USA: Arbeitsmarktbericht Februar 2016

von am 5. März 2016 in Allgemein

Laut dem U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) wurden in den USA im Februar 2016 +242’000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (nonfarm payroll employment) geschaffen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag gemäß den Household Data unverändert bei 4,9%. Die Erwerbsquote stieg saisonbereinigt um +0,2 Prozentpunkte zum Vormonat, auf 62,9%. Geschichten gibt es, ….also mitten im sich abschwächenden BIP-Wachstum, einer seit ein paar Monaten stagnierenden Industrieproduktion und stagnierenden realen Einzelhandelsumsätzen, negativen Raten bei den US-Exporten, seit 13 Monaten, im Vergleich zum Vorjahresmonat, zuletzt im Januar 2016 mit -10,7%, schafft die US-Ökonomie Monat für Monat neue Jobs, die Plausibilität solcher Daten scheint Wenige zu interessieren, um so ehrenvoller die Aufgabe den US-Arbeitsmarktbericht in seinen Facetten zu durchleuchten und damit die miese Qualität der neuen Jobs aufzuzeigen, falls es diese neuen Jobs in dem berichteten Umfang überhaupt gibt!

Auf den ersten Blick, nahezu die beste aller Welten:

S1317Die Entwicklung der saisonbereinigten Nonfarm Payroll Employments, laut den Establishment Data, im Vergleich zum Vormonat, von Januar 2000 bis Februar 2016. Zuletzt im Februar 2016 wurden außerhalb der Landwirtschaft +242’000 neue Stellen geschaffen.

Endlich wachsen die neuen Jobs schneller, als die erwerbsfähige Bevölkerung wächst.

S1318Die Entwicklung der saisonbereinigten Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft (rot) und der unbereinigten Daten der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft (blau) anhand der Establishment Data seit Januar 2000 bis Februar 2016 im Chart. Im Februar 2016 stieg die Zahl der saisonbereinigten Beschäftigten um +242’000 zum Vormonat, auf 143,560 Millionen. Auch bei den unbereinigten Originaldaten kam es zu einem ordentlichen Stellenaufbau zum Vorjahresmonat, mit +2,662 Millionen, auf 142,005 Millionen. 

Die Establishment Data messen den Stellenaufbau/abbau außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payroll Employments). Diese Daten werden direkt vom Bureau of Labor Statistics (BLS) bei ca. 400’000 Unternehmen aus über 500 Wirtschaftszweigen abgefragt. Die Daten zur Beschäftigung der abgefragten Unternehmen reflektieren ca. ein Drittel der lohnabhängigen Beschäftigten in den USA.

Die Arbeitslosenquote wird via Household Data ermittelt. Die Household Data werden an Hand einer Umfrage des Census Bureaus bei 60’000 Haushalten für das Bureau of Labor Statistics (BLS) ermittelt, es werden die Daten zu den Erwerbsfähigen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, zum Stand der Beschäftigung, sowie die Zahl derer die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen erhoben! Die Household Data haben einen “expansiveren Anwendungsbereich”! Expansiv steht dafür, dass bei den Household Data alle über 16 Jahre erfasst werden, Arbeitnehmer, auch die in der Landwirtschaft, unbezahlte mithelfende Familienangehörige, Selbstständige, Arbeitnehmer in privaten Haushalten, Unterbeschäftigte und Arbeitnehmer, die in der Umfrage angeben im unbezahlten Urlaub zu sein.

Noch besser, aber eben auch unglaubwürdig sieht der Beschäftigtenzuwachs gemäß den Household Data aus, im Februar 2016 wuchs der Employment Level saisonbereinigt um +530’000 zum Vormonat, auf 151,074 Millionen Beschäftigte. Trotz leicht steigender Arbeitslosenzahlen, mit +24’000 zum Vormonat (auf 7,815 Millionen), lag die Arbeitlosenquote unverändert zum Vormonat, bei niedrigen 4,9%, da ja die Bezuggröße Civilian Labor Force um +555’000 zum Vormonat stieg (auf 158,890 Millionen):

S1319Die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenquote U-3, laut den Household Data, seit Januar 1948 im Chart. Im Februar 2016 lag die saisonbereinigte Quote (rot) unverändert bei 4,9%. Die unbereinigte Quote (blau) lag bei 5,2%. Ein nahezu Erwerbstätigen-”Paradies”. Die Daten liefern der FED primär die gewünschten Argumente für die Fortführung einer etwas strafferen Geldpolitik, Leitzinsanhebungen. 

Aber die gute Arbeitslosenquote wurde im Trend nur mittels einer sehr miesen Erwerbsquote erreicht, wobei es im Februar 2016 wenigstens ein positives Zucken gibt:

S1320Die Entwicklung der saisonbereinigte Erwerbsquote (rot/ Civilian Participation Rate) aus Civilian Labor Force Level (Erwerbsfähige, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen) und dem Civilian Noninstitutional Population Level (erwerbsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre, ohne US-Armee und Inhaftierte in den Gefängnissen) und der unbereingten Erwerbsquote (Originaldaten/ blau) im Chart seit Januar 1975. 

Die saisonbereinigte Erwerbsquote stieg im Februar 2016 um +0,2 Prozentpunkte zum Vormonat auf 62,9%. Trotz Anstieg, so ein Niveau bei der Erwerbsquote gab es zuletzt Ende 1977, nur 1977 gab es noch Millionen Frauen, die nicht arbeiten wollten (mussten) und Männer mit deren Gehalt (Lohn) man eine Familie ernähren konnte. Unbereinigt stieg die Erwerbsquote um +0,4 Prozentpunkte zum Vormonat, auf 62,7%.

Die Erwerbsquote anders betrachtet:

S1323Die Entwicklung des Civilian Noninstitutional Population Level (erwerbsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre (blau) und des saisonbereinigten Civilian Labor Force Level (Erwerbsfähige, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen) in Millionen seit Januar 1990. Schön zu sehen wie im Trend des Charts die Divergenz stetig zunimmt, was sich erst seit 3 Monaten in die positive Richtung ändert. 158,890 Millionen Erwerbsfähige standen im Februar 2016 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung (Beschäftigte + Arbeitslose) bei 252,577 Millionen Erwerbsfähigen ab 16 Jahre, dies entspricht einer saisonbereinigten Erwerbsquote von 62,9%.

Die Betrachtung der Erwerbsquote ist bei der Einschätzung der Arbeitsmarktdaten zentral, denn je niedriger die Erwerbsquote, umso höher die Zahl derer, die als potentielle Erwerbsfähige ab 16 Jahre dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (Not in Labor Force).

Praktischer Weise spielen aber alle potentiellen Erwerbsfähigen ab 16 Jahren, die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht mehr zur Verfügung stehen, bei der Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenzahl und Arbeitslosenquote keine Rolle. Denn relevant für die Ermittlung der Arbeitslosenquote und der Arbeitslosenzahl sind nur die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Civilian Labor Force Level) und die Beschäftigungszahlen (Employment Level) aus der Haushaltsbefragung!

Civilian Labor Force Level – Employment Level = Unemployment Level (Anzahl der Arbeitslosen)

Verhältnis aus Unemployment Level und Civilian Labor Force Level = Unemployment Rate (Arbeitslosenquote)

Mittels Not in Labor Force konnte man im Trend die offizielle Arbeitslosenzahl und -quote trimmen. Im Februar 2016 gibt es eine Ausnahme, es müssen keine Erwerbsfähigen in Not in Labor Force verschoben werden, denn die Beschäftigung wächst laut Haushaltsumfrage noch kräftiger, als der Stellenaufbau/abbau außerhalb der Landwirtschaft (+245’000 zum Vormonat) vermuten lassen würde! Laut Haushold Data wuchs die saisonbereinigte Zahl der Beschäftigten um +530’000 zum Vormonat! Eine “Brot und Spiele Ökonomie” hat eben Job-Potential ohne Ende, aber dazu später.

Zu Not in Labor Force:

S1321Die unbereinigte (blau) und die saisonbereinigte (rot) Zahl der dem Arbeitsmarkt nicht zu Verfügung stehenden Erwerbsfähigen, Erwachsene ab 16 Jahre (Not in Labor Force) seit Januar 1975 im Chart! Im Februar 2016 gab es Mal einen Rücksetzer, -374’000 zum Vormonat, bei den saisonbereinigten Daten, auf 93,688 Millionen. Unbereinigt stieg die Zahl der Erwerbsfähigen, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen um +612’000 zum Vorjahresmonat.

Echte Fortschritte am US-Arbeitsmarkt gibt es aber nicht, dies dokumentiert auch dieser Chart:

S1322Im US-Paradies ohne Erwerbseinkommen (unbereinigte Originaldaten) tummeln sich 102,517 Millionen Erwerbsfähige ab 16 Jahre im Februar 2016 (unbereinigte Originaldaten). Der Anteil der Erwerbsfähigen ohne Erwerbseinkommen (aus Not in Labor Force + Unemployment Level) an der erwerbsfähigen Bevölkerung betrug 40,6%! Nur 59,4% der Erwerbsfähigen gingen im Februar 2016 einer Beschäftigung nach, dies waren 150,060 Millionen (unbereinigte Orginaldaten). Not in Labor Force + Unemployment Level + Employment Level = Civilian Noninstitutional Population (erwerbsfähige Bevölkerung ab 16 Jahre) = 252,577 Millionen.

Einiges zur Qualität der neuen Jobs sagen auch die Household Data aus, von saisonbereinigten +530’000 Beschäftigten zum Vormonat gingen +489’000 auf die Unterkategorie: Employed, Usually Work Part Time zurück, also neue Teilzeitjobs. Warum man überhaupt bei sinkenden realen Wachstumraten des BIPs, zuletzt in Q4 2015 noch annualisierte +1,0%, also nach deutscher Lesart +0,25% zum Vorquartal, so viele prekäre Jobs braucht, gerade im Februar, also mitten in einer Jahreszeit, wo Bau, Tourismus und Bewirtung keine übergroße Rolle spielen, erschließt sich nicht. Aber die miese Qualität der Jobs erschließt sich auch mit einem Blick auf die Establishment Data, auf die Beschäftigtenzahlen, direkt von den Unternehmen berichtet.

Konsistent zu den miesen US-Exporten, zuletzt -10,7% zum Vorjahresmonat, sanken im Bergbau, inkl. Öl und Gasförderung, die Beschäftigtenzahlen im Februar 2016 um -15’000 zum Vormonat, im Verarbeitenden Gewerbe um -16’000 zum Vormonat und in der breitgefassten Industrie (Goods-producing) um -19’000. Aber im privaten Dienstleistungssektor stiegen die Beschäftigtenzahlen um +245’000 zum Vormonat!

S1324Die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in der breit gefassten Industrie (blau) und im privaten und staatlichen Dienstleistungssektor (rot) von Januar 1941 bis Februar 2016 im Chart. Im Februar 2016 sanken die Beschäftigtenzahlen in der breit gefassten Industrie um -19’000 zum Vormonat, auf 19,692 Millionen. Im Dienstleistungssektor zog die Beschäftigtenzahl im Februar 2016 um +257’000 (+245’000 privat + 12’000 Government) nach oben, auf 123,868 Millionen.

Isoliert das Verarbeitende Gewerbe:

S1325Die Entwicklung der saisonbereinigten Beschäftigtenzahlen im Verarbeitenden Gewerbe von Januar 1939 bis Februar 2016 im Chart, laut den Establishment Data. Im Februar 2016 malochten im Manufacturing nur noch 12,327 Millionen Arbeiter, -16’000 zum Vormonat und immer noch um -4,938 Millionen bzw. -28,6% unter dem Niveau aus dem Jahr 2000!

Dort wo handelbare Waren und Güter produziert werden geht nichts, was eine steigende Beschäftigung angeht, der Anteil der industriellen Jobs, an allen Jobs außerhalb der Landwirtschaft sinkt immer weiter:

S1326Die Entwicklung der saisonbereinigten Beschäftigtenzahlen im Verarbeitenden Gewerbe im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung außerhalb der Landwirtschaft in Prozent von Januar 1939 bis Februar 2016 im Chart. Im Februar 2016 wurde ein neues Tief generiert mit einem Anteil von nur 8,58%!!

Aus der VGR:

S1335Die Entwicklung der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes im Verhältnis zum nominalen BIP von 1947 bis 2014 im Chart. Zuletzt im Jahr 2014 sank die Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes auf 12,1% des nominalen BIPs. Daten für 2015 liegen noch nicht vor.

S1336Die Entwicklung der Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden im Verarbeitenden Gewerbe auf Jahresbasis in Mrd. Stunden von 1948 bis 2014 im Chart. Die Daten für 2015 liegen noch nicht vor.

S1337Die Entwicklung der Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden im privaten Dienstleistungssektor (blau) und im Verarbeitenden Gewerbe (rot) auf Jahresbasis in Mrd. Stunden von 1948 bis 2014 im Chart. Die Daten für 2015 liegen noch nicht vor.

Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden in der Gesamtwirtschaft wirft übrigens einen fragwürdigen Blick auf den nominalen BIP-Ausweis, hedonisch aufgeblasen, mit wahrscheinlich viel heißer Luft:

S1339Die Entwicklung des nominalen BIPs (blau) auf Jahresbasis (2000=100) und der Anzahl aller geleisteten Arbeitsstunden (rot) im Chart von 2000 bis 2014. Während das nominale BIP von 2000 mit 10,285 Billionen Dollar bis 2014 um +68,7% anstieg, auf 17,348 Billionen Dollar, zog die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden von 2000 mit 230,609 Mrd. Arbeitsstunden nur um +3,8% bis 2014 an, auf 239,483 Mrd. Arbeitsstunden.  …”Wunder” gibt es immer wieder.

Grundsätzlich ist die Entwicklung deutlich, weg von Jobs der industriellen Wertschöpfung, hin zum Dienstleistungssektor, primär prekäre Jobs, womit sich ja auch der Zirkelschluss zu dem immensen US-Handelsbilanzdefizit herstellt, zuletzt 2015 mit -736,172 Mrd. Dollar. Zum Ausmaß der schwachen Löhne gab auch die US-Wage Statistik 2014 eindeutig Auskunft, denn 51,4% aller Arbeitnehmer hatten 2014 einen nominalen Jahreslohn von unter 30’000 Dollar! Siehe: USA: Wage Statistics for 2014

Aber auch im Arbeitsmarktbericht Februar 2016 finden sich Hinweise, so sank der Index der aggregierten wöchentlichen Löhne aller Arbeitnehmer erstmals seit 14 Monaten wieder ins Negative, mit -0,5% zum Vormonat. Auch der durchschnittliche Bruttostundenlohn sank erstmals seit 17 Monaten, um -0,1% zum Vormonat, auf 25,35 Dollar. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sank um -0,2 Stunden zum Vormonat, auf 34,4 Arbeitsstunden. Der Neuzugang an Teilzeitjobs drückt den Durchschnittslohn und die geleistete Wochenarbeitszeit, insofern weist der Arbeitsmarktbericht Konsistenz aus.

“Schön” erbärmlich ist die lange Reihe der medianen und realen Wochenlöhne, auf Quartalsbasis:

S1327Die Entwicklung der medianen, realen Wochenlöhne in den USA seit Q1 1979 bis Q4 2015 im Chart. In Q4 2015 lag der mediane und reale Wochenlohn bei 345 Dollar (preisbereinigt um den CPI 1982-1984), in Q1 1979 waren es 335 Dollar. Plus 10 Dollar in dreieinhalb Jahrzehnten!!

Der Median ist genau der Punkt, wo 50% der realen Wochenlöhne darunter oder darüber liegen.

Immer mehr schenken anderen Drinks ein und jeder schneidet jedem die Haare, so in etwa (natürlich überzeichnet) muss man die Brot und Spiele Ökonomie der USA visualisieren. Deshalb stellvertretend und plakativ für den Dienstleistungssektor, der Untersektor Leisure and Hospitality mit +48’000 neuen Jobs zum Vormonat:

S1328Die Entwicklung der Beschäftigten im Dienstleistungssubsektor “Leisure and Hospitality”, saisonbereinigte Daten, dies sind Kellner, Barkeeper, Hotelboys, Zimmermädchen usw. von Januar 1939 bis Februar 2016 im Chart. Im Februar 2016 wurde ein neues Hoch markiert mit 15,435 Millionen.

Mehr Kellner und Barkeeper als Industriearbeiter im Verarbeitenden Gewerbe (12,327 Millionen)!

S1330Die Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten seit Dezember 2007 bis Februar 2016 im Manufacturing (blau) und im Leisure and Hospitality (rot).

S1331Die Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten im Manufacturing (blau) und im Leisure and Hospitality (rot) seit Januar 2015 bis Februar 2016 im Chart. Plus 16’000 Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe seit Januar 2015 versus +511’000 Kellner und Barkeeper.

Die “Massen” an neuen Beschäftigten, primär bzw. fast ausschließlich im Dienstleistungssektor, viele Jobs davon prekär, schlecht bezahlt und wenig produktiv, dürften weiter die US-Arbeitsproduktivität senken, was sich schon bisher bis Q4 2015 im Trend zeichnet. Mit den aufwärtsrevidierten BIP-Wachstum von annualisierten +1,0% in der zweiten Schätzung, nach +0,7% in der ersten Schätzung hat sich zwar etwas die Produktivität in Q4 2015 verbessert, aber immer noch zeichnet sich eine negative Jahresrate von -2,2%.

Gut visualisieren tut sich eine geglättete Betrachtung, welche die Jahresrate als 5 Jahresdurchschnitt darstellt:

S1329Die Entwicklung der Arbeitsproduktivität als gleitender 5 Jahresdurchschnitt, auf Quartalsbasis von Q1 1955 bis Q4 2015 im Chart. Eine steigende Beschäftigung geht mit einem Abfall der Arbeitsproduktivität einher, nicht überraschend, sondern konsistent.

Noch kurz zum Einordnen der Arbeitsmarktdaten, …Plausibilität?:

S1332Die Entwicklung des Exportvolumens von Waren und Gütern in Mrd. Dollar von Januar 1987 bis Januar 2016 im Chart. Im Januar 2016 sank das Exportvolumen um -10,7%, auf 108,453 Mrd. Dollar. Bereits im Gesamtjahr 2015 sanken die Exporte um -7,1% zum Vorjahr.

S1333Die Entwicklung des saisonbereinigten breit gefassten Industrieproduktionsindex seit Januar 1960 im Chart (2012=100). Im Januar 2016 stieg der Output um +0,9% zum Vormonat, auf 106,85 Indexpunkte. Faktisch geht es bereits seit 15 Monaten seitwärts.

Zuletzt im Gesamtjahr 2015 stieg der Output noch um +0,4% zum Vorjahr, nach +3,7% 2014.

S1334Die Entwicklung der realen saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze, ohne Kfz-Handel, seit Januar 1992 im Chart. Real saisonbereinigt lag der Index im Januar 2016 unverändert zum Vormonat, bei 109,3 Punkte. Am äußeren Rand zeigt sich eine gewisse Schwäche/ Stagnation, seit 8 Monaten geht es faktisch nur seitwärts. Aber trotzdem legten die Beschäftigtenzahlen im Einzelhandel (Retail Trade) in den letzten 8 Monaten um +238’200 zu, alleine im Februar 2016 um +54’900, auf 15,878 Millionen Beschäftigte. Plausibilität?

Quelle: Bls.gov/PDF: US-Arbeitsmarktbericht Februar 2016

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14 KommentareKommentieren

  • Stefan Vogel - 6. März 2016

    Hallo Steffen,

    was ich nicht verstehe ist, dass jetzt im Dienstleistungssektor viele Jobs geschaffen werden. Wir stehen eigentlich schon auf Rezession in fast allen Bereichen, wer stellt denn unter den Umständen ein?

    Hast Du eine mögliche Erklärung?

    Danke

    Stefan

    • Querschuss - 6. März 2016

      Hallo Stefan,
      die Masse der Jobs wird angeblich im Dienstleistungssektor geschaffen, vor allem in Sektoren, wo nur untere Lohngruppen bedient werden. Der Arbeitsmarktbericht ist in sofern konsistent, selbst die nachlassende Produktivität, schwächere Durchschnittslöhne passen dazu.

      Aber richtig die Frage bleibt, ob man diesem Jobwachstum Glauben schenken soll, dass ist fragwürdig und zweifelhaft. Warum sollte man stetig neue Leute einstellen, wenn die Umsätze stagnieren, dass Wachstum nachlässt, aber darauf habe ich im Artikel ja hingewiesen. Nicht auszuschließen, dass der US-Arbeitsmarktbericht nicht die Realität spiegelt, sondern politisch konforme Daten liefert. Fakt ist, wenn überhaupt was wächst, ist dieses Jobwachstum von mieser Qualität.

      Gruß Steffen

  • Nicolas - 6. März 2016

    Ich glaube selber die “Recovery” story auch überhaupt nicht aber mache jetzt mal “Anwalt des Teufels” und nehme die Position der anderen Seite an.

    Das Q4 BIP der USA ist ja kürzlich nach oben revidiert worden (auf +1% annualisiert wenn ich richtig liege). Das ist ein Zeichen der Normalisierung und bestätigt die ersten Zinsschritte der Fed. Wie angekündigt werde weitere folgen. Vielleicht etwas langsamer, aber sie kommen. Es gibt mittlerweile einen robusten Aufschwung in den USA (Anm : das hab ich wirklich kürzlich von einem “Ökonomen” gelesen).
    Die verbesserten Arbeitsmarktdaten spiegeln dies auch wieder. Die amerikanische Wirtschaft befindet sich also eindeutig auf dem Weg der Normalisierung. Das bestätigt das die expansive Geldpolitik mit QE1-3 die richtige Antwort auf die Rezession war.

  • Marja - 6. März 2016

    Moin, ich habe das so verstanden, dass die meisten Jobs teilzeitig im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen entstehen, also wenn Mama drei Stunden in der Woche putzen geht, weil es keine Arbeitslosenversicherung gibt. Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass Frauen manchmal nicht arbeiten müssen, manchmal nicht arbeiten wollen, oft aber sehr viel unbezahlt arbeiten :-). MAMA ist bekanntermaßen die Abkürzung für “Meine Alte macht Alles”. Eine Berufstätigkeit für Familien funzt halt nur, wenn es eine preiswerte Möglichkeit für eine Kinderbetreuung gibt. Selbst in unserem Sozialstaat in Schland lohnt sich die Berufstätigkeit von erziehungspflichtigen Müttern und Vätern nur, wenn die Einkünfte aus diesen Tätigkeiten unterhalb der Zuzahlunggrenzen für die Kindergartenbeiträge liegen. Sonst muss aus der Berufstätigkeit deutlich mehr übrig bleiben als der Mindestlohn, zumal wenn man bedenkt, dass das Leben durch Berufstätigkeit auch in anderen Bereichen teurer wird.

    In der Gesamtheit der schönen oder “geschönten” Zahlen muss die Lebenswirklichkeit für viele US-Amerikaner schrecklich sein. Gut für Donald Trump :-((

    • markus - 8. März 2016

      @Marja – 6. März 2016:

      Wie man es nimmt. Berufstätigkeit des 2. Elternteils “lohnt” sich auch, wenn man das Risiko des kompletten Einkommensverlustes der Familie reduzieren will (nach dem Motto Risikostreuung: die Wahrscheinlichkeit zwei Jobs zu verlieren ist geringer als einen Job zu verlieren). Natürlich erfreut es nicht, wenn man weiß, dass man als Familie mit einem Job weniger gestresst wäre und vielleicht sogar mehr in der Tasche hätte (nach Abzug Kinderbetreuungskosten und Mobilität) und vor allem, wenn man weiß, dass früher ein größerer Teil dieses Risikos auf viele Schultern (sprich staatlich) abgedeckt wurde. Stichworte: Verschlechterung Erwerbsminderungsrente, Einführung Harz4.

    • Vic - 10. März 2016

      Wenn Trump zur Macht kommt, das ist das beste, was passieren kann. Das Leben ist eben nicht politisch korrekt und ich habe die Nase voll, dass man einfach mit begriffen spielt, wie “Flüchtlinge”, die gar keine sind etc. Und diese Grünen Ideen, wie Frühsexualisierung der Kinder gehören auf der Stelle in den Mülleimer.

  • Traumschau - 6. März 2016

    Hallo zusammen!
    Ja, ja, der Aufschwung kütt …
    Die Charts sind ernüchternd – um das mal vorsichtig auszudrücken.

    Shadow Government Statistics sieht das ähnlich:

    “The ShadowStats Alternate Unemployment Rate for February 2016 is 22.8%.”

    http://www.shadowstats.com/alternate_data/unemployment-charts

    Naja, alles wie zu Hause, nicht wahr?
    LG

    • Marco - 7. März 2016

      Ich würde mal sagen: Dritte Welt Deluxe, wie Südeuropa. :D

  • JL - 6. März 2016

    Bei dem U.S. Bureau of Labor Statistics ziert man sich offenbar noch, endlich den amerikanischen- und weltweiten Abschwung- zugeben zu wollen. Der vielbeachtete Einkaufsmanagerindex von Chicago fiel im Februar 2016 wie ein Stein auf 45,8 Punkte (Januar 2016 59,4 Punkte).

    http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2015-02/32955735-us-einkaufsmanagerindex-chicago-faellt-im-februar-drastisch-015.htm

    Wo da neue und dauerhafte Jobs herkommen sollen erschließt sich nicht. Vor allem wenn man den weltweiten Trend betrachtet.

    http://politik-im-spiegel.de/massenentlassungen-in-usa-europa-und-japan/

    Wal Markt und die RWE- Tochter in England (-2500 Stellen von knapp 10.000 Stellen) kommen noch dazu

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/npower-britische-rwe-tochter-streicht-2500-stellen/13060376.html

    In Südamerika sieht es wirtschaftlich grottenschlecht aus (Wirtschaftseinbruch, Inflation), in Europa stagniert man noch geradeso vor sich hin, im Nahen Osten muß man – außer bei Granaten natürlich- sparen, die Chinesen wollen ihre Binnenwirtschaft umbauen und den Amerikanern geht es blendend mit ihren Teilzeitjobs, obwohl die Vielzahl an Trends genau das Gegenteil offenbaren.

    Wenn es denn so gut wäre mit der amerikanischen Wirtschaft und mit all den zukunftsträchtigen Aussichten, warum laufen die Leute dann Donald Trump im Vorwahlkampf hinterher und nicht den Republikanern oder Demokraten wie seit Anbeginn des US- amerikanischen Zeitalters auch? Weil sie unzufrieden sind und keine Perspektiven sehen und die Altparteien keine liefern können, schlicht weil sie sich von der Basis abgenabelt haben – wie bei uns in Europa auch.

    Aber gut, es bleibt wie immer: Arroganz kommt vor dem Fall.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Systemfrager - 7. März 2016

      SUPER!

      Wenn es denn so gut wäre mit der amerikanischen Wirtschaft und mit all den zukunftsträchtigen Aussichten, warum laufen die Leute dann Donald Trump im Vorwahlkampf hinterher und nicht den Republikanern oder Demokraten wie seit Anbeginn des US- amerikanischen Zeitalters auch? Weil sie unzufrieden sind und keine Perspektiven sehen und die Altparteien keine liefern können, schlicht weil sie sich von der Basis abgenabelt haben – wie bei uns in Europa auch.

      Aber gut, es bleibt wie immer: Arroganz kommt vor dem Fall.

      • bockwurst - 8. März 2016

        Die laufen trump hinterher aus den selben gründen wie bei uns.
        Aus meiner sicht ,wird in den usa viel zu viel schindluder mit den medien getrieben.(btw usa hat die hand über unseren medien seid anno 45)
        Ich selbst kann es natürlich nicht wirklich beurteilen,da ich nicht dort wohne.Aber was man mitbekommt stösst einem schon sauer auf.
        Wir schreien weltfrieden und die usa kann machen was sie will auf der welt?!? JA, kann und darf sie.
        Warum wohl ….. …. .. .

  • bockwurst - 8. März 2016

    Usa macht auch nichts anders als wir seid über 10 jahren. Schönrechnen !

  • Marco - 9. März 2016

    Wie man es nimmt, Bockwurst. Die Diskrepanz zwischen realen und geschönten Daten dürfte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten deutlich größer sein.
    Auf 23% Arbeitslose kommen wir selbst dann bei Weitem nicht, wenn wir alle Mogeleien herausrechnen. Ich meine, dann wären es gerade mal um die 11%, also auch nicht schlechter als in den 90ern.