Target2 der finnischen Zentralbank mit +30,667 Mrd. Euro im Dezember

von am 7. Januar 2012 in Allgemein

Als Erster berichtete gestern die finnische Zentralbank (Suomen Pankki) den Target2 Saldo für den Monat Dezember 2011. Und diese Daten haben es in sich, denn sie zeugen wahrscheinlich von einer weiteren Zuspitzung der Zahlungsbilanzkrise innerhalb der Eurozone. Der finnische Target2 Saldo explodierte um +30,667 Mrd. Euro auf 66,088 Mrd. Euro und dieser Anstieg ist bemerkenswert, nicht nur weil er fast zu einer Verdoppelung der Target2 Forderungen von Finnland führte, sondern auch weil die finnischen Target2 Forderungen im Verhältnis zum nominalen BIP nun wesentlich höher als in Deutschland sind.

Der Target2 Saldo der finnischen Zentralbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 2001 im Chart und die Explosion der Forderungen in den letzten Monaten. Im Dezember 2011 stieg die Target2 Forderung um +30,667 Mrd. Euro auf +66,088 Mrd. Euro und dokumentiert, dass immer mehr Feuerwehrgeld (Zentralbankgeld) zum Löschen der Brände in die Südperipherie der Eurozone fließt.

Die finnische Zentralbank wird immer mehr, wie auch die deutsche, niederländische und luxemburgische Zentralbank zum Finanzier und Stabilitätsgaranten der Südperipherie und von Irland, ohne den das Bankensystem der PIIGS bereits zusammengebrochen wäre. Im Gegenzug steigt das Risiko der stabilen Volkswirtschaften aber selbst enorm, da nicht nur die Forderungen der eigenen Zentralbanken gegenüber der Südperipherie uneinbringbar sind.

Der starke Anstieg der finnischen Forderungen bei Target2 verdeutlicht die ungeheure Dynamik der Eurozonenkrise. Monat für Monat steigt die Gefahr von unkontrollierbaren Prozessen weiter, wie hier minutiös seit Monaten dokumentiert wird. Die Mischung aus Austeritätsmaßnahmen und dem Euro-Korsett bringt die Südperipherie der Eurozone immer weiter an den Rand des Zusammenbruches und die stabilen Kernländer im Euro zum Anhäufen unkalkulierbarer Risiken aus den entstehenden Forderungen!

Positive Target2 Salden stellen im Kern eine Kreditfinanzierung dar und dieser Vorgang funktioniert im Prinzip wie ein unlimitierter Kontokorrentkredit den die finnische Zentralbank über das Echtzeit-Zahlungssystem Target2 einer anderen nationalen Zentralbank im Euro-System zu einem marginalen Zinssatz von 1,0% einräumt, ohne Einfluss darauf zu haben, wie viel Kredit gezogen wird! Das Volumen positiver Target2 Salden zeigt an, inwieweit Zentralbankgeld der deutschen, niederländischen, luxemburgischen oder finnischen Zentralbank die Finanzierung der PIIGS-Staaten (inkl. Belgien und Frankreich) durch private Kapitalzuflüsse ersetzt bzw. sogar Kapitalabflüsse kompensieren muss. Ein negative Target2 Saldo selbst, ist eine Verbindlichkeit der PIIGSBF Zentralbanken, welche ihrerseits den gezogenen Target2 Anteil, durch Kreditvergabe an die heimischen Kreditinstitute als Forderungen (Aktiva) in der Bilanz halten.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Alle verfügbaren aktuellen Target2 Salden mit Chart unter: Querschuesse.de/Target2-Salden

Quellen: Suomenpankki.fi/monatliche Daten zur finnischen Zentralbankbilanz

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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84 KommentareKommentieren

  • Achim Hase - 7. Januar 2012

    Wenn die EZB nicht den Umweg über die nationalen Notenbanken ginge (Motivation Jobsicherung?), dann gäbe es keine Target 2 Salden oder Derartiges und das ganze Problem wäre nirgends manifestiert.

    Was gäbe es dann? Wahrscheinlich nur Banken in Deutschland, Niederlande, Finnland, Luxemburg die mit Sichteinlagen überschwemmt werden, während andere Banken einen massiven Abzug von Sichteinlagen zu verzeichnen hätten. Klingt erst einmal gar nicht so schlimm. Deutsche Autobauer stehen im Vergleich zu französischen oder italienischen auch gut da.

    Diese Target 2-Problematik ist sehr komplex und so ganz verstanden hat sie anscheinend noch keiner, sonst wäre der EZB-Bericht dazu deckungsgleich mit den Aussagen von Herrn Sinn. Enorm schwierig sich da eine Meinung zu bilden, die puren Zahlen sind einfach so verlockend schrecklich. Das einzige Argument von Herrn Sinn, das ich bisher nachvollziehen kann, ist die Problematik, sprich mangelnde Werthaltigkeit der Target-Forderungen im Fall des Euro-Zusammenbruchs.

  • SLGramann - 7. Januar 2012

    Herr Hase, das ist aber kein Nebenaspekt, dass die Target-Forderungen nicht werthaltig sind. Das führt politisch nämlich noch mehr zu einer “Stellung halten bis zum letzten Mann”-Haltung. So etwas hat noch immer in die Katastrophe geführt.

    Und mal abgesehen von einem Zerbrechen der Eurozone – mit Target-Krediten werden reale Güter (Konsumgüter und Vermögenswerte) erworben. Dabei findet ein realer Werttransfer statt. Die Gegenposition ist dann eine Forderung, die nicht fällig gestellt werden kann und die real negativ verzinst wird. Der ökonomische Wert einer solchen Forderung geht bei Lichte betrachtet gegen Null. Oder würden Sie freiwillig ein “Wertpapier” erwerben, dass sie nicht wieder einlösen können und das 1% Zins trägt, der nicht mal garantiert ist?

    Dann ein Drittes: Ab irgendeinem Punkt in der Zukunft muss(!) ein beständiges Anwachsen der Targetkredite zu einer Ausweitung der Zentralbankbilanz führen. Da die Geschäftsbanken ihr Geld auch nur wieder bei der Zentralbank hinterlegen, muss das nicht unmittelbar Inflation erzeugen.
    Aber es ist schon merkwürdig, wenn Kreditrisiken im Volumen von hunderten von Milliarden jedes Jahr neu in die Bilanz der Zentralbank abwandern.
    Welche Folgen soll das langfristig haben?

  • Systemfrager - 7. Januar 2012

    Hallo Steffen
    Target2 = f(Leistungsbilanz, Kapitalbilanz)
    Hast du das irgendwo genauer beschrieben?
    Einfach aber noch ausreichend präzise?

    • Querschuss - 7. Januar 2012

      Hallo Sytemfrager,
      steht doch so einfach wie möglich zum wiedrholten Male auch in diesem Artikel:
      “Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.”

      Gruß Steffen

      • Systemfrager - 7. Januar 2012

        Also, ich überlege, du korrigierst

        Target2 = Leistungsbilanzüberschüsse – Nettokapitalabflüsse

        Leistungsbilanzüberschüsse – nominal gerechnet, bezogen auf Exporte/Importe der (realen) Güter und Leistungen (aber keine Leistungen die das Geld betreffen)

        Nettokapitalabflüsse – da muss du mir weiter helfen

        • Querschuss - 7. Januar 2012

          Hallo Systemfrager,
          glaube ich nicht, dass du nicht einorden kannst was Nettokapitalabflüsse und das Pendant dazu sind.

          Ansonsten: http://de.wikipedia.org/wiki/Zahlungsbilanz
          Sollte als Basisrüstzeug genügen.

          Gruß Steffen

          • Systemfrager - 7. Januar 2012

            Es ist nicht mein Fach (und auch nicht mein Fall; mein Fall ist die analyse der Funktionsweise der geschlossenen Wirtschaft ohne Geld) deshalb muss ich auch so dumm fragen

            Kapitalbilanz / Wikipedia …..

            Vereinfach gesagt:
            - sind das die Ersparnisse der Wirtschaft, die duch private Banken nach Ausland wandern
            - und von der ZB geschaffenes Geld (aber das kann nur die EZB – oder)

  • M.E. - 7. Januar 2012

    Da sich ja diese Salden immer weiter aufakkumulieren und eine Änderung der Defizit-/Überschuss-Strukturen nicht in Sicht sind, wird irgendwann die Grenze überschritten werden, ab der sich gravierende negative Folgen für die Überschussländer ergeben.

    Was besagt das eine dialektische Grundgesetz: die quantitative Änderung schreitet so lange voran, bis sie in eine neue Qualität umschlägt.

  • Mark - 7. Januar 2012

    Herr Hase, Ihnen sei der Vortrag von Prof. Sinn vom 19.12.2011 – “Ist der Euro noch zu retten?” – empfohlen. Darin belegt er stringent die Ausweglosigkeit, in die uns die Politik gebracht hat. Die Bundesbank hatte zuletzt knapp 500 Mrd. Target-Forderungen ggü. der EZB. Die große Frage bleibt doch, was passieren wird, wenn Deutschland beginnt, diese Forderungen abbauen zu wollen. Dann wird sich zeigen, wie werthaltig sie sind. Wie kann die EZB darauf reagieren? Auf der anderen Seite haben die realen Werte den Eigentümer gewechselt: Autos wurden gebaut und geliefert, Immobilien in den Grundbüchern umgeschrieben, Aktien übertragen! Wenn’s schlimm kommt, haben wir diese realen Werte hergeschenkt für wertlose Forderungen.

    Es gibt m.E. noch einen Skandal im Skandal, und zwar den Zeitpunkt des Ausuferns der Target-Forderungen. Von 1999 bis etwa Sommer 2007 verliefen die Target.-Salden in einem engen Korridor, und letztlich wurden sie immer ausgelichen. Dann, in der zweiten Jahreshälfte 2007, verließen die Target-Salden (der Bundesbank) den gewohnten Korridor.

    Seither sehen wir das hier dargestellte Bild von stetig steigenden Target-Salden. Daraus leiten sich folgende Fragen ab:

    1. Hat die Bundesbank die Bundesregierung und ggf. den Bundestag über das Verlassen des Korridors informiert? Wenn ja, wann wurde wer informiert (und war dies schon vor der BT-Wahl 2009 bekannt)? Wenn nein, wer hat das entschieden, und wie wurde dies begründet?

    2. Muß nicht eine verdeckte Kreditgewährung im Umfang von (heute) 500 Mrd. Euro eine demokratische Legitimation zwingend erfolgen, insbesondere angesichts der hitzigen Diskussionen um wesentlich kleinere “Euro-Rettungspakete”?

    Hier lauert nicht nur eine tiefe Tragödie, sondern ein handfester Skandal, wenn sich herausstellen sollte, dass z.B. die Bundesregierung schon vor der letzten BT-Wahl über die Fehlentwicklungen im Bilde war. Das wird alles noch ziemlich häßlich.

    • Achim Hase - 7. Januar 2012

      Mark, Prof. Sinns Vortrag ist sehr interessant und mit gutem Zahlenwerk unterfüttert, ich kann ihn nur jedem empfehlen. Nichtsdestotrotz lehnt ein großer Teil der Ökonomen nach wie vor seine Schlussfolgerungen ab, darunter auch die EZB. Schade dass Prof. Issing sich noch nicht eingehend zu diesem Thema geäußert hat.

      Grund zum Skandal sehe ich jedoch nicht. Der Target 2 Mechanismus ist Teil des Eurosystems, dem sich Deutschland vertraglich unterworfen hat. Ein Höchstwert von Target-Forderungen steht m.E. in keinem völkerrechtlichen Vertrag. Man mag nicht gewusst haben, auf was man sich einlässt, aber man hat sich darauf eingelassen.

      Man könnte das Auflaufen der Target-Forderung auch als Analogie zu einer Währungsaufwertung sehen, die im Eurosystem in direkter Form ausgeschlossen ist. Mich würde noch sehr interessieren:

      1. Wird die Auffächerung der Target-Bilanzen bei der EZB (oder zumindestens Bundesbank) als Problem gesehen und gibt es Bestrebungen dieser entgegenzuwirken?

      2. Ist der Target-Zinnsatz von 1% eine geldpolitische Stellschraube der EZB und was würde durch eine Änderung erreicht werden? Nach welchen Kriterien wurden die 1% festgelegt?

      • anon - 7. Januar 2012

        “Ist der Target-Zinnsatz von 1% eine geldpolitische Stellschraube der EZB und was würde durch eine Änderung erreicht werden? Nach welchen Kriterien wurden die 1% festgelegt?”

        Der Target-Zinssatz entspricht immer dem Hauptrefinanzierungssatz für normale Repo-Geschäfte des ESZB.

  • Student - 7. Januar 2012

    Solange es zu keinem Default eines europäischen Landes kommt spielt die Höhe der Target 2 Salden keine Rolle. Sollte jedoch ein eurpäisches Land zahlungsunfähig werden, dann sind die Target 2 Forderungen uneinbringlich und die nationale Zentralbanken mit positiven Target Salden kommen in Schwierigkeiten.

    Gruß,
    Student

    • Achim Hase - 7. Januar 2012

      Wenn Berlin insolvent wird (bzw. merkt, dass es das seit Jahren ist), alle Sichteinlagen im Hoheitsgebiet von Euro in eine Eigenwährung konvertiert (Berliner), dann sind die Target-Forderungen aus Baden-Württemberg und Bayern auch nichts wert. Aus gutem Grund schließen wir daher so ein Ereignis innerhalb des Bundesgebietes aus.

      Auf europäischer Ebene schließen wir das auch aus und bauen uns daher eine Transferunion, allerdings heimlich und durch die Hintertüre. Bis wir soweit sind, müssen wir noch eine Weile lesen, dass alle Griechen faule Schmarotzer und alle Deutschen Nazis sind. Es gibt auch keinen ausreichenden rechtlichen Rahmen um Länder auf die Spur zu bringen und so wird die Dramatik aufrecht erhalten, das heißt mittlerweile “moral hazard”. Wie gut nur, dass Deutschland seine (Target-)Forderungen nicht abschreiben will und dass die Griechen alles nur keine Drachmen wollen. In der Folge werden wir uns dann doch alle wieder lieb haben und die Europäische Idee preisen.

  • killing fields - 7. Januar 2012

    Hallo,
    es sind ja nicht nur die Target Foderungen, sondern auch Staatsanleihenkäufe am Sekundärmarkt und Bankanleihen die mit teils haarsträubend obskuren Assets abgesichert, aufgesogen wurden , alles von UNSERER EZB!
    Hier der Auszug eines heute erschienen Berichts:

    “Doch faktisch hat die Zentralbank den Krisenstaaten nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ viel mehr Geld zugeleitet – und zwar über die Finanzierung der dortigen Banken. Die haben sich rund 209 Milliarden Euro mittels Anleihen geliehen, die mit nichts anderem besichert sind als einer Garantie ihrer wackeligen Heimatländer. Davon könnten Papiere im Gegenwert von mehr als 100 Milliarden Euro bei der EZB liegen.”

    Dieses Zahlungsbilanzsystem ist am Ende. Ein Betrug reiht sich an dem anderen. Einzig auf der Zeitschiene mit natürlich noch höheren Beträgen und Garantien läßt sich noch etwas drehen.
    Bin echt gespannt wie lange sich das Perpeduum mobile dieser Finanzalchimisten noch aufrecht erhalten läßt.

    http://www.welt.de/wirtschaft/article13803049/Krisenstaaten-buerden-EZB-neue-Milliardenrisiken-auf.html

  • Bernd Klehn - 7. Januar 2012

    @ Achim Hase

    Target2-Salden bilden Kapitalbewegen ab. Bei massiven Abzug von Kapital , so wie er seit August 2010 aus den Euro-Krisenländern anhält, wären diese Volkswirtschaften simpel pleite und müssten außerdem ein Kapitalausfuhrverbot verhängen, wäre da nicht Target2. Nur dadurch, dass das fliehende Privatkapital, durch holländisches, finnisches und deutsches öffentliches Kapital, im Besitz deren Zentralbanken, via Eurosystem und Traget2 ersetzt werden kann, ohne bei diesen nachfragen zu müssen, sind diese Volkswirtschaften bisher nicht insolvent gegangen.

    @ Student

    Ich behaupte die Länder Portugal, Irland, Spanien und Griechenland sind längst insolvent. Dieses sind nämlich die Länder mit den weltweit!!! prozentual höchsten Nettoauslandsschulden. Sie sollten in die Insolvenz gehen und sich mit ihren Gläubigern einigen. Bevor deren sämtliche Auslandsschulden nur via Target2 in den öffentlichen Händen der obigen Länder liegen.

  • SLGramann - 7. Januar 2012

    “In der Folge werden wir uns dann doch alle wieder lieb haben und die Europäische Idee preisen.”

    Genau das ist die große europäische Illusion. Eine Solidargemeinschaft ohne Staatsvolk, ohne gemeinsame, demokratisch legitimierte und anerkannte Institutionen? Das wird – wenn überhaupt – ein imperiales Gebilde, das die Völker hassen werden. Treibt man das auf die Spitze, kommt eher der europäische Bürgerkrieg als die große Verbrüderung. Vor allem bei den Dimensionen. Der bestenfalls zu 50% gelungene “Aufbau Ost” ist doch ein Klacks gegen die europäische Dimension… Haben Bayern, BaWüs und Hessen in den nächsten 10 Jahren noch 2 Billionen für die Brüder und Schwestern am Mittelmeer übrig?

    Und lassen die sich dafür von uns ökonomischen Herrenmenschen zwangsverwalten?
    (In Griechenland regiert ja schon der Reichskommissar Reichenbach die verlotterte Provinz. Eine Volksabstimmung wurde verboten. Die für Februar angekündigten Wahlen wurden “verschoben”.
    Wann wehrt sich jemand mit der Kalaschnikow?)

    Noch was anderes: Wenn unser Geld – also das Zentralbankgeld der EZB – demnächst quasi nur noch mit Target-Forderungen gedeckt ist, was ist es dann aus Sicht eines Ausländers noch wert?

  • Klaus - 7. Januar 2012

    Bei dem Tempo, mit dem sich diese Ungleichgewichte aufbauen und eingedenk der SMP-Interventionen und der Trickserei der staatsgarantierten Bankanleihen, die der EZB als werthaltig verkauft werden, komme ich zu dem Schluss, dass dieses ganze System beschleunigt gegen die Wand fährt. Und die Wand ist schon in Sichtweite.

    Eine Transferunion, abgesehen von den verfassungsrechtlichen Hürden und dem Widerstand der Bevölkerung, wird das auch nicht lange aufrecht erhalten, denn das setzt voraus, dass die zu transferierenden Summen ökonomisch und politisch im erträglichen Rahmen bleiben. Auch das sehe ich nicht, den es geht für Deutschland nicht um eine kleine einstellige Mrd.-Summe pro Jahr, sondern viel mehr. Folge wäre ein neuer aufblühender Nationalismus.

  • Achim Hase - 7. Januar 2012

    >Noch was anderes: Wenn unser Geld – also das Zentralbankgeld der EZB – demnächst quasi nur
    >noch mit Target-Forderungen gedeckt ist, was ist es dann aus Sicht eines Ausländers noch wert?

    Eines wird immer gerne vergessen, nämlich die volkswirtschaftliche Bedeutung der enormen Exportüberschüsse von Deutschland & Co. Letztlich verschenken wir Güter und Dienstleistungen an das (hauptsächlich europäische) Ausland. Würden wir das nicht, hätten wir eine ausgeglichene Handelsbilanz. China bekommt (wertlose) US-Bonds, Deutschland eben Target-Forderungen.

    Es gibt schon lange gewichtige Stimmen, die fordern, dass Deutschland seinen Exportüberschuss abbauen soll. Allerdings nehmen diese Forderungen leider meist die Form an, den Klassenbesten zu schlechteren Noten zu drängen, damit man selbst näher am Schnitt ist. Im Kern jedoch sind diese Forderungen richtig. Je länger Deutschland & Co diese Überschüsse halten, desto mehr wirtschaften die anderen ab.

    Deutschland ist also an allem schuld!

    • Klaus - 7. Januar 2012

      Das ist schon richtig. Ein Teil der Überschüsse wird gleichzeitig von D mitfinanziert. Wenn man davon ausgehen muss, dass die Empfänger zahlungsunfähig sind, läuft das Ganze auf Selbstbetrug hinaus. Nur sind Profiteur und Finanzier verschiedene Gesellschaftsgruppen, weshalb es der Politik und den unkritischen Mainstreammedien gelingt, dies als Erfolg zu verkaufen. Das Hauptargument bei Befragungen auf der Straße ist doch das, dass der Euro gut für unseren Export sei und damit Arbeitsplätze sichere. Die durchblicken das nicht.

      In diesem Land gilt: Die Janusgesichtigtkeit der Exportindustrie darf ja keiner thematisieren. Es ist ein Tabu. Und zugleich ein Fetisch.

      • SLGramann - 7. Januar 2012

        “Nur sind Profiteur und Finanzier verschiedene Gesellschaftsgruppen”

        @Klaus,

        sehr richtig gesehen! Es gibt kein “Wir”. Es gibt nur Interessengruppen. Die deutschen Arbeitnehmer haben vom Exporterfolg nicht viel gehabt, denn ihre Reallöhne liegen auf dem Niveau von 1991.
        Die Kapitaleigner haben das Geld für die Exporte in die private Schatulle gesteckt. Das Geld kommt aus Krediten, deren Risiken – jetzt, wo sie virulent werden(!) – unter anderem mit Target2 sozialisiert und so dem deutschen Arbeitnehmer auferlegt werden.

        Ist schon gerecht, dass der, der nichts vom Kuchen hatte, am Ende den Abwasch machen muss!

        Da lacht die Mutti Merkel ganz herzhaft über ihre depperten Kindlein.

        Schweinesystem? Aber sicher!

  • Eurelios - 7. Januar 2012

    @ Achim Hase

    In der Folge werden wir uns dann doch alle wieder lieb haben und die Europäische Idee preisen.

    Da bin ich aber skeptisch. So lange wir solche Politeliten, Europa weit, haben denen
    das Hemd näher ist als die Hose und die nicht in der Lage sind die Menschen ihrer Staaten
    das was wichtig wäre für ein geeinigtes Europa zu vermitteln sehe ich da wirklich schwarz.

    Wenn man bedenkt was für schmutzige Machtkämpfe zwischen den jeweiligen
    Staatenlenker ausgetragen werden kann ich mir nicht vorstellen das bei den Menschen
    in Europa sich ein Gedankengut (wir gehören alle zusammen in einem Boot) sich einstellen wird.

    Leider :-(

  • Bernd Klehn - 7. Januar 2012

    @ Achim Hase

    Es ist die Tragik des Eurosystems, dass es die Leistungsbilanzunterschiede verschärft bzw. erst hergestellt hat und sich damit selber gefährdet. Die heutigen Krisenländer haben von 1995 bis 2007 in der Größenordnung 4 bis 7% ihre Leistungsbilanzen verschlechtert, während sie Deutschland sie um 7% verbessert hat. Dieses hätte niemals passieren dürfen. Eine gesunde Währungsunion sollte immer Leistungsbilanzunterschiede dämpfen und insgesamt einen sehr kleinen Leistungsbilanzüberschuss ca. 0,5% etwas Nettoauslandsguthaben (die Eurozone hat 13% Nettoschulden) und eine nicht zu starke internationale Kapitalverflechtung (sich vom Finanzkasino fernhalten) anstreben. Die Eurozone hat External Debts von 85% , China 5% und Japan 45%.

    Die Entlastung für die Krisenländer , die sich für diese aber bei einer höheren deutschen Binnennachfrage ergeben würde, wird allerdings von Flassbeck, Horn und Co. aus ideologischen und von den Krisenländern selbst aus naheliegenden Gründen überschätzt.

    • Achim Hase - 7. Januar 2012

      Bernd Klehn — d’accord. Nur wo ist endlich der zielführende Vorschlag, wie sich die Leistungsbilanzunterschiede signifikant verringern lassen? Das italienische System der Generalstreiks in Deutschland einführen zusammen mit der französischen 35h-Woche? Die Binnennachfrage in Deutschland anheizen wie auch immer das gehen mag? Ich habe bisher noch nichts Überzeugendes gehört — immer nur absurde Vorschläge wie Deutschland sich selbst kasteien soll verbunden mit reflexartigem Abwehrverhalten aus Deutschland. Erinnert sich noch jemand an die Rhetorik der Frau Lagarde, bevor sie in die Abteilung Weltwirtschaft ging?

      Deutschland hat unter Schröder gezeigt, dass man auch innerhalb einer Währungsunion “abwerten” kann und das hat in sehr kurzer Zeit erstaunlich funktioniert. Prof. Sinn war damals übrigens Untergangsprophet in Sachen Deutschland!

      • Bernd Klehn - 7. Januar 2012

        @ Achim Hase

        Lesen Sie bei Keynes in Bancor Plan (Sein Vorschlag in Bretton Woods) nach, der sich gerade mit der notwendigen Dämpfung der Leistungsbilanzen in einer Währungsunion auseinandergesetzt hat.

        • Querschuss - 7. Januar 2012

          Hallo Bernd,
          “Bancor Plan”, ….z.B., viele Räder muss man nicht neu erfinden, sondern einfach mit ihnen losradeln, gegebenenfalls noch die Sattelhöhe anpassen.

          Gruß Steffen

  • Achim Hase - 7. Januar 2012

    >Und jetzt knallt’s !

    Kann sein, muss aber nicht. PIGS gibt es auch unter den Bundesländern — wir sozialisieren seit Jahrzehnten den Unterschied weg. Viel Murren und Knurren vernimmt man nicht und der “moral hazard” wird auch aufs Feinste befördert. Funktioniert prima, nennt sich “arm aber sexy” auf der einen Seite und “wir können alles außer Hochdeutsch” auf der anderen.

    Solange wir einen Exportüberschuss haben, verschenken wir eh unser BIP nach außen und dafür, dass wir keine Gegenleistung für die Überschussproduktion erhalten, geht es uns gut. Das akkumulierte Geld der Eliten hat doch eh keinen Wert, sonst stünde es nicht als Geldvermögen rum!

    All das spricht für eine bedeutende Lastentragfähigkeit der Nordländer (es fehlt noch ein guter Begriff ähnlich PIGS).

  • Querschuss - 7. Januar 2012

    ein weiterer Hinweis für die Zuspitzung der Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone im Dezember, der negative Target2 Saldo Belgiens zieht um weitere 9,713 Mrd. Euro abwärts, auf -52,845 Mrd. Euro. Der entsprechende Chart und alle aktuellen anderen Daten zu Target2 unter: http://www.querschuesse.de/target2-salden/

    Gruß Steffen

  • Querschuss - 7. Januar 2012

    Hallo Achim,
    “Deutschland hat unter Schröder gezeigt, dass man auch innerhalb einer Währungsunion abwerten kann …”

    Genau dies ist ja eines der Probleme in der Eurozone. Innerhalb des gemeinschaftlichen Wirtschaftsraumes sind isolierte Schritte, die zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit führen, eben kontraproduktiv. Es braucht eine eurozonenweite Lohnpolitik entsprechend den jeweiligen Produktivitätsfortschritten, nicht einseitig darunter und natürlich auch nicht darüber.

    Man braucht sich nur die enorme Schere beim prozentualen Anstieg der Lohnstückkosten seit Start der gemeinsamen Währung ansehen, dann ist klar, dies konnte nicht funktionieren und wird so auch nie funktionieren. Ansonsten pflichte ich Bernd bei, auf den Punkt gebracht: “Es ist die Tragik des Eurosystems, dass es die Leistungsbilanzunterschiede verschärft bzw. erst hergestellt hat und sich damit selber gefährdet.”

    Gruß Steffen

    • Achim Hase - 7. Januar 2012

      Hallo Steffen,

      >Genau dies ist ja eines der Probleme in der Eurozone. Innerhalb des gemeinschaftlichen
      >Wirtschaftsraumes sind isolierte Schritte, die zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit führen, eben
      >kontraproduktiv. Es braucht eine eurozonenweite Lohnpolitik entsprechend den jeweiligen
      >Produktivitätsfortschritten, nicht einseitig darunter und natürlich auch nicht darüber.

      Ich denke es gibt eine gültige Alternative zur Feinsteuerung der Preise und Güter. GIPS gehen den Pfad der Austerität, schneller und vehementer als Deutschland unter Schröder. Die Güternachfrage geht zurück (das zeigst Du regelmäßig mit guten Daten), davon ist Deutschland als Exporteur selbstverständlich massiv betroffen. Die Lohnkosten sinken (bzw. stagnieren) und es baut sich ein starker Druck auf die Produktivität auf, der zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit führt. Man sieht diesen Effekt bereits bei Irland. Einzig die Gefahr, dass der Anpassungsdruck zu groß ist, macht mir Sorgen. Dagegen sollten EFSF/ESM helfen.

      Ich bin ein großer Anhänger des Wettbewerbs und kann mich mit keinem Vorschlag anfreunden, der auf eine Reduzierung des Wettbewerbs hinausläuft. Eurozonenweite Lohnpolitik, Wirtschaftsregierung, etc. sind allesamt nicht notwendig, wenn der Wettbewerb funktioniert. Jetzt da Italien die Zinsen bezahlt die es verdient zu bezahlen, geht es endlich los mit den Reformen.

      • Querschuss - 7. Januar 2012

        Hallo Achim,
        mit an Produktivitätsfortschritten orientierten Löhnen gibt es keinen Wettbewerb bzw. mindert diesen, merkwürdige Vorstellung von sozialer Marktwirtschaft. Klingt eher nach Wettbewerb mittels Dumping, dies hat aber mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun und ist eher ein Teil der heutigen Probleme.

        Gruß Steffen

  • jmg - 7. Januar 2012

    Für alle die es interessiert. Ich hab mal, aus Gründen der Vergleichbarkeit, die letzten verfügbaren Target2-Forderungen und -verbindlichkeiten einiger Eurozonenländer mit dem
    nominalen BIP des Jahres 2010 ins Verhältnis gesetzt.

    Die Target2-Forderungsquoten für die Target2-Gläubigerländer:
    Deutschland (495.164/2476.80)*100 = 20 Prozent
    Niederlande (143.058/588.414 )*100 = 24 Prozent
    Finnland (66.008/180.253)*100 = 36 Prozent
    Luxemburg (97.507/40.266)*100 = 242 Prozent

    Die Target2-Schuldenquoten für die Target2-Schuldnerländer:
    Frankreich (98.500/1932.801)*100 = 5 Prozent
    Italien (147.535/1556.028)*100 = 9.5 Prozent
    Spanien (137.178/1051.342)*100 = 13 Prozent
    Belgien (52.845/354.378)*100 = 15 Prozent
    Portugal (61.719/172.571)*100 = 36 Prozent
    Griechenland (105.688/227.317)*100 = 46 Prozent
    Irland (136.253/155.992)*100 = 87 Prozent

    Overbanked Luxemburg (Junker) muss alles tun damit es nicht zu Forderungsausfällen bei Target2 kommt.
    Die Iren, Griechen und Portugiesen stecken nach diesen Zahlen am tiefsten im Target-Sumpf.

    LINK zur Eurostat-Tabelle über die nominalen BIP der Eurozonen Länder:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/refreshTableAction.do;jsessionid=9ea7d07e30db8926a21d34c54b1e9cb3ea8ba94a8d80.e34MbxeSahmMa40LbNiMbxaMb3qNe0?tab=table&plugin=1&pcode=tec00001&language=de

    • Achim Hase - 7. Januar 2012

      Gute Korrelation, jmg! Luxemburg zeigt am besten was hinter den Target-Bilanzen steht: willkürlich eingezogene Messpunkte innerhalb des europäischen Kapitalflusses. In Luxemburg stehen nunmal viele Banken. Vielleicht haben Hessen und MeckPomm eine ähnliche Bilanz?

      Also: schafft die nationalen Notenbanken im Euroraum ab und lasst alle Finanzakteure direkt mit der EZB wirtschaften und schon haben wir kein Target 2 Problem mehr.

      • Querschuss - 7. Januar 2012

        Hallo Achim,
        Target2 ist dann weg, damit ist Verteilung des Zentralbankgeldes nicht mehr sofort sichtbar, ansonsten ändert sich nichts. Zentralbankgeld übernimmt weiter den Ausgleich der Zahlungsbilanz der PIIGSBF, nichts ist gewonnen. Weiterhin fließen Forderungen in die öffentlichen Hände.

        Auch jetzt kann man schon an der EZB Bilanz den Stress sehen, +800 Mrd. Euro in 6 Monaten Bilanzausweitung.

        Gruß Steffen

    • Querschuss - 7. Januar 2012

      Danke jmg!

      Gruß Steffen

    • Michael S - 7. Januar 2012

      jmg ich klau mir mal dein Layout…

      Hier die Pro Kopf Daten:

      Die Target2-Forderung für die Target2-Gläubigerländer pro Kopf:
      Deutschland (495 164/81.768) = 6.056
      Niederlande (143 058/16.680) = 8.576
      Finnland (66 008/5.399) = 12.226
      Luxemburg (97 507/0.511) = 190.816

      Die Target2-Schulden für die Target2-Schuldnerländer pro Kopf:
      Frankreich (98 500/65.447) = -1.505
      Italien (147 535/60.626) = -2.434
      Spanien (137 178/47.150) = -2.909
      Belgien (52 845/10.839) = -5.007
      Portugal (61 719/10.555) = -5.847
      Griechenland (105 688/10.787) = -9.798
      Irland (136 253/4.581) = -29.743

      Wenn das Otto-Normal-Michael wüsste…

    • Mark - 8. Januar 2012

      Die Luxemburger Zahlen (sowohl in Relation zum BIP, als auch Pro-Kopf) machen klar, weshalb Herr Juncker die Rettung um jeden Preis sucht. Bei 242 Prozent allein aus Target-Forderungen ist Luxemburg am Ende, sobald auch nur der Hauch eines Verlustes absehbar ist.

      Nun frage ich mich aber: Was, bitteschön, wurde in Luxemburg in dieser gigantischen Höhe “gekauft”? Luxemburg hat ja letztlich nur eine bescheidene Industrie, und sehr endliche Ressourcen. Sind das am Ende alles nur Transfers auf luxemburgische Euro-Konten von Kapitalflüchtlingen aus den maroden Ländern? Ts ts ts.

      Es wird Zeit, dass sich der Bundestag mit diesen ungeheuren Vorgängen (und hier besonders mit der Bundesbank) befasst.

  • Andreas Gehrmann - 7. Januar 2012

    Hallo Experten,
    ich habe mir das Sinn-Video angesehen und dazu auch den Vortrag von Stark und das “Battle” beim Münchener Seminar (auf der IFO-Website).
    Folgende Frage bleibt offen:
    1. Wer hat Recht?
    Ich stelle mir das so vor:
    Also, die Peripherieländer ziehen sich aus dem NB-System Kredite, gehen eine Target2-Schuld ein. Diese Kredite vergibt nun z.B. Portugal an seine Geschäftsbanken. Zugleich wird dadurch eine Forderung im selben Umfang bei z.B. der Bundesbank gegenüber dem EZB-System bzw. der P.-NB fällig.
    Also, Portugals Banken erhalten Kredit, um diese an weitere, private Kreditnehmer zu vergeben, die u.U. damit reale Werte in z.B. Deutschland erwerben. Die Portugal-NB hat dadurch Forderungen gegenüber den Geschäftsbanken, denen sie das Geld geliehen hat.
    (Kapitalzu- und abfluss jetzt mal außen vorgelassen)
    Stark sagt aber, es wird dadurch kein neues Geld erzeugt????!!!???
    Aber es werden damit (letztendlich) reale Güter erworben????!!!???
    Ich komme mir ziemlich veräppelt vor …
    Habe ich da was nicht verstanden?

  • jmg - 7. Januar 2012

    @ Achim Hase
    Wir könnten auch die doppelte Buchführung gleich mit abschaffen, dann gäbe es keine Insolvenzen mehr. -:)

    Gruß jmg

    • Achim Hase - 7. Januar 2012

      Nicht ganz. Wir stellen die Target-Bilanzen nunmal an sehr spezifischen Stellen fest. Warum machen wir das nicht auch zwischen den Bundesländern? Wie sieht es mit London und dem Rest des Vereinigten Königsreiches aus?

  • Gast01 - 7. Januar 2012

    Wir stellen die Target-Bilanzen nunmal an sehr spezifischen Stellen fest. Warum machen wir das nicht auch zwischen den Bundesländern?

    Das ist eine politische Frage. Die BRD ist ein Nationalstaat mit einer (nach meinem Dafürhalten nicht ausreichend) demokratisch legitimierten Regierung. Die EU ist aber so gut wie gar nicht demokratisch legitimiert und hat damit IMHO kein Recht in die Haushaltspolitik der Mitgliedsstaaten einzugreifen.
    Egal wie erstrebenswert Völkerverständigung auch sein mag, die Demokratie darf man ihretwegen nicht opfern. Die EU hat so wie sie jetzt ist keine Zukunft und ich bezweifle die Reformfähigkeit der Handelnden in Bezug auf Weiterentwicklung von Transparenz, one-man-one-vote, Bürgerentscheiden …
    Da ich weder an schwarze Schwäne noch an Einhörner glaube erwarte ich keine Anpassung der EU oder EMU (same shit 2 me) an die Bedürfnisse der Insassen (aka the 99%).
    Die EU hat zwei Paradigmen: Freihandel und Kapitalverkehrsfreiheit – alles andere ist sekundär oder auch scheiß egal…
    Einigermaßen spannend ist zu sehen wie die EZB reagiert – werden die klassisch oder MMT-mäßig reagieren? Ich tip ja eher darauf, dass die östereichisch gegen die Wand fahren werden.

    ps – hat mal jemand bei kantoos reingeschaut? Keine Ahnung was die da diskutieren (my english 2 bad) geht aber ziemlich ab…
    greetz

  • jmg - 7. Januar 2012

    @ Achim Hase
    “Nicht ganz. Wir stellen die Target-Bilanzen nunmal an sehr spezifischen Stellen fest.”
    Wir sollten Fieber nur noch unter der Schuhsohle messen, dann gäbe es weniger Kranke.-:)

  • Holly01 - 7. Januar 2012

    Sie vermengen hier immer wieder Politik und Wirtschaft. Man kann Wirtschaft nicht theoretisch behamdeln, wenn Politik sich über alle Regeln hinwegsetzt.
    Die target2 Salden sind … Papier, bzw. Buchgeld.
    Um die Salden auszugleichen benötigt man die politische Entscheidung “Geld zu erschaffen”, sei es in reiner Buchform oder als Zahlungsmittel gedruckt.
    Realwirtschaftlich würde niemand mehr an Griechenland und die anderen Schuldner liefern, es sei denn er bekäme konvertierbare Devisen oder Sachwerte wie z.B. Gold.
    Niemand hat daran Interesse das ganze zu eskalieren.
    Schauen Sie doch bitte bei der “Zeit” vorbei. Die Griechen geben immer noch Milliarden für Rüstung aus. So lange für so einen Unsinn Geld zur Hauf da ist, so lange, kann es keine Existenzkrise geben.
    Wir erleben eine politisch, mediale Krise, die celebriert wird.
    In Summe passiert Gesamtheitlich nichts. Weder der Kapitalstock der Nationen wird angerührt, noch verfallen Rechnungen oder werden Lieferungen nicht getätigt.
    Alles wird medial auf dem Rücken derer ausgetragen, die sich am wenigsten wehren können.
    Es ist ein verda**tes” Theater, das da getrieben wird.

  • Michael S - 7. Januar 2012

    Passend zum thema

    http://trumanfactor.com/2012/ltro-ponzi/

    Wie erfinde ich Sicherheiten um an Zentralbankgeld zu kommen.

    EZB als Selbstbedienungsladen, zum kotz…

  • Harald - 8. Januar 2012

    Die Zweifel wachsen, dass Griechenland ohne eine umfassende Umschuldung zu retten ist. Der IWF, der neben der EZB und der EU-Kommission zur sogenannten Troika gehört, glaubt nicht, dass das hochverschuldete Land auf Basis der bisherigen Sanierungspläne seine Schulden dauerhaft tragen kann. Warum wird das Leiden der Bevölkerung noch verlängert. Die Griechen müssen aus dem Euro und aus der EU austreten und gut ist es für die Griechen und den Euro.l

  • Systemfrager - 8. Januar 2012

    @ Querschuess
    Also willst du mir nicht weiter helfen, um den Begriff Target2 zu klären.
    Angst?
    Es könnte sich vielleicht heruastellen, das der Begriff sinnlos ist, oder im besten Fall unbrauchbar? (ZB wie etwa die Statistik, wie viel Spatzen haben ihre Neste auf den Bäumen.)

    (Nein. Ich behaupte es nicht! Ich weiß es nicht. Ich befürchte es aber. Ich kann mich aber täuschen. Ich weiß nur mit Sicherheit, dass die monetäre Analyse mit ihren Konstrukten auf den Hund gekommen ist. Sowohl die der Keynes-Nachfolger als auch die der Austrians&Friedmans-Jünger. Wir müssen zurück zur realen Analyse der ökonomischen Phänomene. Sonst bleibt die WiWi eine Lachnummer.)

    Ist Target2 unbrauchbar wie ZB IFO Index?

    Sinns Institut entwickelte den sogenannten „Geschäftsklimaindex“. Dabei werden jeden Monat Unternehmer nach Ihren „Gefühlen“ befragt, wie sie denn die weitere Entwicklung ihres Betriebes einschätzen. Aus den Antworten wird dann der genannte Index errechnet. Tja, mit solch „wichtigen“ Dingen kann man tatsächlich Akademiker beschäftigen. Ach ja, dann gibt’s da auch noch weitere Experten, die im Vorfelde diesen Index prognostizieren, also darüber nachdenken, wie die besagten Unternehmer wohl abstimmen werden. Dieser „erwartete“ Index wird dann mit den „echten“ erfragten Daten verglichen und ins Verhältnis gesetzt. Daher hören wir des Öfteren den Satz: „…besser als erwartet“. Man muss sich einmal vorstellen, dass gebildete Spezialisten sich für ein hohes Salär mit solch einem Unsinn beschäftigen…

    Wann wird eine Wissenschaft dogmatisch? Wann hört sie auf eine Wissenschaft zu sein?
    Wenn sie ihre Begriffe und Definitionen nich nachfagt.

    • Mark - 8. Januar 2012

      Unbrauchbar? So argumentiert die EZB auch, wenn sie sagt. “Die Target-Salden heben sich in der Euro-Zone auf.” Ja, aus der Sicht der EZB ist das wohl auch so, allerdings ist es eben nicht unerheblich, was eine Volkswirtschaft, die reale Güter und Dienstleistungen exportiert, im Tausch für diese Lieferungen bekommt.

      Sinn hat den Finger tief in eine Wunde gelegt, die den Regierenden ganz offensichtlich so peinlich ist, dass sie den gesamten Vorgang verschweigen. Oder hat sich jemand von der Bundesregierung inzwischen zu der Target-Problematik geäußert?

      Nein, das Gegenteil ist der Fall: Die Target-Salden sind ein hervorragendes Mittel, um die Dinge, die in der Euro-Zone ablaufen zu beschreiben. Insbesondere im Vortrag vom 19.12.2011 geht SInn individuell auf die einzelnen Länder ein und wie sich dort die Target-Salden entwickelt haben.

      Folgt man Sinn’s Analyse (und ich tue das), dann wird auch klar, dass das Märchen “Deutschland profitiert auch in der Krise vom Export in die Euro-Zone” schlicht und ergreifend nicht haltbar ist. Wenn reale Waren und Dienstleistungen im Wert von 264 Mrd. Euro zum allgrößten Teil (255 Mrd. Euro) durch Target-Kredite bezahlt werden, dann ist das ein Armutszeugnis.

      Wir bekommen aber dieses Märchen (zusammen mit “Deutschland hat profitiert vom Euro”) wieder und wieder von den Politikern (jeder Coleur) aufgetischt, meist zusammen mit dem Argument, dass DESHALB der Euro nicht aufgegeben werden dürfe. Da ist niemand, der sagt: “Wir dürfen den Euro nicht aufgeben, weil wir inzwischen ein Gesamtrisiko von knapp 900 Mrd. Euro haben, denn diese würden zu einem Großteil abgeschrieben werden müssen.” Pikanterweise ist die heutige Krise aber die direkte Folge der überhasteten Einführung der Euro-Währung.

      Ich gehe davon aus, dass 2012 auch das Thema “Target-Salden” in den Fokus der weiteren Öffentlichkeit kommt, und dann wird es für die Politiker eng, die seit Sommer 2007 diesem Treiben tatenlos zugesehen haben. Deshalb ist die Frage auch so wichtig, wann und wie die Bundesbank auf das aus dem Gleichgewicht geratene Target-System aufmerksam gemacht hat.

      Ihnen seien noch zwei Vorträge von Sinn empfohlen:

      Prof. Sinn im Frühsommer 2011
      http://www.youtube.com/watch?v=tvcN1gkaEew

      Prof. Sinn am 26.10.2011: Eurokrise und Konjunktur
      In der Mediathek des ifo-Institutes

      Zusammen mit dem Vortrag vom 19.12.2011 wird m.E. die immense Verschärfung der Zahlungsbilanzkrise deutlich.

  • martinsgarten - 8. Januar 2012

    Taget 2 Forderungen:

    Deutschland +495,164 Mrd. Euro
    Niederlande +110,093 Mrd. Euro
    Luxenburg + 97,507 Mrd. Euro
    Finnland + 30,667 Mrd. Euro
    Österreich ?
    Gesamt +733,000 Mrd Euro

    Verbindlichkeiten:

    Portugal -61,719 Mrd. Euro
    Irland -136,253 Mrd. Euro.
    Italien -147,535 Mrd. Euro
    Griechenland-105,688 Mrd. Euro.
    Spanien -137,178 Mrd. Euro.
    Belgien -52,845 Mrd. Euro
    Frankreich -98,500 Mrd. Euro
    Gesamt -739.000 Mrd Euro

    Daraus kann man sehr schön schlußfolgern, welchen Ländern man im MOMENT Stabilität und Besserung zutraut.
    Die Kapitalflucht aus den Verbindlichkeitsländern in die Forderungsländer ist voll am laufen und wird bald die ersten Banken in die Hölle schicken.
    Nur meine Meinung.
    Eigentlich ergibt sich daraus eine komplette neue Währungstabelle für ZWEI Währungsräume.
    Da es keinen Rausschmiß geben wird (so lautet jedenfalls im Moment die Sprechart) bleibt eigentlich nur der Austritt der “Forderungsländer” mit der Einführung eines “Nordeuro” bei gleichzeitiger Aufwertung.
    Und – geht dann die Welt unter ?
    Ich denke nicht.
    Sondern die Länder die im Ansatz ihre Hausaufgaben gemacht haben werden belohnt durch eine höhere Kaufkraft.
    Und öffnen gleichzeitig ihre Tür für den Beitritt ander Läander wie u.a. die Schweiz, Dänemark, Schweden, Tschechien und Norwegen.
    Die Briten gehören nicht dazu
    _________________
    “Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,
    aber keine Bildung den natürlichen Verstand.”

    ARTHUR SCHOPENHAUER

  • Achim Hase - 8. Januar 2012

    Die Target-Saldenproblematik wird erst dann zum öffentlichen Thema, wenn sie allgemein verstanden ist. Bisher sind es nur sehr wenig Ökonomen, die hier ein erstens Problem sehen.

    Ich sehe die Target-Salden analog zur Akkumulation von US-Treasuries bei der chinesischen Zentralbank. Wie China verkaufen wir unsere Produkte zu günstig und leben unter unseren Verhältnissen. Ob unverkäufliche US-Staatsanleihen oder zweifelhafte Target-Forderungen macht keinen großen Unterschied, es sind beides niedrig verzinste Buchwerte ohne realistische Möglichkeit zur Verwertung. Für beide Länder befördert es den Export und schafft Arbeitsplätze, nur erhalten die Arbeiter letztlich wesentlich weniger als ihnen zustünde.

    Ist das ein großes Problem und führt das zwangsläufig zum Knall? Da bin ich mir nicht sicher.

    • Mark - 8. Januar 2012

      @ Achim Hase:

      Ja, die Target-Salden sind derzeit nicht “allgemein verstanden”, und sie sind kein öffentliches Thema, weil die Thematik eben nicht so ganz einfach zu verstehen ist UND weil man vielen früheren und aktuellen Politikern mächtig auf die Zehen treten würde. Daher stürzen sich die Medien eben auch lieber auf die “Causa Wulff” (die auch Beachtung verdient), die schneller und einfacher zu kommunizieren ist.

      Eines der Probleme mag sein, dass sich die Ökonomen auch nicht aus der Deckung wagen. Aber es gibt sie doch: Lesen Sie die “Bogenberger Erklärung”. Die Unterzeichner sind ja keine Nobodies.

      Dass die Target-Kredite den Export fördern, das mag oberflächlich stimmen. Wo aber liegt der Sinn, Waren und Dienstleistungen an das marode Ausland de facto ZU VERSCHENKEN? Wir könnten stattdessen lieber selber die Autos fahren, die wir herstellen. Arbeit nur um der Arbeit willen, das ist ziemlich deutsch und ziemlich dämlich.

      Der Umstand, dass die Politik zur Target-Problematik schweigt, deutet für mich darauf hin, dass die involvierten Politiker und Parteien hier ein enormes Gefahrenpotenzial sehen, und zwar für ihre Macht. Wenn nämlich dem Bürger die Tragweite der aktuellen Politik vollumfänglich bewußt wäre, dann würden viele unbequeme Fragen gestellt werden. Die nach der Verantwortung für das Desaster, zum Beispiel. Wann wusste wer was? Und warum wurde das Volk nicht informiert? Warum wurde das Thema nicht im Bundestag besprochen? Natürlich würde es nur wachsweiche Antworten geben!

      Das Volk würde (hoffentlich, endlich) Konsequenzen ziehen an der Wahlurne, und die Verantwortlichen (auf jeden Fall: CDU, CSU, FDP, SPD und zu einem Teil wohl auch die Grünen) würden die Folgen nachhaltig spüren. Davor hat man Angst. Deshalb redet die Politik nicht drüber.

  • killing fields - 8. Januar 2012

    Hallo Systemfrager,
    ehrlich gesagt verstehe ich deine Fragen nicht !
    Ich behaupte mal, wenn die Buba und/oder die EZB glaubhaft erklären würden, welche Qualität die Besicherungen dieser Summen hinterstehen ,haben wir alle keine Probleme mehr.
    Dies tun sie aber nicht!

    Dabei heißt es in einer Puplikation der Buba:

    ” In TARGET2 ist Liquidität weithin verfügbar. Mindestreserveguthaben stehen während
    des Tages für Zahlungsverkehrszwecke zur Verfügung, und das Eurosystem gewährt
    seinen Geschäftspartnern gegen die Stellung von Sicherheiten unbeschränkt zinslose
    Innertageskredite.”

    http://217.110.34.245/download/zahlungsverkehr/zv_infoblatt_target2.pdf

    Geld aus dem TARGET Programm gibt es demnach nur nach Sicherheitsleistungen.
    Oder doch nicht?
    Grob und umgangsprachlich kann man davon ausgehen, das vornehmlich die PIGS anschreiben lassen und TARGET2 mehr auf Basis Treu und Glauben genutzt wird.
    Die Sicherheiten werden das Papier nicht wert sein auf den sie stehen.

    Solange die Zentralbank keine besseren Erklärungen auf die Beine stellt als solche ihres Chefvolkswirt Ulbricht ,
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-bundesbank-465-milliarden-euro-risiken-11525275.html
    wird sie diese Behauptung nicht entkräften können.

    • Systemfrager - 8. Januar 2012

      >>> Mit TARGET2 entfällt die frühere Unterscheidung zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen.

      AHA! Und wozu ist das gut? Lass mich raten: Es soll zusammenwachsen, was nicht zusammen gehört?

      Mit Target2 verschmelzt man zwei sinnvolle Begriffe 1) Leistunsbilanz und 2) Kalpitalbilanz zu einem. Wozu ist das gut? Was wissen wir mehr, wenn wir es tun. Oder wir wissen dann weniger und das ist der Sinn der Sache.

      Wie gesagt. Ich weiß es nicht, deshalb so dumme Fragen. (Außerdem, sind für mich alle montäre Phänomene nur Schatten der realen – um mit Platon zu sprechen.)

      • Querschuss - 8. Januar 2012

        Hallo Systemfrager,
        Target2 als das Zahlungssytem im grenzüberschreitenden Geldfluss innerhalb der Eurozone, wo alle nationalen Notenbanken und relevanten Banken ihre Transaktionen tätigen, bildet die Zahlungsströme ab und der Target2 Saldo genaugenommen den Teil der als Ausgleich zur Zahlungsbilanz als Zentralbankgeld fließt. Zahlungsbilanz ist Leistungsbilanz und Kapitalbilanz. Das Geld kann fließen durch den Kauf oder Verkauf von Waren und Güter oder eben durch den Kauf und Verkauf von Vermögenstiteln darunter z.B. eben als grenzüberschreitenden Zu- und Abfluss in die Bankeinlagen. Vereinfacht entsteht eine negative Differenz aus Warenexport – Import und diese wird nicht durch privaten Kapitalzufluss in Vermögens- und Schuldentitel kompensiert entsteht Bedarf an Zentralbankgeld, welches diesen Part übernimmt. Noch schlimmer bei Leistungsbilanzdefizit und privaten Kapitalabfluss zugleich, dann explodiert eben der negative Target2 Saldo, also das Zentralbankgeld welches die Zahlungsbilanz ausgleicht, um zu kaschieren, das man im Prinzip zahlungsunfähig ist. Spiegelbildlich ist es der positive Target2 Saldo als Forderung, derjenigen die das Zentralbankgeld zur Verfügung stellen. Da natürlich niemals monatlich oder gar täglich eine Zahlungsbilanz ausgeglichen sein kann, ist ein Ausgleich von Schwankungen oder als Zeitpuffer um Ungleichgewichte in Angriff zu nehmen und abzubauen, von Zentralbankgeld völlig ok. Nur wenn sich auf beiden Seiten der target2 Salden Fahnenstangen ausbilden ist dies eben ein klarer Krisenindikator, aktuell von unfassbarer Dynamik.

        Solange es Geld gibt, wird es Kapitalbilanz geben. Auch in einer Welt ohne Geld müssen Mechanismen entwickelt werden, die den Gütertausch nicht zu einer Einbahnstraße verkommen lassen bzw. da nicht abstrakt wie beim Geld und besser kaschierbar durch Geld, wohl sofort zur Einstellung von Warenexporten führen würde, da der Gegenpart nicht äquivalentes liefern kann. Unter einer nur Warenwirtschaft im Tausch, wäre bereits bei ansatzweisen Verwerfungen der Weltmarkt, Waren- und Gütertausch kollabiert.

        “Also willst du mir nicht weiter helfen, um den Begriff Target2 zu klären.
        Angst?”

        Sorry Systemfrager, erstens ist persönliches Coaching hier nicht mein Begehr und Ziel und ich wüsste auch nicht, woraus ein Leser hier, Anspruch darauf ableiten könnte! Zweitens sind mit denen hier gelieferten Infos und ein wenig Eigenrecherche des Leser die meisten signifikanten Unklarheiten zu lösen. Wenn du diese meine Sicht als “Angst” titulierst – bitte schön!
        Im Web findest du mit ein wenig googeln auch genug Infos mit relativierendes und negierendes zu Target2. Niemand hindert dich, dir deine Meinung selbst zu bilden, auch nicht eine, die meiner Meinung diametral widerspricht.

        Gruß Steffen

        • Systemfrager - 8. Januar 2012

          @ Querschuss
          Danke.
          Die Kommentare sind so etwas wie eine Diskussion, da darft man doch Fragen stellen, muss keiner antworten. Du kannst es auch nicht viel anders sehen – nehme ich an.
          >>> Im Web findest du mit ein wenig googeln auch genug Infos … zu Target2.
          Ja das habe ich getan, alles war sehr “technisch”, deshalb habe ich hier gefragt

          PS
          >>> Solange es Geld gibt, wird es Kapitalbilanz geben. Auch in einer Welt ohne Geld
          Natürlich.
          (Das “richtige” Geld ist nur materialisierter Tauschwert, Tauschwert wird es immer geben, das materialisierte Geld sollte man abschaffen, je schneller desto besser.)

          • Querschuss - 8. Januar 2012

            Hallo Systemfrager,
            ich habe versucht es so einfach wie möglich zu erklären, besser kann ich es nicht, ist eben technisch und komplex und deshalb läuft die Show ja auch nahezu ohne Anteilnahme nicht nur der Öffentlichkeit. Wieviele Nasen im Bundestag werden wohl diese Vorgänge in ihrer Tragweite einordnen können (Wenige)! Bernd hat natürlich Recht, auch europäische Banken und Notenbanken die nicht der Eurozone zugehören sind dem Target2 Zahlungssystem angeschlossen, nur denen ist es nicht möglich den quasi Kontokorrent zuüberziehen, deshalb lasse ich diese auch bei meinen Betrachtungen aussen vor, denn diese haben mit der Problematik der aufgebauten Target2 Ungleichgewichte in der Eurozone nichts zu tun..

            Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    @ Systemfrager

    “Mit Target2 verschmelzt man zwei sinnvolle Begriffe 1) Leistunsbilanz und 2) Kalpitalbilanz zu einem. Wozu ist das gut?”

    Nein, da wird nichts verschmolzen. Die Target2-Salden der NZBs und der EZB bilden nur länderübergreifende Nettokapitalbewegungen in Euros ab , die durch Kapitalflüsse zwischen den an dem Clearingsystem teilnehmenden NZBs inkl. der EZB organisiert worden sind. Wobei daran teilhabende NZBs, die nicht der Eurozone angehören, wie Dänemark und Polen usw. in diesem Clearingsystem permanent ein Eurozentralbankgeldplus vorhalten müssen.

    • Systemfrager - 8. Januar 2012

      >>> Nein, da wird nichts verschmolzen. Die Target2-Salden der NZBs und der EZB bilden nur länderübergreifende Nettokapitalbewegungen in Euros ab , die durch Kapitalflüsse

      Das irritiert mich wieder. Du erwähnst (nennst) jetzt alleine “Kapitalflüsse” – was ich als Export bzw Import von Investitionen (Kredite, Geld) verstehe, aber in Target2 sollte auch Expor/Import-Bilanz berücksichtigt werden, und das scheint mit so ein bisschen wie “Äpfel und Birnen” … aber wenn diese “Grübelei” nicht für andere interessant ist, lassen wir es lieber

      • micdinger - 8. Januar 2012

        Hallo Systemfrager

        Schau doch mal beim H. W. Sinn vorbei, falls du es noch nicht getan hast. Zwei Stunden, die sich lohnen.

        “Man beachte das Thema Zentralbank, nationale Notenbanken und die Target-2-Salden der Bundesbank. Zudem erklärt er offen und auch für einen Laien gut verständlich, wie das mit dem “Geld” in Europa funktioniert. Wenn man das einmal verstanden hat, fallen die restlichen Überlegungen recht einfach aus…”

        http://www.rottmeyer.de/hans-werner-sinn-ist-der-euro-noch-zu-retten/

        • Systemfrager - 8. Januar 2012

          Ich versuche auszuhalten. Jetzt habe ich 50 minuten. Mein kommentar:
          Typisch Herr (Un)Sinn. Ja, nach €-Einführung ist DE ein bisschen, die anderen sehr viel teuerer geworden. Das ist ein Ungleichgewicht. STIMMT. Aber was können Ursachen sein?
          a) Deutsches Lohndumping
          b) Falsche Wahrnehmung der andern. Früher hatten die PIIGS hohe Zinsen, nach der €-Einführung sind sie gefallen. Das hat alle PIIGS getäuscht, die haben wie verrückt investiert und verbraucht.

          Tja!
          Was dem Prof. (Un)Sinn nicht einfällt, dass beim starken Wachstum es eben immer so ist, dass die Einkünfte und Löhne wachsen, es gibt mehr zu investieren und verbrauchen, usw. Dass die dEutschen dann duch Lohndumping hier hineingepfuscht haben, das sagt Sinn nicht

        • Systemfrager - 8. Januar 2012

          Jetzt bin ich bei 1h20′
          Natürlich, wir haben Exportüberschüsse, aber das sind keine reale Forderungen.
          Wenn € bricht, haben wir keine reale ansprüche.

          Tja Herr Unsinn, und was war bitte dann der Sinn, dass wir so konkurrenzfähig sind ??????????
          Wenn ich mich recht erinnere … wer hat dies ausgekotzt:
          Die Basar-Ökonomie: Deutschland: Exportweltmeister oder Schlußlicht?: Deutschland: Exportweltmeister oder Schlusslicht?

        • Systemfrager - 8. Januar 2012

          1h40
          Es gibt zwei Modelle
          1) amerikanisch
          2) Schuldenbremse
          Und beide können nicht funktionieren. Tja. jetzt schwitzt Herr (un)Sinn

        • Systemfrager - 8. Januar 2012

          1h50′
          Ach so.
          Doch amerikanisch, aber nicht ganz. Na Klasse! Darauf muss man kommmen.

        • Systemfrager - 8. Januar 2012

          Gescahfft!
          Das war NIX.
          Vertuschung der wahren Probleme:
          1) Das deutsche Lohndumping
          2) Die Plünderung der Völker duch das Banksystem
          Aber was soll man von einem nNeoliberalen Ganoven und Menschenfresser erwarten

          • Querschuss - 8. Januar 2012

            Hallo Systemfrager,
            das Eine schließt das Andere nicht aus. Punkt 1 und 2 nicht angesprochen, trotzdem die Target2 Problematik gut dargestellt.
            Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    @ Systemfrager

    Zur generellen funktionsweise des Clearingsystems Target2. Das System ermöglicht Euroüberweisungen zwischen Geschäftsbanken innerhalb Eurozone und auch Geschäftsbanken ausserhalb der Eurozone, sofern deren NZBs am Target2 System teilhaben. Länderübergreifende Überweisungen führen auch zu einer Veränderung des Eurobestandes der NZBs oder der EZB. Nur die Eurozonen NZBs oder die EZB dürfen nagative Target2-Salden haben. Alle anderen, die Geschäftebanken sowieso aber auch die NZBs ausserhalb der Eurozone müssen positive Salden vorhalten um am Clearingsystem teilhaben zu können. Es gibt etliche Clearingsysteme, die für alle Teilnehmer positive Salden vorschreiben.

  • Michael S - 8. Januar 2012

    @Querschuss
    Perfekt
    @Systemfrager
    “Mit Target2 verschmelzt man zwei sinnvolle Begriffe 1) Leistunsbilanz und 2) Kalpitalbilanz zu einem. Wozu ist das gut?”

    Der springende Punkt ist via Target (EZB als Müllhalde) werden die Gewinne privatisiert und Risiken (es sind Verluste, da die Forderungen uneinbringlich sind) sozialisiert.

    Beispiel:
    Durch Lohndrückerei und den Einsatz von Leiharbeitern ist Systemfrager zum wettbewerbsfähigen Autoexporteuer aufgestiegen.

    Fall 1: Systemfrager verkauft Autos an Griechen. Von den Einnahmen kauft sich Systemfrager ein schickes Haus in Athen.(Merke: Das Risiko der Überschüsse in Form des Immobilienpreises liegt bei Systemfrager)

    Fall 2: Systemfrager verkauft Autos an Griechen. Die Einnahmen lässt er auf seinem Bankkonte bei der Deutschen Bank. Die parkt ihr Geld mangels Binnenmarktalternativen bei der Bundesbank. Damit Griechenland die “Euros nicht ausgehen” landet das ganze via Target über EZB und griechischer Zentralbank wieder in Griechenland. Eine hellenische Bank hat bei der EZB nämlich ein schickes Haus in Athen als Sicherheit hinterlegt…(Merke: Das Risiko des Überschusses in Form des Immobilienpreises liegt bei der EZB)

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    @jmg

    “Overbanked Luxemburg (Junker) muss alles tun damit es nicht zu Forderungsausfällen bei Target2 kommt.”

    War ich auch der Meinung, bis wir ja festgestellt haben, dass es im Falle von Luxemburg nicht so schlimm ist. Ablauf: Luxemburger Geschäftsbanken erhalten aus der Eurozone via Target2 Euroüberweisungen. Dieses führt zu einem Target2-Plus. Nun erscheint der ausländische Kontoinhaber in Luxemburg geht zur Bank räumt das Konto und nimmt das Bargeld und fährt über die Grenze zurück. Warum das Ganze? Geldwaschen. Luxemburg ist kaum Gläubiger gegenüber dem Eurosystem, Target2-Saldo minus zu viel in Luxemburg gedrucktes Geld ist in der Nähe von null. Also wenn das Eurosystem sich auflöst passiert nicht viel mit Luxemburg..

  • Achim Hase - 8. Januar 2012

    Bernd, im Falle des Kollapses müsste Luxemburg jedoch gegenüber seinen ausländischen Kontoinhabern leisten, hätte aber potentiell wertlose TARGET2-Forderungen gegenüber dem Eurosystem. Meine Interpretation ist schon, dass Luxemburg ganz besonders betroffen wäre. Wobei Grenze zu, Sparer entrechten, neues Geld drucken geht bei den paar Leuten natürlich recht schnell…

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    @ Achim Hase

    Wieso, Luxemburg hat doch bereits gegenüber seinen ausländischen Kontoinhabern geleistet, haben doch Bargeld abgehoben, die Konten sind geräumt. Da passiert nicht viel, wenn Luxemburg aus dem Euro austritt und mit dem Eurosystem abrechnet . Da bleiben nicht viele Forderungen gegenüber dem Eurosystem übrig. Luxemburg führt eine neue Währung ein fertig. Ganz anders sehe es bei Holland, Finnland, Deutschland aus , dort würden saftige Forderungen gegenüber dem Eurosystem bestehen bleiben, die dieses nicht erfüllen könnte. Diese Länder haben wirklich das über die Verhältnisse leben der heutigen Eurokrisenländer durch Verzicht finanziert. Dagegen ist Luxemburg lediglich eine Eurogeldwaschanlage, die beim Waschen ihren Teil abgreift.

  • Querschuss - 8. Januar 2012

    Hallo Bernd,
    vielleicht eine etwas zu pauschalisierte und vereinfachte Sicht in Richtung Luxemburg, wirklich nur Geldwaschanlage?

    Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    Steffen ist leider so,

    Siehe dir mal die Kapitalflüsse an. Kapital in riesigen Mengen von Deutschland und Co. nach Luxemburg von dort nach London und wieder zurück nach Deutschland, Da ist der oben geschilderte Vorgang nur ein sehr kleiner Teil davon.

    Gruß Bernd

  • Querschuss - 8. Januar 2012

    Hallo Bernd,
    da ich nicht das Gegenteil belegen kann, enthalte ich mich, also weder Pro noch Kontra.

    Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    Danke Steffen,

    wäre sehr sehr toll, wenn du auch noch langfristig professionell bei den Kapitalbewegungen (Finanzkasino) Licht ins Dunkle bringen könntest. Habe nämlich grob errechnet, dass unser Geld hauptsächlich via Luxemburg und teilweise Schweiz nach London und zurück geschaufelt wird und sich London dabei jährlich ca. 25Mrd. als Kapitaleinkünfte abgreift, siehe Pink Book . Bezieht man die USA noch mit ein, haben wir seit seit 1971 ca. 1,5Billionen Euro am internationalen Kapitalmarkt verloren, wenn man das Kapital stattdessen mit deutschen 5jährigen Staatsanleihen verzinst hätte anstatt es ins Ausland zu schaufeln. Ich vermute dahinter Institutionen , wie die Deutsche Bank, die stark in Luxemburg, London und den USA vertreten ist und ohne die so etwas nicht laufen könnte und die dabei jeweils ihre Provisionen abgreift. In den Eurokrisenländern haben wir in der Summe bisher noch nichts verloren. Unser erster Verlust dort werden die Traget2-Salden sein.

    Mit sehr sehr großer Hochachtung vor deiner Leistung

    Bern

    • Stefan Vogel - 8. Januar 2012

      Hallo Bernd,

      kannst Du Deine Daten irgendwo verfügbar machen? Welche Quellen benutzt Du?

      Danke für alle Deine Kommentare, die sind alle sehr gut.

      Meine Schätzung für Target2 Saldo Deutschland für Dezember sind 560 (die Daten sollten morgen rauskommen).

      Stefan

    • Querschuss - 8. Januar 2012

      Hallo Bernd,
      wenn du da schon tief drinsteckst und weißt wo es manifeste Daten dazu gibt, schreibe du doch einfach einen Artikel, Querschuesse.de bieten gerne die Plattform dafür!

      Gruß Steffen

  • jmg - 8. Januar 2012

    @ Bernd Klehn

    1. Die Banknoten die die Luxemburger gedruckt haben (überwiegend Scheine mit hohem Nennwert, wie Whittaker schreibt), sind aber überwiegend im Ausland gelandet. Die schwirren irgendwo in der restlichen Eurozone oder in Nicht-Eurozonenländern rum (wo genau weiß niemand). Legt man die Zahlen der Bundesbank zugrunde, sind höchstens 25 Prozent der Noten noch im Inland. (Ein Teil davon halten die luxemburgischen privaten Haushalte und Unternehmen außerhalb des Bankensektors)
    “Nun erscheint der ausländische Kontoinhaber in Luxemburg geht zur Bank räumt das Konto und nimmt das Bargeld und fährt über die Grenze zurück.”
    Wenn sie in Höhe der Target2 Forderungen Luxemburgs abheben wollen (aktuell: +97.507 Milliarden Euro), dann hat der luxemburgische Bankensektor, lediglich noch ca. 17.4 Milliarden Euro in den Tresoren (69.601 Milliarden*0.25)[zu den 69.601 Milliarden Euro siehe "Financial statement of the Banque centrale du Luxembourg", Spalte 16, November 2011]. Die luxemburgische Zentralbank müsste also in Höhe von ca. 80 Milliarden Euro Banknoten auf die Schnelle nachdrucken (Es herrscht ja Krise, wenn Target2 zusammenbricht). Ich sehe da schon ein Problem auf die Luxemburger zukommen.

    2. Der Saldo aus Target2-Forderungen(+97.507 Milliarden Euro) und Banknotenumlauf (69.601 Milliarden Euro) der früher im Falle Luxemburgs nahe Null war, hat sich in Folge der Krise dramatisch erhöht und liegt jetzt bei 27.906 Milliarden Euro, was einem BIP Anteil von 69 Prozent [27.906/40.266)*100] entspricht. (BIP für 2010). Whittakers Zahlen in seinem November Artikel stammen vom Juni 2011 (69.9 Milliarden Euro – 67.4 Milliarden Euro = 2.5 Milliarden Euro). Da sah eine solche Rechnung für Luxemburg noch wesentlich besser aus. Die Krise hat sich eben in den vergangenen Monaten stark beschleunigt, wie man an diesen Zahlen wieder sehen kann.

    Gruß jmg

    • Querschuss - 8. Januar 2012

      Hallo jmg,
      muss dir beipflichten, die Pos. 16 in der Exceltabelle der BCL sind die Verbindlichkeiten aus den Euro-Banknoten gegenüber der EZB. Im November 2011 69,601 Mrd. Euro, Target2 Forderungen 97,507 Mrd. Euro. Der Stand der Verbindlichkeiten aus Euro-Banknoten war auch schon z.B. im Januar 2010 hoch mit 59,026 Mrd. Euro, während zu diesem Zeitpunkt die Forderung aus Target2 bei 50,436 Mrd. Euro lag, Während sich also die Target2 Forderungen fast verdoppelt haben um +47,071 Mrd. Euro, stiegen die Verbindlichkeiten aus den Euro-Banknoten nur um +10,575 Mrd. Euro. Nimmt man den Dezember 2007 wird es noch klarer, zu diesem Zeitpunkt standen Target2 Forderungen von 18,428 Mrd. Euro, Verbindlichkeiten aus Euro-Banknoten von bereits immerhin 44,786 Mrd. Euro gegenüber.

      Ganz klar, der positive Target2 Saldo weist nicht nur eine andere Dynamik aus, auch scheint der Zusammenhang nicht wirklich schlüssig und eindeutig zu bestehen, wie die Daten aus Dezember 2007 zeigen, wo die Verbindlichkeit der Euro-Banknoten noch mehr als doppelt so hoch wie die Target2 Forderung lag.

      Weiterhin hast du Recht wo die luxemburgischen Banknoten rumschwirren ist schwerlich festzumachen, meine Meinung war eh, Bargeldhortung in der Nicht-Eurozone muss nicht das Ergebnis von Güter-Käufen sein, sondern kann einfach Ergebnis eines Devisentausches bei einer Bank oder Wechselstube in Euro, z.B. in der Türkei sein. Die muss man nicht mit Target2 Forderungen verrechnen, sind doch dann selbst eine Forderung (Devisenreserven).

      Vielleicht sollte Bernd doch detaillierter darlegen wie er darauf kommt, am besten in einem Artikel bei Querschuesse, dass es alles Ergebnis einer Geldwaschanlage Luxemburg ist. Bin mir nicht mehr sicher ob ich mich weiter bei einer Bewertung dazu enthalte.

      Gruß Steffen

      Quelle monatliche Daten Bilanz BCL: http://www.bcl.lu/en/statistics/series/01_Mon_Pol_Stat/01_01_Table.xls
      und der Gegencheck ob es sich bei Position 16 unter Verbindlichkeiten, wirklich nur um die Eurobanknoten handelt, beim Jahresbericht mit detailierter Bilanz unter: http://www.bcl.lu/en/publications/rapports_annuels/Annual_Report_2010/Chapitre_3.pdf
      auf der Seite 16 der PDF und siehe da Position 16 aus der XLS-Datei für Dezember 2010 ist identisch mit der Summe für Dezember 2010 im Jahresbericht.

  • SLGramann - 8. Januar 2012

    Steffen, Bernd, andere,

    mir geht eine technische Frage im Kopf rum, von der ich hoffe, dass sie nicht allzu banal ist:

    In der Bilanz der Bundesbank haben die Target-Forderungen den Refinanzierungskredit inzwischen sicher vollständig ersetzt.

    Da die Target-Forderungen aber weiterhin ungebremst wachsen, muss die Bilanzsumme jetzt auch wachsen.

    Wie kann die Bundesbank sicherstellen, dass sie auf der Passivseite ihrer Bilanz immer die ausreichende Menge an Einlagen der Geschäftsbanken aufweist?

    Kann es dahin kommen, dass sie für solche Einlagen irgendwann mehr Zinsen bieten muss, als sie für die Target-Forderungen erhält?

    Im Moment wird der Bundesbank sicher Geld in beliebiger Menge aufgedrängt, aber dass muss ja nicht immer so bleiben…

    Gruß
    SLG

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    Lieber Steffen, lieber jmg.

    Einverstanden eure Zahlen sind eindeutig. Auch die öffentliche luxemburgische Hand wird immer mehr zum Kreditgeber der Eurokrisenstaaten über das Eurosystem. Da lag ich auf Grund der alten Daten falsch. Zwischen einer Euroüberweisung und einer Bargeldabhebung gibt es aber nur einen einzigen Unterschied. Bei einer Überweisung kennst du den Empfänger, Bargeld wechselt anonym den Besitzer. Übrigens Zentralbankgeld ist Zentralbankgeld (als Sichteinlage oder Bargeld) und Ware ist Ware daran ändert das Bäumchen Wechsel dich Spiel von Waren und Geld zwischen den verschiedenen Besitzern keine Rolle. Ware wird niemals zu Geld und Geld wird niemals zu Ware. Beides bleibt unabhängig vom jeweiligen Besitzer in seiner Form erhalten. Es sei denn das allmächtige Eurosystem entscheidet das Geld (Zentralbankgeld) verschwinden zu lassen. Aber sowohl über Geld als auch über die Waren müssen sauber Buch geführt werden. Und hier ist es wahrscheinlich, dass sich die überschüssigen Luxemburger Geldscheine im Besitz von Ausländern befinden, Es macht keinen Sinn, das jeder Luxemburger Bürger mit 135000Euro Bargeld in der Tasche herumläuft, während es im Schnitt euroweit 2500Euro sind. Also hat die öffentliche Hand Luxemburgs die Bürger der Krisenländer mit 27Mrd. via Nettokapitalimport gesponsert, was für die Luxemburger auch eine riesige Summe ist. Insgesamt lohnt es sich sehr die Rolle Luxemburgs als Geldwaschanlage der Eurozone aufzuarbeiten. Da muss ich wohl mal einen vorlegen.

    Gruß Bernd

  • Bernd Klehn - 8. Januar 2012

    @ SLGramann

    Eine deutsche Geschäftsbank wird sich nicht weigern eine Targetüberweisung (die ja mit Eurozentralbankgeld hinterlegt ist) aus dem Ausland anzunehmen. Solange wächst das Targetguthaben der deutschen Geschäftsbanken und damit der Bundesbank.

  • SLGramann - 8. Januar 2012

    @Bernd,

    danke. Mir sind offensichtlich die banktechnischen Abläufe ziemlich unklar.

    Warum sind, wie Du zu schreiben scheinst, (Target)guthaben deutscher Geschäftsbanken gleichzeitig und automatisch Einlagen bei der Bundesbank? Die Bilanzen der Geschäftsbanken sind doch etwas anderes als die Bilanz der Zentralbank?
    Müssen die Geschäftsbanken denn nicht in einer bewussten Entscheidung Einlagen bei der Bundesbank tätigen, damit deren Passivseite wachsen kann? Und müssen sie dafür nicht irgendwie motiviert werden?

    Aber vielleicht hab ich da einfach zu viele Defizite, um das auf die Reihe zu bekommen…

    Grüße

    • Achim Hase - 8. Januar 2012

      @SLGramann: die Bundesbank schreibt die Überweisung der Geschäftsbank auf ihrem Konto gut und dem steht die TARGET2-Forderung gegenüber. Damit stimmen die Aktiv- und Passivseite.

  • Duke van Hudde - 9. Januar 2012

    Ich habe mir das ganze hier nur am Anfang durchgelesen Rest war dann doch zu lang.

    Meine Frage ist eher was passiert den jetzt genau wenn bestimmte Sachen eintreffen.

    1.Griechenland sagt es zahlt nicht mehr und alle Banken in Griechenland sind Pleite und daher die Forderungen der Griechischen Zentralbank gegenüber ihren Banken hinfällig.Was hat das für eine Beduetung für Deutschland in Bezug auf Target 2.Gefühlt würde ich sagen das zusätzliche Geld wurde Inflationsfördernd eingesetzt aber das nicht gerecht verteilt so das wir die Folgen der Geldentwertung zu tragen hatten/haben aber nicht die “Vorteile” des zusätzlichen Geldes bekommen.
    2.Griechenland tritt aus den Euro aus und wieder sind die Forderungen nicht einzutreiben.Irgendwie wieder eine zusätzliche Geldmenge die man nicht wieder einziehen kann.
    3.Alles beibt wie es ist und das Rad dreht sich immer weiter.Welche Sicherheiten wollen dann langfristig die Griechen noch anbieten wenn sie alles shcon bei ihrer Zentralbank verpfändet haben.Müssen sie da nicht immer schlechtere Sicherheiten annehmen um das Rad am laufen zu halten.

    Für mich sieht es so aus

    Die Griechischen Banken sind alle Pleite und werden durch den Konkursverschlepper EZB künstlich am Leben gehalten.
    Nur dadurch können weiter mehr Waren gekauft werden aus dem Ausland als selbst ins Ausland verkauft wird.
    Das ist eine Subventionierung der Deutschen Exportindustrie mit Hilfe der EZB.

    Die falsche Struktur in Griechenland und in Deutschand kann dadurch wieter aufrecht gehalten werden aber nur auf den Papier am Ende gibt es ein Ausgleich des ganzen Ungleichgewicht und zwar verlieren die Deutschen ihre Forderungen und es wird dadurch die Zahlungsströme wieder ausgeglichen.