Target2 mit aberwitziger Steigerung zum Vormonat

von am 12. Oktober 2011 in Allgemein

Wer stoppt den Wahnsinn, mag man angesichts der Tatsache fragen, das Monat für Monat  die Forderungen Deutschlands gegenüber den schwächeren Mitgliedern der Eurozone steigen, nicht nur über die Bürgschaften und Garantien der Rettungspakete, sondern auch über das Target2 Zahlungssystem (Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer System). Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB schossen im September 2011, laut den heute veröffentlichten Daten, um +59,188 Mrd. Euro auf ein neues Rekordhoch mit 461,927 Mrd. Euro, nach 402,739 Mrd. Euro im Vormonat.

Die Eurokraten sind völlig außer Kontrolle und mit ihnen der Saldo aus dem Target2 Zahlungssystem. Der Anstieg der Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt, mit +59,188 Mrd. Euro zum Vormonat, war der höchste jemals verzeichnete Anstieg in der Datenreihe der Bundesbank, hier der Blick auf die Entwicklung der Forderungen (Kredite) der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich nur bei maximal 15 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung mit exponentieller Funktion, welche im September 2011 in einem Rekordniveau von 461,927 Mrd. Euro mündete.

Von den Forderungen insgesamt, gingen auf das Konto nur der Forderungen gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto), welches den Saldo aus dem abgewickelten Zahlungsverkehr im so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2) abbildet, fulminante 449,611 Mrd. Euro, ebenfalls ein Allzeithoch und ein Anstieg von +59,168 Mrd. Euro zum Vormonat.

Unverantwortlich werden über Target2 beschleunigt weiter Forderungen gegenüber der Südperipherie und Irland aufgebaut, wohlwissend, dass diese uneinbringlich sind!

Dies verdeutlicht auch noch einmal, dass die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands, Zeichen der enormen Wettbewerbsfähigkeit, Pyrrhussiege sind, da sie immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland erhöhen. Gegenüber der Südperipherie der Eurozone findet deren Defizitfinanzierung der Leistungsbilanz sowie die Liquiditätssicherung der Banken u.a. auch über den Kapitalexport via Target2 statt, wie die Verrechnungssalden des Target2 System im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) zeigen. Zugleich sind die Target2 Salden ein enormer Krisenindikator, denn mit deren brachialen Wachstumsraten wird die Finanzierung der PIGS-Länder (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) nicht mehr über den Kapitalmarkt, sondern von den Druckerpressen der Zentralbanken übernommen.

Angesichts des starken Anstieges des Target2 Saldo der Deutschen Bundesbank dürfte deutlich werden, wie abwegig die Relativierungen in einigen Medien zu Target2 waren. Fakt ist, es handelt sich eindeutig um eine Kreditfinanzierung der PIGS und der erreichte Level ist Lichtjahre von kurzfristigen Verrechnungssalden entfernt und man muss kein Pessimist sein, um zu erahnen, dass die Verwerfungen innerhalb der Eurozone außer Kontrolle geraten sind und eine Wendung zum Positiven immer weiter aus der Reichweite gerät.

Quelle Daten: Bundesbank.de/Datenbank: Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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1 KommentarKommentieren

  • Mike - 30. November 2011

    Die Target2 Salden sind auf der folgenden Seite detailliert diskutiert worden:
    http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/10/13/ezb-widerspricht-sinn-bei-target2/

    Wenn ich das richtig verstanden habe, kommen die Kredite – nicht wie im Beitrag oben beschrieben von Deutschland – sondern aus den jeweiligen Nationalen Zentralbanken der Länder, die mit Deutschland Handel treiben, also sozusagen öffentliches Zentralbankgeld als Ersatz für privates Investitionskapital. Die bei der deutschen Bundesbank auflaufenden Forderungen gegenüber den Zentralbanken der hochverschuldeten Südländern würden bei einem Zahlungsausfall der Schuldner über die EZB abgeschrieben. Und das widerum bedeutet für den deutschen Steuerzahler eine Beteiligung an den Abschreibungen in Höhe von 28%, im Falle einer Haftung für Griechenland z.B. 110 Milliarden Euro. Im gesamten Euroraum bleiben die Targetsalden nach Aussage der EZB jedoch ein Nullsummenspiel, da gleichezitig bei der deutschen Bundesbank weniger Zentralbank-Kredit in Anspruch genommen werden muß.

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