US-Arbeitsmarktbericht für Oktober – oder die hohe Kunst der Statistik
Im Oktober 2010 kam es zu einem etwas überraschenden Stellenaufbau in den USA von +151’000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft! Damit betrug die Zahl der seit Dezember 2007 abgebauten Stellen noch -7,419 Millionen! Allerdings verbleibt es bei dieser positiven Headline, wenn man in die Tiefe des Arbeitsmarktberichts geht. Vor allem die mangelhafte Datenkonsistenz schlägt einem entgegen. Die USA schaffen es gleichzeitig im Oktober angeblich +151’000 neue Stellen (Nonfarm Payroll Employment-Establishment Data) zu schaffen und dabei zugleich -330’000 an Gesamtbeschäftigung (Employment-Household Data) zu verlieren. Solange die beiden Erhebungsmethoden im US-Arbeitsmarktbericht, die Establishment Data und die Household Data, solche divergierende Datensätze ausspucken muss man mit einer positiven Beurteilung des Arbeitsmarktes äußerst zurückhaltend sein.
Die Establishment Data messen den Stellenaufbau/abbau außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payroll Employments). Diese werden direkt vom Bureau of Labor Statistics (BLS) bei ca. 400’000 Unternehmen aus über 500 Wirtschaftszweigen abgefragt. Die Daten zur Beschäftigung der abgefragten Unternehmen reflektieren ca. ein Drittel der lohnabhängigen Beschäftigten.
Wie erwartet schlug der Stellenabbau bei den befristeten Jobs im Rahmen der Volkszählung (Census 2010) kaum noch zu Buche, da fast alle befristeten Volkszähler wieder ihr Arbeitslosendasein fristen, der Abbau belief sich nur noch auf -5’000 Stellen.
Weiterhin stellt sich die berechtigte Frage nach der Qualität des berichteten Stellenaufbaus. Im Oktober gingen weitere 34’900 neue Stellen auf die befristeten Jobs in der Zeitarbeit (Temporary Help Service), nach +23’800 im Vormonat. Die Statistiker des Bureau of Labor Statistics (BLS) griffen auch wieder kräftig in die Wundertüte des Net Birth/Death Model. Immerhin +61’000 nicht saisonbereinigte neue Stellen gingen auf das Konto des Net Birth/Death Model, einer fragwürdigen Schätzung der Beschäftigung aus neugegründeten und liquidierten Firmen, nachdem im Vormonat noch moderate 11’000 Stellen in vermuteten neuen Firmen entstanden. Knapp zwei Drittel des gemeldeten Stellenaufbaus aus den Establishment Data ging also auf befristete Jobs und geschätzte neue Jobs in neugegründeten Firmen zurück!
Im Chart der monatliche Stellenaufbau/abbau, Non-Farm Payroll Employments seit Januar 1985.
Ein Kurzüberblick zum Stellenaufbau/abbau nach ausgewählten einzelnen Wirtschaftssektoren:
Total Nonfarm (außerhalb der Landwirtschaft): +151’000
Total private (private Wirtschaft): +159‘000
Goods (breitgefasste Industrie): +5’000
Construction (Bau): +5’000
Manufacturing (verarbeitendes Gewerbe): -7’000
Private service-providing (private Dienstleistungssektor): +154’000
Financial activities (Finanzsektor): -1’000
Professional and business service (unternehmensnahe Dienstleistungen): +46’000
Education and health service (Bildungs- und Gesundheitssektor): +53’000
Temporary help services (Zeitarbeit): +34’900
Government (Angestellte bei Federal, State and Local Government): -8’000
Um insgesamt die Stichhaltigkeit der monatlichen Daten zum Stellenaufbau/abbau einzuschätzen zu können, muss man beachten, dass die Angaben der Unternehmen aus der Umfrage Establishment Data einmal jährlich an Hand des Quarterly Census of Employment and Wages (QCEW) von der BLS mit Hilfe von Lohnsteueranmeldungen und Stichproben aus den Unterlagen der staatlichen Arbeitslosenversicherung (UI) überprüft werden, dabei kommt es zu Revisionen von kräftigem Ausmaß. In der Benchmark 2009 (April 2008-März 2009) wurde der Stellenabbau um saisonbereinigte -902’000 nach unten revidiert!
Vor allem die lächerlichen nicht saisonbereinigten Daten aus dem Net Birth/Death Model wurden in der Vergangenheit radikal revidiert! Das Net Birth/Death Model schätzt die neugegründeten Firmen und deren Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft. Die Statistiker gingen davon aus, dass viele neue Unternehmen entstehen, mehr als alte liquidiert wurden. Während einer Rezession eine völlig absurde Annahme! So wurde in der Benchmark 2009 (April 2008-März 2009) für das Net Birth/Death Model der Stellenaufbau um fulminante -779’000 nach unten revidiert!
Das offensichtlich positivistische Statistikmodell, der Schätzungen aus dem Net Birth/Death Model wurde auch im Oktober 2010 unbeirrt von der BLS weitergeführt:
Das Net Birth/Death Model generierte im Oktober 2010 +61’000 neue Jobs in neu gegründeten Firmen, nach noch +11’000 im Vormonat und +115’000 im August! Bitte zum Vergrößern die Tabelle anklicken!
Insgesamt beschreibt der Stellenaufbau/abbau jedoch das Problem auf dem US-Arbeitsmarkt nur unzureichend, denn eigentlich müssten aktuell monatlich ca. +165’000 neue Stellen geschaffen werden, um das Beschäftigungsniveau in der Relation der Entwicklung der arbeitsfähigen Bevölkerung der letzten 12 Monate auch nur konstant zu halten. Seit Januar 2010 betrug der monatliche durchschnittliche Stellenaufbau jedoch nur +87’400.
Nun zu den Household Data, diese werden an Hand einer Umfrage des Census Bureaus bei 60’000 Haushalten für das Bureau of Labor Statistics (BLS) ermittelt, es werden die Daten zu den Erwerbsfähigen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, zum Stand der Beschäftigung, sowie die Zahl derer die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen erhoben! Die Household Data haben einen “expansiveren Anwendungsbereich”! Expansiv steht dafür, dass bei den Household Data alle über 16 Jahre erfasst werden, Arbeitnehmer, auch die in der Landwirtschaft, unbezahlte mithelfende Familienangehörige, Selbstständige, Arbeitnehmer in privaten Haushalten, Unterbeschäftigte und Arbeitnehmer, die in der Umfrage angeben im unbezahlten Urlaub zu sein.
Die Household Data liefern ein sehr negatives Bild im Oktober. Die Zahl der saisonbereinigten gesamten Beschäftigten in den USA sank um -330’000 zum Vormonat auf 139,061 Millionen. Daraus ergibt sich die Frage, wie bei sinkenden Beschäftigtenzahlen die offizielle Arbeitslosenquote U-3 konstant bei saisonbereinigten 9,6% bleiben konnte? Ganz einfach, denn gleichzeitig sanken angeblich die saisonbereinigten dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Civilian Labor Force Level), um -254’000 auf 153,904 Millionen. Relevant für die Ermittlung der Arbeitslosenquote und der Arbeitslosenzahl sind nur die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Civilian Labor Force Level) und die Beschäftigungszahlen (Employment Level) aus der Haushaltsbefragung!
Civilian Labor Force Level – Employment Level = Unemployment Level (Anzahl der Arbeitslosen) bzw. das Verhältnis aus Civilian Labor Force Level und Employment Level entspricht der Arbeitslosenquote (Unemployment Rate).
Diese Voodoo-Statistik wird noch deutlicher, wenn man die Entwicklung der Civilian Noninstitutional Population, also der arbeitsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahren, die sich nicht im aktiven Militärdienst oder auch in Gefängnissen, psychiatrischen Einrichtungen oder anderen Institutionen befindet betrachtet, denn diese stieg um +208’000 zum Vormonat. Gleichzeitig standen dem Arbeitsmarkt aber -254’000 weniger Arbeitskräfte zur Verfügung (Civilian Labor Force Level). Der Effekt aus der Datenverzerrung ist sogar noch größer, wenn man die Daten im Vergleich zum Vorjahresmonat betrachtet. Die Zahl der Arbeitsfähigen ab 16 Jahren (Civilian Noninstitutional Population) stieg um +1,98 Millionen, währenddessen stieg die Zahl derjenigen Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen um lächerliche +50’000 anstieg. Ob von 1,98 Millionen neuen Arbeitsfähigen, bedingt durch den Bevölkerungsanstieg in den USA, laut BLS wirklich nur 50’000 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen ist wohl keine seriöse Fragestellung sondern ganz klar eine geschönte Fehlannahme bzw. eine völlig unglaubwürdige Posse aus Potemkins BLS-Statistikabteilung!
Aber beim genauen Hinsehen, weist der US-Arbeitsmarktbericht sogar auf diese Datenverzerrungen hin, in dem er auch das Civilian Participation Ratio angibt:
Die Erwerbsquote (Civilian Participation Rate) aus Civilian Labor Force Level (Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und dem Civilian Noninstitutional Population Level (arbeitsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre) markierte im Oktober 2010 mit 64,5% den tiefsten Stand seit Oktober 1984! Im Chart die Daten seit Januar 1985.
Aus diesem Datensatz wird der Kern des beschönigten Arbeitsmarktberichtes deutlich von einem 238,530 Millionen Noninstitutional Population Level (arbeitsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre) stehen laut Statistik nur 153,094 Millionen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung (Civilian Labor Force Level).
Eine sinkende Erwerbsquote ist eine äußerst negative Indikation für eine Volkswirtschaft! Statt die gravierenden Probleme anzugehen und mit Wertschöpfung, vor allem industrieller, Jobs und Einkommen zu schaffen, kaschiert man die erbärmlichen Zustände am Arbeitsmarkt mit den beschönigenden Headlines aus der Statistik, während man die negativen hinten runterfallen lässt.
Auch das Civilian Employment-Population Ratio, im Chart seit Januar 1948, also das Verhältnis der Beschäftigten (Employment Level) zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (Civilian Noninstitutional Population Level) befindet sich im Double Dip-Modus. Im Oktober 2010 sank das Ratio auf saisonbereinigten 58,3%.
Die saisonbereinigte Anzahl der Beschäftigten (Employement Level: 139,061 Mio.) in der Relation zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population Level: 238,530 Millionen aus: Civilian Labor Force+Not in Labour Force) liegt mit 58,3% nur um +0,1 Prozentpunkte über dem Krisentief vom Dezember 2009 mit 58,2%. Zur Gesamtbevölkerung (310,813 Mio.) im Oktober betrug das Verhältnis nur 44,74%!
Alle potentiellen Arbeitsfähigen ab 16 Jahren, die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht mehr zur Verfügung stehen, landen in der Rubrik Not in Labor Force und spielen praktischerweise bei der Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenzahl und Arbeitslosenquote keine Rolle. Die Zahl der über 16-jährigen die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht zur Verfügung standen, stieg im Oktober um +462’000 zum Vormonat. Nicht für die Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenquote relevant, waren insgesamt saisonbereinigte 84,626 Millionen erwachsene Personen und vor allem relevante 1,93 Millionen mehr, als im Vorjahresmonat!
Die Zahl der saisonbereinigten, dem Arbeitsmarkt nicht zu Verfügung stehenden Arbeitskräfte, Erwachsene ab 16 Jahre (Not in Labor Force) seit Januar 1990 im Chart! Not in Labor Force ist das einzige stabile Wachstumssegment beim US-Arbeitsmarkt und dient zur Verschleierung der wirklichen Situation am US-Arbeitsmarkt!
Besonders seit Juli 2009 wollen uns die Statistiker vorgaukeln, dass die Zahl der Arbeitskräfte, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen (Not in Labor Force), schneller wuchs als die gesamte arbeitsfähige Bevölkerung (Civilian Noninstitutional Population). Diese absurde statistische Verbiegung an Hand der unbereinigten Daten der Civilian Noninstitutional Population und der unbereinigten Daten aus Not in Labor Force jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat im Langfristchart seit Januar 1978 visuell aufbereitet.
Logischerweise muss der Anstieg der arbeitsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population – blau) höher sein, als der Anstieg der Nichterwerbsfähigen (Not in Labor Force – rot), siehe die Entwicklung von 1978 bis Anfang 2009! Die Daten seit Juli 2009 waren ein deutlicher Beleg für eine verzerrte Arbeitsmarktstatistik. Auch im Oktober 2010 wanderten mit unbereinigten +1,963 Millionen, fast so viele in Not in Labour Force, wie die gesamte Zahl der unbereinigten arbeitsfähigen Bevölkerung von 1,98 Millionen ab 16 Jahre im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Unter den unbereinigten (not seasonally adjusted) 84,878 Millionen, die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (Not in Labor Force), befanden sich immerhin 52,804 Millionen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren und dies war ein bemerkenswerter Anstieg bei den 16-bis 64-jährigen von +326’000 zum Vormonat.
Die Arbeitslosenquote muss man also im Kontext zu der Erwerbsquote (Civilian Participation Rate), den Arbeitskräften die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen im Verhältnis zur arbeitsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre und zum Employment-Population Ratio, das Verhältnis der Beschäftigten zur arbeitsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre oder zusätzlich zu Not in Labor Force, den Arbeitsfähigen die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen betrachten, um sich ein wahres Bild vom US-Arbeitsmarktbericht zu machen! Wie das Resümee für Oktober 2010 aus diesen drei Datensätzen ausfiel, dürften die Charts verdeutlicht haben.
Die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen (Employment Level) seit Januar 2000. Im Oktober 2010 sanken die Beschäftigtenzahlen um -330’000 auf saisonbereinigte 139,061 Millionen. Beim Hoch im November 2007 waren 146,483 Millionen beschäftigt!
Die saisonbereinigte US-Arbeitslosenquote U-3 im Chart seit 1948. Auch im Oktober 2010, liegt sie den dritten Monat in Folge bei 9,6%.
Saisonbereinigte 14,843 Millionen waren ohne Job im Oktober 2010, nach 14,767 Millionen im September. Im Langfristchart die Daten seit 1948!
Weiterhin verdeutlicht die miese Lage am US-Arbeitsmarkt, die hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen mit 6,206 Millionen, die länger als 27 Wochen keinen Job haben! Sie stieg zum Vormonat um +83’000 und zum Vorjahresmonat um +586’000. Weiterhin ist der Prozentsatz der Langzeitarbeitslosen an den gesamten Arbeitslosen enorm hoch, er betrug im Oktober 41,81%!
In der breiter gefassten Arbeitslosenquote U-6 erscheinen zusätzlich die Arbeitnehmer in Teilzeit, welche aber einen Vollzeitarbeitsplatz suchen, die marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer und die sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten!
Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitnehmer in Teilzeit, welche einen Vollzeitarbeitsplatz suchten, sank im Oktober 2010 um -318’000 zum Vormonat auf 9,154 Millionen. Im Chart die Daten seit Januar 1978.
Die nicht saisonbereinigte Anzahl der marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer stieg im Oktober um +54’000 zum Vormonat auf 2,602 Millionen. Die Daten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1994.
Die Anzahl der nicht saisonbereinigten, sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten, stieg im Oktober auf ein Allzeithoch, um +10’000 zum Vormonat, auf 1,219 Millionen!
Die saisonbereinigten Daten dieser Gruppen zusammen mit den Arbeitslosen aus U-3 ergeben die Quote U-6:
Die saisonbereinigte breiter gefasste Arbeitslosenquote U-6 sank im Oktober 2010 auf 17,0%, nach 17,1% im Vormonat (siehe Tabelle rechts unten). Quelle: PDF BLS Tabelle Seite 27
Die Entwicklung der US-Arbeitslosenquote U-6 seit Januar 1994, dem Beginn der Datenerhebung.
Die Zahl der breiter gefassten Arbeitslosen nach U-6, stellt sich im Detail nach den komplett verfügbaren nicht saisonbereinigten Daten der BLS wie folgt dar:
U-3 (NSA): 13,903 Mio.
Part Time for Economic Reasons (NSA): 8,408 Mio.
Marginally Attached to Labor Force (NSA) 2,602 Mio.
Discouraged Workers (NSA) 1,219 Mio.
Die nicht saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen und Erwerbsfähigen ohne adäquaten Job, sank im Oktober 2010 laut BLS auf 26,132 Millionen, nach 26,525 Millionen im September, nach 26,867 Millionen im August und nach 27,681 Millionen im Juli! Die nicht saisonbereinigte Arbeitslosenquote U-6 sank auf 15,9%, nach 16,2% im Vormonat. Aber diese Verbesserung geht zu einem gewichtigen Teil auf die sinkende Bezugsgröße zurück, den unbereinigten Arbeitskräften, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen (Civilian Labor Force Level), die im Oktober um -202’000 (saisonbereinigt -254’000) zum Vormonat fielen.
Der Arbeitsmarktbericht bleibt auf Grund der beiden unterschiedlichen Erhebungen und seiner vielfältigen Datensätze eine latente Black Box. Vor allem die fehlende Datenkonsistenz fällt ins Auge, Monat für Monat wird an anderen Stellschrauben gedreht, die nur bedingt plausibel erscheinen.
Auch die Arbeitslosenzahlen aus der Rubrik U-6 sind noch geschönt, denn die entmutigten Arbeitnehmer, die auf Grund fehlender Jobs aufgegeben haben und länger als 1 Jahr nicht mehr nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz suchen, entfallen seit der Clinton-Ära auch komplett aus der Arbeitslosenstatistik U-6. Aus der enger gefassten Arbeitslosenstatistik U-3 fallen die entmutigten Arbeitnehmer bereits nach einem Monat heraus!
John Williams von Shadow Government Statistics (SGS) bereinigt die saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen U-6 um die offiziell vorgenommenen statistischen Veränderungen bei der Datenerhebung der entmutigten Arbeitnehmer und kommt auf eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 22,5%!
Rot: die offizielle Statistik U-3, grau: die Rubrik U-6, blau: die alternative Berechnung von SGS! Aber auch Williams greift als Basis der Berechnungen auf die Civilian Labour Force Level der BLS zurück und erweitert diese um die entmutigten Arbeitnehmer, die länger als 1 Jahr nicht mehr nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz suchen und sich in der Rubrik Not in Labor Force befinden.
Nun noch mal zurück zu den Details der Establishment Survey Data Erhebung. Monat für Monat kam es seit Jahren zu einem Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing). Nun meldet das BLS bereits den dritten Monat in Folge wieder leicht schrumpfende Beschäftigungszahlen, diesmal von -7’000 im Vergleich zum Vormonat:
Mit der Anzahl der Industriejobs geht es seit dem Jahr 2000 stetig bergab! Im Oktober 2010 sank die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing) auf saisonbereinigte 11,669 Millionen und lag damit weiterhin auf dem Level von 1941.
Im Oktober 2010 waren nur noch 8,94% aller Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigt. Im Verhältnis zu allen Beschäftigten in den USA mit 139,061 Millionen, lag der Beschäftigungsanteil des Verarbeitenden Gewerbes bei nur noch 8,39%.
Der permanente Fall der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes in den USA auf nur noch 11% des nominalen BIPs im Jahr 2009!
Auch die langfristige Fehlentwicklung der Relation von wertschöpfenden industriellen Jobs zur Zahl der ausufernden Staatsangestellten bleibt auch im Oktober 2010 atemberaubend, wie dieser Chart verdeutlicht.
Im Oktober 2010 fiel zwar die Zahl der Jobs bei Federal-, State- and Local Governments um weitere -8’000 Stellen auf 22,240 Millionen, dem standen aber nur noch 18,049 Millionen Jobs (+5’000 zum Vormonat) aus dem breit gefassten Goods Producing (Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd, Bergbau, Bauwirtschaft, Energie und Verarbeitendes Gewerbe) gegenüber! Beim Verarbeitenden Gewerbe waren es noch 11,669 Millionen Beschäftigte, -7’000 zum Vormonat!
Diese Zahlen weisen bereits in Richtung eines unhaltbaren Ungleichgewichts innerhalb der Beschäftigungsstruktur in den USA hin:
Außerhalb der Landwirtschaft (Total Nonfarm Employment) gab es im Oktober 2010 130,462 Millionen Jobs, im breiter gefassten produzierenden Gewerbe (Goods Producing) waren es nur noch 18,049 Millionen Beschäftigte (blau). Im gesamten US-Dienstleistungssektor (privat und staatlich) waren dagegen insgesamt 112,413 Millionen (rot) beschäftigt!
Die Ungleichgewichte in der Beschäftigungsstruktur spiegeln sich natürlich auch bei den generierten Einkommen wider:
Im Chart die nominale Summe der Löhne und Gehälter aus Goods Producing Industries (blau), Manufacturing (grün) und Government (rot) seit Januar 1960. Über Jahrzehnte lag die Summe der Einkommen in der Industrie (Goods Producing/Manufacturing) über der aus dem Staatssektor (Federal-, State- and Local Governments).
Nach den letzten verfügbaren Daten aus dem Monat September 2010 sank die Summe aller nominalen Löhne und Gehälter im breitgefassten Goods Producing aus Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd, Bergbau, Bauwirtschaft, Energie und Verarbeitendem Gewerbe auf saisonbereinigte und das Jahr hochgerechnete 1,0513 Billionen Dollar (SAAR), nach 1,0529 Billionen im August. Im Verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing), als Hauptbestandteil der Goods Producing Industries sank die Gesamtsumme der Löhne und Gehälter auf 665,1 Mrd. Dollar (SAAR), nach 666,1 Mrd. Dollar im August. Die Löhne und Gehälter im aufgeblähten Staatssektor sanken im September auf 1,1789 Billionen Dollar (SAAR), nach 1,1837 Billionen Dollar im August.
Die prozentuale Entwicklung der Summe der Löhne und Gehälter im Staatssektor (blau), beim breit gefassten privaten Dienstleistungssektor (grün) und in der breit gefassten Industrie (rot).
Die Gesamtsumme der nominalen Löhne und Gehälter (Wage and Salary Disbursements) im Verhältnis zum nominalen BIP der USA seit Q1 1960. Auch während der vermeintlichen wirtschaftlichen Erholung sinkt Quartal für Quartal die Summe der Löhne und Gehälter im Verhältnis zum nom. BIP auf noch 43,3% im 3. Quartal 2010.
Diese Grafik verrät womit im Zweifel Löhne und Gehälter (rot) ausgeglichen wurden, mit einer steigenden privaten Verschuldung. Die Daten von Q1 1952 bis Q2 2010 in Prozent zum nominalen BIP.
Soweit der kurze Ausflug zu den Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der USA, Quelle: Bea.gov/national/nipa/Datenbank
Auch am Bau bleibt die Joblage weiter angespannt:
Im Oktober 2010 stieg die Beschäftigungszahl am Bau um saisonbereinigte +5’000, allerdings sind insgesamt nur noch 5,625 Millionen Beschäftige im Baugewerbe tätig. Seit dem Beschäftigungshoch im Januar 2007 mit 7,719 Mio. Jobs sind -2,094 Mio. Stellen verloren gegangen!
Hauptverantwortlich für den miesen Beschäftigungsstand am Bau ist vor allem die Misere am Wohnungsmarkt:
Die realen privaten Wohnungsbauinvestitionen sanken in Q3 auf 321,3 Mrd. Dollar (SAAR), nach 350,1 Mrd. Dollar im Vorquartal. Beim Hoch in Q4 2005 flossen real 783,5 Mrd. Dollar in den privaten Wohnungsbau!
Die Zeitarbeit generierte im Oktober 2010 einen weiteren Stellenaufbau von +34’900 befristeten Aushilfen. Seit dem Tief im September 2009 sind durch Zeitarbeit bis Oktober 2010 +450’800 Jobs, von geringer Qualität in Punkto Einkommen geschaffen worden! Insgesamt waren per Zeitarbeit im Oktober 2010 2,1752 Millionen beschäftigt!
Noch ein paar Beschäftigungscharts aus dem Dienstleistungssektor:
Im Bildungs- und Gesundheitswesen sind im Oktober 2010 +53’000 neue Jobs geschaffen worden. Insgesamt gibt es in diesem Bereich 19,674 Millionen Beschäftigte!
Im Professional und Business Services sind im Oktober 2010 +46’000 neue Jobs geschaffen worden. Insgesamt arbeiten 16,795 Millionen Beschäftigte im Professional und Business Services. Im Chart die Entwicklung der Beschäftigung seit Januar 1990. Der breite Bereich, der professionelle Dienstleistungen für Unternehmen umfasst z.B. Rechnungswesen, Buchhaltung, EDV-Dienstleistungen, Architektur, Ingenieur-und Design-Dienstleistungen, Unternehmens- und Rechtsberatung, Research Dienstleistungen, Werbung, Unternehmensverwaltung, Facility Management, Sicherheitsdienst, Empfangsbereich und Reinigungs-und Entsorgungsdienstleistungen.
Eine leicht positive Entwicklung zeigt die durchschnittlich geleistete Wochenarbeitszeit in der privaten Industrie an:
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Beschäftigten in der privaten Industrie im Chart seit Januar 1964 bis Oktober 2010. Im Oktober stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf 33,6 Stunden, nach 33,5 Stunden im Vormonat. Das historische Tief seit 45 Jahren wurde mit 33,0 Stunden im Oktober 2009 markiert!
Die BLS-Datenbank liefert auch noch Daten zu den realen (inflationsbereinigten) durchschnittlichen medianen Wochenlöhnen:
Die realen durchschnittlichen Wochenlöhne lagen zuletzt in Q3 2010 mit 339 Dollar auf dem Niveau von Q1 1979 mit 339 Dollar. Nach Abzug der offiziellen (aber geschönten) Inflation bewegen sich die durchschnittlichen Wochenlöhne seit Jahrzehnten nicht nach oben. Berücksichtigt man die seit Jahren wachsende Einkommensschere, dürften viele Arbeitnehmer sogar gravierende reale Einkommensverluste verbuchen!
Reloaded: Schockierende Daten
Solange die Erwerbsquote (Civilian Participation Rate) neue Tiefs markiert, sind die Arbeitsmarktdaten weiter mies, auch wenn manche Überschriften zum US-Arbeitsmarkt vermeintlich anderes suggerieren. Eine notwendige schonungslose Analyse des Status Quo findet nicht nur in den USA nicht statt, sie wäre Grundvorausetzung um das gesamtgesellschaftliche Interesse über die Partikularinteressen einzelner einflußreicher Gruppen zu stellen und endlich die vielfältigen Probleme anzugehen.
Quelle Daten: PDF US-Arbeitsmarktbericht Oktober 2010, Bls.gov, Stlouisfed.org, Bls.gov/Datenbank
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de
