UK: Bruttostaatsschulden 2011 bei 1,250 Billionen GBP

von am 5. April 2012 in Allgemein

Im Windschatten der Eurozonenkrise häuft Großbritannien ungestört Staatsschulden auf. Wie das britische Statistikamt ONS berichtete, meldet UK für 2011 einen konsolidierten Bruttostaatschuldenstand von 1,250345 Billionen britische Pfund (GBP) nach Brüssel, gemäß Maastricht-Definitionen. Dies entspricht 82,9% des nominalen BIPs von UK im Jahr 2011. Die Neuverschuldung betrug 2011 124,582 Mrd. GBP, relevante 8,3% des nominalen BIPs. Ob bei Neuverschuldung (8,3%) oder Bruttoschuldenstand (82,9%), im Verhältnis zum BIP, es werden beide Maastrichtkriterien 3% und 60% mehr als klar gerissen, trotzdem bleibt UK vom Interesse der Öffentlichkeit weitgehend verschont.

Die Entwicklung der Bruttostaatsschulden gemäß Maastrichtdefinition seit 1995 mit 375,629 Mrd. GBP bis 2011 mit 1250,345 Mrd. GBP im Chart.

Die Entwicklung des Bruttostaatsschuldenstandes in Prozent zum nominalen BIP seit 1995 bis 2011 im Chart.

Die Entwicklung des Finanzierungssaldo des Staates im Rahmen des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit in Prozent des nominalen BIPs von 1995 bis 2011. 2011 betrug die Neuverschuldung des Staates (General Government) 8,3% des nominalen BIPs, dies entsprach 124,582 Mrd. GBP.

Diese Zahlen zur gesamtem expliziten (heute zahlungswirksamen) Verschuldung des Staates gemäß Maastrichtdefinition aus UK bilden sogar etwas heile Welt ab bzw. gaukeln diese vor, denn den Briten müssen die Schulden, die aus den verstaatlichten und teilverstaatlichen Banken resultieren nicht unter Maastrichtdefinition u.a. wegen der nur “temporären Effekte” ausweisen. Aber das ONS liefert zu mindestens eine Datenreihen dazu:

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates, inklusive dem Effekt aus den eingegangenen Verpflichtungen durch die staatlichen Interventionen im Finanzsektor, seit Januar 1994 bis Februar 2012 im Chart. Der Schuldenstand des Staates lag im Februar 2012 bei 2,173 Billionen GBP, dies entsprach 137,9% des nominalen BIPs! Die “temporären” Effekte bestehen nun schon seit Juli 2008.

Angesichts dieser Daten mutet es bizarr an, das UK immer noch mit einem Triple A-Rating versehen wird, auch wenn Moody’s und Fitch schon wenigstens den Ausblick mit negativ versahen und mit einem Entzug der Spitzenbonität drohten.

Quelle Daten: Ons.gov.uk/PDF: Government deficit and debt under the Maastricht Treaty – Calendar Year 2011, Ons.gov.uk/Datenbank

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12 KommentareKommentieren

  • M.E. - 5. April 2012

    Aus dem Bankensektor werden sogar zukünftig zusätzlich zu den jetzt schon “temporären Effekten” weiterer “temporäre Effekte” dazukommen. Denn die Bankenverschuldung in UK ist enorm hoch und aus der Häuserpreisblase noch weitgehend nicht der Druck entwichen. Ein großer Teil der Preisrückgänge steht noch bevor und damit wird der Staat zu weiteren Rettungsmaßnahmen gezwungen werden. Denn der Bankensektor ist ähnlich überproportioniert, wie seinerzeit in Irland. Und als dort die Banken in Not kamen, explodierte die akkumulierte Staatsverschuldung in nur 4 Jahren von 35% auf über 100%.
    Mitte des Jahrzehnts wird der britische Staat dann wohl eine Verschuldung von über 150% ausweisen MÜSSEN, denn ewig wird man nicht von temporären Effekten reden können.
    Von Großbritannien wird dann mit einiger Wahrscheinlichkeit der entscheidende Finanzmarktschock ausgehen, wenn er nicht schon eher von Spanien und Italien ausgegangen ist. Auch Japan ist Anwärter auf den Schockauslöder. Diese 4 Länder bilden von ihrer Größe und ihrer Verschuldungssituation in Verbindung mit der rezessiven Wirtschaftsentwicklung her das größte Risiko für den Kollaps des Weltfinanzsystems. Noch vor den USA, die sich noch in ihrer Sonderrolle als Weltfinanzmarkthegemon mit Weltleitwährungsbesitz sonnen, bis auf Weiteres.

    Die 3 größten Banken in UK haben schon eine Bilanzsumme in Höhe von 300% des britischen BIP. Das wird nur noch übertroffen von der Schweiz, wo alleine die UBS und die Credit Suisse eine Bilanzsumme von fast 400% der schweizer Wirtschaftsleistung haben.

  • topperhopper - 5. April 2012

    Apropos Schulden: Man kann ja von der Schuldenbremse halten, was man will. Aber Olaf Scholz schafft seine eigene ab 2013 eigentlich gültige Regel in Hamburg nächsten Monat ab. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen, dass kurz vor 2020, wenn die Grundgesetz-Schuldenbremse für die Bundesländer greift, nicht doch noch Mittel und Wege gefunden werden, diese zu umgehen. Abschaffen geht dann ja nur mit 2/3-Mehrheit…

    • Bernd Rickert - 5. April 2012

      Apropos Schattenhaushalte sind im Trend.
      FMS Wertmanagement 173 Milliarden an faulen Papieren mit optimistisch betrachtet 30% Ausfallquote. Die Bankenrettung wird das deutsche Volk 1000fach zurückerhalten oder so ähnlich. Kanzlerworte sind wie Kreditblasen.

  • Andreas Z - 5. April 2012

    UK hat nur deshalb noch eine hohe Bonität, da es währungspolitisch unabhängig ist (analog USA). Bzgl der verschuldung in brit. Pfund kann man von daher nicht pleite gehen, da im Notfall die Notenpresse angeworfen werden kann.

  • Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt - 5. April 2012

    Das UK ist ziemlich im A…., was viel mit seiner Finanzindustrie zu tun hat. Ist halt doch etwas schwer ein Land so ganz ohne Industrie ueber Wasser zu halten. Zumal die Finanzindustrie aeusserst mobil ist. Singapur und Hong Kong sind nicht ganz unattraktiv.

    Insgesamt ist das Urteil der Ratingagenturen aber voellig egal. Ob UK nun Triple A hat oder BB-…das entscheidende ist, dass London ueber eine eigene Zentralbank verfuegt und somit dem Auf und ab der panisch reagierenden, hoch spekulativen Finanzmaerkte nicht ausgesetzt ist. Im Zweifelsfall haelt die Bank of England den Zinssatz niedrig. Dann vermeidet UK das selbstgewaehlte Schicksal der ach so schlauen Kontinentaleuropaer, die gerade den Eurosueden voellig ruinieren und damit dem Auseinanderbrechen der gemeinsamen Waehrung ein Stueck naeher ruecken.

  • Bernd Klehn - 5. April 2012

    @ Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt

    Der Süden ist schon lange runiert, UK wegen der Finanzmarktgewinne neben noch nicht. Portugal, Griechenland, Spanien, haben über 100% Nettoauslandsschulden. UK weist nur 14% aus, allerdings bei erheblicher internationaler Kapitalverflechtung, was eine Bilanzierung erheblich erschwert. Bei Nettoauslandsschulden kann keine Geldpolitik die Zinsen niedrig halten, dieses müssen schon die ausländischen Investoren tun, in dem sie diesen Ländern wie UK und USA das Geld aufdrängen, während sie aus dem Süden halt unbedingt das Kapital abziehen wollen.

    • Georg Trappe: - 9. April 2012

      Von wem wurde denn Ihrer Meinung nach der Sueden ruiniert?

  • der Bauer vom Hunsrück - 5. April 2012

    also, die Briten haben alles im Blick, weil überall Kameras. Da ich mein Konterfei nicht ohne Erlaubnis los werden möchte, werde ich die kapitalistischen Spiele des IOC in UK boykottieren. Wenn viele Andere das auch machen, geht´s schneller und besser.

  • Welehamm - 5. April 2012

    Wenn man meint, nur mit Handel und Betrug Wohlstand schaffen zu können, dann kann dies kurzfristig gelingen. Wenn man aber dann noch die Produktion von Gütern in Billiglohnländer exportiert und eine Volkswirtschaft nur noch aus Maklern, Banker und sonstigem Gesindel besteht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn dieses Gebilde einmal zusammenstürzt. Wir werden es bald erleben.

  • Frank Bell - 5. April 2012

    Ich verstehe gar nicht, wiese das Pfund gegenüber dem Euro immer weiter an Wert zulegt.

    So viel besser stehen die auch nicht da. Und Industrie – haben die überhaupt noch Industrie?

    “Made in Britain” ist ja ein Synomym für “absoluter Schrott”.

  • Georg Trappe: - 7. April 2012

    Und die Ratingagenturen stoert es nicht im geringsten!
    Merkwuerdig! Oder?
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/09/die-strategischen-bomber-der-wall.html

  • Georg Trappe: - 7. April 2012

    Und warum will man (z.B. BUBA Chef ) derartige Muehlsteine unbedingt mit im “Rettungsboot” haben?
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/01/warum-muehlsteine-ins-boot-holen.html