UK-Blasenökonomie mit +5,2% Inflationsrate im September

von am 18. Oktober 2011 in Allgemein

Immer wieder wird die Gefahr von laxer Geldpolitik, Spekulationsblasenbildung durch eine Fehlallokation von Kapital, schwindender Wertschöpfung und in Folge steigender Preise, verniedlicht und kaschiert. Aber nicht überall funktioniert es noch, trotz statistischer Beschönigungen zog in Großbritannien im September 2011 der Consumer Preis Index (CPI), um kräftige +5,2% zum Vorjahresmonat an und stieg damit zusammen mit dem September 2008 (ebenfalls mit +5,2%), um die höchste Rate seit März 1992, gemäß den heutigen Daten des britischen Office for National Statistics (ONS)! Der Subindex für Nahrungsmittel und Getränke (ohne Alkohol) zog sogar um +6,4% zum Vorjahresmonat an. Das avisierte Inflationsziel der britischen Notenbank (Bank of England) von +2,0% beim CPI ist eine Farce, gerät immer weiter aus der Reichweite und wird von der eigenen laxen Geldpolitik zum Erhalt der spekulativen Banken- und Finanzstrukturen am Londoner Finanzplatz konterkariert!

Der monatliche Consumer Price Index im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Januar 1995. Er stieg im September 2011 um +5,2% zum Vorjahresmonat, nach +4,5% im August.

 Der Consumer Price Index im Chart seit Januar 1995. Im September 2011 stieg der CPI auf 120,9 Indexpunkte, nach 120,1 Indexpunkten im Vormonat und nach 114,9 Indexpunkten im Vorjahresmonat.

Um kräftige +6,4% zum Vorjahresmonat, auf 135,8 Indexpunkte, zog der Subindex für Nahrungsmittel und Getränke im September 2011 an. Im Chart die Daten für den Subindex seit Januar 1995. Seit Januar 2000 betrugen die Preissteigerungen bei Nahrungsmittel und Getränken (ohne Alkohol) offiziell satte +47,12%!

 Die laxe und expansive Geldpolitik manifestiert sich u.a. so, seit dem 05.03.2009 beträgt der Leitzins der britischen Zentralbank, Bank of England (BoE) nur 0,5%. Die  BoE hatte bereits 2009 und 2010 aggressiv britische Staatanleihen in Höhe von 200 Mrd. Pfund Sterling (GBP) aufgekauft und am 07.10.2011 die Ausweitung der britischen QE-Aktion, um weitere 75 Mrd. GBP, auf insgesamt 275 Mrd. GBP beschlossen. Allerdings wie in den USA hat die Stimulation kaum positive Auswirkungen auf die Realwirtschaft, zuletzt im August 2011 dümpelt der breit gefasste Industrieproduktionsindex, der den Output der Produktion misst, auf einem Niveau von 1993 herum. Desweiteren kennzeichnet die britische Blasenökonomie ein chronisches Handels- und Leistungsbilanzdefizit. Im Jahr 2010 wurde ein Rekorddefizit im Handel von Waren und Gütern eingefahren mit -98,462 Mrd. GBP. In den ersten 8 Monaten 2011 liegt man mit einem kumulierten Handelsbilanzdefizit von -63,286 Mrd. GBP sogar noch leicht über dem Level des Vorjahreszeitraums (-62,999 Mrd. GBP)! Ein noch größerer zukünftiger Malus bedeutet das hohe Defizit beim Handel mit Nahrungsmitteln, denn das Vereinigte Königreich ist nicht ansatzweise in der Lage aus der landwirtschaftlichen Wertschöpfung die eigene Bevölkerung zu ernähren:

Die Entwicklung der Handelsbilanz nur bei Nahrungsmitteln im Chart seit Januar 1983. Zuletzt im August 2011 betrug das Defizit bei Nahrungsmitteln -1,436 Mrd. GBP. In den ersten 8 Monaten 2011 betrug es -11,648 GBP!

Im Gesamtjahr 2010 generierte UK ein Defizit aus dem Handel mit Nahrungsmitteln in Höhe von -17,04 Mrd. GBP, darunter beim Fleisch ein Defizit von -3,601 Mrd. GBP. Selbst mit simplen Milchprodukten und Eiern kann man die eigene Bevölkerung nicht versorgen, denn hier betrug das Defizit 2010 immerhin -1,391 Mrd. GBP und bei Getreide und Futtermitteln betrug das Defizit -1,383 Mrd. GBP. 

Zu erwähnen bleibt auch, dass UK seit Mitte 2005 dauerhaft Nettoimporteur von Rohöl ist, da die Ölförderung in der britischen Nordsee von einem dramatischen Förderabfall gekennzeichnet ist. Großbritannien ist eine klassische Blasenökonomie, eines degenerierten angelsächsischen Modells, mit einer permanenten Erosion der industriellen Wertschöpfung im Verhältnis zum BIP und einer kräftig voranschreitenden Erosion der Ressourcengrundlagen, wie bei Öl- und Gas. Über das hohe Importvolumen bei Waren und Gütern, insbesondere bei Nahrungsmitteln, importiert man sich auch die Inflation, denn die Währung schwächelt sogar gegen den Dollar und den Euro, in Folge der laschen Geldpolitik und der schwachen realwirtschaftlichen Daten.

Reloaded: UK – abwärts mit Industrieproduktion, Öl- und Gasförderung, UK weitet Handelsbilanzdefizit aus

Quelle Daten: Ons.gov.uk/ONS-Statistikportal, Ons.gov.uk/Release: Consumer Price Indices/September 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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15 KommentareKommentieren

  • hunsrückbäuerlein - 19. Oktober 2011

    könnte es sein, dass nahrungsmittelknappheit in der sog. 1. welt angekommen ist? hauptsache uk kann seinem altbekannten muster der kolonialisierung folgen, die nahrung für die kriegsmaschinerie scheint ja nicht versiegen zu sollen

  • martin - 19. Oktober 2011

    @hunsrückbäuerlein

    bis zur nahrungsknappheit ist es noch ein wenig entfernt. ich denke nur an die vielen lebensmittel
    die weggeworfen werden,
    die nur wegen der verfügbarkeit angeboten und entsorgt werden,
    die nicht ins verkaufsmass fallen,
    die auf den feldern liegen bleiben, da sie nicht der handelsklasse entsprechen,
    die einfach so in der natur in massen (dieses jahr besonders) rumhängen und kein mensch sie nimmt

    p.s. die besten äpfel habe ich dieses jahr umsonst auf einer kleinen waldlichtung bekommen!

  • sunwalker - 19. Oktober 2011

    @martin

    dazu gibt es auchen sch öne Internetseite, wo man auch selber mitmachen kann:

    http://www.mundraub.org/

    Ist gerade für jene Menschen in Zukunft eine Möglichkeit an frische Nahrung zu kommen, denen jetzt schon die Nahrung zu teuer wird.

  • Lothar - 19. Oktober 2011

    Yuuuhhuuu das Ende ist nahe.

    Die USA spannen gerade einen 154 Billionen Dollar Rettungsschirm für alle CDS die JP Morgan und Bank of America halten.

    http://dailybail.com/home/holy-bailout-federal-reserve-now-backstopping-75-trillion-of.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+TheDailyBail+%28The+Daily+Bail%29

    So stur und eigensinnig kann man doch eigentlich nicht sein – sie gehen wirklich bis zum letzten bevor auch nur ein klitzekleines bisschen geändert wird. Default aller Staatsanleihen jetzt sofort und dann aufbau eines neuen modernen Sozialistischen Staates.

  • Marcito - 19. Oktober 2011

    Danke Steffen hierfür!

    Und genau deswegen wird es in the uk wieder knallen. Ich war jetzt dort. Die steigenden kosten gepaart mit der Arbeitslosigkeit vorallem bei den Jugendlichen die völlig perspektivlos ist, Ist das ein Pulverfass.

  • flo - 19. Oktober 2011

    Europa fliegt grade der Euro um die Ohren, alle sind ratlos, dabei müssten sie nur auf die Insel schauen, um zu sehen, wie man es richtig macht! Das nennt man Weginflationieren eines gewaltigen Schuldenüberhangs und es klappt prima!!

    Jeder hier in UK hat eine fette Hypothek und fast alle haben Tracker Mortgages, die zahlen grade fast nichts für ihre Häuser. Die Regierung zahlt minus 3% reale Zinsen auf 10 Jahre, kriegt die Kohle also mehr als geschenkt. Mach das noch 5 Jahre weiter und die Schuldenlast sieht plötzlich ganz anders aus. Sparer, Rentner, kleine Arbeiter und Teile der Mittelschicht werden teilenteignet, so läuft das eben.

    Alles in allem besser als der Austerity Mist den die Kontinentaleuropäer grade versuchen, das wird richtig in die Hose gehen. Die werden auch noch auf massive Monetisierung und 5% Inflation kommen, dauert nur etwas bis zur Einsicht!

  • MagnaBavaria - 19. Oktober 2011

    @ flo:

    Warte nur mal, wenn Kontinentaleuropa gegen die Wand fährt brennt die (London)City. Das wird sich dann sicherlich auf den (verkümmerten) Realwirtschaftssektor durchfressen.
    Wer weiß was für (Schrott)Anleihen die Banken bei Euch drüben halten, mal sehen wie UK mit seinem Bankensektor auf Steroiden durch die Krise komm….

    Oder die Inflation beginnt irgendwann zu galoppieren.

    Meiner Meinung nach eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten.

    Preisfrage:

    Wie zahle ich meinen Kredit mit negativen Zinsen bei 0 £ Einkommen?

    • Joediver - 19. Oktober 2011

      Wie zahle ich meinen Kredit mit negativen Zinsen bei 0 £ Einkommen?

      Richtig! Und in dieser Überlegung hat man den Preisverfall bei Immobilien noch gar nicht mit einkalkuliert. Preisverfall bei Immobilien = Entwertung der Schuldenlast durch Inflation; da hat doch der Brite gar nichts gewonnen.

  • SLGramann - 19. Oktober 2011

    @flo, provokativer Beitrag. Gefällt mir. :-) Vor allem könntest Du recht haben. Um nicht missverstanden zu werden: Es waren wesentlich auch die Notenbanken, die mit ihrer Geldpolitik das Finanzkasino ermöglicht haben. Das war und ist eine Katastrophe für die Realwirtschaft und alle Arbeitnehmer. Im Übrigen auch für die Demokratie und den Rechtsstaat.

    Allerdings ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Die Katastrophe wurde angerichtet und nun muss(!) bezahlt werden. Also, was tun? Die Monetarisierung der Schulden ist(!) ein valider Lösungsweg. Und er scheint mir besser zu sein, als ein deflationärer Crash oder eine Währungsreform.

    Bitter wird es in jedem Fall und zahlen wird die Mittelschicht! Bedanken wir uns dafür bei den Politikern und Bürokraten und den Ökonomen und den Journalisten für all die Fehlentscheidungen, Fehlansichten und die Korruption der vergangenen 30 Jahre.

  • FangMich - 19. Oktober 2011

    @SLGramann Moment moment.. Die Bürger haben diese Politiker mit ihren Wohlstandsversprechenungen jahrzehntelang gewählt. Es fällt nur auf die Zurück die das ursächlich ermöglicht haben. Wenn schon muss das Bürgertum insgesamt einen turnover machen. Und es wird auch passieren.

  • MagnaBavaria - 19. Oktober 2011

    Zu meinem Satz mit dem 0 Einkommen:
    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=13637

  • M.E. - 19. Oktober 2011

    Die Inflationsrate nutzt garnichts für die Entschuldung, wenn die Neuverschuldung die Inflationsrate übersteigt. Dann klappt es nicht mit der Entschuldung durch Inflation.

    Die 3 größten Banken Großbritanniens haben zusammen eine Bilanzsumme in der 3-fachen Höhe des BIP. Wenn bei denen (auch nur bei einer) eine Schieflage auftritt, dann ist UK pleite.
    Staats- und Privatverschuldung zusammen (ohne Banken- und Firmenverschuldung) sind in UK höher als in Griechenland.

  • matt_us - 19. Oktober 2011

    Uebrigends, halte ich die Idee (von Chef Oekonom Martin Wolf in der FT vorgeschlagne) jedem Briten 1250 Euro zu geben, anstatt mit den 75 Mrd weitere Staatsanleihen (QE) aufzukaufen, fuer eine noch besser!

    Das wuerde 75 Mrd in die Wirtschaft pumpen, so rund 3,5% des BIPs.

    Was hier in GB probiert wird ist von der Zentralbank gegen die Austeritaetspolitik der Regierung gegenzusteuern. Denn der Zentralbankgoverneur will nicht, dass es in GB so wie in Griechenland aussieht, demnaechst. Das ist schon richtig

    Aber was schreibt Steffen:
    “…zuletzt im August 2011 dümpelt der breit gefasste Industrieproduktionsindex, der den Output der Produktion misst, auf einem Niveau von 1993 herum…”

    Ich hab es nicht noch mal nachgeguckt, aber das scheinen ja griechische Verhaeltnisse zu sein.

  • Raini - 19. Oktober 2011

    Die Lage für UK schaut hier für die Zukunft nicht rosig aus, allerdings haben sie wenigstens die Kontrolle über die eigene Währung, und es wird wohl mittelfristig auf eine massive Abwertung des Pfundes hinauslaufen . Ich denke das ist aber immer noch besser als Deutschlands Situation , welches finanztechnisch auf alle Ewigkeit mit den unheilbaren Schuldengeschwüren der PIGS verwachsen ist.

    Da sie hauptsächlich auf ihre Finanzwirtschaft gesetzt haben,
    oder besser auf die Kasinowirtschaft, die in einer neuen Art Raubrittertum, weltweit betrügerische Produkte verkauft, wird GB in einer Neuordnung große Probleme bekommen, da die Zeiten der Ausplünderung von Kolonien nun endgültig vorbei ist. Es gibt auch kein Empire, und eben keine Industrie mehr! Die ist nun bankrott.

  • Catweazle - 20. Oktober 2011

    @Raini
    “Die Lage für UK schaut hier für die Zukunft nicht rosig aus, allerdings haben sie wenigstens die Kontrolle über die eigene Währung, und es wird wohl mittelfristig auf eine massive Abwertung des Pfundes hinauslaufen .”

    Ich glaube nicht das dies so einfach ist mit der Abwertung. Das Pfund zählt aktuell und wohl auch in naher Zukunft immer noch zur Fluchtwährung, da geht die Tendenz eher in die andere Richtung(siehe Schweiz). UK ist derzeit das, was Japan 1989/90 war. Ich möchte echt mal wissen wie hoch die Gesamtbewertung aller Immobilien in UK jetzt ist. Bei den Japanern war es im Peak glaub ich der 4fache Wert von ganz USA. Da kann man einen Crash überhaupt nicht mehr umgehen und es trifft neben den Banken auch fast alle Immobilienbesitzer die über Kredite finanziert haben.

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