USA: heftiges unbereinigtes Handelsbilanzdefizit im Mai

von am 11. Juli 2012 in Allgemein

Heute berichtete das U.S. Census Bureau die Daten zum US-Außenhandel für den Monat Mai 2012. Der Fokus bei den berichteten Außenhandelsdaten liegt immer auf dem Handel von Waren, Gütern und Dienstleistungen und auf den saisonbereinigten Daten. Die Nachricht des Tages dazu lautete: “US-Exporte steigen leicht an. ….Das US-Handelsbilanzdefizit hat sich im Mai auf 48,7 Milliarden Dollar verringert.” So z.B. beim Handelsblatt. Saisonbereinigt stiegen die Exporte von Waren, Gütern und Dienstleistungen im Mai 2012 um +0,2% zum Vormonat auf 183,092 Mrd. Dollar. Die saisonbereinigten Importe sanken um -0,7% zum Vormonat, auf 231,776 Mrd. Euro. Das saisonbereinigte Handelsbilanzdefizit sank auf -48,684 Mrd. Dollar! Die alte Defizitkonjunktur bleibt aber weiter voll intakt. Wegen der besseren Vergleichbarkeit konzentriert sich auch dieser Beitrag auf die unbereinigten Daten nur bei Waren und Gütern, wie sie bei den meisten Außenhandelsdaten aus anderen Ländern im Fokus stehen. Hier sieht die Lage gerade in Bezug auf das Defizit deutlich düsterer aus:

 

Die Entwicklung des unbereinigten (Original/Rohdaten) Exportvolumens (blau) und des unbereinigten Importvolumens (rot) in Mrd. Dollar bei Waren und Gütern seit Januar 1987 im Chart.

Im Mai 2012 stieg das Exportvolumen bei Waren und Gütern (blau) auf 131,508 Mrd. Dollar, nach 127,411 Mrd. Euro im Vormonat. Zum Vorjahresmonat (124,000 Mrd. Dollar) stieg das Exportvolumen um +6,05% an. Das unbereinigte Importvolumen stieg im Mai 2012 auf 198,616 Mrd. Dollar, nach 189,577 Mrd. Dollar im Vormonat. Zum Vorjahresmonat (188,852 Mrd. Dollar) stiegen die Importe um +5,17% an. Das unbereinigte Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern stieg im Mai 2012 wieder an und bleibt atemberaubend:

Das monatliche unbereinigte US-Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern seit Januar 1987 im Chart. Im Mai 2012 wuchs das Defizit auf -67,8108 Mrd. Dollar, nach -62,165 Mrd. Dollar im Vormonat und nach -64,852 Mrd. Dollar im Vorjahresmonat.

Das chronische Handelsbilanzdefizit seit Januar 1987 kumuliert sich bis Mai 2012 auf ungeheure 9,861 Billionen Dollar (Originaldaten). Niemals wird die Welt ein realwirtschaftliches Äquivalent für den negativen Saldo aus gelieferten Waren und Gütern bekommen. Das US-Imperium zehrt weiter von der Weltleitwährungsfunktion und vom ungebrochenen privaten Kapitalzufluss in die USA, der es ermöglicht diese absurden Defizite zu finanzieren. Gerade im Windschatten der Eurozonenkrise laufen die US-Defizitkonjunktur und deren Finanzierung sogar ausgesprochen gut, obwohl sich die US-Probleme nicht wirklich besser darstellen.

Die Hauptungleichgewichte sind wie jeden Monat sehr leicht zu lokalisieren. Zunächst der Blick auf den Handel von Waren und Gütern mit China:

Die Entwicklung des unbereinigten Exportvolumens bei Waren und Gütern (blau) nach China und des Importvolumens (rot) aus China in Mrd. Dollar seit Januar 1985 im Chart. Im Mai 2012 stiegen die Exporte von Waren und Gütern der USA nach China auf 8,899 Mrd. Dollar. Die Importe aus China stiegen auf 34,942 Mrd. Dollar.

Das unbereinigte monatliche Handelsbilanzdefizit der USA im Handel mit China seit Januar 1985 in Mrd. Dollar im Chart. Im Mai 2012 stieg das Defizit auf -26,5043 Mrd. Dollar, nach -24,555 Mrd. Dollar im Vormonat und nach -24,945 Mrd. Dollar im Vorjahresmonat.

Im abgelaufenen Gesamtjahr 2011 kumulierte sich das Handelsbilanzdefizit mit China auf -295,456 Mrd. Dollar, nach -273,063 Mrd. Dollar 2010. Von Januar bis Mai 2012 kumulierte sich ein Handelsbilanzdefizit zu China von -117,657 Mrd. Dollar, nach -106,781 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum, dies entsprach einem Anstieg von +10,2%.

Von Januar 1985 bis Mai 2012 kumuliert sich ein Defizit im Handel von Waren und Gütern mit China von -2,789 Billionen Dollar!

Das zweite Problemfeld sind die Ölimporte der USA, allein im Mai 2012 wurde Rohöl im Volumen von 29,384 Mrd. Dollar importiert:

Die Entwicklung der monatlichen Rohölimporte in Millionen Barrel täglich (blau) und des entsprechenden Importvolumens in Mrd. Dollar (rot) seit Januar 1990 im Chart. Im Mai 2012 wurde in einem Volumen von durchschnittlich 8,784 Millionen Barrel täglich Rohöl importiert. Die Rechnung dafür betrug 29,384 Mrd. Dollar.

Noch zu einem kleineren, aber ebenfalls chronischen Problem:

Die Entwicklung des unbereinigten Exportvolumens bei Waren und Gütern (blau) nach Deutschland und des Importvolumens (rot) aus Deutschland in Mrd. Dollar seit Januar 1985 im Chart. Im Mai 2012 stiegen die Exporte von Waren und Gütern aus den USA nach Deutschland marginal auf 4,226 Mrd. Dollar. Die Importe aus Deutschland stiegen auf 9,131 Mrd. Dollar.

Das unbereinigte monatliche Handelsbilanzdefizit der USA im Handel mit Deutschland seit Januar 1985 in Mrd. Dollar im Chart. Im Mai 2012 stieg das Defizit auf -4,905 Mrd. Dollar, nach -4,588 Mrd. Dollar im Vormonat und nach -3,182 Mrd. Dollar im Vorjahresmonat.

Von Januar 1985 bis Mai 2012 kumuliert sich ein Defizit im Handel von Waren und Gütern mit Deutschland von -705,038 Mrd. Dollar! Aus der Sicht Deutschlands ist dieser Überschuss weit weniger dramatisch, als die Ungleichgewichte (Überschüsse) aus dem Handel mit den Partnern in der Eurozone. Denn anstelle von Target2 Forderungen, kumuliert man hier Dollar-Bestände, schlechtesten Falls angelegt in US-Staatsanleihen, aber selbst mit diesen Staatsanleihen wurden Kursgewinne generiert und während man mit Dollar (Weltleitwährung) auf jeden Fall nicht nur Rohstoffe jeder Art auf dem Weltmarkt kaufen kann, wird im Gegenzug für eine Target2 Forderung kein Tropfen Öl dieser Welt geliefert. Auch sind die USA trotz unhaltbarer Handelsbilanz- und Leistungsbilanzdefizite weit von einer Zahlungsbilanzkrise entfernt, so wie sie sich in der Südperipherie der Eurozone darstellt. Währungsreserven in Dollar, US-Staatsanleihen, aus den Exportüberschüssen mit den USA, wie auch die Target2 Forderungen aus den Exportüberschüssen und der massiven Kapitalflucht aus der Südperipherie fließen in das Nettoauslandsvermögen (NIIP) Deutschlands ein.

Die Entwicklung der unbereinigten Leistungsbilanz seit Q1 1960 bis Q1 2012 in Mrd. Dollar. In Q1 2012 betrug das Leistungsbilanzdefizit -110,858 Mrd. Dollar, nach -117,952 Mrd. Dollar im Vorquartal und nach -95,318 Mrd. Dollar im Vorjahresquartal.

Seit Q1 1982 bis Q1 2012 kumuliert sich ein Leistungsbilanzdefizit von -8,772 Billionen Dollar! Das chronische Leistungsbilanzdefizit wirkt sich natürlich auch negativ auf den Vermögensstatus der USA aus:

Die Entwicklung des Vermögensstatus (Net International Investment Position (NIIP)) der USA seit 1976 bis 2011 auf in Mrd. Dollar im Chart. In 2011 stieg die Nettoauslandsverschuldung der USA auf -4,030250 Billionen Dollar und damit aber auf immer noch vergleichsweise moderate -26,7% des nominalen BIPs.

Das NIIP setzt sich zusammen aus dem Vermögensstatus aller Sektoren der Volkswirtschaft, so der öffentlichen Haushalte, von Privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen, den Monetary Financial Institutions (MFIs) und der Zentralbank. Das NIIP reflektiert den Saldo der Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten und damit die Vermögenssituation aller Sektoren eines Landes und weist ein Nettoauslandvermögen oder eben auch Nettoauslandsschulden aus. Die Veränderungen des Saldos resultieren aus der Leistungsbilanz, aber auch aus der Entwicklung der finanziellen Vermögenswerte und der finanziellen Verbindlichkeiten.

Bisher gelang es den USA aus dem globalen Finanzkasino Vermögen zu generieren, so dass das chronische Leistungsbilanzdefizit nicht vollends in die Steigerung der Nettoauslandsverschuldung aufschlug. Dies misslang 2011 anscheinend ordentlich, denn 2011 kam es zu einem fulminanten Anstieg der Nettoauslandsverschuldung auf -4,030250 Billionen Dollar, nach -2,473599 Billionen Dollar 2010! Der Schub wurde ausgelöst durch stark steigenden Auslandsverbindlichkeiten aus denen von Ausländern in den USA erworbenen Vermögenstiteln. Die Auslandsverbindlichkeiten stiegen von 22,772012 Billionen Dollar in 2010 auf 25,162620 Billionen Dollar in 2011, während die Auslandsforderungen nur von 20,298413 Billionen Dollar im Jahr 2010 auf 21,132370 Billionen Dollar im Jahr 2011 anstiegen.

Quellen Daten: Census.gov/Portal: US International Trade Data, Bea.gov/Portal: Balance of Payments (International Transactions) and International Investment Position

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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