Vermögensentwicklung in der Krise – Teil 2: Gewinner und Verlierer der Euro-Krise im Klub der reichsten Länder

von am 13. Januar 2014 in Allgemein

Das Privatvermögen in der Europäischen Union ist im Zuge der europäischen Schuldenkrise ab 2010 bis einschließlich 2012 um mehrere Billionen Dollar geschrumpft. Das ist eines der wesentlichen Ergebnisse der Auswertung des Global Wealth Databook der Credit Suisse von 2013 in Teil 1 der Aufsatzreihe zur Vermögensentwicklung in der Krise.

Zudem vereinen die fünf wirtschaftsstärksten Mitgliedstaaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien – knapp 80 Prozent des gesamten Privatvermögens in der Europäischen Union auf sich. Damit wird zugleich deutlich, wie ungleich das Privatvermögen innerhalb der Europäischen Union mit ihren 28 Mitgliedstaaten verteilt ist.

Ausgehend von diesen Erkenntnissen macht es Sinn sich einmal anzuschauen, wie sich die – gemessen am Privatvermögen – führenden europäischen Mitgliedstaaten in der von Krisen stark geprägten Periode 2000-2013 im Vergleich zu den anderen vermögensstarken Nationen geschlagen haben.

Vermögensentwicklung in den Top-19-Ländern 2000-2013

Abbildung 4 veranschaulicht, wie sich das Privatvermögen in den 19 weltweit reichsten Ländern im genannten Zeitraum entwickelt hat, wobei allerdings die Jahre 2002, 2004 und 2006 ausgespart wurden und zwar aus darstellungstechnischen Gründen und weil es sich um weniger interessante Nicht-Krisen-Jahre handelt.

Wegen der großen Vermögensunterschiede zwischen dem reichsten Land, den USA, und den weiter hinten liegenden Staaten in der Gruppe der Top-19-Länder sind die Vermögensveränderungen bei den zuletzt genannten visuell weniger deutlich zu erfassen. Aus diesem Grund sind zur besseren Orientierung ergänzend über den Säulen auch noch die absoluten Werte für die Jahre 2000 (dem Jahr der geplatzten New-Economy-Blase), 2007 (dem Jahr der US-Hypothekenkrise), 2008 (dem Jahr der Lehman-Pleite) und 2013 angegeben.

SLE_A04_Top-19-Länder nach Privatvermögen 2000-2013

Was bei der Betrachtung der Abbildung zunächst ins Auge springt, ist, dass es in allen 19 Ländern von 2000 bis 2007 einen deutlichen Anstieg der Privatvermögen in absoluten Zahlen gegeben hat.

Besonders stark ist dieser Anstieg in den USA ausgefallen (+20.400 Mrd. USD). Aber auch in China (+10.700 Mrd. USD), Frankreich (+9.500 Mrd. USD), Großbritannien (+7.800 Mrd. USD), Italien (+7.000 Mrd. USD) und Deutschland (+6.900 Mrd. USD) kam es jeweils zu einer signifikanten Erhöhung des Privatvermögens. Prozentual betrachtet war der Anstieg mit einem Plus von 335,7 Prozent in Australien am größten, gefolgt von China mit 327,6 Prozent und Frankreich (306,5%). Groß war der Vermögensanstieg aber etwa auch in Spanien (+280%), Kanada (+236%), Italien (+227,2%) und Deutschland (+218,9%).

In den USA fiel der Anstieg mit 51,6 Prozent dagegen aufgrund des schon in 2000 erreichten hohen Vermögensniveaus deutlich geringer aus. In der zweitreichsten Nation Japan ist der Anstieg dagegen mit 3.300 Mrd. Dollar und einem Plus von nur 17 Prozent absolut und prozentual deutlich schwächer ausgefallen.

Des Weiteren fällt auf, dass alle 19 Länder in 2008 einen starken Einbruch bei den Vermögen verzeichneten, mit Ausnahme von Japan, dessen Finanzsektor von der Immobilien- und Finanzmarktkrise wenig betroffen gewesen war.

Bemerkenswert stark war der Einbruch beim Privatvermögen von 2007 auf 2008 in jenen Ländern, die von der Immobilien- und Finanzmarktkrise stark betroffen gewesen sind. So schrumpfte in den USA das Privatvermögen um 13.200 Mrd. USD, was einem Minus von 22 Prozent entspricht. In Großbritannien ging es um 5.400 Mrd. USD beziehungsweise um satte 36 Prozent abwärts. Prozentual betrachtet war der Einbruch nur noch in Südkorea (‑30%) ähnlich stark. Mit den USA vergleichbare Vermögensverluste gab in Kanada (‑23,7%) und in Australien (‑21,2%). In China verringerte sich das Privatvermögen dagegen weniger stark, nämlich um 16,2 Prozent.

In der Gruppe der EU-Staaten unter den Top-19-Ländern waren die Vermögensverluste, die prozentual betrachtet von 2007 auf 2008 anfielen, abgesehen von Großbritannien (‑36%) nur noch in Schweden (‑22,2%) und auch im von der Immobilienkrise gebeutelten Spanien (‑17,8%) relativ groß. Die Privatvermögen in Belgien (‑13%), Frankreich (‑9,2%), Italien (‑7,2%) und Deutschland (‑4,7%) verzeichneten hingegen weniger starke oder sogar eher nur mäßige Verluste.

Abbildung 4 verdeutlicht des Weiteren, dass sich das private Vermögen in allen aufgeführten Ländern schon 2009 wieder deutlich erholt hat, mit Ausnahme von Japan, wo es einen leichten Rückgang gab.

Ebenso wie Abbildung 2 zur Vermögensentwicklung in der Europäischen Union (EU 28) von 2009-2013 (Teil 1) zeigt auch Abbildung 4, dass sich die Euro-Krise (nach 2009 bis einschließlich 2012) insbesondere für die wirtschaftlich stärksten EU-Staaten negativ auf die Privatvermögen auswirkte.

Im Unterschied dazu ging es in der Euro-Krise (Ende 2009 bis 2012) in der Gruppe der Top-19-Länder nur für die Privatvermögen in den USA, Japan, China und Australien sowie mit Einschränkungen (Stagnation in 2011) auch für die in Australien ununterbrochen nach oben.

Prozentual betrachtet ergibt sich dabei für Australien die höchste Steigerung (+41,3%). Es folgen China (+37,8%), Japan (+28,5%), die USA (+19,4%) und Kanada (+17,8%).

In absoluten Zahlen ausgedrückt verändert sich diese Reihenfolge. Die größte Vermögenssteigerung wurde in der Euro-Krise in den USA realisiert (+18.600 Mrd. USD), gefolgt von Japan (+6.300 Mrd. USD), China (+6.100 Mrd. USD), Australien (+1.900 Mrd. USD) und Kanada (+1.000 Mrd. USD).

Addiert ergibt sich für diese fünf Länder in der Euro-Krise ein Anstieg der Privatvermögen um 33.900 Milliarden Dollar, wobei der Löwenanteil dieses Anstiegs, nämlich 54,8 Prozent, auf die USA entfällt, gefolgt von Japan (18,5%) und China (18%).

Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass es nach Beginn der Finanzmarktkrise in 2008 bis einschließlich 2013 nur in drei Ländern der Top-19-Gruppe beim Privatvermögen ununterbrochen aufwärts gegangen ist, nämlich in den USA, China und Australien.

In den USA erhöhte sich im Zeitraum 2008-2013 das Privatvermögen um 25.400 Mrd. Dollar auf 72.100 Mrd. Dollar. Das entspricht einem Anstieg um beachtliche 54,3 Prozent. Dabei liegt das Vermögen 2013 sogar 20,3 Prozent über dem Vor-Krisenniveau (2007). Das ist enorm, wenn man bedenkt, dass die Hypotheken- und die Finanzmarktkrise in den USA ihren Ursprung hatten und die Vereinigten Staaten auch am heftigsten erschütterten.

In insgesamt zehn der in der Abbildung 4 aufgeführten Länder lag das Privatvermögen 2013 über dem Niveau von 2007. Besonders ausgeprägt fiel die Steigerung in Brasilien (+52,3%), China (+44,1%), Australien (+42,5%) und mit einem Plus von 34,7 Prozent auch in der Schweiz aus. In absoluten Zahlen ausgedrückt handelt es sich dabei mit einer Ausnahme, China, aber um vergleichsweise geringe Beträge. In China war dagegen auch die Vermögenssteigerung in Dollar signifikant (+9.300 Mrd. USD).

Bei den im Chart aufgeführten EU-Mitgliedstaaten hat sich in 2013 gegenüber 2007 nur für Schweden (+22,2%) und Frankreich (+0,7%) überhaupt eine Steigerung ergeben.

In Japan ist das Privatvermögen 2013 bedingt durch Währungseffekte (starke Abwertung des Yen) gegenüber 2012 um 20,4 Prozent abgeschmolzen.

Verschiebungen bei den Anteilen am globalen Privatvermögen 2000-2013

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Verschiebungen bei den Anteilen am globalen Privatvermögen in der Gruppe der Top-19-Länder zwischen 2000 und 2013 in den Blick nimmt, was in Abbildung 5 geschehen ist.

Anders als bei den absoluten Zahlen gibt es bei den Anteilen am globalen Privatvermögen für den Zeitraum 2007-2013 nur vier echte Gewinner:

die USA (+1,97 Prozentpunkte), Japan (+0,81 Prozentpunkte), China (+0,64 Prozentpunkte) und Australien (+0,6 Prozentpunkte).

SLE_A05_Top-19-Länder-Anteile globales Privatvermögen 2000-2013

Zwar weisen die Daten auch ein Plus für das Privatvermögen in Schweden, Taiwan und Kanada aus. Der Anstieg ist dort allerdings jeweils geringer als 0,1 Prozentpunkte.

Deutlich fällt der Verlust bei den Anteilen am globalen Privatvermögen bei den in der Abbildung berücksichtigten EU-Staaten und insbesondere bei den wirtschaftlich sowie unter Vermögensgesichtspunkten führenden EU-Mitgliedern aus.

Betrachtet man hingegen den Zeitraum 2000-2013, dann fällt auf, dass die USA und Japan zwar nach wie vor die beiden reichsten Länder sind, aber bei den Anteilen massiv verloren haben (‑5,69 bzw. ‑5,42 Prozentpunkt) – trotz des enormen Aufholprozesses der USA (+4,43 Prozentpunkte) und der zwischenzeitlichen Erholung der Vermögen in Japan nach der Finanzmarktkrise (2008).

Einen zwar schwächeren, aber immer noch recht deutlichen Anteilsverlust weist die Abbildung 5 zwischen 2000 und 2013 zudem auch für Großbritannien aus (‑1,42 Prozentpunkte). Allerdings hat sich der Anteil des Vereinigten Königreichs am Weltvermögen im Unterschied zu den USA und Japan nach dem Einbruch in 2008 nur kurzfristig wieder erhöht. Schon in 2010 ist er erneut gesunken und liegt seit 2011 sogar wieder anhaltend unter dem Krisenwert von 2008.

Klarer Gewinner bei den Anteilen am privaten Weltvermögen im Zeitraum 2000-2013 ist vor allem China (+4,6 Prozentpunkte). Dessen Anteil hat sich mehr als verdoppelt. Auf der Gewinnerseite stehen des Weiteren die Privatvermögen in Australien (+1,4), Kanada (+0,7), Brasilien (+0,5) und Indien (+0,4).

Stark erhöht hat sich mit einem Plus von 1,8 Prozentpunkten aber auch der Anteil Frankreichs am globalen Privatvermögen, was besonders im Vergleich zur Entwicklung in Italien und Deutschland eine auffällige Abweichung darstellt. Zwar war der Anteil Frankreichs im Jahr 2000 deutlich geringer als der von Deutschland und Italien, so dass sich wegen der niedrigeren Basis leichter eine höhere prozentuale Steigerung ergeben kann. Allerdings hat sich Frankreichs Anteil in der Euro-Krise auch weniger stark reduziert und erhöhte sich zudem von 2012 auf 2013 stärker als bei den beiden großen Nachbarstaaten.

Krisengewinner und –verlierer unter den Top-19-Ländern beim Privatvermögen

2007 war – wie eingangs von Teil 1 ausgeführt – das Jahr der US-Hypothekenkrise, 2008 das Jahr der Finanzmarktkrise, 2009 das Jahr der Weltwirtschaftskrise und 2010-2012 hatten wir die Euro-Krise. Es ist besser zu erkennen, wer zu den Krisengewinnern und wer zu den Krisenverlierern gehört, wenn man die Entwicklung der Privatvermögen in den Top-19-Ländern in den unterschiedlichen Krisenzeiträumen vergleichend betrachten kann. Das ermöglicht Abbildung 6 für den Krisenzeitraum 2007-2013

Schaut man sich die Abbildung 6 an, die die Veränderung des Privatvermögens in Billionen Dollar anzeigt, dann fällt auf den ersten Blick auf, dass die Privatvermögen in einigen Ländern in keinem einzigen Krisenabschnitt geschrumpft sind, sondern immer im Plus standen, das heißt angestiegen sind.

An der Spitze der Gewinner stehen die USA. Wie aufgrund der vorangegangenen Ausführungen zu erwarten war, ist der Vermögensgewinn der USA für den Zeitraum 2008-2013 am größten. Das gilt allerdings ebenso für die Phase der Euro-Krise – egal, ob man den Zeitraum 2009-2012 oder die Hochphase der europäischen Schuldenkrise 2010-2012 betrachtet.

Zur Erinnerung: Die Daten im Global Wealth Databook der Credit Suisse für die Jahre 2000-2011 geben den Vermögensstand jeweils zum Ende des Jahres und für die Jahre 2012 und 2013 zur Mitte des jeweiligen Jahres wieder. Aus diesem Grund wurden zwei Abschnitte der Euro-Krise differenziert, wobei der erste beim Vermögensstand (Ende) 2009 beginnt – das war auch der Zeitpunkt des Beginns der Griechenland-Krise – und (Mitte) 2012 endet, während 2010-2012 als die Hochphase der Euro-Krise betrachtet werden kann.

SLE_A06_Krisengewinner&-verlierer beim glob Vermögen_Top 19 Länder

Weitere klare Krisengewinner sind China, Australien, Kanada, Brasilien und die Schweiz. Allerdings ist selbst im Falle Chinas der Abstand zu den USA groß. Für Japan ergibt sich ein gemischtes Bild, je nachdem welchen Krisenabschnitt man betrachtet. Sobald das Jahr 2013 in die Berechnung mit einbezogen wird, in dem die Yen-Abwertung voll auf die in Dollar berechneten Privatvermögen durchschlägt, schmelzen die Vermögensgewinne in Japan auf einen kleinen Rest zusammen.

Auffällig ist ebenso, dass es nur wenige Länder gibt, in denen es in einzelnen Krisenabschnitten zu Vermögensverlusten gekommen ist und dass es sich dabei hauptsächlich um EU-Mitgliedstaaten handelt.

Ganz besonders ragt dabei Großbritannien heraus. Für 2007-2013 ergibt sich dort ein beachtlicher Vermögensverlust von über 3.000 Milliarden Dollar, während für den Krisenabschnitt 2008-2013 ein Gewinn von gut 2.000 Milliarden Dollar ausgewiesen wird. Das heißt nichts anderes, als dass das Privatvermögen dort von 2007 auf 2008 besonders stark eingebrochen ist. Vom niedrigen Niveau in 2008 hat es sich bis 2013 wieder deutlich erhöht, aber an den Wert von 2007 reicht es bei weitem nicht mehr heran. Großbritannien ist folglich bei den Privatvermögen der größte Krisenverlierer im Konzert der Top-19-Länder im Zeitraum 2007-2013.

Besonders interessant ist aber auch der Abschnitt der europäischen Schulden- bzw. Euro-Krise. 2009 war, wie zuvor ausgeführt, für die EU das Jahr, in dem die Welt rein vermögensmäßig noch in Ordnung war. 2010-2012 war die Hochphase der Euro-Krise. Es ist deutlich zu erkennen, dass es in der Euro-Krise insbesondere in Italien, Deutschland, Großbritannien und Spanien zu Vermögensverlusten gekommen ist. Auch in Belgien und den Niederlanden ist das der Fall gewesen sowie in Frankreich. Interessanterweise hat das Privatvermögen in Frankreich in der Euro-Krise aber in wesentlich geringerem Ausmaß als in den anderen großen Euro-Ländern gelitten.

Schaut man nun auf die andere Seite, nämlich auf die der Gewinner der Euro-Krise, dann zeigt sich, dass das Privatvermögen in den USA am meisten profitiert hat, gefolgt von dem in Japan, China und Australien.

Nimmt man indes das Jahr nach der akuten Euro-Krise hinzu und betrachtet den Zeitraum 2009-2013, dann zeigt sich, dass die Euro-Länder Italien, Spanien und Belgien immer noch im Minus liegen, sich die Privatvermögen also noch nicht wieder – wie in Großbritannien – auf das Vor-Euro-Krisenniveau erholt haben. Leicht ins Plus kommt im Unterschied dazu das Vermögen der Deutschen und für die Franzosen ergibt sich 2013 sogar ein recht deutliches Plus im Vergleich zum Vor-Krisen-Jahr 2009.

Krisengewinner und –verlierer bei den Anteilen am privaten Weltvermögen

Wie beim Privatvermögen können auch die Verschiebungen bei den Anteilen am globalen Privatvermögen für unterschiedliche Krisenabschnitte zwischen 2007 und 2013 vergleichend betrachtet werden, was in Abbildung 7 geschehen ist.

SLE_A07_Krisengewinner&-verlierer bei Anteilen glob Vermögen_Top 19 Länder

Es fällt auf, dass hier das Bild für die EU-Staaten insgesamt noch deutlich negativer ausfällt. Bei den Anteilen ist keiner der großen europäischen Mitgliedstaaten in den positiven Bereich zurückgekehrt und zwar ganz gleich welchen Krisenabschnitt zwischen 2007 und 2013 man sich anschaut. Das einzige EU-Land unter den Top-19-Ländern, in dem der Anteil am globalen Privatvermögen in 2013 wieder ein kleines Plus aufweist, ist Schweden (+ 0,1 Prozentpunkte).

Die größten Krisengewinner bei den Anteilen sind wieder die USA, China und Australien. Die Verluste beim Vermögen infolge der Yen-Abwertung schlagen in Japan auch bei den Anteilen am globalen Privatvermögen sehr stark durch. Im Unterschied zu den Verhältnissen bei den absoluten Zahlen sind aber in der Hochphase der Euro-Krise (2010-2012) nicht die USA der größte Gewinner, sondern Japan. Im Zeitraum 2009-2012 haben aber weiter die Amerikaner die Nase vorn.

Unter dem Strich lässt sich somit festhalten, dass die Europäische Union auch bei der Betrachtung der Vermögensentwicklung auf globaler Ebene und speziell im unmittelbaren Vergleich der reichsten Länder im Krisenzeitraum 2007-2013 eindeutig nicht zu den Krisengewinnern zählt.

Ausblick auf Teil 3

Weil in dieser Aufsatzreihe die Veränderungen beim Privatvermögen im Zuge der Immobilien-, Finanzmarkt-, Weltwirtschafts- und Schuldenkrise im Blickpunkt stehen, wäre das Bild unvollständig, wenn nicht auch die Veränderungen in der Vermögenszusammensetzung in den Blick genommen würden. Das soll in Teil 3 der Aufsatzreihe geschehen.

von Stefan L. Eichner
Konatkt: info.sle@web.de

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19 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 14. Januar 2014

    Danke für die Übersicht und danke für die investierte Arbeit.

    Kann man bei den Briten sagen, die haben doppelt verloren? Also in der Imo-Krise der USA und dann direkt wieder bei der Euro-Krise?
    Wenn das so ist, dann wäre die zweite Frage wie es ihnen trotzdem gelungen ist, ihr enormes Handelsdefizit zu überkompensieren?

    Bei den USA sollte man bei den Vermögen zwei Dinge einrechnen, bzw. daneben legen:
    Die Amis haben ein exorbitantes Handelsdefizit und trotzdem enorme Zuwächse beim Vermögen.
    Berechnungsgrundlage ist der Dollar und da haben die Amis gegenüber allen Vergleichswährungen erheblich eingebüßt.
    Würde man das Handelsdefizit und die Währungsschwankungen einrechnen, könnte man noch sehr viel besser sehen wie krass dieser Betrug über die letzten 6 Jahre lief.

    Betrachtet man, wie am Anfang ein geringfügiger Schluckauf beim Kapitalzufluss in Richtung USA im Nachhinein “gekontert” wurde ist das ja eine klare Antwort auf die machtverhältnisse auf dieser Welt.
    Von hegemonialer Schwäche zu träumen scheint ziemlich naiv zu sein. Die Amis stehen stärker da als je zuvor.

    • SLE - 14. Januar 2014

      Hallo Holly01,

      so einfach lässt sich das allein aus den Vermögensdaten nicht schließen und erklären. Der Zusammenhang zwischen der Vermögensentwicklung in Ländern und Weltregionen und dem jeweiligen Bankensektor ist nur eine Facette im Zusammenhang mit der Krise und den Kriseneffekten. Allerdings finde ich ihn nicht unwichtig, gerade weil der Finanzsektor und finanzielle Aspekte bei der Dauerkrise seit 2007 eine zentrale Rolle spielen.

      Mir kam es bei der graphischen Aufbereitung aber auch eher darauf an, dass bei der Betrachtung der Charts solche Überlegungen angestellt und solche Fragen aufgeworfen werden können.

      Viele Grüße
      SLE

  • Andres Müller - 14. Januar 2014

    “Die Amis stehen stärker da als je zuvor.”
    Auf den ersten Blick -man könnte es angesichts des gesamten Privatvermögens glauben.

    Aber aus dem “Bauchgefühl der Weltgeschichte” heraus , ein Privatvermögen wo der Anteil der unteren Schichten an diesem Kuchen schnell geringer wird und wo das Vermögen nur im obersten Einkommenssegment explodiert, ist nichts anderes als das Spiegelbild von gefährlichen Finanzmarktblasen. Solche inneren Ungleichgewichte können zu sozialen Unruhen führen. Der Staat ist finanziell stark geschwächt, denn diese “Privatvermögen” (der Reichen) haben ihre Opfer gekostet. Da die Reichen so viel Geld nicht ausgeben können, wird es ihnen irgendwann auf anderem wieder Weg wieder entrissen werden. Hier gibt es verschiedene Optionen. Der Blick auf die reine Vermögensstatistik zeigt wohl Machtkonzentrationen an, aber ist kein Hinweis auf eine gesunde Entwicklung von der die ganze Bevölkerung profitiert.

    • SLE - 14. Januar 2014

      Hallo Andres Müller,

      auf die Verteilungswirkungen der Krise innerhalb von Volkswirtschaften komme ich noch zu sprechen.

      Viele grüße
      SLE

      • Andres Müller - 14. Januar 2014

        Herr Eicher, ich freue mich schon jetzt auf diese Ergänzung. Ich habe es selbst schon versucht die Einkommens-Säulen so grafisch aufzumotzen, so dass die Entwicklung bei den obersten 5% von den unteren 95% über diese Jahre getrennt angezeigt wird, habe aber nur für wenige Länder vergleichbares Datenmaterial gefunden. Bei den USA war das aber erschreckend.

    • Frank Bell - 15. Januar 2014

      @ Andres Müller

      Unruhen? Nein, daran glaube ich nicht.

      Die Bevölkrung der westlichen Welt ist inzwischen völlig lethargisch geworden.

      Und gerade in den USA glaubt man IMMER NOCH, dass die Reichen durch Fleiss und harte Arbeit reich geworden sind.

      Dass die Reichen aufgrund der Zinseinnahmen diejenigen sind, die auf der sozialen Hängematte ausruhen, darauf kommt die (lethargische) Bevölkerung nicht!

  • Bernd Klehn - 14. Januar 2014

    Die Analyse ergibt ein schiefes Bild, wenn sie zumindest nicht auch die unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklungen berücksichtigt. z.B. in Deutschland hat die Bevölkerungsanzahl zwischen 2000 und 2013 um 2% abgeronnen, in den USA aber um 11% zugenommen.

    Fernerhin was ist Vermögen und wie wird es bewertet? Stellen wirklich zu große und zu teurere Häuser, weit ab von jeglicher Infrastruktur, und zu große Autos, der Hauptteil des USA Vermögens, langfristig einen Vermögenswert da oder nicht viel mehr eine Fixkostenbelastung? In den USA ist nach 2008 die Blase nicht beseitigt worden, sondern die FED hat mit billigem Geld und mit Hypothekenkäufen von 1Bio die Blase erneut aufgepumpt. Die Häuserpreise und Autokäufe liegen wieder auf den dem Niveau von 2008 und dieses bei andauernden Nettoauslandsschulden und Leistungsbilanzdefiziten,. während in Spanien und Griechenland die Blase wirklich geplatzt ist.

    • SLE - 14. Januar 2014

      Hallo Bernd Klehn,

      gar so schief ist es nicht, das Bild, wenn man – wie Andres Müller zutreffend bemerkt – die hohe Vermögenskonzentration, ganz besonders in den USA, in die Rechnung mit einbezieht. Ich komme im Verlauf der Aufsatzreihe aber noch darauf zu sprechen und liefere dann die entsprechenden Charts, die das auch veranschaulichen.

      Autos, Jachten und Kunstgegenstände etc. werden im Übrigen nicht berücksichtigt, denn dafür gibt es keine verlässlichen Datenquellen, die man systematisch nutzen könnte. Auch das “Offshore” versteckte Vermögen ist, wie in Teil 1 ausgeführt, nicht einberechnet. Das Bild ist insofern also in jedem Fall unvollständig.

      Viele Grüße
      SLE

  • Andres Müller - 14. Januar 2014

    “in Deutschland hat die Bevölkerungsanzahl zwischen 2000 und 2013 um 2% abgeronnen, in den USA aber um 11% zugenommen.”

    Auf den ersten Blick mag die relative Vermögensentwicklung die Sàulen stark beeinflusst haben, aber ich vermute das wenn wie in den USA die Vermögensexpansion praktisch nur bei den obersten Einkommenschichten stattgefunden hat, wäre das nicht so bedeutend. Die Zunahme der Bevölkerung in den USA hat vor allem bei den armen Mäusen stattgefunden, deren Anteil am Vermögen leider nur minimal ist.

  • JL - 14. Januar 2014

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Die Vermögensgewichtungen haben sich wohl nicht ganz zufällig verschoben.

    Einerseits ist Europa in der Lage sich selbst zu ruinieren (EU- Staaten) oder Anlagekapital fehlzuleiten (erneuerbare Energien), andererseits nicht in der Lage der globalen Realwirtschaft Paroli bieten zu können.

    Wie sollte es auch gehen- Siehe Großbritannien. Da deindustrialisiert man ein Land und meint- natürlich politisch korrekt- man könne vom Dienstleitungssektor und einem Finanzplatz in der Londoner City leben. Dort wurden Milliarden über Milliarden in Anleihen und/ oder Aktien statt in Anlagen investiert und wunderte sich anschließend über den Kapitalverlust, wenn die Börsen in den Keller gehen. In 2009 brachen Bankenaktien um bis zu 80% ein. Von diesem Schock haben sich die immer noch maroden Anlagenwerte auch dort nie erholt.

    Aber das Geld ist nicht weg, es hat halt nur ein anderer.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Eurelios - 14. Januar 2014

      Aber das Geld ist nicht weg, es hat halt nur ein anderer.

      Hallo JL,

      Geld ist doch nur eine Illusion wenn ein Herr Buffet denkt er sei mit seinen Milliarden
      auf der sicheren Seite des Menschenlebens unterliegt er einen Trugschluss.

      http://www.youtube.com/watch?v=ySoSm1B1-b4

      Viele Grüße von

      Eurelios

      • Frank Bell - 15. Januar 2014

        Wer so wenig Geld verdient oder besitzt, für den ist der täglich und montaliche Lebenskampf KEINE Illusion.

        So etwas kann man nur schreiben, wenn man nicht weiss, wohin mit all dem Geld oder Beamter ist, der unkündbar ist und eine dicke Pension kassieren wird.

        • Eurelios - 15. Januar 2014

          So etwas kann man nur schreiben, wenn man nicht weiss, wohin mit all dem Geld oder Beamter ist, der unkündbar ist und eine dicke Pension kassieren wird.

          Hallo Frank Bell,

          zu meiner Person bin kein Beamter sondern einfacher Angestellter im öffentlichen
          Dienst der Stadt Stuttgart mit einem Gehalt von EG 6 gem. TVöD
          man kann davon gut Leben mehr aber auch nicht.

      • JL - 15. Januar 2014

        Hallo Eurelios, Hallo Frank Bell

        Ich glaube Sie haben beide Recht.

        Die einen wissen nicht wie man über den nächsten Monat kommt und die anderen können mit nur einem Mausklick neue Rettungsmilliarden auf den Finanzmarkt werfen. Das Tolle daran ist, daß die mit diesen Geldern beworfenen Finanz- und Anlageinvestoren noch nicht mal wissen wo man diese Kohle noch gewinnträchtig anlegen könnte (drohende Deflation). Wer diesen finanziellen Hokuspokus letztlich bezahlt ist auch klar, dann gibt es eben Nudelsuppe ohne Nudeln um über den Monat zu kommen.

        Den letzten Satz hätte man vor 10 Jahren noch als Witz vernommen, heute ist dieser „Witz“ leider längst Realität.

        Fakt bleibt aber, die Guthaben unserer Superhelden sind letztlich fiktiv.

        Warum?

        Deren „Guthaben“ sind in irgendwelche Anlageformen gebunden. Ob in Firmen oder Finanzinstituten ist dabei unwesentlich. Wesentlich ist nur, wie die Börse Anlagewerte (Aktien) bewertet und die Nachhaltigkeit deren Fundmentalbewertungen. Dementsprechend ist man halt „Reicher“ oder auch „Ärmer“.

        Die gegenwärtigen Börsenbewertungen ähneln denen von 1929.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Frank - 15. Januar 2014

    passend dazu auch die ARD Sendung vom 13.1.2014

    http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/die-story-im-ersten-geld-regiert-die-welt?documentId=19067010

    Es gibt immer Gewinner und Verlierer im System.

    Die Frage ist nur, warum und besonders wie lange, lassen sich die Menschen das noch so gefallen?

  • klaus - 15. Januar 2014

    Hallo an Alle.

    Könnte man Deutschland nicht ein AAAA oder AAAAA als
    Rating geben ?

    Dann könnte man noch schneller den sozialen Wohlstand/Kulturabbau
    betreiben.
    Dann würde der immerwährende Schuldenschnitt dem
    Normalbürger wesentlich besser zu vermitteln.
    Und TINA könnte noch hübscher lächeln.

    Nachdem man Hollande jetzt eine neue Freundin
    vermittelt hat, geht ja auch Frankreich in Richtung AGENDA 2020.
    Aber auch sonst hätte Hollande wohl Schlimmeres getroffen.

    Es geht weiter. Wehe dem, bei dem die Troika klingelt.

    Traurige Grüße klaus