Was die Griechenland-Rettung kostet: Ein paar neue Daten

von am 22. November 2012 in Allgemein

Im zweiten Quartal 2012 lag das Einkommen der griechischen Haushalte laut der griechischen Statistikbehörde ELSTAT 15 Prozent und der Konsum 7,3 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. In der gleichen Zeit stieg für sie die steuerliche Belastung um 37 Prozent. Das verfügbare Einkommen der griechischen Haushalte sank gemäß Schätzung um insgesamt 5,4 Milliarden Euro. (1)

Nach Polizeiangaben stieg die Selbstmordrate in Griechenland zwischen 2009 und 2011 um 37 Prozent. Seit 2009 wurden 3.124 Selbstmorde und versuchte Selbstmorde gezählt. (2)

“Rettungs”-milliarden? …. Spar-”erfolge”? …..

Retter und Sanierer sehen das offensichtlich so.

Womit beschäftigen die sich?

In Brüssel wird über „technische Probleme“ der Realisierung neuer Griechenlandhilfen in Milliardenhöhe gestritten, die notwendig sind, damit sich die griechische Regierung zwei Jahre mehr Zeit für die Erfüllung der geforderten Sparvorgaben nehmen kann.

Die größte Sorge von Christine Lagarde, der Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), ist es dabei, dass es am Ende zu einer Vereinbarung der Euro-Retter kommen könnte, die den guten Ruf des IWF als Sanierer beschädigt, weil dadurch der „Erfolg des Rettungspaketes“ in Frage gestellt wird. Schließlich trägt das Sanierungskonzept für Griechenland dessen Handschrift. Die Europäer müssten selbst ein Interesse daran haben, dass sich der IWF nicht als Architekt von Luftschlössern einen Namen mache, sagte die IWF-Direktorin. Die „Integrität, die Vertrauenswürdigkeit und die Qualität der Empfehlungen des IWF“ müssten erhalten bleiben. (3)

In Berlin wiederum erklärte jetzt Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Haushaltsdebatte im Bundestag die aktuelle schwarz-gelbe Bundesregierung zur erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung. (4)

Vor dem Hintergrund der Krisenentwicklung in den europäischen Schuldenstaaten und des Krisenmanagements der Euro-Retter wirft diese beherzte Aussage der Bundeskanzlerin schon die Frage auf, wie das Krisenmanagement der von ihr hoch gelobten Bundesregierung wohl aussehen wird, wenn die Rezession schließlich auch in Deutschland ankommt und vor allem, welche Folgen es zeitigt?

Das wirkt alles schon irgendwie surreal.

Es ist schwer zu sagen, woher Euro-Retter, Europäische Kommission, EZB, IWF und vor allem auch die griechische Regierung immer noch den Optimismus nehmen, dass der eingeschlagene Weg Griechenland aus der Krise führen wird.

Man fühlt sich an die Ärzte im alten Rom erinnert.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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49 KommentareKommentieren

  • Medi-Ziehner - 22. November 2012

    “Der Lebensunterhalt des Arztes erzielt sich daraus, den Kranken möglichst lang im Schwebezustand zwischen Gesundheit und Tod zu halten!”.

    Die Griechen sollten allerdings Jesus Sirach Kap. 38 lesen:
    “Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, fallet den Ärzten in die Hände!”.

    So gesehen sehe ich schwarz für Griechenland. Heilung keine Chance, weil sie die Ursachen für das Schlamassel einfach nicht eingestehen wollen. Die Preise in Hotels, Cafes, Restaurants in Athen sind heute noch höher als in Wien oder München, und die Qualität einfach für die Mülltonne, ehrlich. Wenn ich in München 3 Euro für einen Espresso bezahle, sitze ich in einem sauberen Lokal, mit sauberen Latrinen, und freundlichen Bedienungen. Wenn ich was esse, gibt es sogar Stoffservietten. In Griechenland habe ich letzmalig 2009 gegessen, die Lammkeule war eine einzige Fettqualle, zum Kotzen und würde hierzulande nicht mal als Hundefutter verwendet.

    Mein Fazit: es ist noch viel zu viel Geld da in Griechenland, da noch keine Notwendigkeit gegeben ist, sich anzustrengen. Der IWF und Co. haben nur den Fehler gemacht, und den kreide ich ihnen an, nicht gleich Anfang 2010 das Schaffott runter zu lassen und damit die Kapitalflucht der reichen Griechen zu verhindern. Die lachen sich eins, leben von den Zinsen bzw. Klein-Klein-Rücküberweisungen und beim Rest von Habenichtsen, die wohl 90% der Griechen ausmachen (Prozentsatz wie bei den Deutschen auch!!) ist nichts zu holen.

  • Holly01 - 22. November 2012

    Das was in Griechenland läuft ist eine riesen Sauerrei.
    Es ist weder wirtschaftlich vernünftig, noch ethisch vertretbar.
    Griechenland ist nur einen Fußbreit weiter als Spanien, die sind einen Fußbreit vor Portugal und dann kommen Frankreich und Deutschland.
    Die Verarmung weiter deutscher Bevölkerungsteile ist ebenso dumm, wie kontraproduktiv.
    Die Lösungen wären ganz andere.
    Staatsfinanzierung über Zinseszinsbesteuerung.
    Streichung der Geldschöpfung durch Banken.
    Clearingstelle für die Sicherheiten, welche durch Pfändung bedroht sind.
    Trennung der Kundeneinlagen vom Bankvermögen.
    Zwangsnetting der Zinsansprüche innerhalb des Bankensystems (Volumenreduktion).
    Begrenzung aller Finanzgeschäfte auf max. 36 Monate mit Verbot von Doppelverzinsung oder Zinseszinsen.
    Mindestlaufzeit aller Finanzgeschäfte von 24h, mit Wertstellung nach dem Fristablauf.
    Anhebung der Guthabenzinsen.
    Mindestreserve auf 20%
    Abschöpfung der Giralgelder durch die Staatsbanken und die EZB.
    Abschreibung von Krediten entsprechen der tatsächlichen Kosten, d.h. Zinsverlust und “Schöpfungskosten”, bei gleichzeitiger Rückgängigmachen des fiat money, also Bilanzverkürzung.
    .
    Das alles löst nicht das Problem, aber es dämpft die Dynamik.

  • micdinger - 22. November 2012

    Dieser demonstrierte Optimismus wird meines Erachtens nur nach außen, für die Öffentlichkeit, respektive Wähler vertreten. Ich kann es einfach nicht glauben, dass von den maßgeblichen Politiker in internen oder privaten Zirkeln der gleiche Optimismus vertreten wird. Es geht doch nur noch um Machtfragen und wer sich wohin im Fall der Fälle wird retten können.

    Für die Beziehung Politiker – Wähler gelten wohl die gleichen Gesetze wie in so vielen formalisierten persönlichen Beziehungen. Die Partner wissen, dass die Beziehung eigentlich im Arsch ist, aber wegen der gesellschaftlichen und ökonomischen die Zwänge ist die bestehende Beziehung alternativlos. Nur außerhalb der Partnerschaft wird über die beschissene Situation geredet.

    “Sehr geehrte Damen und Herren,
    wir lesen dieser Tage viel vom Versagen des Euros, der europäischen Gemeinschaft, der Politik, von den bösen Griechen und den strengen Deutschen.
    Über das Versagen der vierten Gewalt im Staat lesen wir nichts.
    Jeder Journalist, der Griechenland besucht, müsste feststellen, dass die Benzinpreise, Nahrungsmittelpreise, Stromkosten – also die „Preise des täglichen Bedarfs“ bis zu 30% höher liegen als in Deutschland.
    Gleichzeitig lesen wir vom Druck auf die Bevölkerung, Gehaltskürzungen, Pensionskürzungen usw. hinzunehmen.
    Wir sollen die Einkommen gekürzt werden können, wenn diese Ausgaben für den „täglichen Bedarf“ unverändert hoch sind??”
    http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/mgnl/Forum/client_show_entry?id=164639301111&url=http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/mgnl/Forum/client_output_page2?p_topic=1294@@p_from=01.01.2003@@p_to=31.12.2099@@p_step=5@@p_act=105@@p_max=191

    • micdinger - 22. November 2012

      Die Sache schaukelt sich so langsam auf, Zypern braucht wohl auch etwas mehr.

      http://www.handelsblatt.com/politik/international/hilfspaket-zypern-koennte-17-5-milliarden-euro-benoetigen/7426480.html

    • Holly01 - 22. November 2012

      Die breite Masse muß bluten, um die Zinsen für das anglikanische Bankensystem alla City und Wall Street zusammen zu kratzen.
      Die betrügen Europa um Billionen, indem geschöpfte Gelder (also leeres und nutzloses Giralgeld) also Vollgeldschulden geltend gemacht werden.
      Nicht das diese Leute irgendwann einmal ihren Größenwahn selbst bezahlen müssen, darum ist alles TINA.
      Man sollte denen wirklich die Luft raus lassen. Was wollen die machen? Der ganzen Welt den Krieg erklären?
      Lächerlich der ganze Scheiß.

      • Traumschau - 22. November 2012

        Genau! Wenn ich als Laie die Situation quasi von Außen betrachte, sehe ich nur zwei Möglichkeiten:
        1. Entweder man schafft es, die (Schein-) Geldmenge mit realen Gütern zu unterlegen … hihihi …haahahhhhhh … pruuuuuust …
        oder
        2. Man neutralisiert die Schulden samt Zinsforderungen durch einen Abbau der Guthaben samt Zinsforderungen im selben Umfang!

        Das ist aber eine schwere Entscheidung, kaum lösbar, oder?
        Im Augenblick geht man einen absurden Weg: Man erhöht die Geldmenge und versucht über Inflation die Schulden und Guthaben zu entwerten. Das kommt bei den Menschen, die eh´ kaum über die Runden kommen, besonders gut an. Vielleicht werden wir eines nicht allzu fernen Tages nur noch für eine warme Mahlzeit täglich arbeiten. Das ist die Richtung, in die es läuft. Weil der Markt ja alles im “Griff” hat und so … Wenn wir Pech haben und die derzeitige Politik wird fortgesetzt, halte ich einen europäischen Bürgerkrieg für nicht ausgeschlossen.
        Nur eine Frage der Zeit. Ich hoffe man zieht vorher die Bremse und kommt endlich zu VERNUNFT!!!

        • Holly01 - 22. November 2012

          Ich sehe das noch viel düsterer.
          Geld ist nur das was die Bundesbank mit den Geschäftsbanken bewegt.
          Das was der Endkunde mit seiner Geschäftsbank bewegt ist (gesetzlich) nicht einmal ein Zahlungsmittel. Die einzige Ausnahme sind physische Geldscheine und Münzen.
          Die Banken schöpfen das Geld mit Kosten von grob 4% per Bilanzverlängerung und setzen das wie Vollgeld ein.
          Geht das schief, gibt es keinen Gläubiger ! Es ist Giralgeld ! Die könnten es Monopolymark nennen und es hätte den gleichen Wert nämlich -> null <-.
          Dumm, das wir alle für "null" arbeiten gehen und in "null" investiert sind. Schade das wir alle in "null" verschuldet sind.
          Geld haben andere, der Endkunde (und das ist sehr wichtig) hat überhaupt keine Möglichkeit an Geld zu kommen. Das geht überhaupt nicht. Es gibt nur "null".
          Bis auf die etwa 3% physikalisches Geld, in der Form von Noten und Münzen.
          Ja das ist aber jetzt echt doof.
          Rentenansprüche sind ideele Ansprüche, denn erworben wurden die auf der "null" Basis.
          Geld ist so ein Wort, bei dem ich imo leicht rosa Ohren bekomme und mich auf Baldriantee konzentriere.
          Am besten gefällt mir die "monetative".
          Da wollen Politiker erreichen, daß die das Geld schöpfen können und nebenbei soll alles Giralgeld in Vollgeld umgewandelt werden.
          Das ist mit "blöd" und "Volksbetrug" überhasupt nicht hinreichend kommentiert.

          • Traumschau - 22. November 2012

            Ja, das ist mir auch schon durch diverse Beiträge aufgegangen. Das Erstaunliche aber ist, dass die Menschen das eigentlich wissen, aber nie in Frage stellen.
            Wenn nämlich alle Kunden einer Bank ihr Geld abholen wollen, GEHT DAS NICHT. Das ist der so genannte Bankrun – hat jeder schon mal gehört. Aber, es tut sich nichts: “Na gut, dann geht das eben nicht – meine Kohle muss schließlich “arbeiten” und kann nicht den ganzen Tag faul im Safe liegen …”
            Aus meiner Sicht gibt es aber noch eine weitere Konsequenz. Als mir das klar wurde, bin ich fast in Ohnmacht gefallen. Ich sehe das so, mal als Laie gesprochen:
            Die Geschäftsbank vergibt Kredite, die sie zu 1% (seit dem 18. Februar) bei der ZB absichern muss. Das bedeutet, diese Bank vergibt 100x mehr Kredite, als sie eigentlich garantieren kann. Die Überlegung ist folgende: Wenn diese Bank Zinsen für “Geld” (in Form von Sichtguthaben) verlangt das sie gar nicht besitzt, quasi aus dem Nichts schöpft, und außerdem noch PFÄNDBARE SICHERHEITEN fordert, dann ist das nicht anderes als Betrug! Da ist so manches Haus für “Nichts” zwangsversteigert worden. Das ist in Anbetracht des Zinseszinseffektes eine schleichende, aber zunehmend dynamische Enteignung der breiten Masse zugunsten einer kleinen Kapitalelite. Wer sich das ausgedacht hat, war schlichtweg genial. Ein besseres Geschäft gibt es nicht. Man kann einwenden, dass der Kredit erst dadurch zu “Geld” wird, dass dieses FÜR einen hoffentlich entsprechenden Gegenwert ausgegeben wurde. Trotzdem bleibt eine Differenz: die Zinsen werden bei der Geldschöpfung nicht mit generiert – sie fehlen im System. Das sehen wir gerade. Es wird versucht, durch eine immer weiter ausufernde Geldschöpfung die Lücke zu stopfen. Aber natürlich kann das nicht funktionieren, denn mit jeder Geldschöpfung steigt die Zinslast. Mhh, was nun? Ach ja, da gibt es ja noch die europäischen Völker, die können das durch Sparmaßnahmen, etc. aufbringen … NEE, geht nicht, wirklich nicht. Die Folgen sehen wir gerade. Alle europäischen Staaten haben sich verschuldet, um die Renditen der zumeist großen und reichen Anleger zu garantieren – Bankenrettung auf der einen, Sparpakete und Kürzungen auf der andern Seite. Die größte Umverteilung von unten nach oben, die es jemals gegeben hat. UND, sie geht weiter und weiter …
            Oder anders: “Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.”

          • SLE - 22. November 2012

            Sehr gut gesagt, Holly01.

            @ Traumschau

            Solche und andere geniale Ideen haben die im Regulierungsschlaraffenland am laufenden Band, wie z.B. von Reuters hier sehr gut recherchiert und dargelegt wurde:

            http://www.reuters.com/article/2012/11/20/us-libor-fixing-origins-idUSBRE8AJ0MH20121120

            Das ist auch etwas, das einem vom Stuhl haut.

            Viele Grüße
            SLE

  • Traumschau - 22. November 2012

    Das ganze Desaster ist in dem Zitat von Lagarde konzentriert:
    Die „Integrität, die Vertrauenswürdigkeit und die Qualität der Empfehlungen des IWF“ müssten erhalten bleiben.
    Es geht nicht darum, was das Beste für die Menschen, was ökonomisch vernünftig ist – nein, es geht ausschließlich darum, nicht eingestehen zu müssen, dass man absoluten Mist gebaut hat.
    Wie sagte einst V. Pispers: “Bei dem Krisenmanagement hat die Krise eine steile Karriere vor sich”. Dem ist nichts hinzuzufügen. Jeder Menschen mit halbwegs vernünftigen Menschenverstand konnte das an einem Finger abzählen. Aber so sind sie halt: Augen zu und durch – koste es was es wolle, und seine es Menschenleben! Das sind eben die “Kollateralschäden” eines “Kaputtalismus”, der von Dilettanten, Ignoranten, Opportunisten und korrupten Politikern gemanagt wird. Wie das ausgeht, ist abzusehen. Ziehen wir uns schon mal warm an!!

  • micdinger - 22. November 2012

    Sorry für OT, aber im TV läuft gerade wieder bürgerliche Realpolitik als Unterhaltungsserie vom feinsten. Auch nachträglich für eine Woche auf ARTE+7 zu sehen.

    Borgen – Gefährliche Seilschaften

    http://www.arte.tv/de/7028308.html

    • Traumschau - 22. November 2012

      Jau, im Vergleich zu dem Thema hier ist das natürlich kaum zu toppen.
      Man muss ja auch mal verschnaufen und sich was “Schönes” gönnen …

  • Traumschau - 22. November 2012

    Was ist los? Warum erscheint meine Antwort zu Holly01 nicht?

    • Querschuss - 23. November 2012

      Hallo Traumschau,
      kann dein Problem leider nicht nachvollziehen, alle Kommentare aus dem Spamordner, wo immer mal wieder einer landet der dort nicht hingehört, werden händisch, so zeitnah wie es mir möglich ist freigeschaltet, von dir war allerdings keiner dabei und wenn wäre er jetzt auch sichtbar.

      • SLE - 23. November 2012

        Hallo Traumschau,

        es kommt vor, dass Kommentare im Spam-Ordner landen. Ich schaue deswegen auch immer wieder, aber nicht fortlaufend, nach, ob dies geschehen ist. Dadurch kann es zu Verzögerungen kommen. Manchmal gehen Kommentare wohl aber auch aus Gründen verloren, auf die wir hier keinen Einfluss haben.

        Grüße
        SLE

        • Traumschau - 23. November 2012

          Hallo, ja Danke für die Erklärung. Ich hatte mich nur gewundert, dass ein Kommentar sofort erscheint, ein anderer nicht.
          Ich bin nicht davon ausgegangen, dass Ihr mich “ignoriert” :-))
          Und vielen Dank für Eure großartige Arbeit!!!!
          Liebe Grüße
          Traumschau

  • Ert - 22. November 2012

    @Holly01
    @Traumschau

    Es gibt kein “richtiges” oder “falsches” Geld. “Geld”, so wie Ihr/wir es verstehen und benutzen ist immer die Schuld des anderen. Letztendlich wird zur Besicherung immer etwas verpfändet. Auch die Zentralbanken geben ihr “Zentralbankgeld” bzw. Ihre “Geldscheine” letztendlich nur gegen eine Sicherheit als Kredit an die Geschäftsbanken.

    Die Summe allen Geldes (Guthaben und Schulden) ist “0″.

    Der Glaube das ein Geldschein “richtiges Geld” sei nicht korrekt. Es ist immer noch die Schuld eines anderen. Nur besteht hier nicht die Forderung gegen eine Geschäftsbank.

    Auch fehlt der Zins nicht – der wird ja von den Banken eingenommen und der Überschuss dann als Gehälter oder Dividenden ausgezahlt. Der Zins ist also Saldenmechanisch immer da – nur zeitlich gesehen noch nicht zu dem Zeitpunkt wo er gezahlt werden muss.

    Immos, Gold, Aktien, etc. ist alles nur in “Geld” bewertet. Ohne “Geld” – kein Bewertungsmaßstab. Ohne Zinsen keine Triebfeder. Was diskutiert und geändert werden muss: Der Staat (die Gemeinschaft) muss die Zinsen kassieren die jetzt die privaten Banken einsacken – um Sie wieder zu reinvestieren damit alles weiter läuft (Wirtschaft, Bildung, Infrastruktur, etc. pp.).

    Es hat mich viel zeit gekostet da durch zusteigen. Hilfreich sind hier Stützels Saldenmechanik [1] ( und viele GC 2009 Seiten) und Paul C. Martins: Der Kapitalismus, ein System das funktioniert [2] (sowie viele GF Diskussionen).

    Gruß,
    Ert

    [1] http://www.global-change-2009.com/blog/hurra-wolfgang-stutzel-volkswirtschaftliche-saldenmechanik-ist-wieder-lieferbar/2011/11/
    [2]http://www.dasgelbeforum.net/sammlung/Martin,%20Paul%20C.,%20Der%20Kapitalismus%20-%20Teil%201.pdf

    • langlode44 - 22. November 2012

      “Ohne “Geld” – kein Bewertungsmaßstab” – so ist es, die unsinnige Amgewohnheit des Menschleins alles in `Wert`setzen zu müssen. Oder wie es ein gewisser Dr. K. M. sinngemäß ausdrückte: Das Kapital an sich ist maßlos, in dem Sinne, dass es nichts gibt an dem es gemessen werden kann. Und wie Mr. Spock richtig bemerkte: “Die Logik, mein Lieber, die Logik. Die einzige Daseinsweise des Kapitals kann nur sein ewiges Wachstum sein.”

      Schmeissen wir das geld endlich weg, einfach weg. Der Weizen muss nicht mit kupfernen Münzen gedüngt werden, er er braucht Wasser und Nährstoffe…

    • Traumschau - 23. November 2012

      Hallo ERT,
      Danke für das Feedback! Allerdings bin in Bezug auf die Zinsen anderer Meinung.
      Es ist zwar richtig, dass die ZInsen verspätet der Bank zufließen, aber diese Zinsen müssen zunächst erwirtschaftet werden. Sie werden NICHT mit dem Kredit erzeugt, sondern sind ja gerade die Kosten für den Kredit. Wie das geht, stelle ich mir so vor:
      Wenn ein Unternehmer einen Kredit beantragt, um damit z.B. in Anlagen zu investieren, ist damit hoffnungsweise eine Produktivitätszunahme verbunden, die zu mehr Wachstum führt. Aus diesem Zugewinn kann der Unternehmer dann den Kredit samt ZInsen zurück zahlen. Der Unternehmer wird aber zwangläufig die Kreditkosten auf den Preis aufschlagen. Jede Produktionsstufe ist also mit einem weiteren ZInsaufschlag verbunden – etwa wenn mehrere Betriebe an der Herstellung und Vermarktung, etc. eines Produktes beteiligt sind. Für mich ist logisch, das der ZInsanteil, der in den Waren steckt, immer zunehmen muss, wenn immer wieder investiert wird. So haben unterschiedliche Ökonomen diesen ZInsanteil im Warenpreis im Durchschnitt auf 40-50% geschätzt. Tendenz steigend!
      In unserem System kann nur über Schulden Wachstum generiert werden – mit der damit verbundenen Zinslast. Wenn die Bürger, der Staat und die Unternehmen keine Schulden machen, bricht die Wirtschaft zusammen. Im obigen Beispiel haben wir es mit einem alltäglichen realwirtschaftlichen Sachverhalt zu tun.
      Etwas anders sieht die Sache aus, wenn Banken durch die enorme Ausweitung der Geldschöpfung dieses Geld in spekulative Anleihen investieren. Auch mit diesen “Unwertpapieren” sind Zinsforderungen oder Renditen verbunden. Wer bezahlt diese Zinsgewinne, wenn es nicht mal einen realen Gegenwert gibt? Zugleich wird dieses “Geld” dem Wirtschaftskreislauf entzogen – gar nicht gut! Das BEKANNTE Derivateaufkommen wird mit 600 Billionen Euro beziffert, das weltweite BIP mit 60 Billionen Euro. Also 540 Billionen sind in der Schleife und wollen Renditen “erwirtschaften”. Ich glaube kaum, dass man aus der Nummer ungeschoren heraus kommt – sieht man ja jeden Tag. Die Frage lautet nur, wer dafür aufkommt. Aber auch das ist ja schon lange bekannt und wird ja umgesetzt. Die “Bürgen” der Staaten. Deshalb heißen wir alle ja Bürger.
      Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie sagen, dass bei einem zinsbasierten Geldsystem diese gigantischen Verwerfungen nur verhindert werden können, wenn die Geldschöpfung und die damit verbundenen Zinsen in die öffentliche Hand überführt werden, weil dann die Gewinne der ZB an den Staat zurückfließen und z.B. in soziale Projekte einfließen. Es gibt ja schon Vorschläge, wie man ein neues Geldsystem gestaltehn könnte.
      Liebe Grüße
      Traumschau

      • Ert - 23. November 2012

        @Traumschau

        Ja, unser System ist expansiv – alles muss zwanghaft wachsen, wir brauchen immer mehr Personen die sich verschulden. Ein großes Problem, korrekt bemerkt, ist wenn Geschäftsbanken selber anfangen auf dem Markt zu spekulieren – das gehört verboten bzw. abgeschafft.

        Geschäftsbanken sollen die Wirtschaft mit Krediten versorgen – Ende! Das man das dann auch mit öffentlichen Banken machen kann, die den Zinsgewinn für die Gesellschaft nutzen (neue Schulen, Verkehr, Umwelt, etc.) ist dann nur die Konsequenz.

        Im rechten Maße betrieben kann solch ein System aber sehr, sehr lange überdauern – wichtig sind nicht die nominalen Schulden und Guthaben sondern die Schulden im Vergleich zu Produktivität und Guthabenverteilung. Hier musste ich auch lernen zu unterscheiden und zu relativieren.

        Aber genau das ist unser aktuelles Problem: Einseitige Kapitalakkumulation, ungleiche Lohnverteilung und unproduktive Spekulation von Geschäftsbanken und anderen Wirtschaftssubjekten. Deswegen gehe ich aktuell von einer deflationären Phase aus – was dann kommt, ist eine andere Frage.

        • Traumschau - 23. November 2012

          “Im rechten Maße betrieben kann solch ein System aber sehr, sehr lange überdauern – wichtig sind nicht die nominalen Schulden und Guthaben sondern die Schulden im Vergleich zu Produktivität und Guthabenverteilung. Hier musste ich auch lernen zu unterscheiden und zu relativieren.”

          Jau! Einverstanden! In Kombination mit einer Geldschöpfung in öffentlicher Hand. Wie man das ausgestaltet, ohne dass unsere Politikdarsteller das mißbrauchen, ist noch nicht so wirklich klar. Es könnte beispielsweise eine Geldschöpfung geben, die sich am Wachstum orientiert, also damit festgelegt ist. Mehr gibt es dann eben nicht. Mal sehen, wann “wir” so weit sind. Die Durchwurstelei kann leider noch Jahre dauern … sehr zum Leid der breiten Masse in der Eurozone!
          Wie man den Menschen in GR, SP und PO das antun kann was man gerade tut, ist mir ein Rätsel. Es ist rein menschlich gesehen total daneben.
          Es gibt diesen unsäglichen Spruch: “It´s the economy, stupid!”
          Ich würde sagen: “It´s the people, stupid!” Hoffentlich lernen “die” das noch!!
          LG Traumschau

  • T.o.J. - 22. November 2012

    Dieses inszinierte “Theaterstueck” ist vom feinsten…. von wegen “Finanzkrise” …ich wuerde sehr gerne wissen wollen wer ” DIE ” sind…wer vergibt diese “Kredite” an die Staaten und unter welchen Bedingungen ….welche Banken und Personen (Namentlich) fuehren hier Regie und was wollen sie damit (totale Zerstoerung der Staaten und der Gesselschaft) erreichen??? Und wieso stimmen die Regierungen der PIIGS Laender solchen Bedingungen einfach zu….obwohl sie wissen das sie damit ihr Land und einen sehr grossen Teil der Bevoelkerung in den Ruin treiben ???

    Bankraub: eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.

    Bertolt Brecht

  • Chotschen - 23. November 2012

    @Ert

    Das sehe ich ähnlich. Der Staat muss seine Handlungsfähigkeit zurückerhalten, in dem er praktisch umsonst bei der Zentralbank Schulden aufnehmen kann, ohne sie mit Zinsen “bezahlen” zu müssen. Dann wäre die “Höhe der Schulden” einfach absolut egal. Wichtig wäre nur, dass der Staat bei seiner Kreditaufnahme eine hohe Inflation und Leistungsbilanzdefizite vermeidet. Ansonsten kann er so viel Geld schaffen, wie er möchte.

    Zum Geldsystem:

    Egal ob man erst spart oder erst Kredite vergibt, Vermögen und Schulden sind immer gleich. In beiden Fällen gibt es nur eine Chance um Schulden zu minimieren: Man muss Ersparnisse und Schulden zusammebringen und tilgen. Egal wie. Deshalb halte ich es auch für falsch, über die Geldschöpfung insgesamt zu schimpfen, denn die Probleme sind mit und ohne “Druckerpresse” die gleichen. Und schließlich muss man dem System ja eine ausreichende Dosis Geld verabreichen. Wie möchte man sonst jemanden dazu anregen, mehr Güter, Arbeitsplätze oder Investitionen und Kapazitäten zu finanzieren, ohne anderswo Geld abzuziehen? Man kann nur “Mehr Geld” ausgeben.

    Im Endeffekt ist unser ganzes Geldsystem eine Frage des über (Schulden haben) und unter (Vermögen) den Verhältnisse Lebens. Sowohl Schuldner, als auch Sparer tragen die Verantwortung.
    Die Höhe der Leitzinsen, staatliche Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik und die Regulierung des Bankensystems sind nur Instrumente, um das über und unten den Verhältnisse Leben zu kontrollieren und den Wirtschaftskreislauf zu erhalten.

    • Ert - 23. November 2012

      @Chotschen

      Gerade Deinem letzten Absatz stimme ich voll zu.

      Wer dazu noch 4,95€ übrig hat, dem sei ein kompaktes Werk von Flassbeck empfohlen. Alles zur “Euro/Banken/Wirtschafts etc. Krise” auf ca. 60 Seiten: http://www.suhrkamp.de/edition-suhrkamp-digital/zehn-mythen-der-krise_807.html . Kompakter habe ich die Thematik, die hier u.a. von Querschuss präsentiert und analysiert wird, noch nicht zusammengefasst gesehen.

  • klaus - 23. November 2012

    Kosten für Rettung der Griechenland-Gläubiger?

    Die Engländer gehen von Schlimmerem aus.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/banksandfinance/9696632/Gap-in-bank-reforms-puts-customers-savings-at-risk-warns-BoE-Governor-Sir-Mervyn-King.html

    Mervyn King spricht darüber, das Anleiheneigner und Konten über 85000 Euro Haare
    lassen müssten.

    Wird es auch bei uns bald so sein, das die Gläubiger sich in Griechenland
    rausmachen und der Steuerzahler/sozial Gekürzte ( wer nicht zahlt, wird ja gekürzt)
    den Bailout zahlen darf?

    Bis etwa 3 Monate vor der Wahl wird es wohl noch gehen,
    aber wenn wir auf Sichtweite sind, könnten schon die Paniken
    zunehmen.

    Nach der Medienjagd auf Steinbrück zu urteilen, liegen die Nerven blank.

    Und wie England im Moment durch die Haushaltseingrenzungsforderung
    behandelt wird, sieht man, das die freundliche Art in allen Bereichen
    vorbei ist.

    Welch eine Perspektive.
    Erst waren die Renten sicher.

    Man bekommt immer mit der Angst zu tun, wenn in Europa
    geholfen wird. Dann eilt der Default auf die Länder und
    den Mittelstand mit eiligen Schritten zu.

    Da ist alles TINA.

    Blöd nur, wenn ein Schlaganfall-Patient in die Notaufnahme kommt.
    Da möchte sich dann TINA erstmal über seine ungesunde Lebensführung
    unterhalten.

    Und irgendwie könnte man meinen, das aus Angst einer Gesundung,
    erst einmal ausgiebig die Lebensführung besprochen wird.

    Wir werden wohl für die Griechenland-Haircut, der schon um die
    100 Mrd geschätzt worden ist, wohl nächstes Jahr so richtig
    die Augen öffnen.

    Da werden jetzt langsam Bofinger und später Hüther uns etwas
    um die 20 Mrd erstmal erzählen.
    Und der gute Prof. Franz in seinen Vorträgen wird wohl wieder
    den Milchmann erwähnen.

    Mir graut schon jetzt vor den Vorschlägen der Koalition,
    wenn gleichzeitig der Höhepunkt der Wahl kommt.

    Dann geht es um klare Kante und um Profil.
    Zucht und Ordnung.
    Sowas ist immer ein Vorbote dessen, das Alles
    in die Hose ging.
    Ein Zeichen erlesener Wirtschaftskompetenz.
    In diesem Sinne ist Griechenland aktiv Batiken mit
    Schiesser-Feinripp.

    ;)

  • Dierk - 23. November 2012

    @micdinger

    Der Private zahlt in GR 5cent/KWh, der Geschäftstarif liegt bei 9cent/KWh. Das war sogar schon mal noch
    preiswerter hier und ist/war ein Grund dafür, dass Griechen absolute Stromverschwender sind.
    Nächste Erhöhung steht aber bevor.
    Diese 20Euro/KWh im Einkauf aus dem Article halte ich für Unsinn.

    • micdinger - 23. November 2012

      Der Artikel hat sicherlich nicht die Recherchequalität von Steffen, beispielsweise verfügt Griechenland sehr wohl über Kohlekraftwerke. Aber selbst wenn die erwähnten 20 € für mit Diesel erzeugten Strom eigentlich 2,00 € /kWh sind und auf 0,05 € herunter subventioniert werden zeigt das die Tendenz auf.

      Ich wundere mich schon eine ganze Weile über Einzelhandelspreise in GR, einem Land das in seiner Wirtschaftskraft doch eher mit Rumänien oder Bulgarien vergleichbar sein dürfte.

      http://www.numbeo.com/cost-of-living/country_result.jsp?country=Greece

      • SLE - 23. November 2012

        Hallo micdinger,

        für die hohen Einzelhandelspreise in Griechenland und die deswegen entstandene “Kartoffelbewegung” (Initiative für preiswerte Lebensmittel unter Umgehung von Zwischenhändlern) gibt es im folgenden Artikel eine aufschlussreiche Erklärung:

        http://www.tagesschau.de/wirtschaft/sparpaketgriechenland100.html

        Grüße
        SLE

  • Dietmar - 23. November 2012

    Meine Kinder haben gestern zum ersten Mal so einen Automaten ausprobiert wo man ein Geldstück plattwalzen und gleichzeitig mit einem Motiv versehen kann. Meine Tochter hat mich dann gefragt ob sie mit dem platten Geldstück noch zahlen kann. Ich habe ihr gesagt: nein, nur Gold und Silbermünzen sind immer etwas wert. Sie hat weiter gefragt: ist das kein Silber? …

  • Freiberufler - 23. November 2012

    Die Rettungspolitiker halten sich penibel an ein Drehbuch mit dem Titel “Insolvenzstraftaten”.

    Die Handlungsmuster, Lügen, Täuschungen und Ausreden sind identisch. – Mit dem Unterschied, dass EU und Troika, anders als der bankrotte Bauunternehmer vor der Wirtschaftsstrafkammer, die Gesetze nach Belieben ändern. Wirtschaftlich ist ihr Verhalten identisch und einzig und allein vom dem Zweck getragen, die Insolvenz zu verschleppen, unter Zuhilfenahme von Kreditbetrug und Untreue, denn die Verschleppung wird ständig damit gerechtfertigt, dass man “auf einem guten Weg” sei.

    Man muss auf einem guten Weg sein. Sonst wäre man ja pleite.

    Das eigentlich Verrückte: Obwohl jeder Kaufmann weiß, dass durch Insolvenzverschleppung der Schaden maximiert und niemandem geholfen wird, berieseln uns Ökonomen, Experten und Politiker seit 3 Jahren, dass die “Rettung” die billigste Lösung und außerdem alternativlos sei.
    Dazu präsentieren uns EU und Troika Prognosen und Rechenmodelle, für die einen jedes Gericht auslachen würde. Doch Experten, Politiker und Qualitätsmedien tun alle so, als ob sie den Mist glaubten.

    Man verweist auf die gesunkenen Zinsen, als Zeichen, dass die Märkte wieder Vertrauen gefasst hätten.
    Dabei vertrauen die Märkte nicht etwa auf den Euro, sondern auf den nächsten Bailout. Hier wird schon wieder der nächste Moral Hazard im Quadrat generiert…

  • frank_meck - 23. November 2012

    @Freiberufler
    “Das eigentlich Verrückte: Obwohl jeder Kaufmann weiß, dass durch Insolvenzverschleppung der Schaden maximiert und niemandem geholfen wird, berieseln uns Ökonomen, Experten und Politiker seit 3 Jahren, dass die “Rettung” die billigste Lösung und außerdem alternativlos sei.”

    Völlig logisches Verhalten. Der “weltweite” Staatsbankrott wird kommen. Da niemand der bürgerlichen Ökonomen einen Ausweg weiss, erkauft man sich Zeit. Einmal in die Gesichter der Abgeordneten der Regierungskoalition bei der Rede Gauweilers(CSU) bei der ESM-Abstimmung schauen, da weiss man Bescheid.

  • MartinR - 23. November 2012

    @ Freiberufler

    Danke, schön auf den Punkt gebracht.

    Was meines Erachtens schon wieder in Vergessenheit gerät, ist die Tragweite des Libor-Skandals, das doch die Akzeptanz des gesamten bestehenden Finanzsystems in Frage stellt.

    Dagegen ist das Griechenland-Theater doch Firlefanz und deren Akteure agieren eventuell noch mit beruhigtem Gewissen, das dies nur ein Nebenschauplatz ist.

    Man liest überhaupt nichts mehr über die Ermittlungen und Sanktionen des Libor-Skandals. Wieso?

    • Ert - 23. November 2012

      @MartinR

      Wieso?

      Ich denke mal, das wenn man da anfangen würde – dann würde man kein Ende mehr finden und in Konsequenz müssten einige Leute in den Bau und die Wackelbanken würden noch mehr Probleme bekommen.

      Bildlich gesprochen: Bei diesem Mikadospiel möchte einfach keiner der sein, der das nächste Stäbchen zieht. Entweder erdolcht Ihn das Stäbchen – oder der ganze Turmbau fällt in sich zusammen ;-)

    • SLE - 23. November 2012

      Hallo MartinR,

      zum Thema Libor-Manipulation gibt es eine aktuelle Recherche von Reuters, die sehr aufschlussreich ist. Ich hatte den Link schon weiter oben gebracht, hier ist er nochmals:

      http://www.reuters.com/article/2012/11/20/us-libor-fixing-origins-idUSBRE8AJ0MH20121120

      Aktuell tut sich m.W. in dieser Sache am meisten in Großbritannien, wo nach Barclays als nächstes die RBS dran ist.

      Grüße
      SLE

      • MartinR - 26. November 2012

        Schönen Dank SLE, das hatte ich übersehen.

        @ Ert
        Ja klar. Meine Absicht war ja nur, den Libor-Skandal hier im Blog wieder in Erinnerung zu rufen.
        Mal sehen, was im Mainstream weiter mitgeteilt werden darf.

  • Traumschau - 23. November 2012

    Liebe Foristen,
    habt ihr das schon gesehen? Eine schöne Beschreibung des Netzwerkes um Goldman Sachs von Pelzig bei “Neues aus der Anstalt”. Eine gelungene Aufstellung – und ohne Zweifel den Tatsachen entsprechend:
    http://www.youtube.com/watch?v=-d6OyOi5-k4

    So langsam bekommt man ein Gefühl dafür, warum vieles so dermaßen daneben läuft. Ich glaube nicht an Zufälle …

    • JL - 23. November 2012

      Hallo Traumschau,

      “So langsam bekommt man ein Gefühl dafür…”

      Sie sollten sich mal hierzu bei Schopenhauer belesen. Vor allem dessen Erklärung- ” Der Satz vom zureichenden Grund und seine vierfache Wurzel”- ist sehr hilfreich.

      Sollten Sie die “schwere Kost” verdaut haben wissen Sie anschließend, es gibt keine Zufälle.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

  • JL - 23. November 2012

    Sehr Stefan L. Eichner,

    Die Verkündungen von Frau Merkel- aber anderen auch- sollen wohl die aufkommenden Bedenken von Bürgern, Geldanlegern, Wirtschaft und Versicherungsfonds erneut beschwichtigen.

    Das politische europäische Szenario erinnert in seinen neuerlichen abstrakten Äußerungen und Darstellungen schon wieder an die Verkündungen im Jahr 2009, als es in Europa fast zu einem Eurokollaps kam („Die Spareinlagen sind sicher, dafür garantiert die deutsche Bundesregierung“).

    Einerseits beschwört man die europäische Einheit, andererseits freut man sich Hierzulande über 300 Millionen an Zinserträgen aus den Pleitestaaten und feiert dies als Erfolg. Dabei verschweigt man diskret 500- 600 Mrd. Euro für die der Gläubiger Deutschland im Ernstfall gegenwärtig gerade stehen müsste, sollten die Südländer Europas „schlapp machen“. Dabei wird Target II mit ca. 900 Mrd. Euro offenen Forderungen der Deutschen Bundesbank seitens Merkel auch nicht erwähnt. Das kann man natürlich auch nicht, würde man sich doch unglaubwürdig machen- schließlich ist dies die beste Regierung die der deutsche Steuerzahler je hatte.

    Diese- „die Welt ist heil“- Äußerungen aller Beteiligten, ob nun EZB, Merkel, IWF oder auch der Amerikaner selbst sollen wohl nur den tatsächlichen wirtschaftlichen und fiskalischen Zustand der Staaten und deren Zentralbanken „schönreden“. Die vergeblichen und praktisch nutzlosen politischen und finanziellen Aktionen oder Maßnahmen staatlicherseits haben eine weitere weltwirtschaftliche Rezession in 2009 zwar verhindert, aber mit den Unsummen an Geldern tatsächlich wohl nur aufgeschoben und nicht aufgehoben- wie der Volksmund bekanntlich so sagt.
    Da momentan die meisten westlichen Industriestaaten einer sich deutlich anbahnenden wirtschaftlichen Rezession entgegen blicken, werden sich deren finanztechnischen staatlichen Aussichten wohl auch bald zusätzlich verdunkeln. Dies, aber auch der Ausblick der Ratingagenturen für Europa (auch Deutschland) und den USA wird wohl schnell für Ernüchterung im „Elfenbeinturm“ der Politik sorgen.

    Auch an der globalen Front sieht es für den „Westen“ zunehmend schlecht aus. Da Basteln China, Japan (trotz Inselstreit) und Südkorea- ein Markt mit etwa 1,5 Mrd. Menschen- an ein Freihandelsabkommen und zeigen den Amis die kalte asiatische Schulter, da man ihnen einen Beitritt hierzu nicht gewähren will.
    Auch der Ursprung für die neuesten politischen Ohnmachtsanfälle kommt aus Asien. Der Chinesische Yuan wird in sieben von zehn asiatischen Ländern als Leitwährung eingeführt und stellt damit den US$, und somit auch indirekt den Euro, in Frage.

    Und mit Blick auf die römischen Ärzte.
    Diese ließen den Patienten zwar zur Ader, aber auch am Leben.
    Bei der trilateralen „Ärztekammer“ darf der “Patient” Griechenland wohl leider nicht darauf hoffen.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Insider - 23. November 2012

    @ Holly01
    @ Traumschau
    @ Ert

    und andere Komentatoren:

    Wenn Zusammenhänge schwer nachvollziehbar sind, dann hilft – wie schon Konfuzius wusste– oft eine Klärung der Begriffe.

    Das gilt nicht nur für die Unterscheidungen von Bargeld und Geldguthaben oder Zahlungsmittel und Zahlungsvorgängen, sondern auch für den Begriff der Geldschöpfung, der für zwei Bedeutungen steht:

    Einmal für die „Erschaffung aus dem Nichts“ und zum anderen für das „Aus- oder Umschöpfen“.

    Überträgt man diese Bedeutungen auf den Geldbereich, dann treffen beide zu:

    Die „Schöpfung aus dem Nichts“, wenn es um die Geldausgaben der Zentral- oder Notenbanken geht.

    Das „Aus- oder Umschöpfen“, wenn von den Banken Kredite aus Kundeneinlagen vergeben werden.

    Weil jedoch auch diese Vorgänge bei den Banken immer wieder mit jenen der Zentralbanken
    verwechselt und als Schöpfungen gesehen werden, hier einige Klärungsversuche:

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/artikel/dauerbrenner_geldschoepfung_huwi_2010_3.pdf

    Ergänzend die Bilanz der Geschäftsbanken 2007:

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/artikel/bilanz_der_banken_2007.pdf

    Hier der Zusammenhang zwischen Zinslast und Arbeitslosigkeit von 1970 – 2010 dargestellt:

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/c/creutz_077.pdf

    Hier die Umverteilung von der Arbeit zum Besitz von 1950 – 2010 dargestellt:

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/f/creutz_022.pdf

    Die Lösung für diese globale Problematik ist seit 100 Jahren bekannt und wurde erstmals 1916 durch Silvio Gesell umfassend in der „Natürlichen Wirtschaftsordnung“ niedergeschrieben:

    http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/

    Hier das Bargeld, Sichtguthaben und sonstige Guthaben vor und nach Einführung der konstruktiven Geldumlaufsicherung dargestellt:

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/f/creutz_085.pdf

    Hier die Zinssätze ohne und mit konstruktiver Geldumlaufsicherung dargestellt:

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/f/creutz_087.pdf

    Wenn wir diese Zusammenhänge verstanden und verinnerlicht haben, können wir unsere Verschwöhrungstheorien ablegen und mit Sachverstand unser falsch konstruiertes Geldsystem analysieren. Durch diese Fehlkonstruktion ist unsere Wirtschaft so, wie sie ist. Nur durch eine Geldsystemkorrektur wird es uns möglich sein, ein nachhaltiges Wirtschaftssystem zu schaffen.

    Gelingt es uns nicht diesen systemischen Fehler zu korrigieren, dann werden wir immer wieder den gleichen Kreislauf gehen müssen, der aus Aufbau – Blüte – Zerfall besteht.

    Diesen bitteren Kreislauf beschrieb bereits vor über 100 Jahren der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Gustav Ruhland, anhand von über 22 verschiedenen Volkswirtschaften und über einen Zeitraum von ca. 3000 Jahren. Kein anderer als der Reichskanzler Otto von Bismarck, beauftragte Prof. Dr. Gustav Ruhland für die Schaffung dieses einmaligen Grundlagenwerkes! Ein sehr lesenswertes Werk, das manch einem selbsternannten Möchtegern-Markoökonomen der Gegenwart (z.B. das immer wieder aus dem Nebel auftauchende …. Herr Unsinn (Prof. Sinn), gut zu Gesicht stehen würde!

    http://www.vergessene-buecher.de/

    Die Lösung durch Ralf Becker kurz und knapp dargestellt:

    http://www.youtube.com/watch?v=6QQjWoygxAY

    Freundliche Grüße in die Runde

  • Georg Trappe - 25. November 2012

    @Insider
    Die Darstellung von Herrn Creutz ist definitiv falsch. Private Geschaeftsbanken koennen im Zuge der Kreditvergabe Geld schoepfen. Und zwar aus dem Nichts! Die Deckung durch Zentralbankgeld entspricht daher auch nur einem Bruchteil der gesamten Giral- / Buchgeldmenge.
    Waere das nicht der Fall, waere unser Geld also Vollgeld, dann gaebe es das Risiko des Bank Runs nicht. Die Vorstellung, das Geschaeftsbanken nur in dem Umfang Kredite vergeben koennen, wie sie Spareinlagen von Kunden entgegen nehmen, ist falsch und daher mit ursaechlich dafuer, das diese Krisen erst entstehen koennen. Die Bundesbank selber, wie von Herrn Creutz auch zitiert, aber dann mit dem Argument ,es kann nicht sein was nicht sein darf, bestritten, schreibt den Geschaeftsbanken die Faehigkeit zur Geldschoepfung zu.
    z. B. Prof. Richard Werner, aber auch Prof. Steve Keen vertreten die Sicht, das Geschaeftsbanken Geld aus dem Nichts schoepfen koennen und haben auf dieser Basis die Enstehung von Blasen/Krisen theoretisch sauber erklaert.
    http://www.boerse-online.de/aktie/nachrichten/deutschland/:Interview-mit-Richard-Werner–Ein-untragbares-System/514469.html
    http://www.debtdeflation.com/blogs/manifesto/
    http://www.qfinance.com/macroeconomic-issues-viewpoints/understanding-and-forecasting-the-credit-cyclewhy-the-mainstream-paradigm-in-economics-and-finance-collapsed?page=1
    Herr Creutz betreibt hingegen sehr wortreich das Gegenteil von Aufklaerung.

    • Traumschau - 25. November 2012

      Danke! Genauso verhält es sich meiner Meinung nach!
      Man sieht das verzweifelte Bemühen der Akteure, diese “Geldschöpfungsblase” nicht platzen zu lassen. Ich glaube aus rein logischen Gründen nicht, dass das möglich ist (s.o.).
      Es bleibt für diejenigen, die sich keine Existenzsorgen machen müssen “spannend”, wie es weitergeht. Diejenigen, die eh´ kaum über die Runden kommen, haben nur die Wahl zwischen Panik, Verdrängung – oder im schlimmsten Fall: Selbstmord, wie die Suizidzahlen für Griechenland belegen. Es ist kaum vorstellbar, was da an den Menschen verbrochen wird!!!

  • Insider - 25. November 2012

    Glauben Sie was Sie möchten. Es sprechen jedenfalls so viele Dinge gegen die Geldschöpfung aus dem Nichts.

    Schauen Sie sich die Bilanzen der Banken an. Die umlaufenden Kreditvolumen sind immer geriner als die Kundeneinlagen.

    Und warum werben die Banken um Kundeneinlagen, wenn sie mit ein paar Klicks Geld aus dem Orbit schöpfen können?

    Warum bricht eine Bank zusammen, wenn viele Kunden auf einmal ihre Konten leeren.?

    Die Bank könnte sich doch mit ein paar Klicks neues “Geld” schöpfen.

  • Insider - 25. November 2012

    Na, wo bleiben die Geldschöpfungs-Haie und beißen mir ein Bein ab.

    • Traumschau - 26. November 2012

      Hallo Insider,
      hier will keiner auch nur irgend jemandem ein Bein abbeißen. Darum geht es nicht! Das ist keine Veranstaltung von Egozentrikern, die um jeden Preis recht behalten wollen. Es geht vielmehr um die Frage, wie die Krisenereignisse erklärt werden können. Wir sehen gerade, dass trotz massiver Kürzungen, Geldflutungen, durch Regierungen via Verschuldung, und der EZB, Kürzungen bei Renten und Löhnen, etc. die Krise nicht gestoppt werden kann. Offensichtlich sind die “Strategen” mit ihrem Latein am Ende! Die Welt treibt in eine Rezession. Irgendwas scheint ja da zu sein, was bisher übersehen bzw. nicht thematisiert worden ist, was dieses System in den Zusammenbruch treibt, oder?
      Deshalb ist der Blick auf das System als solches mehr als nur dringend geboten.
      Eine m.E. hervorragende Analyse bietet Bernd Senf, der diese Ereignisse voraus gesehen hat und entsprechend erklärt. Es gibt von ihm lange Vorträge (und Bücher) zu diesem Thema. Als Einstieg empfehle ich dieses Interview:
      http://www.youtube.com/watch?v=3zJORneMBfA

      Liebe Grüße
      Traumschau

      • Insider - 27. November 2012

        @ Traumschau

        Ich kenne Bernd Senf sehr gut und habe auch Bücher von ihm gelesen. Seine Arbeiten zur Bioenergie sind wunderbar. War auch bei einigen seiner Vorträge live dabei. Ich schätze Prof. Senf sehr.

        Das Einzige mit dem ich nicht konform gehen kann, sind seine Geldschöpfungsphantastereien. Sorry, dass ich das so formuliere.

        Da sind mir die Erkenntnisse und Erläuterungen von Helmut Creutz klarer, nachvollziehbarer und plausibler.

        Was die Analyse des System angeht: Es liegt seit ca. 100 eine allumfassende Analyse des Systems vor. Ich verweise immer wieder auf dieses unterdrückte Grundlagenwerk von Prof. Dr. Gustav Ruhland! Es ist alles analysiert! Ich habe das komplette Werk gelesen. Es ist sehr umfangreich und bedarf einiger Arbeit des Ausdruckens und Lesens.

        Belohnt wird man mit einem unglaublichen Erkenntnissgewinn in den Themen Makroökonomie und Weltkulturgeschichte.

        Die Lösung für dieses Dilemma ist seit 100 Jahren der Menschheit bekannt:

        http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/

        • JL - 27. November 2012

          Hallo Insider,

          Bernd Senf ist Professor für Volkswirtschaftslehre.

          Sollten Sie dessen Ausführungen zur Zinseszins- Entwicklung mißtrauen brauchen Sie einfach nur Ihren Taschenrechner befragen oder aber eine Excel- Tabelle bemühen. Dies sorgt zwar für einige Arbeit, wird aber letztendlich mit Erkenntnisgewinn belohnt. Ihre Ausführungen zu Professor Bernd Senf werden sich im Ergebnis dessen sehr schnell von selbst relativieren.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

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