Unicredit weist den Weg

von am 15. November 2011 in Allgemein

Auch das italienische Bankensystem steht vor einem potentiellem Bankrott, denn italienische Banken haben nicht nur mit den Verwerfungen innerhalb der Eurozone zu kämpfen, sie müssen auch um ihre Beteiligungen und Investments in Osteuropa fürchten und sie sind zusätzlich vollgesaugt mit italienischen Staatsanleihen. Das Risikoprofil ist exorbitant und allumfassend. Einen deutlichen Hinweis für diese zugespitzte Situation lieferte gestern die Unicredit mit ihren Geschäftszahlen für Q3 2011. Satte -10,641 Mrd. Euro Verlust wurde erwirtschaftet, vor allem bedingt durch -8,669 Mrd. Euro an Abschreibungen auf Beteiligungen und Investments in Osteuropa.

Der Aktienkurs der Unicredit nimmt diese desaströse Entwicklung schon lange vorweg, die Marktkapitalisierung aller Aktien der Unicredit beträgt nur noch lächerliche 13,56 Mrd. Euro und dies bei einer Bilanzsumme der Bank zum 30.09.2011 von 950,296 Mrd. Euro, nach IFRS-Rechnungslegungsstandard.

Die Entwicklung des Aktienkurses der italienischen Unicredit seit Januar 1998 im Dailychart. Heute sank die Aktie um weitere -4,46% zum Vortag auf 0,7395 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 13,56 Mrd. Euro, zum Hoch am 09.05.2007 mit einem Aktienkurs von 5,60 Euro betrug der Börsenwert 102,28 Mrd. Euro.

Den Total Assets “Vermögenswerte” von 950,296 Mrd. Euro in der Bilanz stehen nur 52,292 Mrd. Euro Eigenkapital (Kernkapital, Ergänzungskapital und Drittrangmittel (Tier1, -2 und -3)) gegenüber. Das Kernkapital (Tier1) beträgt nur 43,539 Mrd. Euro und die Summe der risikogewichteten Aktiva 450,011 Mrd. Euro. Damit ergibt sich eine Kernkapitalquote (Tier1 Ratio) von nur 9,68%. Wir erinnern uns, einer der Spitzenreiter im EU-Bankenstresstest, die belgisch französische Dexia ging mit einer Kernkapitalquote von 12,1% in Rauch auf. 

Die vergebenen Kredite und Darlehen an private Kunden und Unternehmen bei der Unicredit sind enorm, 562,447 Mrd. Euro stehen im Feuer, darunter allein 190,695 Mrd. Euro an Hypothekendarlehen. Zusätzlich sind noch Kredite und Darlehen in Höhe von 115,337 Mrd. Euro an andere Finanzinstitute vergeben.

Für die Anhäufung von Kreditschrott in der Bilanz der Unicredit, steht auch das Handelsbuch, mit den zum Fair Value bewerteten finanziellen Vermögenswerten:

Assets in Höhe von 240,456 Mrd. Euro stehen im Handelsbuch und sind nach Fair Value bewertet. Die Level3 Assets betrugen 14,871 Mrd. Euro, vom Volumen noch gravierender die Level2 Assets betrugen 157,130 Mrd. Euro! Über die Qualität dieser Assets sagen die verwendeten Bewertungsmethoden viel aus, denn Level 3 Assets sind Vermögenswerte, die nicht handelbar sind und für die es keine verfügbaren Marktpreise gibt, de facto werden diese illiquiden Vermögenswerte mit Fantasiebewertung nach “Mark to Model” bewertet. Selbst bei Level2 Assets besteht noch großer Bewertungsspielraum, denn hier werden bei nicht direkt vorhandenen Marktwert oder nicht ausreichend liquiden Märkten einfach vergleichbaren alternativen Marktpreisen zur Bewertung herangezogen.

Auch sonst schlummern noch ordentliche Risiken in der Bilanz, so in erster Linie die italienischen Staatsanleihen mit einem Buchwert von 38,847 Mrd. Euro, die förmlich nach Wertberichtigung rufen und welche weiter aussteht. Die Unicredit tritt angesichts der Risiken in der Bilanz die “Flucht nach vorn” an und plant Sparmaßnahmen. So soll die Dividende für 2011 gestrichen werden und bis 2015 ein relevanter Stellenabbau von 6’150 stattfinden, darunter 1’000 Stellen in Deutschland. Weiterhin will man in Teilen das Investmentbanking einstellen bzw. schrumpfen lassen, die risikogewichteten Assets abbauen, eine Kapitalerhöhung von 7,5 Mrd. Euro durchführen und in Italien bis 2015 die Kundeneinlagen um +15% steigern. Ob es gelingt mit diesen umfangreichen Maßnahmen den Abwärtsstrudel zu entrinnen dürfte fraglich sein, zur sehr lasten schwache wirtschaftliche Aussichten und eine Bilanz voller Kreditschrott.

Quelle Daten: Unicreditgroup.eu/PDF: Geschäftsbericht Unicredit 30.09.2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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14 KommentareKommentieren

  • DANK - 15. November 2011

    Danke, Steffen!
    Heiß wirds…

  • Benedikt - 16. November 2011

    Vielleicht erhofft sich Unicredit auch ein Aufwärteffekt von Monti. Daher wurde mehr Risiken abgeschrieben. Um die Kapitalerhöhung durchführen zu können, muss als erstes der Aktienkurs ein wenig steigen. Ein gutes Ergebnis im nächsten Quartal ist dafür schon eine Pflicht.

  • SLGramann - 16. November 2011

    Jede Wette: Trotz eines zerbröselnden Aktienkurses werden für 2011 ansehnliche Gehälter und Boni gezahlt werden.

    Ich bin gespannt, wann die EZB eine konsequente Politik machen wird und sämtliche Schrott-”Vermögenswerte” in Zentralbankgeld tauscht. Das gilt insbesondere für Staatsanleihen am Primärmarkt. Sie könnte aber auch Kapitalerhöhungen der Geschäftsbanken zeichnen und zwar zu Kursen von 2007 – denn die jetzigen Kurse resultieren ja angeblich aus dysfunktionalen Märkten und sind allesamt irrational… :-)

  • boris - 16. November 2011

    Diese Bank hatte vorher natürlich alle “Stresstests” gut überstanden – nehme ich einfach mal an?

    • Klaus G. - 16. November 2011

      Boris, Du hast Recht. Die Bank hatte beim Stresstest im Juli sehr ordentliche Werte.

  • ex600 - 16. November 2011

    Kann mir mal jemand erklären, weshalb die Börsenkurse kaum oder sogar positiv reagieren, obwohl sich die Hiobsbotschaften – selbst in der Systempresse – häufen?

    Bsp:
    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schuldenkrise-europa-zittert-vor-der-kernschmelze/60129838.html

    Auch gestern wurde überall auf die stramm ansteigenden Zinsen für Staatsanleihen von Belgien, Österreich und Frankreich verwiesen.

    Trotzdem gingen die Kurse zum Handelsschluß wieder nach oben.

    • philipp johannes - 16. November 2011

      heute droppen sie deutlich nach unten.

      mag sein es waren gewinnmitnahmen gestern abend.
      oder besonders kluge decken sich (vermeintlich ?) preiswert ein.

    • Catweazle - 16. November 2011

      Wenn man nicht mehr in Anleihen investieren will(wegen a) zuviel Risiko oder b) zu geringer Rendite) und Derivate derzeit nicht so angesagt sind, dann bleiben für größere Volumina derzeit nur Aktien übrig.

  • M.M. - 16. November 2011

    @ex600
    Du darfst nicht vergesen, dass wir auf einer Kugel leben, auf der 7 Mrd so leben wollen wie wir und dazu 7 Mrd Sklaven da sind, denen man mit Gewalt leicht alles wegnehmen kann (Land, Resourcen) und die anderen, die den Traum “jeder kann Millionär werden” nicht aufhören zu träumen. Da wird sehr wohl eine Menge Mehrwert produziert auf der Welt, halt nicht für, aber in Deutschland, aber die Aktienkurse unserer Unternehmen spiegeln Weltkonzerne wieder.
    Und wenn ich das richtig verstehe, dann muss es für dieses Wachstum einen Schuldner geben, oder es müssen Resourcen (auch menschliche) verbraucht werden. Davon is ja noch was da. Zumindest der Glaube an weiteres Verbrauchen ist ausreichend vorhanden und spiegelt sich in den Kursen.

  • bauagent - 16. November 2011

    Melvyn Krauss Wirtschaftsprofessor aus NY: ” Weniger Demokratie tut Pleitestaaten gut “.

    Die eigentliche Gefahr, die die Verwerfungen derzeit mitbringen. Bedenkt man, dass mit Papademos und Monti die ersten NICHT gewählten Mitglieder der trilateralen Kommission
    ohne Rücksicht auf die Demokratie im Auftrag der Hochfinanz die Parlamente übernehmen.

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:europa-in-der-krise-melvyn-krauss-weniger-demokratie-tut-pleitestaaten-gut/60129358.html

    @ex600

    Kapital sucht Anlage, selbst wenn es nur für Minuten ist.

    Der Trend spricht klar gegen europäische Staatsanleihen, auch wenn die Renditen gerade wieder fallen. Man schaue sich heute die 1 und 2jährigen auf die BRD an + 45 %.

    Das zeigt die Nervosität einerseits, andererseits sind die leicht steigenden Kurse am DAX ein Zeichen dafür, dass die meisten Teilnehmer keinen unmittelbaren Crash, sondern eher die
    ” Erlösung ” durch die EZB erwarten. Noch!! Am wenigsten verdient Kapital, wenn es nicht investiert ist, zumindest nach herrschender Meinung.

    Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es mittelfristig zu einem Crashszenario kommt. Im aktuellen Umfeld, wo noch einige tote Kaninchen – die aus dem Hut gezaubert werden sollen – da sind, wohl eher nicht.

  • philipp johannes - 16. November 2011

    die banken zaubern sich ihr eigenkapital zurecht:
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/32233/

  • MagnaBavaria - 16. November 2011

    EZB hat heute Anleihen im Wert von über 1 Mrd. Euro gekauft:
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/32256/

  • King Balance - 16. November 2011

    “Es gehört zum Schwierigsten, was einem denkenden Menschen auferlegt werden kann wissend unter Unwissenden den Ablauf eines historischen Prozesses miterleben zu müssen, dessen unausweichlicher Ausgang er längst mit Deutlichkeit kennt.
    Die Zeit des Irrtums der anderen, der falschen Hoffnungnen, der blind begangenen Fehler wird dann sehr lang.” – Carl J. Burckhardt, Schweizer Diplomat, Essayist und Historiker

  • philipp johannes - 16. November 2011

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Italiens-Banken-wollen-breiteren-Zugang-zu-EZB-Mitteln-Reuters-1477581

    Italiens Banken wollen breiteren Zugang zu EZB-Mitteln – Reuters

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