Target2 Saldo der BUBA explodiert im Februar um +48,915 Mrd. Euro

von am 4. März 2012 in Allgemein

Obwohl die Zeitreihe der Deutschen Bundesbank (BUBA) zum Target2 Saldo für Februar 2012 noch nicht aktualisiert wurde, denn diese wird meist erst um den 10. des Monats für den abgelaufenen Monat aktualisiert, liegt bereits auf einer Webseite der BUBA, ein konkreter Target2 Saldo für Februar 2012 vor. Und dieser neue Saldo hat es in sich, der Wahnsinn in der Eurozone geht demzufolge beschleunigt in die nächste Runde. Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Buba) aus Target2 stiegen im Februar 2012 kräftig an, um +48,915 Mrd. Euro bzw. um +9,8% zum Vormonat, auf 547,047 Mrd. Euro.

Zum Vorjahresmonat zog der Target2 Saldo um +226,353 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +70,6%. Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank gegenüber den nationalen Zentralbanken der Eurozone ab, aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem, dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB.

Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,57 Mrd. Euro. Im Februar 2012 explodieren die Forderungen (positiver Target2 Saldo) auf 547’047 Mrd. Euro.

Mit dem starken Anstieg des deutschen Target2 Saldos manifestiert sich weiter die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Dieser erneute Anstieg und damit die wachsenden Ungleichgewichte und Risiken in der Eurozone erklären wohl auch, warum Bundesbank-Chef Jens Weidmann dem EZB-Präsidenten Mario Draghi in einem Schreiben vor den wachsenden Risiken innerhalb von Target2 warnte. Weidmann sieht einen potentiellen Reputationsverlust und regte eine Debatte über die Risiken an. Sollte ein Teil der Forderungen ausfallen, könnten die Notenbanken des Euro-Systems die Verluste eventuell nicht tragen und die Euro-Staaten würden sie möglicherweise nicht ausgleichen, so Weidmann.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die stilisierten Bilanzen nationaler Zentralbanken mit negativen Target2 Salden, positiven Target2 Salden und neutralen Target2 Salden.

Die positive Target2 Position der BUBA ist zwar formal eine Forderung gegenüber der EZB, aber eben auch eine Forderung der EZB gegenüber den nationalen Zentralbanken von Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien, Belgien und Frankreich (PIIGSBF), die allesamt negative Target2 Salden als Passiva (Verbindlichkeiten) in der Bilanz halten und die auf der anderen Seite ihrer Bilanz als Aktiva, den vergebenen Krediten der nationalen Zentralbanken an die dortigen heimischen Banken entsprechen. Da über das Target2 Zahlungssystem den deutschen Banken Nettokapital zufließt und deren Einlagen steigen, sinkt der Refinanzierungsbedarf bei der BUBA. Da die deutschen Banken letztlich nicht entsprechend des Kapitalzuflusses die Kreditvergabe erhöhen, legen sie das zufließende Kapital bei der BUBA wieder an, als Guthaben, Einlagen auf Girokonten, Mindestreserve, Einlagefazilität.

Wie in den stilisierten NZB-Bilanzen angegeben, geht eine Explosion der Target2 Forderung mit dem Rückgang der Kreditvergabe an die heimischen Kreditinstitute auf der Aktiva-Seite einher und führt auf der Passiva-Seite der Bilanz zur Explosion der Einlagen der Kreditinstitute. So wie umgedreht in den PIIGSBF-Staaten die negative Target2 Verbindlichkeit auf der Passiva-Seite, die schwindenden Einlagen ersetzt und auf der Aktiva-Seite der Bilanz zur Explosion der Kreditvergabe an die dort heimischen Kreditinstitute führt.

In der Realität steht den positiven Target2-Salden der deutschen, niederländischen, luxemburgischen und finnischen Zentralbanken (DNLF), ein starker Anstieg der Kreditvergabe der PIIGSBF-Zentralbanken an die dort heimischen Kreditinstitute gegenüber. Was als harmloser Kreislauf missverstanden werden kann, verkennt das es eine massive Verschiebung der Risiken zu den DNLF-Zentralbanken stattfindet. Statt privaten Kapitals (vor allem Banken) finanzieren in immer größeren Dimensionen die DNLF-Zentralbanken die Leistungsbilanzdefizite und die Kapitalabflüsse aus den PIIGSBF-Ländern. Bei den Target2 Salden handelt es sich nicht nur um eine Umverteilung von Zentralbankliquidität innerhalb des Eurosystems, denn gleichzeitig explodieren auch die Bilanzen der NZBs, gerade durch LTRO1 und LTRO2 angefeuert. Es wird also nicht nur Zentralbankliquidität anders verteilt, hin zu den PIIGSBF, sondern auch insgesamt exzessiv ausgeweitet! Auch eine weitere Fehlannahme ist weit verbreitet, natürlich stehen dieser Ausweitung der Forderungen der NZBs, ob gegenüber anderen NZBs oder den heimischen Banken keine adäquaten Sicherheiten gegenüber. Denn gäbe es diese, bräuchte man LTROs und Target2 Salden nicht, denn dann würde der Interbankenmarkt und privates Kapital die Finanzierung der PIIGSBF übernehmen.

Die Explosion der Target2 Salden steht nicht nur für die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone, sondern vor allem für das generelle Fehlkonstrukt des gemeinsamen Währungsraumes.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bundesbank.de/Zeitreihe Target2 Saldo, Bundesbank.de/Definition Target2 Saldo der BUBA mit dem Stand vom 29.02.2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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30 KommentareKommentieren

  • onepiece - 4. März 2012

    Das wird ein ganz übles Ende nehmen.
    Allerdings ist mir noch nicht ganz klar, wann bzw. wodurch das passieren wird, bzw. welchen “Trend” wir dann sehen werden.

    Denn momentan ist es ja – obwohl ich denke, dass es den meisten Menschen einleuchtet, dass dieses Geld niemals zurückgezahlt wird und der EURO in der jetzigen Form nicht bestehen bleiben wird – immernoch so, dass scheinbar “Vertrauen” in irgendeine Form der Lösung dieser Krise vorhanden ist.

    Daher frage ich mich, was denn noch “kommen muss”, dass die Menschen das nicht mehr glauben und eine massive Flucht aus dem Euro stattinden wird…?
    Oder anders ausgedrückt: Wie lange können die Zentralbanken mit dem Geld jonglieren und die Geldmenge praktisch unbegrenzt ausweiten, ohne dass sich daraus auch zeitnah wirkliche Folgen ergeben?

    Die Realwirtschaft ist ja, wie die letzten Zahlen zeigen, in keiner Weise von den Geldspritzen begünstigt…

  • Unglaublich - 4. März 2012

    …seit September 07 hat sich dieser Chart verhunderfacht..
    Warum die Hinweise auf Risiken in der Mainstreampresse weitestgehend totgeschwiegen werden, nicht einmal kontorvers diskutiert wird, ist nicht mehr nachzuvollziehen..

    Eine sehr gute Seite übrigens, bisher war ich lediglich stiller Mitleser.. :)

    • RIchard_S - 4. März 2012

      Ja, seit September 2007 hat sich der Chart verhundertfacht. Das muss man aber lesen können!

      Was bedeutet das? Vorher war ja die deutsche Wirtschaft nicht wesentlich schlechter als nachher, und der Target-Saldo war null. Das heißt: alles was an Überschuss erwirtschaftet wurde, floss über Kapitalkonstrukte wieder ins Ausland ab. Daher Saldo der BuBa null.

      Seit der Finanzkrise (Zusammenbruch IKB-Bank im August 2007) jedoch werden die Deutschen den Finanzprodukten gegenüber immer misstrauischer, und halten das Geld zurück, sprich: sie sparen, und zwar real! Sie lassen sich nicht mehr freiwillig schröpfen: durch Aktien, Fonds, Anleihen, Immos, usw.

      Seit 4 Jahren sind somit real 550 Mrd. Euro zurückgehalten worden. Diese wurden bis dato durch die Bundesbank ausgeglichen.

      Übrigens: bei einem Kurs von 40.000 Euro pro Kilo Gold wären das real fast 14.000 Tonnen des Gelben Metalls, wenn ich mich nicht verzählt habe.

  • Mark - 4. März 2012

    Oh, weh. Das war zwar zu erwarten, aber wenn es denn tatsächlich so schlimm kommt, dann ist man doch schockiert.

    Wie wird das Ende herbeigeführt werden. Schwer zu sagen. Unsere Politiker unterschätzen den Effekt, den eine kritische Masse haben kann (speziell: Social Networks). Ich glaube, es braucht nur noch einen kleinen Zündfunken, und die aktuelle politische Elite wird aus dem Haus gejagt.

    Zunächst werden die Wahlen in S-H in die Hose gehen, für ALLE bürgerlichen Parteien, also auch SPD und Grüne, nicht nur FDP und CDU. (Augen auf, liebe Schleswig-Holsteiner, dass bei Euren Wahlen auch alles mit rechten Dingen zugeht, insbesondere bei den Auszählungen! Ich glaube inzwischen, dass in unserem Land ALLES möglich ist.)

    Der Anlaß zum Stimmungsumschwung wird von der Causa Wulff ausgehen. Dieser Vorzeigepolitiker will offenbar alles “abgreifen”, was nur möglich ist, völlig unabhängig vom Willen der Bevölkerung oder früher geäußerten Moralvorstellungen. Verübeln kann man’s ihm nicht (wer würde schon 200.000 Euro pro Jahr mal eben dankend ablehnen?), aber deshalb sollte man es ihm nicht gleich widerstandslos geben. Die Leute, nahezu alle Bürger, verstehen das. Sie mögen in Einzelfragen unterschiedlicher Meinung sein, aber in diesem Fall sind sie sich nahezu einig!

    Wenn wir nicht vollends zur Bananenrepublik verkommen wollen, dann müssen wir uns dagegen wehren mit allen legalen Mitteln: Protestbriefe an die Bundestagsabgeordneten, Demonstrationen, Leserbriefe, Kommentare, Prozesse, Petitionen, und natürlich auch: Wahlen!

    Immer daran denken, dass es keine Lösung ist, nicht zur Wahl zu gehen! Das spielt nur den Kräften in die Hand, die uns hier verhöhnen! Nein, jeder sollte zur Wahl gehen und “andere” Parteien wählen. Wer dann nicht weiß, was er wählen soll, einfach das Kreuz irgendwo machen, nur eben nicht bei den etablierten Parteien. Ist gaaaaanz einfach und sorgt am Wahltag für erstaunte Gesichter!

    • Frank Bell - 4. März 2012

      “aktuelle politische Elite”

      Und dann? Die SPD hat doch im Bundestag ebenfalls für diesen Mist gestimmt! Und was Schröder/Fischer angerichtet haben, hat man wohl vergessen.

    • ClayMan - 5. März 2012

      “Wenn wir nicht vollends zur Bananenrepublik verkommen wollen, dann müssen wir uns dagegen wehren mit allen legalen Mitteln: Protestbriefe an die Bundestagsabgeordneten, Demonstrationen, Leserbriefe, Kommentare, Prozesse, Petitionen, und natürlich auch: Wahlen!
      Immer daran denken, dass es keine Lösung ist, nicht zur Wahl zu gehen! Das spielt nur den Kräften in die Hand, die uns hier verhöhnen! Nein, jeder sollte zur Wahl gehen und “andere” Parteien wählen. Wer dann nicht weiß, was er wählen soll, einfach das Kreuz irgendwo machen, nur eben nicht bei den etablierten Parteien. Ist gaaaaanz einfach und sorgt am Wahltag für erstaunte Gesichter!”

      In Sachen Wulff stimme ich mit dir überein – die Leute wehren sich und das ist auch gut so.
      Ich bezweifle allerdings dass dies – sofern nicht ausnahmsweise zum Stimmenfang ausgenutzt durch die Poiltiker selbst geregelt – mit den herkömmlichen Methoden erreichbar ist. Petition etc. sind schön und gut, aber ich glaub nicht dass das Thema Wulff die Massen noch lange “unterhalten” wird.
      Glücklicherweise hat man hier in Deutschland (noch) die Wahl nicht wählen zu gehen. Den einzigen nutzen den ich sehe andere Parteien zu wählen ist, die Politik durch ein unmögliches Konstrukt von Koalitionen und möglichen Regierungsbildungen noch unfähiger zu machen als es bis hierhin bereits ist.
      Ja, ich werde mich der Wahl enthalten, mich nicht dem System, der Politversager, den Eliten beugen. Denn zur Wahl zu gehen heißt, sich mit der Art der Politik zufrieden zu geben (Stillschweigende Akzeptanz könnte man es auch nennen) – und das tue ich nicht.
      Abgesehen davon bin ich mir sicher, die Leute eher dazu bringen zu können nicht zur Wahl zu gehen als mobil zu machen und Demonstrationen zu veranstalten.

      Egal welcher Parteikürzel dahinter steht, die Politik ändert sich in dieser Republik nicht mehr…

    • ö.ä. - 5. März 2012

      “Wenn wir nicht vollends zur Bananenrepublik verkommen wollen, dann müssen wir uns dagegen wehren mit allen legalen Mitteln: Protestbriefe an die Bundestagsabgeordneten, Demonstrationen, Leserbriefe, Kommentare, Prozesse, Petitionen, und natürlich auch: Wahlen!”

      Damit stabilisiert man höchstens das System, es werden Wahlversprechen gegeben und betont, wie toll es doch ist, dass hier jeder seine Meinung frei äußern kann, aber es passiert nichts.

  • Rainer - 4. März 2012

    Die einzige Möglichkeit dieses Elend zu beenden, dürfte darin liegen, dass die Bundesbank ihr Konto bei der EZB schließt. Ich bezweifele nämlich, dass sich in der Südzone auch nur irgendwer für die Probleme Weidmann´s, bzw. der Bundesbank interessiert. Dieses Spiel läuft nämlich sonst so lange, bis der Laden an anderer Stelle auseinander fliegt.

  • Andrea - 4. März 2012

    Vielen Dank für deine wirklich äußerst sachlichen, seriösen Artikel.
    In den Medien wir dieses Thema m.E. viel zu wenig behandelt.

  • Anton W. - 4. März 2012

    @ Andrea:

    Es soll, wie zu anderen Theman auch, Beispiel Spanien und die gewaltsame Niederschlagung von Demonstrationen gegen die Sparbeschlüsse, ein ruhiges und ausgewogenes Bild entstehen, damit hier im Lande alles friedlich bleibt.

    EM und Olympiade lassen grüßen, Brot und Spiele, wie es in der Vergangenheit auch funktioniert hat.

    Aber zum Thema. Ich denke, das wir noch lange nicht am Ende sind mit dem Geld. Die Risiken werden schlussendlich vom Bürger zu tragen sein und das Zielobjekt sind dann die unteren Schichten der Bevölkerung, wie es in der Vergangenheit auch der Fall war.

    Der Döring hat im Falle von GR den Vogel abgeschossen. Eine so arrogante Person sorgt niemals für Zusammenhalt in Europa. Ansonst eine sehr zu empfehlende Seite. Go ahead.

  • Alexander - 4. März 2012

    Erstmal Danke für die sehr kompetente Aufbereitung der Zahlen!
    Die EZB hat mit dem 2. Tender eine “Verschnaufpause” von ca. 3 Jahre “geplant”. Das dumme ist nur dass dieses Billigstgeld wohl kaum 1:1 für Südstaatsanleihen genutzt wird, wenn die Wirtschaftsaussichten schlecht bleiben und somit die Bonität unsicher bleibt. Die schlechten Autozulassungszahlen bestätigen diesen Trend. Die Banken parken im Moment die Riesenblase ohne Ziel bei der EZB und werden nur auf politishcen Druck kaufen (muessen).
    Deutschland darf die Suppe auslöffeln, denn mit jeder erkauften Zeit steigt der deutsche Verlust bzw. die Politik setzt alles auf eine Karte im Pokerspiel und setzt auf ein “gutes” Ende durch den Fiskalpakt. Das wird aber nicht funktionieren, den in Frankreich wird Hollande alles revidieren und den ohnehin nutzlosen Fiskalpakt aussetzen.

  • Andres Müller - 4. März 2012

    Ja -wer arbeitet nun mit diesem Geld. Welchem Zweck dient das Kapital das von der Bundesbank kam und wer besitzt es jetzt? In die Realwirtschaft scheint bei den PIIGS ja nichts anzukommen. Wenn aber die Emerging Markets klagen dass die EZB Geldschwemme bei ihnen Inflation auslöst, interpretiere ich das richtig dass das Geld irgendwo ausserhalb Europas investiert wird und dann dort die Preise hochtreibt?

  • Benedikt - 4. März 2012

    Hollande verspricht in seinen Wahlkampf Mrd teure Konjunkturpakete und verteuerung des Sozialsystems. Frankreich hat mit 5,7% jetzt schon eine viel zu hohe Verschuldung. Ist zwar gut für die Französische Konjunktur, dürfte allerdings schlecht für das Überleben des Euros sein. Wenn man das vertrauen in den € verliert, wird es eine massive Kapitalflucht geben, die das Ende des Euro bedeuten wird.
    Mit dem Euro gehen auch die Deutschen Ersparnisse unter.

  • Holly01 - 5. März 2012

    Wenn eine Notenbank ein Volumen von 10 hat und 1 als Kredit vergibt, entspricht das 10%.
    Hat diese Notenbank einen Kapitalzufluss von 90, dann ist die Gesamtbilanz 100. Das Kreditvolumen ist immer noch 1. Der prozentuale Anteil fällt aber von 10% auf 1%.
    Kreditvolumen ist gleich geblieben.
    Das geht auch anders herum, nur der prozentuale Anteil verändert sich, nicht die absoluten Größen.
    Es macht keinen Sinn, zu behaupten eine nationale Wirtschaft müsste ein Kreditvolumen entsprechend zur Bilanz der Nationalbank erhalten.
    Viel Rauch um nix.
    Es scheint selbst für Wirtschaftler schwer umsetzbar zu sein. Diese Summen existieren nicht. Es ist Geldschöpfung. Da Geld geschöpft wird, bestehen auch keine adäquaten Sicherheiten.
    Es werden (passend zum geschöpften Geld) “geschöpfte Sicherheiten” verwendet.
    Das gleiche machen wir schon seit Jahren im Derivatemarkt.
    Ein negatives Geldsystem, welches mit geschöpftem und damit geliehendem Geld arbeitet, muss ohne Sicherheiten auskommen. Positiv ausgedrückt, setzen wir “Vertrauen” in dieses System.

  • Holly01 - 5. März 2012

    Nur zur Ergänzung :
    Exakt dieser Zusammenhang macht ganz deutlich, warum das negative (spekulative) Geld vom positiven Geld getrennt werden muss.
    Die Sicherheit des positiven (durch reale Sicherheiten hinterlegten) Geld, darf nicht für spekulatives Negativgeld missbraucht werden.
    Die Ursache aller Probleme unserer Geldkrise.

  • Stefan Vogel - 5. März 2012

    Hallo,

    50 Mrd. pro Monat, jetzt scheint es schnell zu gehen.

    Habe mir die Target2 Salden summiert und mir ist aufgefallen, dass die EZB ab und zu hohe werte annehmen muss. Dies wird zeitweise und teilweise immer in Nr. 3 (Forderungen in Fremdwährung an Ansässige im Euro-Währungsgebiet) angezeigt. Leider gibt es mit der Zeit dann einen Schift. Da scheint was in andere Bilanzposten verschoben zu werden. Kann hier was im Juni 2008 bis Dezember 2009 finden und auch im Dezember 2011.

    Was hier genau abgeht, weiss ich nicht, aber es koennte sein, dass hier die Erklaerung fuer die niederige Target2 Salden im Dezember 2011 fuer Deutschland zu finden sind.

    Steffen und Bernd, koennt Ihr euch das mal naeher ansehen?
    Ich habe nur die Salden von der Tabelle http://www.iew.uni-osnabrueck.de/en/8959.htm aufsummiert und das Negativ daraus gemacht, damit alle Target2 Salden 0 werden. Das sollte dann ungefaehr die EZB sein. Bei den grossen Ausschlaegen nach oben, habe ich mir dann die EZB Bilanz angeschaut. Voila und das mit 3. im Aktiv gefunden. Auch scheint Nr. 5 (5.1 Einlagen von öffentlichen Haushalten) teilweise parallel dazu verlaufen.

    Hoffe, das schaut sich einer nochmal an, vielleicht sehe ich nur Gespenster.

    Wuensche allen eine schoene Woche und danke nochmal Steffen fuer die viele Arbeit.

    Stefan

  • Michael57 - 5. März 2012

    @Holly01

    - Viel Rauch um nix.
    Es scheint selbst für Wirtschaftler schwer umsetzbar zu sein. Diese Summen existieren nicht. Es ist Geldschöpfung. Da Geld geschöpft wird, bestehen auch keine adäquaten Sicherheiten.
    Es werden (passend zum geschöpften Geld) “geschöpfte Sicherheiten” verwendet.
    Das gleiche machen wir schon seit Jahren im Derivatemarkt. -

    Das sehe ich teilweise genauso, nur leider wird dies fiktive Geld dazu benutzt reales zu verdienen. Jedewede Zinsen auf dieses fiktive Geld sind höchst real. Egal ob Schuld- oder Anlagezinsen. Und hier vermischen sich dann leider ‘fiktives’ und ‘reales’ Geld. Wobei dann leider immer Teile des ‘realen’ Geldes den Akteuren des ‘fiktiven’ Geldes zukommen, d.h. den Akteueren des ‘realen’ Geldes abgenommen werden.
    Dies ist dann die Realwirtschaft, dessen Erträge egal ob in entlohnter Arbeitskraft, in Zerstörung ihrer Sozial- und Rentensysteme oder in realen Produkten entzogen werden und den Akteuren des ‘fiktiven’ Geldes als Rendite (Beute) zufließen.

    Zu Zeiten als es noch keine umfassende, venetzte, Weltumspannedne EDV gab, war dies natürlich kaum oder nur in sehr begrenztem Umfang möglich, erst mit dieser Technik konnte dieser ‘Beutezug’ überhaupt beginnen. Wir stehen hiermit also vor einem völlig neuen Problem, auf das es dadurch auch keine historischen Antworten geben kann.

    Meiner Meinung nach müßten die Geldsysteme strikt von einander getrennt werden, aber das wollen die Herren des fiktiven Geldes natürlich nicht.

    Dadurch kommt es zwar nicht zur vielfach befürchteten Hyperinflation, denn das fiktive Geld kommt ja in der Realwirschaft niemals an, aber das System bricht an dem ‘ausgesaugten ‘Realwirtschaftssystem’ trotzdem zusammen.

  • Holly01 - 5. März 2012

    Das geschöpfte Geld ist längst in der realen Welt angekommen. Um das einmal ganz klar zu sagen : es wird mit geschöpftem Geld ein Machtaufbau und Machterhalt betrieben.
    Wir (in der Form der westlichen Länder) kaufen mit geschöpftem Geld den Rest der Welt. Zumindest versuchen wir es.
    Es läuft einen Bruch hinaus. Die Frage, wann der Rest der Welt aufhört € und $ zu akzeptieren ist absehbar.
    Von daher sind die Summen, welche geschöpft werden statistische Größen. Preisanstieg, Zinsniveau und Konsum sind Größen die von der Politik im Auftrag vorgegeben werden.
    Das Großkapital hat die Welt gekauft und verwertet ihre Beute.
    Sobald die Ölversorgung gekappt wird, werden wir sehen wie stark der Westen militärisch wirklich ist. Der Iran ist für mich Mittel zum Zweck der Einflußsicherung.
    Target 2 ist eine statistische Größe, denn alle Auswirkungen, welche sich aus der Wirtschaftslehre ergeben würden sind aufgehoben oder sogar negiert.

  • killingfields - 5. März 2012

    Hallo,
    hier ein großer Aufmacher in der wiwo zum Thema!!
    http://www.wiwo.de/politik/europa/euro-krise-target-salden-draengen-deutschland-an-den-abgrund/6277238.html

    • POPPER - 5. März 2012

      Der Link ist für meine Begriffe etwas zu einseitig. Was Prof. Sinn inzwischen aus der Target2 Problematik gemacht hat ist, vornehm ausgedrückt, unverantwortlich und hat mit solider Ökonomik nichts mehr zu tun.

      • Querschuss - 5. März 2012

        Hallo Popper,
        mal von nebensächlichen Detailfragen abgesehen wird grundsätzlich jemand falsch liegen, entweder Sinn oder die Relativierer der Target2 Problematik, ich tippe auf die Relativierer, sonst würde ich ja auch nicht Target2 Salden so umfangreich dokumentieren. Dies wird sich spätestens offenbaren, wenn das erste Land die Eurozone verlassen wird und wie z.B. im Falle von Griechenland einen negativen Target2 Saldo von 107 Mrd. Euro hinterlässt. Spätestens dann werden die offenen Fragen geklärt und das können wir doch ganz unaufgeregt abwarten, schließlich können wir die Entwicklung leider eh nicht beeinflussen.

        Gruß Steffen

        • POPPER - 5. März 2012

          Hallo Steffen,

          es bleibt uns nur abzuwarten. Deshalb finde ich ja die Forderung Sinns, Griechenland solle aus dem Euro austreten so widersinnig. Einerseits warnt er vor Gefahren und andererseits verlangt er deren Herbeiführung. Und den Vogel hat er mit dem Unsinn abgeschossen, durch die Target2 Kredite würde aus Deutschland Kapital abfließen, das der hiesigen Wirtschaft dann nicht mehr zur Verfügung stünde. Das meinte ich mit meinem Hinweis: Sinn argumentiere unverantwortlich. Ansonsten bin ich mit deinen Intensionen absolut einverstanden. Ich relativiere da gar nichts.

          • Querschuss - 5. März 2012

            Hallo Popper,
            habe ich z.B. nie behauptet das “durch die Target2 Kredite würde aus Deutschland Kapital abfließen, das der hiesigen Wirtschaft dann nicht mehr zur Verfügung stünde.” Allerdings hat das doch auch Sinn längst als Aussage relativiert bzw. wiederrufen. Das Problem ist immer, wenn man sich in Details verzettelt, dann liefert man den Gegenern Argumente auch das grundsätzlich Richtige in Frage zu stellen und genau das passierte Sinn.

            Gruß Steffen

      • Mark - 6. März 2012

        Ich stimme Steffen zu, dass es hier wohl grundsätzlich um eine binäre Entscheidung geht: Entweder Prof. Sinn hat Recht, oder eben nicht.

        Der Umstand, dass die Politik in Berlin sich dazu m.W. noch nicht geäußert hat, spricht Bände. Man verweist auf die Bundesbank und die EZB, die neulich einen mittleren Manager vorgeschickt hat (in der FAZ), um das Problem zu erklären. Nicht besonders überzeugen.

        Außerdem gehen Bundesbank und EZB stets von dem Status-Quo aus, d.h. alle Länder verbleiben in der Eurozone. Wie Steffen schreibt, wird das Problem in der Sekunde sichtbar, wenn eben ein Land austritt. Wer wird dann dessen (Target-) Schulden übernehmen? Das wird zwar von der EZB korrekt beantwortet mit: “Nach den Anteilen am EZB-System” und bedeutet schon einmal eine echte massive Belastung für Deutschland.

        Deshalb wird auch klar, weshalb die Bundesregierung verzweifelt am Euro festhält. Wenn auch nur ein Land austritt, wird sie Farbe bekennen müssen. Bürger werden fragen: Wie konnte das geschehen? Warum habt ihr uns nicht beschützt? Und man wird graben (aber nicht besonders tief), um festzustellen, dass die Entwicklung unter schwarz-rot seinen Lauf nahm und sich unte schwarz-gelb ungehindert fortsetzte. Somit wären also sowohl die Politiker der SPD als auch die der CDU/CSU und FDP der Unfähigkeit überführt. (Das erklärt auch, weshalb die SPD so vehement für eine Eurorettung ist.)

        Kurzum: den Sack zu hauen, wenn man den Esel meint, das ist eben falsch. Sinn hat das Problem (mit) aufgedeckt und hält in großen Teilen bis heute an seiner Analyse fest, auch gegen den großen Widerstand seines (überwiegend politisch korrekt daherredenden) Faches. Dafür gebührt ihm großer Dank.

  • Benedikt - 5. März 2012

    Für den DE Geldadel wird eine Währungsreform noch viel Kopfschmerzen bereiten. In den Euro Steueroasen haben die viel Geld angelegt.
    1. Auslandsinvestitionen über eine NL Holding – in Sachen Ausland hat NL bessere Steuergesetze
    2. Verkauf von Forderungen an eine Irischen Tochtergesellschaft – spart Körperschaftsteuer
    3. Vermögensverwaltung in Luxemburg

    Währungsreform heißt, alle Euros die sich in Luxemburg befinden, werden über Nacht in Luxemburger Francs umgetauscht. Damit hat der man wieder willen ein Großteil seines Vermögens in einer Fremdwährung im Ausland. Die anderen Länder können auch Anfangen den Abzug von Vermöge hoch zu besteuern. Das mit der Doppelbesteuerung sehen die Länder dann auch etwas lockerer. Das Steuersparmodell kann sich so schnell in ein Geldvernichtungsmodell verwandeln.
    Die Friedenswährung Euro wird sich schnell zu Konfliktwährung wandeln.

  • Holly01 - 5. März 2012

    Ich halte Sinn nicht für doof, ich denke nur er ist Profilierungssüchtig und Mediengoil.
    Wenn man wissenschaftlich argumentieren will ist das Mord an den Argumenten. Genau genommen ist er für seine Positionen kontraproduktiv. Ich traue ihm nicht den Hirizont zu, dies mit Absicht so zu machen.

  • WillieEsco - 5. März 2012

    Hmmm aber was heißt das nun alles? Wird das System crashen oder kann das unendlich so weitergehen mit der Target2 Bilanz?

  • kurzdump - 5. März 2012

    Ich denke wenn die Nationalbanken zu Nettoschuldnern der Geschäftsbanken werden ist zumindest eine psychologische Grenze erreicht. Theoretisch kann das Spiel natürlich gegen unendlich gehen. Die Überschussliquidität würde aber früher oder später wohl einen Weg in Richtung Profit suchen und so entweder in die Realwirtschaft wandern (Inflation?) oder den Zinsdruck auf die Realwirtschaft erhöhen wird (Deflation?).

  • Michael - 5. März 2012

    Hier noch eine Erläuterung zu Lage und Zukunft.

    http://aktien-boersen.blogspot.com/2012/03/prof-hans-werner-sinn-zur-situation-in.html

    Dann mal schönes Weiterwursteln. Das Ende der Krise heißt Krieg.

    • WillieEsco - 5. März 2012

      Sinn ist ein neoliberaler Dummschwätzer. Auch wenn einige seiner Aussagen richtig sind, ist der größte Teil davon absoluter Murks!