Target2-Nachschlag und brisante italienische Target2-Daten

von am 19. Oktober 2011 in Allgemein

“Wenn heute die Bundesbank ihre Forderungen an die anderen EWU-Länder (zentralisiert bei der Europäischen Zentralbank) ausweitet, dann schafft sie natürlich ebenfalls Zentralbankgeld. Das zeigt sich deutlich in der Bilanz der Bundesbank, sie belief sich Ende August 2011 auf 679 Mrd. Euro, allein 403 Mrd. Euro entfielen auf Nettoforderungen aus Target2. Es handelt sich nicht nur um den wichtigsten Posten in der Bundesbankbilanz, sondern ist auch ein wichtiger Teil des Auslandsvermögens der Bundesrepublik, also nicht nur »ein statistischer Posten«.” Dies ist ein Zitat von Ex-Buba Präsident Helmut Schlesinger, nur die Daten von Juni 2011 wurden mit den aktuelleren von August 2011 ausgetauscht. Die wachsende Target2 Position führt zu einer beispiellosen Ausweitung der Bilanz der Bundesbank und beinhalten die Hauptposition der Forderungen gegenüber dem Ausland durch die Bundesbank, wie folgende Charts verdeutlichen:

Die Entwicklung der Aktiva (Vermögenswerte) der Deutschen Bundesbank seit Januar 2002 bis August 2011 in Mrd. Euro im Chart. Im August 2011 stiegen die Aktiva um kräftige +50,110 Mrd. Euro, auf 679,131 Mrd. Euro an. Nahezu 100% dieses Anstieges im August resultierte aus dem Anstieg bei den Forderungen aus Target2 (+46,762 Mrd. Euro).

Leider liegen die Total Assets und damit auch die Bilanzsumme der Bundesbank für den September 2011 noch nicht vor, denn dort vollzog sich ein noch stärkerer Anstieg bei den Target2 Forderungen von +59,188 Mrd. Euro zum Vormonat, der auch zu einer neuen Rekord-Bilanzsumme der Buba geführt haben dürfte.

Nochmal Ex-Buba Chef Schlesinger: “Anstelle der normalen Kreditnehmer der Bundesbank, den inländischen Kreditinstituten, treten die Partnerländer im Eurosystem, vor allem Griechenland, Irland, Portugal und Spanien (Anmerkung: nun auch Italien). Formell richten sich die Forderungen der Bundesbank an die EZB, die die positiven und negativen Salden aller Mitgliedsländer aufnimmt und ihrerseits in ihrer Bilanz saldiert.”

Interessant an den Target2 Salden ist, seit August 2011 floßen nun auch Target-Kredite in enormen Ausmaß an die italienische Zentralbank Banca d’Italia, nur im August schossen allein die Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank aus Target2 auf  -57,469 Mrd. Euro und der absolute Hammer auf -103,511 Mrd. Euro im September 2011! Damit ist Italien anscheinend ebenfalls von privaten Kapitalimporten abgeschnitten bzw. es besteht bereits massive Kapitalflucht und somit hängt Italien ebenfalls am Tropf des Zentralbankgeldes! Noch im Mai 2011 war der Target2-Saldo Italiens eine Forderung von +13,866 Mrd. Euro, diese schrumpfte im Juni auf +5,997 Mrd. Euro und kippte im Juli in eine Verbindlichkeit von -16,312 Mrd. Euro. Bisher waren die Target-Kredite fast ausschließlich an die Notenbanken Griechenlands, Irlands, Portugals und Spaniens geflossen.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der italienischen nationalen Notenbank seit Januar 2001 bis September 2011 im Chart. Etwas überraschend hielt Italien lange Zeit sogar relativ kräftige Forderungen, die schlagartig zu Verbindlichkeiten von zuletzt -103,511 Mrd. Euro kippten. Die massive Ausweitung eines negativen Target2 Saldos in Italien, in kurzer Zeit, dokumentiert die Brisanz der Krise in der Eurozone! Die Verbindlichkeit der griechischen Notenbank aus Target2 betrug im August 2011, gemäß den letzten verfügbaren Daten, -97,450 Mrd. Euro, nach 91,202 Mrd. Euro im Vormonat Juli 2011.

Zurück zur Buba. Bei den Target2 Forderungen handelt es sich mitnichten um irgendwelche Verrechnungssalden sondern um die größte Position auf der Aktivseite der Bilanz der Buba, wie ein Blick auf den Jahresbericht 2010 nochmal verdeutlicht:

Die Bilanz (Aktiva) der Buba zum 31.12.2010, mit dem großen Target2 Posten und den Total Assets, jeweils rot markiert, zum Vergrößern bitte 1x anklicken. Quelle: Bundesbank.de/Jahresbericht 2010 PDF Seite 162

Die Entwicklung der Target2 Forderungen als Bestandteil der Aktivaseite der Bundesbankbilanz seit Januar 2002 bis August 2011 in Prozent im Chart. Im August 2011 betrug der Anteil der Target2 Position an den gesamten Vermögenswerten der Bundesbank 59,3%. Noch interessanter dürfte sich das Bild für September 2011 gestalten.

Noch deutlicher macht die problematische Entwicklung, wenn man die Target2 Forderungen in Prozent zu den gesamten Auslandsforderungen der Bundesbank setzt, wo die Daten bereits für September 2011 vorliegen:

Im September 2011 betrug der Anteil der Target2 Forderungen an den gesamten Forderungen der Buba ans Ausland einen neuen Rekord mit 67,3%! Im Gegenzug sinkt der Anteil der Gold- und Goldforderungen und der Währungsreserven in der Auslandsposition stetig.

Hier nochmal die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB aus dem Target2 Zahlungssystem, Stand September 2011:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich nur bei maximal 15 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung mit exponentieller Funktion, welche im September 2011 in einem Rekordniveau von 461,927 Mrd. Euro mündete.

Von den Forderungen insgesamt, gingen auf das Konto nur der Forderungen gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto), welches den Saldo aus dem abgewickelten Zahlungsverkehr abbildet, fulminante 449,611 Mrd. Euro, ebenfalls ein Allzeithoch und ein Anstieg von +59,168 Mrd. Euro zum Vormonat.

Im Kern sind die Target2 Salden eine bereits bestehende und seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise praktizierte Kreditfinanzierung der PIIGS im Ausmaß eines halben nun avisierten gehebelten ESFS von 1000 Mrd. Euro. Dies verdeutlicht klar und einfach das Schaubild der EZB aus ihrem jüngsten Beitrag zu Target2:

Die Forderungen aus den positiven Target2-Salden, so der Bundesbank, fallen zwar formal bei der EZB an, sind aber in der Realität der negative Target2-Saldo der PIIGS in der Verbindlichkeit der dortigen nationalen Notenbank, welche ihrerseits den gezogenen Target2 Anteil, durch Kreditvergabe insbesondere an die jeweiligen Kreditinstitute der Südperipherie und Irland, als Forderungen in ihrer Bilanz halten.

Letztlich besteht der positive Target2 Saldo der Bundesbank in vergebenen Kredite an die PIIGS-Banken, durch die dortigen nationalen Notenbanken, um der Wegfall der privaten Kapitalimporte in die PIIGS, mit einem Kapitalimport durch das Zentralbankensystem zu kompensieren. Pikanter Weise finanziert sich damit nicht nur das Leistungsbilanzdefizit, sondern auch das Zahlungsbilanzdefizit und der enorme Refinanzierungsbedarf im dortigen Bankensystem und dies ermöglicht auch die Kapitalflucht aus den PIIGS nach Deutschland. Die steigenden Einlagen bei deutscher Kreditinstitute lassen ihrerseits die Nachfrage nach Zentralbankgeld der Buba sinken.

“Anstelle deutscher Kreditinstitute treten in erster Linie die Kreditinstitute der GIPS-Länder, deren Bonität vielfach so geschwächt ist, dass sie ihre Liquiditätsprobleme nur mit Hilfe ihrer Notenbank und dies auf der Basis weitgehender Herabstufung der Anforderungen an die Kreditunterlagen. In den Bilanzen der nationalen Notenbanken und in jener der EZB wird möglichen Bonitätsunterschieden nicht Rechnung getragen.” Ex-Buba Präsident Helmut Schlesinger

Aus dem bisher Aufgezeigten geht klar hervor, nur weil es sich bei Target2 um ein Zahlungsverrechnungssystem handelt und sich die Kontostände aller Teilnehmer auf null addieren, lässt sich daraus seriöser Weise nicht konstruieren, dass keine Risiken bestehen, sondern Target-Salden stellen eine öffentliche Kreditvergabe über das EZB-System dar. Und die Bonität der Kreditnehmer ist miserabel und dies stellt einen aberwitzigen Risikotransfer innerhalb der Eurozone zu Lasten der Deutschen Bundesbank dar. Die Target2 Forderungen der Buba werden Monat für Monat nicht nur höher, sondern auch uneinbringbarer, denn die Notenbanken der Südperipherie und Irland haben enorme Mengen an Zentralbankgeld in ein de facto insolventes Bankensystem geschleust und die Wahrscheinlichkeit, das anstelle von Zentralbankgeld wieder privates Kapital kommt und dies eine Rückführung des Target2-Saldos der Deutschen Bundesbank ermöglicht schwindet rapide.

“Ein Target2-Guthaben repräsentiert eine Nettoforderungsposition des betreffenden Landes, hinter der Ansprüche privater Sparer stehen. Umgekehrt repräsentiert eine Target2-Verbindlichkeit entsprechende Schulden des betreffenden Landes, sei es des Staates selbst oder seiner Einwohner und Unternehmen. …Es ist doch ganz einfach: Reagieren private Investoren elastisch auf Risiken, während das Eurosystem aus politischen Gründen unelastisch reagiert, dann findet im Markt eine Reallokation statt, an deren Ende alle schlechten Risiken beim Eurosystem liegen. Genau dies ist in den vergangenen Jahren geschehen.” Prof. Dr. Stefan Homburg, Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen der Leibniz Universität Hannover.

Quellen Tabelle: Bundesbank.de/EZB Monatsbericht Oktober 2011, Quelle Zitate: Cesifo-group.de/Ifo-Schnelldienst/Die europäische Zahlungsbilanzkrise, Quelle Daten für die Charts: Bundesbank.de/Statistik zeitreihen

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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61 KommentareKommentieren

  • Bernd Klehn - 19. Oktober 2011

    Ich möchte die Problematik erweitern, man muss über die Notenbankbilanzen hinaus denken.

    Das Risiko der Notenbanken und letztendlich der öffentlichen Hände im Geldsystem.

    Das Risiko, dass die Zentralbanken und die dahinter stehen Staaten im Geldsystem eingehen wird nach meiner Meinung immer falsch analysiert. Verlust Target2 maximal 450×0.27=122Mrd. usw. Im EZB-Geldsystem gibt es im Augenblick ca. 1,4Billionen Euro Zentralbankgeld in Form von Bargeld (ca. 900Mrd.) und 500Mrd. Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei den nationalen Notenbanken, die wie häufig beschrieben abgesichert und im Augenblick mit 1,5% zu verzinsen sind. In den Büchern der Geschäftsbanken befinden sich aber zusätzliche, durch Zentralbankgeld ungedeckte 3 Billionen Sichteinlagen M1-M0 der Kunden, die unmittelbar, zu jeder Zeit durch Überweisung oder Bargeldabhebung in Zentralbankgeld umgewandelt werden können. Auch für diese, nicht wie oben abgesicherten Sichteinlagen, sondern nur durch das Kreditgeschäft der Geschäftsbanken gedeckte Forderung müssen letztendlich die Notenbanken einstehen. Also bei einem Bankenrun, so wie sie es teilweise 2008 getan haben, Geld nachdrucken. Ansonsten wären Girokonten, Überweisungen und „bargeldlose“ Zahlungen nicht möglich und das Geldsystem würde zusammenbrechen

  • jmg - 19. Oktober 2011

    Die italienische Zentralbank veröffentlicht ihre TARGET2-Verbindlichkeiten unter folgendem Link:
    http://www.bancaditalia.it/statistiche/rapp_estero
    -> Bank of Italy balance-sheet aggregates and official reserves: latest data
    -> OTHER LIABILITIES
    -> Other liabilities within the Eurosystem (net)
    31/07/2011 16,312 Mrd. Euro
    31/08/2011 57,469 Mrd. Euro (neuester Stand der italienischen TARGET2-Verbindlichkeiten)
    ———————–
    Zunahme TARGET2-Verbindlichkeiten im August: 41.156 Mrd. Euro

    Ich denke diese Zahlen sollte man im Auge behalten. Wenn die Kapitalflucht aus Italien anhält dann explodieren die TARGET2-Forderungen der Bundesbank mit noch schnellerer Rate.

    • Querschuss - 19. Oktober 2011

      Hallo jmg,
      Danke für den Link!

      @Bernd Klehn,
      bei einen wirklichen Bankenrun bricht das Geldsystem zusammen, der wird sich nicht aufhalten lassen. Die Frage ist nur ob so ein Bankenrun überhaupt stattfindet (eurozonenweit) und wenn wann.

      Gruß Steffen

      • Quicks - 20. Oktober 2011

        Wenn ich das TARGET2 Verfahren richtig verstanden habe ist ein Zusammenbruch durch einen Bankrun innerhalb der Eurozone unmöglich.
        Problematisch wird es erst, wenn ein Kapitalfluss aus der Eurozone hinaus stattfindet.

  • Bernd Klehn - 19. Oktober 2011

    Steffen,

    glaube ich nicht. In diesem Fall würden die Gelddruckmaschinen heiß laufen. Die Zentralbanken würden für M1 geradestehen. Deswegen die Anregung die Risikobetrachtung von M0 auf M1 zu erweitern. Ist aber Alles sowieso Zukunftsmusik. Damit soll es auch zu diesem Thema auch genug sein, da ich sonst alles noch schwammiger mache. Werden ja sehen ob jetzt auch noch M0 explodiert bei stagnierendem M1. Jedenfalls kann man über Target2, EZB-Staatsanleihen und Rettungsschirme, wo sind eigentlich die ELAs in diesem Spiel, die Kapitalflucht, die Nettokapitalexporte innerhalb der Eurozone und somit letztendlich der Nettoauslandsschulden der Krisenländer, die durch die deutsche öffentliche Hand finanziert werden, recht gut analysieren.

    Danke Steffen, danke jmg.

    • Querschuss - 19. Oktober 2011

      Hallo jmg,
      Dank Deiner Initialzündung bin ich bei der italienischen Zentralbank noch fündig gworden, Italiens Verbindlichkeit aus Target2 schoss im September auf -103,511 Mrd. Euro. Ist im Artikel eingefügt und mit Quellen versehen. Also jmg, zusammen sind wir richtig gut, in Punkto Recherche! Auch die italienische Target2 Verbindlichkeit für September, dürfte hiermit bei Querschuesse, nicht nur in Deutschland in einem Medium das erste Mal präsentiert worden sein.

      Falls jemand richtig gut italienisch kann und hier in der Datenbank http://bip.bancaditalia.it/4972unix/homebipentry.htm?dadove=stor&lang=ita
      eine lange Reihe von den Target2 Daten findet, müsste dort irgendwo versteckt sein, als Orientierung Altre passività nette intra-Eurosistema, wäre ich für einen Link dankbar. Ansonsten vielleicht irgendwo hier zu finden http://www.bancaditalia.it/

      Danke und Gruß
      Steffen

  • Bernd Klehn - 19. Oktober 2011

    Steffen,

    hier hast du das Gleiche in englisch:

    http://bip.bancaditalia.it/4972unix/homebipentry.htm?dadove=corr&lang=eng

    • Querschuss - 19. Oktober 2011

      Danke Bernd,
      Datensatz gefunden, Chart folgt.

      Gruß Steffen

      • Bernd Klehn - 8. November 2011

        Lieber Steffen,

        Die Traget2-Schulden Italiens sind im Oktober für mich überraschend von 103Mrd auf 88Mrd. gesunken. Kann dieses noch nicht einordnen.

        http://www.bancaditalia.it/statistiche/SDDS/stat_fin/Aggregati_riserve/agg_081111/agg201110en.pdf

        • Querschuss - 8. November 2011

          Hallo Bernd,
          sehen wir auf die andere Seite der Bilanz, welche die Target2 Verbindlichkeiten vor allem abbilden, die Forderungen aus der Kreditvergabe an die ital. Kreditinstitute und die ist weiter gestiegen auf 111,288 Mrd. Euro, siehe Pos. 5 unter Aktiva, ebenso die gesamte Bilanzsumme, wenn auch beide Positionen nicht ganz so stark wuchsen wie im September. Warum konnte dann der negative Target 2 Saldo (Verbindlichkeit) sinken (Pos. 10 Passiva)?

          Realativ einfach, weil Pos. 5 auf der Passiva Seite von 14,816 Mrd. Euro auf 36,834 Mrd. Euro stark anstieg. Hinter dieser Position verbergen sich: “Verbindlichkeiten in Euro gegenüber sonstigen Ansässigen im Euro-Währungsgebiet” und dahinter die Einlagen von öffentlichen Haushalten. Zentralbanken sind eine Art Hausbank des Staates und Pos. 5 bildet die Kassenhaltung des öffentlichen Sektors ab, also die Guthaben des Staates bei der Zentralbank. Und die sind eben im Oktober gestiegen, dies muss einen saisonalen Effekt beinhalten, also z.B. höhere Steuereinnahmen im Oktober, denn einen ähnlichen Anstieg konnte man unter Pos. 5 auch im Oktober 2010 beobachten. Es wurden also temporär Target2 Verbindlichkeiten von Verbindlichkeiten der Einlagen der öffentlichen Haushalte etwas verdrängt.

          Die Kreditvergabe an die Banken in Italien schwächte sich zum Vormonat zwar ab, stieg aber weiter, dasselbe dürfte für die Kapitalflucht gelten. Die Kuh ist weiter nicht vom Eis. Auch negative Target2 Salden unterliegen saisonalen Effekten, da andere Positionen der Passiva-Seite der Bilanz der Zentralbank auch Einfluß haben auf den benötigten negativen Target2 Saldo.

          Gruß Steffen

          • Bernd Klehn - 8. November 2011

            Danke für die Mühe und Erklärung Steffen,

            insgesamt, hat aber wohl die Kapitalflucht aus Italien imOktober sehr stark abgenommen, natürlich muss man die intensiven Staatsanleihenaufkäufe der EZB gegenrechen, deren Verteilung wir aber nicht kennen.

            Nun müssen wir noch auf neue Zahlen aus Spanien warten. Dort sind ja im August 21 553 Mio
            Nettokapitalimport via. Zentralbank organisiert worden, dieses kann nur die Target2 Verändeung sein. Net claims with the Eurosystem.

            http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/e0702e.pdf

            Griechenland und Spanien geben ja sehr sehr verspätet Daten heraus.

            • Querschuss - 8. November 2011

              Hallo Bernd,
              Spanien hat einen viel höheren negativen Target2 Saldo, ich habe mich Ewigkeiten durch die Daten gewühlt und konnte nicht verifizieren welche diverse Verbindlichkeiten Target2 zuzuordnen sind, nichts passte augenscheinlich. Irgenwann habe ich die Sache umgedreht und habe aus dem Jahresgeschäftsbericht 2010 und 2008 der Banco de Espana, wo die Daten eindeutig zuzuordnen sind http://www.bde.es/webbde/en/secciones/informes/Publicaciones_an/Informe_anual/anoactual/, die Zahlen für 2007 bis 2010, die dem Dezemberstand entsprachen rausgeschrieben und dann mit den jeweiligen 4 Dezemberdaten die entsprechenden Datenreihen verglichen und dann die passende gefunden.
              Der Target2 Saldo für Spanien betrug im September 2011 -88,620 Mrd. Euro, nach -78,224 im August.

              Die Daten findest Du hier: http://www.bde.es/webbde/en/estadis/infoest/bolest7.html
              unter 7.2, aber nicht in der PDF, sondern in der CSV Datei (Punkt: BE_7_2.3), bin mir 100% sicher die richtigen Daten zu haben, da der jeweilige Dezember mit den Jahresgeschäftberichten der Banco de Espana übereinstimmt.

              Target2 Salden:
              Spanien: September -88,620 Mrd. Euro
              Portugal: September -57,235 Mrd. Euro
              Griechenland: August -97,450 Mrd. Euro
              Italien: Oktober -88,598 Mrd. Euro
              Frankreich August -33,489 Mrd. Euro

              Gruß Steffen

  • SLGramann - 19. Oktober 2011

    Dank an Steffen und allen Kommentatoren. Es war ja in dem ifo-pdf zu lesen, dass der Target2-Trick eines Tages an sein natürliches Ende stoßen muss, wenn sozusagen die gesamte nicht durch Gold oder Devisen gedeckte Zentralbankgeldmenge durch Target-Kredite repräsentiert wird (hoffe, dies richtig wiedergegeben zu haben).

    Dieser Punkt war bis jetzt auf irgendwann 2013 datiert. Die Entwicklung scheint sich aber zu beschleunigen. Traut sich jemand zu, diesen Punkt neu zu bestimmen?

    Grüße

    • Querschuss - 19. Oktober 2011

      Hallo SLGramann,
      bin mir mit dem natürlichen Ende nicht sicher, wenn auch theoretisch nachvollziehbar, aber wir werden es schon demnächst erleben bei der Geschwindigkeit des Anstieges.
      Gruß Steffen

  • Dirk.P. - 19. Oktober 2011

    Muss die Bundesbank ihre Bilanzposition “sonstige Forderungen” nicht detailierter Aufschlüsseln?
    Zum 31.12.10 sind ja schon 325 Milliarden Euro unter “sonstige Forderungen” ausgewiesen.
    Bei einer Bilanzsumme von 671 Milliarden sind das ja schon immerhin 48%. Auf Seite 176 des Bundesbankberichtes 2010 steht nur:

    “Aus den TARGET2-Verrechnungssalden zwischen den Zentralbanken im ESZB
    wird täglich ein Nettosaldo gegenüber der EZB gebildet. Dieser Saldo wird
    grundsätzlich zum jeweils geltenden Zinssatz des Hauptrefinanzierungsinstruments
    verzinst. Zum Jahresende ergibt sich eine Nettoforderung in Höhe von
    325 556 Mio e (im Vorjahr: 177 723 Mio e), welche in der Unterposition 9.4
    „Sonstige Forderungen“ ausgewiesen wird. Im kalendertäglichen Durchschnitt
    betrugen die verzinslichen Nettoforderungen aus den TARGET2-Verrechnungssalden
    244 921 Mio e (im Vorjahr: 177 498 Mio e).”

    Gibt es da keine Aufschlüsselung nach Ländern? Ist ja nicht gerade eine Peanuts Bilanzposition ;-)

    • Querschuss - 19. Oktober 2011

      Hallo Dirk.P.,
      die sonstigen Forderungen sind die Forderungen aus Target2 gegenüber den nationalen Notenbanken. In der Jahresbilanz gibt es keine Aufschlüsselung nach Ländern, Transparenz in diesem Punkt ist kein Anspruch der EZB bzw. der Buba. Nirgendwo werden die Target2 Salden der einzelnen nationalen Notenbanken gebündelt veröffentlicht.

      Gruß Steffen

  • Eurelios - 19. Oktober 2011

    Meine Meinung:

    Target 2 hin oder her, ESFS hin oder her, Rettungsschirm hin oder her, oder Rettungsschirm
    für den Rettungsschirm hin oder her es nimmt so langsam (oder ganz schnell?)
    alles groteske Züge an.

    Wenn ich bedenke damals 2008 Steinbrück im Bundestag: Sehr gegehrte Abgeordnete ich
    habe in die Abgründe unseres Finanzsytems gesehen. Dann Steinbrück zur Rettung
    der HRE: Die 40 Millarden zur Sicherung sind eine einmalige Zahlung es wird
    keine weitere geben vom Vater Staat für die Unterstützung von Banken.
    Schäuble: Man wird die Banken zwingen in das normale Geschäft zurück zu kehren.

    usw, usw.

    Alles Bla, Bla

    Es wird so kommen wie in einem Artikel im Standad geschrieben steht.

    http://www.wiwo.de/finanzen/zerfall-der-gesamten-finanzarchitektur-473546/

    Das mit unserem Geldsystem der Zusammenbruch vorprogrammiert ist wußten
    unsere Poltikeliten spätesten 2003 als es in Zürich zu einem Geheimtreffen
    kam. Munter dabei natürlich Ackermännle, Schröderle, Eichele und
    unsere zukünftige deutsche Geheimwaffe Asmundsenle in Sachen Finanzen bei
    der EZB.

    Thema auf Wunsch damals von Ackermännle: Bad-Banken.

    Also der Tanz auf dem Bolreo (Vulkan) lässt Grüßen

    Nachdenkliche Grüße

    Günter

  • norbert - 19. Oktober 2011

    Geschäftsmann bietet 285.000 Euro Preisgeld für Euro-Ausstieg

    http://goo.gl/lRdyH

    Bingo

  • jmg - 19. Oktober 2011

    Danke für die neuesten Zahlen für Italien.

    Griechenland:
    ——————-
    Hier kann man sich die griechischen TARGET2 Daten ansehen:
    http://www.bankofgreece.gr/Pages/en/Publications/FinStat.aspx?Filter_By=9

    Irland mit Fragezeichen
    ———————————
    Bei Irland hab ich was entdeckt, bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich die TARGET2 Forderungen sind.
    http://www.centralbank.ie/polstats/stats/cmab/Pages/Money%20and%20Banking.aspx
    30/09/2011 Table A.2 Financial Statement of the Central Bank of Ireland
    -> Other liabilities

    Muss mir jetzt mal Portugal und Spanien ansehen.

    • Querschuss - 19. Oktober 2011

      Hallo jmg,
      der Chart des italienischen Target2 Saldos ist im Artikel, beeindruckend der Absturz zum negativen Saldo und auch etwas überraschend in punkto Höhe der aufgebauten Forderungen in der Vergangenheit. Die letzten Daten von Griechenland aus August 2011 sind auch dabei und ansonsten herzlichen Dank bei der Hilfe der Datenrecherche, gerne mehr.

      Gruß Steffen

  • M.E. - 19. Oktober 2011

    Alle Achtung vor der hier versammelten Expertise. Diese Dinge sind nicht meine Stärke, aber ich lerne hier fortwährend.
    Alle Prozesse scheinen sich derzeit stark zu beschleunigen. Bei den vielen Rückkopplungen im Finanzsystem kein Wunder. Der wirtschaftliche Abschwung trägt seinerseits zur Dynamik bei.
    Sehr interessant war vorhin ein Bericht von Bayern 5 Radio zu Griechenland. Ein Einzelhändler berichtete, dass sein Athener Geschäft nicht einen einzigen Tag seit Anfang August die laufenden Kosten erwirtschaftet hat. Man rechnet mit dem Bankrott von 40% aller Geschäfte in Athen bis zum nächsten Jahr. Ein vorllständiger wirtschaftlicher und gesellschaftllicher Kollaps scheint unmittelbar bevorzustehen.
    In Portugal gibt es ähnliche Tendenzen. Ein Generalstreik ist auch dort in Vorbereitung

    In den USA explodieren die Staatsschulden seit Beginn des neuen Haushaltsjahres am 1.10. geradezu. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Wollte man mit dem Verschieben von Ausgaben in den Oktober hinein die Bilanz des abgelaufenen Haushaltsjahres noch etwas aufhübschen, damit man stolz vermelden kann, man hätte das angekündigte Defizit von 1,6 Billionen Dollar um 300 Milliarden unterboten?
    Jedenfalls sind in den letzten 2,5 Monaten über 600 Milliarden Dollar neue Schulden dazugekommen. Ein nicht unerheblicher Teil seit dem 1.10.
    Die breiten Bevölkerungen in den meisten OECD-Staaten können die Belastungen mittlerweile nicht mehr tragen. Wie Dirk Müller richtig bemerkt: es muss in absehbarer Zeit zu einer massiven Umverteilung von oben nach unten kommen. Also ein weitreichender Schuldenschnitt auf allen Ebenen. Da die Politik und die Finanzwirtschaft zu einem gesteuerten Schuldenschnitt nicht bereit sind, wird dieser eben ungesteuert und mit strukturzerstörerischer Gewalt vor sich gehen. Und je länger er noch hinausgezögert wird, desto mehr greifen sowohl Agonie als auch Rebellion um sich. Panische Reaktionen der Kapitalanleger werden die Entwicklung massiv beschleunigen.

  • M.U. - 19. Oktober 2011

    EU will Länderratings verbieten
    http://www.ftd.de/politik/europa/:umstrittene-bewertungen-eu-will-laenderratings-verbieten/60118331.html

    Das wirds voll bringen. Bin immer noch für eine Krisenbremse im Grundgesetz. Krisen sollte man endlich für alle Zeiten verbieten. Die machen sich immer lächerlicher. Demnächst wird dann noch rationales Denken verboten. Und sowas führt uns! >kopfschüttel<

  • Bernd Klehn - 20. Oktober 2011

    Steffen,

    Griechenland:

    Nach meiner Meinung haben die 9.2 “Net liabilities related to the allocation of euro banknotes
    within the Eurosystem” von 12,5Mrd. den selben Charater wie Target2. Dieses sind zuviel, über den normalen griechischen Anteil hinaus, gedruckte und in den Umlauf gebrachte Eurobanknoten.

    Gruss Bernd

    was meint jmg?

  • Bernd Klehn - 20. Oktober 2011

    SLGramann

    “Es war ja in dem ifo-pdf zu lesen, dass der Target2-Trick eines Tages an sein natürliches Ende stoßen muss, ….”

    Dachte ich auch, bis ich über das Luxemburgguthaben von 63Mrd. bei 300 000 Bürgern nach gedacht habe. Das Spiel kann nach meiner Meinung selbst bei begrentzter Euroliquidität unendlich weiter gehen. Wie folgt: Die griechische Notenbank schöpft Geld und verlangt dafür von seinen Geschäftsbanken 1,5% das Geld fließt nach Deutschland Luxemburg und Co. dort wird es wieder für von dden dortigen Geschäftsbanken für 0,75% zur nationalen Zentralbank gebracht, also vernichtet. Es baut sich ein entsprechender Target2 Saldo auf, ohne die Zentralbankgeldmenge zu erhöhen, dieses kann unendlich weiter gehen.

  • Ert - 20. Oktober 2011

    @Bern Klehn

    Ja, das mit der unendlichen Spirale hört sich gut an. Es ist eben wie mit den Bad Banks und dem versteckten Staatsschulden im Bundeshaushalt.

    GGf. kann man noch ein Gesetz machen, so das die Target2 Salden ausserbilanziell geführt werden und nicht mehr veröffentlicht werden müssen. Dann ist alles gut und nichts trübt mehr die Warnehmung.

    Das erinnert mich an ein Gespräch aus 2010. Da hatte mit einem gesprochen, der 2008 und 2009 ganz schön aufgelöst war und sich auch mit dem Geldsystem etc. beschäftigt hatte. Seine Aussage 2010 war: Das ganze spiel geht unenlich weiter – kein Zusammenbruch – die Schulden einfach auf, verstecken Probleme und sterilisieren ggf. mit ein bischen mehr Inflation.

    Mein Argument gegen diese These war, das ein Zusammenbrich der Währung bzw. eine Hyperinflation kein monetäres Phänomen ist sondern ein Vertrauensverlust seitens der Nutzer eben dieser Währung. Die vernetzten Abhängigkeiten und Forderungen – gemischt mit Betrug und dem Schattenbankensystem – sind eben einfach eine Nummer zu groß. Das ist nicht mehr einfach exponentiell (^2), das ist schon hyperexponentiell (^x wobei x>2).

  • Sitting-Bull - 20. Oktober 2011

    Steffen, ist Target2 das gleiche wie ELA?

    Hier eine letzte Meldung zu Griechenland:
    http://www.bloomberg.com/news/2011-10-06/greek-ecb-reliance-declined-for-second-month-in-august-1-.html

  • pertuberanz - 20. Oktober 2011

    Hallo zusammen,

    auf Zeit.de gab es neulich im Herdentrieb-Blog einen beitrag, in dem behauptet wird die Target2 Forderungen seien “unkontrovers und irrelevant”. Denn die BuBa werde lediglich mit Geld ausländischer Banken zugeschüttet und daher gebe es auch nicht wie von Sinn urspr. formuliert, eine Reduktion der innerdeutschen Kreditvergabe. Denn dann finanzieren sich die deutschen Banken über ausländische Banken, statt direkt über die BuBa:
    Herdentrieb: noch-einmal-spas-mit-target-2

    leider habe ich von der Materie Null Ahnung, aber ich habe den Eindruck dass der Zeit-Artikel teher versucht zu vernebeln, statt aufzuklären. Wie seht ihr das?

    • Querschuss - 20. Oktober 2011

      Hallo pertuberanz,
      Herdentrieb und Handelsblattblog sind in dieser Frage gnadenlose Relativierer und greifen sich untergeordnete Teilaspekte heraus um vom Kern einer Kreditvergabe über Target2 abzulenken. Wie kann der größte Posten, die Forderung aus Target2, auf der Aktivaseite der Buba irrelevant sein. Lächerlich, richtig ist und das hat auch Sinn bzw. wurde in den Veröffentlichungen von ifo klargestellt, das die Target2 Position der Buba nicht die Kreditvergabe in Deutschland einschränkt, da die Nachfrage der deutschen Kreditinstitute nach Zentralbankgeld zurückgegangen ist, da genug Einlagen u.a. durch Kapitalflucht ins deutsche Bankensystem fließen.

      Gruß Steffen

      Gruß Steffen

  • MagnaBavaria - 20. Oktober 2011

    Bissen OT:

    Guckt Euch mal die Fieberkurfen zu den 10-jährigen Bonds an:

    Frankreich über 3%
    Spanien 5,4 %

    jetzt kommts
    Italien bei knappen 6%

  • Bernd Klehn - 20. Oktober 2011

    @ Sitting-Bull

    Ja, wie ELA einzuordnen ist, darüber müssen wir noch mehr wissen. Wie Banknoten und Target2 verrechnet werden ist klar.

    Fehler zur Endlosspirale Target2 meinerseits. Die Wiederanlage zu 0,75% führt zu Guthaben und nicht zur Geldvernichtung. Der von mit beschriebne Vorgang ist möglich. erhöht aber die Euroliquidität. Ob dieses jetzt erneut nach 2008 der Fall ist, müssen wir beobachten.

  • SLGramann - 20. Oktober 2011

    Herr Klehn, danke für die Richtigstellung. Ich war schon schwer verwirrt, dass eine Endlosspirale ohne Konsequenzen irgendeiner realen Art hätte möglich sein sollen.

    Ich “darf” also weiter davon ausgehen, dass dann, wenn der übliche Bankrefinanzierungskredit durch Target-Kredite (weitgehend) ersetzt ist, es zu einer Ausweitung der Notenbankgeldmenge kommen muss, wenn man die Target-Salden dann noch weiter aufblähen will?

  • M.E. - 20. Oktober 2011

    Hallo Magna,
    und das sind ja im Falle Frankreich historisch gesehen immer noch sehr niedrige Zinsen, und sogar bei Italien und Spanien keinesfalls sehr hohe Zinssätze.
    Dass dies heutzutage, anders als früher, problematisch ist, zeigt nur, wie durch die gestiegene Gesamtverschuldung und die zunehmend auf Kante genähte Situation der Staatshaushalte die Torleranz gegenüber “normalen” Zinssätzen abgenommen hat.
    Das gesamte Subprime-System tolriert nur noch Niedrigstzinsen – am besten mit negativer Realrendite .
    Und mit jedem Jahr, in dem die Verschuldungsgrade gemessen am BIP weiter ansteigen, sinkt diese Zinstoleranzgrenze.

    Dazu kommt noch eine weitere unheilvolle Entwicklung: bei RELATIV solide dastehenden Staaten sind die Kurzläufer besonders zinsgünstig und stellen bei dem heute höheren Anteil an Kurzläufern gegenüber vergangenen Zeiten eine zinsentlastende Komponente dar.
    Je höher aber ein Staat verschuldet ist und je schlechter es realwirtschaftlich dasteht, desto stärker steigen insbesondere die Zinssätze für die Kurzläufer. Die angegebenen Zinssätze beziehen sich ja alle auf die 10-jährigen Anleihen.
    Und wenn ein Land so richtig in die Bredouille gerät, rutscht es sogar in eine inverse Zinskurve. Das heißt, die Kurzläufer haben teils wesentlich höhere Zinssätze, als z.B. die 10-jährigen Anleihen.
    Sehr gut zu beobachten bei Griechenland, Portugal und Irland. Und auch Spanien und Italien sind nicht mehr sehr weit von einer inversen Zinskurve entfernt. Bei einem Erreichen einer solchen Kurve ist für den jeweiligen Staat in der Regel das Maß des Erträglichen überschritten.

    P.S.: Lassen sich die “Fieberkurven” ohne großen Aufwand 2 mal im Monat aktualisieren? Dann könnte man die Entwicklung gut verfolgen.

  • jmg - 20. Oktober 2011

    TARGET2 Daten für

    Spanien
    ————
    http://www.bde.es/webbde/en/estadis/infoest/indeco.html
    Economic Indicators
    7.2 – Spanish balance of payments vis-à-vis other euro area residents and the rest of the world.
    -> table 7.2
    siehe auch die Erläuterung ganz unten:
    e. A positive (negative) sign indicates a decrease (increase) in the reserves and/or claims of the BE with the Eurosystem.

    Portugal
    ————
    Statistical bulletin
    B.2 – Balance sheet of the Banco de Portugal
    B.2.4 – Assets and liabilities of the Banco de Portugal vis-à-vis non-residents – By euro area and non-euro area countries
    Seite 69: Spalte 8

    • Querschuss - 20. Oktober 2011

      Hallo jmg,
      bin nicht fündig geworden, weder bei Spanien noch bei Portugal, die Daten sind nicht explizit als Verbindlichkeiten aus Target2 gekennzeichnet.

      Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 20. Oktober 2011

    @ SLGramann

    Ja und generell schränken die Traget2 Salden die Bewegungsfreiheit des EZB-Rates ein. Er kann gar nicht mehr, ohne bestimmte Volkswirtschaften zu gefährden, auch wenn es für den gesamten Euroraum geldpolitisch geboten wäre, die Liquidität wieder einsammeln.

  • Günther - 20. Oktober 2011

    Am Meisten scheint es derzeit in Frankreich zu brennen. Sarkozy hat sogar gestern die Geburt seines Kindes verpasst um nach Frankfurt zu fliegen.
    Laut PIMCO El-Erian haben die französischen Banken nur noch 1% Eigenkapital. Siehe hier:
    http://dailybail.com/home/pimcos-el-erian-drops-the-f-bomb-french-banks-are-down-to-1.html

    Und anscheinend gibt es massive Drohungen von Frankreich an Deutschland – die FTD schreibt schon von Erpressung: “Frankreich erpresst Deutschland mit Rettungsschirm”
    http://www.ftd.de/politik/europa/:geheimtreffen-frankreich-erpresst-deutschland-mit-rettungsschirm/60118319.html
    zu dem Artikel noch eine Ergänzung weil plötzlich den Banken laut EBA wie es im Bericht steht nur noch 80 Milliarden fehlen: http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/28655/

    Laut verschiedenen Berichten über Aussagen von Sarkozy und Co. („Wenn wir am Sonntag keine Lösung haben, schmilzt alles weg“) (“Unser Schicksal entscheidet sich in zehn Tagen”) scheint in Frankreich mittlerweile Panik zu herrschen. Sarkozy macht sogar vor Kriegsdrohungen nicht halt:
    “Das Schicksal Europas werde in den nächsten zehn Tagen entschieden, meinte Sarkozy laut einem Blog der Zeitung «Le Monde» gemäss dem Euro-Thinktank Eurointelligence. Selbst auf die Möglichkeit eines weiteren Krieges in Europa spielte der französische Präsident dabei an: «Jene, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen müssen, wenn auf unserem Kontinent die Konflikte wieder zurückkehren.”

    Ich denke wir sind kurz vor dem Finale.
    MfG

  • Günther - 20. Oktober 2011

    Sorry – für den letzten Absatz habe ich den Link vergessen:
    http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Sarkozy-warnt-vor-der-Wiederkehr-der-europaeischen-Konflikte/story/27251021

  • alt-shift-x - 20. Oktober 2011

    @Magna waren die nicht schonmal über 6% im August? Die EZB wird denen dann eben ihre Bonds abkaufen — again

    • MagnaBavaria - 20. Oktober 2011

      Ja waren sie, ich hätte vielleicht noch dazu schreiben sollen, dass Experten bei Zinsen über 6% von der “Todeszone” für diese Länder reden. ;)

      M. E. hat die Gründe dafür gut ausformuliert.

      • alt-shift-x - 21. Oktober 2011

        hat ja nicht lange auf sich warten lassen, das Aufkaufen von italienischen Anleihen ;)

        http://www.zerohedge.com/news/ecb-rescues-european-market-after-it-buys-italian-bonds-fourth-day-row

        das mit der “Todeszone” war schon klar, die Amis nennen diese Inversen Kurven auch oft butterfly, aber im “new normal” unserer Finanzmarktokratie hätte mich das schwer gewundert wenn in solchen Fällen dann nicht doch noch kurz vor dem Absturz aus irgend einem Hut ein neues Kaninchen btw. Geld hervor gezaubert wird. Bevor die zugeben, dass der Kaiser nackt ist und Italien pleite wirds wohl noch ein Weilchen dauern, wer weiss schon zu was unsere Poltiker unter der Führung der Bankster noch alles fähig sind, nur um den Status Quo noch ein bisschen länger zu erhalten.

        btw. M.E. hat schon recht, wenn er da von der Büchse der Pandora spricht

  • M.E. - 20. Oktober 2011

    Das ist das Entscheidende, Bernd.
    Aus der Spirale der Aufblähung der Notenbankbilanzsummen und der Anreicherung der schlechten Risiken wieder rauszukommen wird immer unmöglicher.
    Man hat die Büchse der Pandora als Retter der allerletzten Instanz geöffnet, nachdem der Retter der letzten Instanz (Staaten) immer handlungsunfägiger wurden. Und nun muss man erkennen, dass man keine Chance hat, die Büchse wieder zuzukriegen.

    Aber immerhin hat man wenige Jahre (optimistisch geschätzt) Zeit gekauft.

  • Optimist - 20. Oktober 2011

    Kleine Korrektur zu:
    > “Das ist nicht mehr einfach exponentiell (^2), das ist schon hyperexponentiell (^x wobei x>2).”

    Wenn t die Zeit ist, ist t^2 quadratisches Wachstum mit der Zeit. t^3 ist kubisch und t^x allgemein Wachstum in hoeherer Potenz.

    Exponentielles Wachstum ist x^t mit x>1. Gekennzeichnet dadurch, dass die Zeit im Exponenten und nicht in der Basis steht.

    Hyperexponentielles Wachstum habe ich noch nie gehoert. Das kommt wohl eher nur bei Mathematikern vor.

  • jmg - 20. Oktober 2011

    Zur Einordnung der ELA Krediten ist folgendes hilfreich:
    “ELA revisited: A clarification,” with Ebrahim Rahbari and Juergen Michels, Citi Economics, Global Economics View, 11 Feb. 2011.
    “ELA: An emperor without clothes?,” with Ebrahim Rahbari and Juergen Michels, Citi Economics, Global Economics View, 21 Jan. 2011.

    Zur Frage, ob es eine “natürliche” Obergrenze für die TARTGE2 Salden gibt:
    http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2011/07/target2-unlimited/

    @Bernd Klehn
    “Nach meiner Meinung haben die 9.2 “Net liabilities related to the allocation of euro banknotes
    within the Eurosystem” von 12,5Mrd. den selben Charater wie Target2. Dieses sind zuviel, über den normalen griechischen Anteil hinaus, gedruckte und in den Umlauf gebrachte Eurobanknoten.”
    Sehe ich auch so. Diese über dem Kontingent liegenden Banknoten erlauben es Griechenland mehr Güter, Dienstleistungen und Aktiva im Ausland einzukaufen und finanzieren damit, wie TARGET2, Leistungsbilanzdefizite und die Kapitalflucht im privaten Sektor.

  • Bernd Klehn - 20. Oktober 2011

    jmg

    Mit Target2, Banknoten drucken und sonstiger Zentralbankliquidität komme ich komplett klar. Nur mit ELA nicht. Eigentlich ist ELA nichts weiter als Geld drucken zu nationalen Sonderkonditionen. Ist die Liquidität im Umlauf unterscheidet, sie sich in kleinster Weise von anderer Liquidität. Also müsste sie zu Forderungen innerhalb es Eurosystems führen. In der Form: “Net liabilities related to the allocation of ELAs within the Eurosystem.” Tut es aber nicht. In ELA revisited: A clarification steht “ELA is likely funded by increases in Base money – even if Base money on the balance sheet of the CBI does not show such an increase.” und in der EZB Bilanz auch nicht. Es ist also eine Art Schattenliquidität und ein Nettokapitalimport der nirgendwo auftaucht. Dieses verwirrt mich.

  • anon - 20. Oktober 2011

    @Querschuss
    “Und die Bonität der Kreditnehmer ist miserabel und dies stellt einen aberwitzigen Risikotransfer innerhalb der Eurozone zu Lasten der Deutschen Bundesbank dar.”

    Das ist doch kein Risikotransfer, das Gesamtrisiko für das ESZB und damit für alle NZB ist doch gestiegen, um die notwendige Liquidität bereitzustellen, was nun einmal auch Aufgabe einer Zentralbank ist.

    “Die Target2 Forderungen der Buba werden Monat für Monat nicht nur höher, sondern auch uneinbringbarer, denn die Notenbanken der Südperipherie und Irland haben enorme Mengen an Zentralbankgeld in ein de facto insolventes Bankensystem geschleust und die Wahrscheinlichkeit, das anstelle von Zentralbankgeld wieder privates Kapital kommt und dies eine Rückführung des Target2-Saldos der Deutschen Bundesbank ermöglicht schwindet rapide.”

    Uneinbringbarer? Die Forderungen laufen auf Zentralbankgeld gegen die EZB, eine Zentralbank.

    Insolventes Bankensystem? Bisher nur in Griechenland dank den Austeritätsmaßnahmen die Depression und Deflation ausgelöst haben, der Rest ist bislang nur illiquide.

    Daran wird sich auch nichts ändern, solange man glaubt eine Währungsunion würde ohne Haftungsunion (einheitliches Rechts-/Steuersystem vorausgesetzt) langfristig funktionieren, bis dahin kann jeder Kleinspekulant der Welt an der Eurokrise prächtig verdienen.
    Das ist von Anfang an bekannt, Oktober 1992:
    http://www.lrb.co.uk/v14/n19/wynne-godley/maastricht-and-all-that

    • Querschuss - 20. Oktober 2011

      Hallo Anon,
      ist doch deutlich im Artikel dargelegt u.a. mit der Grafik der EZB. Die Target2-Forderung der Buba sind die Verbindlichkeiten der nationalen Notenbanken der Südperipherie und Irlands und sind dort in der Bilanz gewandelten Forderungen (Kredite) gegenüber den Kreditinstituten, zur Deckung der Leistungsbilanzdefizite, als Ersatz des weggebrochenen privaten Kapitalimportes oder als Ausgleich in der Bilanz der Banken für die Kapitalflucht.

      Das die EZB formal die Forderungen hält, hilft nicht wirklich weiter, wenn die Forderungen bei den nationalen Notenbanken ausfallen. Wenn das europäische Bankensystem nur illiquide wäre müssten sich die Probleme bei der maximalen Liquiditätsflutung über diverse Kanäle in Luft auflösen, dies wird aber nicht so sein. Es gibt wesentlich mehr faule Assets, als Eigenkapital im europäischen Bankensystem. Du musst dich also auf eine lange “illiquide Phase” einrichten. Aber irgenwann nervt es immer deine relativierenden Kommentare zu lesen. Mich überzeugst Du damit nicht.

      Das der Euro eine Fehlkonstruktion ist und selbst heute simpelste Dinge bei Steuern, Recht und Sozialstandards nicht angepasst sind und die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften einen nachhaltigen Erfolg des Projekts von Anfang an konterkariert hat, ist nicht neu und schon immer meine Meinung gewesen.

      Gruß Steffen

      • anon - 21. Oktober 2011

        Mit einer Liquiditätsflutung lassen sich natürlich nicht alle Probleme lösen, grade mit Blick auf Griechenland. Allerdings unterschätzt du meiner Meinung nach die Möglichkeiten die das System noch offen hat, vielleicht wirken meine Kommentare deswegen so relativierend für dich.
        Das ESZB könnte ohne Probleme einen Mindestpreis für alle Anleihen der Eurozone garantieren, z.B. bei einen Marktpreis von 80, alles darunter wird aufgekauft. Oder flexible als Aufschlag im Vergleich zu Bunds:
        “Capping interest rates to stop contagion in the Eurozone”
        http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7106

        Für Griechenland, schreiben Medien das 200 Mrd. an Schwarzgeld in schweizerischen Konten lagern, 25% Abgeltungssteuer und das Problem ist gleich viel kleiner:
        http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Die-Schweiz-soll-fuer-Griechenland-Steuern-eintreiben/story/16926706

        Ein Problem kann man schließlich nur relativ zu den möglichen Lösungen bewerten, die man auch bereit ist zu nutzen. Irgendwann werden dann auch die Lösungen angewendet die wirklich lösen, aber heute noch ‘unvorstellbar’ waren.

  • Sitting-Bull - 20. Oktober 2011

    Hab was zu ELA gefunden, aus 2003, von der EZB, unter Punkt 4
    http://www.ecb.int/press/key/date/2003/html/sp030707.en.html

    Mir ist das nicht geheuer.

  • Bernd Klehn - 20. Oktober 2011

    @ anon

    Erklär uns endlich mal, wer für die Nettoauslandsschulden der Krisenstaaten aufkommen wird, wenn es zum unweigerlichen Schnitt kommt. Die Liste der weltweiten Nettoauslandsschuldner führen Portugal, Irland, Spanien und Griechenland an. Greichenland steht besser da, als die anderen. Bei eigener Währung wären dieses Länder längst pleite. Bisher sehe ich nur die deutsche öffentliche Hand als solventen Gläubiger und der kommt immer stärker ins Obligo und welche Gläubiger sehen Sie?

  • anon - 20. Oktober 2011

    @Bernd Klehn
    Nettoauslandsgläubiger kommen für Nettoauslandsschuldner auf, ein Schnitt muss schließlich auf beiden Seiten der Bilanz vollzogen werden.
    Neben der öffentlichen Hand gibt es schließlich auch noch die private Hand, da gehört der Kleinsparer der sein Geld über Riester-/Renten-/Lebensversicherungen exportierte dazu, auch wenn es ihm keiner gesagt hat. Wer eine höhere Rendite, als Bundesanleihen hergeben, erhalten möchte, hat auch ein höheres Risiko.
    Aber es gibt ja auch noch schweizerische, japanische, norwegische, chinesische etc. Hände…
    Wo, bei wem genau und in welcher Höhe Abschreibungen anfallen würden kann keiner sagen, da Gläubiger im Gegensatz zu Schuldnern kaum Zahlen veröffentlichen (müssen).
    Nebenbei ist die deutsche öffentliche Hand ein noch solventer Schuldner, kein Gläubiger:
    http://www.bundesbank.de/download/statistik/sdds/stat_auslandsvermoegen/sdds_auslandsvermoegen_quartal.pdf

  • bauagent - 20. Oktober 2011

    ………………und gerade hat Italien bei den 10 jährigen Bonds die 6 % Renditegrenze überschritten.
    Die Flucht läuft, die EZB darf einspringen und die Buba weiter die Bilanz verlängern.

    http://www.bloomberg.com/apps/quote?ticker=GBTPGR10:IND

  • SpekulatiusHumanus - 20. Oktober 2011

    Hallo zusammen,

    Erstmal riesen Kompliment an diesen Blog und insbesondere natürlich Steffen !
    Aber auch allen Kommentatoren riesen Lob für Eure Beiträge und vor allen Dingen dem respektvollen Umgang miteinander.

    Genug Lobhudelei und nun zu meinem Anliegen bzw. Beitrag.

    Offenbar tummeln sich hier einige Ökonomen, Betriebswirtschaftler oder Hobby-VWLer bzw. Hobby-BWLer und Wirtschafts-Autodidakten (so wie ich) die entgegen den durch Mainstreammedien aufbereiteten Nachrichten sich anhand von wahren und mehr oder weniger
    unveröffentlichten Fakten ihre eigenes Bild machen und darüber urteilen und sich mitteilen.
    Puuh , was für ein langer Satz ;-)

    Was mir hier ehrlich gesagt noch fehlt ist die juristische Komponente.

    Wie werden von Administratoren/Politiker “regiert” die miss”wirtschaften” , Steuergelder quasi veruntreuen und ein aufs andere Mal verfassungswidrige (!) Gesetze erlassen.

    Hallo ! !! Gehts noch ???

    Worauf ich hinaus will:

    Es gibt doch bestimmt rechtliche Möglichkeiten – gerade jetzt – diesen Missbrauch auszubremsen.
    Wenn auch nur vorübergehend.

    Ist die wirtschaftliche bzw. “monetäre” Lage wirklich so brisant dass dafür keine Zeit mehr ist ?
    Dann hat unsere Regierung zumindest die Sorgfaltspflicht uns alle aufrichtig und ausführlich
    zur gegenwärtigen Lage aufzuklären und zu informieren !

    Das ist deren Pflicht und unser Recht !!!

    Es kann doch nicht sein dass Otto-Normalbürger den aktuellen Stand aus der Bild (ok Boulevard) oder sonstigen Mainstreammedien vernimmt und nur beabsichtigt (?) einzelne Brocken vorgekaut bekommt .

    Von den hiesigen Medien bin ich schwer enttäuscht, zumal sie immer angeben
    frei und objektiv Bericht zu erstatten , dabei sind sie offenbar selbst nur “Prostituierte” dieses Systems.

    Unsere Zukunft steht auf dem Spiel, insbesondere die unserer Kinder, wofür rackern wir uns alle
    tagtäglich ab ?

    Wann kommt die Rente mit 100 ? So wie es aktuell aussieht dürften wir eigentlich gar keine Rente bekommen mit den Schulden die uns tagtäglich unverschuldet neu aufgelastet werden.

    Ich bin zornig – und nein, kein Hartzler, sondern es geht mir und meiner Familie wirklich gut
    aber ich kann dieses System welches sich soziale Marktwirtschaft nennt nicht mehr ertragen.

    Verlogen und betrügerisch einfach das Ganze.

    Mich stört dabei aber insbesondere die Gleichgültigkeit unserer hiesigen Bevölkerung.
    Was wohl zum Großteil an unserer medialen Berichterstattung liegt – behaupte ich jetzt mal so…

    Was und insbesondere wie wird uns denn über die Medien vermittelt was Sache ist ? :

    - Die Griechen sind schuld
    - Die Banken sind schuld

    Wer ist denn wirklich dafür verantwortlich bzw. schuld ????

    Die Politiker sind es und nicht ein Herr Ackermann oder der Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs.

    Immer wird von Rahmenbedingungen sprich Regeln geschwafelt aber “die Eier” geschweige denn das Rückgrat diese durchzusetzen hat keiner.
    Wieso auch, zumal sie ja schon vollkaskoversichert ihre Ämter antreten und im schlimmsten Falle (?) nach Ende einer Legislaturperiode ihr Gehalt und Pension noch weiter aufstocken können.

    Ich nenne das ein “I win and you loose” – Privileg für Regierungsverantwortliche wobei mit “you”
    immer der Steuerzahler und insbesondere auch noch der verarschte Wähler – der vorher mit völlig gegensätzlichen Versprechungen geködert wurde letzendlich mit einem “Danke, da hast du auch noch deinen Arschtritt von mir” verabschiedet wird.

    Daraus folgernd natürlich die stetig sinkenden Wahlbeteiligungen.

    Widerstand ????

    Hier, in Deutschland ???

    Mal ehrlich, occupy Wallstreet bzw. Frankfurt ist ja schön und gut aber da haben sich einige
    wohl geographisch ziemlich verirrt …..

    BERLIN is the place to be !!!

    Gerne bin ich behilflich der “It’s chic to occupy” – Bewegung Apps auf deren Iphones oder Ipads
    zu zaubern um sie auch alle wohlbehütet an die richtige “Location” zu “guiden”

    Berlin, da müsst ihr hin und dort ist auch mehr Platz ;-)

    Das wars bis aufs Erste, vorausgesetzt ich darf hier weiter posten und der
    Blog ist nicht zu statisch auf Statistiken und rein wirtschafliche Fakten fixiert.

    LG, SpekHum

    PS Danke Steffen für die Umstellung auf Schwarz auf Weiss, mein Augenkrebs stagniert ;-)
    PPS Es gibt da ein Sprichwort: ” Entweder du machst das Maul auf oder du machst deine Geldbörse auf”

  • jmg - 20. Oktober 2011

    @ Bernd Klehn
    ELA ist wegen der Intransparenz der Zentralbanken verwirrend.
    In ELA revisited: A clarification findet sich folgender Satz: “In the present Irish case, no public information is provided about how the CBI funds ELA lending.”
    Die irische Zentralbank kann die Zentralbankkredite an die irischen Geschäftsbanken auf eine Art und Weise vergeben, dass die Geldbasis des Eurosystems (nach Definition der EZB) nicht erhöht wird. (nämlich als “non-monetary liabilities”).
    Prima facie hat sie das im Zeitraum Ende 2009 bis Ende 2010 auch getan.(Folgende Zahlen stammen aus ELA revisited: A clarification, Seite 2/3). Die “Other Assets”(Das sind die ELA Kredite) auf der Aktivseite der Bilanz haben um 37.6 Mrd.Euro (51.1-13.5) zugenommen. Wenn sie dies mit der Schaffung von Zentralbankgeld finanziert hätten, müsste die Geldbasis um den gleichen Betrag angestiegen sein. Die ausgewiesene Zentralbankgeldmenge in Irland ist aber im gleichen Zeitraum um 2.4 Mrd Euro geschrumpft. Schlussfolgerung: ELA Kredite wurden von der irischen ZB so vergeben, daß die Geldbasis nicht beeinflusst wurde.
    Buiter et al. sagen, dass diese Folgerung allerdings ein geistiger Kurzschluss wäre. Es kann nämlich sein, dass der Anstieg der Geldbasis aufgrund der ELA-Kredite überkompensiert wurde durch einen Abfluss von Zentralbankliquidität über das TARGET2-Zahlungssystem (Das sind die “Other liabilities”). Und tatsächlich sind 92.6 Mrd Euro(162.2-69.6) in diesem Zeitraum aus Irland abgeflossen.
    Man kann dann folgende Rechnung aufmachen:
    Geldbasisveränderung(-2.4Mrd.) = ELA Kredite(+37.6 Mrd) + normale geldpolitische Operationen(+52.6 Mrd)-TARGET2-Saldo(-92.6 Mrd) . Für diese Variante spricht auch die Tatsache, dass die Deutsche Bundesbank im September/Oktober 2008 (Lehman Pleite) einen ELA Kredit in Höhe von 20 Milliarden Euro vergeben hat (an wen eigentlich?) und die Geldbasis in Deutschland, allerdings nur temporär, angestiegen ist. Warum sollten es die Iren anders machen als die Inflationsexorzisten und Milton Friedman Jünger von der Bundesbank.

  • Hans Hufnagel - 20. Oktober 2011

    Hallo Allerseits,
    Hab an anderer Stelle davon gehört, dass Währungen wie der de.wikipedia.org/wiki/CFA-Franc_BCEAO durch ihre enge und feste Kopplung an den Euro auch noch Probleme bereiten können. Hier muss die französische Notenbank ggf. Euros rausrücken und Risiken übernehmen.
    Bisher lief das eher umgekehrt als Weg um Geld abzusaugen.
    Kennt sich da jemand aus?
    Viele Grüsse und vielen Dank,
    Ich habe wenig Zeit, aber hier lese ich doch immer wieder und gerne mit!!!
    Hans

  • M.U. - 21. Oktober 2011

    Schließlich bleibe noch die unparitätische Währungsreform, aber das Wort in den Mund zu nehmen käme keinem Politiker in den Sinn, obwohl es die schnellste, beste und letztlich billigste und gerechteste Methode wäre. Und kommen tut sie sowie so, spätestens nachdem die europäischen Hauptstädte abgefackelt sind. Und das geht schneller als man denkt. Wer hätte schon 1929, auf dem Höhepunkt der „Goldenen Zwanziger“ und kurz vor dem Crash gedacht, das knapp 16 Jahre später Europa in Trümmern liegen würde?

    http://tandemvipera.blogspot.com/2011/10/und-die-tinte-ist-noch-nicht-trocken.html

  • SLGramann - 21. Oktober 2011

    @SpekHum, kann Deinen Zorn gut verstehen. Und Du hast recht: In einer VWL-geprägten Debatte kommen die politischen Fragen oft zu kurz (was auf dieses Forum nicht zutrifft). Der Finanzmensch denkt eben rein pragmatisch. Das, was gerade im materiellen Interesse des Betrachters liegt, soll in der Gesellschaft vollzogen werden – eine schlaue “wissenschaftliche” Begründung findet sich immer.

    Was dabei vergessen wird, ist, dass Wirtschaftsordnung und Finanzsystem auf bestimmten rechtlichen und moralischen Grundlagen stehen. Und da hat sich mit dem Euro viel geändert. Wir haben gelernt, dass Verträge das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Wir haben gelernt, dass unsere Herrscher jedes Versprechen brechen, wenn es opportun ist. Dass jedes Gesetz und jeder Vertrag nur so lange gilt, wie es nicht unbequem wird, sich daran zu halten.

    Diese totale Verlotterung der staatlichen Moral, die Abdankung der Parlamente, das alles wird Spätfolgen haben, die heute noch keinen interessieren. Der Rechtsstaat ist tot – jedenfalls jenseits der Straßenverkehrsordnung. Die Demokratie ist ebenfalls tot.

    Auch zwischen den Staaten der Eurozone beginnen sich die Vertragsbeziehungen langsam in Protektoratsbeziehungen umzugestalten. Ein Imperium scheint zu entstehen. Allerdings eines ohne jeden Glanz – von und für Bürokraten, Technokraten und die Finanz- und Wirtschaftselite.

    Wie fern ist der Tag, an dem die Völker im Süden gegen die aus ihrer Sicht deutsche Fremdherrschaft rebellieren werden? Schaffen es die Eurokraten, uns in den nächsten 10 Jahren in den Bürgerkrieg zu treiben?

  • M.E. - 21. Oktober 2011

    Was in den letzten 24 Stunden rund um die “Euro-Rettung” abgelaufen ist, ist wirklich bühnenreif.
    Dabei sind doch die Entscheidungswege im Eurobreich so furchtbar einfach: 17 profilsüchtige Regierungschefs, 17 Regierungen, 17 Parlamente, 1 Eurogruppe, 1 europäische Kommision, 1 europäisches Parlament, 1 EZB, 17 nationale Notenbanken…
    Eigentlich die besten Vorraussetzungen für schnelle und effektive Entscheidungen.
    lol

  • appaloosa - 21. Oktober 2011

    @M.E: “profilsüchtige Regierungschefs”
    Das ist doch schon seit vielen Jahrzehnten ein Pleonasmus. ;)

  • Bernd Klehn - 21. Oktober 2011

    jmg

    ELA

    Jetzt kann ich ELA einordnen.

    Abweichungen von dem durch den EZB-Rat festgelegen Verteilungsschlüssel für Banknoten, führen sofort zu Forderungen innerhalb des Eurosystems, da keiner weis wo die Banknoten letztendlich abbleiben. Die sonstige Zentralbankliquidität landet als Sichtguthaben auf den Konten der nationalen Zentralbanken und der EZB. Unabhängig davon, ob sie durch normale Repro-Geschäfte oder Sondergeschäfte entstanden sind. Verlassen die Sichtguthaben den Geltungsbereich der jeweiligen Zentralbank oder es kommen von außen neue hinzu führt dieses zu Traget2 Salden. So einfach scheint dieses zu sein.

    Um ein vollständigeres Bild zu bekommen, muss also auch die EZB Bilanz, nicht die Bilanz des Eurosystems, herangezogen werden.

    Haftung:

    Interessanter ist die Haftungsfrage für die nationalen Repro und ELA Geschäfte. Bei ELA ist dieses geklärt, hier haftet die jeweilige nationale Zentralbank und damit der jeweilige Staat. Bei den anderen Repro-Geschäften ist es glaube ich nicht so eindeutig geklärt. Hier kann das Eurosystem die Haftung übernehmen, sofern es feststellt, dass sich Repro-Geschäft im Einklang mit dem Eurosystem befand. Der EZB-Rat entscheidet also im Einzelfall ob das Eurosystem die Haftung übernimmt oder nicht.

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