Target2 der niederländischen Zentralbank mit +32,965 Mrd. Euro

von am 30. Dezember 2011 in Allgemein

Gestern veröffentlichte die niederländische Zentralbank ihre Bilanz für den Monat November 2011, darunter auch den Target2 Saldo. Im November stieg der positive Target2 Saldo um weitere +32,965 Mrd. Euro zum Vormonat an, auf 143,058 Mrd. Euro. Der Anstieg von +32,965 Mrd. Euro übertraf im November sogar den Anstieg des Target2 Saldos bei der Deutschen Bundesbank mit +29,649 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der niederländischen Zentralbank seit Januar 1999. Der Saldo explodiert seit 4 Monaten regelrecht, nun im November 2011 auf +143,058 Mrd. Euro.

Der Anstieg des positiven Target2 Saldos der Deutschen Bundesbank, der niederländischen Zentralbank, der luxemburgischen und finnischen Zentralbank betrug im November 2011 insgesamt +74,568 Mrd. Euro. Im Gegenzug stieg vor allem der negative Target2 Saldo Italiens um weitere 58,937 Mrd. Euro auf -147,535 Mrd. Euro. Der Anstieg des negativen Targt2 Saldos im November von Portugal, Irland und Belgien war moderat, so das bei den noch nicht veröffentlichten Daten für Griechenland, Spanien und Frankreich für November noch insgesamt ein steigender negativer Target2 Saldo von 10-13 Mrd. Euro zu erwarten bleibt.

Der anhaltende Aufbau der Target2 Ungleichgewichte bleibt enorm, die Deutsche Bundesbank, die niederländische-, luxemburgische- und finnische Zentralbank kumulieren im November 2011 einen positiven Target2 Saldo von +771,070 Mrd. Euro, davon gehen +495,165 Mrd. Euro vom Konto der Deutschen Bundesbank. Demgegenüber steht eine adäquate Summe an negativen Target2 Salden der nationalen Zentralbanken der PIIGSBF (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien, Belgien, Frankreich).

Die positiven Target2 Salden stellen im Kern eine Kreditfinanzierung an die PIIGSBF-Staaten dar und dieser Vorgang funktioniert im Prinzip wie ein Kontokorrentkredit einer nationalen Zentralbank des Euro-Systems an eine andere nationale Zentralbank im Euro-System zu einem marginalen Zinssatz von 1,0%. Das Volumen des positiven Saldos zeigt an, wieweit Zentralbankgeld der deutschen-, niederländischen-, luxemburgischen- und finnischen Zentralbank die Finanzierung der PIIGSBF durch privates Kapital ersetzt. Die Forderungen aus den positiven Target2 Salden fallen zwar formal bei der EZB an, sind aber zugleich eine Forderung der EZB gegenüber den nationalen Zentralbanken mit einem negativen Target2-Saldo. Der negative Target2 Saldo selber ist eine Verbindlichkeit der nationalen Notenbanken, welche ihrerseits den gezogenen Target2 Anteil, durch Kreditvergabe insbesondere an die heimischen Kreditinstitute als Forderungen (Aktiva) in ihrer Bilanz halten.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Alle verfügbaren aktuellen Target2 Salden mit Chart unter: Querschuesse.de/Target2-Salden

Quelle Daten: Statistics.dnb.nl/Balance sheet of the Nederlandsche Bank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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51 KommentareKommentieren

  • Stefan Vogel - 30. Dezember 2011

    Hallo Steffen,

    wird hier was verschoben? Die Renditen bei den Bunds sind viel geringer als die von den Niederlanden. Auch ist mir hier keine Trendumkehr aufgefallen (wenn 35 Milliarden in ein so kleines Land fliessen muss das Geld wohihn). Kann es sein, dass die Niederlande die Target2 Salden aufgesaugt haben und irgendwo anders mit Deutschland verrechnen?

    Sonst kann ich mir das nicht erklaeren.

    Hoffe das Geld ist angekommen.

    Stefan

    • Querschuss - 31. Dezember 2011

      Hallo Stefan,
      verschoben? Sehe ich nicht, zuerst ist eine steigende Forderung der niederländischen Zentralbank aus dem positiven Target2 Saldo aus der Betrachtung der Zahlungsbilanz ein Nettokapitalexport. Auch niederländisches Zentralbankgeld ersetzt privaten Kapitalexport in die PIIGSBF. Der hohe Refinanzierungsbedarf der Banken der PIIGSBF wird durch Zentralbankgeld gedeckt und spiegelt sich auf der aufgeblähten Aktivseite der nationalen Zentralbanken der PIIGSBF wider. Die Passivseite der PIIGSBF-Notenbanken ist nicht ausreichend von Guthaben und Einlagen gedeckt und diese kompensiert der negative Target2 Saldo (das Zentralbankgeld der deutschen, niederländischen, luxemburgischen und finnischen Zentralbank), also der positive Target2 Saldo der anderen Zentralbanken. Target2 Salden sind Ergebnis der grenzüberschreitenden Zahlungen aller über das Target2-Zahlungssystem angeschlossener Banken und Zentralbanken. So gesehen ist der niederländische Target2 Saldo kein Ergebnis von verschieben, sondern der Zahlungsflüsse.

      Ich hoffe es ist verständlich. Die finanzielle Unterstützung ist angekommen, herzlichen Dank!!

      Gruß Steffen

      • Stefan Vogel - 31. Dezember 2011

        Hallo Steffen,

        war mir alles klar, danke trotzdem. Aber ich konnte nicht sehen, warum jetzt auf einmal soviel nach den Niederlande von den PIIGSBF geht. Es sind mir zwei Erklärungen eingefallen.

        1. Es gibt einen verstärkten Kapitalfluss von Deutschland –> Niederlande
        2. Es gibt einen verstärkten Kapitalfluss von Frankreich –> Niederlande
        3. Die Kapitalflucht von Italien –> Niederlande

        Leider kann ich nicht verstehen, warum das Kapital in die Niederlande geht. Sind die Deutschen Bundesanleihen zu teuer ? Meiner Meinung nach wollen manche Anleihenbesitzer auf jeden Fall bei einem Auseinanderbrechen des Euro in der starken Zone sein. Da macht die Niederlande jetzt nicht so viel Sinn.

        Danke nochmal und guten Rutsch!

        Stefan

        Kann man aus den EZB Daten irgendwie die Geldflüsse erkennen?

        Gespannt bin ich auf die Zahlen von Frankfreich für den November. D

  • Claus - 31. Dezember 2011

    Hallo Stefan,
    hier ein link zu Prof. Sinn vom 19.12 , ist der Euro noch zu retten
    http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x_s-764870657/ifo/index.html

    Sinn erklärt es bis ins kleinste Detail geht aber 2 Std. und auch Sinn wartet noch auf die Daten von Frankreich und hat bereits aus seinen vorhandenen Daten festgestellt das auch von Frankreich Kapital abfließt .

    Warum Niederlande kann ich auch nicht sagen, aber vielleicht ist ja bei 495 Mrd bei Deutschland auch mal ein Deckel drauf.

    Gruß Claus und einen guten Rutsch allen.

  • Roland - 31. Dezember 2011

    Das Spiel kann noch eine ganze Zeit lang weitergehen, solange die gestellten Sicherheiten nicht (teil-) abgeschrieben werden.
    Dann allerdings stellt sich über die Haftungsfragen der Zentralbanken die Frage, ob Verluste an die Staatshaushalte durchgereicht werden.
    Nach dem jetzigen System ist dies so.

    Aber:
    Möglicherweise wird im Hof der EZB ein Scheiterhaufen aufgestellt und die “Sicherheiten” (Schrott) und entsprechende uneinbringliche Forderungen einfach “verbrannt”.

  • Wolfgang - 31. Dezember 2011

    Nach jetziger Rechtslage muss nichts an die Staatshaushalte gehen. Es wäre sogar denkbar, dass sich die Staaten mithilfe eines Scheiterhaufens entschulden.

    • Roland - 1. Januar 2012

      Die Bundesbank muß im Falle, dass bei der EZB Verluste anfallen -entsprechend ihrem Anteil- Kapital an die EZB nachschießen.
      Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf Gewinn-/bzw. Verlust der Bundesbank.

      Das Durchreichen an den Staatshaushalt erfolgt dann über die möglichen völlige Einstellung einer Gewinn-Ausschüttung an den Bundeshaushalt. Falls Verluste Bundesbank-seitig vorgetragen werden müssen, entfiele auch in Nachfolgejahren eine Gewinnausschüttung.

  • Wolfgang - 31. Dezember 2011

    Entscheidend ist, dass die EZB weiterhin in der Lage ist, die Geldmenge an die Gütermenge anzupassen.

    • Bernd Klehn - 1. Januar 2012

      Genau diese Möglichkeit hat die EZB verloren. Sie kann nicht die Zentralbankmenge reduzieren oder deren Zinsen erheblich heraufsetzen. Die Krisenländer müssen die Druckmaschine auf Hochdruck laufen lassen um somit den Auslandsverbindlichkeiten nach kommen zu können. Ansonsten wären sie schlicht insolvent. Den Kredit hierfür liefert die holländische, deutsche öffentliche Hand. Anders funktioniert das System nicht mehr, aber dieses Prinzip führt um so sicherer in den Abgrund.

  • DividendenJaeger - 2. Januar 2012

    Hab mir den oben verlinkten sehr empfehlenswerten Vortrag von Prof. Sinn angeschaut.

    Dabei kommt mir aber eine Frage. Das Geld, was D für die Produkte die sie in die EU liefert bekommt, landet auf Konten der Hausbank, die fängt im Moment wenig bis nichts damit an bzw. traut sich nicht, bunkert das Geld bei der Bundesbank und die reicht es an die EZB weiter und die verleiht es wiederum an die nationalen Notenbanken im EZB Raum, die es wiederum an Banken ausleihen, damit diese zurück gegebenen Staatsanleihen auszahlen kann, den Kreditbedarf abdeckt, die Bank sich refinanzieren kann oder Abhebungen auszahlen kann von Leuten oder Firmen die das Geld lieber z.B. nach D bringen und entweder hier einzahlen, Aktien dafür kaufen oder was handfestes wie Immobilien, wobei dieses Geld auch über diesen Umweg letztenendes auf einem Konto landet.
    Das ist in Kürze dargestellt, was gerade im Euroraum abgeht. Sinn bemängelt, dass wir unsere ca. 495 Milliarden € Target 2 nicht mehr wiedersehen und da frage ich mich,

    1) wieso die Bundesbank das Geld überhaupt an die EZB weiter reicht, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass die BB das Geld wieder sieht und zweitens,

    2) wer sagt denn, das all dieses Geld, Vermögen von Bundesbürgern ist? Könnte ja auch zu einem nicht unerheblichen Anteil Fluchtgeld sein, dass bei uns geparkt wurde.
    Das würde bedeuten, dass wir bzw. die Banken gegenüber dem Ausland Verbindlichkeiten haben, ähnlich wie die UBS und Credit Swiss massig Geld vom Ausland eingesammelt haben und wahrscheinlich schon soviel davon Verzockt haben, dass die Schweiz, wenn Sie dafür gerade stehen wollte, pleite wäre.

    3) Und wozu brauchen wir die EURO Bonds, wenn jetzt schon die EZB die Gelder aus Überschußstaaten wie D, NL, Fin, L zu 1% an die nationalen NBs ausleiht? Mit einem EURO Bond wird es für alle teurer.

    4) Herr Sinn meint dann gegen Ende seines Vortrages, das selbst mit EURO Bonds wieder eine Zinsdivergenz nach etwa 10 Jahren auftreten würde. Das Argument kann ich nicht nachvollziehen. Wenn es nur einen Bond für alle zur Finanzierung gibt, wie soll da eine Divergenz auftreten, allenfalls steigt der Zins für alle.

    Kann jemand die Fragen beantworten?

    DividendenJaeger

    • Bernd Klehn - 3. Januar 2012

      Die Bundesbank reicht das Zentralbankgeld nicht an die EZB weiter, sondern die Krisenländer drucken (als Banknoten und als Sichtguthaben) Zentralbankgeld und kaufen damit im Ausland ein. Dieses Zentralbankgeld landet dann direkt oder auf verschlungenen Pfaden in Deutschland usw. Überschreitet Zentralbankgeld Landesgrenzen oder es werden mehr Banknoten gedruckt, als gemäß Verteilungsschlüssel dem Land zusteht, Griechenland 2,5%, Deutschland 27% usw., entstehen bei den nationalen Zentralbanken oder der EZB inner Eurosystemforderungen, die in der Länderkapitalbilanz als Nettokapitalexport oder -import aufschlagen. Diese Target2 oder Banknotenforderungen werden innerhalb des Eurosystems mit dem Hauptrefinanzierungssatz vergütet. Kurzum die Krisenländer drucken Geld und kaufen damit im Ausland ein. Dieses Geld landet auf Umwegen bei uns, deswegen drucken wir kein Geld. Würden wir auch noch Geld gemäß unserem Anteil drucken, 27%, wäre der Euro ruiniert. Spannend wird es wenn wir für die 500Mrd. Warenüberschüsse von den Krisenländern haben wollen. Dieses würde nur gehen, wenn die Krisenländer anstatt Holland, Finnland und Deutschland unter ihren Verhältnisse leben würden. Glaubt jemand daran?

    • Bernd Klehn - 3. Januar 2012

      4) Bei Eurobonds gibt es zwar on top eine Gesamthaftung, aber die Einzelhaftung besteht weiter. Kann ein Land die Forderungen nicht erfüllen, ist es pleite und erst dann springen die anderen Länder ein. Sinn sagt, ich kann die Pleite einzelner Staaten maxmal 10 Jahre aufschieben, dann tritt der Gesamthaftungsfall ein und danach muss ich wieder zur einzelstaatlichen Finanzierung zurückkehren.

  • Wolfgang - 3. Januar 2012

    Antworten

    zu 1). Die Bundesbank ist der EZB vollkommen ausgeliefert. Die Mehrheit (der Schuldner) entscheidet. Der Rechtsweg ist für die Bundesbank ausgeschlossen.
    zu 2) Es handelt sich nicht um Geld im Eigentum der Bundesbürger, sondern Geld im Eigentum der Bundesbank.
    zu 3) Die Fähigkeit der EZB, die Geldmenge zu reduzieren geht zu Ende. Dadurch kann sie nicht mehr lange die PIIGS finanzieren.
    zu 4) Eine Zinsdifferenz aufgrund der unterschiedlichen Bonität der Länder kann durch Eurobonds nicht aufgehoben werden, lediglich die Zinsdifferenz der Staaten.

  • DividendenJaeger - 3. Januar 2012

    Danke für die Antwortversuche.

    @Bernd Klehn, das Geld was gedruckt wird (bzw. als Zahl in einem Computer auftaucht – Zahlungen laufen heute ja überwiegend bargeldlos ab) und von EU Ländern für Käufe in D ausgegeben wird, landet zur Zeit bei der BB die es bei der EZB deponiert und hier war die Frage, warum tut die BB dies, wenn die Sicherheiten der EZB so schlecht sind.

    @Woilfgang,

    1) Wieso ist die BB der EZB ausgeliefert? Muss sie Ihre Einlagen bei der EZB abliefern?

    2) Natürlich liegt das in Frage gestellte Geld bei der BB aber es wurde ja über das Bankensystem bei der BB abgeliefert und die Banken haben es von Ihren Kunden, die es dort einlegen. Und diese Kunden könnten zu einem nicht unerheblichen Teil Ausländer sein, so wie die Schweiz auch viel Kundeneinlagen vom Ausland erhält.

    3) Darf ich in dem Fall unter Geldmengenreduktion verstehen, dass die EZB Geld einsammelt, dass von den Nationalbanken des Euroraums stammt, die es wiederum von den Privatbanken haben, damit das von der EZB ausgeliehene Geld nicht inflationär wirken kann bzw. sie versucht über diesen Weg das in der Krise 2008/9 ausgegebene Geld wieder einzusammeln, um der Inflationsgefahr vorzubeugen?
    Worin besteht dann die Begrenzung der EZB die Geldmenge weiter zu reduzieren? Will es bald keiner mehr bei Ihr anlegen, weil es zu unsicher wird? Müsste sie den Zins für die Einlagen erhöhen und weis nicht, wie sie den Zins erwirtschaften soll, weil sie die Zinsen für ausgeliehenes Geld niedrig halten muss/will?

    4) Verstehe ich nicht. Kannst Du das näher erläutern? Dachte das wenn Staat X Geld benötigt, die Staatengemeinschaft als Gläubiger auftritt, EU Anleihen begibt und das eingesammelte Geld dann an X zum Coupon Zins geht. Der Anleihenkäufer weiß dann gar nicht an wen das Geld geht und kann somit auch keine differenzierte Risikobewertung vornehmen.
    Im Gespräch ist aber dass die EU dann den Ländern mit Geldbedarf Auflagen bezüglich Ihrer Wirtschaftspolitik macht und gegebenenfalls auch eine Quotierung durchführt, so dass über dieses Weg nicht beliebig aufgeschuldet werden kann, wobei Sinn in seinem Vortrag anzweifelt, wie diszipliniert die Regularien durchhaltbar sind.

  • jmg - 3. Januar 2012

    @ Bernd Klehn
    “Kurzum die Krisenländer drucken Geld und kaufen damit im Ausland ein. Dieses Geld landet auf Umwegen bei uns, deswegen drucken wir kein Geld. Würden wir auch noch Geld gemäß unserem Anteil drucken, 27%, wäre der Euro ruiniert.”
    Wir, d.h. die Bundesbank, druckt aber erheblich mehr als uns gemäss Quote zusteht.
    Damit verschafft sich Deutschland die Möglichkeit mehr im Ausland einzukaufen, als uns zusteht. Das muss man mit den TARGET2 Forderungen saldieren , wie es John Whittaker (siehe insbesondere die Tabellen 1 und 2 auf Seite 2/3) in diesem aufschlussreichen Paper macht (und Sinn z.Bsp. leider nicht tut).
    “Eurosystem debts, Greece, and the role of banknotes”
    LINK: http://www.lancs.ac.uk/staff/whittaj1/

    • Bernd Klehn - 3. Januar 2012

      Nun habe ich den Posten in der Bundesbankbilanz für Ende 2010 gefunden http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/jahresberichte/2010gb_bbk.pdf

      9.2 Verbindlichkeiten aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs innerhalb des Eurosystems

      Seite 163.

      Nun verstehe ich aber die Überleitungen zu den Gesamtsumme der Forderungen/Verbindlichkeiten innerhalb des Eurosystems nicht mehr.

      Dieses war bisher die Summe aus für mich bisher :

      Verbindlichkeiten innerhalb des Eurosystems -157 105 (9. Passiva)

      Forderungen innerhalb des Eurosystems +337 850 (9. Aktiva)

      Man kann doch nicht 337 869 im Monatbericht als netto!!! Forderungen ausweisen und dabei die Verbindlichkeiten unter den Tisch fallen lassen!!! Staun, staun. Insbesondere da in im Amtblatt steht:

      “Die Differenz zwischen dem Wert der Euro-Banknoten, die jeder NZB gemäß dem Schlüssel für die Verteilung der Banknoten zugeteilt wurde, und dem Wert der Euro- Banknoten, die diese NZB in Umlauf setzt, sollte zu Intra-Eurosystem-Salden führen.”

      http://www.ecb.int/ecb/legal/pdf/l_03520110209de00260030.pdf

      Früher stand da führt zu Intra-Eurosystem-Salden!!!!

      @ jgm bitte, bitte kär mich auf.

      • Stefan Vogel - 3. Januar 2012

        Hallo Bernd,

        die Salden sind Netto, weil man die Salden von verschiedenen Ländern miteinander aufgerechnet hat.

        Normalerweise muesste man die Salden mit jedem Land (Partner) aufzeigen!

        Auf jeden Fall verstehe ich das so.

        Gruss

        Stefan

        • Bernd Klehn - 3. Januar 2012

          Lieber Stefan,

          erklärt nichts. Abweichung von Notendruckanteil und Target2-Salden haben dieselbe Wirkung. Also muss unter netto Forderungen innerhalb des Eurosystems 337Mrd -157Mrd = 180Mrd. stehen. So wie John Whittaker unter (Intra-eurosystem claims) schreibt. Ich schaff ganz einfach die Brücke zum Monatsbericht (Nettoauslandsposition der Bundesbank) Anhang Seite 73 nicht, denn hierin sind alle Geldforderungen inkl. Verbindlichkeiten enthalten wie Gold, Devisen, IWF-Sonderziehungsrechte, innere Eurosystemforderungen, Auslandsverbindlichkeiten usw. enthalten. Ich wüsste wo die die Verbindlichen von 157Mrd. innerhalb des Eurosystems aus dem Druck von zu viel Geldscheinen enthalten sein könnten, müssen sie aber.

          Gruß Bernd

          Hier muss Steffen oder jmg ran. Meine einzige Hoffnung.

          http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/monatsberichte/2011/201112mb_bbk.pdf

  • Bernd Klehn - 3. Januar 2012

    @jmg

    Insgesamt finde ich noch nicht die Position bei der Bundesbank noch nicht, die aufzeigt, dass wir für 163,1Mrd. (minus Anteil anden 63 der EZB) zu viel Banknoten gedruckt haben sollen, welches natürlich den Target2 Forderungen gegnzurechnen wäre. Gibt mir doch mal ein Link auf die Bundesbankbilanz. Im Nov. hatte die Bundesbank insgesamt 507Mrd. Forderungen innerhalb des Eurosystems, davon 495 Mrd. Traget2. Zieht man von den 507Mrd. die Eigenkapitalforderungen ab (25Mrd.?) wären ca. 15Mrd. zu viel gedruckt worden.

  • Bernd Klehn - 3. Januar 2012

    @DividendenJaeger

    “BB die es (das Zentralbankgeld) bei der EZB deponiert .”

    Die Bundesbank deponiert kein Zentralbankgeld bei der EZB. Sondern die Bundesbank emittiert und muss Zentralbankgeld zurücknehmen. Normalerweise könnte die EZB innerhalb des Eurosystems selber 8% Zentralbankgeld emittieren, hat aber darauf verzichtet. Somit wird alles Zentralbankgeld über die NZBs verwaltet. Die EZB ist nur eine Verrechungsstelle für Forderungen innerhalb des Eurosystems, die die NZBs innerhalb des Systems haben. Kurz die Bundesbank kann sich gegen gar nicht wehren. Die anderen können über das Eurosystem in unsere Kasse greifen, dieses könnte nur der EZB-Rat durch hohe Hauptrefinanzierungssätze und Sicherheitsanforderungen verhindern.

  • Wolfgang - 3. Januar 2012

    Antwort zu 1)

    Die Bundesbank ist der EZB ausgeliefert, da die EZB über den Target2 beliebig viel Geld bei der Bundesbank ausleihen kann. Darüber hinaus kann die EZB die Bundesbank verpflichten, Wertpapiere der PIGS zu kaufen.

    Die Bundesbank kann sich dagegen nicht wehren, da sie in der Minderheit ist. Auch ist der Rechtsweg gegen diese Praxis der EZB nicht gegeben, da die Bundesbank nicht klageberechtigt ist.

  • Wolfgang - 3. Januar 2012

    Antwort zu 2)
    Die Bundesbank kann angewiesen werden, die Geldmenge in Deutschland zu reduzieren. Da sie inzwischen ihre Aktiva (bis auf das Gold) bereits verwendeet hat, um die Geldmenge zu reduzieren, kann sie nur noch Schulden beim Bankensystem machen.

    Auf der anderen Seite schwimmen die deutschen Banken im Geld. Sie haben nicht genügend sichere und lukrative Anlagemöglichkeiten. Deshalb hinterlegen sie das Geld bei der Zentralbank.

  • Wolfgang - 3. Januar 2012

    zu 3)

    Die Begrenzung zum Einsammeln des Geldes besteht darin, dass die Bundesbank nicht beliebig viele Aktiva hat, um die Euros aus dem Markt zu ziehen. Die Reduktion durch das Angebot von Anlagemöglichkeiten für die Banken ist dadurch begrenzt, dass die Bundesbank für diese Einlagen Zinsen zahlen muss – d.h. mit dem Abschöpfen selbst wieder neues Geld emittiert. Der Zinseszinseffekt tut sein üriges.

  • Wolfgang - 3. Januar 2012

    Antwort zu 4)

    Es geht nicht nur um die Bonität eines Staates, sondern um die Bonität einer Nation.

    Der Marktzins wird nicht nur vom Schuldenmachen des Staates, sondern vom Verhalten einer gesamten Volkswirtschaft beeinflusst. Wenn Eurobonds eingeführt werden, dann zahlen die Staaten gleich hohe Zinsen. Aber: Das Verhalten der Bürger ändert sich nicht. Die Deutschen geben im Schnitt nicht mehr aus als die einnehmen. Anders bei den PIGS. Das hat zur Folge, dass die Deutschen letztlich weniger Zinsen zahlen als die Bürger in den PIGS, weil sie kreditwürdiger sind. Letzlich kann es sein, dass einzelne deutsche Schuldner niedrigere Zinsen zahlen als der Zins für Eurobonds. Es entsteht wieder ein Zinsspread. Dem müßte dann wieder mit nationalen Eurobonds begegnet werden, so dass Giovanni in Palermo die gleichen Zinsen wie Franz in Speyer zahlt. Dann wären wir bei der totalen Planwirtschaft angelangt.

  • DividendenJaeger - 3. Januar 2012

    @Wolfgang,

    besten Dank für die Erklärungen.

    1) Die BB muss also Ihr Geld bei der EZB abliefern und sogar Schrottanleihen von EU Staat aufkaufen, wenn die EZB dies fordert, da wohl die EZB selbst kein Geld Emittieren kann und nur als Art Verwaltungs- und Buchunszentrale fungiert?

    2) Kannst Du noch ein Wort über die Herkunft des Geldes verlieren, dass die Banken bei der BB hinterlegen, weil sie sonst nichts damit anzufangen wissen. Im zweiten Satz unter 2) schreibst Du zwar Zentralbank meinst aber denke ich BB. Kann das Geld nicht auch zu einem nicht unerheblichen Teil vom Ausland stammen?

    3) Solange die BB etwa 0 Zins bietet und trotzdem Geld bei Ihr angelegt wird geht das halbwegs aber sobald die Zinsen steigen und danach sieht es aus, dann wird Sie das Geld nicht abziehen können. Und wenn das so wäre, ist das schlimm? Ein steigender Zins kann zwar ein erhöhtes Risiko anzeigen aber auch mehr rentable Anlagen, worin sich das investieren lohnt. Und dann braucht der Markt das Geld.

    4) Demnach haben Konsumenten und der Staat in den PIIGS Kredite in den letzten 10 Jahren zu billig bekommen. Ändert sich das aber zwangläufig für Konsumenten/Firmen durch die Einführung der EURO Bonds? Du hast allerdings recht damit, dass der Zins gegenüber anderen Ländern davon laufen könnte.
    Zu befürchten ist, dass durch die EB der Zins für die PIIGS wieder zu niedrig bereit gestellt wird und diese, diesen Vorteil nicht zum Tilgen von Schulden nutzen werden sondern für Konsum bzw. für Investitionen die sich am Anfang auch noch rechnen, da vom Konsum getrieben aber die Blase dann doch wieder Platzt und dann läuft der Zinsspread wieder auseinander.

    Ist doch alles murks. So lange keine werthaltigen Sicherheiten hinterlegt werden, die im Ernstfall unter schmerzen gezogen würden, werden die PIIGS sich weiter überschulden und wenn nix mehr geht, Hilfe anfordern oder Bankrott erklären.

  • jmg - 3. Januar 2012

    @ Bernd Klehn
    Ich mach am besten mal eine Beispielrechnung zum Banknotenumlauf für die Bundesbank (für September 2011).
    Banknotenumlauf der Eurozone insgesamt für September 2011: 857.4 Mrd Euro
    siehe Monatsbericht Bundesbank Oktober 2011, Seite 18* (im Stat. Tabellenanhang)
    “Konsolidierter Ausweis des Eurosystems 2. Passiva”
    LINK: http://www.bundesbank.de/volkswirtschaft/vo_monatsbericht_aktuell.php

    Wie ist die Ausgabe von Banknoten in der Eurozone geregelt? Siehe Fussnote 2 auf der gleichen Seite: “Entsprechend dem vom Eurosystem gewählten Rechnungs-
    legungsverfahren für die Ausgabe von Euro-Banknoten wird der EZB auf
    monatlicher Basis ein Anteil von 8 % des Gesamtwerts des Euro-Banknoten-
    umlaufs zugeteilt. Der Gegenposten dieser Berichtigung wird als
    „Intra-Eurosystem-Verbindlichkeit aus der Begebung von Euro-Banknoten“
    ausgewiesen. Die verbleibenden 92 % des Wertes an in Umlauf befindlichen Euro-Banknoten werden ebenfalls auf monatlicher Basis auf die
    NZBen aufgeteilt, wobei jede NZB in ihrer Bilanz den Anteil am
    Euro-Banknotenumlauf ausweist, der ihrem eingezahlten Anteil am Kapital
    der EZB entspricht. Die Differenz zwischen dem Wert der einer NZB
    zugeteilten Euro-Banknoten gemäß dem oben erwähnten Rechnungs-
    legungsverfahren und dem Wert der von dieser NZB in Umlauf gegebenen
    Euro-Banknoten wird ebenfalls als „Intra-Eurosystem-Forderung/Verbindlich-
    keit aus der Begebung von Euro-Banknoten“ ausgewiesen.”

    EZB-Quote (8 % von 857.4 Mrd Euro): 68.6 Mrd Euro
    Rest: 857.4 Mrd Euro – 68.6 Mrd Euro = 788.8 Mrd Euro (wird aufgeteilt laut Kapitalschlüssel des Eurosystems)
    LINK zum Kapitalschlüssel: http://www.oenb.at/bilanz2010/de/kapitalschluessel/kapitalschluessel.jsp

    Deutschland erhält laut Kapitalschlüssel 27.06 %: 213.5 Mrd Euro (= 788.8 X 0.2706)
    siehe gleiche Seite, gleiche Spalte im Monatsbericht Bundesbank Oktober 2011, Seite 18* (im Stat. Tabellenanhang) ganz unten oder im Monatsausweis der Bundesbank für Oktober 2011.
    LINK: http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_aussenwirtschaft_terminkalender.php#aac

    Die Bundesbank hat aber insgesamt Banknoten im Wert von 384.2 Mrd Euro ausgegeben. Daher weist sie auf ihrer Passivseite eine “Intra-Eurosystem-Verbindlichkeit aus der Begebung von Euro-Banknoten” in Höhe von 170.7 Mrd Euro aus. (Siehe wiederum Monatsausweis BB für Oktober 2011)
    Unter dem Posten Banknotenumlauf auf der Passivseite des Monatsausweises der BB steht also was ihr laut Kapitalschlüssel an Banknotenumlauf zusteht. Unter “Intra-Eurosystem-Verbindlichkeit aus der Begebung von Euro-Banknoten” weist sie aus, was sie über die vorgegebene Quote von 27.06 Prozent hinaus an Banknoten ausgegeben hat. Vom Banknotenumlauf der Eurozone insgesamt für September 2011 in Höhe von 788.8 Mrd Euro (exklusive EZB-Quote) stammen also 48.70 Prozent von der Bundesbank. Das sind also 21.64 Prozent mehr als ihr eigentlich laut Kapitalschlüssel zusteht. Diese anteilsmässig zuviel von der Bundesbank ausgegebenen Banknoten sollte man mit den Target2 Forderungen auf der Aktivseite saldieren, wenn man argumentiert dass die Target Verbindlichkeiten der Peripherieländer sie in die Lage versetzen bei uns Güter, Dienste und Wertpapiere zu kaufen. Die “Intra-Eurosystem-Verbindlichkeit aus der Begebung von Euro-Banknoten” erlauben es Deutschland mehr Güter, Dienste und Wertpapiere im Rest der Eurozone zu erwerben als uns eigentlich zusteht.

    • Querschuss - 3. Januar 2012

      Hallo jmg, hallo Bernd,
      ich bin mir nicht sicher ob diese Rückschlüsse, Analogien wirklich richtig sind. Klar ist, dass aus mehr Banknoten als der Schlüssel es zulässt eine Verbindlichkeit entsteht, aber Verbindlichkeiten aus Target2 und Euro Banknotenpassiva zu kumulieren bzw. mit den Forderungen aus Target2 zu verrechnen? Im Falle von Griechenland scheint dies augenscheinlich betrachtet schlüssig, Verbindlichkeiten aus Target2 und die zuviel gedruckten Banknoten haben diesselbe Ursache und das gleiche Ziel, könnte man also deshalb auch als eine kumulierte Verbindlichkeit betrachten.

      Im Falle von Deutschland sehe ich dies nicht. Jmg schreibt: “Die “Intra-Eurosystem-Verbindlichkeit aus der Begebung von Euro-Banknoten” erlauben es Deutschland mehr Güter, Dienste und Wertpapiere im Rest der Eurozone zu erwerben als uns eigentlich zusteht.” …..Deutschland hat seit Jahren fulminante Export- und damit vor allem Leistungsbilanzüberschüsse. Wieso sollte sich Deutschland aus dem über dem zugelassenen Schlüssel mit Euro-Banknoten bedienen um Waren und Güter zu kaufen. Ergibt keinen Sinn, denn Deutschland verkauft mehr Waren und Güter als es selbst kauft, es besteht also überhaupt kein Bedarf an zusätzlichen Eurobanknoten zum Kauf von Waren und Gütern, die es erlauben diese über das zustehende Maß zu erwerben, denn Deutschland erwibt deutlich unter dem zustehendem Maß, deshalb der Leistungsbilanzüberschuss.

      Ähnlich nur umgekehrt sieht es bei der Kapitalbilanz aus, Deutschland kauft eben nicht Wertpapiere und andere Finanztitel in der Südperipherie, u.a. deshalb muss ja Zentralbankgeld, aus Target2 gezogen von den PIIGSBF die Finanzierung übernehmen. Sogar das Gegenteil ist der Fall, das Fluchtgeld der Südperipherie kauft deutsche Wertpapiere und Vermögenstitel, in der Realität kauft Deutschland also nicht Netto-Vermögenstitel der Südperipherie und schon gar nicht über das Maß was Deutschland zusteht. Bevor man also Forderungen aus Target2, Zentralbankgeld der BUBA, welches die NZBs der Südperipherie als Kredite an ihre Banken vergeben mit den Verbindlichkeiten aus den Euro-Banknoten verrechnet müsste erst mal geklärt werden, woraus ensteht überhaupt der deutsche Bedarf an Euro-Banknoten über das zustehende Maß hinaus und was passiert mit diesen Banknoten. Die Erklärung das Deutschland davon mehr Güter, Dienste und Wertpapiere im Rest der Eurozone erwirbt als uns eigentlich zusteht, halte ich nicht nur für unzureichend, sondern wie oben dargelegt auch für falsch, denn Deutschland fließt Kapital zu, es braucht also eigentlich keine zusätzlichen Euro-Banknoten, weder zum Erwerb von Waren noch von Wertpapieren und anderen Vermögenstiteln im Ausland.

      Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 3. Januar 2012

    Danke,

    @ jmg

    Alles verstanden. Habe zu viel Banknoten drucken auch immer equivalent zum Traget2-Defizit gesehen. Aber warum ist dieser Betrag nicht in den Forderungen innerhalb des Eurosystems (netto) enthalten und entsprechend nicht in der Nettoauslandsposition der Bundesbank Monatsbericht Anhang Seite 73? Verstehe ich einfach nicht. Ich ging selbstverständlich davon aus und habe somit bisher die 170Mrd. übersehen.

    Gibt es eine monatliche Bundesbankbilanz so wie von anderen NZBs?

    Gruß Bernd

  • jmg - 3. Januar 2012

    @ Bernd Klehn, Steffen
    Ein Gedankenexperiment:
    Nehmen wir einmal an die gesamte Zentralbankgeldmenge besteht nur aus Banknoten und es gäbe keine Konten der Geschäftsbanken bei der Zentralbank und damit auch kein TARGET2 System. In der Ausgangssituation entspricht der Bargeldbestand in jedem Land genau dem festgelegten Kapitalschlüssel. Alle Zahlungsbilanzen sind ursprünglich ausgeglichen.
    Ein Zahlungsbilanzdefizit (Summe aus Leistungsbilanz-und Kapitalbilanzssaldo)
    kann dann nur finanziert werden durch eine erhöhte Ausgabe von Banknoten im Defizitland, die zum Erwerb von Gütern, Diensten und Wertpapieren im Rest der Eurozone verwendet werden, die in diesem Fall die Importe von Gütern, Diensten und Wertpapieren übersteigen. Wenn die EZB die Zentralbankgeldmenge (= Bargeldmenge) konstant hält, wird im Rest der Eurozone der Notenumlauf geringer ausfallen als es der zugestandenen Quote entspricht. Das Defizitland weist eine “Intra-Eurosystem-Verbindlichkeit aus der Begebung von Euro-Banknoten” aus, der Rest Europas eine “Intra-Eurosystem-Forderung aus der Begebung von Euro-Banknoten” in gleicher Höhe.
    Jetzt führen wir Konten von Geschätsbanken bei der Zentralbank ein und ein Zahlungssystem das Transaktionen mit Zentralbankgeld über Ländergrenzen hinweg abwickelt. Wir nennen es Target2. Ein Zahlungsbilanzdefizit kann nun nicht nur über eine erhöhte Ausgabe von Banknoten finanziert werden, sondern auch über Target2 Verbindlichkeiten. Das ist der Fall Griechenlands.(Verkürzt: Target2 plus Notenpresse) Bei Deutschland haben wir die Situation, das wir Netto-Forderungen im Rahmen des Target2 Zahlungssystems akkumulieren, aber gleichzeitig Netto-Verbindlichkeiten über die Betätigung der Notenpresse. Per Saldo ergibt sich für Deutschland immer noch ein Netto-Forderungsaufbau gegenüber dem Rest der Eurozone in gigantischer Höhe, aber er ist eben nicht ganz so hoch, wie wenn man allein die Target2-Forderungen betrachtet.
    In einer Formel zusammengefasst:
    Leistungsbilanz + Kapitalbilanz = Target2 + Banknotenumlauf (= Zahlungsbilanz)
    Sinn behauptete zu Anfang, Target2 Salden spiegeln allein die Leistungsbilanzungleichgewichte wieder. Hatte aber die Kapitalbilanz und den Fall Irlands übersehen. Ich glaube er übersieht bis heute die Möglichkeit, dass sich Zahlungsbilanzungleichgewichte (Leistungsbilanz + Kabitalbilanz) nicht allein bei den Target2 Salden niederschlagen können, sondern auch bei den Forderungen/Verbindlichkeiten aus dem Banknotenumlauf.

    Gruß jmg

    • Querschuss - 3. Januar 2012

      Hallo jmg,
      soweit so gut, das Gedankenexpriment ist im ersten Teil nachvollziehbar und sehe ich genauso, nur wozu muss Deutschland im zweiten Teil überhaubt eine Verbindlichkeit aus den Euro-Banknoten aufbauen, dass es Griechenland auf Grund von Leistungsbilanzdefizit und privaten Kapitalabfluss tut ist logisch, aber in Deutschland besteht auf Grund von Leistungsbilanzüberschüssen und privaten Kapitalzufluss, kein Bedarf an zusätzlichen Banknoten und schon gar nicht um Waren und Güter bzw. Vermögenstitel davon in der Südperipherie zukaufen. Kann der Logik nicht folgen und verharre im Prof. Sinn-Modus.

      Meine Kernfrage fokussiert, wie entsteht und wofür besteht denn der Bedarf an Euro-Banknoten über den Zuteilungsschlüssel hinaus für Deutschland?

      Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 4. Januar 2012

    Hallo Steffen, jmg

    Du vergisst den privaten Kapitalmarkt.Wenn der, warum auch immer, z.B. mehr Kapital aus Deutschland herausschaufelt als der Leistungsbilanzüberschuss hergibt und in Deutschland exakt der zustehende Zentralbankliquiditätsanteil benötigt wird, kann dieser nur durch erhöhtes Notendrucken oder über Target2-Schulden hergestellt werden. Der einzige Unterschied zwischen überschießenden Banknoten und Target2 besteht in der Tatsache, dass man bei Banknoten nicht weiß ob sie das Land verlassen haben oder nicht. Also ist es absolut richtig, die durch das Euro-System organisierte Nettokapitalbewegung als Summe aus Banknotenallokation und Target2 zu begreifen. Diese wird ja auch entsprechend mit dem Hauptrefinanzierungssatz zwischen den NZBs verrechnet. Nur komme ich dann mit der Buchführung auf Seite 73 des Anhanges des Monatsberichts der Bundesbank nicht mehr klar:
    Nettoauslandsguthaben der Bundesbank, Forderungen innerhalb des Eurosystems (netto), für mich ist die Darstellung auf Seite 73 simpel falsch, da sie die Banknotenallokation unterschlägt, was sie nicht darf.

    Die Banknoten selber werden wahrscheinlich von den Deutschen bei ihren Auslandsreisen ausgegeben, Daher der erhöhte Banknotenbedarf und in Luxemburg wird Bargeld schwarz abgehoben und über die Grenze gebracht. Daher beträgt dort der überschiessende Anteil 67Mrd. bei 300.000Einwohnern!!! sind ca. 225.000Euro auf jeden Einwohner.

    Mit freundlichen Grüßen

    Bernd

  • Bernd Klehn - 4. Januar 2012

    Die Einwohnerzahl von Luxemburg hatte ich falsch in Erinnerung sind 511.840. Es ergeben sich also nur 131.000 Euro pro Kopf.

  • Wolfgang - 4. Januar 2012

    Monatsblianzen der Bundesbank erscheinen in jedem Monatsbericht der Bundesbank.
    Z.B. http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/monatsberichte/2011/201112mb_bbk.pdf

  • Wolfgang - 4. Januar 2012

    Zu den Beweggründen der hohen deutschen Bargeldemissionen gibt es einen interessanten Aufsatz:
    http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2009/200906mba_eurobargeldumlauf.pdf

  • Wolfgang - 4. Januar 2012

    Ich denke, dass die hohen deutschen Banknotenemissionen im Wesentlichen mit den wirtschaftlichen Verpflechtungen mit ost- und südosteuropäischen Staaten sowie der der Türkei zusammenhängen (Gastarbeiter), die nicht in der EU sind. Bereits die DM war dort Hauptresevewährung. Nun ist es der in Deutschland emittierte Euro.

    Insofern ist es zulässig, sich bei Betrachtungen innerhalb der EU auf den Target2-Saldo zu beschränken.

  • Querschuss - 4. Januar 2012

    Hallo Bernd,
    “Du vergisst den privaten Kapitalmarkt.” Eben gerade nicht. Deutschland hat aktuell einen Kapitalzufluß, deshalb nutzen deutsche Banken kaum noch Refinanzierungsgeschäfte bei der BUBA. Die deutschen Banken refinanzieren sich über den zuströmenden Kapitalzufluss und sind vom Schuldner der Bundesbank zum Gläubiger mutiert, da die Einlagefazilität bei der BUBA durch die deutschen Geschäftsbanken höher ist als die Refinanzierungsgeschäfte mit der BUBA. Genau deshalb stört mich ja der Rückschluß von jmg. Es besteht eindeutig kein Bedarf an zusätzlichen Euro-Banknoten, jedenfalls nicht um Waren und Güter bzw. Vermögenstitel in der Eurozone zu kaufen, die über das Maß hinausgehen, was Deutschland zusteht.

    Wolfgang liefert in seinem Kommentar einen Link zur BUBA, wo die deutsche Bargeldemission mit dem Bedarf vom Ausland in Punkto Bargeldhortung erklärt wird. “Die Bargeldemission in Deutschland hat sich seit der Euro-Bargeldeinführung sehr dynamisch entwickelt. Diese starke Zunahme steht jedoch weniger im Zusammenhang mit einem erhöhten inländischen Bargeldbedarf für Zahlungen als vielmehr mit einer gestiegenen Bargeldhaltung aus Motiven der Wertaufbewahrung und einer verstärkten Nachfrage des Auslands nach Euro-Bargeld. Die Abschätzung des sich im Ausland befindlichen Teils der deutschen Bargeldemissionen ist ausstatistischen Gründen nicht exakt möglich. Schätzungsweise 25% bis 35% der in Deutschland (netto) emittierten Euro-Banknoten befinden sich mittlerweile im Ausland.”

    Dies wäre dann aber eine völlig andere Nummer als die Verwendung der Euro-Banknoten zum Kauf von Waren und Gütern bzw. Vermögenstiteln für Deutschland.

    Vor allem weil im Gegenzug Devisen fließen, die als Aktiva in der Bilanz der BUBA landen dürften. Teile der über das erlaubte Maß gedruckten Euro-Banknoten müsste man korrekter Weise dann aber statt mit den Target2 Forderungen mit den Devisenreserven verrechnen. Zumindestens ist dies so eine ganz andere Nummer, die Sinn ergibt und meine Zweifel an der zwangsläufigen Analogie zur Verrechnung des Euro-Banknotenüberhanges mit Target2 bestätigt.

    Danke an jmg, Wolfgang und dir Bernd, auch wenn wir es vielleicht noch nicht schlussendlich haben, wir sind ein ganzes Stück weiter. Schöne konstruktive Diskussion bei der jeder etwas einbringt und es mir Freude bereitet mich daran zu beteiligen. Danke!!!

    Gruß Steffen

  • jmg - 4. Januar 2012

    In meinem Gedankenexperiment von oben ging ich implizit davon aus, dass die Eurozone allein auf der Welt existiert. Das ist was den Banknotenumlauf anbetrifft keine gute Annäherung an die Realität, wie aus diesem Artikel (“Der Auslandsumlauf von in Deutschland emittierten Euro-Banknoten”) im Monatsbericht der Bundesbank vom Januar 2011 hervorgeht.
    LINK: http://www.bundesbank.de/volkswirtschaft/vo_monatsbericht_aktuell.php
    Dort heisst es auf Seite 43:
    “Die Punktschätzungen für die Anteile am gesamten Umlauf deutscher Euro-Banknoten
    Ende 2009 lassen sich folgendermaßen zusammenfassen. Mit einem Anteil zwischen
    65 % und 70 % ist der Auslandsumlauf die wichtigste Komponente des deutschen Bank-
    notenumlaufs. Nur etwa ein Drittel aller von der Bundesbank netto ausgegebenen Euro-
    Banknoten findet demnach im Inland Verwendung. Der Großteil des Auslandsumlaufs
    befindet sich außerhalb des Euro-Raums. Für den Anteil der dort umlaufenden deutschen
    Euro-Banknoten kommen alle Ansätze auf einen Wert von 45 %. Deutschland ist auch
    Nettoexporteur von Euro-Banknoten in die restliche EWU. Der geschätzte Anteil der
    kumulierten Binnenmigration von Euro-Banknoten aus Deutschland in den restlichen
    Euro-Raum liegt zwischen 15 % und 25 %. Auf die inländischen Hortungsbestände ent-
    fällt ein Anteil zwischen 10 % und 30 %.”

    Die Schätzungen sind sehr ungenau (was die Autoren auch unumwunden einräumen).
    Wenn man aber von diesem hohen Auslandumlauf in Nicht-Eurozonen Ländern
    ausgeht, dann müsste man dies bei den Forderungen/Verbindlichkeiten aus den Banknotenumlauf innerhalb der Eurozone natürlich berücksichtigen, um ein realistisches Bild der Gesamtforderungen/-verbindlichkeiten zu erhalten. Es sieht so aus, dass die Notenbanken des Eurosystems keine genauen Zahlen darüber besitzen, wo die ausgegebenen Banknoten überall rumschwirren. Deshalb, so meine Vermutung, tauchen die auch nirgends in der Nettoauslandposition der Bundesbank auf, was Bernd Klehn zu recht beunruhigt. Die Aufteilung des Banknotenumlaufs wäre wohl nur mit sehr groben Schätzungen möglich und Krach wäre vorprogrammiert.

    Gruß jmg

  • Bernd Klehn - 4. Januar 2012

    Lieber Steffen, Wolfgang, jmg

    Konzentrieren wir uns auf Leistungs- und Kapitalbilanzen also auf die Zahlungsbilanzen. Es gilt die Summen der zwischenstaatlichen Eurozonenkapitalbewegungen zu isolieren, die durch das Eurosystem organisiert worden sind und in der Eurozone zwischenstaatlich mit dem Hauptrefinanzierungssatz zu vergüten sind. Dieses sind nun mal die Summen aus Banknotenallokation und Target2 unter der Herausrechnung der EZB. Die Verwendung dieser Nettokapitalbewegung spielt hierbei keine Rolle. Selbstverständlich die Definition der Nettokapitalbewegung hat einen Haken, keiner weiß wo sich die Anzahl der abweichenden Banknoten wirklich befindet. Zuerst dachte ich, dass Zentralbankliquiditätsabweichungen generell mit dem Hauptrefinanzierungssatz zu vergüten sind, bis ich feststellte, dass ein Unterschied zwischen Sichteinlagen (Target2) und Bargeld vorgenommen wird. Tatsächliche Kapitalbewegung, vermutete Kapitalbewegung. Ich wäre dafür generell dafür Zentralbankgeldabweichungen (gleich ob Bargeld oder Sichteinlage) als Eurozonennettokapitalbewegung zu definieren und das unterschiedliche benutzen der Druckerpresse zu vergüten. Die hierbei zu vergütenden Zinssätze sollten vom EZB-Rat unabhängig vom Hauptrefinanzierungssatz festgelegt werden und sich dem Ziel einer stabilen Eurozone unterordnen, siehe Keynes Bancor-Plan, Dämpfung der Leistungsbilanzunterschiede als Grundlage einer stabilen Währungsunion. Im Augenblick provoziert das Eurosystem das Gegenteil und gefährdet sich selber.

    Mit sehr freundlichen Grüßen an euch Alle

    Bernd

    • dank - 4. Januar 2012

      Sehr interessante Diskussion!!!

      @Steffen, Wolfgang, jmg, Bernd

      I. Was wäre denn, wenn die BB Banknoten unter “Banknotenumlauf ” hier EuroScheinchen-Verbindlichkeiten aus anderen Ländern übernimmt, weil via Target 2 doch eine Grenze erreicht wird? Ist das im Euro-System überhaupt theoretisch möglich / gibts dafür ein Instrument?

      II. Wäre das nicht auch eine Erklärung das es in Luxemburg ähnlich aussieht?

      III. Warum sollte gerade JETZT jemand das Schwarzgeld aus Luxemburg in Euros abholen, anstatt gleich in einer anderen Währung?

      IV. Hat denn auch Finnland hier seit “kurzem” erhöhte Verbindlichkeiten?

      V. Kann die Differenz aus 27.06 Prozent und 48.70 Prozent nicht darauf hinweisen, dass andere Länder gar keine Scheinchen mehr drucken dürfen – oder das auch irgendwie mit Haftungssummen zu tun hat und das die BB dafür in Ihre Verbindlichkeiten übernimmt, weil die noch Luft hat?

      • Querschuss - 4. Januar 2012

        Hallo dank,
        ich würde als Resümee aus der bisherigen Diskussion ziehen, das die Euro-Banknoten die Deutschland über den Zuteilungsschlüssel hinaus gedruckt hat, eine Verbindlichkeit, weder mit dem positiven Target2 Saldo (Forderung) verrechnet werden können, noch eine ähnliche Funktion haben bzw. übernehmen wie bei Target2. Auch die Datenreihe der BUBA mit den zuviel in Umlauf bebrachten Euro-Banknoten spricht für diese These, denn die Verbindlichkeiten aus der Begebung der Euro-Banknoten sind schon seit langen Hoch und vor allem steigen sie stetig und gleichmäßig. Kein Vergleich zu den Auschlägen bei Target2. Siehe Datenreihe: http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&open=ewu&func=row&tr=TUB639

        Gruß Steffen

        • dank - 4. Januar 2012

          Ok, danke für den Link.
          Klar, zum Teil werden sicherlich auch immer mehr Euros unterm Kopfkissen gebunkert – aber Luxemburg macht mich da schon nachdenklich, denn auf so viel Scheinen schlafen die doch gar nicht gut…

          Ist das dann mit der Steigerung der Verbindlichkeiten bei den PIIGSFB Ländern praktisch ähnlich oder gibt es da einen Einbruch (was ja bedeuten würde, dass real weniger Geld gedruckt wurde) ?

          • Querschuss - 4. Januar 2012

            Hallo dank,
            dies sind vor allem Euro-Banknoten auf denen in der Nicht-Eurozone geschlafen wird. Griechenland druckt auf jeden Fall auch zu viel und dies ist wie bei der BUBA eine Verbindlichkeit, bei den anderen müsste ich nachsehen, habe ich nicht im Kopf bzw. sieht man eh nur bei den nationalen Notenbanken die eine detaillierte monatliche Bilanz veröffentlichen.

            Gruß Steffen

  • jmg - 4. Januar 2012

    Kann mich dem Resümee von Steffen leider nicht anschliessen, aber dadurch ergibt sich ja
    gerade eine lebendige Diskussion -:)
    Die von den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind wie die Target2 Verrechnungskonten Zentralbankgeld. Werden also gegen Sicherheiten von den Zentralbanken an die Geschäftsbanken ausgegeben. Sie erfüllen die gleiche Funktion als Zahlungsmittel wie die Target2-Konten. Daher sollte eine übermässige Banknotenemission eines Landes prinzipiell wie Target-Verbindlichkeiten eines Landes gesehen werden. Im Unterschied zu den Target2-Konten kann man die Banknotenhaltung der Eurozonen Bevölkerung aber nur sehr ungenau erfassen. Daher lässt man sie in der Praxis unter den Tisch fallen. Wenn jeder Eurozonenbewohner und jede Banknote mit einem Sender ausgestattet wäre, und damit der Banknotenumlauf lückenlos überwacht werden könnte, dann könnte und MÜSSTE man sie m.E. ins Zahlenwerk aufnehemn.

    Gruß jmg

    • Querschuss - 5. Januar 2012

      Hallo jmg,
      macht nichts, stimmt ergibt eine lebendige Diskussion. Meiner Meinung nach ist es legitim dies unter den Tisch fallen zu lassen. Denn es macht einen erheblichen Unterschied, ob zuviel gedruckte Euro- Banknoten der BUBA, bei einem Bosnier oder Kosovaren unter dem Kopkissen liegen, bei einer türkischen Geschäftsfrau bar im Schließfach in Istanbul oder eben wie ursprünglich vermutet Deutsche Waren, Güter und Vermögenstitel in der Eurozone von diesen Euro-Banknoten erwerben über das hinaus, welches Deutschland laut Verteilungsschlüssel an Banknoten zusteht. In Deutschland zuviel gedruckte Banknoten übernehmen eine Art Leitwährungs bzw. Reservewährungsfunktion und decken den Bedarf an Bargeldhortung im Nicht-Eurozonenland. Im Gegenzug fließt ein Äquivalent an ausländischen Währungen der Euro-Horter an die BUBA.

      Das hat wenig bzw. gar nichts mit dem zu tun was bei Target2 passiert. Nur wenn man es auf die übergeordnete Ebene, Metapher, des Zahlungsmittel abstellt, gebe ich dir Recht, nur für die aktuellen Probleme innerhalb der Eurozone hat Bargeldhortung von Euro außerhalb der Eurozone keine Bedeutung.

      Gruß Steffen

  • jmg - 5. Januar 2012

    @Steffen
    “Meiner Meinung nach ist es legitim dies unter den Tisch fallen zu lassen.”
    Ja, wobei unsere Begründungen unterschiedlich ausfallen. Die Banknoten die für grenzüberschreitende Transaktionen mit Nicht-Euro Ländern verwendet werden, müssen natürlich unberücksichtigt bleiben. Da stimme ich uneingeschränkt zu. Den Rest, soweit er die jeweilige Zuteilungsschlüssel überschreitet würde ich gerne miteinbeziehen.
    Das ist aber leichter gesagt als getan. Die Zentralbanken im Eurosystem wissen nicht genau wo ihre Banknoten weltweit landen und auch nicht innerhalb der Eurozone. Daher lautet meine Begründung für das “unter den Tisch fallen lassen” in aller Kürze: Im Prinzip ja, praktisch nicht machbar. Letztendlich führen beide Begründungen zum gleichen Ergebnis.

    Gruß jmg

    • Querschuss - 5. Januar 2012

      Hallo jmg,
      nur das Ergebnis zählt, aber Spaß beiseite, danke für deine Kommentare, sind eine echte Bereicherung!

      Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 5. Januar 2012

    Lieber Steffen,

    für DM Zeiten mag deine Betrachtung stimmen. Damals standen die durch den Zentralbankkapitalexport entstanden Gewinne und Verpflichtungen alleine der Bundesbank zu. Die DM wurde sehr stark im Ausland als Devisenreserve gehalten (als Bargeld oder DM-Sichtguthaben). 14% Weltwährungsreserve! Mit dem Euro sank die Größenordung und die Gewinne und Verpflichtungen wurden vergemeinschaftet (Deutschland jetzt 27% am Euro). Das Bargeld welches im EURO-Ausland herumschwirrt, sind halt Euros und keine deutschen Euros. Abweichungen an der ausländischen Eurobargeldverteilung müssen verrechnet werden. Wenn Deutschland für 100Mrd. Bargeld ins Ausland exportiert ist dieses de Facto nur ein deutscher Kapitalexport von 27Mrd. der Rest stammt von den anderen Eurostaaten zwar nicht physisch aber als Eurosystembeitrag und wird dort entsprechend über die Bankennotenallokation als Kapitalexport bei deren NZBs verbucht.

    Gruß Bernd

  • Querschuss - 5. Januar 2012

    Hallo Bernd,
    diese Sicht kann ich nicht wirklich nachvollziehen, wenn die spanische Zentralbank angenommen 60 Mrd. Euro bei der BUBA gezogen hat, also dies eine Forderung der BUBA ist, warum willst du dies mit angenommen 35 Mrd. Euro verrechnen, welche als Bargeldhortung ins Bosnien, der Türkei und anderswo im Nicht-Eurozonenland unterm Kopfkissen oder wo auch immer liegen?

    Nicht nur das das Eine mit dem Anderen nichts zu tun hat, außer das es eine Forderung Target2 und eine Verbindlichkeit zuviel emittierte Euro-Banknoten darstellt. Auch ist ja für den in der Türkei unterm Kopfkissen liegenden Euro eine andere Devise zur Buba geflossen.

    Jmg zitierte aus dem Monatsbericht der Bundesbank vom Januar 2011: “65 % und 70 % ist der Auslandsumlauf die wichtigste Komponente des deutschen Banknotenumlaufs. Nur etwa ein Drittel aller von der Bundesbank netto ausgegebenen Euro-Banknoten findet demnach im Inland Verwendung. Der Großteil des Auslandsumlaufs befindet sich außerhalb des Euro-Raums. Für den Anteil der dort umlaufenden deutschen Euro-Banknoten kommen alle Ansätze auf einen Wert von 45 %.”

    Letztlich sind dies alles Details und ob man nun die Euro-Banknoten mit Target2 verrechnet oder nicht, ändert dies nicht an den aufgebauten Verwerfungen in der Eurozone.

    Lieben Gruß
    Steffen

  • Bernd Klehn - 5. Januar 2012

    Lieber Steffen,

    ich versuche noch mal zu erklären wie ich es sehe. Wir bilden eine gemeinsame Kasse und drucken Geld 400Euro, du, jmg, Wolfgang und ich erhalten je 100Euro. Soweit so gut, jetzt drucke ich 100Euro nach und kaufe dafür in der Türkei ein. Dann sagt ihr halt stop, so haben wir nicht gewettet, aus deinem separaten gelddrucken und deinem Einkauf in der Türkei stehen uns je 25Euro zu. Ich habe jetzt 75Euro Schulden bei euch, dieses ist auch richtig so. Der einzige Unterschied zwischen Taget2-Schulden und den Banknotenschulden besteht darin, das die Target2-Sichteinlagenschuld erst beim verlassen des Landes (in welches Land auch immer) entsteht die Bargeldnotenschuld aber bereits beim Druck.

    Liebe grüße Bernd

  • jmg - 5. Januar 2012

    @ Bernd Klehn
    Um beim Türkei Beispiel zu bleiben: Die entscheidende Annahme in dem Beispiel steckt implizit in dem Satz, “jetzt drucke ich 100 Euro nach und kaufe dafür in der Türkei ein” . Problem: was ist wenn man nicht feststellen kann, ob die 100 Euro von Bernd Klehn, Wolfgang, Steffen oder mir stammen. Das scheint mir in der Realität der Fall zu sein, weil man die Banknotenzirkulation in der Eurozone und zwischen der Eurozone und den Nicht-Eurozonenländern nicht genau erfassen kann.

  • Bernd Klehn - 6. Januar 2012

    @jmg

    In einer Währungsgemeinschaft es im Grunde unerheblich von wem das Zentralbankgeld stammt und wofür es verwendet wird. Ich muss eigentlich schon bei der Erzeugung den Partnern ihren Anteil abgeben. Zuerst dachte ich, dass dieses Grundprinzip des Eurosystems, was bei der Banknotenallokation ja auch so festgeschrieben ist, auch für die Sichteinlagenbuchführung der NZBs so gelten würde, bis ich hier aber durch Sinn und Co. feststellte, dass hier auf den Landesübertritt des Zentralbankgeldes abgehoben wird. Auf welcher Rechtslage und Vorschrift diese unterschiedliche Behandlung von Bargeld und Sichteinlage innerhalb des Eurosystems sich überhaupt ableitet, ist mir bis heute völlig unklar.