Spaniens reale Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit September 1999

von am 4. Januar 2012 in Allgemein

Heute veröffentlichte Eurostat in seiner Datenbank die saisonbereinigten Daten der realen (preisbereinigten) Einzelhandelsumsätze Spaniens für den Monat November 2011. Die Talfahrt ging weiter, saisonbereinigt ging es um weitere -0,71% zum Vormonat abwärts, auf den tiefsten Stand seit September 1999. Das spanische Statistikamt INE berichtete bereits am 29.12. die unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze mit einem weiteren Einbruch von -5,7% zum Vorjahresmonat.

Die Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 2000 bis November 2011. Im November 2011 sanken die realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze um -0,71% zum Vormonat, auf 83,55 Indexpunkte, nach 84,15 Indexpunkten im Vormonat. Die realen Einzelhandelsumsätze notieren im November 2011 auf dem tiefsten Stand seit September 1999. Mehr als ein Jahrzehnt reales Umsatzwachstum beim Einzelhandel wurde seit der Wirtschafts- und Finanzkrise und im Zuge der spanischen Austeritätsmaßnahmen komplett ausgelöscht! Seit dem Hoch im März 2007 mit 106,78 Indexpunkten ging es um reale -21,76% abwärts!

Der Einbruch der unbereinigten spanischen realen Einzelhandelsumsätze von -5,7% zum Vorjahresmonat, nach Daten des spanischen Statistikamtes INE.

Nur aus diesen dramatische Rückgängen bei den realen Umsätzen im Einzelhandel, von -21,76% zum Hoch und den brachialen Rückgängen bei PKW-Verkäufen von -50,56% zum Hoch im Jahr 2006, resultiert in der Sache der Staatsschulden, beim aktuellen Staatshaushaltsdefizit und bei der Wiedererlangung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit kein wirklicher Fortschritt. Im Gegenteil, der private Konsum als das wichtigste Standbein beim BIP und seine kräftigen Rückgänge koppeln direkt auf die Steuereinahmen zurück. Im Zuge dieses Einbruchs sinken zwar die Importe von Waren und Güter, was die Handelsbilanz bei Waren und Gütern etwas verbessert, aber es verbleibt ein Defizit von geschätzten satten -47 Mrd. Euro für das Jahr 2011. Aber nicht nur die Importe schrumpfen, sondern auch der heimische Konsum und diese Schwäche stranguliert die unterentwickelte spanische Industrie, denn diese ist wenig Export – aber dafür Binnenmarkt orientiert.

Die Rückkopplungen auf Einkommen und den Arbeitsmarkt sind ebenfalls brachial! Für Dezember 2011 berichtete gestern das spanische Arbeitsministerium von einem neuen Rekord bei den offiziell registrierten Arbeitslosenzahlen in den öffentlichen Arbeitsverwaltungen mit 4,422359 Millionen! Nach den letzten Daten von Eurostat für Oktober betrug die saisonbereinigte spanische Arbeitslosenquote 22,8%, die Jugendarbeitslosigkeit stieg sogar auf skandalöse 48,9%. In Folge dieser irrsinnigen Entwicklung verfehlt Spanien auch zwangsläufig sein Defizitziel beim Staatshaushalt 2011 und wird voraussichtlich ein Defizit von 8% des nominalen BIPs einfahren, was einem Defizit von leicht über 85 Mrd. Euro entsprechen wird!

Die Desasterzone bleibt intakt und Spanien gehört unzweifelhaft dazu. Angetrieben von den falschen Konzepten eines Brünings werden die Eurokraten und ihre politischen Spitzen im Hintergrund (Merkozy) die Südperipherie auch 2012 in eine weitere Runde der Abwärtsspirale treiben, den Schaden damit weiter maximieren und einen Zusammenbruch der Eurozone riskieren!

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank Eurostat, Ine.es/reale Einzelhandelsumsätze in Spanien November 2011

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3 KommentareKommentieren

  • M.E. - 4. Januar 2012

    Man stelle sich das vor: das spanische Außenhandelsdefizit ist gemessen am BIP über 30% höher als das US-amerikanische.
    Die Bauindustrie in Spanien liegt auf längere Zeit darnieder, die Einzelhandelsumsätze krachen in den Keller…
    Auf Grund dieser Datenlage müsste das spanische BIP seit dem Beginn der Krise vor gut 3 Jahren eigentlich viel stärker zurückgegangen sein.
    Und die 8% staatliche Neuverschuldung für 2011 sind ja gegenwärtig das günstigste Szenario. Jemand aus der spanischen Regierung (ich glaube, es war der Finanzminister) hat wohl kürzlich geäußert, er hoffe, dass das Defizit nicht wesentlich größer als 8% ausfalle.
    Wenn Politiker schon Zuflucht zum Prinzip Hoffnung nehmen, dann kommt es meistens noch schlimmer.
    Und Aussicht auf Besserung gibt es nicht. Im Gegenteil: im Immobiliensektor sind noch längst nicht alle Schieflagen in die Bücher der Banken durchgesickert und auch das Immobilien-Preisniveau dürfte sich weiter deflationär entwickeln.
    Zudem verlassen immer mehr gut qualifizierte junge Menschen das Land, weil es kaum attraktive Stellen gibt.
    Der ganze südliche Euro-Raum blutet aus.

    • Canpichurri - 4. Januar 2012

      >> Auf Grund dieser Datenlage müsste das spanische BIP seit dem Beginn der Krise vor gut 3 Jahren eigentlich viel stärker zurückgegangen sein <<

      Noch (!) stellt der Tourismus ein sehr wichtiges Bein beim BIP dar. Durch die Umwälzungen in Nordafrika wird 2011 als neues Rekordjahr für den Tourismus in die Geschichte eingehen. Aber keine Angst – auch hier wird die Axt bereits angesetzt ;-) … Steuererhöhungen auf Hotelübernachtungen werden nicht nur den Deutschen schmecken. Die geplante "Verlegung" von Feiertagen auf den Montag und damit die Streichung von den unter Spaniern beliebten "Brückenferien" wird das interne Tourismusgeschäft stark schwächen.
      Die spanische Wirtschaft ist absolut nicht auf Export ausgerichtet und vorbereitet. Viele Unternehmen erwirtschaften mehr als 90% ihres Gesamtumsatzes innerhalb der iberischen Halbinsel mit fatalen Folgen auf die nächsten Monate und Jahre. Viele Betriebe, die ich persönlich kenne, sind nicht "lean" und produktiv wie man es in D kennt.
      Der Reigen der Entlassungen bricht nicht ab. Fast täglich vermelden auch grosse Unternehmen Stellenstreichungen im "Hunderterbereich". Die vereinfachte Entlassungsprozedur – just in Kraft gesetzt durch die neue Regierung – beschleunigt nun diesen Prozess.
      Eine Mehrwertsteuererhöhung steht -wahrscheinlich- im März dieses Jahres an. Alles was wir schon mal gelesen und gehört haben und zwar aus Griechenland.
      Ich gebe dem Euro max. noch bis zum Jahresende !

  • Nepumuk - 4. Januar 2012

    Die Spanier können sich dann schon mal in
    Griechenland ansehen was da noch so alles auf sie zukommt.

    Tolle Sachen hat die Troika da noch im Gepäck.

    Nepumuk

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