Target2 Saldo Frankreichs steigt auf -113,666 Mrd. Euro

von am 14. März 2012 in Allgemein

Heute berichtete die französische Zentralbank (Banque de France) ihre Daten zur Zentralbankbilanz für den Monat Januar 2012. Die Banque de France berichtet immer sehr spät die Daten, darunter auch die Target2 Verbindlichkeiten auf der Passiva-Seite der Bilanz. Im Januar 2012 schoss der negative Target2 Saldo auf -113,666 Mrd. Euro, nach -79,629 Mrd. Euro im Vormonat und nach -18,704 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Diese Daten reflektieren noch nicht die LTRO2-Injektion der nationalen Zentralbanken im Eurosystem. Auch in Frankreich muss es sich im zunehmenden Maße um Kapitalflucht handeln, welche sich in einem massiv steigenden negativen Target2 Saldo widerspiegelt. Das chronische Leistungsbilanzdefizit Frankreichs und zusätzlich die flüchtige Einlagen bei den Banken müssen immer stärker durch Zentralbankgeld kompensiert werden.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der französischen nationalen Zentralbank seit Januar 2001 bis Januar 2012 im Chart. Die massive Ausweitung des negativen Target2 Saldos auch in Frankreich, in nur kurzer Zeit, zeigt die ungebremste  Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone an.

Die Target2 Salden zeigen den Stress im Eurosystem hervorragend an, die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite Portugals, Irlands, Italiens, Griechenlands, Spaniens, Belgiens und Frankreichs (PIIGSBF) finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten puffern muss.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/Target2-Salden

Quelle Daten:  Banque-france.fr/Database Balance sheet of the Banque de France

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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24 KommentareKommentieren

  • Frank - 14. März 2012

    Passt zwar nicht ganz direkt zum Thema, aber ein wirklich sehr sehenswerter Film !

    ARD-Dokumentation: Die Welt auf Pump

    http://www.rottmeyer.de/ard-dokumentation-die-welt-auf-pump/

    oder auch hier
    http://www.youtube.com/watch?v=TrHug5bHF-4&feature=player_embedded

  • Hilde - 14. März 2012

    Ich habe Probleme mit der Schlussfolgerung aus dem dargestellten Sachverhalt, ganz besonders nach Blick auf Ihre Darstellung aller verfügbaren Target2-Charts.
    Bedeutet das, dass z.B. Anleger aus Frankreich, Spanien, Italien ihr Geld nach Deutschland oder Holland transferieren? Oder würde sich auch ein Transfer in die USA im Target2-Saldo widerspiegel?

    • Querschuss - 14. März 2012

      Hallo Hilde,
      der Target2 Salden spiegeln nur den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr innerhalb der Eurozone wider.

      Gruß Steffen

    • Steffen B - 15. März 2012

      Könnte sein. Ich glaube aber im Fall von Frankreich sind es weniger die Kleinanleger dort, die flüchten. Vermutlich sind es eher die dt. Banken, die keine direkten Kredite mehr an franzözische Entities geben, entweder direkt oder über den Interbankenmarkt. Die Kredite werden über lokale Banken via EZB verlängert. Effektiv der selbe Geldfluss wie vorher, nur umgeleitet und damit abgesichert durch die EZB.

  • Hilde - 14. März 2012

    Mir ist nicht klar, wie das Ganze funktionieren kann. Es sieht so aus, als hätten Portugal, Österreich, Frankreich und überwiegend auch Belgien permanent (soweit die Datenreihe vorhanden ist) ein negatives Target2 Saldo.
    Muß dass nicht irgendwie ausgeglichen werden? Kommt dieser Ausgleich dadurch zustande, dass die EZB im Umfang des Target2-Defizits den Banken in diesen Ländern Geld zur Verfügung stellt?

    Eine Kapitalflucht aus Österreich erscheint mir – zumindest für 2009/2010 – nicht plausibel.

    Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir ergänzende Anmerkungen machen würden.

    • Querschuss - 15. März 2012

      Hallo Hilde,
      mir ist nicht klar was nicht klar ist? Deshalb nur so viel, Österreich und Frankreich haben nur eine kurze Datenreihe insofern lässt dies keine Aussage zu, wie es vor 2007 war. Portugal und Belgien hatten auch vor 2007 negative Salden, aber nicht so hohe. Bei Spanien und Italien liegt die Sache klar auf der Hand, erst mit der Krise kippen die Salden ins Negative und das dynamisch. Begrenzungen von Target2 Salden sind nicht vorhanden, insofern müssen sie auch nicht ausgeglichen werden. Ausgleichen würden sie sich nur wenn aus den Leistungsbilanzdefiziten der Südperipherie wieder eine ausgeglichene Leistungsbilanz oder gar Leistungsbilanzüberschüsse entstehen würden, damit würde sich auch die Kapitalflucht umkehren und es zu kräftigen privaten Kapitalzuflüssen kommen. Private Kapitalzuflüssen werden vor allem von den Banken dominiert, ein funktionierender Interbankenmarkt würde auch die Target2 Salden zurückführen.

      Richtig Zentralbankgeld gleicht die Zahlungsbilanzen der PIIGSBF Länder aus, ein explodierender negativer Target2 Saldo ist die andere Seite der Bilanz der nationalen Zentralbank, mit der explodierenden Kreditgewährung an die dort heimischen Banken.

      Im Zuge des u.a. starken Osteuropaengagements Österreichs, werden wohl vor allem Banken ihr Risikoprofil heruntergefahren haben und aus Österreich Kapital abgezogen haben, finde ich schlüssig, die schwindenden Bankeinlagen bei österreichischer Banken wurden mit Zentralbankgeld ersetzt.

      Nichteurozone-Teilnehmer die am Target2 Zahlungsystem angeschlossen sind, können keine negative Target2 Salden aufbauen, sie müssen immer Guthaben halten und nur aus diesen können sie Transaktionen, sprich grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr leisten.

      Gruß Steffen

  • chromagen - 14. März 2012

    Hallo, Hilde,
    es gibt zwei Vorträge von Prof. Sinn auf Youtube zu dem Thema, die ich hilfreich fand:

    http://www.youtube.com/watch?v=tvcpqce2qz0

    http://www.youtube.com/watch?v=VKfcj2sE8rE&feature=list_related&playnext=1&list=SP703B5D7CA2AE154F

  • dank - 15. März 2012

    Nachdem Target2 immer weiter für Emotionen sorgt, bleibt mir nur der Wunsch, dass sich ein EuroLand entscheidet, auszutreten und wieder eine nationale Währung einzuführen, um einen Gesundungsversuch zu unternehmen. Denke, dann wird sich ganz schnell zeigen, wer mit der Einschätzung der Risiken richtig lag oder ob es sich dabei nur um unkritische und unwichtige Zahlen handelt.

    Warum streichen wir die Target2-Zahlen denn nicht einfach, wenn die so unwichtig sind?! Einfach ein Reset dieser Salden und alle haben wieder 0. Fertig und der Aufreger wäre weg – aber …mhmmmm… scheint so sind die dann doch wieder wichtiger.
    Target2 bedeutet Risiko – weiß nicht, was es daran schön zu reden gibt?
    Wie sich dieses Risiko nennt und wie es sich manifestiert, ist doch total Schnuppe.
    Da die Target2 Salden erst so ins Extreme (plus als auch minus) schossen, als es zu Problemen an den Kapitalmärkten kam, spricht doch klare Worte: Risikoausgleich (sehr wahrscheinlich zu Lasten der Positivländer).
    Auch das die Zahlen von den Medien und der Politik (samt Bundesbank) lange Zeit ignoriert wurden und nun ganz langsam „offiziell“ auftauchen und sich keiner so richtig polarisierend dazu äußern will, spricht doch Bände.

    Desto länger ich diese Zankereien verfolge, desto mehr scheint mir die Wirtschaftswissenschaft gar keine solche (Wissenschaft) zu sein, wenn sich hier Zahlen so unterschiedlich auslegen lassen und im Prinzip von vielen nur um die Begrifflichkeiten und Kleinlichkeiten gestritten wird. Vielleicht gibt es auch einfach zu viele Wirtschaftswissenschaftler?!
    Wenn Zahlen so extrem differieren – dann geht es nicht um Begriffe, sondern um SCHWARZ oder WEISS.

    Für mich, als Laien, stehen diese Zahlen für Riesenprobleme, die uns erwarten, wenn es zum Austritt einiger Länder kommt oder die Eurozone kollabiert. Ich würde das Exempel mit einem Land ala GR vorziehen, da auch die Probleme demensprechend kleiner wären und dadurch endlich diese “Ob und wie schlimm”, “…und eigentlich kein Problem…” vom Tisch wäre.
    Und ein “…so einfach ist das nicht…” lass ich nicht gelten, wenn es um solche Summen geht.
    Das ist ein Erweitertes “Vor lauter Wald und die Bäume nicht sehen”.
    Brennt der Wald? JA oder NEIN? JA? Dann brennen auch die Bäume!

    Diese Diskussion kann doch so schön herunter gebrochen werden:
    ***
    Die Frage lautet einfach, wenn ein Land der Eurozone austritt oder die Währung Euro zerfällt (einen anderen Fälligkeitsstellungstermin gibt es ja eh nicht, in dieser fehlerhaften Eurolandstruktur):
    Bedeutet Target2 ein Risiko für die positiven Salden-Länder, wenn die Salden nicht ausgeglichen werden?
    JA oder NEIN?
    Das “warum” und selbst das “wann” ist für den Laien (den Rest ebenso) nicht entscheidend.
    Wenn JA, sie also ein Risiko bedeuten
    - dann kann man dieses wohl nur schwer positiv umdeuten, oder?
    - warum wird dieses Ausspreizen trotzdem immer weiter zugelassen?
    - gibt es denn dann was zu diskutieren und schön zu reden?

    Wenn JA, seit wann ist ein finanzielles Risiko in dieser Höhe etwas Gutes – für den, der es trägt?

    Lasst Euch doch nicht weiter so verschaukeln.
    RISIKO – JA oder NEIN?

    • dank - 15. März 2012

      “Ob und wie stark Verluste aus der Liquiditätsbereitstellung auf die Bundesbankbilanz durchschlagen, hängt nicht von der Höhe der Target2-Forderungen der Bundesbank ab. Dies gilt auch für den hypothetischen und in der Öffentlichkeit breit diskutierten potentiellen Austritt eines Landes mit negativen Target2-Salden. Auch in einem solchen Fall, von dem ich nicht ausgehe, ist das Risiko ursächlich in der Art und dem Umfang der Liquiditätsbereitstellung begründet. Hierbei könnte es zu teilweisen Forderungsausfällen bei der EZB kommen. Verluste der EZB wären aber gegebenenfalls von allen Notenbanken des Eurosystems zu tragen – unabhängig von deren Target2-Saldo.”

      “Verluste der EZB wären aber gegebenenfalls von allen Notenbanken des Eurosystems zu tragen – unabhängig von deren Target2-Saldo.”

      Wunderbar – wenn es die Währung Euro doch zerreißen sollte, die negativen Saldeninhaber sowieso pleite sind – wer zahlt dann das ganze Abenteuer?
      Wer eben dann noch übrig ist: Die positiven Saldeninhaber.
      Gibts daran etwas schön zu reden?

      –> Schluss mit dem TARGET2-Wahnsinn

      • Achim Hase - 15. März 2012

        Ganz so einfach ist es nicht. Negatives TARGET2-Saldo heißt nicht, dass die Notenbank des Landes kein Geld hat. Und Notenbankgeld gibt es nur gegen abdiskontierte Sicherheiten. Zu unterstellen, dass die nix wert sind, ist gewagt. Auf jeden Fall werden sie tendenziell weniger wert — das kritisiert Weidmann zu recht.

    • Querschuss - 15. März 2012

      Hallo Achim Hase,
      in keinem der von dir verlinkten Texte sehe einen relevanten Widerspruch zu dem hier Geschriebenen, wobei sich Kantoss auch auf Formulierungen und Interpretationen von Details von Sinn konzentriert und damit der Herdentrieb und Handelsblattblog folgt, aber im Kern „wie man Target2 richtig kritisiert“ laut Kantoos, sehe ich es ähnlich, nur dem würde wohl sogar auch Sinn zustimmen.

      Bei Weidmann fand ich folgendes nett: “Es ist die Aufgabe des Eurosystems, Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen – an solvente Banken gegen ausreichende Sicherheiten und ohne Gefährdung der Preisniveaustabilität” …….Genau hier ist aber das Problem und er stößt die Leser selber drauf: “Es gilt aber gleichzeitig, die Trennung zwischen Geld- und Finanzpolitik zu wahren und insbesondere das Verbot der monetären Staatsfinanzierung zu achten. Es ist nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken künstlich am Leben zu erhalten oder die Zahlungsfähigkeit von Staaten abzusichern.”

      “Entscheidungen über die Umverteilung größerer Solvenzrisiken von Banken oder Staaten zwischen den Steuerzahlern der Mitgliedsländer dürfen nur gewählte Regierungen und Parlamente treffen.” …..Genau dies geschieht bei Target2 nicht, wie man an der stetigen Divergenz der Salden sehen kann. Auf die Verteilung von Zentralbankgeld und damit die Verteilung der Risiken haben Parlamente keine Entscheidung bzw. Einwirkung.

      “Liquidität wurde gegen Sicherheiten in unbegrenztem Umfang (Vollzuteilung), zu einem niedrigen Zins und zu deutlich längeren Laufzeiten bereitgestellt. Außerdem wurden die Anforderungen an die geforderten Sicherheiten, unter anderem Ratingschwellen, spürbar abgesenkt.” …..Meine Rede!

      Hier der Kernpunkt aller Relativierer zu den Target 2 Salden aus dem Mund des Bundesbankchefs: “Für mich stellen die Target2-Forderungen der Bundesbank auch kein eigenständiges Risiko dar, weil ich ein Auseinanderbrechen der Währungsunion schlichtweg für absurd halte.” ……ganz TINA, ….es kann nicht sein was nicht sein darf.

      Das die BUBA gemäß des Kapitalschlüssels an der EZB für alle Target2 Forderungen im Eurosystem haftet und Ausfälle anteilig tragen wird, ist ein alter Hut. Nur mit jedem Land was ausfällt bzw. aus dem Euroraum austritt, steigt die prozentuale Haftung, denn die ausgefallenen Länder haften nicht mehr mit. Bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion gibt es natürlich das eigenständige Risiko der BUBA und dies in voller Höhe der BUBA Target2 Forderung.

      Gruß Steffen

      • Thorsten Eckau - 15. März 2012

        @dank/Achim/Steffen:

        Im Kern bleibt doch genau ein Punkt vollkommen unstrittig: Es weiß zwar keiner wie es sich bei linearem Fortbestehen der EU/des EURO verhalten wird (hier differieren die Ansichten stark), klar ist aber dass ein Austritt zu Fragen führen wird, wie die offenen Positionen zu behandeln wären. Und es ist ebenso klar, dass hier im Mindesten das Problem vorliegen wird, dass ein ausgetretenes Mitglied dies vermutlich nicht auf Grund massiver wirtschaftlicher Stärke und ungebrochenem Stolz vollziehen wird, sondern aus Notwehr (oder umgekehrt aus Notwehr der Masse der anderen heraus gedrängt würde). Damit aber ist die Motivation die Salden zu begleichen nahe null, Druck und Zwänge würden sicherlich dazu führen, dass ein Teil noch beglichen würde, aber vermutlich zu extrem schlechten Konditionen (Denkbeispiele: In Drachmen, über 30 Jahre, bei hoher Inflation der Drachme, etc pp …).

        Es ist doch aus diesem Grunde mindestens mal klar, dass die Mahner einen guten Grund haben: Kein Vollkaufmann wäre dieses Titels würdig, wenn er sein Business auf gigantischen Risiken aufbaut, welche sich erkennbar über Jahre auch noch drastisch steigern, und dabei argumentiert: Kein Problem, solange keine meiner Banken die Linien streicht, wird das schon immer so weiter gehen und mein Kompagnon sagte mir: Unser Scheitern sei absurd und damit nicht in Betracht zu ziehen…

        Es ist also schon alleine wegen der Fürsorgepflicht für die Anvertrauten Werte und Aufgaben (Steuergeld/Geldwert/-stabilität) von größter Wichtigkeit, sich mit diesen Themen so auseinanderzusetzen, dass es keine derart exzessiven Risiken gibt und die Ungleichgewichte wenigstens nicht weiter wachsen oder man sogar versucht, diese Salden langsam wieder zu schrumpfen. Das Gegenteil ist aber der Fall: TINA, keine Gefahr. Warten wir ab wie die Geschichte ausgehen wird, in befürchte dass das tausendjährige Euro-Reich ebenfalls keinen derart langen Zeitraum überstehen wird. Und dann WERDEN sich diese Salden zu einer sehr konkreten Problematik entwickeln.

        • Querschuss - 15. März 2012

          Hallo Thorsten,
          korrekt, Danke.

          Gruß Steffen

  • M.E. - 15. März 2012

    Macht Euch keine Gedanken um Target 2.
    Die Subprimisierung des Gesamtsystems (Staatsverschuldung, Bürgerverschuldung in vielen Ländern, Bankenverschuldung, vielfacher Billionen-Kreditabsicherungsbetrug, Niedergang der Realwirtschaft in vielen OECD-Ländern, Statistik- und Bilanzbetrug usw) ist so weit fortgeschritten, dass Target 2 – bei aller Unglaublichkeit des Umfangs und der Dynamik – glatt zur Randnotiz wird.

  • popper - 15. März 2012

    “…Es ist doch aus diesem Grunde mindestens mal klar, dass die Mahner einen guten Grund haben: Kein Vollkaufmann wäre dieses Titels würdig, wenn er sein Business auf gigantischen Risiken aufbaut, welche sich erkennbar über Jahre auch noch drastisch steigern, und dabei argumentiert: Kein Problem, solange keine meiner Banken die Linien streicht, wird das schon immer so weiter gehen und mein Kompagnon sagte mir: Unser Scheitern sei absurd und damit nicht in Betracht zu ziehen…

    Das klingt zwar schön, bedeutet aber gar nichts. Es tangiert eben gerade nicht die Ebene von Staaten bzw. von Notenbanken im Target2-System. Eine Fundierung dieser Argumentation im normalen Banken und Kreditgeschäft ist nicht sachgerecht und führt zu Fehlinterpretationen.

    • Querschuss - 15. März 2012

      Hallo Popper,
      wir werden sehen was passiert wenn ein Land die Eurozone verlässt, ob und welche Kettenreaktionen dies auslöst und wer Fehlinterpretationen aufgesessen war.

      Bis dahin brauchen wir uns nicht heiß machen, denn für die Entwicklung ist es völlig irrelevant was Popper oder Querschuss meinen.

      Gruß Steffen

  • M.E. - 15. März 2012

    Wenn die Euro-Zone kollabiert, oder auch nur GIIPS austreten, dann kollabiert mehr als nur das Target-2-System.
    Das hieße dann nämlich Sofortbankrott der GIIPS und würde alle anderen Dominosteine zum Fallen bringen.
    Aber auch wenn die Euro-Zone in ihrer jetzigen Zusammensetzung krampfhaft zusammengehalten wird, kommt es eben erwas später zu dieser Kettenreaktion.
    Ich mache mir mittlerweile kaum noch Sorgen um die deutsche Staatsverschuldung oder um unser Target-2-Forderungsgebirge. Das Eindampfen aller Forderungen steht bevor in den nächsten Jahren. Weil alle für alle bürgen und alle mit allen in trauter Überschuldung verbunden sind.
    Einen reagionalen oder partiellen Crash wird es diesmal nicht mehr geben. Selbst noch solvente Restteile des Gesamtsystems haben keine Chance mehr, dem Beben zu entgehen. Das ist der Unterschied zu früher.

    • Querschuss - 15. März 2012

      Hallo M.E.,
      dies ist das Problem, wenn man Teilaspekte kleinteilig diskutiert, dies verstellt schnell den Blick auf das Ganze ;)

      Gruß Steffen

    • Thorsten Eckau - 15. März 2012

      Hallo M.E.,

      hatte vorhin schon mal einen Reply getippt und dann doch nicht abgeschickt, aber in dem Kontext möchte ich ihn dann doch noch mal raus kramen und zum Besten geben (bezieht sich direkt auf Dein Posting “Macht Euch keine Sorgen um Target2″):

      Hallo M.E.,

      da schwingt indirekt natürlich der Gedanke mit, dass durch die Verkettung von allem mit allem eine Ex- oder Implosion an einer Stelle, mehr oder weniger gleichzeitig alles andere mit “hops” gehen lässt. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen und genau genommen kämpfen unsere “Eliten” ja auch genau da gegen (s. Zeit kaufen bei Griechenland, etc pp). Es ist aber m. E. ziemlich unklar, ob es dazu kommt (=deflatorischen Crash/Reset/Sudden Stop, man nenne es wie man möchte), oder ob sich die Show noch eine Dekade ziehen wird, mit Problemen hier und Problemen da.
      Fakt ist: Ich bin vollkommen bei Dir, wir leben in einer Welt voller Finanzminen und die Gefahren einer totalen Verwüstung durch Kettenreaktionen sind sehr real. Genauso Fakt ist, dass keiner, wirklich keiner, Interesse daran hat. Auch wenn es rein logisch natürlich immer zu bevorzugen ist, schnell durch ein tiefes Tal zu gehen, als langsam immer mehr Schmerzen auf sich nehmen zu müssen, die Auswirkungen sind derart dramatisch (im apokalyptischen Szenario), dass es massive Interessen allerseits gibt, dies zu verhindern. Um es zu verhindern, müssten aber alle halbwegs kontrolliert – wie bisher bei Griechenland und den Banken – solange stabilisieren UND IM HINTERGRUND LÖSEN, bis die Gefahr kleiner geworden ist. Das “Lösen” ist aber nicht zu erkennen, das gebe ich zu und das macht den Angstfaktor aus an der Sache.
      Auch hier der Bezug zu den T2-Salden: Würde man Strategien sehen, diese einerseits temporär zuzulassen, andererseits aber Maßnahmen sehen, die deren Eingrenzung begünstigen und Risiko aus der Sache raus nehmen, wäre alles optimistisch zu betrachten. Und es ist bis zum Knall natürlich auch nicht auszuschließen, dass kluge Köpfe mit deutlich weiterem Blickwinkel hier auch an Ideen arbeiten, wie es die NWO-Sektierer ja im Negativen unterstellen. Es ist aber leider hoch zweifelhaft, dass wir (zumindest genug) solche(r) Leute in den sogenannten Eliten finden, ist zumindest meine Befürchtung.
      Ich resümiere mich mal selbst: Bei aller Hoffnung es nicht so schwarz sehen zu müssen, es spricht leider doch recht viel dafür dass eine der gigantischen Tretminen irgendwann unkontrolliert alles auf einmal zum Einsturz bringen könnte. Ist jedenfalls bei der Gemengelage viel leichter zu glauben, als das Gegenteil… Dennoch glaube ich nicht an eine “spontane Katastrophe”, auch der Crash 1929ff lief Jahre und solche Prozesse sind keine Tages- oder Wochensachen, sondern entfalten sich über mehrere Jahre zum vollen Problem (spürbar meine ich, nicht in Statistiken wo es sich deutlich vorher absehen und ablesen lässt). Es wird irgendwann eine Art “Lehman II” geben, in irgend einer Form, groß, unerwartet und nicht mehr kontrollierbar und dies wird eine langsame aber dramatische Kettenreaktion zünden, genug Sprengstoff ist im System vorhanden. Dabei werden am Ende alle Schuld- und Vermögenszustände der Akteure massive neu gemischt/bewertet/entwertet und wir können nur hoffen, dass dies ohne Verteilungskämpfe im heißen Sinne passiert, wird auch so schon schlimm genug für alle werden.

  • M.E. - 15. März 2012

    Hallo Thorsten,
    dabei stelle ich garnicht in Abrede, dass bei flüchtiger Betrachtung manche zu der Schlussfolgerung kommen könnten, dass alles nicht so dramatisch ist und sich schon ein Ausweg ergeben könnte.
    Das steigt z.B. der Philliy-Fed-Index, zumindest in den USA sieht es nach offizieller Statistik eher nicht nach Rezession im ersten Halbjehr 2012 aus, in Deutschland läuft die Sonderkonjunktur immer noch, also wo soll der Kollaps herkommen?
    Nun behaupte ich natürlich nicht, dass er 2012 kommen muss. Aber wenn man sich die Dynamik der Neuverschuldung in verschiedenen auch sehr wichtigen Ländern ansieht und die immer größer werdenden Handelsbilanzdefizite, die immer größeren Haftungsrisiken, wenn man sich den wichtigen Faktor Ölpreis ansieht, oder die geopolitischen Risiken, die noch in diesem Jahr ihre Wirksamkeit entfalten dürften, dann ist der eine oder andere sich positiv darstellende Konkunturindex (meist weiche Indizes) in dem einen oder anderen Land recht bedeutungslos.
    Und auch die durchaus merkliche Entspannung bei den Staatsanleiherenditen speziell von Italien und Spanien dürfte eher temporärer Natur sein.
    So lange Sonderkonjunkturen in einzelnen Ländern mit rapide wachsender Verschuldung und ebenso rapide wachsenden Haftungsrisiken erkauft werden, sind alle gegenwärtig positiven Entwicklungen in einzelnen Ländern (z.B. Deutschland) auf Sand gebaut und können keinen Bestand haben.

  • Sitting-Bull - 16. März 2012

    Diesen Samstag in London: “The Crimes of the 1%” – u.a. mit Ellen Brown und Max Keiser. Die Themen Terror und Finanzbetrug verschmelzen immer mehr, wie zuletzt auch im Buch “Mordanschlag 9/11″ vom Journalisten Lars Schall erläutert. Und richtig so! Wie auch im Film “Inside Job” gezeigt, sind die Verbrechen der Finanzelite wohl kaum zufällig, sondern systemgeschuldet!
    Der Tagesspiegel hatte zuletzt es auch gut zusammengefasst, das Essay heißt: Der Gelduntergang”…

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/essay-der-gelduntergang/6312730.html