Wiedervorlage der Währungsunion der Narren (März 2012)

von am 11. Mai 2012 in Allgemein

Bei Eurostat liegen bereits die saisonbereinigten Daten zur breit gefassten Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe), ohne Baugewerbe, für den Monat März 2012 vor. Wie jeden Monat liefern diese Daten einen Beleg für die fundamentale Fehlentwicklung, der unter dem Euro versammelten Länder. Nicht nur, dass schon zu Beginn der Währungsunion die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Länder viel zu stark auseinanderlag, die Entwicklung lief in Folge erst richtig beschleunigt auseinander, wie die Daten zum Output der Industrieproduktion zeigen, wenn man den monatlichen Durchschnitt des Outputs des Jahres 2000 mit gleich 100 ansetzt. 

Die Entwicklung der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren – Jahr 2000=100) ohne Baugewerbe. Während Deutschland seinen Produktionsoutput um +20,01% von 2000 bis März 2012 steigern konnte, lag der Output in Frankreich um -8,40%, in Portugal um -17,72%, in Italien um -18,59%, in Griechenland um -31,56% und in Spanien um -19,70% unter dem Niveau des durchschnittlichen Produktionsoutputs aus dem Jahr 2000! Besonders dramatisch, die auch im März 2012 ungebremste Talfahrt des Outputs der saisonbereinigten Industrieproduktion in Griechenland und Spanien. Die saisonbereinigte industrielle Output von Spanien fiel auf ein Niveau von Mitte 1994 und der von Griechenland sogar auf ein elendiges Niveau von Mitte 1978! Zum Vergrößern den Chart bitte 1x anklicken!

Die saisonbereinigten Indizes der breit gefassten Industrieproduktion (2000=100) zeigen die Entwicklung an, lassen aber keine Aussage zum absoluten Niveau des Outputs der Produktion der einzelnen Länder zu, sondern der jeweilige durchschnittliche monatliche Output der Industrieproduktion des Jahres 2000 ist mit 100 Indexpunkte angesetzt und zeichnet die Entwicklung seitdem.

Mit diesen aktuellen Daten wird wie jeden Monat dokumentiert, dass die Eurozone mit der gemeinsamen Währung nicht für Konvergenz bei der Entwicklung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, hier gemessen an der Industrieproduktion sorgte, sondern für brachiale Divergenz. Die starke Divergenz der Leistungsfähigkeit der Wirtschaften in der Eurozone, die seit der Euro-Einführung stetig zunahm, musste fast zwangsläufig zum heutigen Status der Schuldenkrise führen, die letztlich auch die Fehlkonstruktion des Euro reflektiert.

Gerade die kräftige Ausweitung der Unterschiede der Leistungsfähigkeit, bei der Herstellung von Waren, war die Grundlage der ausgeweiteten Ungleichgewichte im Außenhandel, die zu den hohen Leistungsbilanzdefiziten der Südperipherie führten.

Niemals lassen sich die aufgebauten Schuldenpyramiden der Südperipherie von 2012 mit industrieller Wertschöpfung von vor 1995 oder gar Mitte 1978 auflösen. Nichts zeigt deutlicher als dies, dass die Rettungspakete, die Austeritätsmaßnahmen und die Liquiditätsflutungen der EZB am entscheidenden Punkt versagen, dem Organisieren von Wertschöpfung, Jobs und Einkommen in der Südperipherie, sowie dem Abbau der Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone. Ohne diese Komponenten gibt es jedoch weiter kein Entrinnen aus der Krise, auch wenn aus der Sicht der schwäbischen Hausfrau vermeintlich anderes suggeriert wird. Die Divergenzen in der Entwicklung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit werden mit Austerität nicht aufgehoben sondern verstärkt, wie der Chart und die Daten eindeutig belegen.

Reloaded: Chart des Tages

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

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20 KommentareKommentieren

  • SLE - 11. Mai 2012

    Der Chart zeigt noch etwas: Auch die Strukturfondsförderung der EU, die ja viele Jahre vor der Währungsunion begann und auf eine wirtschaftlich Angleichung der Regionen innerhalbe der EU ausgerichtet war, ist offensichtlich ziemlich erfolglos gewesen.

    Und dazu muss man bedenken, dass die Ausgaben für Strukturpolitik von Beginn an der zweitgrößte EU-Haushaltsposten (mehr als ein Drittel des Haushalts) nach den Agrarausgaben (ca. 42 %!) waren und immer noch sind. Wir reden hier also von mehr als 50 Mrd. Euro pro Jahr, die verteilt werden, um wirtschaftliche Disparitäten innerhalb der EU abzubauen.

    Viele Grüße
    SLE

    • Martin N. - 13. Mai 2012

      Der muß per Definition erfolglos bleiben. Schließ lich ist es eine bewußte ineffiziente Allokation von Kapital.

  • Querschuss - 11. Mai 2012

    Hallo SLE,
    wenn wirklich 50 Mrd. Euro pro Jahr verteilt wurden, um wirtschaftliche Disparitäten innerhalb der EU abzubauen ist auch dies Zeichen fundamentalen Versagens der Techno/Bürokraten in Brüssel. Die Effizienz dieser Strukturfondförderung war demzufolge mehr als unterirdisch.

    Gruß Steffen

    • Bernd Rickert - 11. Mai 2012

      Das Versagen der Bürokraten ist meiner Ansicht schlichtweg Desinteresse an ihrem Job.

      In Italien floss die Strukturhilfe für Süditalien zum grössten Teil in die Hände der Mafia, genauso wie jetzt beim Wachstumsprogramm unter Monti. Dann haben wir hinreichend bekannt den Emissionsschein -Scheinhandel mit osteuropäischen Migliedern und Beitrittskandidaten. Ebenso überzeugt Portugal mit vereinsamten Autobahnen und Highways in die Wallachei und dem Betrug bei Agrasubvetionen für nicht existente, landwirtschaftliche Flächen.
      Die Liste geht über 30 Jahre und kann ohne Ende verlängert werden, sodass der Begriff Strukturhilfe ohne schlechtes Gewissen durchaus zweideutig als Hilfe für Strukturen organisierter Kriminalität benutzt werden darf.

  • SLGramann - 11. Mai 2012

    Das Kernproblem dieser Währungsunion ist Deutschland. “Wir” haben seit 2000 “den Gürtel immer enger geschnallt”, die Lohnkosten munter deflationiert und den Anteil der Lohnsumme am Volkseinkommen auf historische Tiefstände gedrückt.

    Mit unseren unschlagbaren Lohnstückkosten in Verbindung mit guter Qualität und innovativen Produkten haben wir unsere Exportindustrie so groß gemacht, dass einem Himmel, Angst und Bange werden kann. Denn ihr Anteil an der deutschen Wertschöpfung dürfte nunmehr an 50% heranreichen.

    GLEICHZEITIG(!!!) – und das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen – fordert unsere idiotische Regierung, dabei sekundiert von interessengeleiteten Wirtschaftsbonzen und wirrköpfigen Journalisten, dass doch nun bitte auch die anderen Eurostaaten zu unserem Wettbewerbsniveau aufschließen sollten und dann würde alles gut.

    Problem dabei ist nur, dass, wären die anderen erst so gut und toll wie wir selbst, unsere Exportindustrie ja ihre Märkte verlöre.

    Oder wollen wir dann alle zusammen wie die Blöden alles nach Amerika exportieren und das Außenhandelsdefizit der Amis über die 10%-Marke drücken?

    Sicher, Griechenland, Spanien, Portugal – die haben wirklich auf zu großem Fuß gelebt und ihre Kosten zu schnell gesteigert.
    Aber Deutschland hat gleichzeitig – und das ist genauso regelwidrig – seine realen Kosten gesenkt und auf Kosten der anderen Euroländer große Erfolge gefeiert.

    Das wäre ja unter Umständen noch als Erfolg zu buchen, falls diese Länder “der Feind” wären. Dummerweise sind sie aber unser Schicksalspartner in der Währungsunion.
    Unter diesen Umständen musste(!) unser Exportkriegsmodell in ein Desaster führen.

    Wir haben also voller Stolz, Fanatismus und Überheblichkeit unsere eigene Familie an die Wand genagelt und sind nun sauer, dass wir das Blut aufwischen sollen.
    Das hat übrigens mit Rot/Grün = Schröder/Fischer erst so richtig angefangen…

    • SLE - 11. Mai 2012

      Gut auf den Punkt gebracht. Kann man nicht oft und deutlich genug sagen.

      Viele Grüße
      SLE

    • Willi - 12. Mai 2012

      “Problem dabei ist nur, dass, wären die anderen erst so gut und toll wie wir selbst, unsere Exportindustrie ja ihre Märkte verlöre.

      Oder wollen wir dann alle zusammen wie die Blöden alles nach Amerika exportieren und das Außenhandelsdefizit der Amis über die 10%-Marke drücken?”

      Exakt! Nur scheint das niemanden auf zu fallen. Wettbewerbsfähigkeit als Selbstzweck, ganz so als bedeute Konkurrenz nicht zwangsläufig, dass es auch Verlierer gibt, die dem Untergang geweiht sind.

      Aber halt –genau. Das gleichen wir alles mit dem magischen Wachstum aus, mit dem sich alle Probleme dieser Welt von selbst lösen. Wir müssen nur mehr produzieren -irgendwer wird das Zeug schon kaufen. Das Geld dafür können wir ihm ja notfalls leihen…
      Tunnelbewohner.

      Der Titel des Artikels ist mehr als gut gewählt.

  • topperhopper - 11. Mai 2012

    “Problem dabei ist nur, dass, wären die anderen erst so gut und toll wie wir selbst, unsere Exportindustrie ja ihre Märkte verlöre.”

    Stimmt.

    “Das Kernproblem dieser Währungsunion ist Deutschland. “Wir” haben seit 2000 “den Gürtel immer enger geschnallt”, die Lohnkosten munter deflationiert und den Anteil der Lohnsumme am Volkseinkommen auf historische Tiefstände gedrückt.”

    Stimmt nur zum Teil. Man kann es so sehen. Man könnte aber auch aus der anderen Richtung kommen und sagen: Warum haben die anderen Länder so “geschludert”? Am Ende gab es keine einheitlich koordinierte europäische Wirtschaftspolitik. Punkt. Einen schuldigen Staat gibt hier nicht. Alle zusammen haben die Existenz des Euros großzügig ausgeblendet.

    • SLE - 11. Mai 2012

      Hallo topperhopper,

      zum letztgenannten Punkt: Das sehe ich nicht so milde!

      Die “Agenda 20120″ war das größte Kostensenkungsprogramm in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und es war klassische Industriepolitik par excellence. Das heißt, damit wurde insbesondere unseren Konzernen (National Champions) dabei geholfen, ihre Kosten massiv zu senken. Peter hartz war Personalchef bei Volkswagen. Der wusste ganz genau wie man das macht.

      Viele Grüße
      SLE

  • Ausser Rand und Band - 11. Mai 2012

    an Bernd Rickert -

    Das Versagen der Bürokraten ist meiner Ansicht schlichtweg Desinteresse an ihrem Job.”

    Ja und vorallem an Dummheit…
    denn Dummheit und Stolz wächst auf 1 Holz !

  • Deutscher Michel - 12. Mai 2012

    Ich verstehe nicht, wie viele von euch denken.
    Wenn unsere deutsche Volkswirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit durch “Lohnbremsen” steigert, ist das doch nichts Verwerfliches, so arbeiten auch erfolgreiche betriebswirtschftliche Gebilde.
    Wenn nun andere europäische Volkswirtschaften Wählerstimmen kaufen, indem sie auf Pump Investitions- und Konsumorgien feiern, haben sie (die Politiker und der sie wählende “Souverän”) einfach versagt, aber daran sind die selbst schuld und nicht wir.
    Also bringen wir das gemeinsam in Ordnung, und wer zahlt, bestimmt die Musik, die gespielt wird.
    Legt nun endlich euren “wir sind die bösen WKII-Verursacher” Komplex ab und denkt mit – geradeaus.
    Ob es euch paßt oder nicht, unser Europa wird da einigermaßen gut aus der Krise herauskommen – mittelfristig gesehen. Dieses Europa ist noch jung, während die Briten mit wenig und die Amerikaner ohne Reformbemühungen einfach so weiter machen wie bisher.
    Michel

    • Querschuss - 12. Mai 2012

      Hallo Deutscher Michel,
      realwirtschaftiche Ungleichgewichte führen immer in Schuldenkrisen, dies ist erst recht ein Problem in einer Währungsgemeinschaft, es ist nicht zielführend sich innerhalb dieser Gemeinschaft zu Tode zu siegen und im Gegenzug uneinbringbare Forderungen aufzubauen. In einer ernst gemeinten und nachhaltig funktionierenden Währungsgemeinschaft müssen Ungleichgewichte abgebaut werden und Konvergenz der wirtschaftlichen Rntwicklungen gefördert werden und nicht umgekehrt. Deine “Reformbemühungen” ganz im Style der schwäbische Hausfrau führen direkt in den Kollaps des noch jungen Europa “Eurozone”, da wie hier im Blog umfangreich und eindeutig anhand offizieller Wirtschaftsdaten dokumentiert, diese den wirtschaftlichen Niedergang der Südperipherie unnötig beschleunigen.

      Gruß Steffen

    • SLE - 12. Mai 2012

      Hallo Deutscher Michel,

      ich bitte nur einmal eines zu bedenken: Jeder weiß, dass Unternehmen im Grundsatz zwischen zwei verschiedenen Strategien wählen können, um sich im Wettbewerb zu behaupten:

      Die eine ist die “Kostensenkungsstrategie”, bei der Kostenführerschaft angestrebt wird.

      Das ist genau das, was gegenwärtig auf Ebene der europäischen Union für Staaten gefordert wird (- allerdings sind Staaten natürlich keine Betriebe, was aber bei entsprechenden Forderungen meist unter den Tisch fallen gelassen wird).

      Die andere ist die “Differenzierungsstrategie” bei der es darum geht, sich über Findigkeit, Innovativität und Qualität im Wettbewerb erfolgreich zu behaupten. Es gibt ja durchaus Firmen – auch deutsche (z.B. die oft in diesem Zusammenhang genannten Trigema und Liqui Moly). Das heißt, auch diese Strategie funktioniert – selbst im gegenwärtigen wirtschaftlichenUmfeld.

      Auf europäischer Ebene wird diese zweite Möglichkeit, Wettbewerbsfähigkeit herzustellen, in Bezug auf Volkswirtschaften nicht einmal in Erwägung gezogen. Stattdessen wird uns im Wege von TINA-Botschaften immer wieder suggeriert, es gebe nur die Kostensenkungsstrategie.

      Ich bin ja nicht dafür, Vlokswirtschaften wie Unternehmen zu behandeln und zu führen versuchen. Aber unsere Politiker tun genau das, und sie kommen sich dabei mithin auch noch blitzgescheit vor. Doch wenn man das schon macht, dann MUSS konsequenterweise auch über die Alternative zur Kostensenkungsstrategie gesprochen werden.

      Jetzt meine Frage: Wird das im Falle von Griechenland & Co. gemacht?

      Viele Grüße
      SLE

  • Klaus - 12. Mai 2012

    “unser Europa wird da einigermaßen gut aus der Krise herauskommen – mittelfristig gesehen”

    Das möchte ich doch gerne etwas näher erklärt bekommen. Wo findet in den Krisenländern was statt, dass die Lage verbessert? Ich kann da beim besten Willen nichts erkennen.

    Dass, was bis jetzt als Reformbemühungen verkauft wird, ist vor allem Zerstörung. Die mag notwendig sein, aber von einem Neuaufbau ist nichts aber auch gar nichts zu sehen.

    Nochmal: Was stützt die Annahme, dass die EU-Staaten (nicht Europa schreiben!) das Desaster überwinden?

  • Michael - 12. Mai 2012

    Beim Anblick dieser Kurven sollte dem Freundeskreis Agenda2010 eigendlich himmelangst und bange sein. Was will ich denn mit uneinbringbaren Schulden als “Exportüberschüsse”, die auch noch bei mir als “Target2-” Salden landen ? Diesen Unfug jetzt auch noch mit weiter steigenden Steuern und Rente ab Beerdigung zur “Rettung” der Überschüsse auf die Spitze zu treiben, ist wirklich die Krönung von Dummheit. Oder habe ich den Gauckler, die Genossen der Bosse und unsere Kanzlerine doch endlich mal falsch verstanden ?

    Erst mal heißt es wohl Helm auf und volle Deckung. :-)

  • Deutscher Michel - 12. Mai 2012

    Hallo Klaus,
    zu -> Was stützt die Annahme, dass die EU-Staaten (nicht Europa schreiben!) das Desaster überwinden? <-
    In den USA wurde 1971 die Rest-Goldbindung des Dollar aufgegeben, das volkswirtschaftliche Defizit mit kreativen finanzwirtschaftlichen Maßnahmen zu Lasten eines großen Restes der Welt übertüncht.
    Ich halte Politiker generell für machtgierig, von den Medien getrieben und im Endeffet für unfähig. Aber in der EU versuchen sie zmindest, in jedem Land auf ihre Weise, eine Lösung zu finden. So ganz einfach in Deutschland durch Vorgabe von Sparmaßnahmen, in Irland, Griechenland, Portugal und Spanien durch Befolgung derselben. Das ist wenigstens ein Ansatz der eine gewisse Logik besitzt, auch wenn man sie mit der Denkweise einer schwäbischen Hausfrau (mit freundlichen Grüssen an Steffen) vergleichen kann. ABER ALLEMAL BESSER ALS EINFACH NUR SOLANGE GELD DRUCKEN, BIS ALLES ZUSAMMENKRACHT.
    Als Ingenieur weiß ich, daß gute Lösungen einfach sein müssen, und hier finde ich mich in der österreichischen Schule für Ökonomie wieder.
    Also, die Amerikaner als Herausgeber der Weltleitwähung fluten seit Bretton Woods die Welt auf die eine oder andere Weise mit ihrem Geld, die Briten drucken ihre Währung auch mit Hochdruck.
    In der EU bemühen wir uns, (mehr schlecht als recht) vertreten durch unsere Politiker, einen Weg zu gehen, der nicht direkt in den währungstechnischen Abgrund führt.
    Der EURO wird den Dollar un das brit. Pfund daher überleben, das ist logisch.
    Ich weiß, daß mir das hier kaum einer glaubt, ich bin trotzdem davon überzeugt.
    Michel

    • Querschuss - 12. Mai 2012

      Hallo Deutscher Michel,
      Überzeugungen können trügen! Kapitalismus ist Kreditexpansion, war nie was anderes! Dieses System lässt sich nicht gesundsparen, im Gegenteil Kreditkontraktion führt zu BIP-Kontraktion, dies führt zu erhöhten Kreditausfällen und zum Vertrauensschwund usw. Ist aber kein Problem weswegen wir uns in einem Disput grün ärgern müssen, denn im Falle des Euro werden wir demnächst sehen wohin die Sicht und die Handlungsweisen der schwäbischen Hausfrau führen, du meinst der Euro wird alle überleben, ich aus den dargelegten Gründen, dass er zuerst übern Jordan geht. Wie werden es noch in unserem Leben aufgelöst bekommen.

      Gruß Steffen

    • Robert - 13. Mai 2012

      Hallöchen deutscher Michel,

      mal aus einer anderen Richtung gedacht. Haben Sie einen Riestersparvertrag? Durch konservative Politik in sozialdemokratischem Gewand wurde die kapitalgedeckte Rente eingeführt. Es werden also jährlich Milliarden Euro von den deutschen Haushalten gespart. Diese werden, um den Garantiezins nicht zu gefährden, unter anderem in Staats- und Unternehmensanleihen angelegt.
      Der Status Quo bei uns ist aber, das die Politik die Schulden abbauen will, also keinen zusätzlichen Staatsanleihen mehr aufnehmen will. Wenn man alle deutschen Unternehmen zusammenfasst, dann erkennt man, dass auch diese Sparen. In Deutschland kann das Geld also nicht angelegt werden.
      Es wird und wurde also im Ausland angelegt, vorwiegend in den südlichen Euroländern. Dummerweise haben wir die Länder, die unsere Ersparnisse aufgenommen haben, aber nach ein paar Jahren für bankrott erklärt.

      Grüße
      Robert

    • Roland M - 15. Mai 2012

      “Als Ingenieur weiß ich, daß gute Lösungen einfach sein müssen, und hier finde ich mich in der österreichischen Schule für Ökonomie wieder.”

      Das passt hier nicht unbedingt, aber falls die Berufsbezeichnung stimmen sollte, fällt mir zu der Behauptung nur folgendes ein: schon einmal in ein modernes Getriebe von einem höherwertigen BMW geschaut? Lassen wir das.

      Die Divergenz der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten lässt sich durch Zwangsmaßnahmen kaum beseitigen. Nicht zuletzt, weil dann die Spezialisten, die auch in Deutschland nicht an jeder Ecke herumstehen, panisch werden und denen sich dank der Globalisierung auch noch ungeahnte Möglichkeiten bieten. Und erst recht nicht durch billige, mit subjektiver Wahrnehmung behafteter, Tipps aus einem Konstruktionshandbuch aus der Vorkriegszeit. Oh Mann.

      Vor etwa 2 Jahren habe ich bei der FAZ als Fachfremder nach einigem Nachdenken kommentiert, dass bei derartigen wirtschaftlichen Unterschieden irgendwann das ganze Geld der Gemeinschaft beim Wirtschaftsgiganten in der Mitte der EU landen muss und dass sich die Situation nur mit einer Transferunion beheben lässt, die Ausmaße annimmt, die man dem deutschen Arbeiter und Angestellten unbedingt verschweigen muss. Eine Weltwirtschaftskrise verstärkt natürlich den Trend. Aber ich nehme nicht an, dass das von Anfang an so geplant war.

      Das kann sich in fünf oder zehn oder auch zwanzig Jahren niemals gesundwachsen. Und wenn der Euro fällt, dann sieht es wohl derberweise auch noch so aus, dass alle in eine tiefe Krise fallen aber Deutschland boomt weil wir den Kostendruck gewohnt äußerst effektiv arbeiten und die Konkurrenz verschwindet.

      Deutschland ist klein, die Welt ist groß, wir sind gut, jedenfalls noch, und brauchen die Eurostaaten als Absatzmarkt nicht unbedingt.

      Außerdem möchte ich mich für diese gelungene Seite bedanken, danach habe ich einige Zeit gesucht, Klasse! Wenn das erwünscht ist, würde ich mit dem nächsten Gehalt gern etwas spenden, weil ich ahne was das für eine Arbeit ist. Die verdient unbedingt eine Anerkennung.

  • Holly01 - 13. Mai 2012

    Gibt es auch nur einen OECD Staat der durch die Wirtschaftslehre amerikanischer Schule einen Anstieg der realen inflationsbereinigten Vermögen ausweisen kann?
    Ich denke : nein.
    Rechnet man die Schuldenstände zusammen (private, industrielle und öffendliche) und zieht man die geänderten Bilanzregeln hinzu, dann bleibt am Ende nur der Vermögensanstieg der Reichen zu Superreichen und die Zerstörung des Mittelstandes.
    Fast 100 Millionen Menschen dürften innerhalb der OECD arbeitslos sein und damit dem Massenmarkt fehlen.
    Fehlende Nachfrage gekoppelt mit steigenden Sozialausgaben und gesenkten Steuern für Reiche machen die OECD Staaten finanziell fertig.
    Der resultierende Verdrängungswettbewerb und die künstich verschärfte Überproduktion trägt zur Zerrüttung der Staatshaushalte bei.
    Die unsinnige ANsicht, der Staat müsse Haushaltsmittel für Wachstum und Subventionierung bereitstellen ist ad absurdum geführt.
    Es gibt -keinen- Staat der mit diesem System erfolgreich war.
    Die amerikanische Wirtschaftsschule gefärdet inzwischen die westlichen Demokratien und das politische System der EU insgesamt.
    Benötigt werden –ausgeglichene– Haushalte, d.h. jeder öffendliche Haushalt muss ein positives Ergebniss ausweisen.
    Ausgaben sind kein Wunschkonzert, sondern sie ergeben sich aus den finanziellen Möglichkeiten.
    Die 40 jährige Blase aus Finanzindustrie und Staatschulden getriebenen BIP bricht zusammen, muss zusammenbrechen.
    Einzige Alternative : Krieg, bevorzugt gegen den Hegemon. Als rein wirtschaftlicher Ausweg vielleicht gangbar, aber realistisch zum Glück so unsinnig, dass dieser wegfällt.