich mir nicht vorstellen kann, aber warten wir es ab.

      Gruß Steffen

    • Voltaire - 3. Februar 2012

      Lt. Januar 2012 Monatsbericht der Deutschen Bundesbank ist der s. g. Target II, d. h. die Forderungen innerhalb des Eurosystems, von Nov. 2011 auf Dez. 2011 um 31.538 Mio. EUR (Nov.: 507.480 Mio. EUR, Dez.: 475.942 Mio. EUR) zurückgegangen (s. S. 73* in Spalte 7 im folgendem Link).
      http://www.bundesbank.de/volkswirtschaft/vo_monatsbericht_aktuell.php

      Interessant ist, dass die Auslandsverbindlichkeiten gleichzeitig um 33.040 Mio. EUR von “moderaten” 13.517 Mio. EUR in 11/2011 auf “weniger moderate” 46.557 Mio. EUR in 12/2011 gestiegen sind (in Spalte 9 auf derselben Seite).

      Wäre interessant hierzu mehr Hintergründe in Erfahrung zu bringen…

      Ironie an: vielleicht hat der Buchhalter, welcher bei der HRE Mitte Dezember 2011 so mal um die 55 Mrd. EUR falsch verbucht hat, inzwischen bei der Deutschen Bundesbank angeheuert. Die Spanische Zentralbank hat – nachdem sie sich Infos zu dem neuen Buchhalter eingeholt hat – der Deutschen Bundesbank angeboten von deren Forderungen etwas mehr als 30 Mrd. EUR zurückzuzahlen und den Rückzahlbetrag zzgl. Aufgeld (Agio) gleichzeitig als Forderungen an die Deutsche Bundesbank zu stellen. Den Weisungen der Spanischen Zentralbank ist dieser Buchhalter dadurch nachgekommen, dass er Target II Forderungen dann mal schnell auf Verbindlichkeiten verbucht hat
      a) um das “Forderungs-Ausfall-Vermögen” (Target II) zu reduzieren
      b) die Bilanz Forderungen Verbindlichkeiten – wenn nicht schon auszugleichen – dann doch zumindest anzugleichen
      Er hat sich also von dem (S)panischen Zentralbankster über den Tisch ziehen lassen und die dabei entstehende Reibungswärme noch als angenehme Nestwärme empfunden. Ironie aus.

  • dank - 3. Februar 2012

    Weiterhin finde ich das ungleichmäßige Ansteigen der Target2 Salden suspekt:

    BuBa: seit Aug 07
    L ZB: seit Nov 08
    FI ZB: seit Aug 11
    NL ZB: seit Sep 11

    Das D und L zuerst belastet wurde ist insoweit logisch, da das Geld ja Anlage und
    Zuflucht suchte und für die Bezahlung von D-Exporten genutzt wurde.

    Wenn es denn nach oben keine Grenze für den Target2 gibt und es nicht gefährlich ist,
    dann hätte die BuBa und die L ZB doch einfach alles auffangen können.
    Doch bei der BuBa war bei ~490 Mrd. Schluss und jetzt pendelt es sich auf ~450 Mrd. ein.
    Die L ZB hat noch Luft und bekommt jetzt noch mehr ab.

    Im Aug/Sep 2011 muss eine Grenze (oder eine Erkenntnis der Bundesbänker) ausgelöst
    haben das FI (1/7 BuBa Target2) und NL (1/3 BuBa Target2) hinzugezogen (auf Anweisung?) wurden. Warum sonst deren “plötzliche” Beteiligung am “großen Geld”?

    a) Die Relation erscheint mir nicht plausibel – warum bekommt die NL ZB so viel ab?
    b) Warum stiegen die Target2s von FI und NL nicht von Anfang an gleich mit dem BuBa-Target2 an?

    Durch diese beiden offenen Fragen, glaube ich nicht daran, dass Target2 keine
    Maximalhöhe/Grenze hat, was das Ausgleichen angeht.
    Läuft der Target2 bei der BuBa gegen eine Gummigrenze 490 Mrd.?

    Gibt es dafür logische Antworten?

    • Vandermonde - 3. Februar 2012

      (Egientlich wollte ich das ja zu diesem kommentar posten)

      Villeicht gibt es damit einen Zusammenhang?
      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/geldpolitik-bundesbank-in-der-klemme-11630038.html

      • dank - 3. Februar 2012

        Danke – die Frage der Grenze ist damit fast beandwortet – also ist der target2 bei der BuBa “endlich”.

        Aber die anderen beiden Fragen kann ich damit nicht beantworten.

        a) Die Relation erscheint mir nicht plausibel – warum bekommt die NL ZB so viel von den Target-Verbindlichkeiten ab?
        b) Warum stiegen die Target2s von FI und NL nicht von Anfang an gleich mit dem BuBa-Target2 an?

        • Michael S. - 3. Februar 2012

          Der Artikel ist nicht sonderlich gut…

          So wie das System aufgebaut ist gibt es die für Forderungen aus Target 2 auf Zentralbankgeld KEINE Obergrenze!

          Also solange der Rahmenbedingungen durch die EZB bzw. die Politik beibehalten werden entscheiden die Marktteilnehmer wie hoch die Targetposition bei der BUBA ist.

          • dank - 3. Februar 2012

            War bisher auch meine Annahme – dagegen steht aber die Aussage aus dem Artikel:

            “Da die Bundesbank ihre Kredite an Banken nahezu auf null reduziert hat und sich weigert, ihr Gold zu verkaufen, war dieser kritische Punkt sogar fast schon erreicht. Die Bundesbank konnte grenzüberschreitende Überweisungen im Target-System zuletzt nur noch durch Aufnahme von Depositen ausführen und wurde so zum Nettoschuldner gegenüber den privaten Kreditinstituten!”

          • Michael S. - 3. Februar 2012

            Wenn du ein bisschen englisch kannst der Artikel ist nicht schlecht…
            http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7391

            So wie die “Regeln” zur Zeit sind kann die BUBA gar nichts dagegen machen ein großer Nettoschuldner gegenüber den Kreditinstituten zu werden!

          • dank - 3. Februar 2012

            Soweit verstanden – aber mir gings gar nicht ums “Was kann die Buba dagegen machen”.
            Dann muss ich meine Frage anders stellen.

            Ab welchem Punkt ist die BuBa als Bank dank der Target2-Forderungen in Schräglage?
            Nach dem Artikel der faz bei rund 500 Mrd. – machen kann nach den Regeln die BuBa nichts, wenn die Summe größer würde, die als Target2-Forderung auf sie zuspringt(, aber ab einem bestimmten Punkt ist die BuBa doch nicht mehr solvent…)

            ABER:
            Anscheinend ging dann doch was – denn just beim Erreichen der “500 Mrd. Schräglage” wurde dann im Aug 11 die finnische Zentralbank richtig aktiv und hat Targe2-Verbindlichkeiten aufgesogen und im Sep 11 die niederländische.
            Vorher haben die beiden noch einen relativ ruhigen gehabt. Warum sollten die beiden sich dan plötzlich doch ins Spiel einmischen, nachdem es schon so weit vorangeschritten war?
            Und einen bzw. zwei Monate später war das Gold der BuBa kurz im Gespräch.

  • mitwisser - 3. Februar 2012

    In Spanien werden nacheinander die Regionen finanziell abschmieren, interessanterweise vor allem die, die schon länger von den kürzlich an die Macht gekommenen Konservativen regiert werden. Die Region Valencia macht den Anfang und ist schon faktisch pleite, konnte aber durch Tricksereien zusammen mit der Zentralregierung vorläufig gerettet werden. Derweil stapeln sich die unbezahlten Rechnungen in den Schubladen der Regionalregierungen. Man scheint auf ein Wunder zu hoffen.
    Wenn jetzt auch noch Portugal kippt, spätestens dann ist in Spanien die Messe gelesen.

  • M.E. - 3. Februar 2012

    Die starken Rückgänge der Renditen für spanische und itlaienische Bonds könnten ja zu der Annahme verleiten, das Schlimmste sei zunächst ausgestanden. Auch die Aktienmärkte gaukeln Stabilität vor.
    Aber alle harten Faktoren (Auseinanderdriften der Volkswirtschaften, Rezession in einer Reihe von Ländern, die Target-Bilanzgleichgewichtsprobleme und die Kapitalflucht aus den Südländern usw) signalisieren eher eine bevorstehende erneute Zuspitzung.

  • Vandermonde - 3. Februar 2012

    Villeicht gibt es damit einen Zusammenhang?
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/geldpolitik-bundesbank-in-der-klemme-11630038.html

    Vielleicht können ein paar Fachleute etwas mehr zu der gesamten Target 2, Leistungsbilanz und Kapitalflucht(?) Thematik (in einfacher Form) sagen und die diversen Standpunkte und Erklärungsansatze in einem Überblick präsentieren (@Steffen: vielleicht eine Idee für einen eigenen Artikel?). Die Informationen dazu sind dermassen widersprüchlich und verwirrend.

    Zur Ergänzung die HB Links dazu :
    http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/06/23/finanziert-die-ezb-uber-target2-die-leistungsbilanz-defizite-der-gips-staaten/
    http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/10/13/ezb-widerspricht-sinn-bei-target2/
    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/schuldenkrise-die-griechen-und-das-extrageld/4337440.html

    und natürlich auch hier in diesem Blog:
    http://www.querschuesse.de/target2-mit-aberwitziger-steigerung-zum-vormonat/

    • Vandermonde - 3. Februar 2012

      Und ich habe eine solche Zusammenfassung schon selbst gefunden…

      unter
      http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/06/18/neues-futter-fur-die-target2-debatte/
      mit dem link auf das paper von Bindseihl und König
      http://sfb649.wiwi.hu-berlin.de/papers/pdf/SFB649DP2011-035.pdf
      die folgende Punkte angeben (lt. Blog)

      1) Ohne unbegrenzte Target2-Forderungen keine Währungsunion
      2) Target2-Forderungen finanzieren nicht die Leistungsbilanz-Defizte in den PIGS-Staaten
      3) Target2-Operationen beschränken nicht die innerdeutsche Kreditvergabe

      • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

        Das Papier von Ulrich Bindseihl (EZB-Angestellter) geht natürlich aus naheliegenden Gründen am Thema vorbei.

        • Vandermonde - 3. Februar 2012

          Ist der Verlgleich mit der Arztpraxis in den Kommentaren im Blog übrigens von Ihnen? Ich war so frei in hier zu reposten…

          • Roland - 6. Februar 2012

            Hallo Steffen,

            die Beschreibung der Zentralbank trifft die Sache auf den Kopf.
            Zitat: “…in Zentralbankgeld abgewickelten Netto-Kapitalabflüsse..”

            Also: Der Zahlungsverkehr wird abgewickelt in Zentralbankgeld. Es fließt aber selber nicht ab im Sinne von Übernahme von Verbindlichkeiten oder Finanzierung eines Staats-Defizits.
            Das läuft über ganz andere Kanäle, nicht über target2.

        • Roland - 3. Februar 2012

          War obiger Satz Ihr weißes Handtuch ?

          Sie und auch querschuss müssten erklären können, warum z.B. die Spanische Bank beim Abzug einer Einlage (Stichwort “Kapitalflucht”) ein sogenanntes “Loch” hat. Und dieses angebliche “Loch” müßte dann durch Zentralbankgeld wieder gestopft werden.

          Target sind doch Fließgrößen.

          Also nochmals: Wo ist das “Loch” ?

          • Querschuss - 3. Februar 2012

            Hallo Roland,
            das Loch ist die durch Kapitalflucht abhanden gekommene Kundeneinlage (Deposit), sie ist eine der Finanzierungsquellen für die Vermögenswerte auf der Aktivaseite der Bankbilanz. Die spanische Zentralbank gleicht das mit Zentralbankgeld aus, was einer Verbindlichkeit gegenüber der BUBA entspricht bzw. einer Forderung der BUBA gegenüber der spanischen Zentralbank. Würde die spanische Zentralbank mit Kreditgewährung an die Bank, die unter Kapitalflucht leidet nicht eingreifen, würde die Bank schnell insolvent gehen, da sie die grenzüberschreitenden Überweisungen der Kundeneinlage nicht leisten kann, denn die Kundeneinlagen sind ja nicht Cash vorhanden, sondern eben vergebene Kredite oder erworbene Vermögenstitel auf der Aktiva-Seite. Man könnte auch zugespitz formulieren, ohne Target2 wäre eine Kapitalflucht gar nicht möglich, da die griechischen oder spanischen Banken ab einer gewissen Dimension der Kapitalflucht sofort Pleite wären.

            Gruß Steffen

          • dank - 3. Februar 2012

            Das Loch gibt es bei einem Teil- oder Totalausfall/Insolvenz eines Landes, das die Target2-Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen kann oder will (falls es aus Euroland aussteigt) oder es zahlt danach in “neuer” eigener Währung nach eventueller Abwertung nur noch einen Teil zurück.
            Je heißer die Eurozone wird, desto höher ist das Risiko dieses Loches und im Moment sieht es nicht danach aus, als würden sich die zuständigen Gremien auch nur eine Sekunde Gedanken darüber machen würden, wie das zu Regeln oder abzuwenden ist.

            Dieses bei Pleite eines Landes entstehende Loch teilt sich prozentual auf die RestEuroländer auf – und desto weniger solvente Länder übrig sind – desto höher werden diese Prozente und damit die Summe der Mrd Euros.
            Diese sind dann von den RestEuroLändern an die EZB (und damit den nationalen Notenbanken der RestEuroLänder) zu zahlen damit diese nicht hops gehen an dem verlorenen Target2-Verbindlichkeiten der EuroAussteigerländer.
            Das Geld der Länder kommt aber – richtig – von den Steuerzahlern.
            Damit haben die Bürger die offenen Target2-Verbindlichkeiten der Pleitestaaten an die EZB zu zahlen.

          • Roland - 4. Februar 2012

            Hallo querschuss:

            Du unterstellst, dass die Kundeneinlage das Äquivalent der Kreditausreichung ist. Das stimmt nicht.
            Die Geschäftsbanken können durch Hinterlegung einer Mindestreserve (u.a. auch aus dem Kernkapital) bei der EZB von 1% eine eigene Geldschöpfung im Verhältnis von 1:99 betreiben. Für 1 Mrd. Mindestreserve also 99 Mrd. an eigener Geldschöpfung möglich. Diese dient dann zur Kreditausreichung an die Kunden.
            Das alles geht ganz elegant mit zwei Mausklicks.

            Also: Wo ist das Loch ?

            • Querschuss - 4. Februar 2012

              Hallo Roland,
              nein tue ich nicht, wenn die Kreditgewährung einer Bank steigt, eine Forderung auf der Aktivaseite, muss auch die Passivaseite steigen. Bei erhöhter Kreditgewährung müssen also die Einlagen, Guthaben von Privaten, Unternehmen auf der Passivaseite steigen oder eben die Verbindlichkeit gegenüber der Zentralbank oder Sonstige Verbindlichkeiten, so gegen andere Banken. Erhöht sich die Kreditgewährung um 99 Mrd. Euro auf der Aktivaseite, erhöht sich auch die Passivaseite um 99 Mrd. Euro.

              Unabhängig davon, dass ich nicht ganz verstehe wo du mit dem angeführten Argument hin möchtest, das Loch aus der Kapitalflucht, also dem Abzug der Einlagen bei zum Beispiel griechischen Banken, wird durch Kreditgewährung der griechischen Zentralbank ausgeglichen, hat die griechische Zentralbank ihrerseit nicht genug Einlagen auf der Passivaseite muss sie sich im übertragenen Sinne Zentralbankgeld über Target2 bei der BUBA ziehen, was zu einem negativen Target2 Saldo der griechischen Zentralbank führt. Die BUBA hält im Gegenzug eine Forderung aus Target2 auf der Aktivaseite und gleichzeitig sinken die Forderungen gegenüber deutschen Banken, da diese durch die Kapitalflucht hin zu deutschen Banken ihren Refinanzierungsbedarf bei der BUBA wegen dem zuströmenden Kapital reduzieren und sogar bei der BUBA auf der Passivaseite (Einlagen) Geld bunkern, da sie mit dem zuströmenden Kapital vorerst nichts Besseres anzufangen wissen.

              Eine steigende Verbindlichkeit aus Target2 (der negative Target2 Saldo) bei einer nationalen Zentralbank geht immer einher mit schrumpfenden Einlagen und Guthaben auf der Passivaseite und mit steigender Kreditgewährung der Zentralbank auf der Aktivaseite, so wie eine steigende Forderung aus Target2 einer Zentralbank mit sinkender Kreditvergabe auf der Aktivaseite und steigenden Einlagen und Guthaben von Banken auf der Passivaseite einher geht.

              Gruß Steffen

          • Roland - 4. Februar 2012

            Hallo Steffen,

            das ist ja gerade das “Geheimnis” der Geldschöpfung der Geschäftsbanken, dass einer Aufblähung ihrer Aktivseite bei Kreditgewährung keine Verbindlichkeiten wie Kundeneinlagen oder Zentralbankgeld entgegenstehen müssen. Die Bank bucht eine fiktive Verbindlichkeit in ihre Passivseite ein.
            Sie hat ihr eigenes Geld geschöpft und kann dies nach der 1:99 Regel tun.

            Insofern muß der Abzug einer Kundeneinlage in diesem Falle nicht durch Zentralbankgeld ausgeglichen werden.
            Es gibt natürlich auch den Fall der Ausleihung von Zentralbankgeld. Dies war aber bis vor einigen Monaten kurz und kürzestfristige Gelder rein zur Liquiditäts-Steuerung. Dass die Zentralbank jetzt auch lämgere Kredite (3 Jahre) vergibt, ist völlig neu.

            • Querschuss - 4. Februar 2012

              Hallo Roland,
              LTRO Kredite der Zentralbank, sind eine Verbindlichkeit für die in Anspruch nehmende Bank.
              “….dass einer Aufblähung ihrer Aktivseite (Geschäftsbank) bei Kreditgewährung keine Verbindlichkeiten wie Kundeneinlagen oder Zentralbankgeld entgegenstehen müssen. Die Bank bucht eine fiktive Verbindlichkeit in ihre Passivseite ein.” ….Bank bucht fiktive Verbindlichkeit? Halte ich für ein Gerücht. Bank A vergibt für einen Immobilienkauf 1 Mio. Euro an den Käufer, der Verkäufer erhält 1 Mio. und zahlt sie auf sein Konto ein bzw. das Geld wird auf das Konto des Verkäufers direkt transferiert. Verkäufer hat ein Konto bei Bank A, die Kreditgewährung steigt um 1. Mio. auf der Aktivaseite und die Einlage (Passivaseite) steigt ebenfalls um 1 Millionen Euro. Verkäufer hat aber kein Konto bei der Bank A, sondern bei der Bank B. Demzufolge steigt die Kreditgewährung der Bank A um 1 Mio. und die Verbindlichkeit ebenso, weil Bank A von Bank B über den Interbankenmarkt 1 Mio. Euro Kredit erhält. Liegt der Interbankenmarkt darnieder muss die Zentralbank einspringen und die 1 Mio. Euro der Bank A gewähren.
              Fiktive Verbindlichkeiten die eine Bank selber bucht gibt es nicht, sollte sie es geben habe ich was verpasst.

              Gruß Steffen

          • Roland - 4. Februar 2012

            Hallo Steffen,

            besorg Dir mal von Prof. Richard A. Werner dessen Buch “Neue Wirtschaftspolitik. Was Europa aus Japans Fehlern lernen kann”
            Er stellt sehr gut die Geldschöpfung der Geschäftsbanken dar und räumt mit der landläufigen Vorstellung auf, die lautet:
            Bank hat Kundeneinlagen und leiht sich Geld von der Zentralbank – dieses verleiht sie weiter. Dieses ist nur ein Märchen fürs Volk.

            Apropos Target2:
            Die Jungs der TU Berlin zeigen sehr gut auf, dass Prof. Sinn ohne Kleider angeritten kam.
            Target2 hat nur deshalb eine Bedeutung bekommen, da das Clearing der Zahlungsvorgänge nicht über mehr den Interbankenmarkt gesettelt wurde, sondern über die Zentralbanken. Es handelt sich also bei Target2 nicht um auflaufende Kredite – es sind ganz kurzfristige Fließgrößen, die sich immer wieder “in Luft” auflösen.

            • Querschuss - 4. Februar 2012

              Hallo Roland,
              wenn es ein Märchen ist und Geschäftsbanken fast beliebig Kredite vergeben können und auf der Passivaseite fiktiv im Gegenzug Verbindlichkeiten hoch buchen können, warum tun sie es dann nicht und parken stattdessen selbst das Geld aus der Kreditgewährung der EZB wieder bei der EZB in der Kreditfazilität für lausige 0,25%?
              Wäre es so, wie du schreibst, wäre es ein perfektes nicht endendes Ponzi Scheme, ein Perpetuum mobile, der ultimative Sieg des Kapitalismus. Wie kommt es dann aber zur Krise? Könnten doch einfach die Kreditgewährung per 1:99 anheben und die Wirtschaft rollt?

              Target2 zeigt an, wieviel Zentralbankgeld privates Kapital ersetzen muss um die Zahlungsbilanz auszugleichen, je mehr Zentralbankgeld benötigt wird, umso höher der Stress im System. Und sicher ist selbst im engeren Sinn, eine Target2 Forderung der BUBA ein Kredit z..B. an die griechische Zentralbank (negativer Target2 Saldo), schon alleine deshalb weil daraus die Kreditvergabe der griechischen Zentralbank an die dortigen heimischen Geschäftsbanken resultiert.

              Ob Prof. Sinn ohne Kleider angeritten kam oder nicht ist mir egal, Target2 zeigt an was es eben anzeigt, die aktuelle Zahlungsbilanzkrise, ein negativer Target2 Saldo ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse.

              Ob sich die “ganz kurzfristige Fließgrößen immer wieder in Luft auflösen”, bleibt abzuwarten, bisher seit ca. 2007 sind die Target2 Salden permanent divergiert.

              Gruß Steffen

          • Roland - 5. Februar 2012

            Moin Steffen,

            die Geschäftsbanken vergeben deshalb in der Südschiene kaum noch Kredite, da sie die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden negativ einschätzen.
            Und bitte beachten: Die Geldschöpfung erfolgt ausschließlich im Akt der Kreditgewährung. Eine Geschäftsbank kann also nicht “wild” Geld schöpfen. Es ist allerdings, wie Prof. Werner sehr schön formuliert, eine Schöpfung aus dem NICHTS. Sie ist aber nicht unbeschränkt, sondern abhängig von der Mindestreserve-Einlage.

            Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken ist kein “perpetuum mobile”, da das Geld jedes Mal bei der Rückzahlung eines Kredites wieder verschwindet. Die fiktive Passiv-Position wird ja wieder aufgelöst. Was der Bank übrig bleibt, ist der Zinsgewinn.
            Wird der Kredit notleidend, nützt der Bank ihre Geldschöpfung nichts, sie muß ins Eigenkapital abschreiben. Deshalb sind sie ja gerade so vorsichtig in einer Rezession mit abnehmender Kreditwürdigkeit ihrer Kunden.

            Man kann es auch so ausdrücken: Die Geschäftsbanken nehmen der Zentralbank die Arbeit der Geldschöpfung ab und werden von dieser am langen Zügel der Mindestreserven-Anforderung geführt.
            Die Zentralbank hatten deshalb in der Vergangenheit überhaupt keine längerfristigen Kredite vergeben und vergeben müssen. Das waren alles Tagesgelder, Laufzeit über eine Woche war schon viel. Erst seit neuestem gibt es eine Laufzeit von drei Jahren.

            Jetzt zum target2:
            Die Zahlungs-Ströme wurden in der Vergangenheit hauptsächlich über das Innterbanken-System abgewickelt. Die Bilanzen der Zentralbanken waren nicht belastet. Das weisen die Berliner -ihr Papier ist weiter oben verlinkt- sehr schön nach.
            Erst seit sich die Geschäftsbanken untereinander nicht mehr trauen und das Clearing untereinander fast versiegt ist, sind die Zahlungsabwicklungen in den Bilanzen der Zentralbanken überhaupt sichtbar. Das sind aber jeweils kurzfristige Vorgänge von einem, maximal zwei Tagen -dann sind die Zahlungsvorgänge wieder glatt gestellt.

            Prof. Sinn liegt also völlig daneben und wird von seinen neoliberalen Kollegen milde belächelt.
            Dieser Mann verbindet die ideale Kombination von Talkshow-Eigenschaften:
            Eitelkeit und von nichts eine Ahnung.

            • Querschuss - 5. Februar 2012

              Hallo Roland,
              “Die Zahlungs-Ströme wurden in der Vergangenheit hauptsächlich über das Innterbanken-System abgewickelt. Die Bilanzen der Zentralbanken waren nicht belastet.” Nichts anderes schreibe ich die ganze Zeit, die divergierende Target2 Salden seit 2007 zeigen an wieviel Zentralbankgeld privates Kapital ersetzen musste um die Zahlungsbilanzen der Länder auszugleichen, du argumentierst nur in die Vergangenheit und ich im Jetzt. Und wenn ein Target2 Saldo positiv oder negativ weiter steigt ist dies ein Krisenindikator, würden sich die Salden wieder signifikant abbauen, wäre es ein Indikator des Abbaues von Stress im System.

              1:99 hattest du in Spiel gebracht, dass das Problem gerade ist ,das keine Kredite vergeben werden an die Südperipherie weiß ich auch, deshalb muss ja Zentralbankgeld einspringen. Die fiktive Paasivaseite der Geschäftsbanken bleibt für mich Fiktion, wenn ein Kredit gewährt wird und dieser einen Kauf einer Ware, Dienstleistung oder Vermögenswert auslöst, hat jemand eine Einnahme aus einem Verkaufserlös, der in der Regel wieder zu Guthaben/Einlage bei irgendeiner einer Bank führt. Ein funktionierender Interbankenmarkt gleicht das aus, die Bank mit der Kreditgewährung refinanziert sich bei einer anderen Bank, aus eigener steigender Einlage oder eben bei einer nationalen Zentralbank.

              Das Aktiva- und Passivaposten aus der Kreditgewährung mit dem Rückzahlen des Kredites wieder verschwinden ist mir auch klar. Ich wollte nur zuspitzen und fragen wenn man per 1:99 Kredite vergeben kann und einfach fiktiv die Verbindlickeiten dazu hochbuchen kann, warum tun die Banken es dann nicht. Deine Antwort darauf: “da sie die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden negativ einschätzen”. Das ist mir auch klar gewesen, nur damit wird offentsichtlich das die Geldschöpfung per 1:99 inkl. fiktiver Verbindlichkeithochbuchung auch nicht die Probleme löst, selbst wenn der Vorgang so simpel sein sollte wie du beschreibst, was ich bezweifel, da Kreditgewährung nicht fiktive Verbindlichkeiten schafft sondern reale.

              Gruß Steffen

          • Roland - 5. Februar 2012

            Hallo Steffen,

            der Punkt, um den sich ALLES dreht, ist die Möglichkeit der autonomen Kreditschöpfung oder Geldschöpfung der Geschäftsbanken.
            Du hast mich mißverstanden: Die Banken betreiben diese Geldschöpfung JEDEN Tag, ununterbrochen. (In der Südschiene machen sie das z.Zt.nur reduziert wg. den Krisentendenzen in der Realwirtschaft und der sinkenden Kreditwürdigkeit ihrer Kunden).

            Wie funktioniert das:
            Die Bank reicht dem Kunden einen Kredit aus, den sie auf ihrer Aktivseite verbucht.
            Gleichzeitig -und jetzt ganz langsam lesen !- schreibt sie ihm diesen Kreditbetrag auf seinem Einlagenkonto gut – und stellt ihn damit auf die Passivseite ihrer Bilanz ein.
            Da diese Einlage aber keine reale ist, sondern eben der Kredit, sprach ich von einer “fiktiven” Einlage.

            Im Endeffekt hat die Bank ihre Bilanz einfach verlängert.
            Bei Kredit-Rückzahlung verkürzt sich die Bilanz entsprechend wieder.
            Kreditausreichung: Geldschöpfung
            Kredit-Rückzahlung: Geldvernichtung.

            Wenn das verstanden ist, bricht das Theorie-Gebäude, die Zentralbank müsse irgendwelche “Löcher” stopfen, in sich zusammen.

            • Querschuss - 5. Februar 2012

              Hallo Roland,
              ok., in dem Punkt reden wir vom selben, “Die Bank reicht dem Kunden einen Kredit aus, den sie auf ihrer Aktivseite verbucht.
              Gleichzeitig -und jetzt ganz langsam lesen !- schreibt sie ihm diesen Kreditbetrag auf seinem Einlagenkonto gut – und stellt ihn damit auf die Passivseite ihrer Bilanz ein.
              Da diese Einlage aber keine reale ist, sondern eben der Kredit, sprach ich von einer “fiktiven” Einlage.!”

              Ich war nur einen Schritt weiter, hatte ich auch so geschrieben, wenn der Kredit für den Kauf einer Ware, Dienstleistung oder Vermögenswert verwendet wird, landet das Geld beim Verkäufer als Guthaben/Einlage bei einer anderen Bank. Das fiktiv von dir war mißverständlich, der Kredit wird so oder so zur realen Einlage und die Geldschöpfung wird vernichtet bei Kredit-Rückzahlung.

              Keine Divergenzen bei diesem Thema!

              Aus diesem Sachverhalt sehe ich aber nicht wie Target2 Salden und ihr Problem negiert werden können.
              Roland: “Mit einem Ausgleich von Zahlungsbilanzen hat das nichts zu tun.”
              Bundesbankbericht März 2011: “Eine Zunahme der TARGET2-Forderungen ist in der Betrachtung der Zahlungsbilanz ein Netto-Kapitalexport.” ….”Der steile Anstieg des TARGET2-Saldos der Bundesbank seit 2007 ist maßgeblich auf die Anspannungen am Geldmarkt und die Probleme im Bankensektor innerhalb des Euro-Raums zurückzuführen. In den Jahren vor der Finanzkrise haben sich die grenzüberschreitenden Zahlungen Deutschlands weitgehend ausgeglichen. In der Zahlungsbilanz fungierte insbesondere die (kurzfristige) Netto-Auslandsposition der Kreditinstitute als eine Art „Ausgleichsventil“. Da wegen der Überschüsse in der Leistungsbilanz und häufigen Netto-Kapitalimporten im Wertpapierverkehr regelmäßig die Zahlungseingänge überwogen, waren im kurzfristigen Kreditverkehr der Banken in den meisten Jahren Mittelabflüsse (Netto-Kapitalexporte) zu verzeichnen. Kurzfristig auftretende TARGET2-Postionen bauten sich somit durch private Kapitalflüsse rasch wieder ab.”

              Roland: “Die Geschäftsbanken schalten aus Sicherheitsgründen eben die Zentralbanken dazwischen. Mit einem “Ausgleich von Zahlungsbilanzen” hat das nichts zu tun.”
              EZB Monatsbericht Oktober 2011: “Der Euroraum weist als Währungsunion einen regen grenzüberschreitenden Interbanken-Zahlungsverkehr auf. Ein System wie TARGET2 – das Echtzeit-Bruttosystem des Eurosystems – stellt einen zentralen Mechanismus zur reibungslosen Abwicklung dieser Zahlungen dar. Durch die Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen in Zentralbankgeld entstehen Salden bei jeder NZB, die an das Zahlungssystem TARGET2 angeschlossen ist.Die grenzüberschreitenden Zahlungsströme resultieren in der Regel aus Transaktionen, die von privaten Wirtschaftssubjekten (d. h. Kreditinstituten, Unternehmen oder Privatpersonen) veranlasst werden. Die TARGET2-Salden der NZBen des Euro-Währungsgebiets gegenüber der EZB, die sich aus diesem grenzüberschreitenden Interbanken-Zahlungsverkehr ergeben, spiegeln auch die dezentrale Verteilung von Zentralbankliquidität innerhalb des Eurosystems wider.” ….”Vor der Finanzkrise hatten die Banken in diesen Ländern einen vergleichsweise leichten Zugang zu privaten Finanzierungsmitteln. Sie bezogen Mittel aus dem Ausland (z. B. in Form von grenzüberschreitenden Interbankenkrediten, Direktinvestitionen oder Einlagen), die grob gerechnet die Zahlungsabflüsse im Zusammenhang mit dem Nettoimport von Waren und Dienstleistungen oder dem Erwerb von Vermögenswerten im Ausland ausglichen. Da die in Zentralbankgeld abgewickelten grenzüberschreitenden Zahlungsströme der betreffenden Länder weitgehend ausgeglichen waren, beliefen sich die TARGET2-Salden der jeweiligen NZBen zwar nicht auf null, aber sie waren im Großen und Ganzen neutral. Infolge der Finanzkrise fließen den Bankensektoren dieser Länder nun nicht mehr genügend private Mittel zu, um ihre Zahlungsabflüsse auszugleichen. Ihr Zugang zum Interbankengeldmarkt ist eingeschränkt, und die grenzüberschreitenden Kreditströme in diese Länder sind ausgetrocknet, während gleichzeitig zuvor aufgenommene Kredite zurückgezahlt werden müssen. Darüber hinaus werden die Finanzierungsengpässe der Banken durch Kapitalentnahmen des privaten Sektors verschärft. Die daraus resultierenden, in Zentralbankgeld abgewickelten Nettozahlungsabflüsse aus diesen Bankensektoren führen dazu, dass die jeweiligen NZBen per saldo Verbindlichkeiten in TARGET2 verbuchen. Zugleich weisen die NZBen der Länder, die Nettoempfänger dieser Zahlungen sind, Forderungen in TARGET2 aus.”

              Gruß Steffen

          • Roland - 6. Februar 2012

            Steffen, letzte Antwort an Dich landete oben unter Vandermonde.

            Allgemeines Statment: Danke für die angenehme Diskussions-Atmosphäre. Nur im dialektischen Austausch von These und Antithese kommt man bekanntlich zu einer höheren Synthese.

          • Vandermonde - 6. Februar 2012

            (Also ich versuches es mal – bitte brücksichtigen, dass ich ein Laie bin)

            So wie ich es verstehe, gibt es kein Loch, allerdings erfolgt die Inanspruchnahme von Target 2 Krediten unter dem Strich natürlich über notenbankfähige Sicherheiten.

            Wenn jetzt z.B. Leute ihr Geld von griechischen Banken aufgrund des Vertrauensverlustes abziehen, bedeutet das, dass sie die sehr schlechte Bonität der griechischen Banken gegen die bessere Bonität der z.B. deutschen Banken eintauschen. Bei diesem Austausch werden die Bonitäten aber gleichzeitig über das Target 2 System im gesamten Eurosystem “vergesellschaftet” (wobei das Target 2 System hier nur ein Werkzeug darstellt).

            Dieser Vertrauensverlust ist ja auch ganz allgemein begründbar durch die jewilige Bonität der Bank, aber auch durch die Angst, dass Griechenland möglicherweise doch aus der Eurozone austritt. Da dann bestehende Guthaben zur (z.B.) Drachme konvertiert werden müssten, hätte das einen beträchtlichen Verlust durch die sofort folgende Abwertung dieser nationalen Währung zur Folge. Insofern wäre eine Kapitalflucht in diesem Sinne als Grund für die Target 2 Ungleichgewichte ja denkbar.

            Im Ergebnis wird durch die Vergesellschaftung das Risiko gleichmäßig über die gesamte Eurozone verteilt. Die Frage ist allerdings, wie lange das gut geht bzw. wie viele schlechte Sicherheiten die europäische Zentralbank bzw. die Währung verkraften kann.

      • Michael S. - 3. Februar 2012

        Ja, da sollten die Jungs von der HU lieber mal mit gesundem Menschenverstand rangehen und nicht alles mit Formeln zuballern.

        “1) Ohne unbegrenzte Target2-Forderungen keine Währungsunion”
        und
        “2) Target2-Forderungen finanzieren nicht die Leistungsbilanz-Defizte in den PIGS-Staaten”
        ? Haha

        Also wenn ich eine Kneipe habe und lasse meine Kunden UNBEGRENZT Anschreiben (Forderungsaufbau alias Target 2) wenn sie kein Geld mehr haben, dann finanziere ich also nicht, dass diese Kunden langfistig mehr ausgeben als sie eigentlich einnehmen (Leistungsbilanz)???

        Na dann…

        • Vandermonde - 3. Februar 2012

          Naja – ich denke nein, weil das Geld ja nicht “blanko” zur Verfügung steht. Auch wenn man über die Qualität der Sicherheiten streiten kann…

      • Vandermonde - 3. Februar 2012

        In den Kommentaren wird übrigens ein interessanter Vergleich von “Bernd Klehn” angestellt:

        Eurosystem Währungsgemeinschaft oder Gemeinschaftswährung?

        Ich glaube es ist von Allen Diskutanten akzeptiert, dass die Target 2 Position der Bundesbank durch einen Kapitalexport zuletzt gegen 1% Zinsen der Bundesbank/EZB Richtung notleidende Euroländer entstanden ist. Oder?

        Nun können wir uns der Frage zuwenden, was ist das Eurosystem eigentlich eine Währungsgemeinschaft oder eine Gemeinschaftswährung?

        Diese Begrifflichkeit ist aus dem ärztlichen Bereich entlehnt, wo sehr straff zwischen einer Praxisgemeinschaft und einer Gemeinschaftspraxis unterschieden wird. In einer Praxisgemeinschaft gibt es pro Arzt getrennte Buchführungen und Abrechungen und entsprechend kann ein einzelner Arzt Pleite gehen. In der Gemeinschaftspraxis gibt eine einzige Buchführung.

        Für mich ist das Eurosystem eindeutig eine Währungsgemeinschaft. Der „KONSOLIDIERTE AUSWEIS DES EUROSYSTEMS“ ist die Summe der Bilanzen der nationalen Zentralbanken plus der EZB Bilanz. Der EZB sind lediglich 8% der Gold und Währungsreserven übertragen worden, der Rest ist bei den nationalen Zentralbanken verblieben. Fernerhin gibt es einen festen Verteilungsschlüssel über die Herausgabe von Banknoten pro NZB und der EZB (8%), die allerdings bisher keine Banknoten herausgegeben hat.
        Die Genehmigung zur Herausgabe von Banknoten gibt der EZB-RAT nicht die EZB. Auch sämtliche Refinanzierungsoperationen der heimischen Geschäftbanken liegen voll in der Verantwortung der NZBs. Der EZB-RAT (nicht die EZB) gibt lediglich den Rahmen vor. Auch dieser Rahmen kann durch die NZBs, die über die ELAs (Lender of last resort). verfügen, gesprengt werden. Es ist eindeutig, gerät eine nationale Zentralbank in Schieflage (durch Target2 Schulden gegenüber der EZB) ist es die Pflicht der jeweiligen Nation dort Geld nachzuschießen. Wenn sie dieses nicht kann, geht die Nationale Zentralbank pleite und erst dann greifen die Prozentverteilungen um die EZB zu Rekapitlisieren. Die Umwandlung des Eurosystems von einer Währungsgemeinschaft zu einer Gemeinschaftswährung bedingt nicht mehr und nichts weniger als die Abschaffung nationaler Volkswirtschaften und geht sehr weit über den Rahmen hinaus, den die USA kennt. In den USA haben die 12 Zentralbanken strikt getrennte Kassen, lediglich die New-Yorker Zentralbank ist hervorgehoben und verfügt über „Lender of last resort“.

  • Vandermonde - 3. Februar 2012

    Unter
    http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/deutsche-bank-warnt-vor-zahlungsbilanzkrise-504394/index.do
    ist von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer folgendes zu lesen:

    “Idealerweise sollte das System nahe Null tendieren”, sagte Mayer. Deutschland sei damit zum größten Kreditgeber der Währungsunion geworden, gefolgt von den Niederlanden, Luxemburg und Finnland.
    [...]
    “Die Bundesbank macht sich vielleicht allmählich Gedanken, wie sie ihr Geld zurückbekommt”, sagte Mayer. Die Forderungen seien bereits 2010 zum größten Vermögensposten der deutschen Zentralbank geworden. “Das System hat einen explosiven Charakter, denn im Gegensatz zu den USA gibt es in der Euro-Zone keine eingebaute Bremse.”
    [...]
    Sollte das Zahlungsbilanzproblem nicht beseitigt werden, würde das System eines Tages in sich zusammenbrechen. “In jedem Fall wird uns die Eurokrise noch lange erhalten bleiben”, prophezeite Mayer. “Was wir jetzt sehen, ist erst der Anfang.”

  • M.E. - 3. Februar 2012

    Wie man es auch immer nennen will, Magna,
    Fakt ist, dass Wachstum in den OECD-Staaten nur um den Preis zusätzlicher Verschuldung zu generieren ist. In den USA soll ja wohl ein Dollar Wachstum mit 8 Dollar zusätzlichen Schulden erreicht werden.
    Ein “selbsttragender Aufschwung” ist also garnicht mehr möglich. Höchstens im Sinne einer vorübergehenden Sonderkonjunktur eines Landes auf Kosten anderer Länder, die aber dramatisch zunemehnde Ungleichgewichte zur Folge hat.
    Wenn jetzt also UK bessere Aussichten für dieses Jahr vermeldet, als zunächst prognostiziert (Schrumpfung NUR um 0,1% – mal sehen ob das klappt) oder wenn der EU-Einkaufsmanagerindex Entspannung signalisiert (ein mit Vorsicht zu bewertender Indikator), so muß man den eingangs beschriebenen Aufschuldungsaspekt immer im Hinterkopf haben.
    Wenn nun die Banken mit billigem Geld überschüttet werden (es soll ja noch einmal bis 1 Billion zusätzlich zu der bereits ausgereichten halben Billion folgen), so mag man sich damit tatsächlich für eine gewisse Zeit eine Entspannung bei der Staatsfinanzierung und sogar bei der realwirtschaftlichen Entwicklung herbeikaufen. Aber das süße Gift billigen Geldes und zusätzlicher Verschuldung gefährdet die Zukunft immer mehr. Und die Blasen werden immer größer.

  • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

    @ SLGramann

    Dez Target2 Bewegungen im Dezember.

    Deutschland -32
    Niederlande +10
    Finnland +30
    Luxemburg +12

    Summe +20

    Empfänger

    Italien -45
    Spanien- 38

    Summe -83

    Im wesentlichen fehlt Frankreich, die die Zahlen immer später abliefern. Hier werden wir ein erhebliches Absinken des Target2-Defizits wahrscheinlich in der Nähe um die 50 (-90 von-40) sehen.

    Für mich haben wahrscheinlich insbesondere die fransösischen Banken im Dezember ihr Geld aus Italien und Spanien abgezogen, wo sie neben Griechenland, wenn ich richtig erinnere, besonders stark engagiert waren.

    Also hat die Aktion bisher nur Frankreich vorübergehend geholfen.

    Steffen es kann nicht anders sein.

  • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

    Übrigens diese sehr interessante Grafik hatte ich doch gesucht:

    Die Franzosen sind in Italien mit 416Mrd. engagiert, die Deutschen nur! mit 162Mrd.

    http://graphics.thomsonreuters.com/11/08/EZ_BNKMP0811_SB.html

    Werte in Dollar.

  • M.E. - 3. Februar 2012

    Mit anderen Worten: fällt Italien, dann fällt auch Frankreich.
    Wobei das derzeit bei unter 3% Rendite für die 2-jährigen italienischen Bonds am Sekundärmarkt nicht den Anschein hat.
    Aber wir haben ja schon erlebt, wie schlagartig sich die Situation änern kann.

    • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

      @ M.E.

      Die in der Grafik zu findenden Kapitalverflechtungen sind ja sehr ineressant.

      Italien ist von Frankreich abhängig, Frankreich von UK und USA. Damit diese, von den Privatanlegern nicht mehr gewollten Kapitalverpflechtungen aufgelöst werden können, gibt es eben Target2, Staatsanleihenaufkäufe, Rettungsschirme, Dollartender usw.

      Die 3% Rendite für italienische Bonds deuten nur darauf hin, dass die italiensische Banken noch genug Liquidität haben, nicht aber, dass diese von Ausländern gekauft worden sind, hier sprechen die Zahlen (siehe Target2) eine ganz andere Sprache. Anders sieht es im Augenblick noch in Frankreich aus.

  • der-oekonomiker - 3. Februar 2012

    Ein “wunderbares” Thema, mit dem auch der große Denker aus München in der öffentl. Wahrnehmung immer noch Erfolg zu haben scheint. Obwohl das Ding doch eigentlich längst abgelutscht ist. Die Kommentare hier zeigen aber das Gegenteil. Warum bloss? Bin natürlich im Vergleich zu den heutigen Kommentatoren – das gebe ich gerne unumwunden zu – blutiger Laie. Gerade deshalb wundere ich mich, wie sich hier einem Terrier gleich festgebissen wird. Es ist doch eine unabänderliche Tatsache: Der momentane Zustand der Krise in Europa führt zwangsläufig zu diesen Target2-Salden. Sonst müsste der Euro-Laden schlicht dicht machen. Über die Ursachen, das Für und Wider lässt sich natürlich wunderbar theoretisieren, eine alternative praktische Lösung gibt es nicht. Die bietet selbst Sinn nicht an, der stänkert nur dagegen. Wer meint, Bindseihl und König hätten schlechte Arbeit geleistet, der kann bei der BIZ und db-research nachlesen. Einfach “target2″ als Suchbegriff eingeben. Selbst die Buba, Hort deutscher Stabilität, und nach meiner Ansicht mit ihren dogmatischen Maastricht-Kriterien maßgeblicher Verursacher der heutigen Krise, bleibt in ihren Aussagen sachlich-nüchtern. Der Target2-Kritiker Hans-Werner Sinn hat am 06.12.2011 mit seiner “Bogenberger Erklärung” bei der FAZ massive Kritik an allem geübt. Wie gesagt, ohne Lösungen anzubieten. Er wurde dafür gefeiert. Wer sich davon nicht gleich vereinnahmen lassen will, der findet ab hier in 10 Folgen Kritik an den Sinn’schen Thesen: http://der-oekonomiker.blogspot.com/2011/12/standpunkt-ausgabe-123-sinn-lichkeit.html. Ein Versuch, den ultra-nationalen Sinn-Thesen Paroli zu bieten.

    • Mark - 3. Februar 2012

      Sinn bietet sehr wohl Alternativen an: So würde er eine Eurozone nach US-amerikanischen Modell bevorzugen, in der Target-Salden einmal im Jahr mit marktgängigen Assets beglichen werden müssen. Dort können Staaten in die Insolvenz gehen. Sie müssen Nationalparks schließen, Beamte entlassen, Staatseigentum veräußern und so weiter, und so fort. Dies ist nach Sinn’s Auffassung (die ich teile) ein großer Ansporn für die einzelnen Staaten, nicht zu große Defizite aufzubauen.

      Wir sollten übrigens nicht vergessen, dass die “dogmatischen Maastricht-Kriterien”, die Sie hier kritisieren, die zentrale Begründung für die Aufgabe der D-Mark zugunsten des Euro waren. Bisher hat sich gezeigt, völlig unabhängig von der Debatte um die Target-Salden, dass die kritischen Stimmen bei Bevölkerung und Experten vor der Euro-Einführung letztlich vollumfänglich Recht hatten.

      Die Target-Debatte zeigt nur die Methode und das Ausmaß der Plünderung Deutschlands auf. Deshalb schweigt die Politik beharrlich, und EZB und Bundesbank verharmlosen den Sachverhalt.

      Wäre das Ausmaß dieser durch die Bundesbank (ohne parlamentarische Legitimation) der breiten Bevölkerung bekannt, würden sehr unangenehme Fragen gestellt werden. Da dies schon seit Sommer 2007 so geht, wären also sowohl die Politiker der großen Koalition (unter Merkel) als auch die Politiker der gegenwärtigen Regierung (ebenfalls unter Merkel) verantwortlich. Es würde sich offenbaren, dass zumindest die beiden großen “Volksparteien” CDU/CSU und SPD, aber auch die FDP hier stillschweigend zugesehen haben.

      Ich persönlich habe großes Vertrauen in den Inhaber eines Lehrstuhls an der LMU München, der zudem noch nachvollziehbar argumentiert.

  • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

    Frankreich kommt erst unter Druck, wenn dort massiv UK, Deutschland und USA Geld abziehen. Frankreich befindet sich aber mit 17% Nettoauslandsschulden, wenn man es ihnen ermöglicht aus Italien und Belgien Geld abzuziehen, in keiner aussichtlosen Position, wenn sie hart ihr Leistungsbilanzdefizit angingen. Dafür muss das Eurosystem und nicht für die Kapitalflucht alles tun. Auch Italien könnte, mit 27% Nettoauslandsschulden, seine Sachlage mildern, in dem insbesondere die Kapitalanlagen aus Deutschland und Holland zurückgeholt werden. Dieses haben die Privatanleger aber scheinbar nicht vor. Hoffungslos ist die Lage in Griechenland, Portugal, Spanien, mit je 100% Nettoauslandsschulden. Irlands Sachlage ist wegen der hohen Kapitalverquickung, 1500%, unübersichtlich

  • Bubblegum - 3. Februar 2012

    @ Bernd Klehn,

    “talien ist von Frankreich abhängig, Frankreich von UK und USA.”

    Danke Bernd Klehn

    Und damit liegt die entscheidende politische Schlußfolgerung auf dem Tisch:

    Die USA und GB halten damit den BIG Stick in der Hand, mit dem sie bestimmen
    wann und in welcher Form Euroland auseinanderbricht!

    Das erkärt auch die dicke Lippe von Cameron und die Tatsache dass GB wie die Polen – beide Nicht-Euro-Länder – bei der weiteren Gestaltung der Währungsunion mitreden wollen!

    Und es erklärt warum die Franzosen, die eigentlich sehr gute persönliche Beziehungen zu Ghaddafi aufgebaut hatten, an vorderster Front beim Überfall auf Lybien beteiligt waren!

    Viele Grüße
    Bubblegum

    • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

      Nein, Nein.

      Deutschland spielt eine entscheidende Rolle. Es hat in UK 511Mrd.Dollar, welche sicherlich auch zum guten Teil an USA weitergereicht wurden, investiert und in Luxemburg 147Mrd. Wenn ich mit etwas vom Finanzmarkt wünschen dürfte, dann, dass dort endlich der Stecker gezogen wird, um das Finanzkasino zumindest ein wenig trockenzulegen

      • Bubblegum - 3. Februar 2012

        “Nein, Nein.”

        Doch, doch Bernd Klehn! Deutschland haben sie doch sowieso noch immer an der Kandarre.
        Wie Sie wissen hat auch nach den 2+4 Verträgen von 1990 Besatzungsrecht noch immer!!
        Vorrang vor deutschem Recht!

        Und der Goldman- Sachs Gau….. r ,den man für den unsicheren Bunga Bunga Kontonisten installiert hat, hat die Aufgabe, das ganze Plänchen in Italien zu überwachen!
        (Bin kein Verschwörungstheoretiker!!), sondern verfolge wie die einzelnen Puzzleteilchen systematisch abgearbeitet werden. Seit Putin jene legendäre Rede im Reichtag hielt (2003)
        und die Achse Paris,Berlin Moskau vorschlug!

        Viele Grüße
        Bubblegum

      • Bubblegum - 3. Februar 2012

        “Nein, Nein.”

        Doch, doch Bernd Klehn! Deutschland haben sie doch sowieso noch immer an der Kandarre.
        Wie Sie wissen hat auch nach den 2+4 Verträgen von 1990 Besatzungsrecht noch immer!!
        Vorrang vor deutschem Recht!

        Und der Goldman- Sachs Gau….. r ,den man für den unsicheren Bunga Bunga Kontonisten installiert hat, hat die Aufgabe, das ganze Plänchen in Italien zu überwachen!
        (Bin kein Verschwörungstheoretiker!!), sondern verfolge wie die einzelnen Puzzleteilchen systematisch abgearbeitet werden. Seit Putin jene legendäre Rede im Bundestag hielt (2003)
        und die Achse Paris,Berlin Moskau vorschlug!

        Viele Grüße
        Bubblegum

  • M.E. - 3. Februar 2012

    Hurra!
    Vollbeschäftigung in den USA:

    http://www.spiegel.de/flash/0,5532,19276,00.html

  • M.E. - 3. Februar 2012

    Die Billionenliquidität sucht verzeifelt nach Anlagemöglichkeiten und guten Nachrichten.
    Und seien sie durch Statistik-Mätzchen wie “not in labour force” noch so gefaked.

  • Wimajoe - 3. Februar 2012

    Noch eine kurze Bemerkung zu den Targetsalden, in der noch ein Punkt erwähnt sei:
    Die Targetsalden können herkommen wo sie wollen, und man kann sich darüber streiten ob es sich um eine Substitution der versiegenden privaten Kapitalimporte sind, und ob dies notwendige Anpassungen verzögert/verhindert.

    Es gibt aber keine Regelungen für die Targetsalden, WENN EIN EUROLAND AUS DEM EURO AUSSTEIGT. Und ein Ausstieg ist, wenn auch politisch nicht gewollt, kein extrem unrealistisches Szenario.
    Was passiert denn nun, wenn ein Land aus dem Euro aussteigt, nehmen wir mal an Griechenland. Dann werden die Target2-Forderungen bei einer eventuell hinzukommenden Zahlungsunfähigkeit Griechenlands (teilweise) ausfallen – zumal diese in Euro sind und eine wiedereinzuführende Drachme sicherlich abwerten würde, also die Schuldenlast Griechenlands weiter zunehmen würde.
    Die Ausfälle werden nun die VERBLEIBENDEN Teilnehmer des Eurosystems anhand ihrer Anteile an der EZB zu tragen haben. Für deutschland wären das 19% + die 19% vom Anteil Griechenlands( =1,96%) , das ja ausscheidet und zahlungsunfähig wird (meine Annahme).
    Bei einem Ausfall von 50% der Forderungen kämen bei einem negativen Targetsaldo Griechenlands von jetzt etwa 110 mrd € auf Deutschland Kosten von grob (50% von ca 20 mrd euro) 10 mrd €.

    Das klingt noch nicht viel, kann aber brandgefährlich werden (ist es schon ??). Denn
    1) Es gibt keinerlei Regelungen, wer vielviel aus dem Targetsystem zieht. Das mag begrenzt sein, wie oben diskutiert, aber wer mit welchen Intentionen und welchem Risikoprofil zieht, ist wie gesagt völlig ungeregelt ( keine Bank würde sowas machen!!)
    2) Wenn mehrere Länder aus dem Euro aussteigen und zahlungsunfähig werden, könnt ihr an die 11 mrd mal schnell ne null dranhängen.
    3) Moral Hazard: ein land kann ja sagen: ok, ich zieh geld aus dem System, und wenn nicht mehr geht steig ich aus und bin zahlungsunfähig (ok, es geht hier nicht darum dass das wirklich passiert, sondern dass die möglichkeit besteht)

    Die Gefahr liegt also meines Erachtens vor allem in den unkontrollierbaren Risiken, die hier im Eurosystem abgeladen werden!

    MfG, Wimajoe

  • Bernd Klehn - 3. Februar 2012

    @ Wimajoe

    Es ist nichts geregelt.

    Sie haben vollkommen recht, das Eurosystem kann Verluste, allerdings nur per Mehrheitsbeschluss (wobei hier Deutschland im Gegensatz zu fast allen anderen Vorgängen ca 27% Stimmenanteil hat), aus den operativen Geschäften der NZBs übernehmen und mit den auszuschüttenden Gewinnen verrechen. Für Verluste die darüber hinaus gehen gibt es keine Regelung. Also würden für mich die Länder darauf sitzen bleiben, denn eine EZB-Kapitalerhöhung und deren Verwendung kann nun mal das Eurosystem nicht selber beschließen. Ausscheidende Länder haben weiterhin eine Schuld in Euros.

  • Mark - 3. Februar 2012

    Und der englische Mainstream berichtet inzwischen auch über die Target-Probleme:

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9055142/Bundesbank-sinks-deeper-into-debt-saving-Europe.html

    Zugegeben, der Daily Telegraph ist eher Europa-kritisch einzustufen, aber trotzdem ist es positiv…!

  • Sebastian - 14. März 2012

    Hallo,

    kann mir vielleicht jemand sagen, warum die spanischen Target-Verbindlichkeiten nur bis November 2007 gehen, eine Pause machen und dann erst wieder von Januar 1999 bis Oktober 2000 angegeben sind?? Gab es in der Zwischenzeit dann Targetforderungen?? Wo kann ich die finden bzw. unter welchem Begriff sind sie angeführt in der Bilanz der Banco de Espana??

    Besten Dank und Grüße
    Sebastian

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