USA: weiter über 46 Millionen Food Stamps Bezieher

von am 4. April 2012 in Allgemein

Laut den offiziellen Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) von Montag sank die Zahl der Food Stamps Bezieher im Januar 2012 leicht um -64’307, auf 46,449850 Millionen, nach 46,514157 Millionen im Vormonat. Diese nur gering sinkende Zahl wirft ein bezeichnendes Licht auf die miese Qualität der bisherigen wirtschaftlichen Erholung. Diese Daten reflektieren weiter die schwache Entwicklung am US-Arbeitsmarkt, die in der Summe nur einen Stellenaufbau unterhalb des Zuwachses der arbeitsfähigen Bevölkerung generiert und somit auch keine nennenswerte positive Auswirkungen auf die Zahl derjenigen ausstrahlt, die in Armut leben und auf staatliche Lebensmittelhilfen angewiesen sind.

Der Anstieg der Lebensmittelmarken-Bezieher auf Monatsbasis seit Januar 2000 im Chart. 46,449850 Millionen US-Bürger bezogen im Januar 2012 die moderne Version der Food Stamps, Lebensmittel per Kreditkarte für durchschnittliche 132,45 Dollar pro Person im Monat, auf Basis des staatlichen Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP).

Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Food Stamps Bezieher um -64’307 und im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg sie um +2,261976 Millionen! Seit 2000 erzielte die degenerierte US-Version einer Marktwirtschaft 29,4 Millionen neue Lebensmittelmarkenbezieher!

Im Januar 2012 betrugen die Kosten für das SNAP-Programm, ohne den Verwaltungsaufwand 6,152 Mrd. Dollar und diese lagen nur knapp unter dem bisherigen Allzeithoch aus September 2011 mit 6,263 Mrd. Dollar. Im Gesamtjahr 2011 kumulieren sich die direkten Kosten der staatlichen Armutsversorgung auf 72,994 Mrd. Dollar, nach 64,705 Mrd. Dollar 2010, nach 50,359 Mrd. Dollar 2009 und nach “nur” 34,608 Mrd. Dollar 2008.

Die Dunkelziffer der Bedürftigen könnte noch weitaus höher liegen. Denn um in den “Genuss” der Kreditkarten für Lebensmittelausgaben zu kommen, müssen arbeitsfähige Erwachsene zwischen 16 und 60 Jahren den Nachweis erbringen, dass sie Arbeit suchen und bereit sind bestimmte Arbeiten zu akzeptieren. Die Millionen entmutigten Arbeitnehmer, die aufgegeben haben einen Job zu suchen, fallen wie in der Arbeitslosenstatistik (U-3 komplett und bei der breiter gefassten Arbeitslosenrate U-6 nach einem Monat) auch bei SNAP durchs Netz. Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren ohne Kinder können generell nur maximal 3 Monate SNAP, innerhalb eines 36 Monatszeitraumes beziehen. Nahezu 76% der Lebensmittelmarken gehen an Familien mit Kindern, davon 61% an Kinder mit nur einem Elternteil. Als Voraussetzung für die Bedürftigkeit wird die offizielle Armutsgrenze herangezogen

Der medialen Erholung am US-Arbeitsmarkt zum Trotz, in der Realität liegt der Zuwachs der Beschäftigung deutlich unter dem Zuwachs der arbeitsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population) und damit gibt es keine wirkliche Entlastung bei der absoluten Zahl der Armen und Bedürftigen in den USA.

Die Entwicklung bei den unbereinigten Originaldaten der Civilian Noninstitutional Population und dem Employment-Level seit Januar 2000 bis Februar 2012 im Chart. Einem Anstieg der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ab 16 Jahre seit dem Jahr 2000 bis Februar 2012 von +29,858 Millionen, stand ein Anstieg der Beschäftigung von nur 3,793 Millionen gegenüber.

Diesen Sachverhalt zeigt auch das Employment-Population Ratio:

Das unbereinigte (Not Seasonally Adjusted) Civilian Employment-Population Ratio, im Chart seit Januar 2000 bis Februar 2012, also das Verhältnis der Beschäftigten (Employment Level) zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (Civilian Noninstitutional Population Level). In der Relation zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter gibt es keine Erholung am Arbeitsmarkt, sondern man verharrt auf Krisenniveau. Im Februar 2012 stieg das Civilian Employment-Population Ratio auf schlappe 58,0%, nach 57,8% im Vormonat.

Reloaded: USA: 99% der Einkommenbezieher 2010 faktisch ohne Einkommenssteigerungen, Schockierende Daten, Daten der Schande vom US-Census-Bureau

Quelle Daten: Fns.usda.gov/SNAP monthly

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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10 KommentareKommentieren

  • krisenfrei - 5. April 2012

    “Laut den offiziellen Daten … ”
    Steffen, du bist immer so korrekt.

    Eigentlich müsste es heißen:
    Laut den Lügen-Daten des US-Landwirtschaftsministerium …
    Aber was soll’s, wir haben uns ja schon an die Lügen gewöhnt.

  • dank - 5. April 2012

    Eigentlich ein Grund zur Freude, das nun 64.307 Menschen nicht mehr auf Lebensmittelmarken angewiesen sind – Moment?!; war da nicht noch etwas, wie von Steffen auch beschrieben – das Programm der Empfänger ist reglementiert?!??!
    Also wieder nichts mit Freuen über einen echten Fortschritt. Kann sein, dass in USA nun ~60.000 Menschen einfach schauen müssen wo sie bleiben… Die sind einfach aus der Stütze rausgefallen. Schande & Leider! :-(

    …und ich bin mir so was von sicher, dass alle Menschen aufstehen werden…

    Firmen und Staaten sind nur leere Hüllen, nur WIR füllen sie mit Leben.

    • Aber - 5. April 2012

      Bißchen lang, aber es lohnt sich:

      “Im Jahre 1941 bemerkte ein deutscher Beobachter eine bezeichnende Unruhe bei der
      jüdischen Bevölkerung Galiziens, als diese, unterbrochen von den Schocks der Tötungsaktionen, in “verzweifelter Nervosität” den Tod erwartete. Auch unter Juden, die sich außerhalb des Vernichtungsschauplatzes befanden, war eine passive Haltung zu beobachten. Als in den Jahren 1941 und 1942 die Massentötungen einsetzten, sahen Juden in aller Welt hilfslos zu, wie die jüdische Bevölkerung ganzer Städte und Länder verschwand…
      Gegen Einschränkungen richtete man Bittgesuche, gelegentlich sogar erfolgreich, sobald ein solcher Schritt jedoch scheiterte, trat unwillkürlich das Nachgeben an seine Stelle.
      Mit Nachgeben reagierten die Juden in den drastischsten Situationen und mit großer Ausdauer.
      Am 1. September 1614 überfiel in Frankfurt ein von einbem gewissen Vincenz Fettmilch angeführter Mob das Judenviertel, um zu morden und zu plündern. Zahlreiche Juden flüchteten sich auf den Friedhof.
      Dort drängten sie sich, in rituelle Totenhemden gehüllt, zusammen, beteten und warteten auf ihre Peiniger…
      Als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, kam das alte jüdische Reaktionsmuster neuerlich zum Tragen, doch diesmal führte es geradewegs in die Katastrophe. Die deutsche Bürokratie wurde durch jüdische Bittgesuche nicht gebremst… Unfähig auf Widerstand umzuschalten, erhöhte die jüdische Gemeinde ihre Kooperationsbereitschaft im Tempo der deutschen Maßnahmen, wodurch sie ihre eigene Vernichtung beschleunigte.
      Wie sich gezeigt hat griffen Täter wie Opfer auf jahrhundertealte Erfahrungen zurück.
      Die Deutschen taten es mit Erfolg, die Juden erlebten ein Desaster.” Auszug aus: Die Vernichtung der europäischen Juden von Raul Hilberg, S. 33ff

      “Am dritten Tag der Erkundungen -einem Sonntag- machte Colon (Kolumbus) sich auf, um eine Stelle sufindig zu machen, die zum Anlegen einer Festung geeignet war, und er fand unverzüglich eine Landzunge, die “zu einer Insel umgestaltet werden könnte” und von der aus man “mit einigen 50 Mann alle anderen niederhalten und zu allem zwingen könnte ” (Oktober 14.)… Wie ein Kind, das Soldat spielt, entdeckte Colon immer wieder mögliche Standorte für militärische Bauten in der Landschaft: am 5.November einen Seehafen für “ein kleineres Fort”…
      “befestigte Anlage”… “Errichtung einer Festung”…”Festung”… … ein Teil von ihnen (seiner Männer) würden zurückbleiben und nolens volens den ersten festen Stützpunkt des
      imperialistischen Unternehmens bilden müssen.. Colon gab den Befehl, eine Festung anzulegen, mit Turm und tiefem Graben; das aber, wie er weiter schreibt, “nicht etwa deshalb, weil ich der Ansicht war, daß diese Vorsichtsmaßregel den Eingeborenen gegenüber geboten schien.(…) Ich tat es deshalb, weil ich es für zweckmäßig hielt, diese Befestigung nach
      militärischen Erfordernissen zu errichten,…, und mit der Absicht, den Indianern die Tüchtigkeit der Untertanen Eurer Hoheiten vor AUgen zu führen und sie so Euren Hoheiten in liebevoller Ergebenheit fügsam zu machen…
      Später schrieb Fernando… wie die Männer auf Guadeloupe an Land gingen und “erbeuteten und zerstörten was sie fanden”, und er berichtete von einem Vorfall auf einer verlassenen Insel vor Espanola, bei dem sie “acht Seewölfe die im Sand schliefen”, erschlugen und “viele Vögel und Tauben (ohne Zweifel Möwen)” erlegten; “da nämlich jene Insel nicht bevölkert war
      und die Tiere keine Menschen kannten, ließen sie sich erschlagen”. Kein Wort davon, daß das Fleisch ihnen als Nahrung dienen sollte, es klingt eher so als hätten die Spanier nur ein sprotliches Vergnügen gesucht…”
      aus: Das verlorene Paradies, Christoph Kolumbus und die Folgen, Kirkpatrick Sale

      Anmerkung von mir: Auf Espanola lebten 1492 schätzungweise 8 Millionen Menschen. Nach nur ca. 20 Jahren lebten, nach offiziellen Zählungen (also alles abgesichert für unsere Bürokraten) noch 28000.

      “Wir erinnern uns. Die Moderne ist das Zeitalter artifizieller gesellschaftspolitischer Entwürfe, das Zeitalter der Planer, Visionäre – und “Gärtner”, die die Gesellschaft als jungfräulisches Stück Land auffassen, das unter fachmännischer Obhut zu bestellen und zu kultivieren ist.
      Der Ehrgeiz und die Anmaßung auf diesem Gebiet ist genzenlos. Aus der Sicht moderner Macht schienen die Möglichkeiten der “Menschheit” unbegrenzt, das Individuum hingegen “unvollkommen”, hilflos und korrekturbedürftig; die Vorstellung, Menschen könnten wie Pflanzen gestutzt, wenn notwendig ausgerottet, oder durch Zucht veredelt werden,
      galt weder als bizarr noch als moralisch verwerflich….
      Es sind die Phasen tiefgreifenden sozialen Umbruchs, in denen diese entscheidende Tendenz der Moderne wirksam wird, denn besonders in solchen Zeiten scheint die Gesellschaft gestaltlos “provisorisch”, unvollkommen und formbar, buchstäblich in Erwartung einer Utopie, die ein geschickter und talentierter Planer Wirklichkeit werden lässt.
      In solchen Zeiten scheint die Gesellschaft bar eigner Triebkräfte und Entwicklungstendenzen widerstandsloses Objekt des Gärtners der sie nach seinem eigenen Plan gestalten kann.
      Diese Kombination aus Formbarkeit und Ohnmacht übt eien Anziehungskraft aus, der nur wenige … widerstehen können…”
      aus: Dialektik der Ordnung von Zygmunt Bauman

      Die Opfer müssen sich ihrer Macht bewusst sein, sie dürfen sich nicht zum Opfer machen lassen. Sie müssen sich wehren. Sie müssen den Sadisten und Psychopathen etwas entgegensetzen und sie dürfen nicht schweigen.
      Die Opfer sind die Mehrheit.
      Und die Opfer dürfen nicht zu Tätern werden, sie müssen wissen daß sie überhaupt Opfer werden sollen oder sind.
      Und die Frage aller Fragen: Sind wir die Opfer oder die Täter? Global gesehen und überhaupt und sowieso.

      • dank - 6. April 2012

        @Aber
        Danke.

        Global gehören wir zu den Tätern, im eigenen Land zu den Opfern.

        Viele Menschen sind sich schon lange nicht mehr ihrer Macht bewusst – jeder einzelne davon hat die Macht, die für Veränderungen benötigt wird und dazu befähigt. Aber das Gefühl regt sich meist erst, wenn eine kritische Masse an Menschen erreicht wird (“Wir sind das Volk!”). Oder wenn es zu Ereignissen oder Einschnitten kommt, die zu einem Fluchtverhalten in die Richtung Trotz und Wut (“Jetzt erst recht”) führt – da ists dann vorbei mit dem Frieden in den Straßenfluchten . Siehe
        - Schwabinger Krawalle
        - Erschießung von Benno Ohnesorg
        - Selbstverbrennungen zu Anfang des Arabischen Frühlings
        - Rentner-Selbstmord in Athener Park
        …um nur einige zu nennen. In allen Fällen folgte auf den Fuß ein Erstarken des Mutes und der Macht einzelner – einige müssen einen Schritt weiter laufen und weiter gehen, damit sich andere auch folgen trauen.
        Im Feb (12.02.2012) hat in GR nur ein kleiner Funke gefehlt – in London wars im Aug 2011 – in Oakland im Okt 2011 – in Barcelona Sept 2010, März 2012 – Dublin Nov 2010.
        Sollte es in einem Land einreißen und nicht “niedergeschlagen” werden, ist eine Ausbreitung und Übergreifen auf andere Länder in ähnlicher Lage sehr wahrscheinlich.
        In meinen Augen zwingen die Herrschenden die Masse dazu, sich so zu verhalten. Ganz bewusst, sag ich hier nicht den Einzelnen – denn im Prinzip kann jeder selbst entscheiden, was er von solchen Abstimmungen mit den Füßen hält.
        In USA wappnen sich die Polizeieinheiten seit mehreren Jahren mit “immer größeren Geschützen” – das traurige daran: Dieser Ausdruck kann wörtlich genommen werden.
        Bei so vielen Millionen Bedürftiger in den Staaten braut sich da was zusammen, da ist Druck im Topf und in GR wurde jetzt gleich der Schnellkochtopf mit Überdruck angewendet…

  • Ergo Sum - 5. April 2012

    Food Stamps sind keine Lebensmittelmarken, sondern Gutscheine, die an Minderbemittelte statt Bargeld verteilt werden, um zu verhindern, dass Unterstützungsgelder in Drogen angelegt werden. Der Food Stamp Act wurde im Jahr 1964 erlassen, ist also schon mehr als ein halbes Jahrhundert alt und hat absolut nichts mit Arbeitslosigkeit oder Finanzkrise zu tun.

    • micdinger - 5. April 2012

      So, und zwischen der Anzahl von Minderbemittelten und Arbeitslosen sowie Finanzkrise siehst du keinen Zusammenhang? Interessant.

    • Georg Trappe: - 5. April 2012

      Wieviel Jahre hat ein Halbesjahrhundert?
      2012-1964=?
      mehr als?
      Ach ja, da gabs mal Kurzschuljahre;-).

      • Bernd Rickert - 5. April 2012

        Im Frühjahr 2010 war die Deadline für Hoffnung abgelaufen und nicht 2012.

  • Georg Trappe: - 6. April 2012

    Ich denke wenn man das ursaechliche Problembuendel versteht, dann gibt es auch eine wirkliche Loesung, die die Ursachen behebt. Denn das, worauf es im Moment hinaus laeuft und was Dank oben so eindruecklich beschreibt, kann ja keiner wirklich wollen. Auch die 1% nicht, wenn sie nicht vollkommen den Verstand verloren haben.

    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/wirtschaft-ist-ein-offenes-system.html

  • Andres Müller - 6. April 2012

    Food Stampers können nun auf dem Internet eine eigene Firma eröffnen und unregistirert eine Million US$ “Aktien” einsammeln um dann zum Beispiel damit einen Pizzaladen zu finanzieren. Dies ermöglicht ihnen der neue “Jobs Act” des US -Präsidenten Barak Obama. Der Präsident glaubt anscheinend, dass die Legalisierung eines Aktienschwarzmarktes neue Arbeitsplätze wie Pilze aus dem Boden schiessen lässt. Betrug und Täuschung sind damit Tür und Tore geöffnet, da man sich erst ab 2000 Investoren bei der Reguierungsbehörde melden muss. So stelle ich mir das Mad Max der Zukunft vor, wie geschaffen für lokale Mafiabanden wo Geld entlang verborgender Pfade fliesst, fernab vor jeder Statistik.