Target2 – Rekord im August
Der Irrsinn des aktuell herrschenden TINA-Systems, There Is No Alternative, geht weiter in die Vollen, Monat für Monat steigen die Forderungen Deutschlands gegenüber den schwächeren Mitgliedern der Eurozone, nicht nur über die Bürgschaften und Garantien der Rettungspakete, sondern auch über das Target2 Zahlungssystem (Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer System). Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB schossen im August 2011, laut den heute veröffentlichten Daten, auf ein neues Rekordhoch mit 402,739 Mrd. Euro, nach 355,977 Mrd. Euro im Vormonat.
Der Anstieg der Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt, mit +46,762 Mrd. Euro zum Vormonat, war der höchste jemals verzeichnete Anstieg in der Datenreihe der Bundesbank, hier der Blick auf die Entwicklung der Forderungen (Kredite) der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB:
Die Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich nur bei maximal 15 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung mit exponentieller Funktion, welche im August 2011 in einem Rekordniveau von 402,739 Mrd. Euro mündete.
Von den Forderungen insgesamt, gingen auf das Konto nur der Forderungen gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto), welches den Saldo aus dem abgewickelten Zahlungsverkehr im so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2) abbildet, fulminante 390,423 Mrd. Euro, ebenfalls ein Allzeithoch und ein Anstieg von +46,761 Mrd. Euro zum Vormonat.
Unverantwortlich werden über Target2 beschleunigt weiter Forderungen gegenüber der Südperipherie und Irland aufgebaut, wohlwissend, dass diese nichteinbringbar sind!
Dies verdeutlicht auch noch einmal, dass die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands, Zeichen der enormen Wettbewerbsfähigkeit, Pyrrhussiege sind, da sie immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland erhöhen. Gegenüber der Südperipherie der Eurozone findet deren Defizitfinanzierung der Leistungsbilanz sowie die Liquiditätssicherung der irischen Banken u.a. auch über den Kapitalexport via Target2 statt, wie die Verrechnungssalden des Target2 System im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) zeigen. Zugleich sind die Target2 Salden ein Krisenindikator, denn zunehmend wird die Finanzierung der PIGS-Länder (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) nicht mehr über den Kapitalmarkt, sondern von den Druckerpressen der Zentralbanken übernommen. Von 2008 bis 2010 wurden 88% der Leistungsbilandefizite der PIGS über Target2 finanziert, so Professor Sinn in seinem weiterhin lesenswerten Working Paper vom 24.06.2011. Ein Auszug daraus:
“Letztlich ist ein erheblicher Teil des gesamten Exportüberschusses (Deutschlands) der letzten drei Jahre mit neu gedrucktem Geld bezahlt worden, für das sich die Länder der Peripherie bei der Europäischen Zentralbank zu Lasten, aber auch mit Billigung der Bundesbank die Druckerlaubnis holten. Der Zins für den Kredit, den die GIPS-Länder erhielten, lag bei nur 1%. Da er unter dem Marktzins und unter der Inflationsrate lag, kann man diesen Kredit auch als eine implizite Exportsubvention begreifen.”
Professor Sinn kommt nicht umhin festzustellen, das die Ausweitung von Target2 und damit niedrige Zinsen, Kredit und Liquiditätsverfügbarkeit, auch die Kapitalflucht ermöglichte: “Nutznießer der EZB-Politik waren, wenn man diese Aspekte bedenkt, vor allem die reichen Vermögensbesitzer der GIPS-Länder, denen es gelang, ihr Vermögen ins Ausland zu retten. Aber natürlich gehörten auch die Eigentümer der Banken und Versicherungen Zentraleuropas, allen voran Frankreichs und dann auch der Bundesrepublik Deutschlands, zu den Nutznießern.” Ausführlich dargelegt PDF Working Paper Seite 41 letzter Absatz bis Seite 43 Ende erster Absatz.
Die Stabilität der Währungsunion ist in Folge der Finanzkrise, den Bankenbailouts und den aufgebauten Ungleichgewichten im Handel völlig aus dem Ruder gelaufen und die Gefahr einer unkontollierten Entladung der Verwerfungen steigt weiter.
Quelle Daten: Bundesbank.de/Datenbank: Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de
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- 462.739.000.000,00 = 5.784,24 Euro pro Kopf (ganz ohne Bundestag und Demokratie) « Start - [...] verdanken wir diese hervorragende Darstellung zu TARGET II (siehe unsere Darstellung hier): Nach den aktuellen Daten der Bundesbank sind ...
- Fragen Sie Merkel und Schäuble ! | Zukunftskinder 2.0 - [...] die sich schwer mit den Bundesbank-Traditionen verbinden lässt. Seit Beginn der Krise sind über das Eurozahlungssystem die Forderungen der ...

schnauzevoll - 12. September 2011
PPT rettet Wallstreet ins Plus?
anon - 12. September 2011
Da fliest ja eine Menge Geld nach Deutschland, können sich unsere Banken freuen.
M.E. - 12. September 2011
Ja, schnauzevoll,
oft, wenn so richtig “Land unter” ist, werden die Jungs in der volumenschwachen letzten halben Stunde hyperaktiv. Ein oft zu beobachtendes Muster.
Nach dem Motto: “Was machen Sie beruflich?” Antwort: “Ich bin Börsenchartdesigner!”
@ Steffen
Du läufst ja zu immer größerer Hochform auf. Wieder nur in den Querschüssen zu finden, diese Sachverhalte wie im obigen Querschuss. Die breite Öffentlichkeit hat nicht den blassesten Schimmer von diesen Entwicklungen.
Danach hätte mal heute der Bundesfinanzkrisenminister in der Sendung “Was nun, Herr Schäuble?” gefragt werden sollen. Womöglich wäre selbst Wolfgang Pokerface Schäuble in Erklärungsnot gekommen.
Querschuss - 12. September 2011
Hallo M.E.,
zumal CDU und FDP jetzt teilweise umschwenken und gegen Eurobonds sind, was ja inhaltlich in Ordnung ist, aber Target2 de fakto nichts anderes ist, als die Vergemeinschaftung der Risiken aus dem aufgebauten Saldo, gemäß EZB-Schlüssel.
Gruß Steffen
Appaloosa - 12. September 2011
@schnauzevoll: Wenn man bedenkt, das in diesem Umfeld der DOW bei 11000 ist, also etwa so hoch wie zur .com-Blase, dann weiß man, dass das Ding eine gigantische Blase ist.
jmg - 12. September 2011
Bravo, Querschüsse bleibt am Ball und bringt Licht ins Dunkel. Man findet kein Wort über die seit Monaten von einem Allzeithoch zum nächsten ansteigenden TARGET2 Horrorzahlen in den angesehenen Printmedien wie Zeit, FAZ, Sueddeutsche, Welt. Die Bürger brauchen Transparenz. Weiter so !!!
Für alle, die sich noch näher mit den TARGET2-Forderungen der Bundesbank beschäftigen wollen, sei auf folgende Artikel hingewiesen:
Der ehemalige Bundesbankpräsident Schlesinger kritisiert die Bundesbank wegen der TARGET2-Forderungen. Er schlägt eine Obergrenze vor, sowie einen Strafzins.
LINK: http://www.faz.net/artikel/C30638/bundesbankbilanz-schlesinger-kritisiert-die-bundesbank-30498272.html
Sinn hat einige Ökonomen aus Wissenschaft und Zentralbanken motiviert ihre Sicht der TARGET2 Forderungen zum Besten zu geben. Die akademischen Ökonomen sehen die Sache eher kritisch. Die noch aktiven Zentralbanker halten dagegen.
ifo Schnelldienst 16/2011 “Die europäische Zahlungsbilanzkrise”
LINK: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/_DocBase_root/DocBase_intro/_Publication_Content?p_article_nr=110120110160
mit (unter anderen) folgenden Beiträgen:
Sinn, Hans-Werner
“Die europäische Zahlungsbilanzkrise – Eine Einführung”
Schlesinger, Helmut
“Die Zahlungsbilanz sagt es uns”
(Darauf bezieht sich der obige FAZ Artikel)
Neumann, Manfred J. M.
“Refinanzierung der Banken treibt Target-Verschuldung”
Homburg, Stefan
“Anmerkungen zum Target2-Streit”
(auch in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Wirtschaftsdienst erschienen)
Ulbrich, Jens und Alexander Lipponer (Bundesbank Ökonomen)
“Salden im Zahlungsverkehrssystem Target2 – ein Problem?”
Bindseil, Ulrich, Thiman Philippine Cour- (beide EZB)
und Philipp König (TU Berlin)
“Weitere Anmerkungen zur Debatte um Target2 während der Finanzkrise”
M.E. - 12. September 2011
Hallo Appaloosa,
man muss allerdings den Kaufkraftverlust der letzten 11 Jahre runterrechnen beim Vergleich der jeweiligen Indexstände. Ein Anleger in den Durchschnitts-DOW-Index ist also bei gleichem Stand des DOW um real ca. 20…25% ärmer geworden seit dem Jahr 2000. Ok, Dividenden sind gegenzurechnen.
Trotzdem: mit der “gigantischen Blase” hast Du trotzdem recht. Sehr schön auch abzulesen an dem 77%-Rückgang des Nikkei-Index in den letzten 21 Jahren. Und selbst da ist noch viel Luft nach unten, wenn die diversen Finanzmarktblasen platzen und der Realwirtschaft den Garaus machen.
M.E. - 12. September 2011
Das war ja klar:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785871,00.html
Und die werden das auch schaffen und das Programm stoppen.
anon - 12. September 2011
@jmg
Sinn interpretiert die Target2 Forderungen leider durch seine ideologisch gefärbte Brille so schreibt er in seinem WP (S.14):
“Es kommt bei der Verbuchung der Zahlungsvorgänge nicht darauf an, was die griechische Firma in Deutschland kauft. Statt eines LKW kann es sich auch um ein deutsches Vermögensobjekt, z.B. ein Grundstück, eine Firma oder irgendein Wertpapier handeln. Auch die bloße Eröffnung eines deutschen Girokontos, auf das ein Grieche zu eigenen Gunsten Geld überweisen möchte weil er seinen Banken misstraut, führt im Prinzip zu demselben Zahlungsvorgang.”
Genau diesen Unterschied zw. dem kaufen mit vs. umschichten von Geld aus griechischen Banken in deutsche Banken hinein, beantwortet er nicht.
Buiter argumentiert dagegen weitaus weniger ideologisch und die Daten sprechen für ihn:
Making sense of Target imbalances
http://www.voxeu.org/index.php?q=node/6945
Paper: http://www.cepr.org/pubs/PolicyInsights/PolicyInsight57.pdf
M.U. - 12. September 2011
“An all das was uns aus Berlin erzählt wird immer noch zu glauben, dafür muss man wahrlich kindlich naiv oder eben völlig, völlig verzweifelt sein.”
http://tandemvipera.blogspot.com/2011/09/die-schlinge-zieht-sich-zu.html
jmg - 13. September 2011
@anon
was an dem Zitat von Sinn ideologisch sein soll ist mir nicht klar. Er beschreibt doch nur
die Target2-Buchungstechnik. Dann wäre ja jeder Buchhalter ein Ideologe.
Ert - 13. September 2011
Hmm….
Mal ne Frage: Kann die Buba immer noch Zentralbankgeld (ZBG) schöpfen bzw. einfach ihre Bilanz verlängern? Muss die sich nicht auch bei der EZB die Kohle abholen oder Sicherheiten einbuchen?
Mir ist ja grundsätzlich klar was hier läuft – nur die exakte Mechanik nicht. Wenn eine ZB einfach das so machen kann – dann könnte doch auch die Griechische eingfach ZBG schöpfen, Ihre Bilanz aufblasen… das wars.
Etwas verwirrt…
Querschuss - 13. September 2011
Hallo Ert,
lies Dir bei Gelegenheit mal die verlinkte PDF von Prof. Sinn durch. Auch wenn man in jedem Detail ihm nicht folgen will oder auch mal nicht folgen kann, beantwortet die PDF auch Fragen der Mechanik und den Unterschied zu der US-Version von Target2, wo ein unlimitiertes Aufschaukeln der Forderungen nicht möglich wäre. Die Buba kann außer über ELA kein ZBG schöpfen, dies kann nur die EZB, aber Target2 ist so konzipiert, das sich die Salden ungefragt auftürmen und die Bundesbank gegen diese Mechanik nichts ausrichten kann, da so konstruiert. Die Salden enstehen ja nicht durch bewusste Kreditvergabe der Bundesbank, sondern durch die einzelnen Handlungen der Marktteilnehmer im Echtzeitzahhlungssystem Target2.
Letztlich muss man auch nicht jedes Detail wissen bzw. begreifen, wichtig ist nur, zuerkennen, dass es eines der Mittel zur Kreditfinanzierung der Südperipherie und Irland ist, um den Status Quo der Verwerfungen zu verlängern und im Zweifel der deutsche Steuerzahler mithaftet!
Gruß Steffen
Rainer - 13. September 2011
Ich habe jetzt schon einiges über die Target2 Gelder gelesen, insbesondere hier bei Querschüsse. Aber ich habe immer noch nicht ganz verstanden was sie bedeuten. Ganz besonders geht mir das so, wenn ich Sätze wie diesen auf den Seiten der Bundesbank lese: “TARGET2-Salden stellen für die einzelnen nationalen Notenbanken keine eigenständigen Risiken dar.” Kann mir jemand das mal etwas genauer erklären?
Links:
http://www.bundesbank.de/download/presse/pressenotizen/2011/20110222.target2-salden.php
http://fragdenstaat.de/anfrage/target-2-salden/
Vielen Dank auch für die hervorragenden Informationen auf diesen Seiten, die ich schon seit langem verfolge.
Querschuss - 13. September 2011
“TARGET2-Salden stellen für die einzelnen nationalen Notenbanken keine eigenständigen Risiken dar.” Ist Neusprech und heißt, das die Bundesbank und damit der deutsche Steuerzahler bei einem Zahlungsausfall “nur” mit dem EZB-Anteil, ca 27% haften muss, allerdings legt sich der prozentuale Anteil des Ausgefallenen noch auf die Verbliebenen um. Bei einem Zusammenbruch des Euro sind solche Vereinbarungen Makulatur. Bei einem kontrollierten Zahlungsausfall Griechenlands dürften die Bundesbank mit knapp 30% der Summe haften.
Gruß Steffen
MagnaBavaria - 13. September 2011
Wieder eine (interessante) aktuelle Zusammenfassung des EU-Geschehens von Ralf Streck:
http://www.heise.de/tp/artikel/35/35479/1.html
killing fields - 13. September 2011
Hallo,
sprechen ein Italiener und ein Chinese miteinander so steigen eben die Kurse.
http://moneycab.com/mcc/?p=65868
So einfach kann die Börsenwelt sein!
Zu dem TARGET Programm fällt einem ein das über ein Verrechnungskonto Summen transerfiert werden die vor ein paar Jahren noch völlig undenkbar waren.
400 Milliarden Euro! Woher kommen sie? Mit welchen Besicherungen sind sie hinterlegt? Welche Rückzahlungsmodalitäten sind vereinbart? Wer bürgt wirklich für die gesamte Summe ? Was sagt das Parlament dazu? Immerhin wußten unsere Gewählten bis vor kuzem nichts von derartigen Transaktionen.
Aber der Hit ist folgender! Wie kann es sein das ein Konto unbegrenzt belastet wird, ohne das der Inhaber sich dagegen wehren kann?
Man stelle sich vor, ein Geschäftspartner hat vollen Zugriff auf das Konto seines Gegenübers. Das ist unvorstellbar und wiederspricht allem was eine Geschäftsbeziehung beinhaltet.
All diese Fragen werden von offizieller Seite gar nicht oder in einer Sprache beantwortet die niemand versteht!
Einzig Querschüsse bringt Licht ins Dunkel !
Es ist eine Schande des ganzen Medienwesen sich wiederum einlullen zu lassen von Mächten die ein perverses Spel mit uns treiben!
M.E. - 13. September 2011
Aha! Der 100%-Verschuldungs- und 11%-Neuverschuldungspräsident fordert die 83%-Verschuldungs- und 4%-Neuverschuldungsländer (Durchschntt) auf, ihre Verschuldungsprobleme zu lösen.
Immerhin originell!
Murks - 13. September 2011
Der Dow darf nicht platzen – das wäre Deflation vom feinsten in den USA und noch mehr Haushalte wären unter Wasser – da viele Aktien als Kreditsicherung gegeben haben…
Der Dax hat 24% verloren dieses Jahr – der Dow 5 !
Ein Schelm wer böses dabei denkt…
MagnaBavaria - 13. September 2011
@ M.E.
Klar er muss ja auch von seinen Problemen mit den Republikanern ablenken (siehe von dir geposteten Link). Langsam wird es sehr, sehr, sehr eng für ihn. Viel Spielraum hat er nicht und was kommt gelegener als gegen die EU zu schießen, mit allem (getreue Medien) was er hat…
micdinger - 13. September 2011
Auch wenn die Lage ernst ist, eine amüsante Betrachtung der Situation sollte muss auch mal sein:
Finanzkrise grandios erklärt (Video) http://www.goldreporter.de/finanzkrise-grandios-erklart-video/news/13725/
MagnaBavaria - 13. September 2011
Interessant 10-jährige Italien-Bonds sind derzeit bei 5,77 %
Thomas Völker - 13. September 2011
Die Alimentierung der Resteuroländer ist nicht nur sinnvoll, sondrn auch wünschenswert: mit jedem Subventionseuro wird deren Realwirtschaft geschwächt.
Der Figaro titelte einst, der Euro sei wie Versailles, nur ohne Krieg. Der erste Halbsatz stimmt zweifelsohne, der zweite nicht.
Eine Aufhebung des Transfermechanismus darf erst erfolgen, wenn die Realwirtschaft Resteuropas so sehr zerrüttet ist, daß die auf absehbare Zeit nicht mehr hochkommen.
Wirtschaft ist Krieg.
M.E. - 13. September 2011
Hallo Magna,
da hat also auch das Gerücht, die Chinesen wollten italienische Staatsanleihen kaufen, nichts genutzt.Und auch die Anleihenkäufe der EZB vermögen nur kurzfristige und geringfügige Entlastungen zu bringen.
So werden also bald wieder Zinsen von über 6% verlangt werden, ist zu vermuten. Und auch die Kurzläufer dürften dann bald keine entlastende Zinswirkung mehr haben, denn ein Land mit finanz- und realwirtschaftlichen Problemen rutscht leicht in eine inverse Zinskurve, bei der die Kurzläufer höher verzinst sind als die 10-jährigen.
Die Todes-Zinszone ist nicht mehr weit. Die Euro-Gruppe und die EZB können sich schon mal warm anziehen.
MagnaBavaria - 13. September 2011
Hallo M. E.
das hat mich allerdings auch verwundert, ich hatte eigentlich mit einem Satz rund um 5 % gerechnet, aber so was!?!
Wenn solche “guten” Meldungen derzeit nichts nützen, wird der Zinssatz spätestens beim eingestehen der (faktisch heute schon) Griechenlandpleite durch die Decke, derzeit ist die Decke wohl lt. Medienberichten bei 7 % zu sehen, schießen. Und dann kann sich wohl jeder ausmalen was auf die Eurozone zukommen wird, spätestens dann schwappt diese Welle auch auf die USA über, die eigentlich seit 2007/2008 nicht aus ihrer Rezession gekommen sind. Sie haben sich durch ihre QEs nur Zeit gekauft, von einer Lösung der Supremekrise (Banken-, Arbeitslosen, Immobilen- etc.-Krise) sind sie sprichwörtlich Meilen weit entfernt.
M.E. - 13. September 2011
Der DAX ist von Tageshoch zum bisherigen Tagestief in nur gut einer Stunde schon wieder um 200 Punkte abgestürzt. Die Nervosität ist enorm.
MagnaBavaria - 13. September 2011
Ich wußte gar nicht, dass die USA 51 Bundesstaaten hat, bzw. die EU aus 28 Ländern besteht:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/geithner-laedt-sich-zum-treffen-der-euro-finanzminister-ein/4603024.html
Steini - 13. September 2011
Hallo,
darf man Fragen warum die schwachen Euroländer (z. B. Griechenland) nicht aus eigenem Interesse aus der Währungsunion aussteigen?
Soweit ich das sehe leiden diese doch unter dem (für sie) hohen Euro-Wert und werden nie aus dem riesigen Schatten Deutschlands treten können. Wenn ich das richtig verstanden habe kauft die Welt doch eher deutsche Produkte, weil die zum fast selben Preis hochwertiger sind, oder? Dass Deutschland mit seiner schwachen Gehaltsentwicklung daran nicht ganz unschuldig ist mag vielleicht sein. Allerdings stehen dem die horrenden Gehaltsentwicklungen der “Schwachen” gegenüber.
Ich verstehe nun nicht warum sich die “Schwachen” das weiter antun. Machen die sich damit nicht die ganze eigene Wirtschaft bzw. Markt kaputt? Die Nachfrage an deren Produkte bleibt doch weiter aus bzw. geht zurück. Firmen gehen kaputt und die Wirtschaft stirbt. Geldspritzen schön und gut, aber die beleben doch nicht die Nachfrage, um die Wirtschaft anzukurbeln. Geldspritzen sehe ich nur dazu da um jemanden für eine gewisse Zeit über Wasser zu halten. Das schlimmste ist doch für ein Land, wenn die Wirtschaft tot ist. Ich vergleiche das etwas mit der Eingliederung des Ostens. Dabei wurde in meinen Augen versucht, aus dem nichts und mit viel Geld eine Marktwirtschaft zu etablieren. Wenn man ehrlich ist, ist dies noch nicht wirklich bzw. vollständig gelungen. Eine Wirtschaft braucht einfach seine Zeit, um zu wachsen. Mit der Globalisierung, in der qualifizierte Arbeitskräfte überall hin abwandern können, denke ich noch viel schwerer. Wären sie damit nicht besser beraten einfach auszusteigen, um ihre Wirtschaft zu retten?
In unserem Interesse (Deutschlands) sehe ich das zunächst zweigeteilt. Mit jedem Austritt eines “Schwachen” wird der Euro-Wert steigen und die Produkte, für die Welt, teurer werden. Da wir mittlerweile extrem vom Export abhängig sind, wird uns das sehr hart treffen. Sicher wird des auch die anderen verbleibenden Länder in der Währungsunion treffen. Vielleicht nicht ganz so hart, aber förderlich wird es auf jeden Fall nicht sein.
Würde man dagegen den aktuellen Kurs beibehalten und weiter zahlen, dann könnten die “Schwachen” noch einige Zeit Waren von uns kaufen und somit unseren Export am Leben erhalten. Irgendwann würde aber auch deren Nachfrage an unseren Gütern zum erliegen kommen, weil die Finanzkraft dann einfach nicht mehr ausreicht. So würde uns ebenfalls ein riesiger Export-Anteil kaputt gehen und uns “hart treffen”. Allerdings sind diese Länder dann komplett am Ende.
Den einzigen sinnvollen und auch moralisch korrekten Weg sehe ich im schrittweisen Ausstieg aus dem Euro – bis hin zur “Deutschen Mark”. Ganz einfach ein Land nach dem anderen und die “Schwächsten” zu erst. Damit sollten alle beteiligten Länder sich langsam an die neuen Gegebenheiten orientieren können.
Ich bin absoluter Leihe, der ab und zu hier mal ein paar Beiträge liest. Mich interessiert nun einfach, ob ich mit meinen Ansichten richtig oder eher falsch liege. Daher würde ich mich über konstruktive Kritik und Verständnishilfe sehr freuen.
Vielen Dank!!
Bernd Klehn - 13. September 2011
Wie tief die Zahlungsbilanzkrise innerhalb der Eurozone vorangeschritten ist, zeigt die neuste Zahl der sonstigen Forderungen der Bundesbank innerhalb des Eurosystems (Target2). Diese sind im August von 343Mrd auf 390Mrd. gestiegen. http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&open=&func=row&tr=EU8148. Rechnet man die EZB-Anleihenkäufe und die Rettungsschirme hinzu wird einen ganz schwindlig. Viele Länder in der Eurozone sind nicht mehr in der Lage sich am freien Kapitalmarkt zu finanzieren. Mittlerweile besteht nicht nur ein Finanzierungsbedarf für die negativen Leistungsbilanzen, sondern auch für Kapitalflucht aus diesen Ländern. Im Augenblick werden die Zahlungsbilanzen und Liquidität fast ausschließlich durch ein Griff in die Kasse der Bundesrepublik Deutschland hergestellt. Dauert die Kapitalflucht, (der Finanzmarkt will dort in neuer Übertreibung massiv positive Leistungsbilanzen sehen) aus den Krisenländern an, ist alles zu spät. Da kann keiner Gegenhalten. Trichet kann von Glück sagen, wenn er pensioniert ist, bevor die Bombe platzt. Analyse: Wir haben es mittlerweile neben den Leistungsbilanzdefiziten mit massiver Kapitalflucht zu tun. Die Dämme sind spätestens im August gebrochen. Die Kapitalflucht aus Irland war kein singuläres Ereignis, sondern hat massiv breitflächig eingesetzt. Ergebnis Deutschland wird die enormen Forderungen via EZB-Target, nicht nur die 27%, und Rettungsschirmen abschreiben müssen und somit des größten Teils des Nettoauslandguthabens verlustig gehen und in Staatsschulden umrubeln müssen.