Forderungen der Bundesbank innerhalb des Eurosystems auf Rekord

von am 20. Juli 2011 in Allgemein

Monat für Monat erhöhen die erzielten Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands auch immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland. Gegenüber der Südperipherie der Eurozone findet die Defizitfinanzierung der Leistungsbilanz sowie die Liquiditätssicherung der irischen Banken u.a. auch über die Verrechnungssalden des Target 2 Systems im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) statt.

Da sich die Ungleichgewichte im Handel innerhalb der Eurozone nicht relevant abbauen, führt auch über Kapitalzuflüsse aus Deutschland eine weitere Defizitfinanzierung der Südperipherie statt. Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise verstärkt auch über die Deutsche Bundesbank, als Ersatz für privates Kapital. Im Juni 2011 stiegen die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB auf ein neues Rekordhoch mit 348,854 Mrd. Euro. Davon gingen Forderungen (Forderungen innerhalb des Eurossytems/Sonstige Forderungen) in Höhe von 336,539 Mrd. Euro, ebenfalls ein neues Allzeithoch, auf das Konto der nationalen Notenbanken, als Saldo aus dem abgewickelten Zahlungsverkehr im so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem.

Ein Blick auf die Entwicklung der Forderungen (Kredite) der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Im Juni 2011 lagen die Nettoforderungen der Deutschen Bundesbank bei 348,854 Mrd. Euro, nach 335,955 Mrd. Euro im Vormonat und nach 261,416 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich nur bei rund 15 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung.

Die Target2 Salden einiger ausgewählter nationaler Zentralbanken zum Ende des Jahres 2010. Die Salden von Ende 2010 waren bereits ein eindeutiger Beleg für die ausufernde Kreditfinanzierung der Südperipherie und Irland durch die Bundesbank.

Die Summe der Verbindlichkeiten aus Target 2 von Portugal, Irland, Griechenland und von Spanien (rot)  im Chart bis März 2011, ist fast deckungsgleich mit dem positiven Target2 Saldo (Forderung) der Deutschen Bundesbank (blau). Quelle Chart: Cesifo-group.de/PDF IFO-Arbeitspapier Nr. 105, aus einem lesenswerten Arbeitspapier von Professor Sinn zu ” Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB”. In diesem Arbeitspapier ist für Interessierte die Problematik umfangreich und verständlich aufgearbeitet.

Quelle Daten: Bundesbank.de/Bundesbank Monatsbericht Juli 2011, Bundesbank.de/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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