USA: Rekord bei Not in Labor Force

von am 6. April 2012 in Allgemein

Wieder einmal bestätigt der heutige US-Arbeitsmarktbericht für den Monat März 2012, die hier im Blog vertretene Position zur Qualität des US-Jobwunders! In der Relation zum Bevölkerungszuwachs im erwerbsfähigen Alter gibt es kein Jobwunder, sondern ein Verharren auf Krisenniveau. Boomen tut dagegen weiter die Zahl derer, die im Arbeitsmarktbericht in Not in Labor Force (Stille Reserve) verschoben werden und praktischer Weise bei der Ermittlung von Arbeitslosenquote und -zahl keine Rolle spielen und dies ist primär ein Wunder der Statistikverzerrung durch das Bureau of Labor Statistics (BLS). Saisonbereinigte +333’000, Erwerbsfähige ab 16 Jahre, landeten im März 2012 im Vergleich zum Vormonat  in der Rubrik  Not in Labor Force, also bei den Erwerbsfähigen die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht zur Verfügung standen, zum Vorjahresmonat waren es sogar +2,289 Millionen. Mit saisonbereinigten 87,897 Millionen in Not in Labor Force wurde ein neues Allzeithoch markiert!

Die Zahl der saisonbereinigten, dem Arbeitsmarkt nicht zu Verfügung stehenden Erwerbsfähigen ab 16 Jahre (Not in Labor Force – Stille Reserve), seit Januar 1990 im Chart! Im März 2012 wurde ein neues Allzeithoch mit 87,897 Millionen Erwerbsfähigen erzielt, die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht zur Verfügung standen. Not in Labor Force ist das Wachstumssegment im US-Arbeitsmarktbericht und dient eindeutig zur Verschleierung der wahren Situation am US-Arbeitsmarkt! In der Rubrik Not in Labor Force befanden sich im März 2012 54,585 Millionen Erwerbsfähige im Alter zwischen 16 und 64 Jahren.

Die Erwerbsquote (Civilian Participation Rate) legt offen, wie es wirklich um den US-Arbeitsmarkt steht. Das Civilian Participation Ratio dokumentiert das Verhältnis von Erwerbsfähigen ab 16 Jahren (Civilian Noninstitutional Population) und denen, die davon dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen (Civilian Labor Force):

Die saisonbereinigte Erwerbsquote (Civilian Participation Rate) aus Civilian Labor Force Level (Erwerbsfähige, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen) und dem Civilian Noninstitutional Population Level (erwerbsfähige Bevölkerung ab 16 Jahre) sank im März 2012 auf 63,8% und liegt nur 0,1 Prozentpunkte über dem 29-Jahrestief aus Januar 2012! Im März 2012 standen 154,707 Erwerbsfähige dem Arbeitsmarkt zur Verfügung bei 242,604 Millionen Erwerbsfähigen im Alter ab 16 Jahre  (Verhältnis: 63,8%). Die Differenz aus Noninstitutional Population Level – Civilian Labor Force Level sind die 87,897 Millionen in Not in Labor Force.

Das saisonbereinigte Civilian Employment-Population Ratio, im Chart seit Januar 1948, also das Verhältnis der Beschäftigten (Employment Level) zur erwerbsfähigen Bevölkerung (Civilian Noninstitutional Population Level) sank im März leicht auf saisonbereinigten 58,5%. Der Juli 2011 markierte mit 58,1% den tiefsten Stand beim Civilian Employment-Population Ratio. Eine wirkliche Erholung sieht anders aus. Im März 2012 standen 142,034 Millionen Beschäftige 242,604 Millionen Erwerbsfähigen im Alter ab 16 Jahre gegenüber  (58,5%).

Dieser Chart zeigt die Entwicklung der Civilian Noninstitutional Population (also alle Erwerbsfähigen ab 16 Jahre  – blau), zu den Beschäftigtenzahlen (rot), jeweils unbereinigt und im Vergleich zum Vorjahresmonat. Während die erwerbsfähige Bevölkerung im März 2012 um +3,604 Millionen anstieg, nahm die Zahl der Beschäftigten nur um +2,450 Millionen zum Vorjahresmonat zu. Der Chart seit Januar 1960 zeigt, dass der Zuwachs an Beschäftigung auch auf dem Niveau des Zuwachses der erwerbsfähigen Bevölkerung und sogar darüber liegen kann und nur dann könnte man von einem Jobboom reden!

 Denselben Sachverhaltes, nur statt im Vergleich zum Vorjahresmonat als absolute Entwicklung, zeigt diese visuelle Darstellung:

Die Entwicklung der erwerbsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population Level – blau) und der Beschäftigtenzahlen (rot) jeweils in Millionen mit den unbereinigten Daten seit Januar 2000 bis März 2012. Seit 2000 ist die Zahl der Erwerbsfähigen ab 16 Jahre um 30,027 Millionen angestiegen, die Zahl der Beschäftigten nur um +4,521 Millionen.

Die Entwicklung der saisonbereinigten Beschäftigtenzahlen (Employment Level-rot) und der unbereinigten Beschäftigtenzahlen (blau) seit Januar 2000, gemäß den Household Data im Chart. Die saisonbereinigten Beschäftigtenzahlen (rot) sanken im März leicht um -31’000 zum Vormonat auf 142,034 Millionen. Die unbereinigten Originalzahlen zu den Beschäftigten (blau) stiegen, wie meist im März, um +728’000 zum Vormonat auf 141,412 Millionen.

Die Headlines im Mainstream reflektieren diese wichtigen Details nicht, dort liegt der Fokus eher auf der saisonbereinigten Arbeitslosenquote und die sank im März auf 8,2%, nach 8,3% im Vormonat. Nur wie sie zustande kommt interessiert nicht. Deshalb hier die Berechnungen von Arbeitslosenquote und -zahl zum Nachvollziehen:

Civilian Noninstitutional Population Level (Erwerbsfähige ab 16 Jahre/ 242,604 Mio.) = Civilian Labor Force Level (154,707 Mio.) + Not in Labor Force (87,897 Mio.)

Zur Berechnung der offiziellen Arbeitslosen ist aber nur der Civilian Labor Force Level (Erwerbsfähige die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen) und der Employment Level (Beschäftigungsstand) relevant.

Unemployment Level (Arbeitslosenzahl/ 12,673 Mio.) = Civilian Labor Force Level (154,707 Mio.) – Employment Level (142,034 Mio.)

Unemployment Rate (Arbeitslosenquote/ 8,2%) = Unemployment Level (12,673 Mio.) im Verhältnis zum Civilian Labor Force Level (154,707 Mio.)

Es ist also besonders günstig für die Ermittlung der Arbeitslosenquote und-zahl, wenn bei wachsenden Erwerbsfähigenzahlen, (Civilian Noninstitutional Population Level) von +169’000 zum Vormonat, die Zahl derjenigen die angeblich davon dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stand (Not in Labor Force) wie im März um +333’000 zum Vormonat stieg. Denn damit kann auch die  Arbeitslosenzahl (Differenz) fallen, selbst bei gesunkenen Beschäftigtenzahlen, da der Civilian Labor Force Level als Minuend um -164’000 zum Vormonat fiel und der Subtrahend der Beschäftigungslevel um -31’000, fällt die Zahl der Arbeitslosen um -133’000 und damit die Quote um -0,1 Prozentpunkte zum Vormonat.

Dies waren bisher alles Daten aus der Haushaltsbefragung. Die Household Data werden an Hand einer Umfrage des Census Bureaus bei 60’000 Haushalten für das Bureau of Labor Statistics (BLS) ermittelt, es werden die Daten zu den Erwerbsfähigen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, zum Stand der Beschäftigung, sowie die Zahl derer die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen erhoben! Die Household Data haben einen “expansiveren Anwendungsbereich”! Expansiv steht dafür, dass bei den Household Data alle über 16 Jahre erfasst werden, Arbeitnehmer, auch die in der Landwirtschaft, unbezahlte mithelfende Familienangehörige, Selbstständige, Arbeitnehmer in privaten Haushalten, Unterbeschäftigte und Arbeitnehmer, die in der Umfrage angeben im unbezahlten Urlaub zu sein.

Der US-Arbeitsmarktbericht beruht aber noch auf einer anderen zweiten Datenerhebung, den Establishment Data. Die Establishment Data messen den Stellenaufbau/abbau außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payroll Employments). Diese Daten werden direkt vom Bureau of Labor Statistics (BLS) bei ca. 400’000 Unternehmen aus über 500 Wirtschaftszweigen abgefragt. Die Daten zur Beschäftigung der abgefragten Unternehmen reflektieren ca. ein Drittel der lohnabhängigen Beschäftigten in den USA.

Diese Daten zum Stellenaufbau/ abbau stehen ebenfalls stark im medialen Fokus. Auch der im März 2012 berichtete Stellenzuwachs von saisonbereinigten +120’000 war genaugenommen schwach und lag deutlich unterhalb des Bevölkerungszuwachses. Mies war auch die zu Grunde liegende Qualität des Stellenaufbaus.

Im Chart der monatliche Stellenaufbau/abbau, Non-Farm Payroll Employments seit Januar 1985. Im März 2012 wurden 120’000 neue Stellen geschaffen, nach 240’000 im Vormonat.

Per Saldo sind seit der Beginn der Rezession im Dezember 2007 und der folgenden “Erholung” bis März 2012 immer noch 5,162 Millionen Stellen verloren gegangen. Aber es gibt nicht nur 5,161 Millionen Stellen weniger außerhalb der Landwirtschaft, als im Dezember 2007, sondern die Zahl der Erwerbsfähigen ab 16 Jahre ist seit dem um +9,448 Millionen angestiegen!

Die Entwicklung der saisonbereinigten Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (rot) und der unbereinigten Originaldaten bei der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (blau) anhand der Establishment Data seit Januar 2000 bis März 2012 im Chart. Im März 2012 stieg die Zahl der saisonbereinigten Beschäftigten um +120’000 zum Vormonat, auf 132,821 Millionen. Bei den unbereinigten Originaldaten kam es zu einem kräftigeren Stellenaufbau von +811’000 zum Vormonat auf 132,010 Millionen. Allerdings wie bereits geschrieben zum Dezember 2007, dem Beginn der damaligen Rezession sind immer noch saisonbereinigte -5,161 Millionen Stellen abhanden gekommen und unbereinigt -6,865 Millionen!

Wichtig bei der Beurteilung der Qualität der Establishment Data ist auch ein Blick auf den angeblichen Stellenzuwachs aus dem Net Birth/Death Model. Der unbereinigte Stellenaufbau aus dem Net Birth/Death Model der in die unbereinigten Total Nonfarm Employment Daten einfließt, wird vom Bureau of Labor Statistics überschätzt. Diese Daten beruhen auf eine fragwürdigen Schätzung der Beschäftigung aus neugegründeten und liquidierten Firmen, die immer aufs Neue, jedes Jahr im Januar  korrigiert werden muss (-339’000 im Jan. 2011, -427’000 im Jan. 2010, -356’000 Jan. 2009, -378’000 Jan. 2008). Zuletzt im Januar 2012 betrug die Korrektur -367’000.

Das Net Birth/Death Model generierte im März 2012 einen Stellenaufbau von 90’000.

Stellvertretend noch für den Stellenaufbau/abbau in den einzelnen Industriesektoren das Manufacturing (Verarbeitendes Gewerbe), auch hier hört sich die saisonbereinigte Headline erst mal gut an, +37’000 Stellen zum Vormonat, nur das Stellenniveau bleibt historisch betrachtet extrem niedrig:

Die Entwicklung der saisonbereinigten Daten zur Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe seit Januar 1941 im Chart. Im März 2012 stieg die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing) um +37’000 zum Vormonat auf saisonbereinigte 11,928 Millionen und lag damit weiterhin auf dem Level von 1941.

Die Entwicklung der saisonbereinigten Daten zur Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung außerhalb der Landwirtschaft seit Januar 1941 im Chart.  Im März 2012 betrug der Anteil der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe 8,98% am gesamten Beschäftigungsniveau außerhalb der Landwirtschaft.

An der langfristigen Fehlentwicklung, der Relation von wertschöpfenden industriellen Jobs zur Zahl der Staatsangestellten in Millionen hat sich auch bis März 2012 nichts signifikant geändert.

Im März 2012 fiel zwar die Zahl der Jobs bei Federal-, State- and Local Governments um weitere -1’000 Stellen auf 21,997 Millionen, dem standen aber nur 18,314 Millionen Jobs (+31’000 zum Vormonat) aus dem breit gefassten Goods Producing (Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd, Bergbau, Bauwirtschaft, Energie und Verarbeitendes Gewerbe) gegenüber! Nur beim Verarbeitenden Gewerbe  (Manufacturing) waren es 11,928 Millionen Beschäftigte, +37’000 zum Vormonat!

Das Missverhältnis in der Beschäftigungsstruktur angesichts des US-Handelsbilanzdefizits bei Waren und Gütern ist gewaltig. Im März 2012 gab es saisonbereinigte 132,801 Millionen Jobs außerhalb der Landwirtschaft, nur 18,314 Millionen Jobs kamen aus der breit  gefassten Industrie (Goods Producing) aber 114,507 Millionen aus dem Dienstleistungssektor (privat und staatlich).

Die Entwicklung der Beschäftigung im breiter gefassten produzierenden Gewerbe (Goods Producing – blau) und im gesamten US-Dienstleistungssektor (rot) seit Januar 1941 im Chart! Dieser Chart dokumentiert den unaufhaltsamen Weg in die Dienstleistungsgesellschaft, nur mit Dienstleistungen lässt sich allerdings das Defizit im Handel von Waren und Gütern in Höhe von kumulierten -726,712 Mrd. Dollar aus dem Jahr 2011 niemals schließen.

Auch der US-Arbeitsmarktbericht für März 2012 verdeutlicht klar und deutlich, es hat weder relevante Fortschritte beim Jobaufbau in der Relation zum Bevölkerungsanstieg gegeben noch bei der Struktur des Arbeitsmarktes.

Quelle Daten: PDF US-Arbeitsmarktbericht März 2012, Bls.gov, Bls.gov/Datenbank

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21 KommentareKommentieren

  • Bernd Rickert - 6. April 2012

    Bemerkenswert finde ich, dass die Beschäftigtenquote zur Bevölkerungsentwicklung während der Boomphase der Immobilienblase gerade mal gehalten wurde. Die vermutlich meist aus den 3-monatigen foodstamp-Programmen in den not in labour Cluster gefallenen Erwerbsfähigen steigen sogar während der Boomphase. Für eine Rückkehr in eine Beschäftigung sind die absoluten Zahlen von food-stamp-Beziehern zu hoch und die Zahl neuer Stellen zu gering.

  • Semperit - 6. April 2012

    OT : Spanien, gefunden auf FAZ heute – Schuldenkrise http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-spanien-wird-es-aus-eigener-kraft-schaffen-11709747.html

    „Spanien wird es aus eigener Kraft schaffen“ Wirtschaftsminister Luis de Guindos: „Was wir tun, ist absolut notwendig“

    Und nun zum Höhepunkt – >> 24 Prozent Arbeitslose, unter jungen Leuten sind es sogar mehr als 50 Prozent. Sind das reale Zahlen oder betrifft das etwa bei Jugendlichen nur diejenigen, die nicht in einer Ausbildung sind?

    Seine Anwort:
    “Es betrifft logischerweise nur diejenigen, die arbeiten wollen und keinen Job finden. Die fünfzig Prozent gelten also nur für den aktiven Teil dieser Bevölkerungsgruppe, nicht für Studenten oder für die Gesamtzahl.”

    Noch Fragen Kienzle? Nein, Hauser!

  • Frank Bell - 6. April 2012

    @Steffen

    Wie ermitteln die Amerikaner eigentlich die “discouraged workers”?

    Per Definition haben diese Personen die Arbeitssuche aufgegeben. (“not actively seeking employment or who does not find employment after long-term unemployment”, “has given up looking or has had no success in finding a job”)

    Die werden doch nicht beim Arbeitsamt anrufen und sagen “Hey, ich gebe die Arbeitssuche auf.”?

    Und wovon leben die? Von den Ersparnissen?

    • Ergo Sum - 7. April 2012

      Amerikanische Verhältnisse lassen sich wirklich schwerlich mit Europa vergleichen. Es gibt große Bevölkerungsteile, etwa die Schwarzen im Süden, oder die vielen Indianerstämme in allen Teilen des Landes, die zu “Not in Labor Force” zählen. Viele haben überhaupt nie im Leben eine Anstellung gehabt, welche man als Labor Force bezeichnen könnte, obwohl die meisten von ihnen zeitlebens unregistriert irgendwo arbeiten. Da es in den USA keinerlei Einwohnermeldepflicht gibt, können sie jahrelang als Gelegenheitsarbeiter im Land umherdriften. Millionen von illegal eingewanderten Mexikanern sind natürlich immer irgendwo beschäftigt, etwa als Erntehelfer oder im Weinbau, aber dennoch “Not in Labor Force”, und schicken das so verdiente Geld an ihre Familien in Mexiko. Auch schwarze oder mexikanische Putzfrauen und Dienstboten arbeiten in allen Teilen des Landes, fast ausnahmslos ohne sich je irgendwo anzumelden oder Steuern zu zahlen. Unter $ 10.000 zahlt man ja sowie keine Steuern.

  • Georg Trappe: - 7. April 2012

    Welche arrogante und aufgeblasenen Einstellung hinter dieser Entwicklung steckt zeigt dieses Zitat:
    “So, if you hear someone say something along the lines of ‘America needs higher productivity so that it can compete in today’s global economy,’ never mind who he is or how plausible he sounds. He might as well be wearing a flashing neon sign that reads:
    ‘I DON’T KNOW WHAT I’M TALKING ABOUT.’ ”
    Paul Krugman, Peddling Prosperity (1995 p. 280; emphasis in original).

  • Georg Trappe: - 7. April 2012

    Um das Maerchen von der Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft als einen ueblen Schabanak zu entlarven habe ich immer wieder darauf hin gewiesen, das man eine Horde von zig Affen im Kreis platzieren kann und ihnen eine 1$ Note gibt, die sie mit der jeweils kreisinneren Hand in sprichwoertlicher affenartiger Geschwindigkeit einander weiterreichen und so kreisen lassen, waehrend sie sich mit der kreisaeusseren Hand gegenseitig den Buckel kratzen.
    So entsteht ein eindrucksvolles BIP, was in seiner Hoehe ausschliesslich von der Geschwindigkeit des Herumreichens der Banknote und dem face value dieser Banknote abhaengig ist.
    Zur Mittagspause, wenn der Magen anfaengt zu knurren, bricht es aber regelmaessig zusammen, denn dann werden die Artgenossen von der realwirtschaftlichen Fraktion herangepfiffen und gebeten die Bananen abzuliefern, die sie eingesammelt haben. Zur Belohnung duerfen diese dann nach dem Lunch auch mal im Kreis mit sitzen und fuer einen Moment sich den Ruecken kratzen lassen und die Hand an die Banknote legen.

    • Georg Trappe: - 7. April 2012

      Ich vergass. Nach dem Lunch und der kurzzeitigen Teilnahme am Buckelkratzenreigen werden die Realos selbstverstaendlich wieder in den Wald geschickt aka z.B. Target2 Debatte. Doch dann erschallt ein langer Schrei und durch die “Kueche” rollt ein Ei. Moral von der Geschicht. Halbe Eier rollen nicht.

      Frohe Ostern
      Georg Trappe

  • Georg Trappe: - 7. April 2012

    Ach ja, bei der Nacharbeit zu Hajo’s Artikel ueber das Dienstleistungs-Surplus der USA in ihrer Leistungsbilanz und der Frage, was sind denn das fuer tolle Dienstleistungen, die da Milliarden an Royalties, Lizenzgebueheren etc. einbringen, fiel mir noch Hollywood und diese interessante Infografik ein:

    http://matadornetwork.com/change/infographic-why-the-movie-industry-is-so-wrong-about-sopa/

    SLE wird da auch sicher seinen Spass dran haben.

  • M.E. - 7. April 2012

    Hallo ergo sum,
    illegale mexikanische Einwanderer erscheinen in keiner offiziellen US-Statistik, auch nicht in “not in labor force”.

    Und das extreme Wachstum der nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Personen lässt sich nicht durch Indianerstämme oder nomadisierende Schwarzarbeiter erklären.
    Das ist ein Instrument zur Aufhübschung der Arbeitslosenstatistik. Und das kann theoretisch so lange fortgestzt werden, bis 100% not in labor force sind. Man hat ein statistischen Wohlfühl-Perpetuum-Mobile kreirt.

    Dass “not in labor force” in dem Maße ansteigt, wie auch die Gesamtbevölkerung ansteigt, ist ja plausibel. Aber nicht in dem Maße, wie es die Statistik vorgaukelt.

  • Querschuss - 7. April 2012

    Hallo ergo sum,
    was für ein armseliger Kommentar, ein Minimum an Qualität der Kommentare wäre nicht zu viel verlangt! Das traurige daran, es gab sogar schon zustimmende Kommentare von einer ähnlichen Qualität. Für so ein Niveau steht Querschuesse nicht zur Verfügung! Ich recherchiere auch bevor ich schreibe und brauche mehrere Stunden für einen Artikel wie “USA: Rekord bei Not in Labor Force”!

    Die Haushaltsbefragung (Current Population Survey (CPS)) in den USA wird vom Census Bureau im Auftrag des BLS durchgeführt. Befragt werden 60’000 Haushalte, es werden KEINE Fragebögen versendet, auch keine E-Mails und auch Online findet die Befragung nicht statt. Sondern es werden persönliche Interviews durch einen Besuch von Mitarbeitern des Census Bureau beim ausgewählten Haushalt durchgeführt, in Folge dann Telefoninterviews.
    Die Befragung richtet sich nach dem Inländerkonzept, man muss also einen festen und ständigen Wohnsitz (Adresse) haben. Schon bei einem Umzug wird der befragte Haushalt ausgetauscht.
    Befragte Haushalte werden zunächst vier Monate hintereinander befragt, dann setzen die Befragungen acht Monate aus und danach wird wieder vier Monate hintereinander interviewt. Mittels dieses Vier-acht- vier-Verfahren wird sichergestellt, dass 75% der Stichprobe zum Vormonat identisch sind und verglichen zum Vorjahr 50%.

    Schon die bisherigen Fakten zeigen klar, „das Illegale und umherdriftende Gelegensheitsarbeiter“ wie du meinst keinerlei Rolle bei den Arbeitsmarktdaten spielen.

    Die gesamte erwerbsfähige Bevölkerung ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population Level) wird anhand der Volkszählung, alle zehn Jahre, ermittelt und für den Zeitraum dazwischen geschätzt, mit Hilfe von administrativen Daten über Geburten, Sterbefälle und Schätzungen über die legale Nettomigration. Nichts wird einem Illegalen wichtiger sein als bei der Volkszählung (Cenus) nicht entdeckt zu werden, ansonsten war es das mit dem Aufenthalt in den USA.

    Auch bei den Establishment Data (Current Employment Statistics (CES)) aus der Datenerhebung direkt bei 400’000 Unternehmen, eh meist große, die ca. ein Drittel aller Beschäftigten in den USA abbilden, dürften Illegale keine Rolle spielen, denn für Schwarzarbeit Illegaler werden mit Sicherheit keine Sozialabgaben abgeführt und auch Lohnüberweisungen auf Konten Illegaler dürfte in Ermangelung der Möglichkeit ein Konto zu eröffnen unmöglich sein.

    Auch deine Indianer-Begründung liefert keine Stichhaltigkeit für den steilen Anstieg in Not in Labor Force auf knapp 88 Millionen! Diese Gruppe dürfte recht statisch sein und schon lange in Not in Labor Force vertreten sein. Im Übrigen ist der Bevölkerungsanteil der Indianer verschwindend gering mit knapp zwei Millionen Indianern in den USA.

    Solche Kommentare tun echt weh. Trotzdem schöne Ostern

    @ Frank Bell,
    die discouraged workers werden wie oben beschrieben in der Haushaltsbefragung ermittelt. Wer angibt innerhalb der letzten 4 Wochen keinen Job gesucht zu haben, landet in der Rubrik discouraged workers, die zur erweiterten breiten Arbeitslosenquote aus U-6 zählt. Befragte die angeben seit über 1 Monat keinen Job zu suchen landen automatisch in Not in Labor Force und spielen bei der Ermittlung von Arbeitslosenquote und –zahl keine Rolle.

    Gruß Steffen

    • Frank Bell - 8. April 2012

      @ Steffen: Danke für die Auskunft. In Deutschland bekäme man höllischen Ärger mit dem Arbeitsamt oder gar der ARGE, wenn man dies so klar sagt.

      Schöne Ostertage und vielen Dank für diesen tollen Blog. Ich schätze ihn als Informationsquelle sehr, auch wenn ich manchmal erstaunt reagiere.

  • Marco - 7. April 2012

    Super ausgearbeitet, wie immer.
    Großes Lob!

    Nur ein Kleinigkeit:
    “Aber es gibt nicht nur 5,161 Millionen Stellen weniger außerhalb der Landwirtschaft, als im Dezember 2007, sondern die Zahl der Erwerbsfähigen ab 16 Jahre ist seit dem um +9448 Millionen angestiegen!”

    Die + 9448 Millionen sind vielleicht auch für ein so großes Land wie die USA ein bisschen sehr viel ;-)

    Frohe Ostern!

    Marco

    • Querschuss - 7. April 2012

      Hallo Marco,
      da fehlte ein Komma, es sind natürlich 9,448 Millionen.

      Gruß Steffen

      • Andres Müller - 8. April 2012

        Aha Querschüsse, das passt ja gut zu der Meldung: “10,5 Millionen arbeitende US-Bürger müssen mit weniger als 10.830 Dollar im Jahr auskommen”.
        http://derstandard.at/1333528656233/Arm-trotz-Arbeit-Mehr-Working-Poor-in-den-USA

        Dies sei die höchste Quote seit mindestens zwei Jahrzehnten.
        Die Zahlen beziehe sich auf das Jahr 2010.

        Im Jahr 2010 ist es denn ja auch wo die Erwerbskurve wieder etwas nach Oben dreht. Ich bin sicher dass mit der Einführung des 50 Cent Stundenlohns alle wieder Arbeit haben, spätestens im Knast bei Sheriff Joe Apaio

        Eine merkwürdige Zivilisation, die derart abstruse Gefängnisstrukturen produziert.
        http://www.youtube.com/watch?v=JXc0MdbOSJ4&feature=related
        http://www.youtube.com/watch?v=cNqr3urhV2w&feature=relmfu

        Unfassbar, nur selten dringt die Berichterstattung über die Zustände nach aussen, Abu Ghraib war kein Zufall und kein Versehen, es ist die moderne USA. Unter diesem Aspekt sind Statistiken über Arbeitslosenzahlen lediglich ein kleines Stück Eis über der Wasserberfläche, das an sich nch nichts darüber aussagt wie und unter welchen Bedingungen in den USA Arbeit generiert wird.

  • hunsrückbauer - 7. April 2012

    ich frage mich, wieso 46 Mio. “food-stamper” und insgesamt 88 Mio. vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossene so ruhig bleiben oder gehalten werden, dass es nicht längst zu inneren Unruhen im großen Stil gekommen sein müßte. Die SU Regierung scheint sich aber darauf vorzubereiten. Das Pentagon sieht wohl in dem Heer an Ausgeschlossenen ein willkommenes Rekrutierungspotenzial für das große Finale des $-Imperiums. USrael ist nicht zu besiegen, aber es kann sich von innen heraus zersetzen. Das beginnt es gerade.

    • Georg Trappe: - 8. April 2012

      Die Frage warum sich in den USA bei einer derart hohen Zahl von Betroffenen nichts ruehrt, ist eine sehr berechtigte Frage. Die Antworten, die ich gefunden habe sind.
      1. Calvinismus und “amerikanischer Traum”.
      Auf dem Altar auf dem in den USA geopfert wird steht mit grossen Bustaben:
      “Du kannst es schaffen und wenn du es nicht schaffst, bist du selber schuld.”
      2. Eine durch das mediale Trommelfeuer vollkommen verzerrte Selbstwahrnehmung. Den meisten Amerikanern sind die Fakten einfach nicht bekannt. Ein Artikel wie der obige wuerde von vielen als antiamerikanische Propaganda abgelehnt.
      3. Politisch aeusserst geschickte Kanalisierung der Unzufriedenheit in die Teebeutel Bewegung. Die US Neocons haben es tatsaechlich geschafft, dass die Betroffenen die Verschaerfung der Massnahmen fordern, die ihnen die Misere eingebracht haben.
      4. Paralyse der verbleibenden progressiven Kraefte durch eine Illusion von Demokratie. Die wenigsten progressiv denkenden Amerikaner haben erkannt / sind in der Lage anzuerkenen, dass in ihrem land ein stiller Coup statt gefunden hat
      http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2009/05/the-quiet-coup/7364/
      und auch die Demokraten nur Marionetten der 1% sind.
      https://rwer.wordpress.com/2012/03/15/toxic-and-destructive-goldman-sachs-and-the-obama-administration/
      5. Das US Wahlrecht (Mehrheitswahlrecht) und das Zweiparteiensystem.

  • dada - 7. April 2012

    “Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast”
    (Winston Churchill zugeschrieben)

  • Haunebu - 9. April 2012

    @ Querschuss

    Was mich nochmal interessieren würde währe bei den zweistellig wachsenden Automobilverkäufen in den USA der dortige Automobilproduktionsindex.
    Kannst du diesen Chart Aktuell darstellen? Bzw. wurde er Aktualisiert? Der letzte den ich sah war vom September 2011.
    Währe mal spannend ob diese steigende nachfrage die eigene industrie ankurbelt.

  • Georg Trappe: - 9. April 2012

    @Steffen, Hajo, SLE
    In diesem Artikel und dem zu Grunde liegenden Harvard Business Review sind eine Reihe interessanter Daten zum Verhalten der US Multinationals enthalten.
    Viel Spass beim Lesen:
    http://www.project-syndicate.org/commentary/are-us-multinationals-abandoning-america-

  • ö.ä. - 9. April 2012

    Hiermal ein kurzer Artikel über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit weltweit:

    “Berlin (BoerseGo.de) – Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) befürchtet eine neue Zeitbombe auf die Weltgemeinschaft zukommen – die grassierende Arbeitslosigkeit. Nach Einschätzung der UN-Organisation wird die weltweite Zahl der Arbeitslosen im laufenden Jahr von derzeit 200 auf 204 Millionen steigen und im Folgejahr 2013 um weitere fünf Millionen zulegen. Dies geht aus einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ (Dienstag) hervor. Die dramatische Lage vor allem in Südeuropa werde zu sozialen Unruhen führen, sagte Vize-Generaldirektor Guy Ryder der Zeitung.

    Die Welt habe sich noch nicht von der Finanzkrise erholt, derzeit gebe es immer noch 27 Millionen mehr Arbeitslose als vor der Krise, sagte Ryder. Zähle man die Stellenlosen dazu, die in keiner Statistik auftauchten, liege das Plus sogar bei 56 Millionen Arbeitslosen seit 2008.

    Besonders brisant sei das Thema Jugendarbeitslosigkeit. In Griechenland und Spanien etwa habe die Hälfte der unter 25-Jährigen keinen Job. „Das ist eine Zeitbombe mit einem großen zerstörerischen Potenzial“, so Ryder. Es bestehe die Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren. Weltweit liege die Jugendarbeitslosigkeit bei 12,7 Prozent, mit steigender Tendenz.”

    Quelle: http://www.boerse-go.de/nachricht/ILO-rechnet-mit-weltweiter-Rekordarbeitslosigkeit,a2800595.html

    • Andres Müller - 9. April 2012

      Arbeitslosigkeit alleine ist es ja auch nicht, wie es scheint ist auch Arbeit kein Garant mehr seinen Lebensunterhalt damit decken zu können, es kommt auch wieder vermehrt zu Kinderarbeit. Würde man die Arbeitslosenstatitik so bereinigen dass nur Menschen aufgenommen werden die mit Arbeit vollständig ihren Lebensunterhalt begleichen können, würde die Kurven wohl noch prekärer aussehen.