USA: TIC-Data März

von am 15. Mai 2014 in Allgemein

Heute veröffentlichte das US-Finanzministerium für März 2014 die Treasury International Capital Data, kurz TIC-Data – zu den Nettokapitalzuflüssen/abflüssen in Wertpapierinvestitionen, darunter auch die Daten zu den ausländischen Haltern von US-Staatsanleihen (Major Foreign Holders of Treasuries). Diese zeigen wie erwartet einen Abverkauf durch Russland, aber wie bereits in den letzten Monaten, das kleine Belgien hält dagegen, als drittgrößter US-Staatsanleihehalter in der Welt, gleich hinter China und Japan :)

Im März 2014 kam es laut dem US-Finanzministerium zu einem Nettokapitalabfluss bei Wertpapierinvestitionen (Staatsanleihen, Hypothekenverbriefungen, Unternehmensanleihen, Aktien) in Höhe von -126,107 Mrd. Dollar. Die Daten bleiben sehr volatil, aber in der Tendenz hat die USA zunehmend Probleme Kapital anzulocken.

Die TIC-Data zeigen nur die Wertpapierinvestitionen und nicht die Direktinvestitionen und auch nicht die Bank- und Handelskredite, trotzdem sind diese Daten sehr relevant, denn auch Nettokapitalzuflüsse in Wertpapiere müssen ihren Beitrag zur Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizit leisten. Um die Schwankungen und einzelne Ausreißer zu glätten, wurde hier wieder zum Mittel 12 Monate rollend gegriffen, also die letzten 12 Monate aufaddiert:

1aDie Entwicklung des Saldo Wertpapierinvestitionen, also der Käufe von Ausländern in den USA und von US-Bürgern (jeweils privat, wie offizielle Institutionen) im Ausland von Januar 1980 bis März 2014 als 12 Monate rollend im Chart. Als beim letzten Mal die Nettokapitalzuflüsse versiegten war Krise (Wirtschafts- und Finanzkrise).

Mit den -126,107 Mrd. Dollar an Nettokapitalabfluss im März 2014 neigt die 12 Monatssumme aufaddiert sichtbar zu einer gewissen Schwäche, in den letzten 12 Monaten kumulierte sich der Nettokapitalzufluss in “US-Wertpapiere” auf +163,914 Mrd. Dollar.

Interessant, mit den TIC-Data werden auch die größten ausländischen Halter von US-Staatsanleihen veröffentlicht. Auch im März 2014 war es wieder China mit nun 1272,1 Mrd. Dollar, nach 1270,9 Mrd. Dollar im Vormonat. Japan folgte mit +1200,2 Mrd. Dollar, nach 1210,8 Mrd. Dollar im Vormonat. Dann erklimmt weiter der neue Stern den Olymp der Major Holders von US-Treasurys Securities, ….Belgien, mit 381,4 Mrd. Dollar, nach 342,2 Mrd. Dollar im Vormonat. Belgien liegt jetzt deutlich vor den Karibischen Banken (Hedgefond-Paradiese und Sitz weiteren dubiosen Geldes).

Lächerlich, denn Belgiens wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gibt solche Dimensionen an Investments gar nicht her und warum dieser wahnwitzige Fokus auf US-Staatsanleihen. Alleine in den letzten 7 Monaten saugte Belgien +214,600 Mrd. Dollar an Staatsanleihen, als vorläufiger Höhepunkt stehen akkumulierte 381,4 Mrd. Dollar im März 2014, bei einem nominalen BIP 2013 in Belgien von 483,7 Mrd. Dollar!

Also ganz klar, hinter diesem Engagement steht unmöglich die belgische Volkswirtschaft selbst, sondern andere Vehicle, welche sich nur des belgischen Finanzplatzes bedienen oder eben eine offen manipulierte Statistik. Natürlich kommt auch ein FED-Vehicle selbst in Frage, welches aus der Druckerpresse über das Ausland Nachfrage nach US-Staatsanleihen generiert, nur dagegen spricht prinzipiell die Offensichtlichkeit, denn niemand mit Hirn würde Belgien als Major Holder auswählen. Anderseits, dieses System bewegt sich eben längst weit abseits jeglicher Rationalitäten, …..

1aDie größten US-Staatsanleihenhalter, gemäß den Daten für März 2014 des US-Finanzministeriums und die März-Daten der US-Staatsanleihen, welche die FED hält. China liegt mit 1272,1 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen deutlich hinter der FED, die mittlerweile 2311,5 Mrd. Dollar an Staatsanleihen als Aktiva in der Bilanz hält und damit der größte Gläubiger von US-Staatsschulden in der Welt ist.

1aDie Entwicklung des Volumens an US-Staatsanleihen auf Monatsbasis, gehalten durch China (blau) und durch die FED selbst (rot), in Mrd. Dollar im Chart.

1aDie Entwicklung des Volumens an US-Staatsanleihen, gehalten durch Russland (blau) und gehalten durch Belgien (rot) in Mrd. Dollar im Chart. Während aus Russland wie erwartet US-Staatsanleihen abverkauft werden, alleine -25,8 Mrd. Dollar nur im März, saugt Belgien (oder auch getarnte US-Vehicle über den Fiananzplatz Belgien) US-Staatsanleihen (+40,2 Mrd. Dollar nur im März), als wenn es kein Morgen gäbe. Wohl bekomms!  *=)) vor Lachen auf dem Boden rollend

Quelle Daten: Treasury.gov/Release TIC-Data, Treasury.gov/Major Foreign Holders of Treasuries, Federalreserve.gov/Releases/H41

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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23 KommentareKommentieren

  • JL - 15. Mai 2014

    Vermutlich ist Belgien nur der Parkplatz für die FED um die Anlehen selbst zurückzukaufen.

    http://finanzmarktwelt.de/neue-wunder-bei-us-staatsanleihen-2150/

    Wundern würde dies nicht. Die einen können keine Dollars mehr kaufen und die anderen wollen keine Dollars mehr haben.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Querschuss - 15. Mai 2014

      Hallo JL,
      durchaus denkbar, offiziell ist man im Tapering-Modus, inoffiziell shoppt die FED weiter US-Staatsanleihen wie zuvor, die Differenz via einem Vehicle in Belgien.

      • Nicolas - 15. Mai 2014

        So etwas könnte ich mir auch gut vorstellen. Wenn Belgien dann ausgeschöpft ist kann dann noch die Ukraine in die “Top Holders” aufsteigen :-D

  • Kaeufer - 15. Mai 2014

    Wer hat die Zeit in dieser Sache mal eine schriftliche Anfrage an die Bundesbank zu schicken? Als Gegenleistung gäbe es hier sicher viel Lob und Anerkennung ..

  • Rainer D. - 15. Mai 2014

    In Belgien ist der Sitz von Euroclear, dem grössten europäischen, wenn nicht gar weltweiten Wertschriften Clearing System zwischen Banken. Für wen das Haus die Wertschriften hält bleibt nur Euroclear und dem Eigentümer erschlossen.

    • JL - 15. Mai 2014

      Hallo Rainer D.

      Euroclear ist nur Mittler zwischen Verkauf und Kauf und kein Verwalter oder Halter von Anleihen. Siehe Link weiter oben.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • Querschuss - 15. Mai 2014

        Hallo JL,
        unabhängig davon das ich es nicht weiß, Wikipedia meint Euroclear verwaltet auch Wertpapiere?
        http://de.wikipedia.org/wiki/Euroclear

        • JL - 15. Mai 2014

          Hallo Steffen,

          Hier ein Auszug von nachfolgendem Link:

          „…Um dem Hinweis nachzugehen, riefen wir bei der Pressestelle von Euroclear an und bekamen folgende Auskünfte: Das Unternehmen fungiere als Mittler zwischen Käufern und Verkäufern (z.B. bei US-Staatsanleihen), stelle also gewissermaßen die Infrastruktur für die Abwicklung dieser Käufe bereit. Man sei wie in einem Haushalt gewissermaßen das Rohrleitungssystem, durch das das Wasser laufe, bevor es aus dem Wasserhahn komme…“

          http://finanzmarktwelt.de/belgien-und-us-staatsanleihen-laeuft-da-1061/

          Nach eigenen Angaben ist Euroclear also so eine Art „Rohrleitung“.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

          • Querschuss - 15. Mai 2014

            Hallo JL,
            mal angenommen die FED kauft über Euroclear im Volumen von vielen dutzenden Milliarden Dollar US-Staatsanleihen, welche Brisanz, würde die Pressestelle von Euroclear dies am Telefon finanzmarktwelt.de eröffnen?

            Ganz falsch scheint Wikipedia nicht zu liegen. Laut Jahresgeschäftsbericht von Euroclear 2013 verwaltet Euroclear auch Vermögenswerte: “Assets under custody grew by 5% to €24.2 trillion in 2013″.
            https://www.euroclear.com/dam/annualreport/Euroclear-plc-Annual-Report-2013.pdf
            PDF Seite 8

            Ich glaube nicht, dass es zum Selbstverständnis gehört die Namen und Summen derer, dessen Vermögen man verwaltet an die Öffentlichkeit zu geben. Aber wie auch immer, nur weil ich es gesehen habe, teile ich es mit, wichtig ist letztlich der Fakt, das eben Belgien selbst, nicht der Käufer der US-Staatsanleihen in diesem Umfang sein kann.

            Gruß Steffen

          • JL - 15. Mai 2014

            Hallo Steffen

            Natürlich kann Belgien diese Summen unmöglich stemmen aber Euroclear machts eben auch nicht in Summe. Bleibt also nur die EZB oder die FED.

            Mit freundlichen Grüßen

            JL

            • Querschuss - 15. Mai 2014

              Hallo JL,
              das ist klar, Euroclear selbst ist es nicht, sondern wenn, dann nur im Auftrag und als Verwalter von …?

              Gruß und einen schönen Restabend
              Steffen

  • JL - 15. Mai 2014

    Die Verkäufe legen doch eigentlich die Vermutung nahe, daß Dollars gegen Euros oder auch Rubel getauscht werden müßten. Und/ oder die Amerikaner verkaufen notgedrungen Gold.

    Wenn die Russen 20% ihrer Dollaranleihen verkaufen, muß doch irgendwo ein geldwerter Gegenwert mit einer entsprechenden Gesamtsteigerung statistisch bei denen dann auch erkennbar werden.

    http://www.onvista.de/devisen/Rubelkurs-EUR-RUB-EUR-RUB

    Der Wert des Rubels steigt also langfristig (gegenüber EUR). Und das der Euro ohne Not auch zulegen konnte (gegenüber US$) ist wohl auch bekannt.

    Damit hat das selbsttragende Verschuldungsmodell der Amerikaner vermutlich ein zunehmendes Problem. Wird der Dollar billiger ist dies gut für die Exportindustrie aber zunehmend schlecht für Anleger und umgekehrt.

    Egal was die Jungs dort machen, der Hammer trifft sicher den Daumen.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Andres Müller - 15. Mai 2014

      Politisch betrachtet ist die Lage relativ klar, Russland und China möchten die Vorherrschaft des US$ brechen, da eine solche Entwicklung auch von grosser militärischer Bedeutung ist. Dazu sind Bestrebungen im Gange in Asien Rohstoffe und andere Dinge in Euro und Rubel/Yan zu handeln. Hier würde den USA ein wesentlicher Zufluss aus dieser Region wegbrechen. Auf dem Verhandlungsweg kann kaum eine Lösung gefunden werden, weshalb nun latent der Geruch von Krieg in der Luft hängt. Ohne Unterlegung der Währungen Yuan und Rubel mit Edelmetallen wird das Unterfangen aus Richtung Shanghai nicht gelingen, am US$ wesentlich zu rütteln. Auch hier ist die Reaktion des Westens (USA) relativ vorausschaubar, ein Ansteigen der Rohstoffpreise müsste jetzt im eigenen Interesse verhindert werden, da China und Russland bereits eine Menge davon in eigenem Raum halten. Aber ohne heissen Krieg wird das langfristig für die USA nicht positiv herauskommen.

  • Andres Müller - 15. Mai 2014

    Das globalisierte Finanzsystem inzwischen jeglicher Währung wird über die US$-Staatsanleihen zusammen gekittet. Im Prinzip wirkt das wie ein gigantischer Pfropfen der wie in Tschernobyl die Radioktivität davon abhält auszutreten, hier aber faule Papiere und Schulden anderer Art unten in der Versenkung zurück hält. Die Aktivitäten der FED sind eine Art Spinnennetz um den virtuell enfesselten Fiat Money Bubble nicht platzen zu lassen.

    Was in Belgien geschieht ist, darüber lassen sich die eine oder andere Art Verschwörungstheorie aufbauen -Nur – eine davon wird stimmen, keine davon aber mit geringer Tragweite. Auch keine unpolitische Version aus meiner Sicht, welche die Milliarden in Belgien allzu lange festhalten könnte.

  • Kaeufer - 15. Mai 2014

    FT online vom 15. April: “Euroclear, which holds more than €22tn in assets under custody, confirmed that the volume of US Treasuries it holds had “gone up dramatically” in recent months.”

    Dies deutet darauf hin, dass ein Unbekannter immer mehr bei Euroclear verwahren lässt. Dabei könnte es sich auch um eine Auslagerung aus einer anderen Verwahrungstelle handeln.

    Um was handelt es sich?

  • Holly01 - 16. Mai 2014

    Hallo,
    Die Amis brauchten schon öfter Euronen und der Tausch wurde immer wieder als Dollarbeschaffung des Euroraums dargestellt.
    Ich würde auf die einzige Stelle tippen, die aktuell neues Volumen aufbaut.
    Der ESM ……….
    Man packt Euro vorne rein und switcht dann hinten auf Dollar Besicherung.
    Der ESM ist ja gegenüber niemandem auskunftspflichtig. Und man kann das Volumen auf 750 Mrd. hochfahren ohne einen Hebel zu benötigen.

  • Rolmag - 16. Mai 2014

    Ja, das ist spannend, wieso sich ausgerechnet Belgien mit Dollars vollpumpt. Als hätten die keine anderen Sorgen, wenn man durch Belgien fährt, sieht es an vielen Orten aus wie in der damaligen DDR.

    Eine Möglichkeit wäre, dass die USA der EU den Befehl erteilt haben, dass irgendeiner aus dieser Zone dran glauben muss und kauft.
    Bei der Eurorettung saß Obama auch mit am Tisch und hat die Merkel massiv im Sinne der Schuldenstaaten bearbeitet und vollumfänglich gewonnen.

    • Frank Bell - 16. Mai 2014

      @ Rolmag

      Die Orte mögen heruntergekommen aussehen, aber das ist nur in der Wallonie der Fall. Und Finanziell geht es den Belgiern ja noch gut.

  • Tratschtante - 16. Mai 2014

    Wenn die Presse nicht endlich für Aufklärung sorgt bleibt nur die Gerüchteküche.

    Bofinger hat so z.B. aus heiterem Himmel für den Ankauf von US Anleihen geworben. Die Begründung ist der Hammer “es gibt Zinsen” und der Euro wäre “zu hoch bewertet”. Das Beste daran er schimpft sich Wirtschaftsweiser und wird vom DE Steuerzahler finanziert.

    Auch soll Merkel geweint haben und dem Druck des Club Med sowie Obama nachgegeben haben “DEs Tafelsilber zu verpfänden” (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/13/mysterioes-warum-hat-angela-merkel-bei-euro-krisensitzung-geweint).

    Tja, dass gibt doch das richtige Bild ab. Obama bekommt wütende Anrufe aus China und die Europäer haben Probleme. Merkel wird hier nachgegeben haben und Obama den Kauf seines Anleihemülls gegen Hilfe bei der Eurokrise versprochen haben. Damit die Sache nicht auffliegt gibt es ja den ESM. Bofinger kann ja mal zwischenzeitlich die öffentliche Meinung abklopfen und die Sache “wissenschaftlich” legitimieren.

  • Rainer D. - 17. Mai 2014

    FED und EZB können es nicht sein ohne dass dies auffallen würde, denn deren ausgegebenen Geldsummen, gebucht in den Passiven, würden sich entsprechend erhöhen. Dasselbe gilt für alle anderen Notenbanken. Es müssen also entweder Banken, Hedgefonds, Special Purpose Vehicles, oder X-was (Instrumente und Vehikel werden heute ja am laufenden Band kreiert) sein. Das matchenscheidende wäre zu wissen, ob der/die Käufer der Titel dies ohne Hinterlegung von Sicherheiten tut/n? Normalerweise sind Staaten die einzigen Schuldner welche ohne Sicherheiten hinterlegen zu müssen, Geld am Markt aufnehmen können. Notabene nur so lange wie sie kein Geld mehr am Markt erhalten und das Flüssige mehr oder weniger direkt nur noch von den Notenbanken (entgegen allen bis dahin gültigen gesetzlichen Grundlagen) eingeflösst bekommen. Zurzeit ist mir nur ein Gläubiger bekannt, der auch bei Staaten auf Sicherheiten beharren kann: IWF. Aber dieser widerum publiziert seine Bilanzen, genauso wie der ESM.

    • Brigitte - 18. Mai 2014

      Wäre es möglich mir die letzte Bilanz des ESM zukommen zu lassen bzw. mir einen zielführenden Link hierzu zur Verfügung zu stellen?

  • Rainer D. - 18. Mai 2014

    IWF Financial Reports

    http://www.imf.org/external/fin.htm