Target2 – Rekord im August

von am 12. September 2011 in Allgemein

Der Irrsinn des aktuell herrschenden TINA-Systems, There Is No Alternative, geht weiter in die Vollen, Monat für Monat steigen die Forderungen Deutschlands gegenüber den schwächeren Mitgliedern der Eurozone, nicht nur über die Bürgschaften und Garantien der Rettungspakete, sondern auch über das Target2 Zahlungssystem (Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer System). Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB schossen im August 2011, laut den heute veröffentlichten Daten, auf ein neues Rekordhoch mit 402,739 Mrd. Euro, nach 355,977 Mrd. Euro im Vormonat.

Der Anstieg der Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt, mit +46,762 Mrd. Euro zum Vormonat, war der höchste jemals verzeichnete Anstieg in der Datenreihe der Bundesbank, hier der Blick auf die Entwicklung der Forderungen (Kredite) der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich nur bei maximal 15 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung mit exponentieller Funktion, welche im August 2011 in einem Rekordniveau von 402,739 Mrd. Euro mündete.

Von den Forderungen insgesamt, gingen auf das Konto nur der Forderungen gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto), welches den Saldo aus dem abgewickelten Zahlungsverkehr im so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2) abbildet, fulminante 390,423 Mrd. Euro, ebenfalls ein Allzeithoch und ein Anstieg von +46,761 Mrd. Euro zum Vormonat.

Unverantwortlich werden über Target2 beschleunigt weiter Forderungen gegenüber der Südperipherie und Irland aufgebaut, wohlwissend, dass diese nichteinbringbar sind!

Dies verdeutlicht auch noch einmal, dass die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands, Zeichen der enormen Wettbewerbsfähigkeit, Pyrrhussiege sind, da sie immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland erhöhen. Gegenüber der Südperipherie der Eurozone findet deren Defizitfinanzierung der Leistungsbilanz sowie die Liquiditätssicherung der irischen Banken u.a. auch über den Kapitalexport via Target2 statt, wie die Verrechnungssalden des Target2 System im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) zeigen. Zugleich sind die Target2 Salden ein Krisenindikator, denn zunehmend wird die Finanzierung der PIGS-Länder (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) nicht mehr über den Kapitalmarkt, sondern von den Druckerpressen der Zentralbanken übernommen. Von 2008 bis 2010 wurden 88% der Leistungsbilandefizite der PIGS über Target2 finanziert, so Professor Sinn in seinem weiterhin lesenswerten Working Paper vom 24.06.2011. Ein Auszug daraus:

“Letztlich ist ein erheblicher Teil des gesamten Exportüberschusses (Deutschlands) der letzten drei Jahre mit neu gedrucktem Geld bezahlt worden, für das sich die Länder der Peripherie bei der Europäischen Zentralbank zu Lasten, aber auch mit Billigung der Bundesbank die Druckerlaubnis holten. Der Zins für den Kredit, den die GIPS-Länder erhielten, lag bei nur 1%. Da er unter dem Marktzins und unter der Inflationsrate lag, kann man diesen Kredit auch als eine implizite Exportsubvention begreifen.”

Professor Sinn kommt nicht umhin festzustellen, das die Ausweitung von Target2 und damit niedrige Zinsen, Kredit und Liquiditätsverfügbarkeit, auch die Kapitalflucht ermöglichte: “Nutznießer der EZB-Politik waren, wenn man diese Aspekte bedenkt, vor allem die reichen Vermögensbesitzer der GIPS-Länder, denen es gelang, ihr Vermögen ins Ausland zu retten. Aber natürlich gehörten auch die Eigentümer der Banken und Versicherungen Zentraleuropas, allen voran Frankreichs und dann auch der Bundesrepublik Deutschlands, zu den Nutznießern.” Ausführlich dargelegt PDF Working Paper Seite 41 letzter Absatz bis Seite 43 Ende erster Absatz.

Die Stabilität der Währungsunion ist in Folge der Finanzkrise, den Bankenbailouts und den aufgebauten Ungleichgewichten im Handel völlig aus dem Ruder gelaufen und die Gefahr einer unkontollierten Entladung der Verwerfungen steigt weiter.

Quelle Daten: Bundesbank.de/Datenbank: Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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