USA: schwache Daten vom Immobilienmarkt

von am 27. März 2012 in Allgemein

Wie Standard & Poor’s (S&P) heute mitteilte, waren die S&P/Case-Shiller Home Price Indices, mit die wichtigsten Preisindizes zur Messung der Preisentwicklung am US-Wohnimmobilienmarkt, in den 10 größten Städten der USA, im Januar 2011 um -3,86% zum Vorjahresmonat gesunken und beim 20-City Composite war ein Rückgang von -3,78% zum Vorjahresmonat zu verzeichnen. Damit bleiben die Immobilienpreise weiter schwach, saisonbereinigt ging es beim 10-City Composite um gebremste -0,13% zum Vormonat abwärts und beim 20-City Composite ging es marginal um -0,04% zum Vormonat abwärts.

Im Chart die prozentuale Veränderung der Häuserpreise in den 10- und 20 größten Städten, im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Die saisonbereinigten Indizes zu den Großraum-Regionen beim 10-City Composite seit Januar 1987 (blau) und beim 20-City Composite seit Januar 2000 (rot) im Chart.

Der saisonbereinigte 10-City Composite sank im Januar 2012 um -0,13% auf 149,43 Indexpunkte und generiert damit einen neuen Tiefstand seit dem Platzen der Immobilienblase und notiert auf dem tiefsten Stand seit Juni 2003. Der 20-City Composite fiel um -0,04% auf 136,60 Indexpunkte und damit auf den tiefsten Stand seit Januar 2003. Seit dem Hoch im April 2006 mit 226,93 Indexpunkten sind die Preise beim 10-City Composite um -34,15% eingebrochen und beim 20-City Composite, seit dem Hoch im April 2006 um -33,9%. Die Indizes zeichnen die nominale Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien nach.

Noch etwas beeindruckender sind die Charts der Großraumregionen mit den größten Preiseinbrüchen:

Die saisonbereinigten nominalen Immobilienpreise im Großraum Las Vegas (blau) fielen auch im Januar 2011, seit dem Hoch im April 2006 um unglaubliche -61,79%.  In Phoenix (rot) und Miami (grün) ging es erstmals wieder leicht aufwärts. In Phoenix sanken die Peise um -54,83% und in Miami um -50,69 %, jeweils zum Hoch aus Mai 2006! In Las Vegas war der Preisrückgang am stärksten, dort notierten im Januar 2012 die nominalen Immobilienpreise auf dem tiefsten Stand seit November 1996.

Auch die Daten des Census-Bureau vom 23.03.2012, zu den Neubauverkäufen von Wohnimmobilien in den USA, für Februar 2012 zeigen nichts Positives. Im Februar sanken die  Neubauverkäufe auf 313’000 verkauften Wohneinheiten auf das Jahr hochgerechnet (SAAR), nach 318’000 verkauften Einheiten im Vormonat. Das Niveau des verkauften Volumens bleibt historisch betrachtet erbärmlich:

Die Entwicklung der New Home Sales (SAAR) seit Januar 1963 im Langfristchart. Zum Allzeithoch im Juli 2005 mit 1,389 Millionen verkauften Wohneinheiten brachen die Verkäufe bis Februar 2012 um -77,47% ein!

Besonders brachial erscheint weiter dieser Kollaps bei den Neubauverkäufen am US-Immobilienmarkt vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung:

Die Entwicklung der Neubauverkäufe in der Relation zu je 10’000 Einwohnern seit Januar 1963 im Chart. Im Februar 2012 wurden je 10’000 Einwohnern nur 9,98 Wohneinheiten (SAAR) verkauft, beim Hoch im Juli 2005 waren es 46,9 Wohneinheiten und im langfristigen Durchschnitt von 1963 bis 2007 immerhin 28,6!

Nimmt man den Blick weg von der SAAR-Basis, auf das Jahr hochgerechnet und saisonbereinigt, und sieht direkt auf die Originaldaten bei den Neubauverkäufen in 2011, dann war Land unter. Im Jahr 2011 wurden mit 306’000 Wohneinheiten, nach 323’000 Wohneinheiten 2010, so wenig Wohnimmobilien verkauft wie noch nie seit 1963:

Die Entwicklung bei den unbereinigten Originaldaten der Neubauverkäufe auf Jahresbasis seit 1963 im Chart.

Letztlich wurde bisher kein Problem am US-Immobilienmarkt gelöst. Weiterhin koppelt der Preisverfall negativ auf das Vermögen der privaten Haushalte zurück, nach wie vor steht eine immense Zahl an Hypotheken “unter Wasser”, dies bedeutet, der Wert der Immobilie liegt unter dem Wert der ausstehenden Hypothek. Die Summe aller faulen Hypothekenkredite in den Portfolios der Banken ist ungebrochen hoch und auch auf den Arbeitsmarkt koppelt die anhaltende Miesere am Bau negativ zurück.

Die FED veröffentlicht vierteljährlich eine umfassende Aufstellung der Vermögen und Verbindlichkeiten der USA “Flow of Funds Accounts”, in der sich auch der Preisverfall der Immobilienpreise in den Immobilienvermögen der privaten Haushalte widerspiegelt:

Die Entwicklung des Immobilienvermögens der privaten Haushalte in den USA seit Q1 1952 bis Q4 2011. In Q4 2011 sank das Immobilienvermögen der privaten Haushalte auf 15,964 Billionen Dollar. Zum Allzeithoch in Q4 2006 mit 22,711 Billionen Dollar betrug der Einbruch -29,71%.

Das Volumen der ausstehenden Hypotheken sank dagegen wesentlich geringer:

Die Entwicklung des ausstehenden Hypothekenvolumens der privaten Haushalte seit Q 1952 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 betrug das ausstehende Hypothekenvolumen 9,841 Billionen Dollar. Zum Hoch in Q1 2008 betrug das ausstehende Hypothekenvolumen 10,617 Billionen Dollar. Der Abbau der privaten Hypothekenschulden betrug nur -7,31%.

Zieht man vom Immobilienvermögen die Hypothekenverbindlichkeiten ab, erhält man das Nettoimmobilienvermögen der privaten Haushalte, welches sich demzufolge wesentlich kritischer entwickelt:

Die Entwicklung des Nettoimmobilienvermögens der privaten Haushalte in den USA seit Q1 1952 bis Q4 2011. In Q4 2011 sank das Nettoimmobilienvermögen der privaten Haushalte auf 6,123 Billionen Dollar. Zum Allzeithoch in Q1 2006 mit 13,522 Billionen Dollar betrug der Einbruch satte -54,72%.

Noch ein Chart zum Anteil des Immobilienvermögens, der den privaten Haushalten wirklich gehört:

Die Entwicklung des Anteils des Immobilienvermögens, welches den privaten Haushalten gehört (Nettoimmobilienvermögen) am gesamten Wert des Immobilienvermögens seit Q1 1952 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 sank der Anteil auf 38,36%, zum Hoch am Beginn der Datenreihe im 1. Quartal 1952 betrug das Owners’ Equity 80,56%. Seit dem ging es stetig bergab, was schön illustriert, dass der vermeintliche wirtschaftliche Erfolg des Kapitalismus und seine implizierten Verwerfungen primär auf exzessiver Kreditexpansion beruhen.

Quelle Daten: Standardandpoors.com/Portal: S&P/Case-Shiller Home Price Indices, Census.gov/Portal: New Home Sales, Federalreserve.gov/Flow of Funds Accounts

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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16 KommentareKommentieren

  • dank - 28. März 2012

    Warum konnte die USA sich das alles unter anderem leisten
    http://www.welt.de/finanzen/article12668190/USA-schulden-China-deutlich-mehr-Geld-als-bekannt.html
    und warum jetzt nicht mehr:
    http://www2.chinadaily.com.cn/opinion/2012-02/23/content_14672918.htm
    Zusatzantwort: No Chinese Bail Out for Europe.
    Zu Recht, die haben sich mit dem Dollar schon eine blutige Nase geholt.

  • Georg Trappe: - 28. März 2012

    @dank
    Vielen Dank fuer die guten und interessanten Hinweise.
    Insbesondere der Artikel in Chinadaily ist glasklar! und wert daraus zitiert zu werden.
    “And while I know that any investment has risks, I hope you will try to ensure our money does not evaporate. We have already been snared in a “dollar trap”. You are not legally obliged to ensure our investment safety. But surely you don’t want to be seen as luring China into a “euro trap”. We have suffered huge losses from holding US Treasury bonds because of the unrestrained printing of the greenback. As Nobel Prize-winning economist Paul Krugman has pointed out, the dollar depreciation will result in losses of up to 20-30 percent of China’s investment in US bonds. That’s the reason we have sought to divert our investment in a basket of currencies other than the US dollar.”
    Was der Chinese leider auch nicht oder nur zum Teil verstanden hat, weil ihm dabei ein kultureller Unterschied im Weg steht, ist die Tatsache, dass bei uns massive Konzentrationsprozesse die Faehigkeit und die Mittel den eigenen Backyard aufzuraeumen in die Haende Weniger gelegt hat. Das kann er nicht sehen, weil dieses Probem so in seinem Land noch! nicht in dem Ausmass existiert. Diejenigen die die Mittel in der Hand haben verweigern sich bei uns aber ihrer Verantwortung. Wuerden sie mit gutem Beispiel voran gehen, dann bin ich sicher, dann wuerde auch die breite Bevoelkerung die Aermel hoch krempelen, noetige Haerten in Kauf nehmen und mit Begeisterung den angerichteten Schlamasel bei Seite raeumen. Die Eliten versagen aber. Und zwar total. Sie glauben immer noch mit Taschenspielertricks und Huetchenspielen den durch die US Finanzoligarchie angerichteten Schaden verstecken und “irgendwie” nach unten verteilen zu koennen.
    Das geht nicht!
    Man braucht Nuernberger Prozesse um die schlimmsten Verbrecher aus dem Verkehr zu ziehen und so mindestens den Ansatz von Gerechtigkeit wieder herzustellen und dann einen Marshall Plan, der Alle! chancengleich und gerecht am Projekt “Aufraeumen” beteiligt.
    Aus chinesischer Perspektive ist dieses sich selbst blockieren nicht zu verstehen. Es ist ja auch vollkommen absurd. Ich denke, um es zu verstehen, muss man erst Teil des Systems gewesen sein und dann den Schritt heraus schaffen und sich zum Beispiel in ein Schwellenland wie China oder aehnlich versetzen. Denn dann faellt es einem wie Schuppen von den Augen. Und wir koennten den Menschen in China und den anderen Schwellenlaendern helfen, indem wir sie vor dieser fatalen Wirkung der Troika der neoliberalen Denkfehler warnen. Die Falle besteht aus einem wirklich teuflischen Trio Infernal:
    1. Konzentrationsprozesse auf allen Ebenen die letztendlich Kompetenz und Motivation von den Mitteln abtrennt.
    2. Deflationaerer Druck ausgeloest durch staendige Produktivitaetssteigerungen und gleichzeitig dadurch voranschreitende Ausgrenzung von Arbeit und breiter Teilhabe an den Fortschritten.
    3. Uebertuenchung der der daraus entstehenden Probleme durch exzessive Kreditexpansion bis weit ueber den Punkt an dem das System kippt und in den Deadlock geraet, der offenbar nur noch durch sehr einsichtige und verantwortungsvolle Eliten oder aber Revolution aufgeloest werden kann.

    Die Loesung, damit soetwas garnicht erst entstehen kann, sehe ich in Richtung dezentraler Strukturen und extrem flacher Hirachien in Verbindung mit Eigentums- und Akkumulationsrechten, die auf Lebenszeit begrenzt sind. Das wuerde die Motivation, die von der Moeglichkeit zur Eigentumsbildung ausgeht und die befruchtende Wirkung von Wettbewerb aufrecht erhalten, die exezissiven Konzentrationsprozesse aber unterbinden. Ob man die Hoheit ueber die Geldschoepfung dann privaten Geschaeftsbanken und einer “unabhaengigen” Zentralbank ueberlassen kann, weiss ich nicht. Ich fuerchte nicht, denn der “Unfug”, den man an dieser Stelle betreiben kann, ist viel zu verheerend, als das man dieses machtvolle Instrument dem demokratischen Konsens guten Gewissens vorenthalten koennte. Ob ich Schritte in eine solche Richtung noch erleben werde, weiss ich nicht. Auch in China ist man davon leider meilenweit entfernt.
    .
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    • Bernd Rickert - 28. März 2012

      Behemoth und Leviathan

      Zum Wiederaufbau nach einem Systemzusammenbruch ist der Kapitalismus meines Erachtens das erfolgreichste System. Dadurch sind die notwendigen Anreize zur Wohlstandsbildung geschaffen und es wird Kapital akkumuliert um Wirtschaftsstrukturen aufzubauen.
      Nach dem Aufbau 20-30 Jahre später ist das Glas voll und die negativen Folgen der Kapitalakkumulation nehmen Überhand. Die gleichen vormals hoch geehrten und notwendigerweise brutalen Gründer und ihre gleichgeschalteten Nachfolger schaden dem Volkswohl mehr als das sie ihm nützen. Die allg. Erklärung der Menschenrechte, viele Verfassungen und ähnliche Konventionen gestehen dem Individuum zwar ein Recht auf Eigentum zu, ein Recht auf “ich will alles” ist jedoch eine pervertierte, sinnentfremdete Auslegung.

      Ein Lösungsansatz wäre m.E. eine absolute Vermögensobergrenze gekoppelt an eine Familienplanung und Erbregelungen, die wieder zu mehr vertikaler Fluktuation in der Bevölkerung führt. Hierzu wäre eine ehrlich geführte Diskussion um Lebensqualität notwendig.

      Gruss

      • Georg Trappe: - 29. März 2012

        Gute Ideen! und tiefe Einsichten. Leider ist eine konstruktive Diskussion Dank behaupteter Alternativlosigkeit des eingeschlagenen Weges nahezu unmoeglich geworden.
        Das belegt den Wandel von Demokratie zu Plutokratie.
        Der zivilisierte Weg die Tyrannei des Exzesses aufzuheben wird damit verbaut.
        Und das von den angeblich besten Koepfen der Gesellschaft.
        Die Chance, die in dieser Krise liegt, wird aus Kurzsichtigkeit, Ignoranz gegenueber geschichtlichen Erfahrungen, unwissenschaftlichem Verhalten im Mainstream einer sog. Wissenschaft, die Wirtschaft zum Thema hat, seit 5 Jahren vertan.
        Im obigen Kommentar habe ich von der Bereitschaft zur Akzeptanz von Haerten geschrieben. Ich denke, es gibt ein grosses Potential an Gestaltungswillen und Faehigkeit in breiten Kreisen, das es als einen Befreiungsschlag empfinden wuerde, wenn es sich durch eine ehrliche Zuwendung zu den realen Problemen entfalten koennte.
        Solange aber die Behebung eines “Buchhaltungsfehlers” und die Restauration von Vorkrisenzustaenden die politische und wirtschaftliche Vision ist, bleibt dieses Potential nicht nur ungenutzt sondern blockiert und zwar aus gutem Grund.

        Gruss zurueck

  • M.E. - 28. März 2012

    Die Preisentwicklung in den Städten Phoenix und Las Vegas nimmt die zukünftige Entwicklung voraus.
    Denn beide Städte wird es in annähernd der heutigen Form in 30 bis 40 Jahren nicht mehr geben. (reichliche Schätzung)
    Infolge Versiegens des nach Luft zweitwichtigsten Lebensmittels: des Wassers.

    Und damit wird die gigantische Migrationsbewegung in die boomenden südwestlichen Bundesstaaten der letzten Jahrzehnte rückabgewickelt. In wenigen Jahrzehnten wuchs die dortige Bevölkerung um etwa 50 Millionen.

    Nur dass die kommende Massenmigration (übrigens nicht nur dort, sondern in manchen Ländern noch umfangreicher) ziemlich unkoordiniert und unter heftiger Gegenwehr der Zielregionen ablaufen wird.

  • Bernd Rickert - 28. März 2012

    Ein politisches Mittel der Schadensbegrenzung ist es einen grösseren Skandal durch einen kleineren zu decken und den kleineren als den grösseren zu verkaufen.
    Das grössere Problem sind nach meiner bescheidenen Meinung die Gewerbeimmobilien.

    Bei den Privatimmobilien sehe ich inflationsabhängig noch etwas Volumenverlust, das heisst Wertverfall, nach unten.

    Danke für den informativen Artikel

  • Johannes - 28. März 2012

    Iich werde immer hellhörig, wenn ohne offenkundig bedrohliche Vorwarnung von unseren Politclowns und Finanzakrobaten neue “Maßnahmen” zunächst angedeutet und dann vollzogen werden. Hinterher erfahren wir dann am Rande, daß man (wieder einmal) ganz tief in den Abgrund geschaut habe.

    So war es, als unser Merkel Hand in Hand mit Steinbrück versprach, für alle deutschen Spareinlagen zu bürgen und so war es, als die EZB begann, (vertragswidrig) Staatsanleihen zu kaufen. So war es, als (erneut vertragswidrig) die ersten Bürgschaften für die südeuropäischen Länder übernommen wurden (meine bescheidene Intelligenz verbietet es mir, von “Rettungsschirmen” zu schwafeln) und so war es auch, als die EZB im Dezember und dann noch einmal im Februar insgesamt eine Billion Euros gedruckt und an die Banken praktisch verschenkt hat. Es dreht sich einem der Magen um.

    Und jetzt? Jetzt plötzlich geben die Frau Bundeskanzlerin und mit ihr der Herr Finanzminister ihren bisherigen Widerstand auf, die Garantiesumme für Deutschland zu erhöhen und praktisch im gleichen Moment fordert die Chefin des IWF und der Vorsitzende der OECD eine (weitere) Billion.

    Die Fraktionen von CDU, CSU, SPD, Grünen und F.D.P. – zuvor hatten sie alle lauthals die bisherigen Summen als alleroberste Grenze bezeichnet – stimmen umgehend und ohne Murren zu und wollen uns auch noch weiß machen, man habe den eigenen Standpunkt gar nicht geändert.

    Die versammelte Presse zu guter letzt gibt, einer verblödeten Kuhherde gleich, wiederkäuend zum Besten, was die Kasper oben eintrichtern:
    Worte wie “Rettungsschirm, Brandmauer, Schutzwall und Ansteckungsgefahr” werden kritiklos ausgerülpst, als wäre es das Selbstverständlichste. Dabei haben all die genannten Begriffe nichts – aber auch gar nichts – mit dem zu tun, was uns beschäftigen sollte.

    Oder droht etwa eine Influenza?

  • Johannes - 28. März 2012

    Ach, daher weht der Wind.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824215,00.html

    Ich dachte mir doch gleich, daß es unter der Oberfläche (mal wieder) brodelt.

  • M.E. - 28. März 2012

    Hallo Johannes,
    ganz hervorragend ist dieser Artikel der Baseler Zeitung:

    http://blog.bazonline.ch/nevermindthemarkets/index.php/7324/die-wahre-bombe-liegt-in-spanien/

    Natürlich trifft das dort Geschriebene in noch stärkerem Umfang auf Großbritannien zu, mit seinen 500% gesamtgesellschaftlicher Verschuldungsrate, und mit Ausnahme des (dort nicht vorhandenen) chronischen Handelsbilanzdefizits auch auf Japan.

    Und prinzipiell natürlich auf alle anderen überdurchschnittlich verschuldeten Länder wie z.B. Frankreich oder die USA.

    • Ergo Sum - 28. März 2012

      @ M.E.:
      Vielen Dank für den interessanten Link. Wie der Artikel besagt, liegt der Großteil von Spaniens ungeheuren Billionenschulden “in der Hand ausländischer Gläubiger”. Er vergisst nur zu erwähnen, dass Deutschland bei weitem der größte Gläubiger Spaniens ist. Buenas noches!

    • Querschuss - 28. März 2012

      Hallo M.E.
      genaugenommen hatte ich / wir diese Erkenntnis schon im Februar 2009:

      http://www.querschuesse.de/spanien-boomt/

      Gruß Steffen

  • Ergo Sum - 28. März 2012

    Von einer US-Immobilienblase vorerst noch keine Spur, obwohl die Daten in jedem der 50 Bundesstaaten verschieden liegen. In Florida kaufen sich auf jeden Fall jede Menge Brasilianer ein, die von ihrem einmalig günstigen Wechselkurs profitieren. China tritt vorerst noch kaum in Erscheinung, ebensowenig wie Deutschland. Hingegen sind die Kanadier enorm aktiv. Vor allem die kanadischen Großbanken kaufen Schnäppchen. Eine davon hat jetzt bereits 3.000 Filialen in den USA, mehr als daheim in Kanada. Aber auch andere Branchen sind an der kanadischen “Übernahme” beteiligt. So kaufte z.B. der kanadische Immobilienriese Brookfield nicht nur diverse Wolkenkratzer am World Trade Center, sondern auch gleich eine ganze Siedlung mit 10.ooo nagelneuen, noch unbewohnten Siedlungshäusern in einer Vorstadt von Los Angeles.

  • M.E. - 28. März 2012

    Doch, ergo sum,
    steht im Artikel:

    “Dank den Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wissen wir auch grob, wo diese Gläubiger sitzen: 51 Milliarden Dollar an spanischen Schulden liegen demnach in Grossbritannien, 187 Milliarden in den USA, 224 Milliarden in Frankreich und 244 Milliarden Dollar in – surprise, surprise! – Deutschland. Ob Frau Merkel sich dessen bewusst ist?”

    Hallo Steffen,
    lass mir doch meine kindliche Freude, wenn ich mal einen besonders guten Artikel in einem kommerziellen Medium aufgestöbert habe.
    Kommt ja recht selten vor. Und sei es mit starker zeitlicher Verzögerung zu den Querschüssen.

    • Querschuss - 28. März 2012

      Hallo M.E.,
      lasse ich, keine Frage guter Artikel.

      Gruß Steffen

    • Georg Trappe: - 29. März 2012

      Es ist immer das Gleiche! Wenn es anfaengt Geld zu regnen, entstehen Zwangslaeufigkeiten, denen sich selbst erfahrene, stock solide Silberruecken nicht entziehen koennen. Ich bin damit das erstemal 97 im Rahmen der Asienkrise in Beruehrung gekommen und habe es dann Live und in Farbe waehrend der Entstehung der Dotcom Blase im Silicon Valley miterlebt. Und ich will nur eine beispielhafte Geschichte aus dieser Zeit hier zum Besten geben, um die Macht dieses fatalen Mechanismus zu illustrieren. Hewlett Packard war durch seine Gruender stock solide gefuehrt. Grow as you go. Finanzierung alleine aus den laufenden Umsaetzen. Die Banken hatten keine Chancen einen grossen, langfristigen Kredit abzuladen. Selbst wenn beim Ramp Up von sehr erfolgreichen Produkten die Finanzierung des Materials enge wurde und Kunden letztendlich zur Konkurrenz geschickt werden mussten, weil die Lieferzeiten dadurch lang wurden, gab es da kein Erbamen. Das hat Vertrieblern und Marketinglern manchmal die Traenen in die Augen getrieben. Der Gedanke dabei war, ein gesundes organisches Wachstum der Firma ist nur dann sicher gestellt, wenn diese Philosophie des “grow as you go” eingehalten wird. Nachdem die Gruender sich altersbedingt zurueck gezogen hatten und der “Zeitgeist” Einzug hielt, wurde diese Philosophie langsam aufgeweicht. Eine Prouktlinie in Deutschland, die Messgeraete fuer die optischen Kabel etc. entwickelte, produzierte und vermarktet, hatte in der Zeit von 1979 bis in die Mitte der 90er benoetigt um Ergebnisse der Grundlagenforschung in Produkte umzusetzen, die wirkliche Beitraege am Markt darstellten. Eine sehr muehsame, zaehe aber letztendlich erfolgreiche Arbeit. Das Dotcom Fieber traf diese Produktlinie wie ein Orkan. Von einem auf den anderen Tag konnten garnicht genug dieser Messgeraete geliefert werden. Alles wuchs explosionsartig. Kapazitaeten wurden ausgeweitet, Leute wurden eingestellt usw. usf. . Das, was ueber mehr als 15 Jahre langsam und solide gewachsen war, wurde durch diesen “Erfolg” aufs aeusserste belastet. Der Erfahrungsaufbau bei den Leuten war nicht mehr in dem Masse wie zuvor moeglich, das Ganze wurde sehr schnell und hektisch, mit der Folge das Qualitaet auf der Strecke blieb. Nicht nur die Qualitaet ausgelieferter Produkte, sondern die Qualitaet der ganzen Organisation, denn deren durchschnittliche Erfahrungszeit im Geschaeft sank. Dennoch war diese Produktlinie 2000 eine der “erfolgreichsten” gemessen am Gewinn pro Mitarbeiter im Konzern.
      2001/2002 wurden die zuvor mit grossem Aufwand schnell gelieferten Messgeraete z.T. palettenweise auf ebay im Graumarkt weit unter Listenpreis angeboten. Leute, die ein Jahr zuvor eingestellt worden waren, mussten entgegen der Firmenphilosophie entlassen werden usw. usf.. Die Produktlinie hat sich von dem bis heute nur meusam erholt. Und das Dank einem Finanzsektor, der die gesamte Internet Food Chain mit Geld geflutet hatte. Solide Manager mit jahrzehntelanger Erfahrung wurden auf Bilanzpressekonferenzen von sog. Analysten der Finanzbande mit den Fragen unter Druck gesetzt, Warum ist Euer Growth schwaecher als der Markt ? Ihr verliert Marktanteile! Bekommt ihr keine Stock Optionen?.
      Und auf diesem Weg wird von dieser Finanzbande ein Klima geschaffen, das die, die nicht mit machen, zu Loosern abstempelt und letztendlich rausdrueckt. Einer der nicht Internetaktien auf Pump kauft verpasst die Chance seines Lebens. Einer der nicht jetzt ein Haus auf Pump kauft ist dumm wenn er immer hoehere Miete zahlt und wer jezt nicht mit Hebel in Asien investiert ist…….
      Wenn sich die Meinung dieser Masters of the Univers dreht, dann werden die Manager die Leute eingestellt haben und nicht schnell genug wieder raus werfen zu einer Gefahr fuers Unternehmen, die Menschen die eine Hypothek aufgenommen haben und nicht mehr bedienen koennen weil sie arbeitslos werden, haben ubere ihre Verhaeltnisse gelebt und der, der Internetaktien nicht vor dem Hoehepunkt verkauft hat, wird zum verachteten Looser.
      Nur die Masters of the Univers sind bar jeder Verantwortung. Sie verrichten Gottes Werk in dem sie nach ihrem Gutduenken das Geld dort regnen lassen, wo es ihnen am besten gefaellt. Und sollte sich wirklich ein Manager verweigern, dann wird der naechste mit Stock Optionen gedopt. Und sollte eine Regierung tatsaechlich der Versuchung des “billigen” Geldes widerstehen, dann wird sie durch eine willfaehrige ausgetauscht in dem man Lobby und Medien entsprechend wirken laesst. Dann wird aus einer Krise des Finanzsystems eine Staatsschuldenkrise. Dann wird aus einer Krise mit Ursprung in USA eine Eurokrise.
      Und diese Verdrehungen und Umdeutungen werden kritiklos uebernommen. Und bleiben doch kritische Fragen im Raum stehen, werden sie in “Expertendebatten” von willfaehrigen Experten ertraenkt.
      Dieses Spiel heisst aber nicht Deutschland gegen Spanien!
      Es ist das Spiel einer vollkommen versagenden Elite gegen den “Rest” der Welt.
      Es ist die als alternativlos behauptete Tyrannei eines Exzesses, dessen Herz im Finanzsektor schlaegt. Die “Regenmacher” des Geldes sind diejenigen, die die Klimakatastrophe, gekennzeichnet durch verheerende Fluten und Duerren, im zentralen Lebensbereich Wirtschaft
      verursachen. Das sie in den vorherrschenden “Klimamodellen” der sog. Wirtschaftswissenschaften wenn ueberhaupt nur unzureichend erfasst sind, belegt, das diese sog. Wissenschaft gekauft ist. Gekauft z.B. durch einen Nobelpreis, den Nobel wahrscheinlich niemals gewollt hat. Gekauft durch “Philanthropen” wie Soros, die immer mehr als ein Eisen im Feuer haben, fuer den Fall, das die Welt doch erkennen sollte wie zynisch und zerstoererisch ihr Verhalten ist und war.
      Die Entwicklung eines Produkts, das relevanten Fortschritt liefert, benoetigt Zeit, die Entwicklung einer Firma benoetigt Zeit und die Entwicklung einer Volkswirtschaft erst recht. Das schnelle rein und raus von gigantischen Betraegen macht eine organische, langfristig tragfaehige Entwicklung unmoeglich. Es offenbart, das es garnicht um Entwicklung geht. Es ist unmenschlich. Es wirkt wie eine Abrissbirne.

  • Hajo - 31. März 2012

    Hier ein paar Links zum gewerblichen U.S. Immobilienmarkt:

    http://mit.edu/cre/research/credl/rca.html

    http://ublog.naiglobal.com/blog/2012/01/15/us-commercial-real-estate-market-year-in-review/

    http://www.propertywire.com/news/north-america/us-commercial-real-estate-201202296227.html

    http://www.washingtonpost.com/business/capitalbusiness/office-vacancies-and-construction-up-during-the-past-year/2012/01/04/gIQAPfOsjP_story.html

    Fazit: In 2011 kam es zu einer größeren Umverteilung bei gewerblichen Mietobjekten (Büros) von teueren Zentrallagen in billigere Lagen, die dort die Leerstände sinken ließen. In den großen Malls des Einzelhandels haben sich die Leerstände jedoch kaum reduziert. Neue Bürogebäude und Malls wurden jedoch nur wenige geschaffen.

    MfG
    Hajo