Spanische Außenhandelsdaten für Dezember

von am 23. Februar 2012 in Allgemein

Heute teilte das spanische Ministerio de Industria, Energía y Turismo die Außenhandelsdaten für den Monat Dezember 2011 mit. Im Dezember 2011 stiegen die spanischen Exporte von Waren und Güter um +6,6% zum Vorjahresmonat auf 17,004 Mrd. Euro. Die Importe stiegen nur um +1,1% zum Vorjahresmonat auf 21,553 Mrd. Euro. Das Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern betrug damit im Dezember -4,549 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des spanischen Import- (blau) und  Exportvolumens (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 2000 bis Dezember 2011 im Chart.

Im Gesamtjahr 2011 wurden insgesamt Waren und Güter im Wert von 260,823 Mrd. Euro importiert und in Höhe von 214,485 Mrd. Euro exportiert. Das Handelsbilanzdefizit betrug -46,338 Mrd. Euro, nach -53,276 Mrd. Euro 2010, nach -46,227 Mrd. Euro 2009, nach -94,160 Mrd. Euro 2008 und nach dem aberwitzigen Rekorddefizit von -98,952 Mrd. Euro 2007! So gesehen, im direkten Vergleich der Jahre, kann man eine relevante Verbesserung des Defizits konstatieren, aber zugleich bleibt es unglaublich, welcher Irrsinn an Defizitkultur innerhalb der Eurozone möglich war, ohne das mit Nachdruck rechtzeitig gegengesteuert wurde.

Das chronische spanische Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern seit Januar 2000 bis Dezember 2011 im Chart. Im Dezember 2011 generierte die Handelsbilanz ein Defizit von -4,549 Mrd. Euro, nach -2,674 Mrd. Euro im Vormonat und nach -5,365 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Beim gesamten Importvolumen 2011 in Höhe von 260,823 Mrd. Euro gingen 43,845 Mrd. Euro auf die Ölrechnung und Waren im Wert von 30,741 Mrd. Euro wurden aus Deutschland importiert. Das Handelsbilanzdefizit mit Deutschland betrug 2011 -8,917 Mrd. Euro. Auch im Falle von Spanien mit einem gesamten Handelsbilanzdefizit von noch -46,338 Mrd. Euro im Jahr 2011 bleibt die Ankurbelung der industriellen Wertschöpfung das A und O, zu mindestens bis zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Wie vergleichsweise unterentwickelt die Herstellung von Waren und das Exportvolumen von Spanien sind, zeigt der Vergleich mit Deutschland, pro Kopf der Bevölkerung war 2011 das Exportvolumen in Deutschland 3-mal so hoch wie in Spanien.

Quelle Daten: Minetur.gob.es/PDF: INFORME MENSUAL DE COMERCIO EXTERIOR DICIEMBRE DE 2011

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8 KommentareKommentieren

  • M.E. - 23. Februar 2012 Antworten

    Sieht ganz so aus, als würden die 43,8 Milliarden Euro Importkosten für Öl in Spanien 2012 deutlich getoppt werden.
    Oder es wird schlicht weniger verbraucht. Was sogar wahrscheinlicher ist.
    Am wahrscheinlichsten ist eine Mischung aus beidem: etwas abnehmender Verbrauch bei trotzdem steigenden Kosten.
    Wenigstens stellt Spanien nun nicht mehr ständig neue Rekorde beim Außenhandelsdefizit auf.
    Darin unterscheidet sich Spanien zumindest positiv z.B. von Frankreich und Großbritannien.
    Dort explodiert das Außenhandelsdefizit geradezu.

  • Eric B. - 23. Februar 2012 Antworten

    Es geht also abwärts in Spanien und in der Eurozone, wieder einmal. Der letzte Einbruch liegt erst zwei Jahre zurück, damals war die US-verschuldete Finanzkrise schuld. Diesmal ist es die selbst verschuldete Austeritätspolitik, die viel zu brutal und viel zu pauschal durchgezogen wird – ohne Rücksicht auf Verluste.

    Erkennbar ist dies unter anderem daran, dass die Nicht-Euroländer besser dastehen; ihnen bleibt eine Rezession in diesem Jahr wohl erspart. Sogar das hoffnungslos verschuldete England darf mit 0,6 Prozent Wachstum rechen – wäre es Mitglied der Währungsunion, stünde es wohl irgendwo zwischen Italien (minus 1,3) und Griechenland (minus 4,4).

    Vor allem Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy sind an diesem fatalen Kurs schuld – doch nun regt sich Widerstand. Angeführt vom britischen Premier Cameron, der noch im Dezember völlig isoliert dastand, fordern 12 europäische Chefs, darunter Italiens Monti und Spaniens Rajoy, einen Kurswechsel. http://lostineurope.posterous.com/sie-reden-von-wachstum-ii-64081

  • Michael S. - 24. Februar 2012 Antworten

    @ M.E. @Eric B.
    “Großbritannien.
    Dort explodiert das Außenhandelsdefizit geradezu.”

    und

    “Sogar das hoffnungslos verschuldete England darf mit 0,6 Prozent Wachstum rechen”

    Falls die EUROpäer mal eine Kapitalsperre für UK errichten fällt das Pfund in sich zusammen…

  • Michael S. - 24. Februar 2012 Antworten

    Zu Spanien:
    Mein persönlicher Eindruck ist das die Spanier leider den ernst der Lage noch nicht begriffen haben.

    1. Die halbe Bevölkerung hat sich über Schulden an Ort und Stelle einbetoniert
    2. Gleichzeitig explodieren die Benzinkosten (stark Problematisch in einem Flächenland und bei gleichzeitigen siehe 1.)
    3. Durch die extrem hohe Auslandsverschuldung muss man ständigen Zinsdienst ans Ausland leisten
    4. Durch den ehemaligen Immoboom liegt das Know-How von millionen von Menschen in der Bauwirtschaft
    5. Durch die EU können Fachkräfte sehr leicht nach DE Auswandern

    Bislang konnte man das alles noch verstecken
    1. Staatsdefizit
    2. Staatsdefizit nicht ausgewiesen (Zahlungsverzug)
    3. Abladen bei der EZB (Targetdefizit)
    4. Zusammenrücken in der Familie
    5. Privater Zahlungsverzug

    • Tourist - 24. Februar 2012 Antworten

      “1. Die halbe Bevölkerung hat sich über Schulden an Ort und Stelle einbetoniert”

      Ich kanns nicht mehr hören. Dersebe neoliberale Unsinn wie über Griechenland. Die Leute hätten über ihr Vehrhältnisse gelebt!

      Sag mal gehts noch!

      Wenn man Geld verleiht, dann macht man das mit dem Bewusstsein dass, man es auch rigendwie zurückbekommt!

      Wenn die Spanier sich in Schulden einbetoniert hätten, frage ich mich, wer da sooo blöd ist und ständig Beton nachliefert?

      Da mit Sicherheit kein Gläubiger sooo blööd und naiv ist, sollte doch mal nach der systemischen Schieflage des Kapitalismus gefragt ansich gefragt werden! Bspw. sollte man mal danach fragen, woran es leigt, das immer höhere Ausfallraten aktzeptiert werden müssen!

      Aber wozu? Die Leute haben ja nur über ihre Verhältnisse gelebt!

      Und mal ein Argument im Kleinen!
      Meine Verwandtschaft in Spanien bspw. ist nicht veschuldet und trotzdem bekommen sie die Auswirkungen zu spürren. Damit ist das Porblem wohl eins des destruktiven Kapitalverhältnisses ansich und nicht der Betonlieferanten!

      Wenn die solchen Schwachsinn hören wie: “Sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt”, verstehe ich ihr Kopfschütteln!

  • Canpichurri - 24. Februar 2012 Antworten

    Hallo Michael,

    eine recht gute Analyse der Situation in Spanien. Hinzuzufügen wäre, dass viele wieder “zurück zu den Eltern gehen (müssen)”, da sie die Hypotheken nicht mehr bezahlen können. Die Familie rückt zusammen, und alle Generationen (Oma/Opa-Eltern-Kinder) leben wieder in der einzig abbezahlten Wohnung, die sie haben – bei den Grosseltern. Das ist kein Witz, das ist bittere Wharheit. Normale Rentenniveaus liegen in Spanien bei 600-900 Euro/Monat. Die Eltern beziehen zum Teil gar ncihts mehr, Kindergeld ist unbekannt. Also leben 6-8 Personen von o.g. Geld – komfortabel ist was anderes.
    Durch die hohe Arbeitslosigkeit mit den verbundenen Problemen ist der Konsum komplett zusammengebrochen. ICH GEHE DAVON AUS, DASS DIE OFIZIELLEN DATEN GESCHÖNT SIND. Man lebt vom Ersparten … aber wie lange reicht das noch? Kontoüberziehung wie in D ist fast nicht möglich und kostet pauschal 30,05 Euro “Bearbeitungsgebühr”, pro Monat, Zinsen noch nicht inklusive. Einzig die Banken machen noch etwas Reibach. Brauchen die auch, denn sie sitzen ja auf Milliarden Verlusten aus dem Bauboom. Wie man den Karren hier in den nächsten Jahren aus dem Dreck ziehen will, ist mir völlig schleierhaft. Wenn nicht Aber-Millionen von neuen Touristen kommen, welche jeden Tag im land 100te von Euro für alles mögliche verpulvern, wird es lange trotzlos sein. Die Wirtschaft ist schlichtweg nicht exportfähig, wie ich schon an anderer stelle ausführte.

    Gruss nach D

  • M.E. - 24. Februar 2012 Antworten

    Danke für die sehr gute Beschreibung der Situation in Spanien.
    Dieses “nicht exportfähig sein” wird für die betroffenen Länder in der weiteren Zukunft noch zu einem enormen Problem wird.
    Bisher litt bei fehlender Exportfähigkeit die Importfähigkeit NOCH nicht. Es wurde einfach gegenüber den Handelsüberschussländern pausenlos aufgeschuldet.
    Diese Möglichkeit der beständigen Aufschuldung wird an ihre Grenzen stoßen. Dann werden die chronischen Handelsdefizitländer zunehmend nicht meht importfähig sein.
    Das bedeutet dann, dass nicht nur der Import von Konsumgütern nicht mehr in dem Umfange wie heute möglich sein wird, sondern vor allem auch der Import von Ausrüstungsgütern und Rohstoffen stark limitiert wird.
    Was diese Länder dann in der Rückkoplung immer größerer Teile ihrer ohnehin schon zu geringen eigenen Wertschöpfungsbasis beraubt und noch weniger exportfähig und dadurch noch weniger importfähig macht.
    Das wird in manchen Ländern auf Sicht von 10 bis 20 Jahren zu völlig gesellschaftzerrüttenden Zuständen führen. Die Differenzierung auch zwischen den europäischen Ländern wird immer weiter voranschreiten, mit der Konsequenz riesiger Migrationsströme, die wiederum die Freizügigkeit in der EU, ja sogar die Existendz der EU in Frage stellen werden.

    Wir brechen in eine völlig ungewohnte Epoche auf. Höchstens graduelle Reaktionen sind möglich, ein generelles Ausweichen vor diesen gewaltigen Problemen leider unmöglich.

  • Russe - 24. Februar 2012 Antworten

    Das Geschäftsmodell “blühende Landschaften” und (Gay)Tourismus funktioniert so wie es gedacht war.

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