Vermögensentwicklung in der Krise – Teil 5: Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Vermögensportfolios

von am 11. Februar 2014 in Allgemein

Die Berechnungen des Vermögens der privaten Haushalte im Global Wealth Databook der Credit Suisse folgen internationalen Standards, die sich primär aus dem von den Vereinten Nationen (UN), dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Europäischen Kommission und der OECD gemeinsam entwickelten „System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen“ („System of National Accounts“ (SNA93) (1)) für die Erstellung von Vermögensbilanzen privater Haushalte ergeben.

Internationale Standards für die Erstellung von Vermögensbilanzen

Die Europäische Union hat wiederum ein eigenes „Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen“ (ESVG95) (2), das zum Teil andere Definitionen verwendet als das SNA und zusätzliche Differenzierungen vorsieht, um den Besonderheiten auf europäischer Ebene besser gerecht werden zu können. Gleichwohl stimmt es im Wesentlichen mit den Standards des SNA überein und stellt so die internationale Vergleichbarkeit der Daten sicher. Auf internationaler ebenso wie auf europäischer Ebene wurden die Regeln zwischenzeitlich überarbeitet. Im Herbst 2014 wird die überarbeitete Fassung der europäischen Standards („European System of Accounts“ (ESA 2010) (3)) in Kraft treten.

Diesen Regeln folgen auch die seit einigen Jahren von der Europäischen Zentralbank gemeinsam mit den nationalen Notenbanken zwecks besserer Fundierung geldpolitischer Entscheidungen durchgeführten Erhebungen zum Vermögen und den Finanzen der privaten Haushalte im Euroraum („Household Finance and Consumption Survey“ (HFCS)). Bei der Bundesbank läuft diese Erhebung unter dem Titel „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF). (4) Erst im Januar hatte die Bundesbank die – auch auf Querschuesse besprochenen (5) – jüngsten Daten zum Geldvermögen der Deutschen veröffentlicht. (6)

Eine auch für die Aufsatzreihe zur „Vermögensentwicklung in der Krise“ bedeutsame Festlegung ist in diesem Zusammenhang, dass zwar Vermögenstitel für die private Altersversorgung über Versicherungen (z.B. Riester-Rente) und Pensionsfonds sowie etwa auch Ansprüche aus Lebensversicherungen in die Vermögensbilanz der privaten Haushalte einfließen, nicht aber solche aus der gesetzlichen Sozialversicherung und Altersvorsorge, obwohl dies natürlich wünschenswert wäre. Allerdings würde dies laut Bundesbank einige Probleme aufwerfen, die nicht einfach zu lösen sind, erst recht nicht auf internationaler Ebene. (7)

So müssten die zukünftig zu erwartenden Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung zunächst einmal zuverlässig berechnet und dann kapitalisiert werden, was zusätzliche Annahmen erforderlich macht, etwa zur Lebenserwartung, zum Renteneintrittsalter und zur Besteuerung von Renten. Weil es sich um umlagefinanzierte Systeme handelt, finanzieren ferner die privaten Haushalte die Verbindlichkeiten dieses Systems selbst und deswegen müsste dem erfassten Vermögen ein fiktiver Kapitalstock hinzugefügt werden. Des Weiteren erfolgt über das umlagefinanziertes Sozialversicherungssystem zwar eine (intertemporale und interpersonelle) Umverteilung, aber keine Erhöhung des aggregierten Gesamtvermögens der privaten Haushalte eines Landes im Sinne einer Ausweitung der Konsummöglichkeiten. (8)

Im internationalen und europäischen System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden Ansprüche gegenüber umlagefinanzierten (gesetzlichen) sozialen Sicherungssystemen nicht als Verbindlichkeiten dieser Systeme verbucht und tauchen deswegen auch nicht in den Vermögensbilanzen der privaten Haushalte auf. (9)

Auch im Global Wealth Databook der Credit Suisse werden diese Ansprüche bei der Berechnung des Privatvermögens der Haushalte nicht berücksichtigt.

Finanzielles Vermögen: Die Anlageklassen im Global Wealth Databook

Was die Differenzierung des finanziellen Privatvermögens nach Anlageklassen anbelangt, so sind diese ebenfalls in den oben angesprochenen internationalen und europäischen Standards festgelegt.

Das Global Wealth Databook unterscheidet bei der Analyse der Zusammensetzung der Portfolios der privaten Haushalte drei Kategorien:

  • liquides Vermögen (Bargeld und Einlagen),
  • Aktien und andere Beteiligungen bzw. Anteilsrechte (u.a. Genussscheine, Investmentzertifikate) und
  • sonstiges finanzielles Vermögen (alle übrigen Wertpapiere sowie das in privaten Versicherungen und Pensionsfonds gebundene Privatvermögen).

Offensichtlich orientiert sich die Credit Suisse bei dieser Unterteilung des finanziellen Privatvermögens an den oben angesprochenen internationalen Standards, gibt dazu aber keine näheren Erklärungen.

Allerdings wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist zu ermitteln, inwieweit „Aktien und andere Beteiligungen“ von den privaten Haushalten indirekt über Versicherungen und Pensionsfonds gehalten werden, weil es in den von der Credit Suisse ausgeschöpften Datenquellen dazu keine Daten gibt.

Bei der Betrachtung und Analyse der Zusammensetzung des finanziellen Privatvermögens auf Länderebene ist folglich davon auszugehen, dass Aktien und Beteiligungen auch im Sammelposten „sonstiges finanzielles Vermögen“ eine Rolle spielen. Aber es bleibt unklar, in welchem Umfang dies in den verschiedenen Ländern der Fall ist, weil das von der Anlagestrategie der relevanten Versicherungen und Pensionsfonds abhängt.

Es ist insofern durch die Auswertung der Daten aus dem Global Wealth Databook im Hinblick auf die Vermögensentwicklung in der Krise im Folgenden nicht genau zu klären, in welchem Ausmaß das Privatvermögen negativ bzw. positiv von den teils heftigen Bewegungen an den Börsen in dieser Zeit tatsächlich betroffen gewesen ist.

Zusammensetzung des finanziellen Privatvermögens in 15 EU-Ländern

Abbildung 21 zeigt zunächst die Veränderung in der Zusammensetzung des finanziellen Privatvermögens in 15 EU-Mitgliedstaaten, für die entsprechende Daten vorliegen. Die Anteile aller drei Kategorien finanziellen Vermögens addieren sich bei jedem Land im jeweiligen Jahr auf 100 Prozent. Erhöht sich also etwa der Anteil des liquiden Vermögens in Irland vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2007, dann gibt es eine entsprechende Reduktion des Anteils der „Aktien und Beteiligungen“ oder des „sonstigen finanziellen Vermögens“ oder – wie im gewählten Beispiel – bei beiden.

Zu sehen ist in der Abbildung die Zusammensetzung des finanziellen Vermögens in vier Jahren (2000, 2007, 2009 und 2012). Für Irland fehlen allerdings die Werte für das Jahr 2000, für die Niederlande die für das Jahr 2012. Wie sich die Zusammensetzung in diesen 15 Ländern in der Phase der Euro-Krise (2009-2012) verändert hat, geht ebenfalls aus der Abbildung hervor. Die hellgrünen Säulen stehen für den Anteil des liquiden Vermögens, die gelben für den der Aktien und Beteiligungen und die pinkfarbenen für den des sonstigen finanziellen Vermögens. Einige der Ländernamen sind in blauer Farbe geschrieben. Der Grund dafür ist, dass im Global Wealth Databook nur für diese EU-Staaten Daten zum Anteil des finanziellen Vermögens am Brutto-Privatvermögen (finanzielles + nicht-finanzielles Vermögen) ausgewiesen sind, weswegen nur diese in der weitergehenden Analyse betrachtet werden können.

Denn die auf Länderebene erkennbaren Verschiebungen bei diesen Anteilen können nur angemessen bewertet werden, wenn bekannt ist, wie hoch der Anteil des finanziellen Privatvermögens am Brutto-Privatvermögen ist und wie sich dieser im gleichen Zeitraum verändert hat. Beim Blick auf Abbildung 18 in Teil 4 wird das nachvollziehbar, wenn man sich – wie dort veranschaulicht – vor Augen führt, dass der Anteil des finanziellen Privatvermögens am Brutto-Privatvermögen beispielsweise in den Niederlanden im Jahr 2013 bei 69,6 Prozent lag, in Frankreich jedoch nur bei 35,1 Prozent. Veränderungen des Anteils des finanziellen Vermögens und Verschiebungen der Anteile zwischen den drei finanziellen Vermögensklassen schlagen also beim Privatvermögen in den Niederlanden in absoluten Zahlen ausgedrückt viel stärker durch als in Frankreich.

SLE_A21_Zusammensetz finanzielles Vermögen_15EU-Länder 2000,2007,2009,2012

Abbildung 21

Auswertung von Abbildung 21

Es fällt auf, dass der Anteil des in „Aktien und anderen Beteiligungen“ (gelbe Säulen) gehaltenen finanziellen Privatvermögens in den meisten Ländern über den betrachteten Zeitraum hinweg stark zurückgegangen ist und besonders stark in Griechenland. In Polen und Dänemark ist das nicht der Fall, in Finnland und Österreich, aber auch in Italien und Großbritannien hat sich der Anteil der Aktien und Beteiligungen wieder erhöht.

Eine hohe Bedeutung hat diese Anlageklasse beim Stand von 2012 aber lediglich in wenigen der 15 EU-Länder. Nur in Finnland lag der Anteil noch bei über 40 Prozent, in Belgien bei knapp über 30 Prozent, in Portugal, Schweden und Italien bei über 25 Prozent. Dagegen lag er in Irland, den Niederlanden, Großbritannien, Deutschland und Frankreich bei nur noch um die 15 Prozent und in Griechenland ist er sogar auf etwa 5 Prozent zurückgegangen.

Dieser Rückgang spiegelt sich in den meisten Ländern in einer positiven Entwicklung des Anteils des liquiden und des sonstigen finanziellen Vermögens wider.

Stark zugenommen hat die Bedeutung des liquiden Vermögens als Anlageklasse speziell nach 2007 in Griechenland, aber auch in Finnland, Polen, Portugal, Belgien, Schweden, den Niederlanden, Spanien, Italien und Deutschland, allerdings ausgehend von sehr unterschiedlichen Niveaus. In Dänemark, Schweden, Frankreich und Großbritannien hat das sonstige finanzielle Vermögen mit einem Anteil von um die 55 Prozent hingegen einen herausragenden Stellenwert.

Nimmt man einmal nur die Phase der Eurokrise (2009-2012) und speziell die Euro-Krisenländer in den Blick, dann lässt sich feststellen:

In Irland hat sich allein der Anteil des sonstigen finanziellen Vermögens erhöht, in Portugal nur der des liquiden Vermögens. In Griechenland und Spanien hat sich sowohl der Anteil des liquiden Vermögens als auch der des sonstigen finanziellen Vermögens erhöht. In Italien hat sich hingegen der Anteil des liquiden Vermögens und der der Aktien und Beteiligungen vergrößert.

Wie stark sich das jeweils auf das Brutto-Privatvermögen ausgewirkt hat, lässt sich auf der Grundlage des Global Wealth Databook allerdings nur für Italien sagen, weil darin für alle anderen Krisenländer der Anteil des finanziellen Privatvermögens am Brutto-Privatvermögen nicht ausgewiesen wird. Wie gesagt liegen diese Daten für die in Abbildung 21 blau gekennzeichneten Länder vor. Sie gehören zugleich zu den weltweit reichsten Ländern, die schon in Teil 4 untersucht werden.

Zusammensetzung des finanziellen Privatvermögens in 10 Ländern

In Abbildung 22 sind sie deswegen zusammen mit den vier anderen Ländern aus der Gruppe der Top 19 (USA, Japan, Kanada und Australien) aufgeführt. Zur Erinnerung: Diese zehn Länder vereinten 2013 rund 80 Prozent des globalen Privatvermögens auf sich. 2007 begann die US-Immobilienkrise und 2008 war das Jahr der stärksten Einbrüche beim Privatvermögen.

SLE_A22_Zusammensetz finanzielles Vermögen_10Länder 2007,2008,2009,2012

Abbildung 22

In diesem Chart ist neben den Anteilen der drei Anlageklassen auch der Anteil des finanziellen Privatvermögens am Brutto-Privatvermögen (blaue Säulen) angegeben und zwar für die Krisenjahre 2007, 2008, 2009 und 2012. Für das finanzielle Privatvermögen in absoluten Zahlen wurde in Teil 4 bereits veranschaulicht, wie es sich in dieser Ländergruppe in den Krisenabschnitten 2008-2013 (siehe Abbildung 19) und 2009-2012 (siehe Abbildung 20) entwickelt hat. Das Global Wealth Databook weist jedoch für diese Ländergruppe nur die Daten für die Anteile von liquidem Vermögen, Aktien und Beteiligungen und sonstigem finanziellen Vermögen bis zum Jahr 2012 aus, für die Niederlande nur bis 2011. Der Krisenabschnitt 2008-2013 kann deswegen im Folgenden nicht analysiert werden.

Die Verschiebungen bei den Anteilen zwischen den Anlageklassen können in dieser Abbildung im Zusammenhang mit der Höhe und den Veränderungen des Anteils des finanziellen Vermögens am Brutto-Privatvermögen betrachtet werden. Letzterer ist in Dänemark und Kanada (etwa 55 Prozent) sowie in den Niederlanden, Japan und den USA (60-70 Prozent) überdurchschnittlich hoch und jeweils größer als der des nicht-finanziellen Privatvermögens. In Großbritannien stieg er zuletzt bis auf knapp 50 Prozent.

Die Anlageklassen wurden für die EU-Länder bereits in Verbindung mit Abbildung 21 thematisiert. Im Blickpunkt stehen deswegen bei Abbildung 22 Australien, Kanada, Japan und die USA.

Es fällt auf, dass Aktien und andere Beteiligungen in den USA eine vergleichsweise sehr hohe Bedeutung haben, auch wenn diese im Zuge der Krise abgenommen hat. Unter den in Abbildung 21 aufgeführten EU-Ländern kommt nur Finnland auf ähnlich hohe Anteilswerte. Fast genauso groß ist in den USA der Stellenwert der Kategorie sonstiges finanzielles Vermögen. Allerdings hat diese im Krisenverlauf an Bedeutung gewonnen.

In Japan haben Aktien und Beteiligungen hingegen nur einen geringen Stellenwert. Sehr groß ist dort indes der Anteil des liquiden Vermögens und er hat sich im Zuge der Krise weiter vergrößert. Der Anteil des sonstigen finanziellen Vermögens hat sich kaum verändert.

Auch in Kanada haben Aktien und Beteiligungen einen vergleichsweise hohen Stellenwert. Nach einem Rücksetzer in 2008 ist deren Anteil sogar wieder kontinuierlich gestiegen. Ebenfalls gestiegen ist im Krisenverlauf der Anteil des liquiden Vermögens, das allerdings als Anlageklasse in diesem Land den geringsten Stellenwert hat. Einen Rückgang gab es dort zuletzt auch beim sonstigen finanziellen Vermögen. Dennoch war der Anteil auch in 2012 immer noch höher als der der Aktien und Beteiligungen.

Ganz anders sieht das Bild in Australien aus. Bei vergleichsweise geringem Stellenwert des finanziellen Privatvermögens hat das sonstige finanzielle Vermögen als Anlageklasse mit Anteilswerten von zuletzt immer noch deutlich über 60 Prozent eine herausragende Bedeutung. Der Anteil des liquiden Vermögens ist 2007 bis 2009 gestiegen, während der der Aktien und Beteiligungen im gleichen Zeitraum sank. Im letzten Jahr, 2012, hat sich nur der Anteil der Aktien positiv entwickelt, allerdings auf niedrigem Niveau.

Anteilsverschiebungen beim finanziellen Privatvermögen in der Euro-Krise

Zusammenfassend und übersichtlich sind die angesprochenen Anteilsverschiebungen in den Anlageklassen für die 15 EU-Länder im Krisenabschnitt 2009-2012 in Abbildung 23 dargestellt und für die Gruppe der 10 Länder in Abbildung 24. In beiden Abbildungen ist für alle Länder die prozentuale Veränderung des Netto-Privatvermögens (graue Säulen) im angegebenen Zeitraum abgetragen und – soweit vorhanden – auch die Veränderungen des Anteils des finanziellen Privatvermögens am Brutto-Vermögen (blaue Säulen).

SLE_A23_Anteilsverschieb finanzielles Vermögen+Netto-Vermög_15EU-Länder 2009-2012

Abbildung 23

Die Veränderungen bei den Anteilen der Anlageklassen – liquides Vermögen (hellgrün), Aktien und Beteiligungen (gelb) und sonstiges finanzielles Vermögen (pink) – addieren sich bei jedem Land zu Null. Dasselbe gilt für die Anteile von finanziellem und – hier nicht abgebildeten – nicht-finanziellem Privatvermögen. Letzteres bedeutet mit Blick auf die beiden Abbildungen, dass sich in all jenen Ländern, in denen die Veränderungen beim Anteil des finanziellen Vermögens negativ sind, der Anteil des nicht-finanziellen Privatvermögens um jeweils denselben Betrag vergrößert hat.

SLE_A24_Anteilsverschieb finanzielles Vermögen+Netto-Vermög_10Länder 2009-2012a

Abbildung 24

Insgesamt ergibt sich bei den Anteilsverschiebungen zwischen den Anlageklassen und beim finanziellen sowie nicht-finanziellen Privatvermögen kein einheitliches Bild. Für deren Bewertung ist letztlich ausschlaggebend, ob sich das Privatvermögen im betrachteten Krisenabschnitt vergrößert oder reduziert hat.

Wie sich die Anteilsverschiebungen in der Euro-Krise finanziell ausgewirkt haben

In Abbildung 25 ist dargestellt, welche Veränderungen sich aus diesen Anteilsverschiebungen in absoluten Zahlen (in Billionen Dollar) ausgedrückt für die in Abbildung 24 berücksichtigten zehn Länder für die Phase der Euro-Krise (2009-2012) ergeben.

SLE_A25_Veränderung liquidVermög_Beteilig_sonstfinanzVermög_10Länder 2009-2012

Abbildung 25

Stellt man in Abbildung 25 die drei Säulen bei jedem Land gedanklich übereinander, so ergibt sich jeweils der Betrag der Veränderung des finanziellen Privatvermögens während der Euro-Krise, so wie er bereits in Abbildung 20 in Teil 4 (blaue Säulen) visualisiert worden ist. Abbildung 25 verdeutlicht, wie die drei Anlageklassen zu den für diese zehn Länder in Teil 4 konstatierten Veränderungen beim finanziellen Privatvermögen beigetragen haben.

Für Dänemark addieren sich die Veränderungen in den drei Anlagekassen auf ein leichtes Plus von unter 100 Milliarden Dollar beim finanziellen Privatvermögen. Für die Niederlande ergibt sich ein Minus knapp unterhalb von Null. Das Plus bei den sonstigen finanziellen Anlagen konnte dort also das Minus beim liquiden Vermögen und bei Aktien und Beteiligungen in der Phase der Euro-Krise nicht kompensieren. Im Falle Großbritanniens gleichen sich Gewinne beim liquiden Vermögen und Verluste in den beiden anderen Anlageklassen aus.

Für Deutschland, Italien und Frankreich fallen jeweils Verluste beim finanziellen Vermögen an. Interessanterweise sind diese in allen drei Ländern beim sonstigen finanziellen Vermögen am stärksten ausgeprägt. Das gilt besonders für Italien. Dort gab es jedoch im Unterschied zu Frankreich und insbesondere Deutschland nur geringe Verluste bei Aktien und Beteiligungen.

Es ist denkbar, dass die ausgeprägten Verluste beim sonstigen finanziellen Vermögen in diesen drei Ländern unter anderem auch mit Staatsanleihen zusammenhängen, aber auf Basis der Daten nicht feststellbar. Das gilt insbesondere auch deswegen, weil, wie oben erläutert, nicht klar ist, wie sich die Portfolios von Versicherern und Pensionsfonds zusammensetzen, die laut Credit Suisse den größten Posten bei den sonstigen finanziellen Anlagen darstellen. Allerdings sind im Zuge der sich verschärfenden Euro-Krise auch die Aktien in Europa und natürlich insbesondere in den Euro-Krisenländern massiv unter Druck geraten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in Australien, Japan und insbesondere in den USA beim sonstigen finanziellen Vermögen in der Euro-Krise ein stark ausgeprägtes Plus angefallen ist. In Kanada war das dagegen nicht der Fall.

Starke Gewinne gab es in den USA und Australien andererseits auch bei Aktien und Beteiligungen, nicht aber in Japan, was sich wohl vor allem aus der dort sehr geringen Bedeutung dieser Anlageklasse erklärt. In Japan steuerte hingegen das liquide Vermögen den größten Teil zum Anstieg des finanziellen Privatvermögens bei. In keinem anderen Gewinnerland in dieser Gruppe gab es in dieser Anlageklasse eine vergleichbar starke positive Entwicklung.

Veränderungen beim Privatvermögen nach Vermögensklassen auf einen Blick

Abbildung 26 zeigt für die zehn Länder die Veränderungen in den drei Anlageklassen, beim finanziellen und nicht-finanziellen Vermögen sowie beim Netto-Privatvermögen in der Euro-Krise auf einen Blick. Klar zu erkennen sind die Euro-Krisen-Gewinner und –Verlierer. Ein paar Dinge kommen bei diesem Chart ergänzend sehr gut zum Ausdruck.

Anknüpfend an die Ausführungen zu Japan sieht man in diesem Chart wie groß der Beitrag der Gewinne beim liquiden Vermögen (hellgrün) zum Plus beim finanziellen Privatvermögen (blau) gewesen ist.

Daneben ist jedoch gut ersichtlich, dass in Japan das nicht-finanzielle Privatvermögen (dunkelgrüne Säule) im Unterschied zu den USA rein betragsmäßig wesentlich zum Plus beim Netto-Privatvermögen (graue Säule) beigetragen hat. In Australien und in Kanada war – wie bereits in Teil 4 festgestellt (siehe Abbildung 20) – der Beitrag des nicht-finanziellen Vermögens zum Plus beim Netto-Privatvermögen in der Euro-Krise sogar größer als der des finanziellen Privatvermögens.

SLE_A26_Veränderung liquidVermög_Beteilig_sonstfinanzVermög+NettoV_10Länder 2009-2012

Abbildung 26

Im Fall Italiens und Deutschlands ist zu sehen, dass zwar die Verluste beim finanziellen Privatvermögen am größten waren, aber eben auch beim nicht-finanziellen Vermögen ein ausgeprägtes Minus angefallen ist. Deswegen sind diese beiden Länder in der betrachteten Länderauswahl die größten Euro-Krisen-Verlierer beim Netto-Privatvermögen gewesen. Noch etwas besser zu erkennen ist das in Abbildung 27, in der die USA und Japan weggelassen wurden.

Sehr deutlich zeigt diese Abbildung im Übrigen auch, dass sich das große Minus beim Netto-Privatvermögen im Falle Großbritanniens allein aus den Verlusten beim nicht-finanziellen Privatvermögen (insbesondere Immobilien und Land) erklärt.

Dass das Minus beim Netto-Privatvermögen (graue Säule) in Großbritannien in der Euro-Krise kleiner als das beim nicht-finanziellen Privatvermögen ausgefallen ist, erklärt sich aus der Entwicklung bei den privaten Schulden. Sie sind in der Euro-Krise leicht zurückgegangen (siehe dazu Abbildung 18 und Abbildung 20).

SLE_A27_Veränderung liquidVermög_Beteilig_sonstfinanzVermög+NettoV_8Länder 2009-2012

Abbildung 27

Fazit

Unter dem Strich lassen sich aus der Analyse der drei Vermögensklassen zwar einige zusätzliche Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die Euro-Krise auf die Entwicklung der Privatvermögen in der Länderauswahl ausgewirkt hat. Allerdings ist diese Untergliederung mit Blick auf die Kategorie „sonstiges finanzielles Vermögen“ letztlich doch zu grob und hinsichtlich der Bedeutung der Aktien und Beteiligungen letztlich zu wenig trennscharf, um herausfiltern zu können, wie sich der Anstieg des finanziellen Privatvermögens bei den Krisengewinner-Ländern und insbesondere der außergewöhnlich starke Anstieg in den USA genau erklärt.

Ganz sicher aber lässt sich festhalten, dass die Euro-Krisenverlierer mit Ausnahme von Großbritannien alle am stärksten beim finanziellen Vermögen verloren haben.

Der Anteil des finanziellen Vermögens am Brutto-Privatvermögen ist in Großbritannien bis 2012 auf knapp 50 Prozent gestiegen, in Deutschland stagniert er bei knapp unter45 Prozent, in Frankreich bei 35 Prozent und in Italien sank er in der Euro-Krise leicht auf zuletzt knapp über 35 Prozent.

In allen vier Ländern, die 2013 für knapp 73 Prozent des Netto-Privatvermögen in der EU mit ihren 28 Mitgliedsstaaten standen (siehe dazu Teil 1) ist die Kategorie „sonstiges finanzielles Vermögen“ die bedeutendste (siehe dazu oben Abbildung 22). In Frankreich, Deutschland und insbesondere in Italien sind dort jeweils die größten Finanzvermögensverluste angefallen, während Großbritannien in dieser Kategorie nur ein sehr geringes Minus aufweist.

Auf der anderen Seite waren die Finanzvermögensgewinne bei den Euro-Krisengewinnern USA und Australien (Finanzvermögensanteil knapp 70 bzw. über 35 Prozent) in der Kategorie „sonstiges finanzielles Vermögen“ am stärksten. In Japan (Finanzvermögensanteil etwa 60 Prozent) waren sie signifikant hoch, aber die beim liquiden Vermögen waren sie noch größer. In Kanada (Finanzvermögensanteil knapp 55 Prozent) gab es beim sonstigen finanziellen Vermögen hingegen nur ein sehr geringes Plus.

In der Kategorie „Aktien und andere Beteiligungen“ ist das Bild sowohl in der Gewinner- als auch in der Verlierergruppe uneinheitlich.

In den USA gab es in dieser Kategorie starke Gewinne, sie waren aber bei weitem nicht so groß wie die beim sonstigen finanziellen Vermögen. In Japan gab es in dieser Kategorie nur sehr geringe Gewinne. Die großen Finanzgewinne fielen dort in den beiden anderen Kategorien an. In Kanada und Australien wurden in der Euro-Krise bei Aktien und Beteiligungen ähnlich hohe Gewinne realisiert, aber die Gewinne beim sonstigen finanziellen Vermögen lagen weit auseinander. In Australien waren sie hoch, in Kanada sehr gering. In der Verlierergruppe waren die Verluste bei Aktien und Beteiligungen in Deutschland am höchsten und dort auch fast genauso groß wie die beim sonstigen finanziellen Vermögen. In Frankreich waren die Verluste in beiden Kategorien kleiner. In Italien, einem der Euro-Krisenländer, war das Minus bei Aktien und Beteiligungen gering, aber beim sonstigen finanziellen Vermögen sehr groß und in Großbritannien sind in beiden Kategorien nur sehr geringe Verluste zu verzeichnen gewesen.

Mit Blick auf die große Bedeutung des Postens „Versicherungen und Pensionsfonds“ in der Kategorie „sonstiges finanzielles Vermögen“ weist all das zusammengenommen eher nicht darauf hin, dass die die Euro-Krise kennzeichnenden starken Veränderungen beim sonstigen finanziellen Vermögen in der Gruppe der großen Krisengewinner und ‑verlierer sehr stark von der Entwicklung der Aktienkurse geprägt waren.

Ausblick auf Teil 6

Im sechsten und letzten Teil der Aufsatzreihe stehen die Folgen der Krise für die Vermögensverteilung innerhalb von Ländern und Weltregionen im Mittelpunkt der Analyse.

Die anderen Aufsätze der Reihe finden sich hier:

Teil 1 „Vermögensbilanz des Euro-Krisenmanagements“

Teil 2 „Gewinner und Verlierer der Euro-Krise im Klub der reichsten Länder“

Teil 3 „Krisengewinner und ‑verlierer nach Weltregionen: Transatlantische „Partnerschaft“

Teil 4 „Transatlantische „Partnerschaft“ – oder die länderspezifischen Folgen der Euro-Krise für das finanzielle Privatvermögen“

von Stefan L. Eichner
Konatkt: info.sle@web.de

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4 KommentareKommentieren

  • Eurelios - 11. Februar 2014

    Danke für deine gute Übersicht. Das war wirklich sehr zeitraubend und das alles
    “ehrenamtlich“

    Wie wichtig es unserer Volksvertereter ihr gut bezahltes Amt nehmen um für uns
    da zu sein hier ein Link:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/abgeordnetenbestechung-abgeordnetenwatch-kritisiert-groko-plaene-a-952880.html

    Es geht mir nicht um den Inhalt nur um das Bild.

    Einfach zum Erbrechen.

  • JL - 12. Februar 2014

    Sehr geehrter Stefan l. Eichner

    Bemerkenswert bei Abbildung 21 ist die Veränderung der Vermögensanteile unter Betrachtung der Krisenereignisse in den verschiedenen EU- Staaten- und zwar bei den finanziellen Geldvermögen.

    Gerade die Bevölkerung der „Südschiene“, also Portugal, Griechenland, Spanien und Italien horten ihre Werte wohl zunehmend „unter dem Kopfkissen“ als Bargeld, gleichzeitig zieht man sich aus Beteiligungen- also aus der Wirtschaft- zurück.

    Überraschend ist aber, daß dieses Muster auch auf Finnland, Belgien, Niederlande, Großbritannien und zum Teil auch auf Deutschland zutrifft, obwohl diese genannten Länder- außer Großbritannien- bisher noch nicht im Krisenmodus stecken. Entsprechend könnte man vermuten, daß letztgenannte Länder zunehmend mit Krisensymptomen zu kämpfen haben werden- in den Niederlanden und Finnland scheint z. B. die Immobilienblase bereits angestochen worden zu sein.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Dieter Schmitz - 13. Februar 2014

      @ JL

      Zu der Aussage “bisher”:

      Es gibt keinen Grund, zunehmende Krisensymptome in Deutschland anzunehmen. Die Industrieproduktion steigt, sowohl der Vorprodukte als auch der Endprodukte. Daimler hat z.B. im letzten Jahr (mal wieder) Absatzrekorde gesehen.

      Deshalb ist das Ausland ja auch neidisch, weil durch den Hartz-Mist unsere Wirtschaft sehr gut dasteht. (Hartz IV in Frankreich würde dazu führen, dass der Präsident unter der Guillotine landet.)

      • Querschuss - 13. Februar 2014

        @ Dieter Schmitz,
        “Die Industrieproduktion steigt…”, dies ist nachweislich falsch, bestenfalls könnte man sich zur Bezeichnung Stagnation hinreißen lassen :) Der Output, das Volumen, die Menge der hergestellten Waren und Güter in Deutschland sank 2013 zum zweiten Mal in Folge, 2013 um -0,3% zum Vorjahr und 2012 um -0,8% zum Vorjahr. Auch der reale Umsatz der deutschen Industrie sank zum zweiten Mal in Folge, 2013 um -0,5% zum Vorjahr und 2012 um -1,3% zum Vorjahr.

        Auch die Kapazitätsauslastung der deutschen Industrie sank das zweite Jahr in Folge, 2013 auf 82,1%, nach 83,5% 2012 und nach 85,5% 2011.

        Also bevor Behauptungen aufgestellt werden, die jeglicher Grundlage entbehren, bitte entweder selbst in den diversen Datenbanken, wie z.B. bei Destatis nachsehen, ein Querschuesse-Login erstehen, dann bekommt man immer alle Daten präsentiert oder nicht ganz so forsch Behauptungen aufstellen :)

        Es gibt bisher keinen Grund von einem kräftigen Wachstum in Deutschland auszugehen :)

        Gruß Steffen