Target2 mit aberwitziger Steigerung zum Vormonat

von am 12. Oktober 2011 in Allgemein

Wer stoppt den Wahnsinn, mag man angesichts der Tatsache fragen, das Monat für Monat  die Forderungen Deutschlands gegenüber den schwächeren Mitgliedern der Eurozone steigen, nicht nur über die Bürgschaften und Garantien der Rettungspakete, sondern auch über das Target2 Zahlungssystem (Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer System). Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB schossen im September 2011, laut den heute veröffentlichten Daten, um +59,188 Mrd. Euro auf ein neues Rekordhoch mit 461,927 Mrd. Euro, nach 402,739 Mrd. Euro im Vormonat.

Die Eurokraten sind völlig außer Kontrolle und mit ihnen der Saldo aus dem Target2 Zahlungssystem. Der Anstieg der Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt, mit +59,188 Mrd. Euro zum Vormonat, war der höchste jemals verzeichnete Anstieg in der Datenreihe der Bundesbank, hier der Blick auf die Entwicklung der Forderungen (Kredite) der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich nur bei maximal 15 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung mit exponentieller Funktion, welche im September 2011 in einem Rekordniveau von 461,927 Mrd. Euro mündete.

Von den Forderungen insgesamt, gingen auf das Konto nur der Forderungen gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto), welches den Saldo aus dem abgewickelten Zahlungsverkehr im so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2) abbildet, fulminante 449,611 Mrd. Euro, ebenfalls ein Allzeithoch und ein Anstieg von +59,168 Mrd. Euro zum Vormonat.

Unverantwortlich werden über Target2 beschleunigt weiter Forderungen gegenüber der Südperipherie und Irland aufgebaut, wohlwissend, dass diese uneinbringlich sind!

Dies verdeutlicht auch noch einmal, dass die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands, Zeichen der enormen Wettbewerbsfähigkeit, Pyrrhussiege sind, da sie immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland erhöhen. Gegenüber der Südperipherie der Eurozone findet deren Defizitfinanzierung der Leistungsbilanz sowie die Liquiditätssicherung der Banken u.a. auch über den Kapitalexport via Target2 statt, wie die Verrechnungssalden des Target2 System im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) zeigen. Zugleich sind die Target2 Salden ein enormer Krisenindikator, denn mit deren brachialen Wachstumsraten wird die Finanzierung der PIGS-Länder (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) nicht mehr über den Kapitalmarkt, sondern von den Druckerpressen der Zentralbanken übernommen.

Angesichts des starken Anstieges des Target2 Saldo der Deutschen Bundesbank dürfte deutlich werden, wie abwegig die Relativierungen in einigen Medien zu Target2 waren. Fakt ist, es handelt sich eindeutig um eine Kreditfinanzierung der PIGS und der erreichte Level ist Lichtjahre von kurzfristigen Verrechnungssalden entfernt und man muss kein Pessimist sein, um zu erahnen, dass die Verwerfungen innerhalb der Eurozone außer Kontrolle geraten sind und eine Wendung zum Positiven immer weiter aus der Reichweite gerät.

Quelle Daten: Bundesbank.de/Datenbank: Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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50 KommentareKommentieren

  • GasKlaus - 12. Oktober 2011

    Zunächst mal vielen vielen Dank für Deine immer wieder erhellenden Querschüsse.
    Das ist ja Wahnsinn was da ab geht. Ich denke mal ‘die Kake’ ist richtig am dampfen und keiner hat eine Lösung. Man kann ja das Wort Kriesengipfel schopn nicht mehr hören. Und es ist alles noch viel schlimmer, wie Steffen aufzeigt.
    Jetzt hilft nur noch rette sich wer kann. Beim € gibt es nichts mehr zu retten.

  • Ralf - 12. Oktober 2011

    Was ich – als Laie – dabei noch nicht verstanden habe ist, woher die Bundebank das Geld hat das über TARGET2 verliehen wird. Habe ich mir hier eine im prinzip “normale” Bank vorzustellen die entsprechend Kredite vergibt? Wie hoch ist dann eigentlich das Eigenkapital der Bundesbank?

    • Mike - 30. November 2011

      Die Target2 Salden sind auf der folgenden Seite detailliert diskutiert worden:
      http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/10/13/ezb-widerspricht-sinn-bei-target2/

      Wenn ich das richtig verstanden habe, kommen die Kredite – nicht wie im Beitrag oben beschrieben von Deutschland – sondern aus den jeweiligen Nationalen Zentralbanken der Länder, die mit Deutschland Handel treiben, also sozusagen öffentliches Zentralbankgeld als Ersatz für privates Investitionskapital. Die bei der deutschen Bundesbank auflaufenden Forderungen gegenüber den Zentralbanken der hochverschuldeten Südländern würden bei einem Zahlungsausfall der Schuldner über die EZB abgeschrieben. Und das widerum bedeutet für den deutschen Steuerzahler eine Beteiligung an den Abschreibungen in Höhe von 28%, im Falle einer Haftung für Griechenland z.B. 110 Milliarden Euro. Im gesamten Euroraum bleiben die Targetsalden nach Aussage der EZB jedoch ein Nullsummenspiel, da gleichezitig bei der deutschen Bundesbank weniger Zentralbank-Kredit in Anspruch genommen werden muß.

  • Aze - 12. Oktober 2011

    Danke für die Aufklärung.

    Gibt es ein neues ChiMerika in Europa? Und wie löst man ein solches Problem demokratisch legitimiert und schadlos?

  • anon - 12. Oktober 2011

    Target2 ist doch auch nur ein Symptom der Fehlkonstruktion der Eurozone. Der Refinanzierungsbedarf von GIPS-Banken steigt nun einmal, wenn GIBS-Bürger ihre Einlagen in ‘sichere’, deutsche Banken überweisen. Folglich sinkt auch der Refinanzierungsbedarf deutscher Banken bei der Bundesbank von 268 Mrd. Ende 2007 auf nur noch 45,8 Mrd. im Juli 2011.

    Wenn man Target2 Salden beschränken will, muss man Kapitalverkehrskontrollen innerhalb der Eurozone einführen und dann kann man die gemeinsame Währungszone auch gleich aufgeben…

  • matt_us - 12. Oktober 2011

    Wenn auslauendische Banken sich ueber Target 2 finanzieren nur weil deutsche Banken und Firmen Geld aus dem Ausland abziehen heisst das noch langen nicht, dass die auslaendischen Banken oder Firmen rational handeln.

    Das sind halt Teil der verruecktgewordenen Maerkte. Nur, das Risiko ist nicht groesser geworden, nur weil Banken und Firmen das glauben. Und weil die EZB die Zentralbank fuer die ganze EUrozone ist, koennen die Betraege enorm riesig werden.

    Das Risiko steigt erst, wenn deutsche Politker und der Juncker munter von Schuldenschnitt plaudern der mindestens 50 oder 60% sein muss. Seitdem die das machen, haben wir die Panik – vielen Dank an den FDP Vorsitzenden, der das ganze fuer eine gute Wahlkampfidee hielt, und damit anfing.

    Die Leute gehoeren abgesetzt, die ganze Riege von Juncker bis Asmussen, Roesler bis Merkel!

  • M.E. - 12. Oktober 2011

    Stück für Stück werden sich zukünftig größere Teile der im Chart aufgezeigten explosiv steigenden Summen als Schenkungen der deutschen Steuerzahler an ausländische Gläubiger herausstellen.
    Schuldenbremse geht anders. Das ist ein Schuldenturbo – für die weitere Zukunft. Damit wird dafür gesorgt, dass die letzten Inseln RELATIVER finanzieller Stabilität vom Schuldentsunami überschwemmt werden.
    Es ist ja schon bemerkenswert, dass ein Land mit unhaltbaren 83% staatlichen Verschuldungsgrades zum BIP (Tendenz weiter steigend) heute schon als relative Insel der Stabilität betrachtet wird. Irre Zeiten sind das.

  • SLGramann - 12. Oktober 2011

    @matt_us, ich glaub, ich verstehe Deine Logik nicht. Zum einen halte ich es wie anon für möglich, dass GIPS-Bürger ihre Einlagen aus den Banken dieser Staaten abziehen. Ob man das also alles daran fest machen kann, dass deutsches Geld repatriiert wird, bezweifle ich. Vor allem aber ist es rational, Geld aus dem Süden abzuziehen – und zwar für jeden. Da können die Rettungseuropäer ja ihre Propaganda verbreiten wie sie wollen, aber der Süden ist nicht(!) konkurrenzfähig, wird es auch nicht(!) werden und ist deshalb strukturell unfähig, seine Schulden zu bezahlen. Das ist ein Fakt, so sicher wie die Schwerkraft. Die einzigen Verrückten, die da weiter Geld reinpumpen sind Politiker in ihrem Größenwahn – das kennt man ja in Deutschland. Die Welt als Wille und Vorstellung usw. Über Bürgschaften (die zu Transfers werden), Anleihekäufe der EZB (die zu Zahlungsausfällen und Rekapitalisierungsbedarf werden) und Target 2 (was ebenfalls zu einem Zahlungsausfall wird) bleiben die Zahlungspflichten am Ende am deutschen Steuerzahler hängen. Aber an wem auch sonst? Für Größenwahn muss man zahlen. Verluste muss jemand tragen. Die Deutschen – gleichzeitig größenwahnsinnig und dümmlich-ignorant – sind genau die, die es völlig zu recht trifft – auch das alles wie schon gehabt.

  • killing fields - 12. Oktober 2011

    Hallo,
    Verstehe ich das richtig?
    Südeuropäische Bürger und/oder deutsche Firmen ziehen Kapital aus besagten Ländern ab und über TARGET 2 holt sich die Zentralbank des betroffenen Staates die Penunze bei der Buba wieder um Konten auszugleichen? Das ist wohl ein Scherz, oder?

  • klaus - 12. Oktober 2011

    Hallo An Alle.

    Querschuss lügt ? ROFLBITC

    Schäuble will die Druckerpresse nicht anwerfen und verlange stärkere private
    Beteiligung. Also ist die Sozialisierung der Kosten über Druckerpresse ausgeschlossen?

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schaeuble-pocht-auf-beteiligung-privater-glaeubiger/4748312.html

    Was der Schäuble doch ein clever Kerlchen ist.
    Einfach toll.

    Zum Rest im ersten bei PLUSMINUS kommt heute abend un 21.45 Uhr,
    wie sich griechische Geldflüchtlinge in Berlin mit Edel-Immos eindecken.

    Es ist nur gerecht, wenn wir dazu ein Kleingeld-Paketchen vom
    Steuerzahler, welcher auch weiterhin über seine Verhältnisse lebt,
    nach Griechenland schicken.

    Na das wird ein tolle Geschichte.
    Die sollte man wirklich den Kindern in der Schule öfter erzählen.
    Sonst fehlt ihnen vermutlich morgen das Verständnis.

    Es geht bergauf mit dem DAX.

    Ackermann macht weiter bis April und räumt noch bis dahin etwas
    Personal um. Zwischen 5 und 10 Prozent sollten es sein.

    In einer Woche ist es etwas mehr.

    Grüße Klaus

  • Querschuss - 12. Oktober 2011

    zuerst einmal werden über Target2 vor allem die Leistungsbilanzdefizite finanziert. Wenn Einlagen zum Beispiel aus Griechenland abgezogen werden und diese in Deutschland landen steigt Target 2 nicht, sondern nur wenn die betroffenen griechischen Banken diesen Kapitalabzug über Target 2 ausgleichen.

    @Ralf,
    die Buba besitzt nicht das Geld oder einen Gegenwert, sondern der Target2 Saldo ist eine zusätzliche Geldschöpfung.

    Wichtig ist, dass in einem aberwitzigen Volumen ohne demokratische Legitimation die Finanzierung der PIGS über Target2 stattfindet und dies ohne das die Bundesbank etwas dagegen tun kann. Wichtig ist auch das in der Target2 Konstruktion keine Limitierung vorgesehen ist, da naiv immer von kurzfristigen Verrechnungssalden ausgegangen worden ist!

    Mal wieder von Prof. Sinn und etlichen die wissen müssen wie es läuft, eine hundertseitige PDF zum Thema Target2:
    http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1209833.PDF

    Gruß Steffen

  • Russe - 12. Oktober 2011

    Wer stoppt den Wahnsinn
    _

    Niemand, Steffen, niemand.

    ____

    >>Das Unbehagen der Slowakei, dem erweiterten Euro-Rettungsschirm zuzustimmen, legt die Schwächen in der Architektur der Währungsunion offen. Es mangelt an Führung.<<
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13657193/Die-Vormundschaft-der-Starken-ueber-die-Schwachen.html

    Vollkommen unmissverständlich, oder? Die Demokratie-Spielchen sind vorbei. :-)

  • marc - 12. Oktober 2011

    was bedeutet der neue Stand von 461 Mrd € bzgl. der Analyse vom Prof. Sinn in diesem Video (~42:00) http://www.youtube.com/watch?v=tvcN1gkaEew&feature=youtu.be

    1 Monat noch, dann Inflation ?

  • klaus - 12. Oktober 2011

    Deutschland wird wohl zurückgestuft.

    http://news.businessweek.com/article.asp?documentKey=1376-LQFP0B0UQVI901-0HH2H754M6A65HTGAA3K6PBQJ7

    In Singapur ist es in den nächsten 3 Monaten soweit.

    Jetzt noch ein paar Schneeflocken und Ebbe im Bausektor
    und ein AA- ist absolut gerechtfertigt.

    Da hilft es nix mehr die Alten länger arbeiten zu lassen.

    Bald kommt Stimmung auf.

    Mal gespannt, wie wir das mit den 40 Mrd. durchs
    Downgrade erklärt bekommen.

    Es geht voran.

    Grüße Klaus

  • anon - 13. Oktober 2011

    @Querschuss
    Hast du den das von dir verlinkte PDF gelesen? Ich empfehle S. 71-74.

    So steht auf S. 73:
    “Eine Unterscheidung zwischen Zentralbankgeld, welches eine Zentralbank des Eurosystems in Refinanzierungsgeschäften mit gebietsansässigen Banken schafft, und solchem, das in anderen Ländern bereit gestellt wurde und den Banken über Target2 zufließt, ist im Rahmen einer Währungsunion irrelevant.
    Ein Euro ist ein Euro, unabhängig davon, welche der nationalen Zentralbanken ihn in Umlauf bringt.
    [...]
    Eine direkte Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten durch die Notenbanken fand jedoch und findet auch zukünftig nicht statt. Dies zeigen auch Bindseil und König (2011) sowie Buiter et al. (2011), indem sie Leistungsbilanzsalden und Veränderung von Target2-Positionen einzelner Länder im zeitlichen Verlauf gegenüberstellen.
    Das Beispiel Irlands, dessen Leistungsbilanz in den letzten Jahren von einem starken Defizit in den Überschussbereich drehte, belegt im Übrigen, dass dies nicht mit einer entsprechenden Verringerung der Target2-Salden einhergehen muss; der irische Passivsaldo ist in diesem Zeitraum sogar stark angewachsen.
    Dies verdeutlicht, dass hinter den Target2-Salden zuvorderst die Probleme in den Bankensystemen der EWU-Peripherie stehen.”

    Sinn’s einseitige Interpretation der Target2-Salden ist einseitig und wird offen widersprochen in der Wissenschaft.

    Link auf das im Zitat erwähnte Buiter et al 2011:
    http://www.cepr.org/pubs/PolicyInsights/PolicyInsight57.pdf

  • Wolfgang - 13. Oktober 2011

    Seit 2007 übernimmt die EZB die Finanzierung der deutschen Exportüberschüsse.
    Vorher hat das Geschäftsbankensystem diese Finanzierung übernommen. M.E.
    handelt es sich bei der TARGET2-Finanzierung um eine Subventionierung der
    deutschen Exportwirtschaft durch die EZB.

  • MagnaBavaria - 13. Oktober 2011

    Hier findet ihr auch noch ein paar entmutigende Zahlen:
    http://blog.markusgaertner.com/2011/10/13/wahrlich-erschreckende-zahlen/

  • Querschuss - 13. Oktober 2011

    Hallo Anon,
    “Ein Euro ist ein Euro, unabhängig davon, welche der nationalen Zentralbanken ihn in Umlauf bringt.”

    Anon für was ist das relevant, habe ich irgendwo gesagt, dass ein aus Target2 gezogener Euro kein Euro ist, nein, nur egal bei welcher Notenbank dieser Euro als Forderung entsteht, es ist ein neu geschöpfter Euro. Du versuchst die Handlungen über Target2 zu relativieren, wie auch schon beim Ankauf der Staatsanleihen durch die EZB. Mich überzeugst Du damit nicht. Es liegt nahe das der private Kapitalmarkt die PIGS nicht mehr finanziert und diese Finanzierung u.a. via Target2 läuft. Und natürlich müssen vor allem die immer noch auflaufenden Leistungsbilanzdefizite finanziert werden. Wenn auf 100 Seiten hunderte Passagen stehen, die darauf hinweisen, das Target2 für den Ausgleich der Leistungsbilanzen verwendet oder im weitesten Sinne zum Ausgleich der Zahlungsbilanz, (so Schlesinger Ex Bubapräsident), nimmst Du Passagen heraus die was beweisen?

    Für was stehen denn die 461 Mrd. Euro an Forderungen der Bundesbank für dich? Warum lag der Target2 Saldo von 1999 bis 2007 max. bei 15 Mrd. Euro im Durchschnitt und jetzt beim dreißigfachen?

    Letztlich wird es immer verschiedene Interpretationen geben, nur das ist nicht der entscheidende Punkt, sondern bei Target2 handelt es sich um eine verdeckte Kreditfinanzierung. In meinem Artikel steht doch auch, dass über Target2 der Liquiditätsbedarf der Banken gedeckt wird.
    Ob nun Prof. Sinn in dem einen oder anderen Punkt falsch liegt oder über das Ziel hinausschießt ist eigentlich irrelevant, denn es ändert am Fakt einer Form von Kreditfinanzierung über Target2 nichts, eröffnet aber die Möglichkeiten in akademischen Diskussionen, ob im Herdentrieb, Handelsblatt usw. über die Details der Interpretation vom eigentlichen Kern abzulenken, so interpretiere ich auch Dein Statement.

    Ein guter Tipp ist, die PDF durchzulesen, so kann sich jeder Leser selbst eine Meinung bilden.

    Gruß Steffen

  • Wolfgang - 13. Oktober 2011

    Der Target2 ist der größte Vermögensgegenstand in der Bilanz der Bundesbank.
    Wenn es nur ein Verrechnungssaldo wäre, wäre die Bilanz nicht testierfähig.

  • calculate - 13. Oktober 2011

    Aus dem Monatsbericht der deutschen Bundesbank von März 2011:


    Risiken aus der TARGET2-Forderung

    Für die Bundesbank ergibt sich aus dem Anstieg ihrer TARGET2-
    Verrechnungssalden unmittelbar keine Veränderung ihrer Risikolage.
    Diese ist unabhängig von den TARGET2-Postionen und
    ergibt sich durch die in der Liquiditätsbereitstellung des Eurosystems
    enthaltenen Risiken. Durch die Ausweitung der Refi nanzierungsgeschäfte
    und die Anpassungen im Sicherheitenrahmen
    während der Finanzkrise ist das Eurosystem insgesamt gesehen
    zwar durchaus zusätzliche fi nanzielle Risiken eingegangen; dies
    geschah jedoch durch eine bewusste Entscheidung des EZB-Rats,
    um die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems unter erschwerten
    Bedingungen zu erhalten.
    Ein Verlustfall tritt nur dann ein, wenn ein Geschäftspartner des
    Eurosystems ausfällt und die von ihm hinterlegten Sicherheiten
    bei ihrer Verwertung trotz der vom Eurosystem angewandten
    Risikokontrollmaßnahmen nicht den vollen Wert der damit abgesicherten
    Refi nanzierungsgeschäfte einbringen. Er trifft immer
    das Eurosystem als Ganzes, unabhängig davon, bei welcher
    nationalen Zentralbank er sich materialisiert. Die Lasten eines
    solchen Ausfalls würden entsprechend dem Kapitalschlüssel auf
    die nationalen Zentralbanken verteilt. Mit anderen Worten: Die
    Risikoposition der Bundesbank wäre unverändert, wenn der
    ausgewiesene positive Verrechnungssaldo aus TARGET2 nicht
    bei der Bundesbank, sondern in gleicher Höhe bei einer anderen
    Notenbank des Eurosystems anfiele.

    Gemäß Kapitalschlüssel von Januar 2011 beträgt der Anteil der
    Deutschen Bundesbank 19,2 %

    ciao. calculate

  • andreas - 13. Oktober 2011

    das ist gut erklärt unter http://www.wiwo.de vom 23.2.2011 unter der überschrift: “bundesbank-forderungen. das risiko trägt der deutsche steuerzahler”.

  • Duke van Hudde - 13. Oktober 2011

    @calculate

    Warum schöpft dann die EZB nicht das Geld und warum muss das die Bundesbank machen?
    Glaubst du das wenn es zum Ende des Euros kommt und sollten die MRD fällig werdne bin ich mir sicher das das Ende ist das ein Kassensturz gemacht wird und man die Bundesbank MRD ausgleicht mit ihrne Anteil von 19,2 %
    Was glaubst du wieviele die PIGS Staaten ausgleichen werden,den bei ihen sind ide MRD ja quasi verloren gegangen oder haben die nicht andere Probleme.Das würde unserne Anteil erhöhen.
    Glaubst ud Frnakreich würde uns auszahlen wenn es zum Zusammenrbcuh kommt oder ncith doch uns auf den MRD alleine sitzen lassen.

    Für mich ist klar das wir sollte die Mrd verloren gehen das wir 100 % verlieren werden da das nicht über die EZB gemacht wird.Das man uns damit weiter Erpressen kann und sich die MAchtverhältnisse umgedreht haben sollte klar sein.Griechenland und die PIGS werdne eh dne Abgrund runter fallen und mit allen diesne MRD die sich unsere Regirung aufgehalst hat haben die PIGS die Möglichkeit uns mitzunehmen.ICh bin mir sicher das die Verhandlungen auch so laufn wenn ihr nicht spurt reissen wir euch mit runter.Für die MEdien wird dann natürlich dieses Schauspiel von der Trojka gemacht aber wirklich was zu sagne haben wir nicht mehr und wenn lässt sich das MErkel eh vom Franzosen über dne Tisch ziehen.

  • jmg - 13. Oktober 2011

    @calculate
    Richtig rechnen!
    Der Kapitalanteil (= Haftungsanteil bei einem TARGET2 Forderungsausfall) der Bundesbank ist höher und liegt nach meiner Rechnung jenseits von 30 Prozent.
    1. England und andere EU Staaten, die nicht Mitglied der Eurozone sind haften nicht.
    LINK: http://www.bde.es/webbde/en/secciones/eurosist/inst/capital.html
    2. Im Falle von Forderungsausfällen, sind einige Staaten der Eurozone nicht mehr in der Lage Haftung zu übernehmen, was den Haftungsanteil Deutschlands zusätzlich erhöht.
    Bei einem Totalausfall, womit ich (Stand: heute) nicht rechne, sind das ca. 150 Milliarden Euro.

  • Sitting-Bull - 13. Oktober 2011

    Also, ELA, Target2 und Aufkäufe von Anleihen betreffen doch immer die gleichen Länder, nehme ich an. Gibt es ein “Netting”? Wenn nicht, haben wir hier bald einen 1 Bio. Euro Sprengsatz unter uns.

    @Querschuss: Wäre schön, wenn ihr mal wieder was über ELA bringen könntet- die letzte Info, die ich finde kommt aus Mitte September, damals wollten die Griechen 30 Mrd. durch ELA bereitstellen…

  • Bernd Klehn - 13. Oktober 2011

    Steffen

    “zuerst einmal werden über Target2 vor allem die Leistungsbilanzdefizite (über die Verhältnisse leben) finanziert.”

    War mal so. Im Augenblick im Wesentlichen Kapitalflucht aus den Krisenländern. Im August fing es an. Ca. 100Mrd., Target2 43,5 Rest Rettungsschirme, EZB-Staatsanleihen. Nun im September hat die Herde Kapitalflucht weiter an Fahrt gewonnen und trampelt alles nieder. Arme deutsche öffentliche Hand, die via EZB dazu gezwungen wird sich dem entgegenzustellen. Dieses kann nur in die Hose gehen.

  • Bernd Klehn - 13. Oktober 2011

    jgm

    Wer soll denn bei der Endabrechung, Auflösung der Nettoauslandsschulden der Krisenländer , noch neben der deutschen öffentlichen Hand dafür gerade stehen? Alle anderen haben sich doch schon vom Acker gemacht und können auch nichts übernehmen. Deutschland kann sich schon mal darauf vorbereiten, dass das Nettoauslandsvermögen von 1Bio. sein Vorzeichen wechselt. Der internationale Finanzmarkt wird nur Deutschland die Bonität geben sich aus -1Bio wieder herauszuarbeiten.

  • Bernd Klehn - 13. Oktober 2011

    Noch eine neue Zahl:

    Handelsbilanz USA Monat August 2011.

    Die US Handelsbilanz hat sich bei monatlich -45Mrd. seit Anfang 2010 festgebissen. Nachdem es ivon seinem Höchstand- 65Mrd. in 2009 bis auf -25 gesunken war. Die USA kommt ganz einfach nicht in die Socken.

    http://www.bea.gov/newsreleases/international/trade/2011/pdf/trad0811.pdf

  • Bernd Klehn - 13. Oktober 2011

    @ anon

    “Wenn man Target2 Salden beschränken will, muss man Kapitalverkehrskontrollen innerhalb der Eurozone einführen und dann kann man die gemeinsame Währungszone auch gleich aufgeben…”

    Nein. Nettokapitalexport- import, dieses sind Target2 Salden (ob nun zu Leistungsbilanz- oder Kapitalfluchtzwecken), jedem Land über seine Geschäftsbanken so viel die Volkswirtschaft haben will zu 1% oder 1,5% zur Verfügung zu stellen, befeuert die Leistungsbilanzunterschiede und hebelt jede Bonitätsprüfung von Banken, Staaten aus. Diese Situation haben wir jetzt. Und Leistungsunterschiede sprengen langfristig jede Währungsunion. Dieses kann gar nicht anders sein, es sei denn man ergänzt sie langfristig durch eine Transferunion. Man muss nur den EZB Zinssatz wieder erheblich raufsetzen und dem Interbankenmarkt wieder Geltung verschaffen, dann verschwinden die Target2 Ungleichgewichte. Nur dazu ist es jetzt zu spät. Schließlich sind die Geschäftsbanken untereinander via Interbankenhandel für Bonitätsprüfungen zuständig und nicht das Eurosystem. So ist jedenfalls das Geldsystem mit den verteilten Rollen zwischen Notenbanken und Geschäftsbanken konstruiert. Die EZB hat ein vollkommen falsches Verständnis von einer Währungsunion. Keynes mit seinem Bancor Plan, der Leistungsbilanzen in den Vordergrund stellte, war 20mal besser davor

  • blutiger Laie - 13. Oktober 2011

    Was ich – als Laie – dabei noch nicht verstanden habe ist, warum erklärt Herr Weidmann in den Massenmedien, dass es gegen jede volkswirtschaftlich Vernunft sei, die nonvaleurs der PIGS auzukaufen und gleichzeitig gewährt er Ihnen großzigig weitere Kredite. doublethink?

    Grüße

  • matt_us - 13. Oktober 2011

    @SL Gramann
    “Da können die Rettungseuropäer ja ihre Propaganda verbreiten wie sie wollen, aber der Süden ist nicht(!) konkurrenzfähig, wird es auch nicht(!) werden und ist deshalb strukturell unfähig, seine Schulden zu bezahlen. Das ist ein Fakt, so sicher wie die Schwerkraft. ”

    Hmh, also Tatsache ist, dass es trotz allen Schwierigkeiten die Griechen schaffen werden eine BIP Zahl von rund 220 Mrd Euro zu erreichen. Wenn sie 10% mehr schaffen, und das nachhaltig schaffen (oder 20 Mrd von ihren ueber 300 Mrd privaten Auslandsguthaben zurueck nach Griechenland bringen) und es zum Schuldenabbau oder in die Wirtschaft stecken, ist doch alles klar. Das wird was dauern, und schwierig werden, ist aber nicht unmoeglich.

    Das soll keine Propaganda sein, das sind einfach Tatsachen, wenn man die richtige Wirtschaftspolitik verfolgt, bringt das auch was.

  • lesefuchs - 13. Oktober 2011

    Packt sie da wo es ihnen weh tut!
    Ich habs getan!
    http://www.attac.de/aktuell/bankwechsel/worum-geht-es/?L=2

  • jmg - 13. Oktober 2011

    Die EZB hat sich gestern in ihrem neu erschienenen Monatsbericht dazu bequemt endlich etwas zu den immer weiter ansteigenden TARGET2 Salden zu sagen. (Seite36-41)
    LINK: http://www.bundesbank.de/eurosystem/eurosystem_ezb_monatsbericht_aktuell.php

    Bei mir bleibt da einiges rätselhaft. Vielleicht habt ihr ja eine Erklärung.
    Schaut euch mal die Abbildung A auf Seite 37 “TARGET2-Salden der NZBen”an.
    Die Zahlen für Ende Juli 2011 passen m.E. doch hinten und vorne nicht zusammen. Ich komme auf positive Salden in Höhen von ca. 420 Milliarden Euro (= 335 DE + 75 LUX + 10 NL). Die negativen belaufen sich auf ca. -270 Milliarden Euro (-110 IE – 90 GR -30 PT -30 ES -10 AT). Die restlichen abgebildeten Länder weisen geringe vernachlässigbare Beträge auf. Die Differenz zwischen positiven und negativen Salden beträgt also ca. +150 Milliarden Euro. Ja das müssen die EU-Mitgliedsstaaten ausserhalb des Eurowährungsraumes sein.(Grossbritannien mit dem Finanzmarkt London zum Beispiel)
    So glaubt man, bis man auf Fussnote 2 auf Seite 36 stösst:
    “Sämtliche NZBen des Euroraums sind an TARGET2 angeschlossen. Hinsichtlich des Umfangs ihrer TARGET2-Salden gegenüber der EZB gibt es keine Beschränkungen, und die Salden können sowohl positiv als auch negativ sein. Auch die NZBen der EU-Mitgliedstaaten außerhalb des Euro-Währungsgebiets können sich TARGET2 anschließen. Da sie nicht Teil des Währungsraums sind, müssen diese NZBen stets einen positiven Saldo gegenüber der EZB aufweisen. Die Summe aller Salden (d. h. der Salden der NZBen des Euroraums, der NZBen außerhalb des Eurogebiets und der EZB) ist null.” Man reibt sich verwundert die Augen.
    NZBen der EU-Mitgliedstaaten außerhalb des Euro-Währungsgebiets müssen immer positive TARGET2-salden aufweisen, so wie momentan Deutschland.
    Statt das Loch zu schliessen führt die Einbeziehung der NZBen der EU-Mitgliedstaaten außerhalb des Euro-Währungsgebiets zu einer Vergrösserung des ursprünglichen schon positiven Saldos von 150 Milliarden Euros!
    Fazit: Im TARGET2 System gibt es schwarze Löcher, indem allein Ende Juli 2011 mindestens 150 Milliarden Euro (+ die Positiven Salden der NZBen der EU-Mitgliedstaaten außerhalb des Euro-Währungsgebiets) verschwunden sind.

    Hat hier jemand eine plausible Erklärung für diesen Fehlbetrag?

  • Bernd Klehn - 14. Oktober 2011

    jgm

    Target2 Salden

    Ich lese ein bisschen anders ab (-120 IE – 90 GR -60 PT -50 ES -10 AT -20Rest). Schließt die Lücke aber nicht ganz. Besonders Frankreich passt nicht in die Reihe. Da sonst nach dem letzten Stand sortiert ist. Hoffentlich sollte da nicht etwas unter den Teppich gekehrt werden, sondern es liegt nur ein Eingabefehler vor.Außerdem sind die Zahlen sowieso lange überholt. Ansonsten sind die Ausführungen nur, wenn auch nicht falsche, Ausreden. Und sollen wahrscheinlich nur die Dramatik ,die Hinter den Zahlen steht, verschleiern. Sehr sehr traurig, dass die EZB sich dazu hergibt. hätte sie doch geschwiegen.

  • Bernd Klehn - 14. Oktober 2011

    Originalton EZB:

    “Die Verteilung der Liquidität innerhalb des Eurosystems fördert die Stabilität,
    da sie es fi nanziell soliden Banken – auch solchen in Ländern mit fi nanziellen Spannungen –
    ermöglicht, ihren Liquiditätsbedarf zu decken.”

    Deswegen haben wir jetzt also die Bankenkrise.

  • jmg - 14. Oktober 2011

    @ Bernd Klehn
    Danke für die Mühe. Bleibt immer noch eine Differenz von 90 Milliarden Euro (meine 420 – ihre 330) plus die positiven Salden der NZBen der EU-Mitgliedstaaten außerhalb des Euro-Währungsgebiets( Da liefert die EZB gar keine Zahlen!). Die muss man ja immer auch noch im Blick behalten, damit der Gesamtsaldo des Zahlungssystems Null ergibt.

    Ich hab mal versucht mehr über die TARGET2 Salden der Östereicher am Juliende 2011 zu erfahren. Ergebnis: Sie veröffentlichen die TARGET2-Forderungen nur ein einziges Mal am Jahresende!
    “Unterjährig werden von der OeNB keine Bilanzdaten veröffentlicht.”
    siehe die Antwort auf die folgende Parlamentsanfrage in Österreich:
    LINK: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/J/J_09004/index.shtml
    Die Antwort der Bundesministerin der Finanzen an den Abgeordneten ist übrigens eine Frechheit sondersgleichen. Die OeNB verfügt natürlich, wie die Bundesbank, über Monatsdaten und rückt die einfach nicht raus. Das erlaubt sich die österr. Zentralbank gegenüber einem gewählten Volksvertreter und lässt sich dafür auch noch geschlagene 2 Monate Zeit. Das hat man davon, wenn man eine Institution zuviel Unabhängigkeit gewährt.
    Letztendlich haben damit die europäische Öffentlichkeit und die Parlamente innerhalb eines Jahres überhaupt keine Möglichkeit zu überprüfen, ob die TARGET2 Zahlen im Euroraum konsistent sind oder in einigen Ländern systematisch zu hoch oder zu niedrig ausgewiesen werden. Und das bei diesen Beträgen!!!

  • Bernd Klehn - 14. Oktober 2011

    jmg

    Ja Lachnummer, das EZB-System betreibt ein Clearingsystem (Target2) und kann in Realtime den Kontostand der unterschiedlichen Teilnehmer nicht abrufen.

    Einziger Lösungsansatz: Bargeldabweichungen, Target2 und ELAs müssen zu Forderungen innerhalb des Eurosystems führen. Haben alle die gleiche Qualität. Die ELAs werden bei den herausgebenden Notenbanken auf einem Extrakonto geführt. Die daraus entstehenden Guthaben bei den anderen Nationalbanken aber unter Target2.

  • Bernd Klehn - 14. Oktober 2011

    jmg

    Insgesamt müssten wir darauf bestehen, dass die Bilanz des Eurosystems in Unterbilanzen der EZB und der NZBs aufgebrochen werden. Die Goldreversen, Devisenreversen und Forderungen innerhalb des Eurosystems der Bundesbank sind nicht im Eigentum des Eurosystems oder der EZB, sondern der deutschen öffentlichen Hand. Die EZB hat lediglich 8% all der damaligen Gold- und Devisenreversen als Startkapitalübertragen bekommen. Der Rest ist bei den Nationalbanken verblieben. Die EZB Bilanz ist nur dann aussagekräftig, wenn man die Einzelbilanzen der Mitglieder beurteilen kann, da ein Mitglied für die anderen nicht haftet. So und nicht anders ist das Eurosystem konstruiert. Wer Eurosystemrisiken beurteilen will, kann dieses nur über die Einzelbilanzen der NZBs und er EZB.

  • Bernd Klehn - 14. Oktober 2011

    jmg

    Ein Bilanzprüfer müsste zwangsläufig sagen, ich kann die Bilanz nicht prüfen, die Eurosystembilanz ist nicht aussagekräftig.

  • Bernd Klehn - 14. Oktober 2011

    jmg

    Was mir noch aufgefallen ist, in der Bundesbankveröffentlichung zu Target2 (Monatsbericht März 2011) ging noch alles auf. Dort war allerdings auch die EZB selber mit -20Mrd. aufgeführt. Jetzt fehlt die EZB völlig.

  • anon - 14. Oktober 2011

    @Querschuss

    “Für was stehen denn die 461 Mrd. Euro an Forderungen der Bundesbank für dich? [...]
    Letztlich wird es immer verschiedene Interpretationen geben, nur das ist nicht der entscheidende Punkt, sondern bei Target2 handelt es sich um eine verdeckte Kreditfinanzierung. In meinem Artikel steht doch auch, dass über Target2 der Liquiditätsbedarf der Banken gedeckt wird.” – Querschuss

    Ich glaube du missverstehst die operative Funktionsweise des TARGET2-Systems, es ist und bleibt nur ein Zahlungssystem.
    Es werden darüber keine neuen Euro geschöpft, die Schöpfung findet durch Offenmarktgeschäfte einer Zentralbank des ESZB statt:

    “Target2-Zahlungen erfolgen in Zentralbankgeld. Eine zusätzliche Liquiditätsschaffung über Target2 ist nicht möglich. Zentralbankgeld wird im Eurosystem in der Hauptsache durch geldpolitische Refinanzierungsgeschäfte bereitgestellt, die in jedem Mitgliedsland einheitlichen Regeln unterliegen. Risiken aus diesen Geschäften werden grundsätzlich zwischen den nationalen Notenbanken des Eurosystems gemäß ihrem jeweiligen Kapitalanteil an der EZB verteilt, unabhängig davon, welche nationale Notenbank ein geldpolitisches Refinanzierungsgeschäft getätigt hat. Insoweit sind die Target2-Salden einer nationalen Notenbank im Eurosystem kein geeigneter Indikator für die tatsächliche Risikoposition der betreffenden Notenbank aus der Bereitstellung von Zentralbankgeld. Für die Bundesbank stellt ein eigener positiver Target2-Saldo kein anderes Risiko dar als ein positiver Target2-Saldo der Banque de France.
    Target2-Salden hängen im Übrigen stark von der Verteilung der Banken-Treasury-Aktivitäten im Euroraum ab. So könnte eine ausländische Bank den von ihr benötigten Zentralbankgeldkredit auch über ihre rechtlich selbständige Tochter oder Filiale in Deutschland aufnehmen, die dann diese Mittel via Target2 an die Mutter weitergibt. Diese Transaktion würde ceteris paribus den Target2-Saldo der Bundesbank senken. Das vom Eurosystem gemeinschaftlich getragene Risiko bliebe jedoch gegenüber einer direkten Refinanzierung bei der Zentralbank des Mutterinstituts unverändert. Dies wird auch aus einer anderen Perspektive deutlich: Erfolgte die Bereitstellung von Zentralbankgeld im Eurosystem zentral durch die EZB, gäbe es grundsätzlich keine nationalen Target2-Salden. Länder/Regionen der Währungsunion mit Defiziten im Zahlungsverkehr würden verstärkt Refinanzierungskredite bei der EZB in Anspruch nehmen; andere Länder/Regionen weniger. Target2-Positionen gegenüber der EZB entstehen also letztlich infolge des dezentral aufgebauten Eurosystems, wobei ihre absolute Höhe durch die Menge des insgesamt bereitgestellten Zentralbankgelds begrenzt wird.”
    Quelle: dein verlinktes Cesifo pdf S.71f.

    Vielleicht hilft auch der Blick in den letzten TARGET Annual Report oder operativen User-Guide:
    http://www.ecb.int/pub/pdf/other/targetar2010en.pdf
    http://www.bundesbank.de/download/target2/target_2_user_v2_1.pdf

    “Warum lag der Target2 Saldo von 1999 bis 2007 max. bei 15 Mrd. Euro im Durchschnitt und jetzt beim dreißigfachen?” – Querschuss

    Das TARGET2 System wurde erst im November 2007 aktiv:
    http://www.ecb.int/press/pr/date/2007/html/pr071119_1.en.html

    Davor gab es nur den TARGET Standard, bei diesem wurden nur die nationalen Zahlungssysteme miteinander verbunden, d.h. es wurde ein Clearing bzw. Net-Settlement zw. den einzelnen ZB des ESZB durchgeführt. Erst mit dem TARGET2 System entstand eine echte internationale und zentrale Plattform für den Zahlungsverkehr in der Eurozone, mit der EZB als zentralen Kontrahenten für die NZB.
    Ich könnte als Gegenfrage stellen: Warum lag das Volumen der Repogeschäfte der Bundesbank Ende 2007 bei 268 Mrd. und im Juli 2011 bei nur noch 45,8 Mrd?

    “Du versuchst die Handlungen über Target2 zu relativieren, wie auch schon beim Ankauf der Staatsanleihen durch die EZB.” – Querschuss

    Weil es nur die Symptome der Fehlkonstruktion der Eurozone sind und keine Ursachen oder gar Lösungen darstellen.
    Eine Währungsunion kann ohne einheitliches Rechts-/Steuersystem, sowie der sich daraus ergebenden Haftungsunion, nicht langfristig existieren, dass ist der Kern der Probleme. Ein ‘weiter so wie bisher’ gibt es nicht mehr, entweder ein Schritt nach vorn d.h. volle europäische Integration oder zurück d.h. Einführung nationaler Währungen mit dem Euro als Währungskorb dieser Nationalen (wie der damalige ECU/EWE).

  • Bernd Klehn - 14. Oktober 2011

    @ anon

    “Es werden darüber keine neuen Euro geschöpft”

    Behaupet doch keiner , das Target2 Salden Euros schöpfen.

    Sondern einen Nettokapitalexport, -import darstellen, der Leistungsbilanzen (Achtung nicht auf Leistungsbilanzdezifite verkürzt) finanziert und somit Bestandteil der Euroländer Zahlungsbilanzen sind.

  • killing fields - 14. Oktober 2011

    Hallo,
    ich stell mal einen Bericht rein der von einem Börsenblog stammt und sich auf EZB vers. Info Institut bezieht. Leider keine Quellenangabe dabei.
    Die ezb bestaetigt, was das ifo institut ueber die target-salden seit laengerem verbreitet..

    “Die Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB)zu den Target-Salden bestätigen die Darstellung des ifo Instituts dazu, obwohl letztere wesentlich ausführlicher ist (Sinn und Wollmershäuser, CESifo Working Paper 3500, Juni 2011). Das ifo Institut begrüßt, dass es keine sachlichen Differenzen über den Vorgang an sich gibt. Wesentlich sind die folgenden Aussagen der EZB im Monatsbericht Oktober (ifo-Kommentar in Klammern):

    1. Negative Target-Defizite messen das zusätzliche Zentralbankgeld, das in den jeweiligen Ländern ausgegeben wurde, um das Versiegen eines privaten Kapitalimports zu kompensieren. (Es handelt sich um Zahlungsbilanzdefizite nach klassischer Definition oder auch, in der Sprache der Zahlungsbilanzstatistik der Bundesbank, um einen Kapitalimport durch das Zentralbankensystem.)

    2. Die entsprechenden Defizite zwischen den US-amerikanischen District-Feds werden jährlich durch Übertragung von marktgängigen Wertpapierbeständen ausgeglichen. (Man vergleiche Fußnote 9 des EZB-Berichts oder S. 41 ff. bei Sinn und Wollmershäuser. Würde diese Regelung auf den Euroraum angewendet, hätte die Bundesbank das Recht, 390 Mrd. Euro an solchen Wertpapierbeständen zu erhalten. Sie erhielt aber statt dessen nur Forderungen gegen die EZB, die zu einem negativen Realzins verzinst werden und die sie nicht eintreiben kann.)

    3. Ein positiver Target-Saldo wie in Deutschland bedeutet keine Einschränkung der Liquidität, da diese Salden aus dem Zufluss grenzüberschreitender Liquidität resultieren. (Die von außen zufließende Liquidität verdrängt deshalb den Refinanzierungskredit in Deutschland! Vgl. Sinn und Wollmershäuser, Abbildung 9. )

    Die Stellungnahme der EZB ist also richtig und deckt sich mit der Analyse des ifo Instituts. Es ist bemerkenswert, dass die EZB (Fn. 5) mitteilt, dass sie über keine gemeinsame Datenbank verfügt, in der die Target-Salden der nationalen Notenbanken zusammengefasst sind, sondern die Salden über die International Financial Statistics des IWF rekonstruiert. Das genau war das Vorgehen von Sinn und Wollmershäuser (vgl. dort Fußnote zu Abbildung 2). Noch klarer wäre die Stellungnahme der EZB freilich gewesen, wenn sie die ökonomische Bedeutung des Geschehens vollständiger dargelegt hätte. Insbesondere hätte die EZB folgende Tatsachen nicht verschweigen sollen:

    Die Target-Salden stellen eine öffentliche Kreditvergabe durch das EZB-System dar. Sie messen zugleich die Zahlungsbilanzsalden der betroffenen Länder. Diese Zahlungsbilanzsalden sind als Differenz zwischen Leistungsbilanzsalden und Kapitalbilanzsalden definiert. Konkret: Bei einem Defizitland messen sie jenen Teil des Leistungsbilanzdefizits, der nicht durch einen normalen Kapitalimport, sondern durch die Vermehrung der Zentralbankgeldmenge seitens der nationalen Zentralbank finanziert ist.

    Wer hätte das gedacht??

  • jmg - 14. Oktober 2011

    @Bernd Klehn
    Danke für den Hinweis auf den früheren EZB-Saldo in Höhe von -20 Milliarden. Das könnten die Stützungskäufe für die Staatsbonds sein, die bis Ende 2010 im Rahmen des Securities Markets Programme(SMP) von den nationalen Zentralbanken im Auftrag der EZB durchgeführt wurden.
    Sinn, Hans-Werner und Timo Wollmershäuser schreiben dazu in ihrem Paper:
    “Unter den Target-Verbindlichkeiten sind auch Nettoschulden der EZB in Höhe von 21 Milliarden Euro verbucht. Sie sind das Gegenstück zu Forderungen der nationalen Zentralbanken gegenüber der EZB, die im Austausch gegen Wertpapiere eingeräumt wurden, die von diesen Zentralbanken im Auftrag der EZB erworben und an sie weitergereicht wurden. Vgl. Europäische Zentralbank, Jahresbericht 2010,Frankfurt am Main 2010.” (Fußnote 6, Seite 6)
    Aus: Sinn, Hans-Werner und Timo Wollmershäuser, “Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB”, Ifo Working Paper No. 105, 2011
    LINK: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Target

    Bis Ende Juli könnten diese auf ca. 90 Milliarden angewachsen sein. (aktuell: 163.006 Milliarden Euro nach dem Anfang August Italien und Spanien akute Zinsanstiege drohten.
    LINK: http://www.ecb.int/mopo/implement/omo/html/index.en.html)

  • Querschuss - 14. Oktober 2011

    Hallo Anon,
    sehr geschickt!

    Es gibt halt diverse Interpretationen, gerade in den Details. Prof. Sinn ist eben in dem Punkt tolerant und lässt in seiner 100- seitigen PDF auch dezidiert andere Meinungen bzw. Meinungen mit anderen Sichtweisen zu Wort kommen und genau diese zitierst Du. Die Meinung von Jens Ulbrich, Leiter des Zentralbereichs Volkswirtschaft bei der Deutschen Bundesbank und von Dr. Alexander Lipponer, Referent im Arbeitsgebiet Direktinvestitionen und Auslandsvermögen im Zentralbereich Volkswirtschaft der Deutschen Bundesbank. Und nicht umsonst steht auch dort: Dieser Beitrag spiegelt die persönliche Meinung der Autoren wider.

    Ich könnte dutzende Zitate anderer Autoren mit einer anderen, weitaus kritischen Sichtweise herauskopieren. Aber auch bei Ulbrich und Lipponer finden sich einige, die ich jetzt mal zitiere:

    „Es ist somit falsch, dass aus Target2-Salden originäre Risiken der nationalen Notenbanken im Eurosystem resultieren. Richtig ist allerdings, dass die Entwicklung der Target2-Salden seit Beginn der Finanzkrise Mitte 2007 Probleme im europäischen Banken- und Finanzsystem widerspiegelt.“ …Nun im zweiten Satz spielt die Musik und dies dürfte Grund genug sein den Target2 Saldo der Deutschen Bundesbank zu verfolgen und seinen rabiaten Anstieg. Im ersten Satz kommt nur zum Tragen, dass „Für die Bundesbank stellt ein eigener positiver Target2-Saldo kein anderes Risiko dar als ein positiver Target2-Saldo der Banque de France.“ …Das mag sein, heißt aber nicht das sich hinter „kein anderes Risiko“ nicht doch ein Risiko verbirgt. Denn bei einem Zahlungsausfall muss die Buba und damit der Steuerzahler mit dem Anteil gemäß EZB-Kapitalschlüssel haften, reicht doch als Anfang oder Anon und wenn das Eurosystem kollabiert wird sich der Anteil rapide erhöhen, jeweils um den Anteil der ausgefallenen Adressen.

    Eine nette Umkehrung des Problems zeigen die Autoren damit: „Erfolgte die Bereitstellung von Zentralbankgeld im Eurosystem zentral durch die EZB, gäbe es grundsätzlich keine nationalen Target2-Salden. Länder/Regionen der Währungsunion mit Defiziten im Zahlungsverkehr würden verstärkt Refinanzierungskredite bei der EZB in Anspruch nehmen; andere Länder/Regionen weniger.“ …Damit ist unstrittig das Target2 Salden eine Kreditfinanzierung darstellen. Warum sollten sie sonst auch eine Forderung darstellen und in der Bilanz unter Aktiva bei einem positiven Target2 Saldo verbucht werden. Und genau darum, um die Form einer Kreditfinanzierung, geht es mir primär und nicht um interpretierbare Details.

    „Target2-Positionen gegenüber der EZB entstehen also letztlich infolge des dezentral aufgebauten Eurosystems, wobei ihre absolute Höhe durch die Menge des insgesamt bereitgestellten Zentralbankgelds begrenzt wird“ …Heißt im Umkehrschluss trotzdem, dass z.B. griechische Banken durch die Buba an eine Refinanzierung gelangen, die die Geldschöpfung der eigenen nationalen Notenbank nicht hergibt.

    „Der Bedarf an zusätzlicher Liquiditätsversorgung trat und tritt besonders in den Peripherieländern auf, deren Banken sich zur Refinanzierung in immer größerem Umfang auf die dortigen nationalen Notenbanken stützen, weil sie am Kapitalmarkt auf anderem Wege kaum oder keine Mittel mehr erhalten. So entfiel auf Banken aus den von der Staatsschuldenkrise besonders betroffenen Ländern Griechenland, Irland und Portugal zuletzt etwa die Hälfte des gesamten Refinanzierungsvolumens des Eurosystems. Die Verschiebungen in der regionalen Nachfrage nach Zentralbankliquidität haben maßgeblich zu der Entstehung der Target2-Salden beigetragen. Insgesamt hat sich im Zuge dieser Entwicklung das Risiko der geldpolitischen Refinanzierungsgeschäfte für das Eurosystem merklich erhöht.“ …Um dies zu verdeutlichen werden hier im Blog die Target2 Daten und die SMP-Daten zeitnah dargelegt.

    Zitate, derselben wie von Dir verwendeten Autoren, geben jetzt irgendwie ein anderes Bild. Insofern bleibe ich dabei, Du kopierst aus einer umfangreichen 100 seitigen PDF, von zwei Autoren der Bundesbank, genau die Passagen heraus, die der Relativierung dienen.

    In Punkto SMP und Target2 auf Bundesbank und EZB Bekundungen zu hören, halte ich für fragwürdig, da diese ebenfalls ein Interesse daran haben dürften, diese Problematik zu relativieren.

    „Da es aber nicht die Aufgabe einer unabhängigen Geldpolitik sein kann, Solvenzrisiken
    von Bankensystemen oder gar Ländern zwischen den Steuerzahlern der Währungsunion umzuverteilen, werden grundsätzlich hohe Anforderungen an die Sicherheiten gestellt“, …meinen richtigerweise ebenfalls Ulbrich und Lipponer, von der Bundesbank, nur ehrlich, wie glaubhaft ist dies.

    Gruß Steffen

  • jmg - 14. Oktober 2011

    @Bernd Klehn
    Der Versuch mit dem SMP Programm das schwarze Loch bei den TARGET2-Salden zu schliessen war leider vergebens. Wie dieser Eintrag in diesem Blog zeigt:
    http://www.querschuesse.de/ezb-securities-markets-programme-steigt-auf-163-mrd-euro/
    Ende 2010 hatte das SMP Programm schon einen Umfang von ca. 60 Milliarden Euro (nicht die als EZB_Saldo im BB-Monatsbericht ausgewiesenen 20 Milliarden Euro).
    Zurück auf Los: Weiterhin unaufgeklärte Differenz von ca. 90 Milliarden bei den TARGET2-Salden.

  • Wolfgang - 17. Oktober 2011

    Die Deutsche Bundesbank kann nicht in Konkurs gehen, da sie immer hinreichend gesetzliche Zahlungsmittel besitzt und für sie nicht der Konkursgrund “Überschuldung” gilt. (http://www.zeit.de/1973/30/ist-die-bundesbank-pleite)

    Der Staat haftet nicht für die Bundesbank. Es gibt weder eine Gewährträgerhaftung noch eine Anstaltslast. Der einzig mögliche Verlust des Staates ist der Verlust des Bundesbankgewinns.

  • Querschuss - 17. Oktober 2011

    Hallo Wolfgang,
    die Bundesbank kann nicht Konkurs gehen, …mag stimmen, trotzdem dürfte sie bei starken Verlusten vom Steuerzahler rekapitalisiert werden, wenn nicht ist sie auch bei Überschuldung handlungsfähig, nur wenn die BUBA offensichtlich überschuldet wäre, also nicht wie jetzt, wo wir es bereits wissen, sondern nach Abschreibung der Verluste in der Bilanz, wie sähe es dann bei den anderen nationalen Notenbanken im Eurosystem und der EZB aus. Und wie siehts dann mit dem Vertrauen in den Euro aus bzw. dem Kurs des Euro zu anderen Währungen. Ich denke nicht das man die BUBA oder die EZB in ein solches Szenario abgleiten lassen kann ohne die Notenbanken per Steuerzahler zu rekapitalisieren. Der Kollateralschaden wäre größer als der Nutzen aus dem Faktum, dass eine überschuldete Notenbank nicht Konkurs geht.

    “Wenn die Bundesbank Geld in bar ausgibt oder auf ein Konto gutschreibt, ist das Geldschöpfung.” Ebenfalls aus dem Artikel der Zeit Online. Deshalb bleibt für mich Target2 eine Geldschöpfung, die über das natürliche Maß der nationalen Notenbank (z.B. der von Griechenland durch den negativem Target2 Saldo) hinausgeht.

    “Wenn wegen der „Währungsverluste” kein Überschuß an den Bundesfinanzminister abgeführt wird, kann von Verlusten für den Steuerzahler keine Rede sein. Es unterbleibt nur ein — eventuell inflationsfördernder — Akt der Geldschöpfung, mehr nicht”….stimmt nur bedingt, da ein Einnahmeverlust im Bundeshaushalt entsteht, dieser muss durch Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen oder eben Neuverschuldung ausgeglichen werden.

    Gruß Steffen

  • Wolfgang - 17. Oktober 2011

    Auch wenn die Bundesbank überschuldet ist, ist sie handlungsfähig. Im Gegensatz zum Normalschuldner können die Gläubiger nicht vollstrecken: Ein Geldschein ist zwar ein Schuldschein der Bundesbank, doch vor Gericht gibt es nichts mehr als einen Geldschein.

  • anon - 17. Oktober 2011

    @Querschuss
    “Deshalb bleibt für mich Target2 eine Geldschöpfung, die über das natürliche Maß der nationalen Notenbank (z.B. der von Griechenland durch den negativem Target2 Saldo) hinausgeht.”

    Das ESZB schöpft derzeit über das Mengentender-Verfahren, d.h. Banken bekommen so viele Euro wie sie an notenbankfähigen Sicherheiten hinterlegen können. Die Nachfrage der Geschäftsbanken nach Zentralbankgeld wird also zu 100% von den ZB’s gedeckt, dass ist das natürliche Maß.
    Wenn eine griechische Bank ihre Refinanzierungsgeschäfte nicht über die griechische ZB, sondern mithilfe einer, in Deutschland tätigen, Tochterfiliale bei der Bundesbank ausführt; würde sich c.p. das Target2-Volumen bei der deutschen als auch griechischen ZB verkleinern und sich das Volumen der Offenmarktgeschäfte um den gleichen Betrag bei der Bundesbank erhöhen wie er bei der Bank of Greece sinkt.

    PS: Ich hatte am Freitag noch eine längere Antwort auf deinen letzen Kommentar geschrieben, die laut Blog-Meldung erst freigeschaltet werden musste.

  • Bernd Klehn - 18. Oktober 2011

    @anon

    Risiko Notenbanken und letzendlich der öffentlichen Hände im Geldsystem.

    Das Risiko, dass die Zentralbanken und die dahinter stehen Staaten im Geldsystem eingehen wird nach meiner Meinung immer flasch analysiert. Verlust maximal 250Mrd. usw. Im EZB-Geldsystem gibt es im Augenblick ca. 1,5 Billionen Euro Zentralbankgeld in Form von Bargeld (ca. 900Mrd.) und 500Mrd. Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei den nationalen Notenbanken, die wie häufig beschrieben abgesichert und im Augenblick mit 1,5% zu verzinsen sind. In den Büchern der Geschäftsbanken befinden sich aber zusätzliche, undegeckte 3 Billionen Sichteinlagen der Kunden, die unmittelbar durch Überweisung oder Bargeldabhebung in Zentralbankgeld umgewandelt werden können. Auch für diese, nicht wie oben abgesicherten Sichteinlagen, sondern nur durch das Kreditgeschäft der Geschäftsbanken gedeckte Forderung der Privatkunden müssen letztendlich die Notenbanken einstehen. Ansonsten wären Girokonten, Überweisungen und „bargeldlose“ Zahlungen nicht möglich und das Geldsystem würde zusammenbrechen.

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