Vermögensentwicklung in der Krise – Teil 3: Krisengewinner und -verlierer nach Weltregionen: Transatlantische „Partnerschaft“

von am 20. Januar 2014 in Allgemein

Nachdem in Teil 2 der Aufsatzreihe abschließend die Krisengewinner und –verlierer unter den Top-19-Ländern beim Privatvermögen und beiden Anteilen am globalen Privatvermögen herausgearbeitet worden sind, soll dieser Aspekt zu Beginn von Teil 3 noch einmal kurz aufgegriffen werden. Daran anknüpfend wird es zunächst um die Entwicklung der Privatvermögen und die Verschiebungen in bei der Vermögenszusammensetzung auf der Ebene von Weltregionen gehen bevor dann in Teil 4 die Veränderungen in der Zusammensetzung des Privatvermögens in ausgewählten reichen Ländern in den Blick genommen wird, um aufzuzeigen, wie sich die Krise in dieser Hinsicht ausgewirkt hat.

Gewinner und Verlierer beim globalen Privatvermögen 2000-2013

Abbildung 8 ist im Wesentlichen identisch mit der in Teil 2 gezeigten Abbildung 6, führt jedoch ergänzend die Vermögensentwicklung im Zeitraum 2000 – das Jahr der geplatzten New-Economy-Blase – bis 2013 für die Top 19 Länder auf (hellbraune Säulen). Das geschieht aus darstellungstechnischen Gründen. Denn in Abbildung 8 treten die Veränderungen im Zeitraum 2007-2013 in der Mehrzahl der Länder visuell wenig deutlich hervor, was mit der Veränderung des Maßstabs infolge der Tatsache zu tun hat, dass der Vermögensanstieg in den USA von 2000-2013 mit 32.600 Milliarden Dollar überdurchschnittlich stark ausfällt. Mit bereits großem Abstand folgt an zweiter Stelle das Privatvermögen in China, dass gemäß der Schätzungen der Credit Suisse um 17.500 Milliarden Dollar gewachsen ist.

SLE_A08_Gewinner&Verlierer beim glob Vermögen 2000-2013_Top 19 Länder

Abbildung 8

An dritter Stelle steht – für den Zeitraum 2000-2013 – Frankreich mit einem Plus von 9.600 Milliarden Dollar, gefolgt von Deutschland (+7.100 Mrd. USD), Italien (+6.400 Mrd. USD) und Australien (+5.300 Mrd. USD). Unter den größten europäischen Volkswirtschaften ist Frankreich also auch in diesem Zeitabschnitt der größten Gewinner, während die Briten den geringsten Anstieg unter den Top 4 der EU ausweisen.

Sehr gut zu erkennen ist auch in diesem Chart der hohe Verlust beim Privatvermögen in Großbritannien zwischen 2007 und 2013 (rosafarbene Säule). Von dem von 2007 auf 2008 erlittenen starken Einbruch hat sich das Privatvermögen im Vereinigten Königreich bis heute nicht wieder erholt, wie in der in Teil 2 gezeigten Abbildung 4 sehr gut zu erkennen ist. Daraus erklärt sich, warum dort auch im Zeitabschnitt 2000-2013 der Vermögensanstieg im Vergleich zu den anderen großen, reichen EU-Ländern mit einem Plus von 4.500 Milliarden Dollar vergleichsweise gering und nur wenig höher als der in Kanada (+4.300 Mrd. USD) ausgefallen ist.

Aus dem Rahmen fällt – wie auch schon in Abbildung 4 für die Krisenabschnitte 2008-2013 und 2009-2013 zu sehen – die Privatvermögensentwicklung in Japan zwischen 2000-2013. Mit einem Anstieg von 3.300 Milliarden Dollar liegt Japan lediglich an neunter Stelle der Vermögensgewinner. Die Abwertung des Yen gegenüber dem Dollar um gut 20 Prozent infolge der Abenomics hat das von der Credit Suisse in Dollar bewertete Privatvermögen des Landes 2013 drastisch eingeschmolzen und ist auch der zentrale Grund für den schwachen Anstieg seit 2000. Damit liegt Japan in der Gewinnerstatistik nicht weit vor Spanien, wo sich das private Vermögen trotz der heftigen Immobilien-, Banken- und Wirtschaftskrise des Landes signifikant vergrößerte, nämlich um 2.600 Milliarden Dollar.

Auch in allen anderen Top 19 Ländern hat es zwischen 2000 und 2013 ein deutliches Vermögenswachstum gegeben. Außer in Spanien liegt dieses aber nur noch in Indien (+2.400 Mrd. USD) und Brasilien (+2.300 Mrd. USD) jenseits der Zwei-Billionen-Dollar-Linie.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass sich die schwere Immobilien-, Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 zwar insgesamt betrachtet dämpfend auf das Wachstum der Privatvermögen ausgewirkt hat. Auch realisierten die Privatvermögen im Zuge der Euro-krise hauptsächlich in den europäischen Staaten unter den Top 19 Ländern Verluste. Doch wurden diese – bezogen auf den Stand von 2007 – in 2013 zum Teil bereits wieder wettgemacht, nämlich in Frankreich und Deutschland. Darüber hinaus gibt es aber auch – wie in Teil 2 aufgezeigt – echte Krisengewinner, nämlich die USA, gefolgt von China, Australien, Kanada, Brasilien und der Schweiz.

90 Prozent der Länder dieser Erde nehmen an der Vermögens-Rally nicht teil

Bezogen auf den Zeitabschnitt 2000-2013 hat sich das Privatvermögen in ausnahmslos allen Top 19 Ländern vermehrt und zwar beträchtlich.

Richtig einordnen lässt sich das allerdings erst dann, wenn man Folgendes berücksichtigt:

  1. Bei den 8 EU-Staaten unter diesen Top 19 Ländern handelt es sich um die acht reichsten Länder der Europäischen Union mit ihren 28 Mitgliedern. Diese acht Staaten standen im Jahr 2000 für 28.400 Milliarden Dollar oder für 90,1 Prozent des Privatvermögens der EU28 – wenn es sie damals schon gegeben hätte. 2013 kamen sie zusammen auf ein mehr als doppelt so großes Privatvermögen, nämlich auf 62.000 Milliarden Dollar. Das entspricht 85,3 Prozent des Privatvermögens in der gesamten Europäischen Union und 25,7 Prozent des globalen Privatvermögens.
    Das heißt, die „restlichen“ knapp 15 Prozent des Privatvermögens in der Europäischen Union verteilen sich folglich auf die übrigen 20 EU-Mitgliedstaaten.
  2. Die Top 19 Länder vereinten im Jahr 2000 103.100 Milliarden Dollar respektive 90,8 Prozent des globalen Privatvermögens auf sich und es hat sich bis zum Jahr 2013 auf 210.700 Milliarden Dollar (87,4%) ebenfalls mehr als verdoppelt.
    Die UNO-Liste anerkannter unabhängiger Staaten weist 193 Länder aus. Das heißt, 90 Prozent der anerkannten Staaten dieser Erde nehmen an der globalen Vermögens-Rally praktisch nicht teil.

Ein umfassenderes Bild ergibt sich, wenn man die Vermögensentwicklung in – rein geographisch definierten – Weltregionen in den Blick nimmt. Das ist in Abbildung 9 für den Zeitraum 2000-2103 geschehen.

Vermögensgewinner und -verlierer nach Weltregionen

Auf dieser Aggregationsebene zeigt sich ebenfalls die zuvor angesprochene Schiefe in der Vermögensverteilung.

Auf Afrika, Lateinamerika (einschließlich der Karibik) und Indien entfällt nur ein geringer Anteil des privaten Weltvermögens. Mehr noch hat sich das Privatvermögen in Afrika und Indien bis 2007 zwar sukzessive erhöht, stagniert seitdem aber. In Lateinamerika (einschließlich der Karibik) wiederum ist zwar ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Er hat sich aber nach 2009 deutlich verlangsamt.

SLE_A09_Globales Privatvermögen nach Regionen 2000-2013un

Abbildung 9

Steil nach oben ging es über den gesamten Zeitraum indes für China und den asiatisch-pazifischen Raum, wobei China ebenso wie Europa (nicht identisch mit der EU!) und Nordamerika (USA und Kanada) im Jahr der Lehman-Pleite (2008) einen starken Einbruch beim Privatvermögen verzeichnet. Im asiatisch-pazifischen Raum schlägt 2013 wiederum der durch die Yen-Abwertung bedingte Vermögensverlust der weltweit zweitreichsten Nation Japan durch.

Interessant ist der direkte Vergleich der Entwicklung zwischen Nordamerika und Europa. Denn von 2000 bis zum Jahr 2007 ist das Privatvermögen in der Weltregion „Europa“ – in der Definition der Credit Suisse, die insgesamt 40 Länder einschließt, u.a. auch Russland und die Ukraine – stärker gestiegen als in Nordamerika und zudem auf ein deutlich höheres Niveau. Dieses hohe Vermögensniveau wurde aber in Europa nach dem Einbruch 2008 nie wieder erreicht. Vielmehr sieht man auf dieser Aggregationsebene ebenfalls deutlich die negativen Vermögenswirkungen der Euro-Krise.

Im Unterschied zu Europa hat Nordamerika nach dem Jahr der Lehman-Pleite eine beispiellose Privatvermögens-Rally hingelegt. Bis 2013 stieg das Privatvermögen nicht nur kontinuierlich und steil an. Vielmehr kletterte es bis 2013 auch weit über den alten Höchstwert von 2007 hinaus und infolgedessen löste die Weltregion „Nordamerika im Jahr 2013 „Europa“ als reichste Weltregion wieder ab, obwohl dort das Privatvermögen in 2013, nach Beendigung der akuten Euro-Krise, wieder einen erkennbar deutlichen Sprung nach oben machte.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass auch auf der Betrachtungsebene eines weiter definierten Europas und Nordamerikas Europa eindeutig der große Krisenverlierer ist. Mehr noch lässt sich konstatieren, dass die Krise beim Privatvermögen vor allem mit Blick auf diese beiden Weltregionen offensichtlich einen signifikanten Umverteilungseffekt hatte, von dem zwar auch der asiatisch-pazifische Raum und China profitierten, allerdings nicht so stark wie Nordamerika.

Das zeigt sich noch ausgeprägter bei der Entwicklung der Anteile der Weltregionen am privaten Weltvermögen zwischen 2000 und 2013.

Verschiebungen bei den Anteilen am Privatvermögen zwischen den Weltregionen

In Abbildung 10 ist gut zu erkennen, dass der Anteil am privaten Weltvermögen seit 2011 in China und ebenso im asiatisch-pazifischen Raum stagniert und im letztgenannten 2013 sogar eingebrochen ist. Für Afrika, Indien und Lateinamerika ist sogar schon ab 2010 ein stagnierender bzw. leicht negativer Trend in der Entwicklung der Anteile am globalen Privatvermögen zu verzeichnen.

SLE_A10_Anteile am globalen Privatvermögen nach Regionen 2000-2013

Abbildung 10

Die Anteile Europas am globalen Privatvermögen sind indes von 2007 bis einschließlich 2012 kontinuierlich und deutlich gesunken. Die Anteile Nordamerikas haben sich hingegen nach 2008 kontinuierlich erhöht. Mehr noch hat sich der Anstieg nach 2011 sogar deutlich beschleunigt. Eine solch ausgeprägt positive Entwicklung hat es im gleichen Zeitraum in keiner anderen Weltregion gegeben.

Gewinn- und Verlust-Bilanz nach Weltregionen und Krisenphasen

Wie schon eingangs sowie im vorangegangenen Teil 2 geschehen – siehe dazu Abbildung 6 und Abbildung 7 – lassen sich Gewinne und Verluste der Weltregionen nach unterschiedlichen Krisenabschnitten gestaffelt veranschaulichen. In Abbildung 11 ist das zunächst wiederum für die Verschiebungen beim globalen Privatvermögen geschehen.

Weil die USA und Japan in ihren jeweiligen Regionen (Nordamerika bzw. asiatisch-pazifischer Raum) für einen wesentlichen Teil des dort befindlichen Privatvermögens stehen, sind die Verschiebungen für diese beiden Länder im Chart ergänzend dargestellt worden. Dadurch wird das Gewicht erkennbar, das die Verschiebungen beim Privatvermögen in diesen beiden Staaten für die Weltregion haben, der sie zugeordnet werden. Es fällt diesbezüglich auf, dass – natürlich – die Entwicklung des mit Abstand reichsten Landes USA für Nordamerika (USA und Kanada) prägend ist, während Japan, das zweitreichste Land der Welt, die Entwicklung im asiatisch-pazifischen Raum wesentlich weniger stark beeinflusst, weil diese eine große Zahl von Ländern umfasst, einschließlich z.B. Australien, Singapur, Südkorea und Indonesien.

SLE_A11_Krisengewinner&-verlierer beim glob Vermögen_Regionen

Abbildung 11

Wie schon zuvor bei der Analyse auf Länderebene sieht man auch auf der Ebene der Weltregionen, dass in der Krise ab 2007 (US-Immobilienkrise) und in der Phase der Euro-Krise (2009-2012) Europa der einzige große Vermögensverlierer gewesen ist. Wiederum deutlicher als auf Länderebene ist zu sehen, wie stark die Privatvermögen in Nordamerika in der Euro-Krise profitierten. In keiner anderen Weltregion waren für den Krisenabschnitt 2009-2012 die Vermögensgewinne so hoch wie in Nordamerika. Nimmt man das Jahr 2013 noch hinzu, dann ist der Abstand zu den nächstgrößten Krisengewinnern in diesem Krisenabschnitt (2009-2013), dem asiatisch-pazifischen Raum und China, sogar beträchtlich.

Dasselbe gilt auch bei den Verschiebungen der Anteile am globalen Privatvermögen, wie bei Blick auf Abbildung 12 klar wird.

Unübersehbar ist ebenso, wie stark Europa in allen Krisenabschnitten, mit Ausnahme des Zeitraums 2000-2013, bei den Anteilen am globalen Privatvermögen verloren hat.

SLE_A12_Krisengewinner&-verlierer bei Anteilen glob Vermögen_Regionen

Abbildung 12

Anders ausgedrückt kann man sagen, dass der in Europa in den Jahren 2000-2007 erreichte Vermögensvorsprung durch die Krise ab 2007 bis 2012 sukzessive aufgezehrt worden ist (siehe Abbildung 10). Immerhin ist die Bilanz bei den Anteilen für Europa am Ende, das heißt für den Zeitraum 2000-2013, positiv geblieben, während sie für Nordamerika und den asiatisch-pazifischen Raum negativ ausfällt. Die meisten Anteile hinzugewonnen hat indes China.

Die Vermögenszusammensetzung in den Weltregionen

Das Bild, das hinsichtlich der Vermögensgewinner und –verlierer bisher gezeichnet worden ist, bleibt unvollständig, so lange man nicht auch betrachtet, in welchen Vermögensklassen es im Zuge der Krise zu Verschiebungen gekommen ist.

Finanzielles und nicht-finanzielles Privatvermögen

Im Global Wealth Databook differenziert die Credit Suisse nicht-finanzielles Vermögen und finanzielles Vermögen sowie private Schulden. Nicht-finanzielles und finanzielles Vermögen ergeben addiert das jeweilige Brutto-Privatvermögen. Nach Abzug der privaten Schulden ergibt sich das Netto-Privatvermögen, das allen Vermögenscharts in dieser Aufsatzreihe zugrunde liegt. Das heißt, dass es sich bei dem für die EU-Mitgliedstaaten, die Top 19 Länder und die Weltregionen in den Abbildungen angegebenen Privatvermögen immer um das Netto-Privatvermögen handelt.

Abbildung 13 zeigt, wie hoch der Anteil des nicht-finanziellen Privatvermögens am Bruttovermögen in den verschiedenen Weltregionen ist und wie er sich zwischen 2000 und 2013 verändert hat.

SLE_A13_Vermögensmix in Weltregionen_nicht-finanz Vermögen 2000-2013

Abbildung 13

Beim Blick auf diese Abbildung fällt auf, dass in Indien der Anteil des nicht-finanziellen Vermögens am Bruttovermögen mit Abstand am größten und in Nordamerika mit Abstand am geringsten ist.

Umgekehrt ist dementsprechend der Anteil des finanziellen Privatvermögens am Bruttovermögen in Indien besonders niedrig und in Nordamerika überdurchschnittlich hoch, wie Abbildung 14 veranschaulicht.

In Abbildung 13 fällt zudem auf, dass sich der Anteil des nicht-finanziellen Privatvermögens 2008 in allen Weltregionen auf einem deutlich höheren Niveau befunden hat und im Jahr darauf abgesackt ist. Nur in Nordamerika war das nicht der Fall. Dort war der Anteil des nicht-finanziellen Privatvermögens in 2009 größer als 2008.

Der in 2008 erhöhte Anteil des nicht-finanziellen Privatvermögens erklärt sich schlicht aus dem Einbruch beim finanziellen Vermögen in 2008 infolge der Finanzmarktkrise.

SLE_A14_Vermögensmix in Weltegionen_finanzielles Vermögen 2000-2013

Abbildung 14

Schaut man auf Abbildung 14, so lässt sich feststellen, dass sich der Anteil des finanziellen Privatvermögens am Bruttovermögen nur in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum von 2009 bzw. 2010 bis einschließlich 2012 – also während der Euro-Krise – sukzessive erhöhte. Zugleich hat sich die Vermögenszusammensetzung in Europa nur wenig geändert. Ab 2011 stieg der Anteil des finanziellen Privatvermögens dort sogar wieder leicht an.

Die auf Länderebene für die reichsten Länder veranschaulichten markanten Veränderungen beim (Netto-)Privatvermögen nach 2008 und speziell in der Euro-Krise (siehe dazu Abbildung 2 für die EU in Teil 1 und Abbildung 4 für die Top 19 Länder in Teil 2) lassen sich folglich nicht ohne weiteres aus den Verschiebungen in der Zusammensetzung des Bruttovermögens erklären – jedenfalls nicht auf regionaler Ebene, für die lediglich entsprechende Daten im Global Wealth Databook zur Verfügung stehen.

Einmal begründet sich das daraus, dass die Weltregion „Europa“ – wie oben bereits ausgeführt – in der Definition der Credit-Suisse Analyse 40 Länder umfasst, die Europäische Union jedoch nur 28 Mitgliedstaaten hat. Dadurch werden negative Vermögenswirkungen der Krise, die in der EU aufgetreten sind, auf der Ebene der Weltregion „Europa“ offensichtlich zum Teil kompensiert. In der Weltregion „Nordamerika“ wiederum, die sich aus den USA und Kanada zusammensetzt, ist es, wie Abbildung 4 in Teil 2 zeigt, nach 2008 in Kanada nicht zu einem derart steilen Vermögensanstieg wie in den USA gekommen. Das erklärt mithin den nicht gar so steilen Anstieg beim finanziellen Vermögen in der Region Nordamerika ab 2009.

Private Schulden

Betrachtet man auf der Ebene der Weltregionen jedoch ergänzend auch die Entwicklung der privaten Schulden, wie in Abbildung 15 dargestellt, dann scheint sich das Bild etwas aufzuklären – jedenfalls auf den ersten Blick.

Zu beachten ist bei Abbildung 15, dass sich die Prozentangaben auf das Bruttovermögen (finanzielles + nicht-finanzielles Privatvermögen) beziehen. Für Nordamerika bedeutet also beispielsweise der Wert 23,1 für das Jahr 2008, dass private Schulden in Höhe von 23,1 Prozent des Bruttovermögens dieser Weltregion von der Credit Suisse errechnet worden sind.

SLE_A15_Vermögensmix in Weltregionen_private Schulden 2000-2013

Abbildung 15

Interessant ist bei Abbildung 15 einmal die Entwicklung im asiatisch pazifischen Raum und in China. Die asiatisch-pazifische Region stellt mit Blick auf die Entwicklung des Anteils der privaten Schulden eine absolute Ausnahme dar, weil er sich über den gesamten Zeitraum praktisch kaum verändert hat. In China wiederum gab es bis 2009 kaum Veränderungen. Seitdem aber steigt der Anteil der privaten Schulden am Brutto-Privatvermögen kontinuierlich an, allerdings auf einem vergleichsweise sehr niedrigen Niveau.

Bemerkenswert ist insbesondere auch, dass der Anteil der privaten Schulden in Afrika, Lateinamerika (einschließlich der Karibik) und Indien über den gesamten Zeitraum beinahe unentwegt gestiegen ist. Bis 2008 gilt das ebenso für Europa und ganz besonders für Nordamerika. Während er in Europa danach erst gesunken, 2011 jedoch wieder angestiegen ist und seitdem eher zu stagnieren scheint, hat er sich in Nordamerika nach 2008 kontinuierlich und signifikant, nämlich um 6,9 Prozentpunkte, reduziert.

Auf den ersten Blick scheint dies eine zumindest naheliegende Begründung dafür zu sein, warum der Anstieg des Nettovermögens in den USA nach 2008 so steil verlaufen ist. Die Frage ist jedoch, ob der Anteil der privaten Schulden am Bruttovermögen in Nordamerika zurückgegangen ist weil private Schulden abgebaut wurden oder weil das Bruttovermögen so stark gestiegen ist.

Ausblick auf Teil 4

In Teil 4 soll diese Frage geklärt werden. Nach diesem abschließenden Blick auf die Verschiebungen in der Vermögenszusammensetzung im Zuge der Krise auf der Ebene der Weltregionen steht dieser Aspekt in Teil 4 bei der Betrachtung der Länder-Ebene im Vordergrund. Speziell wird es dabei auch um die Komposition des finanziellen Privatvermögens gehen, wobei zwischen liquiden Mitteln, Aktien und sonstigen Finanzanlagen unterschieden werden wird.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

Links: Teil 1, Teil 2

Print article

16 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 20. Januar 2014

    Danke für die investierte Arbeit und danke für die Übersichten.
    Das muss man ja erst einmal sacken lassen.

  • Eurelios - 20. Januar 2014

    Auch Danke wirkliche eine gute Studie. Sie titeln:

    90 Prozent der Länder dieser Erde nehmen an der Vermögens-Rally nicht teil

    Entspricht etwa genau der Vermögensverteilung der Menschen 90% haben wenig bis nix
    10% sehr sehr viel und einige davon noch mehr.

    Wobei das Gesamtvermögen der Menschheit eigentlich nur im im schnellem Rechner
    vorhanden ist mit seinem Dualsystem. Arbeitsleistungen des Menschen sind da nur
    noch eine sehr kleine Nebengröße.

    Ironie an:
    Auch der letzte Mensch kommt zu der Erkenntnis das man mit der Händearbeit ne
    arme Sau ist und bleibt und sitzt sich dann auch vor der Computer und mischt mit beim
    beim dem Zahlenroulett. Es wird dann Mittag und man will Essen gehen. Leider gibts nix
    es ist ja keiner da der dafür gearbeitet hätte.
    Ironie aus.
    Bin ja mal gespannt wie es weitergeht. :-) :-(

    • Frank Bell - 24. Januar 2014

      @ Eurelios

      Nun, es wird halt Hartz IV für immer mehr Menschen geben.

      Passend dazu wird die Springer-Presse Artikel schreiben, in denen gegen diese faulen Hartz IV-”Säck” gehetzt wird. Wer nicht “arbeiten” will, der bekommt dann auch nichts.

      Gleichzeitig verschweigt man, dass es einige gibt, die ein leistungsloses Einkommen beziehen:

      Die Multi-Millionäre, die von den Zinsen und Dividenden gut leben können.

  • Häschen - 21. Januar 2014

    Spannend aufbereitet.

  • Bernd Klehn - 21. Januar 2014

    Frage: Wie gehen unterschiedliche Rentensysteme in die Privatvermögensbilanz ein? Gehen auch Rentenansprüche an ein Umlagesystem ein, oder nur Ansprüche an eine Privatvorsorge? Im voraus Danke für eine Antwort.

    • SLE - 21. Januar 2014

      Hallo Bernd Klehn,

      das Global Wealth Databook der Credit Suisse geht in dieser Frage nicht sehr in die Tiefe. Explizit ist dort nur von privaten Versicherungen und Vorsorgesystemen (Pensionsfonds/-plänen) die Rede. Insofern sieht es für mich so aus, als seien Rentenansprüche an ein Umlagesystem (wie bei uns in Deutschland) dort nicht berücksichtigt.

      Viele Grüße
      SLE

      • Bernd Klehn - 21. Januar 2014

        Dachte mir, dass eine Bank so denkt, obwohl beide geldwerte Ansprüche erst in der Zukunft erarbeitet werden müssen und sich vom Grundsatz her nicht unterscheiden. Dieses verzehrt das Geld

        • Bernd Klehn - 21. Januar 2014

          Dieses verzerrt das Bild erheblich zu Ungunsten der nordischen Länder, die auf einem starken Renten und Sozialsystem fußen..

          • SLE - 22. Januar 2014

            @ Bernd Klehn
            Das ist natürlich richtig. Eine weitere beträchtliche Ungenauigkeit ergibt sich u.a. aus dem nicht erfassten Offshore-Vermögen. Die Daten haben Schwächen und darauf habe ich eingangs (in Teil 1) hingewiesen. In dieser Aufsatzreihe geht es mir aber auch weniger um die möglichst genaue Abbildung der Höhe des Privatvermögens auf Länderebene, sondern in erster Linie um die Veränderungen und Verschiebungen beim Privatvermögen im Zuge/infolge der US-Hypotheken-, Finanzmarkt-, Weltwirtschafts- und Schuldenkrise auf der Ebene von Ländern und Weltregionen. Interessant ist insofern natürlich gerade das in Institutionen des Finanzsektors befindliche finanzielle Privatvermögen.

            Grüße
            SLE

      • Vogel - 28. Januar 2014

        Vllt. hat das mit dem Umlageverfahren zu tun?? Raus wie rein – wo wird da ein ausweisnares Vermögen gebildet?

  • JL - 21. Januar 2014

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Ein sehr schöner Artikel.

    Beachtenswert ist meiner Meinung nach der Umstand, daß sich die Vermögen in Gesamtsumme und die Verschuldung in Gesamtsumme kaum geändert haben. Dies deutet meiner Meinung nach auf eine nicht bewältigte Krisensituation hin, sprich Stagnation.

    Fakt aber bleibt: Die Gewichtungen- wie auch immer- verschieben sich in Richtung Asien.

    Bemerkenswert sind auch die Privatvermögensdaten zu den USA. Dort wurden massive Steuererleichterungen für „Gutbetuchte“ geschaffen. Hätte Bush Junior nicht entsprechende Gesetze erlassen sähe die Datenreihe heute wohl vermutlich anders aus.

    Erstaunlich sind aber auch die Unmengen an staatlichen Rettungs- und Stützungsgeldern, die sind nirgends erkennbar, da wohl nicht vorhanden. Ergo Kreisen diese Billionen wohl noch im Finanzhimmel.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Tommy - 22. Januar 2014

    “Beachtenswert ist meiner Meinung nach der Umstand, daß sich die Vermögen in Gesamtsumme und die Verschuldung in Gesamtsumme kaum geändert haben.”

    In Relation betrachtet sind Vermögen & Verschuldung immer exakt äquivalent!

    • Bernd Klehn - 23. Januar 2014

      Tommy

      “In Relation betrachtet sind Vermögen & Verschuldung immer exakt äquivalent!”

      Nicht Vermögen und Schulden sind äquivalent, sondern Forderungen und Schulden. Dieses ist ein riesiger Unterschied. Was in der Welt im jeweiligen Augenblick vorhanden ist, stellt das Vermögen dar. Der Rest sind äquivalente Forderungen und Schulden. Betrachtet man allerdings, wie in dieser Analyse, nur die Entwicklung der privaten Forderungen ohne die Entwicklung der öffentlichen Schulden mit einzubeziehen, siehe USA, kann man allerdings schnell zu einem falschen Bild gelangen.

  • Frank Bell - 24. Januar 2014

    Die 85 reichsten Menschen der Erde besitzen so viel wie die ärmsten 3,5 Milliarden Menschen.

    Welch ein Glück, dass Wahlen nichts ändern… Sonst käme der eine oder andere noch auf dumme Gedanken.

    • JL - 24. Januar 2014

      Frank Bell,

      wenn Wahlen etwas ändern würden würde es Wahlen nicht geben.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

  • Andreas Herzog - 30. Januar 2014

    Was für ein interessanter, umfangreicher und aussagekräftiger Artikel!
    Er bestätigt bzw. untermauert das, was uns täglich berichtet und z.T. selbst erlebt wird!
    Leider können wir persönlich mit unserem Wissen nichts zur Beendigung der krisenhaften Vermögensentwicklung beitragen.
    Und das macht mich traurig und gleichzeitig wütend!