Schuldentragfähigkeitsanalyse der Troika

von am 22. Oktober 2011 in Allgemein

Die Troika (IWF,EU und EZB) dokumentiert in einer “Schuldentragfähigkeitsanalyse” Griechenlands ihr komplettes Versagen in Punkto der bisherigen Strategie! In der Schuldentragfähigkeitsanalyse wird bereits eingangs festgestellt, dass bei der vierte Überprüfung der Situation in Griechenland durch die Troika, das Ergebnis, eine Wende zum Schlechteren genommen hat und die Wirtschaft zunehmend in die Rezession gerät und den staatlichen Behörden ein kräftiger Gegenwind bei der Erfüllung ihrer politischen Verpflichtungen entgegenweht. Für die Zwecke der Nachhaltigkeitsbewertung der Schulden Griechenlands wurde eine überarbeitete Baseline festgelegt unter Berücksichtigung der verschlechterten Wachstumsaussichten.

Nach dem neuen Baseline-Szenario ohne Schuldenschnitt, unter Berücksichtigung der schlechteren Wachstumsaussichten, beträgt der benötigte Finanzierungsbedarf für Griechenland nun 252 Mrd. Euro bis 2020. Bereits 2013 soll der Bruttostaatsschuldenstand 186% des nominalen BIPs erzielen und über das Jahr 2020 mit 152% langsam auf 130% im Jahr 2030 sinken.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates in Prozent des nominalen BIP, gemäß dem Baseline-Szenario der Troika.

Selbst dieses Szenario hat noch eine optimistische Grundlage, einen realen BIP-Einbruch für 2011 von -5,5% zum Vorjahr, es könnte jedoch noch schlimmer kommen, für 2012 ein Einbruch von noch -2,9% und für 2013 bereits ein Wachstum von +0,5%. Ab 2014 dann sogar jeweils ein Wachstum von über +2% bis ins Jahr 2020. Immer noch wenig Realismus enthält auch die “Korrektur” der avisierten Privatisierungserlöse im Baseline-Szenario auf noch 46 Mrd. Euro bis 2020.

Das neue Baseline-Szenario (rot) ist bereits trotz immer noch enhaltenen optimistischen Annahmen eine deutliche Verschlechterung zum vorherigen Fahrplan der Troika. Im vorherigen Baseline-Szenario vor 3 Monaten, war man von einem BIP-Einbruch in 2011 von nur -2,8% (jetzt -5,5%) ausgegangen und bereits von +0,7% Wachstum für 2012 (jetzt -2,9%). “Leicht” daneben lag die Troika mit ihren Annahmen und wurde wohl selbst von den negativen Auswirkungen der Austeritätsmaßnahmen überrascht?

Den Hammer stellt das aktuelle Negativszenario dar, es offenbart einen unglaublichen Finanzierungsbedarf des Staates von 444,1 Mrd. Euro bis 2020, während das zweite Rettungspaket für Griechenland einen Finanzierungsbedarf von 109 Mrd. Euro bis 2014 beinhaltete. Ab 2015 sollte man sich, nach dieser ursprünglichen Planung aus der zweiten Griechenlandhilfe, wieder über die Kapitalmärkte refinanzieren. Dies ist mittlerweile völlig unrealistisch und im neuen Baseline-Szanario hängt Griechenland bis 2020 am Tropf von IWF und EU und im Negativszenario sogar bis 2030!

Der Finanzierungsbedarf des griechischen Staates, gemäß dem zweiten Rettungspaket mit 109 Mrd. Euro, dem neuen Baseline-Szenario mit 252,3 Mrd. Euro, dem Negativszenario mit 444,1 Mrd. Euro und den beiden positiveren Szenarien mit Schuldencuts, bei 50% Cut mit 113,5 Mrd. Euro und bei einem 60% Cut mit 109,3 Mrd. Euro.

Noch schlimmer sieht es im Scenario with no policy change mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zum BIP aus:

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstand des Staates in Prozent zum nominalen BIP im Scenario with no policy change. Dafür das es “besser” aussehen wird, sorgt ja die Troika mit ihrer “ausgefeilten” Austeritätsstrategie. Dieses Szenario-no policy change ist natürlich Unsinn, weil die Kapitalmärkte bei der Finanzierung der griechischen Staatsverschuldung schon lange den Stöpsel gezogen haben und so ein Verhältnis zum BIP nie entstanden wäre. Aber im Vergleich dazu sieht das Baseline-Szenario der Troika nach einer “vollbrachten Leistung” aus.

Die Annahmen aus der Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates in Prozent zum nominalen BIP beim Baseline-Szenario, nach einem 50% Schuldenschnitt und nach einem 60% Schuldenschnitt. Selbst nach einem Schuldenschnitt von 60% braucht es noch fast 20 Jahre bis die Schulden in der Relation zum BIP auf ein halbwegs erträgliches Niveau von knapp unter 90% fallen!

Festzuhalten bleibt, die Lage ist mittlerweile so aussichtslos, dass selbst nach einem 60% Schuldencut, Austerität, unrealistischen 46 Mrd. Euro Privatisierungserlösen und einem ambitionierten angenommenen BIP-Wachstum von +0,5% für 2013 und von über 2% von 2014 bis 2020, kein substanzieller Beitrag zur Lösung der griechischen Staatsschuldenkrise erzielt wird, sondern erst 2023 unter diesen Maßgaben der Bruttoschuldenstand zum nominalen BIP erstmals unter 100% fällt und 2030 unter 90%. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen eines potentiellen 60% Schuldenschnitts für die Banken in Europa. Ein Desaster pur!

Quelle Daten: PDF, Greece Debt Sustainability Analysis 21. October 2011, bei Zerohedge.com

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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25 KommentareKommentieren

  • boris - 22. Oktober 2011

    Lächerlich – die erstellen Berechnungen wie es weitergeht bis ins Jahr 2030? Die gleichen Leute die zu blöde waren zu bemerken, dass sie mit ihrer “Hilfe” nicht nur diesem Land schaden? Für solche Leistungen werden die auch noch bezahlt (nennt sich dies Leistungslohn?). War eigentlich immer überzeugt, dass es auf dieser Welt viele gute Leute gibt, doch wenn ich unsere momentanen “Führer” in Politik, Banken etc. anschaue, kommen mir immer mehr Zweifel. In diese Positionen gelangen scheinbar vor allem Leute, die schlicht unfähig sind Probleme langfristig zu lösen!

    • Catweazle - 23. Oktober 2011

      Keine Angst, die Troika war bisher noch nicht einmal in der Lage die nächsten 6 Monate auch nur halbwegs vorauszusagen oder zu planen. Das mit 2030 ist nur ein Witz, aber ein guter oder?
      Auch in Deutschland scheint man sich nicht lumpen zu lassen und erklimmt immer neue Höhen:
      “Nach den Maßstäben des Handelsgesetzbuchs (HGB) weise der SoFFin zum 30. Juni “eine Unterdeckung von acht Milliarden Euro aus, die man als Verlust deuten könnte”, sagte Fondschef Christopher Pleister der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.
      http://www.n-tv.de/wirtschaft/SoFFin-macht-riesigen-Verlust-article4595016.html
      Scheint das auch bei uns nix mehr unter den Teppich passt bzw. die Teppiche anfangen zu verrotten. Kommt ja eh alles schon in Kürze zum Vorschein, auch die staatlich legitimierte Bilanzfälscherei bei den übrigen Banken. Bei dem Knall der dann folgt hilft nicht einmal mehr die Ohren zuzuhalten.

  • lebdeinlebenglücklich - 23. Oktober 2011

    vll. nicht ganz genau passend, aber die entwicklung bringt für mich folgende gedanken:
    das klingt inzwischen alles sehr nach: “wollt ihr den totalen …rettungsschirm?!”… die parolen kurz vor dem nahenden ende werden sich immer ählicher…
    ich zieh seit langem nur eine folgerung aus dem ganzen trara: verdien nur genau so viel dass du deinen lebensstandard glücklich führen kannst….
    aber: — was mach ich mit ersparnissen – gerade jetzt kurz vor dem knall? – tipps / meinungen wären für mich (und ich denke andere leser) sehr hilfreich…
    ich denke: leg ersparnisse so an, dass der staat nach dem crash nichts bei dir holen kommen kann…weder in edelmetall (siehe usa goldverbot…, außerdem: wo sicher lagern?, wenn man beim crash weg will – sicherer u problemloser transport…einfuhr, ausfuhr…) und gleich 3mal nicht in was immobiles – der staat wird nach dem crash dort holen kommen wo es was zu holen gibt… – meine idee: ab damit ins ausland (welches land würdet ihr empfehlen?! – meine favoriten: norwegen, australien/neuseeland, singapur, schweiz?) auf ein konto und ne kreditkarte dazu, dann kannste damit überall zahlen /am automaten ziehen und geld ist gut u sicher vor staat aufgeräumt. bin gespannt und wäre dankbar um euere tipps?!

  • o.ä. - 23. Oktober 2011

    Mal eine Frage von jemanden, der sich mit Ökonomie nicht auskennt.

    Gibt es seriöse Szenarien, die Aufschluss darüber geben, wann ein Zusammenbruch des Systems wahrscheinlich ist? Mir ist klar, dass ein solches Szenario nicht den genauen Tag benennen kann, aber so ungefähr die Zeitspanne aufgrund mathematischer Berechnungen?

    Außerdem frage ich mich, wenn die Lage schon so brenzlig ist, warum wird dies auch in den Mainstreammedien kommuniziert? Ich dachte immer, wenn ein Zusammenbruch kurz bevor steht, würden solche Nachrichten eher unter dem Deckel gehalten. Oder wird nun für Verunsicherung gesorgt, um die Mehrheit der Bevölkerung dazu zu animieren, härtere Einschnitte hinzunehmen?

  • BURENER - 23. Oktober 2011

    WOW!

    Die Austeritätsmaßnahmen wären sicherlich sinnvoll – wenn sie das bewirken würden, wozu sie angedacht sind: Den Staatsaperat zu verkleinern / Wettbewerb zu fördern und dadurch Wachstum erzeugen! Leider wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn es wird lediglich mit allen Mitteln der Staatsaperat erhalten – so wie es in einer totalen Bürokratie heute überall passiert. Nach außen werden Gesetze verabschieden um wieder Geld zu bekommen, nur um sie dann nich einzuhalten. (reine Systemerhaltung)
    Und die Gläubiger machen so lange mit, weil es viel zu schlimm ist sich einzugestehen – dass das Geld futsch ist! Kennt ja das Bsp. besser bei einer Bank 1 Mio Schulden als 5000 Euro… Da bekommt man nämlich einen Kaffee und Plätzchen und immer mehr Geld…

    Eines bleibt festzuhalten – das System basiert auf Vertrauen! Solange vertraut wird – existiert es.. Daher ist kein Mathematisches Modell möglich!
    Denn wie berechnet man Vertrauen?

    Gute Nacht und Danke Steffen!

  • micdinger - 23. Oktober 2011

    Etwas OT:

    Hallo lebdeinlebenglücklich,

    “verdien nur genau so viel dass du deinen lebensstandard glücklich führen kannst”

    Überprüfe mal deine Zielvorstellung, glücklich und Lebensstandard.

    Wenn es hier in Deutschland resp. Europa zu gravierenden Änderungen der Lebensverhältnisse kommt, wird der Rest der Welt davon nicht unberührt bleiben, auch nicht Zürich oder Singapur. Überall in der Welt wirst Du erst einmal der unerfahrene sein.

    Frage dich lieber, wer du bist und welche Fähigkeiten du hast und wie du mit dieser Mischung aus Persönlichkeit und Fähigkeiten am besten mit deiner Umgebung interagieren kannst. Wenn das Ergebnis deiner Analyse ein anderer Ort sein sollte, nun gut.

    Aber Lebensstandard und Glück sind das Ergebnis des dynamischen Zusammenspiels deines Verhaltens in deiner aktuellen Umgebung. Wenn du das Ergebnis deines Lebens als Wohlstand schon vorweg nimmst, dann wirst du ewig wie ein Esel der Karotte hinterher laufen. Ob dich das dann glücklich macht, musst du selbst entscheiden.

  • Christian A. Wittke - 23. Oktober 2011

    Das ist alles bar jeder Möglichkeit, den Euro in einer auch nur ansatzweise seriösen Form zu retten.

    Im Falle Griechenlands, wie im übrigen in vielen anderen, ist das, was Austerität sein soll, nichts anderes, als die Zerschlagung der Grundlage des originären Wirtschaftens des jeweiligen Landes bis dato. Natürlich gehörte da was korrigiert, aber irgend eine Wirtschaft damit zu gesunden, daß man ihr die Liquidität abdreht, die Arbeitslosigkeit mal schnell verdoppelt bzw. verdreifacht und die Kosten und Abgaben drastisch nach oben reißt, gleicht einem Totschlag bzw. suizidalem Tun da, wo man auf Weigel oder Kohl komm raus eine gemeinsame Währung erzwingen will.

    Dazu kommt dieses dämliche Geschwätz von wegen „die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen“ zu wollen: Wie und womit denn? Wann war Griechenland nach dem Altertum jemals wirklich wettbewerbsfähig? Oder Portugal; in der Tat auch Italien, Spanien…? Zu Zeiten des EWS war noch mustergleich erkannt worden, daß einzelne Wirtschaftszonen immer wieder einer Anpassung bedurften, was in Form von Abwertungen der jeweiligen Währungen geschah. Derartige Ventile sind mit Einführung des Euro ohne jeglichen Ersatz abgeschafft worden; ergo, auch der größte Schuldenschnitt wird nichts an der Tatsache ändern, daß Deutschland Autos und Maschinen baut, während andere schöne Strände haben, wunderbare Oliven ernten und schöne Schafe züchten. Was soll auch daran falsch sein? Aber, was daran könnte eine wirkliche, währungstechnisch kompatible Wettbewerbsfähigkeit begründen?

    Auch mit noch so vielen Tricks, Hebeln, Lügen, Verstößen und anderen Dummheiten ist der Euro nicht haltbar; ein Nord bzw. Süd-Euro mag darstellbar sein, funktionsfähig werden sie kaum sein, es sein denn, Deutschland nennte seine neue DM aus irgendwelchen historisch verklärten Gründen wieder Euro, denn auch im Verbund mit Frankreich funktionierte aus heutiger Sicht keine Währungsunion.

    Natürlich will Deutschland sich am liebsten im status quo vergraben; fällt der Euro, stirbt seine Wettbewerbsfähigkeit den sudden death: Widerbelebung lang- und schwierig. Darf er nicht sterben und fällt damit noch tiefer ins Koma, so ist eben der Verfall in Raten programmiert.

    Ceterum censeo, daß über allem natürlich das Damoklesschwert einer verfehlten bzw. versagenden globalen Wirtschaftspolitik, kurz der Globalisierung, schwebt; die hat es einem Teilnehmer erlaubt, sich mit Hilfe eigenen Papiergeldes, eigener Regeln und ausschließlich egozentrisch gesetzten Zielen an so genannten freien Märkten zu bereichern. Frei sind die schon, aber auch vorsätzlich dumm und dämlich.

    caw

  • flo - 23. Oktober 2011

    an lebdeinlebenglücklich,
    kauf doch gold und silber und lager sie bei dir zu Hause? Habe 2007 damit angefangen und habe kaum noch Ersparnisse auf dem Konto. Ansonsten vielleicht noch ausgewählte Aktien aus dem Energiesektor vielleicht? Statoil, Shell, Exxon etc…

  • Systemfrager - 23. Oktober 2011

    @ o.ä.
    >>> Oder wird nun für Verunsicherung gesorgt, um die Mehrheit der Bevölkerung dazu zu animieren, härtere Einschnitte hinzunehmen?

    Das auch, aber nicht nur. Nicht alle, die zur westlichen Plutokratie gehören, sind dumm und diese beginnen sich wirklich Sorgen zu machen. Ihnen ist es bewusst, dass es ihnen nicht gelungen ist Russland zu zerschlagen und dass gerade ein kommunistisches Land (China) das ökonomisch erfolgreichste Land ist. (Übrigen, deshalb die so paranoide Agresivität und Feindschaft diesen Ländern gegenüber.) Außerdem hat sich Südamerika von den USA emanzipiert. Die nicht-diktatorischen Islam-Länder werden nicht die westliche “Kultur” übernehmen wollen. Usw

    Schließlich auch die eigenen Untertanen werden rebellisch. Ich “verrate” dir was. Eine Kritik, die heute völlig normal im Internet ist, war vor 2 -3 Jahren unvorstellbar. Nur wenige – wie ich – waren so offen und frei, so dass ich mich damals von ziemlich allen ungeliebt machte. Ich war einer der “zum Kotzen” war – wirklich. Jezt bin ich total unaufällig. Ist aber gut so.

    • o.ä. - 23. Oktober 2011

      Mir stellt sich die Frage, ob China tatsächlich -rein wirtschaftswissenschaftlich betrachtet- ein kommunistisches Land ist?

      Die “westliche Kultur” hingegen ist für mich eine Praxis des Rassismus ohne Rassen. Was denn genau “Kultur” und dann auch noch “westlich”, ist ja nichtmal definiert. Nichts desto trotz wird Kultur als Bestandteil der Natur des Menschen unterstellt. Die “westliche Kultur” wird einerseits zum eigenen Vorteil erzwungen, andererseits weil sie ja in der Natur des Menschen verhaftet ist, argumentiert man, wenn es gerade besser passt, dass nun das Fehlen dieser “westlicher Kultur” zu unüberbrückbaren Hindernissen führt, die auch nicht verändert werden können, weil es ja in der “Natur” des Menschen liegt. Dies suggeriert z. B. auch der Begriff Wurzeln (auf die Herkunft bezogen) oder z.B. Fremdenfeindlichkeit.

  • micdinger - 23. Oktober 2011

    “Oder wird nun für Verunsicherung gesorgt, um die Mehrheit der Bevölkerung dazu zu animieren, härtere Einschnitte hinzunehmen?”

    http://derstandard.at/1319180877342/Sparen-und-wahren-Niederlande-und-Estland-liefern-das-EU-Krisenmittel

    • Systemfrager - 23. Oktober 2011

      Es wäre toll, wenn uns Q etwas über Estland leifert
      ;-)

    • o.ä. - 23. Oktober 2011

      Danke für den Link, eine so klare Intention habe ich bisher noch nie aus einem Artikel zum Thema herauslesen können.

  • bauagent - 23. Oktober 2011

    @ o.ä.

    Beschäftige Dich doch einmal mit dem nachfolgenden Link, um etwas über die Mechanik des Verschuldungssystems in Relation zur Wirtschaftsleistung zu erfahren.
    Nach Lesen der Einzelheiten ( man muss nicht mit allem einverstanden sein ) könntest Du Dich einmal mit dem Phänomen der Kontratieff-Zyklen beschäftigen.

    Danach dürftest Du zu der Erkenntnis kommen, dass eine exakte Vorhersage unmöglich ist, der Erhalt des aktuellen Systems über das Jahr 2015 allerdings wohl unwahrscheinlich ist.

    Das Ganze kann morgen schon kippen. Daher habe ich nur noch Barmittel für den täglichen Bedarf auf dem Konto.

    Man sollte sich aber keinen Zusammenbruch vorstellen, wie es die Verschwöhrungsseiten im Internet teilweise postulieren.

    Das derzeit wahrscheinlichste Szenario ist die Rückkehr zu den früheren Währungen in Verbindung mit einem Vermögensschnitt ‘ light “. Light bedeutet, dass die Ersparnisse, Renten und Versicherungen der Bürger einem Cut unterworfen werden und das alte umverteilende System von unten nach oben wieder neu aufgesetzt wird ( weltweit ).

    Das mag einen Zeitraum weltweit von 6 Monaten in Anspruch nehmen und danach dreht sich die Welt weiter.

    Ab 2013 ist mit flächendeckenden bürgerkriegsähnlichen Zuständen zu rechnen, sollte die Vernunft zu einem geordneten Ausstiegszenario nicht greifen. Die aufbereiteten Statistiken der Vergangenheit auf Querschuesse zeigen ja sehr gut auf, wie der wahrscheinliche weitere Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung, nicht nur im Euroraum, anzunehmen ist.

    Als Privatperson würde ich heute sicher keine 20.000 € als Festgeld oder gar in eine LV investieren.

    Einfach ´mal einlesen, ist gut und verständlich geschrieben.

    http://www.steuerboykott.org/

    • o.ä. - 23. Oktober 2011

      Über die Kondratjew-Zyklen werde ich mich noch informieren.
      Die Argumente des Autors, dessen Link Du mir gegeben hast kann ich nur teilweise unterstützen (Schuldgeldsystem).

      Allerdings lehne ich auch einige Aussagen kategorisch ab. Konkret: an einer stelle im Link heißt es unter der Überschrift “Aussterbende Kulturen”:

      “Während es einerseits immer weniger Kinder gibt, bürdet man ihnen andererseits eine immer größere Geburtsverschuldung auf. Aber die Frauen sollen lieber im Hamsterrad der Zinssklaven mitlaufen, anstatt kostbare Arbeitszeit für Haushalt, Kinder und den Erhalt der Familie zu vergeuden – sagen zumindest die Emanzipationsbeauftragten in Medien und Politik. Und seitdem erkannt wurde, daß klassische Familien der Arbeits- und Konsumgesellschaft kritisch gegenübersehen – und dadurch das Wirtschaftswachstum gefährden – werden Singles und gleichgeschlechtliche Paare von Medien und Politik besonders eifrig umworben.

      Das Ergebnis dieser Entwicklungen macht sich natürlich in der Geburtenrate bemerkbar. Und damit auf deutschem Boden auch in Zukunft noch genügend Personal für das Erwirtschaften von Zinsen zur Verfügung steht, fördert man lieber die Zuwanderung anstatt in den eigenen Nachwuchs zu investieren. Das spart nicht nur Ausbildungskosten, sondern verwandelt vor allem das widerspenstige, starke Volk in eine durchmischte, uneinige und daher leichter kontrollierbare Menschenmasse.

      Exakt so muß man die Familienpolitik der BRD leider zusammenfassen: Emanzipation, Kinderlosigkeit und Zuwanderung. Familien sind in einer Gesellschaft, die diesem Geldsystem dienen soll, nicht rentabel. Auch hier fragt man sich wieder, wessen Interessen die Politiker eigentlich vertreten. Unklar ist auch, was vom Volk der Dichter und Denker innerhalb weniger Generationen eigentlich noch übrigbleiben soll und ob hier etwa versucht wird, das Volk dem übergeordneten Finanz- und Wirtschaftssystem anzupassen, anstatt ein System einzuführen, das zu den Menschen paßt.”

      Dieses “Argument” ist nicht nurwegen der braunen Ideologie ABZULEHNEN, SONDERN AUCH IN ALLEN PUNKTEN FALSCH, d.h. empirisch nicht haltbar. -Migration hat es immer schon gegeben, nationalstaatliche Grenzen und rigide Gesetze, die Zuwanderung steuern sollen, verschleiern dies nur gekonnt.
      -De facto ist Deutschland Auswanderungsland, in Relation zur Gesamtbevölkerung erhält nur ein Bruchteil, der Menschen nicht deutscher Herkunft eine dauerhafte Aufenthaltsperspektive.
      - So etwas wie eine “schleichende Unterwanderung” “der” “Kultur” gibt es nicht, da es “die” ‘Kultur’ gar nicht gibt (siehe dazu auch die Sinusstudie von Migrantenmilieus in Deutschland im www, und meine Antwort auf Systemfragers Beitrag).
      - Die Kategorie Frau mit der ihr zugedachten Kategorie Mutter und Hausfrau als Teil ihrer “Natur” ist ein reiner Unterdrückungsmechanismus und erinnert sehr stark an die Familienpolitik der Nationalsozialisten (siehe dazu Judith Butlers “Das Unbehagen der Geschlechter”). Vielleicht sollte man eher anstatt von den Kategorien ‘Mann’ und ‘Frau’ von der Kategorie ‘Mensch’ ausgehen, dann (so meine Meinung) kann der Mensch etwas freier leben und ist nicht so stark den Rollenerwartungen ausgesetzt.
      - Zudem stützt der Autor mit dieser These (meines Erachtens), das System, dass er kritisiert, indem er der “autochthonen Frau” die Aufgabe der Reproduktion der Zinssklaven für dieses System zuweist.

      Als zweites ist m.E. die Argumentation mit den Artikeln des GG falsch hergeleitet. Denn rein juristisch handeln die Politiker ja richtig.(Was nicht heißt, dass ich diese Form des Handelns legitim oder gar gut finde.) Ich denke der Autor sollte zuerst die Gesetze kritisch betrachten, d.h. wie sie richtig ausgelegt werden und dann Schlüsse daraus ziehen, wem diese Gesetze nützen, anstatt unkritisch die Gesetze als Ausgangspunkt seiner Argumentation zu nehmen. Denn genau hier liegt meines Erachtens der größte Fehler: der Autor verrennt sich in der Argumentation, weil er unweigerlich auf die Argumentationsebene geht, die das stützt, was er anprangert. Damit verbaut er sich aber die Möglichkeit, eine realistische Betrachtung des Problems heraus zu arbeiten, da er immer wieder über die Fallstricke des Systems stolpert, die er nicht distanziert betrachten kann.

  • Pessimist - 23. Oktober 2011

    @lebdeinlebenglücklich,

    in gespannt und wäre dankbar um euere tipps?!

    weil Du anscheinend keine anderen Gedanken mehr als die Vermögenssicherung fassen kannst, bekommst Du von mir den einzig richtigen und sinnvollen Tipp:

    Bundesweit leben mehr als 2,5 Millionen Minderjährige unterhalb der Armutsgrenze und dieser Fakt lässt nur den Schluss zu: ich nehme mein gesamtes Vermögen und spende alles der Arche (eine andere Institution in Deiner Nähe, die ähnliche Ziele verfolgt, würde sich über Deine Spende bestimmt auch freuen). Wenn Du diesen Schritt vollzogen hast, dann kannst Du sagen: jetzt lebe ich mein Leben glücklich und bin zum ersten Mal ein richtig freier Mensch.

    Dieser geniale Tipp ist auch vollkommen kostenlos und uneigennützig!

    Noch Fragen?

  • Querschuss - 23. Oktober 2011

    aus dem Griechenlandblog:

    “Spätestens seit dem Inkrafttreten der zusätzlichen Spar- und Steuermaßnahmen, die während der vergangenen Monate von der Troika und den Gläubigern Griechenlands erzwungen wurden und speziell bezüglich der Steuermaßnahmen sogar rückwirkend ab Anfang 2011 zur Anwendung kommen, werden jedoch inzwischen hundertausende griechische Haushalte mit mathematischer Akribie in den irreversiblen wirtschaftlichen Ruin getrieben, was wiederum die gesellschaftliche und politische Destabilisierung des Landes in unmittelbare Nähe rücken lässt.”…Speziell die rückwirkend verfügten Steuermaßnahmen haben in Kombination mit allen übrigen Belastungen und Verbindlichkeiten dazu geführt, dass sich Arbeitnehmer inzwischen sogar mit “negativen” Lohnabrechnungen konfrontiert sehen.”

    “Gehaltsabrechnung Oktober 2011: 0,31 Euro! Dieses “fette” Gehalt gehört einem unbefristet beschäftigten Arbeiter der Müllabfuhr der Stadtgemeinde Athen, einem von Hunderten Bediensteter des konkreten Trägers, die aufgerufen sind, bis Ende des Jahres von der Hand in den Mund zu leben, da sie den rückwirkenden Abzügen des mittelfristigen Rahmenprogramms und den Raten für bei der staatlichen Kredit- und Hinterlegungskasse aufgenommenen Baukredite zum Opfer fallen.”

    “Bezüglich der in Rede stehenden rückwirkenden Abzüge sei erklärend angemerkt, dass Mitte 2011 der Einkommensteuerfreibetrag rückwirkend für das gesamte Jahr 2011 auf 5.000 Euro gesenkt wurde. Damit wurden schlagartig selbst Geringverdiener lohnsteuerpflichtig und “schuldeten” praktisch über Nacht auch für die seit Anfang 2011 bereits regulär abgerechneten Bezüge rückwirkend Lohnsteuern, die nun zusätzlich zu den laufenden übrigen Abzügen in Raten von den letzten Gehältern des Jahres 2011 einbehalten wird.”

    “Zusätzlich zu der rückwirkenden Lohnsteuererhöhung des Jahres 2011 wurden im Oktober 2011 auch die ebenfalls rückwirkend für Einkommen des Jahres Jahr 2010 beschlossenen Sonderabgaben (u. a. speziell die neue rückwirkende “Solidaritätsabgabe” auf Einkommen des Vorjahres!) fällig, die in Raten von minimal 300 Euro pro Monat zu entrichten sind.”

    Aus einem weiteren Artikel: “In Griechenland soll auf Basis der neuen Besoldungsordnung des öffentlichen Sektors das Anfangsgehalts eines Lehrers ohne vorherige Dienstzeit nur noch 575 Euro betragen.”…Lehrer in Griechenland werden sich fortan auf breiter Basis auf “Hungerlöhne” einstellen müssen, da der Gesetzentwurf, den die griechische Regierung am vergangenen Donnerstag (06.10.2011) dem Parlament vorlegte, ihr erstes Monatsgehalt auf 660 Euro netto kürzt, während das Gehalt ohne vorherige Dienstzeit neu eingestellter Lehrkräfte auf nur noch 575 Euro im Monat sinkt! Die Kürzung ist um so tragischer, wenn berücksichtigt wird, dass sich das Anfangsgehalt eines Lehrers im Juni 2011 noch auf 1.020 Euro belief.”

    “Der Verband der Lehrkräfte führte an, dass die Lehrer in den beiden letzten Jahren mit der Umsetzung des Moratoriums und des mittelfristigen volkswirtschaftlichen Rahmenprogramms schon 4 Monatsgehälter verloren haben und “in Kombination mit der unerhörten Teuerung bereits in die Verelendung geführt worden sind“. ”

    Das was von mir als verheerend auf der Makroebene beleuchtet wird, hat natürlich auf der Mikroebene zahlreiche Folgen, wo man nur noch den Kopf schütteln kann. Es wird wahrhaftig ein unglaublicher Niedergang organisiert, der nur in einem Zusammenbruch Griechenlands münden kann.

    Wer sich für umfangreich dokumentierte Details auf der Mikroebene interessiert, dem kann man diesen Blog empfehlen:
    http://www.griechenland-blog.gr/

    Gruß Steffen

  • M.M. - 23. Oktober 2011

    Der Euro wird immer weiter gerettet, weil es ein Gesetz in der Wirtschaftslehre gibt, das heisst: “Warte bis der Aufschwung kommt, wenn du nur Wettberwerbsfähig genug bist” (SLE?)
    Da ALLE Politiker in Brüssel (wie einige Börsenspekulanten) daran glauben, MÜSSEN sie den Euro retten, denn das ist Gesetz. Die Frage, wer in Europa gegen China und Deutschland in abseharer Zeit Wettbewerbsfähig sein soll, ist mir allerdings schleierhaft. Nanotechnologie oder Raumfahrt in Griechenland ? *hüstel*
    Man könnte auch behaupten, es gäbe eine Produkivitätskrise, aber das wäre ja Heräsie.

  • micdinger - 23. Oktober 2011

    Sehr erhellend dieser Kommentar:

    “Evangelos Venizelos, der Finanzminister des griechischen Dauerpatienten, gab sich jedenfalls am Samstag bemerkenswert entspannt: „Griechenland“, diktierte er den versammelten Journalisten, „ist jedenfalls kein zentrales Problem für die Eurozone.“

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/703266/Schuldenkrise_Noch-zehn-Jahre-GriechenHilfe?_vl_backlink=/home/wirtschaft/international/691335/index.do&direct=691335

  • micdinger - 23. Oktober 2011

    Möglicher Grund für die entspannte Haltung von Evangelos Venizelos:

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/28920/

  • micdinger - 23. Oktober 2011

    Und hier noch eine schöne, allgemeinverständliche Zusammenfassung der aktuellen Problematik:

    EU-Gipfel: „Europa steht vor einem verlorenen Jahrzehnt“ http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/28987/

  • anonym - 23. Oktober 2011

    Noch etwas das uns Querschüsse N I C H T gesagt hat :
    (http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/28987/)
    EU-Gipfel: „Europa steht vor einem verlorenen Jahrzehnt“.

    Übrigens wäre das Bild auf der Hompage von http://www.staatsverschuldung.de/index.html auch eine Zierde für Querschüsse’s Hompage. (Man beachte die Steigerungsrate/Jahr.
    mfg.

  • Till - 23. Oktober 2011

    @Anonym

    Es wird kein verlorenes Jahrzehnt geben, und auch keine Verschuldung bis in die Ewigkeit.

    Ein Fehler, und die ganze Schuldenpyramide wird einstürzen (die Staatsschulden sind ja nur das Sahnehäubchen).

    Ansonsten muß diese Pyramide weiterwachsen, da die Besitzer die Zinserträge in neuen “Finanzinvestitionen” anlegen. Zum Ausgeben haben sie eh schon zuviel.

    Ich rechne mit einem halben Jahr Chaos, dann geht es wieder irgendwie von vorne los.

  • Querschuss - 23. Oktober 2011

    Hallo anonym,
    versuchs mal hier:
    http://www.querschuesse.de/2035904-billionen-euro-deutsche-staatsschulden/
    und das war nicht der erste Querschuss zu dem Thema.

    Im Übrigen implizieren meine Artikel bestimmt keine 10 goldenen Jahre für Europa.

    Gruß Steffen

  • anonym - 23. Oktober 2011

    @Querschuss
    Entschuldigung, hab ich wohl glatt übersehen. Entschuldigung.
    mfg.

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