USA: Fakten

von am 21. Februar 2012 in Allgemein

Gastbeitrag von Hajo

Bekanntlich sehen “Querschuss” und ich in den USA schon seit langen Monaten/Jahren ein großes “Potemkinsches Dorf”. “Als Potemkinsches Dorf – teilweise auch in der Schreibweise Potjomkinsches Dorf – wird etwas bezeichnet, das fein herausgeputzt wird, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand zu verbergen. Oberflächlich wirkt es ausgearbeitet und beeindruckend, es fehlt ihm aber an Substanz.” (Quelle: Wikipedia.org/Potemkinsches_Dorf)

Alle meine bisherigen Gastbeiträge in 2012 belegen, dass diese Sicht durchaus begründet ist, dass “im Staate Dänemark”, sorry: “im Staate USA”, etliches oberfaul ist:

Querschuesse.de/personal-consumption-expenditures-made-in-usa/
Querschuesse.de/zur-jobqualitat-in-den-usa/
Querschuesse.de/u-s-labor-share/
Querschuesse.de/u-s-money-velocity/
Querschuesse.de/u-s-recovery-eine-grose-luge/
Querschuesse.de/u-s-recovery-eine-grose-luge-teil-2/

Heute setze ich nun zu einem großen “Rundumschlag” zur Demontage dieses “Potemkinschen Dorfes”, bzw. in einem U.S. typischen Vergleich: dieser “Hollywood-Traumfabrik”, an.

Ich beginne mit drei Charts von Makrodaten, zu denen ich jeweils den Zehn-Jahre-Zeitraum Q4/2001 (offizielles Rezessionsende) bis Q4/2011 herausstelle:

 Per Q4/2001 belief sich das offizielle BIP auf 10373 Mrd. USD, per Q4/2011 auf 15294 Mrd. USD – ein Anstieg von rund 47,5 %.
 
 Per Q4/2001 betrugen die Brutto-Inlandskäufe 10874 Mrd. USD, per Q4/2011 15876 Mrd. USD – ein Plus von rund 46 %.
 
Per Q4/2001 hatten die USA öffentliche Schulden in Höhe von rund 6000 Mrd. USD, die bis Q4/2011 auf rund 15000 Mrd. USD hochgeschraubt wurden – ein Anstieg von 150 %. Wow!
 
In diesem Zeitraum stieg die Geldmenge M3/M3b von 8400 Mrd. USD auf 14800 Mrd. USD – ein Anstieg von rund 76 %. (In 2006 hat die Fed die Veröffentlichung der Geldmenge M3 eingestellt. Diverse unabhängige Analysten berechnen allerdings dieses Geldmengenaggregat auf Basis von M2 als “M3b” weiter. Deren Berechnungen klaffen nur marginal auseinander.)  Die aktuellen öffentlichen Schulden der USA stehen nunmehr zur Geldmenge M3b fast pari! Dies heißt in Klartext:

DIE  GESAMTE  GELDMENGE  DER  USA  WAR  ENDE  Q4/2011  VERPFÄNDET !!!  

 Die Geldmenge M1, die die FED steuern kann, hat sich seit Q4/2001 fast verdoppelt:

 Dieser Chart der Geldmenge M1 ist saisonbereinigt.
 
Das Fiskaljahr des US-Staatshaushaltes läuft jeweils vom 1. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres. Während am Ende des Fiskaljahres 2000/2001 noch ein Haushaltsplus von rund 128 Mrd. USD zu Buche stand, war am Ende des Fiskaljahres 2010/2011 ein Minus von rund 1300 Mrd. USD (= 8,5 % des offiziellen BIP) zu verzeichnen. 
————————————————————————————————————————-
 Nachfolgend liefere ich noch ein paar mikroökonomische Daten:
 
Per Q4/2001 beliefen sich die realen privaten, d.h. nicht-staatlichen Brutto-Inlandsinvestitionen auf 1782 Mrd. USD, per Q4/2011 auf 1867 Mrd. USD – ein mageres Plus von 85 Mrd. USD.
 
Zwischen Q4/2003 und Q4/2011 ist der Wert von Lagerbeständen der Produzenten bei Gebrauchsgütern von rund 246 Mrd. USD auf 370 Mrd. USD gestiegen – ein Plus von 50 %. Bzgl. der Lagerbestände im Groß- und Einzelhandel gibt es keine Statistiken! Hohe Lagerbestände bedeuten “inaktives Kapital”, das realer Verkäufe harrt. 
 
Vom Housing-Sektor dürften – trotz historisch niedriger Hypothekenzinssätze – auf lange Sicht keine nennenswerte Aufwärtsimpulse ausgehen. Die Bevölkerung der USA wächst zwar, doch immer weniger Haushalte können sich in Anbetracht der Employment/Population Ratio ein neues Eigenheim leisten. 
 
Dieser Chart reflektiert die Auslieferungen von Rohmetallen in Blockform seitens der “Schmelzer”. In normalen Wirtschaftszyklen werden die Rohmetallblöcke an die weiterverarbeitende Industrie geliefert, doch seit 2009 landeten diese zum größten Teil in den Lagern der London Metal Exchange (LME) im Süden der USA – zur physischen Deckung gigantischer Spekulationsgeschäfte seitens der US-Investmentbanken bzw. Hedgefonds.

http://www.bls.gov/iag/tgs/iag331.htm

Zum Abschluss kein Chart, sondern eine höchst “pikante” aktuelle Information aus der Financial Times Deutschland:

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-wirtschaft-aus-dem-tritt-boerse-ausser-rand-und-band/60171152.html

und ein Post vom “Bankhaus Rott”, einem der sarkastischsten Blogger Deutschlands:

http://www.rottmeyer.de/snap-es-geht-um-die-wurst/

Quelle Daten und Charts: Research.stlouisfed.org/Economic Data (FRED)  

Ein Gastbeitrag von Hajo

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de 

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36 KommentareKommentieren

  • Roland - 21. Februar 2012

    Ja, glaubt denn hier keiner mehr an den Endsieg des Kapitalismus ?
    Warten wir mal ab, ob der neue “Propaganda-Minister” Gauck nicht doch noch was bewirken kann.

    Stahlpreise an der LME heute leider weiter Richtung Süden.

  • Michael - 21. Februar 2012

    Mal ganz im Ernst. Die USA mögen zur Zeit schlecht dastehen. Das ist Fakt. Aber die USA sind nicht ein gut gefärbter (Zit. mein Freund Berlusconi) Dampfplauderer, dahinter steht ziemlich viel. Was sagt die FED mit ihrem 0,25% Zins denn ? Sie sagt, da hat was dramatische Ausmaße angenommen und da ist was ganz deutlich steigerungsfähig. Das über eine längere Zeit, heißt, so schnell wird das Problem nicht gelöst werden. Das ist jedem klar, der die deutlichen Worte des Heli Ben nicht umdeutet. Man kann doch die deutsche Blöd&co. KG nicht auch noch ernst nehmen. Wenn die IM L schon ins Amt des BP hieven, ist in D garantiert alles vergeigt. :-(

  • hko - 21. Februar 2012

    und hierzu im Handelsblatt —- wie verträgt sich dies alles?

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/wal-mart-home-depot-macys-die-amerikaner-gehen-wieder-shoppen/6237156.html

    Auf dem Heimatmarkt scheint sich Dukes Strategie nun auszuzahlen: Walmart USA verzeichnete in den Läden, die länger als ein Jahr eröffnet sind, einen Umsatzanstieg von 1,5 Prozent. Es ist das zweite Vierteljahr in Folge mit einem Plus, nach neun Quartalen stetigen Rückgangs.

    Besser als auf dem Heimatmarkt steht der Konzern bei seinem wachsenden internationalen Geschäft da. Hier legte der Umsatz um 13 Prozent auf 35,5 Milliarden Dollar zu.
    ….
    Der Kaufhauskonzern Macy’s mit seiner Tochter Bloomingdale’s setzte im Schlussquartal 8,7 Milliarden Dollar um – sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
    ….
    Die Baumarktkette Home Depot konnte beim Gewinn sogar um fast ein Drittel auf 774 Millionen Dollar zulegen.

    • gilga - 21. Februar 2012

      Wird da tatsächlich mehr verkonsumiert? Welcher Anteil an der Steigerung des Umsatzes ist durch Teuerung getrieben? Was wird dort verkonsumiert und welcher Teil der Bevölkerung tut dies warum?

    • Vandermonde - 22. Februar 2012

      Ganz einfach – steht im Text

      “Wal-Mart erzielte die Umsatzzuwächse vor allem durch mehr Schnäppchen und Kampfpreise, und das hatte Folgen: Zwischen November und Januar ging der Gewinn um fast 15 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar zurück, wie der Konzern aus Bentonville, Arkansas, mitteilte.”

      • leslie - 22. Februar 2012

        Wer im Wal Mart einkauft würd sich auch vom Teufel fi..en lassen.

        Und die Frau hat nur billigsten Chinaschrott im Wagen.
        Oder auch ´´Dinge die die Welt nicht braucht.´´

        Mfg

  • schnauzevoll - 21. Februar 2012

    Nun, da die Lebensmittelkarten vermehrt ausgegeben werden und diese alle nach Walmart wandern, sollte der Anstieg nicht verwundern. Bei Edeka zahlt man für die gleichen Artikel auch mehr als bei Aldi. Jedenfalls war das mal so. :D

  • gilga - 21. Februar 2012

    Zunächst vielen Dank für Deine Arbeit Hajo!

    Wir hatten uns im letzten Beitrag schon kurz dazu ausgetauscht…. Thema: Lagerbestände

    Liege ich richtig in der Annahme das in den Lagerbeständen auch Vorprodukte für die Produktion enthalten sind? z.B. Kupfer (gibt ja da so schöne “Rollen”)?

    Nun, der Kupferpreis hat sich beispielsweise seit 2004 im Preis vervierfacht. Bei den Lagerbeständen sind die Werte (nominaler Wert in Dollar) jedoch “nur” 50% höher… nun müsste man prüfen welchen prozentualen Anteil die Rohstoffe bzw. entsprechende “Vorprodukte” am gesamten Lagerbestand haben, um wirklich abschätzen zu können, ob hier ein Auffüllen der Lager stattfindet, oder ob es sich schlicht um die Teuerung von Rohstoffen handelt.

    Wie gesagt, ich denke auch das die USA und vor allem der Dollar in Problemen stecken… aber ob das nun gerade bei den Lagerbeständen problematisch ist weiß ich nicht so recht (viel eher, dass nicht mehr viel produziert wird und die Geldmenge auf Teufel komm raus ausgeweitet wird).

  • M.E. - 21. Februar 2012

    Die kumulative Lücke zwischen statistischer und tatsächlicher Realität wir immer größer. Das ist der Fluch, wenn man erst einmal mit dem Tricksen richtig begonnen hat.
    Es ist längst mit Händen zu greifen, dass ein Land kein solch hohes Pro-Kopf-BIP haben KANN, wenn die Bauwirtschaft darniederliegt, die internationale Wettbewerbsfähigkeit in einer größeren Anzahl wichtiger Branchen nicht gegeben ist, sich zig Millionen Bürger keine Krankenversicherung leisten können und auf Lebensmittelhilfe angewiesen sund und immer mehr unter “not in labour force” geführt werden und somit auch keinen Beitrag zum BIP leisten können.
    Und senkte man die BIP- Angaben auf ein halbwegs realistisches Niveau ab (GEAB schätzt ja eine Aufblähung der Angaben um 30% zum tatsächlichen BIP), dann verschlechtern sich natürlich auch alle Zahlen, die zur besseren Vergleichbarkeit ins Verhältnis zum BIP gesetzt werden.
    Dann wäre die Staatsverschuldung bereits höher als in Italien, die Neuverschuldungsquote läge über 10% des BIP, das Außenhandelsdefiziit würde noch dramatischer ausfallen in Relation zum BIP usw.
    Irgendwann ist das kumulative GAP so groß, dass es sogar berufsblinden Analysten auffällt.

  • Wolfgang Waldner - 21. Februar 2012

    @M.E.

    Beim Pro-Kopf-BIP der USA ist zu beachten, dass das oberste Prozent ein Viertel der Gesamteinkommen einschiebt, die obersten zehn Prozent die Hälfte aller Einkommen.

    Man muss also das offizielle Pro-Kopf-BIP der USA halbieren, um die Realität der 90 Prozent zu erhalten. Vermutlich muss man es nochmal halbieren, um den Lebensstandard der unteren 75 Prozent der Bevölkerung beurteilen zu können.

  • Michael - 21. Februar 2012

    @Bubblegum
    ……
    Hier ging es um die wirklich nicht tolle Lage der USA als nicht ganz unerheblicher Bestandteil der Weltwirtschaft. Wie geschrieben, wer Blöd liest, wird seinen Ansprüchen entsprechend behandelt. Nämlich verblödet. Die Wirtschaft der USA ist eindeutig steigerungsfähig.Das ist richtig. Daran zweifelt eigendlich niemand. Sie werden es auf die Reihe kriegen.

  • HAJO - 21. Februar 2012

    Im internationalen Vergleich gilt die Ratio Staatsschulden/BIP als Messlatte für den Verschuldungsgrad einer Volkswirtschaft. Diese Gepflogenheit greift jedoch m.E. zu kurz. Die USA weisen bei dieser Berechnungsmethode aktuell einen Verschuldungsgrad von rund 100 % auf. Nimmt man jedoch als Basisgröße die Gesamtschulden (Staatliche + nicht-staatliche Schulden ) der USA in Höhe von 68000 Mrd. USD und setzt diese in Relation zum BIP, kommt man auf einen volkswirtschaftlichen Verschuldungsgrad von 445 %. Dies dürfte zumindest unter den G20-Staaten einsame Spitze sein. Der frühere Chefökonom für Nordamerika bei Merrill Lynch und später bei der Bank of America, David Rosenberg, der heute als Chefökonom bei dem kanadischen Finanzunternehmen Gluskin&Sheff in Toronto tätig ist, hat einmal die historische Entwicklung des Verschuldungsgrades auf dieser Grundlage berechnet: Die Spitzen im 20. Jahrhundert lagen in 1934 (“Große Depression”) bei rund 180 % und in 1945 (2. Weltkrieg) bei rund 300 %. Der aktuelle volkswirtschaftliche Verschuldungsgrad der USA liegt um fast 50 % höher als in 1945! M.E. basiert die grandiose wirtschaftliche Entwicklung der USA seit Anfang der 1980er auf einer riesigen Kreditblase, dem größten “Ponzi Scheme” der Wirtschaftsgeschichte.

    Gruß an alle Leser und kritische Kommentatoren meiner Gastbeiträge
    Hajo

    • Holly01 - 22. Februar 2012

      Hallo HAJO,
      zuerst einmal Danke für die Informationen und die Mühe.
      Ich sehe die Problematik ebenso, wie von Dir beschrieben. Allerdings gehe ich noch einen oder zwei Schritte weiter.
      Das BIP der USA ist ein Witz. Da wird Rechnerleistung in MIPS als BIP umgesetzt. Da werden Verbräuche von Militärgütern als BIP umgesetzt.
      Ich schätze das BIP etwa 30-40% niedriger ein als ausgewiesen.
      Der Kapitalstock der USA wurde mit etwa 30 Bill. angegeben. Leider weiss ich das Erhebungsjahr nicht mehr, aber ich denke etwa 2008/9.
      Wenn ich nur anschaue wie der Kapitalstock sich seit dem verändert hat, dann spricht das Bände.
      Inflation ist bekannt und ich halte mich an die inoffiziellen Zahlen von 3-7% / a.
      Infrastruktur desolat ist bekannt. Infrastrukturwert der USA ist zuletzt 2000 gewachsen als man mit der DOT.com Blase das Internet finanziert hat. Der Rest ist Verfall.
      Kriegslasten wurden auf Schuldenbasis finanziert.
      Geheimdienste und Militär kosten mehr als 1 Bill./a. Geld ohne Mehrwert, also abgeschrieben.
      Ein Derivatemarkt der zu mindestens 50 % des Volumens von den amerikanischen Marktteilnehmern verantwortet wird zeigt die ganze Miesere. Selbst wenn man die lächerlichen offiziellen Zahlen zur Basis nimmt, dann stehen den 300Bill. US-Derivatemarkt etwa 30Bill. Kapitalstock entgegen. Hebel von 10. Man könnte realistischer von einem Hebel von 15 ausgehen. Das ist das was die Finanzbranche im Feuer hat und viele Großfirmen und das relativiert die immensen “Guthaben” der 2%. Diese “Guthaben” gibt es natürlich garnicht, die sind bereits mehrfach im Feuer und mit einem 10-15 fachen Ausfallrisiko belegt.
      Das kronische Aussenhandelsdefizit zehrt die USA zusaätzlich aus. Das Haushaltsdefizit zehrt den Staat aus.
      Um das ganz klar zu schreiben, die USA zeigen keine Härte gegenüber den Arbeitslosen, sie haben keine Mittel für einen Sozialtransfer.
      Die QE-Maßnahmen der FED kommen nur offiziell an das Licht, weil die FED den Staat inzwischen finanziert. Man gibt etwas zu, um das Offensichtliche abzumildern.
      .
      Die Amis gehen in den nächsten Krieg, obwohl die nicht einmal das Essen für die Soldaten haben. Das bedeutet eine Zunahme der agressiven Verhaltensweisen auf den Finanz- und Investmentbankenfeldern. Was die AMis nicht freiwillig bekommen, das erzwingen sie.
      Da das alles auch mit der Eurokrise zusammenhängt, kann man noch von etlichen mit Spannungen gefüllten Jahren ausgehen.
      Man sollte nie aus den Augen lassen das runde 2% der Wirtschaftswachstums der USA aus dem Währungsstatus resultieren.
      Man sollte auch nie aus den Augen verlieren, das eine Zinsnormalisierung, für die USA der “kill” wäre.
      Just my 5 Cent.

      • Holly01 - 22. Februar 2012

        Ich habe die beiden Freddies on Wall Street vergessen. Naja, da sind ja auch nur ca. 3,5Bill. abschreibungsbedürftige Kredite geparkt. Nichts was die FED zum schwitzenbringen kann.
        Die Freddies halten inzwischen praktisch das gesamte Immobilienportfolio das US-Banken ausgegeben haben.
        Die Ausfallquoten wurden zu beginn der krise mit 5-10% angegeben. Auch kommt noch Korrekturbedarf.
        Die 98% haben an den Entscheidungen nie teilgenommen, aber die Haftung ist maximal.
        Auch Deutschland wird das mit der nationalen Eigenverantwortung noch einmal diskutieren müssen. Ich denke die “Antiterrorgesetzgebung” zeigt uns die Erwartungen der Politik, in Bezug auf diese Meinungsfindung.

      • Holly01 - 22. Februar 2012

        Die ganze Krise bekäme inhaltlich auch Sinn, wenn man sie so lesen würde:
        US-Präsident (ich nenne ihn einmal willkürlich GW) ist der festen Überzeugung Krieg gegen den Terror und für die westliche Welt führen zu müssen.
        Kassen leer.
        Krieg auf Pump.
        Geldzufluss versiegt.
        Politische Entscheidung : Die Kosten des Krieges müssen von allen getragen werden.
        Verbriefung.
        Verkauf.
        Politisch kontrollierte Bereiche kaufen überproportional und wollen weiter abverkaufen.
        Kapitalinhaber ziehen mit privaten Mitteln nicht nach.
        Öffendliche Institute werden auf Steuerbasis gerettet, Mittel sind damit zu den USA gewandert.
        Konsolidierung der öffendlichen Hand durch mediales Abwälzen auf die Kapitallosen.
        Absehbarer öffendlicher Druck gewährt den Zugriff auf das private Kapital.
        Mission complete.

    • Georg Trappe - 22. Februar 2012

      Ersteinmal recht herzlichen Dank fuer diese Korrektur des Zerrbildes, das wir leider ueber die “Achse des Guten” in den Mainstreammedien zum Thema USA praesentiert bekommen. Der kritische Blick unter die auf Hochglanz polierte Motorhaube ist mehr als notwendig, denn die Zahl der (Fehl)Entscheidungen, die sich am vermeintlich “guten” Beispiel orientieren ist seit langem viel zu hoch. Der demagogische Fokus auf die Staatsverschuldung ist da ein Klassiker. Die fehlende Analyse der Strukturen, die sich hinter einer BIP/Kopf Zahl verbergen, wie bereits angesprochen, ebenfalls.
      Aber auch der Blick auf den Stand der Gesamtverschuldung reicht meiner Meinung nach alleine auch noch nicht aus, um das Ausmass und Wirkungsgeflecht des groessten Ponzi Scheme der Wirtschaftsgeschichte in seiner Gesamtheit zu erfassen.
      Wichtig erscheint mir da auch noch zu sein, wie sich die Schuldverhaeltnisse darstellen.
      So hat das bedauernswerte Japan zwar die mit Abstand hoechste Staats-, wie auch Gesamtverschldung bezogen auf sein BIP, aber es handelt sich um eine innere Verschuldung, d.h. die Glaeubiger des japanischen Staats sind im wesentlichen reiche Japaner. Nach aussen, nicht zuletzt wegen der hohen Waehrungsreserven in US$, gewaehrt Japan der Welt und da vor allem den USA Kredit.
      Diese Betrachtung sieht fuer die USA anders aus.
      Pointiert ausgedrueckt, haben sich die USA bei der Rollenverteilung in der globalen Wirtschaft auf den Export von gruen bedrucktem Papier und den Konsum von “Ueberproduktionen” aus dem Rest der Welt spezialisiert.
      Die daraus entstandenen Abhaengigkeiten und Fehlentwicklungen, sowohl in den USA als auch im Rest der Welt sind ueber die Jahrzehnte zu einem gigantischen Problem heran gewachsen. Die Krise der letzten Jahre erscheint mir da manchmal nur ein Symptom zu sein.

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

      • Georg Trappe - 22. Februar 2012

        Zur Entwicklung der Staatsschulden in Europa, die von neoliberaler Seite in dogmatischer Form als ursaechlich fuer die Krise bezeichnet werden und die daher auch in Staatsschuldenkrise umetikettiert wird, hier noch eine nette Aufbereitung vom BBC.

        http://www.bbc.co.uk/news/business-16301630

        Es ist also der Privatsektor, der unreguliert auf Grund von niedrigen Zinsen und lockeren Kreditvergaberegeln der Banken!!!! rasant gigantische Schuldentuerme aufgebaut hat.
        Ein ganz aehnliches Bild, wie fuer die suedeuropaeischen Lander, ergibt sich auch fuer die USA, nur sind da die Kreditgeber China, Japan, Oellieferanten etc.

  • Bubblegum - 21. Februar 2012

    @ Hajo,

    zum Bild der Situation paßt als weiteres Mosaiksteinchen der folgende HB-Artikel:

    “Amerikaner sparen beim Autokauf
    21.02.2012, 21:45 Uhr

    In Zeiten der Unsicherheit bleiben die Amerikaner ihren Autos länger treu, haben so alte Autos wie nie zuvor – und fahren sie weniger. Was nach schlechten Nachrichten klingt, ist für einige ein gutes Geschäft. ”

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/nach-der-krise-amerikaner-sparen-beim-autokauf/6237960.html

    Bubblegum

  • HAJO - 21. Februar 2012

    @M.E.

    Welch eine Kluft zwischen der offiziellen Schätzung der annualisierten Wachstumsrate des BIP für Q4/2011 (plus 2,8 %) und der Schätzung von John Williams (“Shadow Government Statistics” – SGS) (minus 2,5 %)!

    http://www.shadowstats.com/alternate_data/gross-domestic-product-charts

    @Wolfgang Waldner

    Eine knappe, jedoch sehr treffende Anmerkung! Pro-Kopf-Daten oder Durchschnittsdaten sagen absolut nichts über die innere Verfassung einer Volkswirtschaft aus. Sie sind “Schall und Rauch”.

  • dank - 21. Februar 2012

    Heli Ben fängt an zu schrauben – liest er mit? ;-)

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Bernanke-schraubt-am-System-article5559286.html

    Ja, das Dach brennt lichterloh, anders kann ich das gar nicht verstehen…

    Danke, HAJO!

    Danke, querschüssige Troika!

  • Lazarus09 - 22. Februar 2012

    —-> Nach außen Freiheit in God’s Country nach innen sklavenhalterischer Kontroll-und Schnüffelstaat

    Mit täglich Gratishirnwäsche … !! Yes we f**g can :-P

    …achten sie auf weiter Erfolgsmeldungen aus dem Ministerium für Wahrheit ;-)

  • bandilla - 22. Februar 2012

    Warum heißt er wohl AMERICAN DREAM.
    Weil Du inzwischen schlafen musst, um ihn zu sehen.

  • Weltenbrand - 22. Februar 2012

    Bei all dem ja geradezu schon verzweifelt-hektischen Treiben kommt einem nur noch Wilhelm Busch in den Sinn:

    Und der Hals wird lang und länger
    Und der Gesang wird bang und bänger
    Jedes legt noch schnell ein Ei
    Und dann kommt der Tod herbei

  • Weltenbrand - 22. Februar 2012

    Im Übrigen bietet sich in Hinsicht auf den Giga-Zombie USA selbstredend auch ein weiterer “Klassiker” an: ‘The Picture of Dorian Gray’

    http://www.opentheory.org/hurra_usa/text.phtml

  • Weltenbrand - 22. Februar 2012

    @ hajo

    “DIE GESAMTE GELDMENGE DER USA WAR ENDE Q4/2011 VERPFÄNDET !!!” – Na, das nennt mensch doch mal “solvent”.

  • Weltenbrand - 22. Februar 2012

    @ hajo

    “Per Q4/2001 beliefen sich die realen privaten, d.h. nicht-staatlichen Brutto-Inlandsinvestitionen auf 1782 Mrd. USD, per Q4/2011 auf 1867 Mrd. USD – ein mageres Plus von 85 Mrd. USD” – Sind diese Investitionen denn schon inflationsbereinigt? Soweit ich mitbekommen habe, sind besagte Investitionen auch schon seit langem rückläufig.

  • HAJO - 22. Februar 2012

    Gerade habe ich bei nowandfutures.com die Daten zu “Fed & Treasury Total Money (FTTM)” entdeckt, von denen ich nachfolgend ein paar Spots liefere:

    Anfang 1992: 1000 Mrd.
    Anfang 2002: 2000 Mrd.
    Anfang 2008: 4000 Mrd.
    Anfang 2012: 12500 Mrd.

    Dieses “totale Geld” stellt nicht etwa “Aktiva” im volks- bzw. betriebswirtschaftlichen Sinne dar, sondern nichts Anderes als “heiße Luft”.

    MfG Hajo

  • georg - 22. Februar 2012

    M.E. – 21. Februar 2012 Antworten
    Die kumulative Lücke zwischen statistischer und tatsächlicher Realität wir immer größer. Das ist der Fluch, wenn man erst einmal mit dem Tricksen richtig begonnen hat.
    das trifft auf bimbusdeutschland genau so zu, der unterschie zu den usa ist der einfluss der gleichgeschalteten parteien..
    gruss georg

  • georg - 22. Februar 2012

    bandilla – 22. Februar 2012 Antworten
    Warum heißt er wohl AMERICAN DREAM.
    Weil Du inzwischen schlafen musst, um ihn zu sehen.
    und wie siehts hier aus plumper antiamerikanismus hift überhaupt nicht weiter
    gruss georg

  • georg - 22. Februar 2012

    Holly01 – 22. Februar 2012 Antworten
    Hallo HAJO,
    zuerst einmal Danke für die Informationen und die Mühe.
    Ich sehe die Problematik ebenso, wie von Dir beschrieben. Allerdings gehe ich noch einen oder zwei Schritte weiter.
    Das BIP der USA ist ein Witz. Da wird Rechnerleistung in MIPS als BIP umgesetzt. Da werden Verbräuche von Militärgütern als BIP umgesetzt.
    davon profitiert die exportindustrie in bananarepublik germany ja auch ganz gut. im übrigen jeder stau auf deutschen autobahnen fließt positiv ins bruttosozialprodukt ein, also je grösser der benzinverbrauch desto besser gehts deutschland . übrigens ich bin kein inseider und liebe klare verständliche worte, was soll das? rechnerleistung in MIPS als BRUTTO INLAND PRODUKT.
    In meinem studium hiess es damals , man muss sich so ausdrücken dass es auch die anderen verstehen , ein verstecken hinter abkürzungen und fremdwörtern ( möglichst kompliziert , (verstehen nur wenige stärken das eigene selbswertgefühl ) bringt überhaupt nichts gruss georg

    • Holly01 - 22. Februar 2012

      MIPS = million instructions per second
      Man rechnet die Leistungsfähigkeit eines handelsüblichen PCs in MIPS genauer man rechnet die Leistung der CPU (centralprocessingunit) also des Prozessors in MIPS.
      Die Rechenleistung der Computer wächst sehr schnell (immer noch) und die Rechenleistung von jedem neuen PC wird in den USA in das Bruttoinlandsprodukt eingerechnet.
      Es ist quasi ein Sport der Statistikbehörden in den USA immer neue Tricks zu etablieren, mit denen man ein höheres BIP ausweisen kann.
      Apropopo, antiamerikanismen ist ein tolles Wort. Aber ich sehe als Fakt, das die USA für Deutschland nach wie vor, die Kolonialmacht darstellt. Geht es den AMis schlecht, dann wird es uns nicht gut gehen können.
      Der Blick in die Richtung ist nicht lustig, das sind eher Sorgenfalten auf der Stirn.
      Deutschland steht tatsächlich nicht besser da. Ein Trost kann das weder hüben noch drüben sein.
      Belustigend finde ich nur die statistischen Hütchenspiele der USA.

  • georg - 22. Februar 2012

    Weltenbrand – 22. Februar 2012 Antworten
    Im Übrigen bietet sich in Hinsicht auf den Giga-Zombie USA selbstredend auch ein weiterer “Klassiker” an: ‘The Picture of Dorian Gray’

    http://www.opentheory.org/hurra_usa/text.phtml
    muss man das jetzt verstehen ?……….
    die grosse gefahr hier ist , dass eine sehr gute fundierte blogarbeit von vielen als plumper indifferenter antiamerikanismus benutzt wird. ich erinnere daran amerika ( und damit meint man die usa, klammert das `gute kanada ´und das ´gute mexiko` aus , besitzt die größe eine kontinentes, allein arizona ist so gross wie deutschland , sind die jetzt alle bekloppt dort ? gruss georg

    • Georg Trappe: - 23. Februar 2012

      “….,sind die jetzt alle bekloppt dort ?”
      Nein sind sie nicht! Aber sie sind meiner Meinung nach unter anderem einem medialen Trommelfeuer ausgesetzt, das bewusst und massiv Zerrbilder erzeugt und so einer gesunden und einigermassen realistischen Selbstwahrnehmung im Wege steht. Dieses Zerrbilder erzeugende mediale Trommelfeuer reicht ueber die “Achse des Guten” weit nach Europa hinein. Nur um ein kleines Beispiel zu bringen, wie die Sache laeuft:
      http://www.zeit.de/2012/04/USA-Interview-Kullman?commentstart=33#cid-1825020
      Also plumper Antiamerikanismus hilft nicht weiter, und ein Fakten verleugnendes mediales Trommelfeuer auch nicht. Ich finde daher dass das, was Hajo hier im Blog an Fakten ueber die wirtschaftlichen Zustaende in den USA zusammen getragen und dargestellt hat, eine ausgezeichnete Sache ist. Es hilft zu einem ausgewogeneren Bild / Verstaendnis zu kommen. Er kommt leider nicht um hin sich dabei auf die kritischen Punkte der “Supermacht”, der “groessten Volkswirtschaft der Welt” und wie die in den Mainstreammedien staendig wiederholten mit verherrlichenden Attributen dekorierten Bezeichnungen auch heissen moegen, zu fokusieren. Das dabei dem einen oder anderen Leser hier der eine oder andere Traum oder auch der Kragen platzt, wundert mich nicht.
      -
      Ich zitiere daher auch nochmal aus einer Diskussion in einem anderen Forum:

      “Nein. Ein Machtanspruch ist nicht die eigentliche Kraft, der diese Krise
      treibt. Es ist vielmehr die calvinistisch-puritanische Weltanschauung,
      auf dem das amerikanische Gesellschaftsmodell fußt und dessen
      Unterlegung bei jedem Problemlösungsansatz als prinzipielle
      Selbstverständlichkeit gar nicht hinterfragt wird, sowie es in
      Deutschland ebenso eine Selbstverständlichkeit ist, dass bei so ziemlich
      jeder erdenk. Problemstellung reflexartig ein Marxscher
      Kapital&Arbeit-Konflikt unterstellt wird.
      Zum Pudels Kern: Auf dem Altar, auf dem in Amerika geopfert wird, steht
      die Grundüberzeugung: “Wenn du es wirklich willst, dann kannst du es
      schaffen und du bist der selbstverantwortliche Besitzer deines Erfolges.
      Wenn du es nicht schaffst, so hast du es nicht richtig gewollt und du
      bist daher auch selbst schuld an deinem Versagen.”
      Und wer ist dann an dem schleichenden Niedergang der USA als
      Gesellschaft bzw. als Nation schuld? Jared Loughner hatte “Das
      kommunistische Manifest” von Marx, “Mein Kampf” von Hitler und “Alice im
      Wunderland” von L. Carroll gelesen und ist anschließend zu dem kirren
      Schluss gekommen, dass eine Frau Gifford dafür die Verantwortung trägt,
      sprich: der Attentäter hat Null Ahnung was eigentl. Sache ist und
      leidet, wie seine restlichen Landsleute auch, zudem unter einer
      erheblichen ideologischen Betriebsblindheit, die man defakto nur durch
      große Distanz zur Sache heilen kann.”

      Die Verneinung des Machtanspruchs lasse ich mal aussen vor. Allerdings
      der Kern des Pudels ist meiner Meinung nach ganz hervorragend
      ausformuliert. Sowie der Hinweis auf Null Ahnung was eigentlich Sache
      ist, und das daraus resultierende leiden an ideologisch bedingter
      Betriebsblindheit.
      Ich teile auch die Einschaetzung, das eine Heilung von innen heraus eher
      ans Unmoegliche grenzt.
      -
      Wenn man sich fragt, was dahinter steckt bin ich fuer mich zu dem Schluss gekommen, dass es hiermit zu tun hat:

      http://motherjones.com/politics/2011/02/income-inequality-in-america-chart-graph

      Und auf der europaeischen Seite des Atlantiks u.a. hiermit:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke
      http://www.berliner-zeitung.de/archiv/ein-whos-who-der-politik-und-wirtschaft,10810590,9990036.html
      Zitat:
      “Um eine Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke bewirbt man sich nicht, man wird dazu aufgefordert. So mag die Zahl von 360 Mitgliedern gering erscheinen, ihr Einfluss aber gilt als bedeutend. Die Atlantik-Brücke wird unterstützt von allen großen deutschen Unternehmen. Die Namensliste des Vorstands und Kuratoriums liest sich wie ein Who s who der Politik und Wirtschaft. Und auf der anderen Seite des Atlantiks engagieren sich nicht weniger einflussreiche Gesprächspartner. “Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben”, sagt der Vorstands-Chef der Atlantik-Brücke, Arndt Oetker.”

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

    • Weltenbrand - 23. Februar 2012

      @ georg

      Die ganze Projektreihe hindurch ging es immer um das mikroölonomische Herunterbrechen des makroökonomischen Hurras.

  • HAJO - 23. Februar 2012

    Ein herrliches Post, das gut zu meinem Gastbeitrag passt:

    http://www.rottmeyer.de/wo-bleibt-der-dollar/